Berichtsvorlage - M/16/0551-01
Grunddaten
- Betreff:
-
Sperrmüll auf Abruf - eine Bilanz nach einem Jahr Regelbetrieb
- Status:
- öffentlich
- Vorlageart:
- Berichtsvorlage
- Federführung:
- Umweltschutz
- Bearbeitung:
- Barbara Neu
- Verantwortung:
- Werntgen-Orman
Beratungsfolge
| Status | Datum | Gremium | Beschluss | NA |
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●
Erledigt
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Umweltausschuss
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Kenntnisnahme
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21.01.2015
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Sachverhalt
Bezug
A/15/2597-01, M/15/2775-01, B/15/2870-01 und M/15/3338-01
Sachdarstellung
Zum 1. Oktober 2013 wurde im Stadtgebiet die Sperrmüllsammlung von festen Terminen auf ein Abrufsystem umgestellt. Die Umstellung betraf dabei folgende Parameter:
- individuelle Terminvereinbarung statt fester Abholtermine
- maximal 26 statt vorher 7 Sperrmülltermine pro Jahr und Bezirk
- kurzfristige Terminvergabe innerhalb von 14 Tagen / 10 Werktagen anstatt Wartezeiten von durchschnittlich 7 Wochen
- Abholung der Elektrogroßgeräte direkt aus dem Haus / der Wohnung
Der vorliegende Bericht zieht eine Bilanz der letzten 14 Monate seit Umstellung des Abfuhrsystems. Er zeigt sowohl die Vorteile des neuen Systems als auch mögliche Optimierungsmaßnahmen auf.
Entwicklung der Sammelmenge
Wie man den nachfolgenden Mengenaufstellungen entnehmen kann, hat sich die zu entsorgende Sperrmüllmenge seit Einführung des neuen Abfuhrsystems reduziert. Wesentlicher Grund hierfür ist der direkte Kontakt mit den Bürgerinnen und Bürgern durch die Sperrmüllhotline und die Abfallberatung der Stadt. Bereits bei der Anmeldung wird mit den Anrufenden abgeklärt, welche Gegenstände über den Sperrmüll abgefahren werden und welche selbst – z. B. am Wertstoffhof - entsorgt werden müssen.
Entwicklung der Sperrmüllmenge
Stand: 1.12.2014
Die Erfassungsmengen beim Sperrmüll schwanken in verschiedenen Städten zwischen 38 kg / Einw. / Jahr und 60 kg / Einw. / Jahr. Lag Oberhausen im Jahr 2008 mit
57 kg / Einw. / Jahr noch am oberen Ende der Skala, hat sich die Sammelmenge mit 47 kg / Einw. / Jahr im Schnitt der letzten 14 Monate im Mittelfeld eingependelt.
Bei den Elektroaltgeräten dagegen hat sich die monatliche Sammelmenge fast verdoppelt. Hier wird besonders deutlich, wie im alten System Sperrmüllsammler die wertstoffhaltigen Elektroaltgeräte vor der Abfuhr durch die Wirtschaftsbetriebe Oberhausen GmbH (WBO) entwendet und illegal vermarktet bzw. ausgeschlachtet haben.
Entwicklung der Sammelmenge von Elektrogroßgeräten

Stand: 1.12.2014
Sperrmüll-Hotline
Die Sperrmüll-Hotline, die von den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Telefonzentrale bedient wird, erledigt ihre Arbeit äußerst professionell, kompetent und freundlich. Nur in seltenen Fällen, etwa bei Sonderwünschen zum Bereitstellungsort, unklarer Anfahrmöglichkeit des Grundstücks oder ungewöhnlichen Gegenständen zur Entsorgung, muss noch die Hilfe der Abfallberatung oder der WBO als „Rückfallebene“ in Anspruch genommen werden. Regelmäßig stattfindende Gespräche zwischen Mitarbeitern der Hotline, WBO und Abfallberatung dienen dem Informationsaustausch und der Optimierung der Serviceleistungen.
Der Großteil der Anmeldungen mit über 88 % erfolgt telefonisch über die Hotline-Nummer 825-6000, ein geringer Anteil (ca. 11 %) per Internet über das Sperrmüllformular. Alle übrigen Anmeldearten (persönlich, Fax, Postkarte, E-Mail) liegen zusammen weit unter 1 %. Das nachfolgende Diagramm zeigt die Anzahl der monatlichen Anmeldungen seit Einführung des neuen Systems. Zu beachten ist jedoch, dass die Gesamtzahl der Anrufe bei der Hotline noch um einiges höher liegt, da z. B. Nachmeldungen zu bestehenden Sperrmüllaufträgen, Beschwerden oder einfache Auskünfte nicht erfasst werden.

