Berichtsvorlage - M/17/3930-01

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Beratungsfolge

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Sachverhalt

Begründung / Sachdarstellung

 

A.    Grundsätze der Waldpflege

 

In Oberhausen werden ca. 1.000 ha Wald forstlich betreut und bewirtschaftet. Ziel ist es, die

biologische Vielfalt, die Produktivität und die Verjüngungsfähigkeit des Waldes zu erhalten bzw. zu verbessern, um gegenwärtig und in Zukunft wichtige ökologische, wirtschaftliche und soziale Funktionen zu erfüllen.

 

Die Stadt Oberhausen ist der größte Waldbesitzer mit 476 ha. Herr Jürgen Halm von den Servicebetrieben Oberhausen SBO pflegt und bewirtschaftet den städtischen Waldbesitz. Weitere Waldbesitzer sind das Land NRW (Hiesfelder Wald, ca. 411 ha), der Regionalverband Ruhr (RVR, Grafenbusch, Klosterhardt) sowie kleinflächige Privatbesitzer.

 

Die städtischen Wälder werden im Rahmen der sogenannten Forsteinrichtung (Betriebsplanung) bewirtschaftet. Die Forsteinrichtung wird im Auftrag des Landesbetriebes Wald und Holz, Regionalforstamt Ruhrgebiet, erarbeitet. Sie legt für circa zehn Jahre die Grundzüge der Maßnahmen für die ordnungsgemäße Bewirtschaftung und Pflege des Waldes fest. Die diesjährigen Maßnahmen basieren auf der neu erstellten Forsteinrichtung aus dem Jahr 2022, der vom Umweltausschuss am 15.06.2022 zugestimmt (Vorlage B/17/2099-01) wurde.

 

Die Servicebetrieben Oberhausen SBO erstellt jedes Jahr auf den Grundlagen der Forsteinrichtung einen Forstwirtschaftsplan, der die Maßnahmen des Holzeinschlages, in Abstimmung mit der Unteren Naturschutzbehörde sowie dem Regionalforstamt Ruhrgebiet in Gelsenkirchen, festlegt. Bei der Auswahl der Bestände und Durchführung der Durchforstungen werden die Belange der ordnungsgemäßen Forstwirtschaft, des Naturschutzes und der besonderen Verpflichtung zur Gewährleistung der naturnahen Erholung berücksichtig.

 

Die geplanten systematischen Durchforstungen werden nicht in erster Linie zur Holzgewinnung durchgeführt, sondern zur langfristigen Stabilisierung der Waldbestände, insbesondere gegen Extremwetterereignisse und Schädlinge. Durch die Reduzierung der Baumanzahl werden Licht, Wasser und Nährstoffe auf weniger Bäume verteilt, sodass diese dann zu mehr Wachstum angeregt werden. Durchforstungsmaßnahmen lenken den Zuwachs auf die vitalsten und qualitativ besseren Bäume, weil die Schlechteren im Rahmen der Holzernte entnommen werden und fördern einen stabilen, gut wüchsigen Waldbestand. Gleichzeitig wird die Entwicklung von stärkeren, gesünderen und ökologisch wertvolleren Bäumen gefördert.

 

Auch die Artenvielfalt profitiert von den Durchforstungen durch eine Erhöhung der Strukturvielfalt aufgrund des neuen Lichteinfalles auf den Waldboden. Dies begünstigt eine wesentlich bessere Entwicklung der Strauch- und Krautschicht, in älteren Waldteilen dient dies zur Einleitung der Naturverjüngung. Durchforstungen erhöhen darüber hinaus die Verkehrssicherheit und verbessern die Eignung von Waldgebieten für die intensive Erholungsnutzung.

 

Die Nutzung des Holzes aus nachhaltiger Forstwirtschaft ist nahezu CO2-neutral. Zudem ist Holz als einzig nachwachsende Energiequelle ein wertvoller Rohstoff.

 

Unser vorrangiges Ziel ist es, einen vitalen strukturreichen und möglichst stabilen Waldbestand zu erhalten. Da unsere Wälder zunehmend zahlreichen Belastungen durch den Klimawandel ausgesetzt sind, ist die regelmäßige forstliche Waldpflege eine wichtige Maßnahme zur Stabilisierung des Einzelbaumes und damit auch des gesamten Ökosystem Wald.

 

B.    Aktuelle Situation im Stadtwald Oberhausen

 

In diesem Jahr sind bereits ab dem Winter durch die ergiebigen Niederschläge die Wasserspeicher in den Waldböden gut gefüllt worden. Dieser Trend setzte sich mit einer Regenpause im späten Frühjahr über den Sommer 2023 hin fort, sodass durch die Niederschläge in der Vegetationszeit eine Phase der Regenerierung des Baumbestandes zu erwarten ist.

 

Die bereits eingetretenen Schäden durch die vergangenen trockenen Sommer sind im Stadtwald Oberhausen jedoch weiterhin deutlich sichtbar. Diese haben die Vitalität weiter verschlechtert, was zukünftig zu kaum einzuschätzenden Schäden am Waldbestand führen wird. Dies äußert sich in den bereits bekannten Formen von mangelnder Vitalität, Abgängigkeit und letztendlich dem kompletten Absterben einzelner Bäume. Betroffen sind immer wieder einzelne Altbuchen, aber auch jüngere Bäume anderer Arten sterben ohne sichtbare Vorschädigungen überraschend ab.

