Beschlussvorlage - B/17/4263-01

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Beratungsfolge

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Beschlussvorschlag

Beschlussvorschlag

 

Der Umweltausschuss stimmt dem Vorschlag zur Bekämpfung des Eichenprozessionsspinners für das Jahr 2024 zu und bittet die Servicebetriebe Oberhausen die Vergabe der Leistungen zu beauftragen.

 

In dem von der Stadt Oberhausen an die SBO Servicebetriebe Oberhausen gerichteten Pauschal-zuschuss sind für das Jahr 2024 95.200 EUR brutto für die Bekämpfung des Eichenprozessionsspinners vorgesehen.

 

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Konsequenzen

Bezug

 

Drucksache Nr. M/16/4278-01 – Eichenprozessionsspinner –  Geplante Maßnahmen für 2019

Drucksache Nr. B/16/5135-01 – Eichenprozessionsspinner – Geplante Maßnahmen für 2020

Drucksache Nr. B/17/0018-01 – Eichenprozessionsspinner – Geplante Maßnahmen für 2021

Drucksache Nr. B/17/1549-01 – Eichenprozessionsspinner – Geplante Maßnahmen für 2022

Drucksache Nr. B/17/2678-01 – Eichenprozessionsspinner – Geplante Maßnahmen für 2023

 

 

Konsequenzen

 

a) Finanzielle

 

keine [ ]

 

ja  [ X ]

 

Die Servicebetriebe Oberhausen haben für die vorgesehenen Maßnahmen zur Bekämpfung des Eichenprozessionsspinners Ausgaben in Höhe von 95.200 Euro brutto (inklusive Biozideinsatz, Absaugen der Nester, Schilder, Absperrmaterial) veranschlagt. Die tatsächlichen Kosten stehen derzeit noch nicht fest.

Nach Beschlussfassung durch den Umweltausschuss werden die Servicebetriebe Oberhausen die Leistungen ausschreiben. Bei einem Biozidverzicht wäre mit einer Verdopplung der Kosten zu rechnen.

 

 

b) Sonstige

 

Auswirkungen auf das Klima

 

ja [ ] (siehe Anlage Klimacheck)

 

nein [ X ] Begründung:

 Da es sich lediglich um eine Präventivmaßnahme handelt, ist der Einsatz des Mittels als minimal zu werten und hat somit keine Auswirkungen auf das Klima.

 

 

 

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Sachverhalt

Begründung

 

In den Jahren 2018 bis 2020 kam es in Oberhausen zu einer Massenvermehrung des Eichenprozessionsspinners (EPS). Aufgrund der gesundheitsgefährdenden Beeinträchtigungen (Haut- und Atemwegsreizungen), die von den Brennhaaren der Raupen ausgehen, war es erforderlich, in 2018 für ca. 80.000 €, in 2019 für ca. 110.000 €, in 2020 für ca. 81.000 €, in 2021 für ca. 100.000 €, in 2022 für ca. 81.000 € und 2023 für ca. 75.000 € brutto Bekämpfungsmaßnahmen an betroffenen städtischen Bäumen vorzunehmen.

 

Da es unmöglich ist, eine Prognose für die Intensität des Befalles in 2024 zu erstellen, sind für das Jahr 2024 erneut ähnliche Bekämpfungsmaßnahmen wie in den vorangegangenen Jahren eingeplant, um einer potentiellen Massenvermehrung des EPS entgegenzuwirken und den Schutz der Bevölkerung zu gewährleisten.

 

Um die Gefahr eines Massenbefalls einzudämmen und gesundheitliche Beeinträchtigungen für die Bevölkerung deutlich zu reduzieren, wird seit 2018 der frühzeitige Einsatz eines Biozids vorgenommen.