Stand: 1.12.2014
Im nachfolgenden Diagramm sind die durchschnittlichen Anmeldezahlen je nach Wochentag dargestellt. Dabei fällt besonders die hohe Frequentierung der Hotline zum Wochenbeginn auf, während zum Wochenende die Anmeldungen kontinuierlich zurückgehen. Die Hotline reagiert darauf, indem die Anzahl der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der wechselnden Nachfrage angepasst wird.

Stand: 1.12.2014
Die eingesetzte Software „WasteWatcher“ hat sich bewährt. Sie wird in Kürze im Zuge eines umfassenden Updates auf eine benutzerfreundlichere Version umgestellt, in die auch Anregungen der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Hotline sowie der WBO einfließen.
Bereitstellung des Sperrmülls
Gemäß Abfallsatzung der Stadt Oberhausen muss der angemeldete Sperrmüll am Abholtag bis spätestens 7 Uhr morgens und darf frühestens am Vorabend ab 18 Uhr am Straßenrand zur Abholung bereitgestellt werden. Immer wieder kommt es jedoch vor, dass Sperrmüll zum Teil deutlich vor dem nächsten Abholtermin an die Straße gestellt wird.
Liegt für das Grundstück eine Anmeldung vor, wird der Anmelder als vermutlicher Verursacher umgehend telefonisch kontaktiert und zur sofortigen Beseitigung des Sperrmülls aufgefordert. Kommt er der Aufforderung nicht nach, wird ein Ordnungswidrigkeitenverfahren gegen ihn eingeleitet.
Wurde kein Sperrmüll für das Grundstück angemeldet oder der Anmelder gibt an, nicht der Verursacher zu sein, gestaltet sich der Fall komplizierter. Sowohl das Kreislaufwirtschaftsgesetz als auch die hierauf basierende Abfallsatzung der Stadt Oberhausen benennen den Abfallbesitzer als Entsorgungspflichtigen, mithin also denjenigen, der die Abfälle bereitgestellt hat. Ist dieser nicht bekannt, beauftragt die Abfallbehörde die WBO mit der Entsorgung des Mülls als „Wilde Müllkippe“. Theoretisch könnten die Abfälle – sofern keine akute Verkehrsgefährdung durch z. B. Blockieren des Gehwegs vorliegt - zunächst liegen bleiben und im Rahmen der nächsten regulären Sperrgutabfuhr beseitigt werden. Im Sinne der Stadtsauberkeit und um das eventuelle illegale Dazustellen weiterer Abfälle zu vermeiden hat sich die Verwaltung jedoch für die dargestellte Vorgehensweise entschieden. Sollte jedoch ein Zeuge den Vorgang beobachtet haben und den Verursacher benennen können, wird umgehend ein Ordnungswidrigkeitenverfahren wegen Verstoßes gegen die Abfallsatzung eingeleitet. In den letzten 14 Monaten waren dies insgesamt acht Verfahren.
Bereits bei der Anmeldung des Sperrmülls weisen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Hotline gezielt darauf hin, wie und wo der Sperrmüll bereitzustellen ist, um das zügige Beladen des Entsorgungsfahrzeuges durch die Mitarbeiter der WBO zu gewährleisten. Bis auf sehr wenige Ausnahmen gibt es hier keine Probleme. Auffällig ist jedoch, dass einige Bürgerinnen und Bürger den Sperrmüll extrem zerkleinern und sogar Schubladen in ihre Einzelteile zerlegen. Dies bedeutet einen unnötig hohen Arbeitsaufwand mit entsprechend großer körperlicher Belastung durch das ständige Bücken für die WBO-Mitarbeiter. Grundsätzlich gilt, dass alle Gegenstände, die von zwei Personen getragen werden können und nicht breiter als 2,50 Meter sind, problemlos in das Entsorgungsfahrzeug geladen werden können. Die Hotline berät daher seit einiger Zeit die Anmelder entsprechend.
