Berichtsvorlage - M/16/0565-01

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Sachverhalt

Sachdarstellung

 

Das Land hat im Jahr 2009 das Programm „100 Klimaschutzsiedlungen NRW“ aufgelegt. Mehrere Städte, darunter auch einige Kommunen im Ruhrgebiet, haben sich bereits daran beteiligt. Neben den eigentlichen Klimaschutzaspekten mit Schwerpunkt auf energiesparender Bauweise müssen viele weitere Aspekte wie z. B. Städtebau, Architektur, Nähe zu ÖPNV, Schulen und Infrastruktur berücksichtigt werden.

 

Klimaschutzsiedlungen sind Wegweiser hin zu einer klimaverträglichen und energiesparenden Bauweise. Sie zeigen, wie Klimaschutz und gleichzeitig guter Städtebau in der Praxis des Wohnungsbaus in den Kommunen umgesetzt werden können. Auf der energetischen Seite ist die energiesparende Bauweise durch hervorragende Wärmedämmung, 3-fach Verglasung, Komfortbelüftung mit Wärmerückgewinnung und auch Nutzung des Sonnenlichts sogar wichtiger als die individuelle Technik der Energieversorgung bzw. der Beheizungsart. Besonders das Passivhaus verzichtet weitestgehend auf kostspielige Heizenergie und setzt somit Maßstäbe bei Energieverbrauch und Reduzierung von Nebenkosten bei gleichzeitig erhöhtem Wohnkomfort.

 

Der Rat der Stadt Oberhausen hat deshalb in seiner Sitzung am 30.09.2013 die Verwaltung beauftragt, die Möglichkeiten klimafreundlichen Wohnungsbaus in Oberhausen zu prüfen und geeignete Baugebiete für eine Klimaschutzsiedlung zu benennen. Umwelt- und Planungsverwaltung konnten daraufhin relativ kurzfristig ein größeres Bauvorhaben im Bebauungsplan 221 - Am Tüsselbeck / Zum Steinacker - in Schmachtendorf als mögliche Klimaschutzsiedlung NRW identifizieren. In dem Baugebiet entstehen im ersten Bauabschnitt 20 Einfamilien-Doppelhaushälften und 4 Mehrfamilienhäuser mit je 6 Wohnungen. Alle 44 Wohnungen verbleiben im Eigentum des Bauträgers und werden vermietet.

 

 

Bauträger der Siedlung Am Tüsselbeck / Zum Steinacker ist die Störmann Bauträger GmbH aus Bottrop. Die architektonische Planung und Ausführung erfolgt durch das Planungsatelier Robenek, ebenfalls aus Bottrop. Die Beantragung als Klimaschutzsiedlung NRW wurde mit dem Bauträger und den Architekten bis Dezember 2014 eingehend abgestimmt. Obwohl das Bauvorhaben längst begonnen war, konnte nach Abgleich der Planung mit den Kriterien des Landes NRW eine Anerkennung im laufenden Bauverfahren in Aussicht gestellt werden. Das Projekt zeichnet sich dadurch aus, dass alle Gebäude in der energiesparenden Passivhaus-Bauweise geplant sind und, dass auch die weiteren Maßnahmen zur CO2-Einsparung und zum Städtebau dem Anforderungsprofil des Programms Klimaschutzsiedlung NRW entsprechen. Die notwendigen Antragsunterlagen wurden deshalb in Zusammenarbeit mit Umwelt- und Planungsverwaltung zusammengestellt und bei der Energieagentur des Umweltministeriums NRW eingereicht.

 

Die zuständige Auswahlkommission, bestehend aus Vertreterinnen und Vertretern von Ministerium, Architektenschaft und Energie-Wissenschaft, tagte am 11. Dezember 2014 in Düsseldorf. Das Projekt aus Oberhausen wurde nach Vorstellung und intensiver Diskussion als „Klimaschutzsiedlung NRW“ zunächst, mit dem Zusatz „im Bau“, anerkannt. Die Siedlung kann den Titel dauerhaft führen, wenn alle Anforderungen auch nach Fertigstellung erfüllt sind. Ein nachfolgendes Messprogramm zum Energieverbrauch der Siedlung über fünf Jahre dient zur Qualitätssicherung. Die Verbrauchsdaten sind an die Energieagentur NRW zu übermitteln.