 

Der Umweltausschuss hat den damaligen erforderlichen Bekämpfungsmaßnahmen zugestimmt und diese wie folgt beschlossen:

siehe

M/16/4278-01 – Eichenprozessionsspinner – Geplante Maßnahmen für 2019,

B/16/5135-01 – Eichenprozessionsspinner – Geplante Maßnahmen für 2020,

B/17/0018-01 – Eichenprozessionsspinner – Geplante Maßnahmen für 2021,

B/17/1549-01 – Eichenprozessionsspinner – Geplante Maßnahmen für 2022 und

B/17/2678-01 – Eichenprozessionsspinner – Geplante Maßnahmen für 2023

 

Bis 2020 wurde das Biozid Neem Protect eingesetzt, das in die Entwicklung der Larven eingreift. Durch das Fressen der behandelten Blätter nehmen die Raupen das Biozid auf, es kommt zu einem Fraß- und Entwicklungsstopp, der die Entwicklung der Brennhaare verhindert und schlussendlich zum Tod der Raupe führt. Dieses Mittel wirkt auf alle pflanzenfressenden Insekten, ist aber nicht bienengefährlich.

 

Seit 2021 wird das Mittel Foray® ES verwandt, das auf Basis des Bazillus thuringiensis aufgebaut ist. Foray ®ES wirkt ausschließlich gegen freifressende Schmetterlingsraupen und wird ebenfalls mit der Nahrung aufgenommen. Es zerstört selektiv das Verdauungssystem, wodurch die Raupen nach wenigen Stunden bis einigen Tagen absterben. Bereits kurz nach der Aufnahme des Mittels stellen die Raupen ihre Nahrungsaufnahme ein.

 

Bekämpfung des Eichenprozessionsspinners in 2023

 

Im Frühjahr 2023 wurde nach einem Monitoring zur Feststellung des Befalls an den im Jahr 2022 befallenen Bäumen eine umfassende und frühzeitige prophylaktische EPS-Besprühung durchgeführt (s. Karte im Anhang).

Dabei wurden 1.820 städtische Eichen, die an Straßen, Kitas, Schulen, Kinderspielplätzen und vereinzelt in Grünanlagen stehen, mit dem Biozid Foray® ES besprüht. Dies führte dazu, dass nur noch an insgesamt 25 Bäumen Nester des EPS mechanisch abgesaugt werden mussten. Für das Absaugen entstanden Kosten von 119,00 Euro pro Baum, für das Besprühen mit dem Biozid Kosten von 22,73 Euro pro Baum. Die Kosten für die direkten Bekämpfungsmaßnahmen belaufen sich somit auf rund 45.000 Euro brutto.

 

Des Weiteren wurden seit dem Frühjahr 2020 punktuell verschiedene selektive Fallentypen im Stadtgebiet von Oberhausen angebracht, darunter 123 mechanische Raupenfallen zum Fang der Raupen und 22 Pheromon-Fallen zur Kontrolle und Eindämmung der Falterpopulationen.

 

In 2023 wurden zusätzlich 40 weitere Nisthilfen speziell für Meisen, zusätzlich zu den 160 Nisthilfen aus den Jahren 2020, 2021 und 2022, an mehreren Standorten im Stadtgebiet installiert, um eine natürliche Prädation (Fraß der EPS-Raupen durch Vögel) zu fördern. Insgesamt wurden demnach 200 Stück Nisthilfen angebracht.

 

Während der Reinigung der Nisthilfen im Herbst/Winter 2022/23 wurde festgestellt, das 108 der 160 Nisthilfen belegt waren, was eine Quote von 68 % ergibt. Die in diesem Jahr neu installierten Nisthilfen werden erst ab dem Herbst/Winter 2023/24 gereinigt.

 

Von den im Jahr 2023 besprühten Bäumen wiesen lediglich 11 nach der Behandlung trotzdem einen Befall auf, was einem Wirkungsgrad nahezu 100 (99,4 %) Prozent entspricht. Insofern war der Biozideinsatz von 2023 sehr erfolgreich.

