Berichtsvorlage - M/17/4058-01

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Beratungsfolge

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Sachverhalt

Sachdarstellung

 

Mitte Juni 2023 wurde vom Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen ein neues, aus Mitteln des Sondervermögens des Klima- und Transformationsfonds finanziertes Förderprogramm „Anpassung urbaner Räume an den Klimawandel“ veröffentlicht. Im Rahmen des Bundesprogramms sollen investive Projekte der Grün- und Freiraumentwicklung mit hoher Wirksamkeit für die Klimaanpassung und den natürlichen Klimaschutz (CO2-Minderung), mit hoher fachlicher Qualität, mit hohem Investitionsvolumen und mit hohem Innovationspotenzial gefördert werden. Ziel ist es, Städte und Gemeinden bei der Bewältigung der durch die klimatischen Veränderungen bedingten Herausforderungen zu unterstützen. Insbesondere die gezielte Entwicklung und Modernisierung von Park-, Grün- und Freiflächen hat angesichts der Corona-Pandemie deutlich an Bedeutung gewonnen und kann Vorbildwirkung entfalten für die Stadtentwicklung in Deutschland insgesamt.

 

Das Antragsverfahren ist in zwei Phasen untergliedert:

 

  • 1. Phase - Einreichung einer Projektskizze und Auswahl der Förderprojekte
  • 2. Phase (nur für ausgewählte Projekte) - Beantragung der Bundesförderung in Form einer Projektzuwendung

 

Die Projektskizzen für die 1. Phase mussten bis zum 15.09.2023 eingereicht werden und die Finanzmittel aus dem Sondervermögen stehen bis 2026 zur Verfügung. Die Bagatellgrenze für eine Zuwendung ist auf 500.000 € festgesetzt und Kommunen wird bei einer entsprechenden Bewilligung eine Förderung von bis zu 85 % (bei Vorliegen einer Haushaltsnotlage) gewährt.

 

Der Bereich 2-2 / Umwelt hat im Rahmen des Förderprogramms zwei Projektskizzen für den Ruhrpark sowie den Friedensplatz eingereicht. Für die Vorbereitung der Antragsunterlagen wurde unterstützend ein Landschaftsarchitekturbüro hinzugezogen. Der Förderantrag für den Friedensplatz ist bereits im letzten Jahr eingereicht worden, konnte im Rahmen dieses stark überzeichneten Aufrufs allerdings nicht berücksichtigt werden, sodass in diesem Jahr ein zweiter Versuch unternommen wird.

 

 

 

Klimaresiliente Aufwertung des Ruhrparks

 

Die Klimaanalyse der Stadt Oberhausen und das Klimaanpassungskonzept weisen die Stadtteile

Lirich-Süd und Alt-Oberhausen als typische Stadtklimatope aus, deren versiegelte Flächen sich ohne Schatten schnell aufheizen und ausgeprägte Wärmeinseln ausbilden. Ein geringer Luftaustausch führt für die Bürger/innen zu bioklimatischen und lufthygienischen Belastungen.

 

Der südlich angrenzende Ruhrpark übernimmt mit seinem Naturpotential und aufgrund seiner

topographischen Lage bereits heute als Gegenpol wichtige klimatische Ausgleichsfunktionen für diese Stadtteile und ihre Bürger. Als beliebter Rückzugsort an warmen Tagen ist er vor allem für vulnerable Bevölkerungsgruppen attraktiv. Daher soll auch die Erreichbarkeit des Ruhrparks für die benachteiligten Stadtteile über die Ausweisung bisher fehlender Radrouten, so genannter „Wege ins Grüne“, mit entsprechenden Wegemarkierungen verbessert werden.

 

Während die Revitalisierung des Feuchtbiotops Halde Alstaden bereits 2022 mit EFRE-Mitteln gefördert wurde und seine Funktionalität und Erlebbarkeit deutlich gesteigert wurde, fehlt es dem Ruhrpark noch an dieser beabsichtigten Aufwertung. Die dazu erforderlichen Maßnahmen wurden bereits im Strukturkonzept Ruhrpark erarbeitet und sollen nun weiterqualifiziert werden. Es wird beabsichtigt, die klimatischen Ausgleichsfunktionen zu steigern sowie ihn klimaresilient und nachhaltig umzugestalten.

