Berichtsvorlage - M/17/0061-01

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Beratungsfolge

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Sachverhalt

Sachdarstellung

 

 

Im Anschluss an den ersten Sozialbericht 2017, der im April 2018 veröffentlicht wurde, erfolgt mit dem vorliegenden Sozialbericht 2020 die erste Aktualisierung der Oberhausener Sozialindices für die Sozialquartiere.


Hintergrund

 

Um bestehende Armut und soziale Ausgrenzung zu bekämpfen und neu entstehende Armutsverhältnisse frühzeitig zu verhindern, empfiehlt das Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales Nordrhein-Westfalen (MAGS NRW) die Umsetzung einer integrierten Sozialplanung. Dieser Empfehlung ist die Stadt Oberhausen 2017 nachgekommen und hat einen an die lokalen Bedingungen angepassten Sozialplanungsprozess entwickelt.

 

Die Sozialplanung nimmt drei Ebenen besonders in den Blick: Die Sozialräume, in denen von Armut und Ausgrenzung betroffene Menschen leben, die Lebenslagen, in denen sie sich befinden, und die Institutionen, die vor Ort angesiedelt sind. So sollen Menschen mit Unterstützungsbedarfen dort erreicht werden, wo sie wohnen, um ihnen vor Ort ein selbstbestimmtes Leben zu ermöglichen und ihre soziale Teilhabe zu fördern. Dazu müssen vor Ort entsprechende Bedingungen geschaffen werden.

 

Zahlreiche Institutionen, Organisation und Einrichtungen engagieren sich seit vielen Jahren für die Bekämpfung von Armut und sozialer Ausgrenzung in Oberhausen. Wohlfahrtsverbände, Kirchen, Gewerkschaften und viele andere Institutionen sind meist Expert*innen für Quartiere mit besonderem Unterstützungsbedarf und Träger*innen von Projekten, Fördermaßnahmen oder Hilfseinrichtungen vor Ort. Diese bestehenden Strukturen können und sollten genutzt und auf ihnen aufgebaut werden.

 

Um ein passendes Angebot mit vorhandenen Ressourcen anbieten zu können, ist einerseits nötig, die Bedarfslagen in den entsprechenden Quartieren transparent zu machen und andererseits, bestehende Maßnahmen sinnvoll aufeinander abzustimmen, damit sie sich ergänzen können. Hierzu ist ein regelmäßiger Dialog zwischen Verwaltung, Politik, den Träger*innen sowie den Bürger*innen vor Ort vonnöten, welcher in Oberhausen besonders im Rahmen der ebenfalls zum Sozialplanungsprozess gehörenden Sozialraumkonferenzen, den sog. Expert*innendialoge, forciert wird.

 

Der vorliegende Sozialbericht ist ein elementarer Baustein des Sozialplanungsprozesses und deckt gezielt potentielle Bedarfslagen auf. Er verfolgt den Grundsatz einer transparenten Planung zur bedarfsgerechten Ressourcensteuerung und orientiert sich an den Lebenslagen der Oberhausener Einwohner*innen, den Sozialräumen, in denen sie wohnen, und den dort ansässigen Institutionen.

 

Sozialindices als Steuerungsinstrument

 

Der enthaltene Sozialindex stellt eine einheitliche und systematische Basis zur Steuerungs-unterstützung der kommunalen Verwaltung, der kommunalen Sozialpolitik und der vielfältigen Oberhausener Träger*innenlandschaft dar. Nach dem Prinzip „Ungleiches ungleich behandeln“ sollen knappe Ressourcen dort investiert werden, wo sie am nötigsten gebraucht werden. Als transparente Entscheidungsgrundlage ermöglicht der Sozialbericht einerseits gezielte Investitionen zur Förderung der Chancengleichheit und verbessert andererseits die Verteilungsgerechtigkeit bei knappen Ressourcen. Überdies konnte der erste Sozialbericht innerhalb der Verwaltung und von Wohlfahrtsträger*innen dazu genutzt werden, um Förderanträge zu stellen und zusätzliche Ressourcen zu akquirieren.

 

Um stets eine aktuelle Planungsgrundlage zu bieten, wird der Sozialindex alle zwei Jahre aktualisiert.

 

Im Fokus des Sozialberichtes stehen Menschen, die einem erhöhten Risiko für Armut und soziale Ausgrenzung ausgesetzt sind. Sie werden mithilfe von sieben Kernindikatoren abgebildet, die Bevölkerungsgruppen repräsentieren, die gemäß der bundesweiten Armuts- und Reichtumsberichterstattung das statistisch höchste Armutsrisiko tragen.