 

Einsatz von mechanischen und Pheromon-EPS-Fallen zur Verringerung der Raupenpopulation

 

Grundsätzlich wird auch von der Verwaltung eine Verringerung des Einsatzes von Bioziden begrüßt und auch angestrebt. Jedoch steht die wirksame Abwehr der Gefahren, die vom EPS ausgehen im Vordergrund und genießt damit absolute Priorität.

 

Die SBO Servicebetriebe Oberhausen haben deshalb geprüft, ob mit alternativen Bekämpfung-Strategien, wie den mechanischen EPS-Fallen, eine ausreichende Dezimierung der Raupenpopulation möglich ist und somit der Biozideinsatz verringert oder in einzelnen Bereichen gänzlich vermieden werden könnte.

 

Deshalb wurde der Fangerfolg der einzelnen mechanischen EPS-Fallen im Sommer 2023 2-malig kontrolliert und die Fangergebnisse der Fallen ausgewertet, um deren Wirkungsgrad zu ermitteln.

 

Die Kontrollen der EPS-Fallen wurden beim Wechsel des Lockstoffes im Ende Juni/Anfang Juli und anschließend nochmals im August durchgeführt. Dabei wurde dokumentiert, ob überhaupt Raupen in den Beuteln der Fallen vorgefunden wurden und deren ungefähre Anzahl eingeschätzt.

 

Die Kontrollen der 22 Pheromon-Fallen zum Einfangen der Falter wurden einmalig im Oktober 2023 durchgeführt.

 

 

Fangergebnisse der Fallen

 

Von den 22 Pheromon-Fallen, die zum Einfangen der Falterpopulation dienen, waren 13 belegt. Pro Falle wurden 2 bis 10 Falter vorgefunden.

 

Eine Reduzierung der Populationsdichte ist mit dem geringen Fangerfolg dieser Fallen sicher nicht möglich. Die Fangergebnisse können auch nicht zur Prognose der Population im Folgejahr verwendet werden, da aufgrund der bisherigen Erkenntnisse Zusammenhänge zwischen der Anzahl anfliegender EPS-Männchen und der Gefährdung des umliegenden Gebietes bislang nicht feststellbar sind.

 

Einzig die sehr auf wendige Eisuche im Kronenbereich der Eichen mittel Hubsteiger liefert genauere Daten zur Prognose der kommenden Population. Aber auch diesem Verfahren wird nur eine eingeschränkt zuverlässige und wenig präzise Vorhersage unterstellt.

 

Die mechanische Superol EPS-Falle besteht aus einem Ring, der den Eichenstamm umschließt und einem Fangbeutel, in den die Eichenprozessionsspinner fallen sollen, während diese aus der Baumkrone hinunter zum Stamm wandern. Der Eichenprozessionsspinner wird von dem im Beutel befindlichen Lockmittel angezogen und kann diesen aufgrund einer speziellen Beschichtung nicht mehr verlassen.

 

Insgesamt wurden in den letzten Jahren 123 Stück dieser Superol-EPS Fallen an Eichen in Parkanlagen, auf Friedhöfen und Wäldern installiert.

 

Die erste Auswertung der Fangergebnisse fand bei dem Wechsel des Lockstoffbeutels im Juni 2023 statt. In 23 von den 123 Fallen wurden Raupen des Eichenprozessionsspinners vorgefunden, was einer Erfolgsquote von 18,7 % entspricht.

 

Die zweite Auswertung wurde im August 2023 durchgeführt. Diesmal waren 17 der 123 Fallen fängisch, was zu einer Erfolgsquote von 13,8 % führte.

 

Die Anzahl der eingefangenen Raupen je Falle variierte zwischen 10 bis 50 Stück, also im Durchschnitt ca. 30 Raupen/Falle. Insgesamt wurde demnach die Raupenpopulation um ca. 1.200 Stück vermindert.

Die Raupenanzahl der gesamten EPS-Population in Oberhausen ist naturgemäß kaum einzuschätzen. Da jedoch ein Befall von mehreren 100 bis über 1.000 Raupen pro Eiche durchaus möglich ist, scheint der Erfolg dieser EPS-Fallen eher als gering einzustufen zu sein.