 

Konkret sollen die folgenden Maßnahmen zur zukunftsorientierten Entwicklung des Ruhrparks beitragen:

 

Biodiversität und Klimaanpassung

  • Altholzbestand erlebbarer machen und dadurch stärker schützen, Trampelpfade schließen, Totholzbestände erhalten
  • Ergänzung des Baumbestandes, experimentelle Nutzung von verschiedenen Baumarten unter Abwägung von Klimaanpassung und Biodiversität, Beobachtung der Entwicklung
  • Anreicherung der Biodiversität auf Wiesen durch Verwendung von regionalem Saatgut,

Differenzierung zwischen Rasen- und Wiesenflächen und Erarbeitung neuer Mahdregime

 

Quartiersverknüpfung mit dem Entlastungsraum Ruhrtal

  • Ausweisung attraktiver Wege ins Grün mit Hilfe von Markierungen
  • Aufwertung des Verbindungspunktes "Panoramarastplatz" der Grünen Achse am Ruhrtal
  • Haupt- und Nebeneingänge in den Park attraktiv und naturnah gestalten
  • Sicherstellung einer besseren Erkennbarkeit der Zugänge für stadtteilfremde Besucher über ein wiederkehrendes, möglicherweise farbiges Pflasterband (versickerungsfähiges Pflaster)
  • Treppenanlage mit Rampe zur barrierefreien Anknüpfung an den Weg auf dem Ruhrdeich herstellen
  • Blühaspekte an den Eingängen und Skulpturen als Wiedererkennungsmerkmal installieren

 

Parkimpulse

  • Beregnungsanlagen als Abkühlung an heißen Tagen oder zur Erfrischung nach dem Sport
  • Bau einer multifunktionalen Bürgerbühne (u.a. für Schulklassen und Vereine)

 

 

Friedensplatz

Eine ebenfalls klimatisch prekärer Raum ist der Innenstadtbereich der Stadt Oberhausen, der laut den Ergebnissen der Klimaanalyse und des Klimaanpassungskonzepts besonders von Hitze betroffen ist. Bereits jetzt lassen sich im Sommer im Umkreis des Platzes städtische Hitzeinseln und Tropennächte konstatieren. Laut den klimatischen Prognosen des RVR (Klimaanalyse 2017) soll sich die Häufigkeit und die flächenhafte Ausprägung solcher Phänomene im Stadtgebiet zukünftig verstärken.

Darüber hinaus fließt das Regenwasser ungenutzt aus Richtung Süden vom Platz und kann dort im weiteren Verlauf zu urbanen Sturzfluten beitragen. Die klimatischen Veränderungen und Wetterextreme gilt es also in der Planung des Platzes zu berücksichtigen, um ihn zukunftsfähig zu machen und langfristig zu erhalten. Denn gerade ein Ort wie der Friedensplatz, der klimatische Ausgleichsfunktionen bereitstellen und Abkühlungseffekte für seine Umgebung bieten kann, ist für den Innenstadtbereich von Oberhausen von enormer Relevanz. Er kann so selbst bei Hitze- und Trockenphasen für eine hohe Aufenthaltsqualität in einem versiegelten Raum sorgen.

 

Um dies auch zukünftig sicherzustellen, beabsichtigt die Stadt Oberhausen die Vitalität und Funktionsvielfalt des Friedensplatzes zu steigern und durch gezielte vegetabile, nachhaltige und bauliche Maßnahmen, sommerliche Hitzeinseln zu vermeiden, das innerstädtische Kleinklima zu stabilisieren, das Kanalsystem zu entlasten und einen Beitrag zur CO2-Minderung zu leisten. Eine Kombination aus grüner und blauer Infrastruktur in Verbindung mit Themen der Nachhaltigkeit sollen dabei helfen, dass der Platz sein volles Potential nutzen kann. Dazu zählen unter anderem folgende Maßnahmen:

 