 

Zu den Kernindikatoren gehören: der Anteil an Einwohner*innen mit Migrationshintergrund, der Anteil der SGB-II-Empfänger*innen, der Anteil an SGB-II-Empfänger*innen unter 15 Jahren, der Anteil an Arbeitslosen im Alter von 15 bis unter 25 Jahren, der Anteil an Empfänger*innen von Grundsicherung im Alter (SGB XII), der Anteil an Haushalten von Alleinerziehenden und der Anteil an Haushalten mit mehr als zwei Kindern. Die benötigten Daten werden durch den Bereich 4-5 Statistik zur Verfügung gestellt. Die sieben Kernindikatoren werden auf Ebene der 27 Oberhausener Sozialquartiere beschrieben und fließen anschließend in zwei Berechnungsverfahren ein: Den Statusindex und den Dynamikindex. Zusammen ergeben diese den Sozialindex.

 

Die Indices machen sichtbar, in welchen Sozialquartieren sich Menschen mit hohem Armutsrisiko bündeln (Statusindex) und zeigen auf, wo Anteile dieser Armutsrisikogruppen in den letzten Jahren am deutlichsten zu- oder abgenommen haben (Dynamikindex). Für eine integrierte Zusammenarbeit mit allen Fachbereichen wurden das Berechnungsverfahren, die Auswahl der Kernindikatoren und auch die Darstellung der Ergebnisse in enger Zusammenarbeit mit dem Fachbereich 4-5 Statistik erarbeitet und mit der verwaltungsinternen Planer*innengruppe abgestimmt.

 

Das Verfahren eignet sich dazu, Planungen zu vereinfachen und komplexe Bedarfslagen zu über-sichtlichen Kennzahlen und Karten zusammenzufassen. Der Sozialindex ist ein Verhältnismaß und betrachtet die Sozialquartiere im Vergleich zueinander. Er ist als Steuerungsinstrument für integrierte Planungen zu betrachten, nicht aber als Evaluationsinstrument für Maßnahmen und Projekte.

 

Der Sozialbericht ist in zwei Themenbereiche geteilt. Im ersten Abschnitt können interessierte Leser*innen mehr über die „Grundlagen der integrierten Sozialplanung in Oberhausen“ erfahren und im zweiten Abschnitt „Atlas Sozialindex“ sind die aktuellen Analysen im Rahmen des Sozialindex zu finden. Im ersten Berichtsabschnitt zu den Grundlagen der integrierten Sozialplanung erhalten die Leser*innen Einblick in die aktuellen Arbeitsfelder der integrierten Sozialplanung und überdies werden im Rahmen von insgesamt drei Exkursen Schnittstellen des Themas Armut mit den Themenfeldern Bildung, Gesundheit, Umwelt und Wohnen aufgezeigt.

 

Zentrale Ergebnisse des Sozialindex

 

Als Fokusgebiete, mit einem erhöhten Armutsrisiko haben sich die Sozialquartiere Innenstadt, Lirich-Süd, Marienviertel-Ost, Marienviertel-West, Brücktorviertel und Osterfeld-Mitte/Vonderort herauskristallisiert. Weiterhin liegen in Sterkrade-Mitte und Tackenberg-Ost einzelne Mittelblocke mit auffälligen Werten. Dabei handelt es sich um dieselben Sozialquartiere, die auch im Sozialbericht 2017 betrachtet wurden. Für diese Fokusquartiere wurden weiterführende Sozialraumanalysen durchgeführt, aus denen steuerungsrelevante Informationen abgeleitet werden können.

 

Insgesamt ist zu beobachten, dass die soziale Spaltung zwischen den Sozialquartieren leicht zu-genommen hat. In den Sozialquartieren, in denen bereits erhöhte Anteile der armutsgefährdeten Bevölkerungsgruppen zu finden waren, sind diese auch am deutlichsten gestiegen.

Hingegen sind die Anteile in den Sozialquartieren mit geringen Anteilen armutsgefährdeter Bevölkerungsgruppen weiter gesunken.

 

Umgang mit den Ergebnissen und Ableitung integrierter Strategien

 

Im Oberhausener Stadtgebiet arbeiten mehrere hundert Institutionen und Akteur*innen direkt und indirekt daran, die Lebenslagen und Teilhabechancen der Oberhausener Bürger*innen zu verbessern. Sie liegen in ganz unterschiedlicher Trägerschaft und sind in unterschiedlichem Maße flexibel und an veränderte Bedarfslagen anpassbar.