 

 

Dies bestätigen auch Gespräche mit der Landwirtschaftskammer Münster, die anmerkt, das die Wirksamkeit des Einsatzes dieser EPS-Fallen wissenschaftlich bisher nicht untersucht wurde. Zudem wird auch das Konzept der Fallen als fachlich nicht fundiert und nachvollziehbar eingestuft und mit folgenden Argumenten in Frage gestellt:

 

  • Die Fallen werden mit Lock- oder Duftstoffbeuteln bestückt, die den „Aromen der Eichen“ entsprechen. Dadurch sollen die Raupen angelockt und letztendlich gefangen werden. Nach Aussage der Landwirtschaftskammer in Münster besitzen die Raupen des Eichenprozessionsspinners jedoch keine ausgeprägten Organe, um diese Lockstoffe überhaupt wahrnehmen zu können. Somit ist die Wirksamkeit dieses Lockstoffes nicht bewiesen und rein spekulativ.

 

  • Die Anbringung der Fallen erfolgt in 3-4 Metern Höhe am Baumstamm. Es ist jedoch nicht erwiesen, ob der EPS die Baumkrone generell verlässt und sich am Baumstamm bewegt. Dies wäre nur im Falle eines Kahlfraßes der Blätter in der Baumkrone mit einhergehendem Nahrungsmangel zu erwarten. Nur in diesem Fall würden die Raupen die am Stamm angebrachte Falle überhaupt erreichen und passieren. Der Kahlfraß einer Eichenkrone wurde in Oberhausen jedoch noch nicht beobachtet.

 

  • Die Falle ist, wenn überhaupt nur gegen die Raupen an dem Baum wirksam, an dem sie angebracht wurde. Eine Wirkung im Umfeld des Baumes ist ausgeschlossen, da der EPS den Baum normalerweise nicht verlässt.

 

Der Erfolg des Einsatzes von EPS-Fallen zur Bekämpfung der Raupenpopulationen ist wissenschaftlich nicht erwiesen und wird sowohl von offizieller Seite als auch von operativen Anwendern im Umfeld unserer Region als nicht oder kaum wirksam eingestuft.

 

 

Strategie für die Bekämpfung des Eichenprozessionsspinners in 2024

 

Eine Prognose über die Intensität des EPS-Befalls für das Jahr 2024 ist nicht möglich. Dieser hängt von verschiedenen Faktoren wie der Witterung im Frühjahr, (Temperatur Sonnenintensität, Niederschlag) der Intensität des Falterfluges und dessen Dezimierung durch z. B. Vögel am Ende des letzten Sommers ab.

 

Daher halten wir es für den Gesundheitsschutz und der Abwendung von gesundheitlichen Beeinträchtigungen für die Bevölkerung für notwendig, eine prophylaktische Besprühung gegen einen EPS-Befall zur Gefahrenabwehr durchzuführen.

 

Gerade Menschen mit Vorbelastungen wie Atemwegs- und Hauterkrankungen leiden besonders unter den Brennhaaren der EPS-Raupen, die das Gift Nesselgift Thaumetopoein enthalten. Diese Haare werden vom Wind ins weitere Umfeld der befallenen Eichen getragen. Daher können Menschen, wie auch Tiere, mit den Brennhaaren in Berührung kommen, während sie sich in der Nähe befallener Bäume befinden oder aufhalten.

 

Grundsätzlich ist der EPS mit seinen Auswirkungen als Naturerscheinung zu bewerten. Der beste Schutz ist das weiträumige Fernbleiben von befallenen Eichen, wie auch der Landesbetrieb Wald-und Holz mitteilt. Dies ist im ländlichen Raum oder in Waldgebieten zwar möglich, jedoch in hochfrequentierten urbanen Bereichen mit Eichen an Straßen, auf KITAs und Schulgeländen nahezu ausgeschlossen.