Gelegentlich kommt es auch vor, dass aufgrund der örtlichen Gegebenheiten die Bereitstellung des Sperrmülls vor dem eigenen Grundstück nicht möglich ist. Gründe können neben einem sehr schmalen oder fehlenden Gehweg auch aktuelle Baustellen oder eine für das Entsorgungsfahrzeug zu enge Stichstraße sein. In diesen Fällen wird gemeinsam mit dem Anmelder nach einer für beide Seiten praktikablen Lösung gesucht. Meist wird ein geeigneter Alternativabholort vereinbart, der unter Zuhilfenahme von Online-Luftbildern festgelegt und in der Sperrmüll-Datenbank als Hinweis für die Müllwerker eingetragen wird. Aufgrund des Zeitaufwandes wird diese Serviceleistung nicht von der Hotline, sondern der Abfallberatung oder der WBO erledigt.
Trotz Beratung und Abfrage der Gegenstände durch die Hotline werden in ca. 2 % der Fälle auch sperrmüllfremde Abfälle bereitgestellt, die im Rahmen der Abfuhr liegen bleiben. Dabei handelt es sich vor allem um Müll in Säcken, große Kartonagen, Holzzäune, Türen sowie Wand- und Deckenverkleidungen. Die Erfahrungen der letzten Monate haben gezeigt, dass nahezu alle Bereitsteller die liegengebliebenen Gegenstände wieder vom Gehweg entfernen. In den allermeisten Fällen erübrigt sich somit ein Anruf beim Anmelder.
Täglich kommt es mehrfach vor, dass trotz Anmeldung an einer Abholstelle kein Sperrmüll vorgefunden wird. Dies kann mehrere Ursachen haben: Entweder der Anmelder hat den Termin vergessen, der Sperrmüll wurde mittlerweile anderweitig entsorgt und der Abholtermin nicht storniert, oder es wurden nur wenige gut erhaltene Gegenstände bereitgestellt und von Sperrmüllsammlern komplett mitgenommen. Grundsätzlich ist dies für die Arbeit der WBO jedoch unproblematisch und bei der Tourenplanung bereits berücksichtigt.
Abholung Elektrogroßgeräte
Die Umstellung auf Abholung der Elektrogroßgeräte direkt aus dem Haus bzw. der Wohnung wird von der Bevölkerung weit überwiegend positiv gesehen. Besonders ältere Bürgerinnen und Bürger wissen diesen Service zu schätzen. Durch diese Verbesserung des Bürgerservices entfällt das Bereitstellen der in der Regel schweren Geräte am Straßenrand. Gleichzeitig wird hierdurch den Vorgaben des Kreislaufwirtschaftsgesetzes Rechnung getragen und das illegale Absammeln bzw. die umweltgefährdende Teildemontage einzelner Geräte durch Sperrmüllfledderer vollständig unterbunden.
Durch die Erhöhung der Sammelmenge konnten zudem die Vermarktungserlöse für Elektrogeräte erheblich gesteigert werden, was letztlich auch zur Stabilität der Abfallgebühren beiträgt.
Einnahmen aus der Vermarktung von Elektroaltgeräten
Stand: 1.12.2014
Zum problemlosen Abtransport der Elektrogeräte durch die WBO ist es notwendig, diese vorab vom Stromnetz bzw. Wasseranschluss zu trennen. Sowohl aus zeit- als auch insbesondere haftungsrechtlichen Gründen (Stromschlag, Wasserschaden) ist es den Mitarbeitern der WBO untersagt, entsprechende Arbeiten vorzunehmen. Obwohl diese Vorgehensweise eigentlich jedem plausibel sein sollte, hat dies in der Vergangenheit zu gelegentlichem Unmut speziell bei älteren Bürgerinnen und Bürgern geführt. Die Hotline hat umgehend reagiert und weist bereits bei der Anmeldung explizit auf diese Vorgaben hin.
Bei der Anmeldung von Elektrogroßgeräten werden die Geräteart und -menge abgefragt und in die Datenbank eingetragen, da diese Angaben Grundlage der Tourenplanung im Hinblick auf die Auslastung der eingesetzten Fahrzeuge sind. Daraus resultiert, dass nicht angemeldete Großgeräte, die zusätzlich an einer Abholstelle bereitstehen, im Zuge der aktuellen Tour nicht mitgenommen werden können. Für die nicht angemeldeten Geräte ist daher ein neuer Abholtermin bei der Sperrmüll-Hotline zu vereinbaren. Dies gilt nicht für kleine Elektrogeräte bis zur Größe einer Kaffeemaschine, die in haushaltsüblichen Mengen und in einer Tüte oder Karton verpackt bei Abholung eines Großgerätes grundsätzlich mitgenommen werden.