 

Eine Besonderheit der Siedlung in Oberhausen ist es, dass - im Rahmen der allgemeinen Städtebauförderung - eine Passivhausbebauung im Mietwohnungsbau realisiert wird. Damit wird gezeigt, dass innovatives, energiesparendes Bauen nicht auf Eigenheime einer zahlungskräftigen Klientel beschränkt ist.

 

Aufgrund der Besonderheiten, die mit dem Wohnen in einem Passivhaus verbunden sind, werden die zukünftigen Mieterinnen und Mieter Am Tüsselbeck in einer speziellen Veranstaltung über geeignete Verhaltensweisen informiert.

 

Trotz der Passivbauweise gibt es aber in den Häusern eine Heizung: Eine kleine Erdwärmepumpe - mit der elektrischen Leistungsaufnahme etwa eines Haarföns - sorgt für die Erwärmung der gesamten Raumluft an kalten Tagen. Ansonsten wird der zugeführten Frischluft die Wärme der verbrauchten Abluft in einem Wärmetauscher wieder zurückgegeben. Und sogar ein kleiner Heizkörper steht im Wohnzimmer, denn, es hat sich gezeigt, dass – trotz angenehmer Raumtemperaturen – Bewohnerinnen und Bewohner das Gefühl, eine „echte“ Heizung zu haben, noch nicht missen wollen. Der Strom für die kleine Wärmepumpe kann vollständig durch Solarenergie gedeckt werden, einschließlich der Warmwassererzeugung im Haus. Heizung und Warmwassererzeugung werden dadurch klimaneutral. Unter dem Strich wird kein zusätzlicher Strom aus den Kraftwerken benötigt und es wird kein zusätzliches CO2 erzeugt. Gas und Öl als Energieträger spielen hier gar keine Rolle mehr.

 

Ausblick:

Die Siedlung Am Tüsselbeck soll Vorbild für weitere innovative Projekte in Oberhausen sein. Andere Siedlungen sollen folgen. So besteht für den Bebauungsplan 656 B – Münzstraße / Zum Dörnbusch, benachbart zum Bereich des Schacht IV in Osterfeld mit dem Regionalverband Ruhrgebiet als derzeitigem Grundstückseigentümer bereits Einigkeit darin, auch hier eine Klimaschutzsiedlung NRW zu entwickeln. In solchen Pilotprojekten können alle Beteiligten wertvolle Erfahrungen sammeln, so dass diese Bauweisen sich nach und nach zum ganz normalen Standard entwickeln können.

 

 

Internet-Links:

www.100-klimaschutzsiedlungen.de und www.energiesparen-oberhausen.de .

 

 

 

Kurzfassung

 

Die Stadt Oberhausen hat ihre erste Neubausiedlung, die eine Auszeichnung aus dem Landesprogramm „100 Klimaschutzsiedlungen NRW“ erhielt. Die zuständige Auswahlkommission, bestehend aus Vertreterinnen und Vertretern von Umweltministerium, Architektenschaft und Energie-Wissenschaft, tagte im Dezember 2014 in Düsseldorf. Dem Projekt Am Tüsselbeck / Zum Steinacker im Bebauungsplan 221 in Schmachtendorf wurde nach Vorstellung durch die Stadt Oberhausen, den Bauträger und den Architekten der Titel „Klimaschutzsiedlung NRW im Bau“ zuerkannt. Die vollständig in Passivhausbauweise konzipierten Gebäude benötigen nur minimalen Heizenergieaufwand und sind als 20 Einfamilien-Doppelhaushälften und 4 Mehrfamilienhäuser jeweils zur Vermietung vorgesehen.

 

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