 

 

Vorschlag Maßnahmenkonzept für 2024

 

Im Frühjahr 2024 sollen 1.570 städtische Eichen mit dem Mittel Foray® ES behandelt werden. Dabei handelt es sich vorrangig um Straßenbäume sowie um Bäume an Spielplätzen, Schulen und KITAs. Anstelle des bis 2020 verwendeten Biozids Neem Protect, ist seit 2021 aufgrund der selektiveren Wirkung das Mittel Foray® ES zum Einsatz gekommen. (Erläuterung siehe unten).

 

Der Eichenprozessionsspinner befällt vorwiegend Stiel- und Traubeneichen, die Roteiche oder Amerikanische Eiche (Quercus robur) wurde in den letzten Jahren nur sporadisch und vereinzelt vom EPS befallen. Deshalb soll diese Eichenart in 2024 nicht weiter prophylaktisch behandelt und somit der Biozideinsatz reduziert werden.

 

Entsteht dennoch ein Befall an Einzelbäumen, werden die Nester mechanisch entfernt bzw. abgesaugt. Dadurch wurde die Anzahl der zu besprühenden Bäume um 250 Stück im Vergleich zum Vorjahr verringert.

 

-            In Wald- und Parkbereichen wird aufgrund der sensiblen Standorte für den Natur- und Artenschutz (Landschaftsschutzgebiete und Naturschutzgebiete) kein Biozideinsatz erfolgen.

 

-            Befallene Bäume an hoch frequentierten Wegen in Parkanlagen werden abgesperrt und die Nester abgesaugt.

 

-            In den städtischen Wäldern werden keine Maßnahmen durchgeführt.

 

-            Das Kontrollieren und Säubern von den mechanischen Raupenfallen und Meisen-Nisthilfen soll weiter fortgesetzt werden. Weitere EPS-Fallen sollen aufgrund der geringen Effektivität und der umstrittenen Wirksamkeit nicht hinzugefügt werden.

Nach dem Abschluss der EPS-Saison 2024 soll der Fangerfolg der Fallen abschließend beurteilt werden. Anhand des Resultates und einer Kosten/Nutzen-Analyse soll letztendlich über die Fortführung des Einsatzes dieser Fallen eine Entscheidung getroffen werden.

 

-            Zur effektiven Bearbeitung eingehender Meldungen über EPS-Vorkommen wird die in 2020 eingeführte zentrale Erfassung über die Service-Hotline 0208 825-7777 oder die E-Mail-Adresse eps@oberhausen.de fortgesetzt.

 

-            Es muss damit gerechnet werden, dass es in der Zeit von Mai bis Juli zu vorübergehenden Sperrungen von Wegen in Parkanlagen kommen kann. An den Eingängen der Waldgebiete und Parkanlagen sollen bei bestätigtem EPS-Befall im Einflussbereich von Wegen Schilder mit dem Hinweis „Betreten auf eigene Gefahr“ aufgestellt werden.

 

Die Servicebetriebe Oberhausen sollen mit dem prophylaktischen Einsatz des Biozids, dem Entfernen von EPS-Nestern an befallenen Eichen sowie der Kontrolle der mechanischen Raupenfallen und der Säuberung und Kontrolle der Nisthilfen beauftragt werden. Die Ausführung erfolgt durch externe Fachfirmen.