  • Rigolen: Beidseitig des Platzes verlaufen entlang der bestehenden Baumreihen zwei Rigolen. Durch den Anschluss der Dachflächen der angrenzenden Gebäude sowie die Aufnahme von Oberflächenwasser der Platzflächen wird Regenwasser in die Rigolen eingeleitet.
  • Zisternen: Ein Teil des Niederschlagswassers der angrenzenden Dachflächen wird in zwei Zisternen geleitet und gespeichert. Diese liegen in den jeweiligen Tiefpunkten des Platzniveaus. Notüberläufe führen in die Rigolen. Bei trockener Witterung wird das gespeicherte Wasser den Vegetationsflächen über ein Bewässerungssystem zur Verfügung gestellt.
  • Begrünte Verdunstungs- und Versickerungsmulde: Die muldenförmige Senke am nördlichen Platzende nimmt bei Starkregenereignissen Niederschlagswasser auf, das durch Verdunstung und Versickerung sukzessive in den örtlichen Kreislauf eingebracht wird. Eine klimaangepasste Staudenpflanzung bietet eine abwechslungsreiche Blütenfläche mit hoher Biodiversität.
  • Baumscheiben: Zur vielfältigen Aufnahme des Regenwassers sowie zur besseren Belüftung der Baumwurzeln werden die Baumscheiben der Bestandsbäume vergrößert. Durch die Verwendung einer wassergebundenen Wegedecke werden zusätzliche Teilbereiche der Platzfläche entsiegelt.
  • Biodiverse Bepflanzung: Die Bepflanzung der bereits großflächig im Bestand angelegten Grünflächen wird biodivers gestaltet und durch eine klimaangepasste Bepflanzung ersetzt.
  • Neupflanzung Baum: Zur Beschattung des freien, großflächigen Kopfbereichs des Platzes und zur gestalterischen Ergänzung wird ein neuer, großkroniger Laubbaum gepflanzt.
  • Platzgestaltung: Der große Platz vor dem Brunnen wird durch neues Stadtmobiliar aufgewertet. Der Platzbelag wird durch sickerfähiges Pflaster erneuert. Das Pflastermaterial entspricht in seiner Oberfläche dem Belag der fußläufigen Elsässer Straße und setzt diesen konsequent fort. Durch seine gestalterische Aufwertung bindet sich der Platz in die Innenstadt ein und vernetzt weitere Grünflächen der Stadt miteinander. Das Niederschlagswasser versickert vor Ort in den Untergrund.
  • Wiederverwendung Klinkerpflaster: Zur Umsetzung der Maßnahmen im Untergrund des Platzes muss das Pflaster der Platzfläche aufgenommen werden. Es handelt sich um einen gut erhaltenen Klinkerstein, der wiederverwendet und mit neuem Sickerpflaster gestalterisch hochwertig ergänzt wird.
  • Erhalt der Wasserflächen: Zwei große Wasserbecken bleiben erhalten und werden weiter betrieben. Zusätzlich wird das stille Wasserbecken mit nährstoffzehrenden Pflanzen ausgestattet.

 

Nach dem Prinzip der Schwammstadt soll so das Niederschlagswasser unterhalb der Platzdecke aktiv zurückgehalten, der Vegetation zur Verfügung gestellt und über Verdunstung an warmen Tagen wieder freigesetzt werden.

 

 

Kostenübersicht

 

Projektgebiet

2024

2025

2026

Gesamtkosten

 

 

Ruhrpark

97.500 €

855.000 €

855.000 €

1.807.500 €

Friedensplatz

726.000 €

1.749.000 €

2.871.000 €

5.346.000 €

 

 

gesamt

823.500 €

2.604.000 €

3.726.000

7.153.500 €

 

 

beantragte Förderung

699.975 €

2.213.400 €

3.167.100

6.080.475 € = 85 %

Eigenanteil

123.525 €

390.600 €

558.900

1.073.025 € = 15 %

 

Kurzfassung

 

Mitte Juni 2023 wurde vom Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen ein neues, aus Mitteln des Sondervermögens des Klima- und Transformationsfonds finanziertes Förderprogramm „Anpassung urbaner Räume an den Klimawandel“ veröffentlicht. Im Rahmen des Bundesprogramms sollen investive Projekte der Grün- und Freiraumentwicklung mit hoher Wirksamkeit für die Klimaanpassung und den natürlichen Klimaschutz (CO2-Minderung), mit hoher fachlicher Qualität, mit hohem Investitionsvolumen und mit hohem Innovationspotenzial gefördert werden. Ziel ist es, Städte und Gemeinden bei der Bewältigung der durch die klimatischen Veränderungen bedingten Herausforderungen zu unterstützen. Insbesondere die gezielte Entwicklung und Modernisierung von Park-, Grün- und Freiflächen hat angesichts der Corona-Pandemie deutlich an Bedeutung gewonnen und kann Vorbildwirkung entfalten für die Stadtentwicklung in Deutschland insgesamt.

 

Der Bereich 2-2 / Umwelt hat im Rahmen des Förderprogramms Mitte September zwei Anträge für den Ruhrpark sowie den Friedensplatz eingereicht. Die Gesamtkosten betragen rund 7,15 Mio. € und sollen mit einer Quote von bis zu 85 % (bei Vorliegen einer Haushaltsnotlage) gefördert werden (Eigenanteil: rund 1 Mio. €). Die Fördermittel stehen bei einer Bewilligung bis Ende 2026 zur Verfügung.

 

 

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