 

Um ein vielfältiges aber bedarfsgerechtes Angebot für alle Stadtgebiete zu fördern, soll die integrierte Sozialplanung und Sozialberichterstattung Träger*innen unterstützender Maßnahmen und Fachplaner*innen die Standort- und Bedarfsanalyse vereinfachen. Diese können so ihre Angebote möglichst passgenau an den Lebenslagen und damit einhergehenden Bedarfen am jeweiligen Standort bzw. im Sozialraum ausrichten. Die Ergebnisse des Sozialberichtes werden daher neben den politischen Gremien ebenfalls in allen aktiven Sozialraumgremien vorgestellt, die als zentrale Multiplikatoren wirken. Auf Anfrage können die Ergebnisse auch in weiteren Gremien vorgestellt werden.

 

Um die Datenanalysen darüber hinaus mit dem Wissen der Fachakteur*innen aus den Sozialräumen zusammenzubringen, werden sie unter dem Motto „Von Daten zu Taten“ im Rahmen der Expert*innendialogen diskutiert. Sie kennen die Lebenslagen der Einwohner*innen und können die statistischen Kennzahlen durch praxisnahes Wissen ergänzen.

 

In die Expert*innendialoge fließen, neben den Ergebnissen des Sozialberichtes, interdisziplinäre Analysen anderer Fachplanungen z.B. aus den Bereichen, Bildung, Gesundheit, Stadtentwicklung usw. ein. Zentrales Ziel der Expert*innendialoge ist die Ableitung integrierter, passgenauer, wissensbasierter und umsetzungsfähiger Strategien und Handlungsempfehlungen zur Verbesserung der Lebenslagen der Oberhausener Einwohner*innen. Diese werden anschließend im Rahmen von insgesamt sechs Strategiepapieren – für jeden Sozialraum eines – veröffentlicht.

 

Der kommunalen Politik, der Verwaltung und den Träger*innen soll mit den Strategiepapieren eine gemeinsame Grundlage als Orientierung hin zu einer gemeinsamen strategischen Ausrichtung geboten werden.

 

Die Umsetzung der Handlungsempfehlungen sowie die Planung konkreter Maßnahmen kann dabei nur begrenzt durch die Sozialplanung gesteuert werden, da die jeweiligen Zuständigkeiten und Entscheidungskompetenzen sich auf die Politik, die Fachverwaltungen, den Verwaltungsvorstand und die Maßnahmenträger*innen verteilen.  Der Umsetzungsstand der im Rahmen der Expert*innendialoge erarbeiteten Handlungsempfehlungen soll jedoch durch ein zentrales Controlling begleitet werden.

 

Der Sozialbericht und auch die im Rahmen der Expert*innendialoge erarbeiteten Strategiepapiere bieten für die Verwaltung und auch für Träger*innen, die im Stadtgebiet aktiv sind, eine umfassende Grundlage zur Formulierung von Förderanträgen. Bereits mit dem ersten Sozialbericht konnten, im Rahmen des Förderaufrufes „Zusammen im Quartier Kinder stärken, Zukunft sichern!“ des Ministeriums für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landes Nordrhein-Westfalen (MAGS NRW), insgesamt fünf Förderprojekte im Oberhausener Stadtgebiet beantragt und mit zusätzlichen finanziellen Ressourcen ausgestattet werden.

 

Auch andere Fachplanungsverfahren, wie bspw. im Rahmen des aktuellen Kinder- und Jugendförderplanes des Bereiches 3-1 Kinder, Jugend und Familie werden durch die Sozialplanung mit interdisziplinären Sozialraumanalysen unterstützt.

 

Ebenso wird von den im Wohnpark Bebelstraße aktiven Akteur*innen ein Workshop zum Umgang mit den Ergebnissen des aktuellen Sozialberichtes ausgerichtet.

 

Weiterhin strebt die Sozialplanung den Ausbau der dezernatsübergreifenden, interdisziplinären Zusammenarbeit zur Ableitung integrierter Strategien, bspw. auf Basis der Exkurse, an.

 

Die Fokusgebiete können zudem als Grundlage für die Erstellung integrierter Handlungskonzepte (IHK) dienen. Entsprechend werden in Zusammenarbeit mit dem Bereich 5-1 Stadtplanung in einem „Quartiersplan“ Entwicklungspotentiale für das Marienviertel-Ost interdisziplinär zusammengestellt. Der Quartiersplan wird im nächsten Schritt in Abhängigkeit der gewonnen Ergebnisse in ein Quartiers-IHK erweitert, was wiederum auch Grundlage für weitere Förderzugänge sein kann. Insgesamt gilt es, vergleichsweise schnell umsetzbare Maßnahmen bzw. Interventionen zu entwickeln, um konkrete Antworten auf die im Sozialbericht verdeutlichten Herausforderungen zu finden. Die gewonnenen Erkenntnisse zur Methode der Erarbeitung des „Quartiersplans“ dienen als Blaupause für weitere Fokusgebiete des Sozialberichts.

 

 

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Anlagen

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