 

 

Grundsätzliche Erläuterungen

 

Im Folgenden werden die Beweggründe näher erläutert, aufgrund derer die Verwaltung diese Bekämpfungsstrategie vorschlägt, und die konkreten Maßnahmen vorgestellt:

 

Aus Sicht des Natur- und Artenschutzes ist ein Biozideinsatz grundsätzlich als kritisch zu betrachten, da die Mittel zur Bekämpfung des EPS (Neem Protect, Foray® ES) nicht nur Raupen des EPS schädigen, sondern auch andere Insektenarten. Das Biozid Foray® ES weist dabei jedoch eine selektivere Wirkung als das bisher eingesetzte Biozid Neem Protect auf, da es nur freifressende Schmetterlingsraupen (ausgenommen Noctuidae (Eulenfalter)) schädigt und keine anderen Insektenarten. Somit ist auch nicht davon auszugehen, dass bei der Bekämpfung geschützte Tierarten getötet werden, was nach dem Bundesnaturschutzgesetz verboten ist (§ 44 Abs. 1 Nr. 1 BNatSchG). Vollständigkeitshalber sei jedoch erwähnt, dass ein solcher Verstoß aus Gründen des Gesundheitsschutzes ausnahmsweise zulässig wäre, da aus Sicht der Verwaltung keine zumutbare Alternative zur Biozidanwendung besteht.

 

Eine Alternative wäre grundsätzlich die rein mechanische Bekämpfung mittels Absaugen. Dies funktioniert jedoch nur, wenn nicht wie in Oberhausen ein mehrjähriger und starker Befall an zahlreichen hoch frequentierten Standorten im gesamten Stadtgebiet vorliegt. Bei sehr großen Vorkommen des Eichenprozessionsspinners kommt die mechanische Bekämpfung an die Grenzen ihrer Leistbarkeit, und eine zeitnahe Entnahme der gemeldeten bzw. gesichteten Nester kann nicht mehr sichergestellt werden. Eine rein mechanische Entnahme stellt daher auch für das Jahr 2024 keine zumutbare Alternative für das Oberhausener Stadtgebiet dar, sodass der erneute Einsatz eines Biozids vorgeschlagen wird.

 

Dabei wird, im Gegensatz zu den Vorjahren, seit 2021 das Biozid Foray® ES eingesetzt. Das Mittel besitzt gegenüber dem bisher eingesetzten Biozid Neem Protect eine selektivere Wirkung, da es nur freifressende Schmetterlingsraupen (ausgenommen Noctuidae) schädigt, nicht jedoch andere Insekten. Die Wirksamkeit der Produkte ist vergleichbar hoch. Die Stadt Duisburg bestätigte auf Nachfrage die hohe Wirksamkeit. In der Vergangenheit konnte das Mittel aufgrund fehlender oder ablaufender Genehmigung nicht benutzt werden. Eine langfristige Genehmigung bis November 2028 liegt nun jedoch vor.

 

Die Anwendung des Biozids findet nach dem Blattaustrieb der Eiche Mitte / Ende April und bis zum 3. Raupenstadium ca. Mitte / Ende Mai statt. Eine Wirkung ist auch bei fortgeschrittenen Larvenstadien noch gegeben, jedoch mit geringerer Effektivität. Bei der Ausbringung sind neben den Anwendungsbestimmungen auch die Witterungsbedingungen zu beachten. Gerade diese sind für den Erfolg der Maßnahmen entscheidend. Damit wird der Entwicklung von Brenn-, Gifthaaren entgegengewirkt. Bei dem Einsatz des Biozids sind auch alle rechtlichen Rahmenbedingungen (Natur-, Arten-, Landschafts-, Wasserschutzverordnungen) zu beachten.

 

 

Ökologische Planung

 

Die Reinigung und Kontrolle der mechanischen Raupenfallen und Meisen-Nisthilfen soll weiter fortgesetzt werden.

 

In naturnahen Bereichen, in denen keine prophylaktische Bioziodbehandlung vorgenommen wird, wurden 2023 zusätzlich insgesamt 16 mechanische Raupenfallen (z. B. Volkspark Sterkrade, Volksgarten Osterfeld) sowie 40 Nisthilfen (z. B. Revierpark Vonderort, Stadtwald Osterfeld, Ruhrpark, Westfriedhof, Nordfriedhof, Forststraße/Hühnerheide) aufgehängt.