Durch die Bindung der Abholtermine montags bis freitags zwischen 7 – 12 und 12 – 15 Uhr ist es für berufstätige Personen oftmals schwierig, einen geeigneten Termin zu vereinbaren, da sie zu diesen Zeiten in der Regel nicht zu Hause sind. In solchen Fällen helfen Abfallberatung und WBO weiter, indem Abholorte außerhalb des Gebäudes auf dem angeschlossenen Grundstück vereinbart werden, die für die WBO-Mitarbeiter frei zugänglich und trotzdem von außen für Sperrmüllfledderer nicht einsehbar sind (z.B. Hinterhof, Garage, Terrasse).
Beraubung des Sperrmülls
Vom Tage der Umstellung des Abholsystems an hat die sogenannte „Sperrmüllfledderei“ drastisch abgenommen. Dies hat mehrere Gründe: Zum einen sind die Sperrmülltermine nicht wie früher allgemein bekannt, sondern werden den Anmeldern für die nächste Abholung individuell mitgeteilt. Zum anderen sind die für Fledderer besonders interessanten Elektrogeräte nicht mehr verfügbar, da diese direkt aus dem Haus geholt und nicht mehr öffentlich bereitgestellt werden. Darüber hat sich die Größe der einzelnen Abfuhrbezirke von früher 32 auf aktuell 10 mehr als verdreifacht, sodass es deutlich aufwändiger ist, einen kompletten Bezirk abzufahren und brauchbare Materialien abzusammeln.
Bei den wenigen Sperrmüllsammlern, die derzeit noch im Stadtgebiet unterwegs sind, sind aktuell Metalle, Matratzen und Teppiche besonders begehrt. Um diesen Personen die Sammeltätigkeit weiter zu erschweren, werden die Abfuhrtage der Sperrmüllbezirke in unregelmäßigen Abständen durch die WBO geändert.
Gleichzeitig mit dem Rückgang der Fledderei haben sich auch die illegalen Müllablagerungen an den Stellen deutlich reduziert, die der Verwaltung als Umlade- und Sortierplätze der Sperrmüllsammler bekannt waren.
Resümee und Ausblick
Die Erfahrungen der letzten 14 Monate seit Einführung des Systems „Sperrmüll auf Abruf“ sind sehr positiv. Von den Bürgerinnen und Bürgern werden besonders die Serviceverbesserungen bei der Wartezeit der Sperrmüllabholung sowie die Abholung der schweren Großelektrogeräte direkt aus dem Haus / der Wohnung begrüßt. Aber auch der Nebeneffekt der deutlichen Abnahme der Suchverkehre und des Durchwühlens des Sperrmülls durch Fledderer kommt in der Bevölkerung sehr gut an. Unerwartet auftretende Probleme konnten dank der konstruktiven Zusammenarbeit zwischen WBO, Hotline und Verwaltung immer kurzfristig und bürgerfreundlich gelöst werden.
Die sinkenden Entsorgungsmengen im klassischen Sperrmüll bei gleichzeitig steigenden Erlösen beim Elektroschrott tragen zusätzlich zu einer Stabilisierung der Gebühren bei. Eine weitere Optimierungsmöglichkeit für die Zukunft sieht die Verwaltung in der Getrenntsammlung von Metallen durch die WBO mittels eines separaten Fahrzeugs, sobald sich dieser Service wirtschaftlich darstellen lässt.
Kurzfassung
Die Umstellung der Sperrmüllabfuhr auf ein bedarfsgerechtes Abrufsystem mit Vollservice für Elektrogroßgeräte erfolgte zum 1. Oktober 2013. Nach einer ersten Bilanzierung ist festzustellen, dass die mit der Umstellung erwarteten Ziele erreicht wurden. Die Sperrmüllabholung ist jetzt bedarfsorientiert und kurzfristig abrufbar, gleichzeitig bietet die Stadt Oberhausen einen besonders bürgerfreundlichen Service für Elektroaltgeräte an. Die negativen Begleiterscheinungen des alten Systems wie Sperrmüllfledderei und Suchverkehre in engen Anliegerstraßen sind nahezu versiegt. Hierdurch können auch die Erlöse für den Gebührenzahler deutlich erhöht werden, was zur Stabilisierung der Gebühren beiträgt. Unerwartet auftretende Probleme konnten dank der intensiven Zusammenarbeit zwischen Hotline, WBO und Abfallberatung jeweils kurzfristig und dauerhaft behoben werden.