 

Zudem wurden in 2022 45 Nisthilfen entlang der mit Eichen bestandenen Gewässer (z. B. Tüsselbeck, Handbach, Reinersbach, Alsbach, Nassenkampgraben) durch die WBO Wirtschaftsbetriebe Oberhausen GmbH angebracht.

 

Die Kontrolle und Säuberung der Nistkästen erbrachte positive Ergebnisse. Von 45 Nisthilfen waren 7 Stück nicht mehr vorhanden. Von den 38 übrigen Nisthilfen, waren 34 Stück belegt. Insgesamt wurde mit 87 % eine 19 % höhere Belegungsquote als im Vorjahr festgestellt. Die 7 entwendeten Nisthilfen wurden im Frühjahr 2023 durch die WBO GmbH ersetzt.

 

Wie in den vergangenen Jahren soll die Öffentlichkeitsarbeit und der Meldeverlauf von EPS-Nestern für die Oberhausener Bevölkerung aufrechterhalten werden. Hierzu zählen insbesondere die zu diesem Zweck installierte zentrale Rufnummer und E-Mail-Adresse.

 

Die Meldungen von EPS-Nestern an städtischen Eichen sind an die Service-Hotline (Tel.: 0208 825-7777) oder an die E-Mail-Adresse (eps@oberhausen.de) zu richten.

 

Im Frühjahr wird in Presseartikeln (Zeitung, soziale Netzwerke, Internetseite der Stadt Oberhausen etc.) über den EPS und das Vorgehen im Jahr 2024 informiert. Zusätzlich werden bei Befall Hinweisschilder an Wald- und Parkeingängen aufgestellt. Befallene Bäume und Wege in Parkanlagen werden im Bedarfsfall von Außendienstmitarbeitern mit einem Flatterband abgesperrt. Da in Parkanlagen nur an hoch frequentierten Wegen und Spielplätzen eine mechanische Bekämpfung des Eichenprozessionsspinners mittels Absaugen erfolgt, muss damit gerechnet werden, dass ggf. Veranstaltungen in den Parkanlagen aufgrund des EPS kurzfristig abgesagt oder in eine andere Parkanlage verschoben werden müssen. Es kann auch zu kurzzeitigen Sperrungen von Außenanlagen der Schulen oder KITAs kommen.

 

 

Kurzfassung

 

In Oberhausen kam es von 2018 bis 2020 zu Massenvermehrungen des Eichenprozessionsspinners. Seit dem Jahr 2021 erschien der EPS-Befall in der Intensität nachzulassen. Die Raupen tragen ab einem gewissen Larvenstadium gesundheitsgefährdende Brennhaare, die zu Haut- und Atemwegsreizungen führen können.

 

Der Stadtverwaltung entstanden folgende Kosten für die Bekämpfung des Eichenprozessionsspinners:

 

2018 ca. 80.000 Euro, 2019 ca. 110.000 Euro, 2020 ca. 81.000 €, 2021 ca. 100.000 €, 2022 ca. 81.000 € und 2023 75.000 €.

 

Die Verwaltung plant 2024 einen erneuten Biozideinsatz an 1.570 städtischen Bäumen durchzuführen. In 2024 wird wiederum ein Mittel mit geringeren negativen Auswirkungen auf Natur und Landschaft, bei gleicher Wirksamkeit, eingesetzt. Dabei handelt es sich vorrangig um Straßenbäume sowie um Bäume an Spielplätzen, Schulen und KITAs. In Waldbereichen und Parkbereichen wird aufgrund der sensiblen Standorte für den Natur- und Artenschutz (Landschaftsschutzgebiete und Naturschutzgebiete) kein Biozideinsatz erfolgen. Durch den Einsatz des Biozids an hoch frequentierten Standorten soll die Gesundheitsgefährdung für die Oberhausener Bevölkerung deutlich reduziert werden.

 

Der Einsatz der mechanischen EPS-Fallen soll in 2024 abschließend beurteilt und über dessen Fortführung entschieden werden.

 

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Anlagen

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