 

Die Gründe für die schlechte Vitalität des Baumbestandes sind die Niederschlagsdefizite in Verbindung mit den aus hohen Temperaturen resultierenden Verdunstungsraten des letzten Jahrzehntes, wodurch erhebliche Wasserdefizite entstanden sind, die sich besonders auf den Zustand der Oberkronen der Bäume auswirken. Verschärfend auf die Vitalitätsverluste dürfte sich auch die Abfolge mehrerer aufeinander folgender Mastjahre bei der Eiche und Buche ausgewirkt haben, da mit der Fruchtbildung ein erhöhter Wasser- und Nährstoffbedarf einhergeht.

 

Diese multiplen Belastungen führten zu Krankheitssymptomen wie Rindennekrosen in den Baumkronen mit einer teils rasch verlaufenden Moderfäule des Holzes durch Pilze wie der „Pfennig-Kohlenkruste“, dem die geschwächten Buchen keine Abwehrmaßnahmen entgegensetzen können.

 

Grundsätzlich können drei verschieden Krankheiten an der Buche auftreten:

 

Buchenkomplexkrankheit

 

Diese verursacht den Verlust an Feinverzweigungen, das Eintrocknen zunächst einzelner Kronenpartien bis zum Absterben der Gesamtkronen.

Oftmals treten Rindennekrosen auf, die durch die Buchenwollschildlaus erzeugt und nachfolgend von einem roten Pustelpilz besiedelt werden. Als Reaktion können sich flächige Rindenpartien ablösen.

Darauf folgt die Besiedlung mit weiteren Pilzarten wie Porlinge, Baum- oder Zunderschwamm.

Als Sekundärschädling wurden der Buchenborken- sowie der Buchenprachtkäfer festgestellt, wodurch auch vom Pilz verschonte Rindenareale erheblich geschädigt wurden. Die Folge ist eine schnelle Holzzersetzung, die zeitnahe Maßnahmen zur Wiederherstellung der Verkehrssicherheit erfordern. Letztendlich führt dies zum Absterben des Baumes.

 

Buchenvitalitätsschwäche

 

Vorzeitige Blattverfärbungen und/oder vorzeitiger Abwurf grüner Blätter bis zur raschen Kronenverkahlung. Auch hier treten Rindennekrosen auf, denen wiederum der Befall mit verschiedenen Pilzarten und zum Schluss der Buchenpracht- und Borkennkäfer folgt. Letztendlich führt auch diese Krankheit zum Absterben des Baumes.

 

Phytophthora-Krankheiten

 

Zuerst unauffälliger Befall der Feinwurzeln, danach treten dunkle Flecken am Stamm mit intensivem Saftaustritt (Buchen-Schleimfluss) auf. Nachfolgend treten Fäuleerreger wie Hallimasch, Zunderschwamm, Lackporlinge und Brandkrustenpilz auf, die Morschungen bis in den Kronenbereich verursachen können. Der Krankheitsverlauf ist langwierig und führt meist zum Stamm- oder Kronenbruch.

 

In diesem Jahr sind trotz der reichhaltigen Niederschläge im gesamten Stadtgebiet absterbende Bäume zu sehen, die an der braunen Blattverfärbung gut zu erkennen sind.  Es sind fast alle Baumarten betroffen, jedoch insbesondere Birke und Ahorn.

Auch Buchen und Eichen in der in der Altersphase reagieren immer wieder mit absterbenden Oberkronen und bilden gleichzeitig eine Sekundärkrone (Unterkrone) aus. Bei der Buche stirbt diese belaubte Unterkrone baumartbedingt oftmals in wenigen Jahren ebenfalls ab, Eichen können sich hingegen durchaus wieder erholen.

 

Mittelfristig werden sehr wahrscheinlich vermehrt Bäume absterben oder aufgrund von Morschungen o. ä. nicht mehr verkehrssicher sein. Eine Besserung des Zustandes der jetzt geschädigten Bäume ist nicht zu erwarten. Ob dieser Trend anhält und weiter eskaliert, hängt in erster Linie von den Witterungen in den kommenden Jahren ab, welche jedoch aufgrund des nicht linearen Klimawandels kaum einzuschätzen sind.

 

Die Altbuchenbestände in Osterfeld südlich der Bottroper Straße bereiten weiterhin Grund zur Sorge, insbesondere im Hinblick auf den Ausbau des Revierparks durch die FMR mbH. Bei gesteigerter Attraktivität des Freizeitangebotes wird hier, u.a. durch die Anlage eines Naturerlebnispfades, ein zusätzlicher Besucherverkehr eröffnet, der die Gewährleistung der Verkehrssicherheit bezüglich des Altbuchenbestandes vor große Probleme stellen wird. Diese kann nur durch einen erheblich höheren Aufwand für Kontrolle und Baumpflege sichergestellt werden.

 

An dieser Stelle ist zu erwähnen, dass die FMR mbH laut der Vereinbarung über die „Unterhaltungs- und Verkehrssicherungspflicht auf den Wegen innerhalb des Revierparks Vonderort“ zwischen der Stadt Oberhausen und der Revierpark Vonderort GmbH aus dem Jahre 2002 für die Gewährleistung der Verkehrssicherheit auf den Wegen selbst verantwortlich ist.

 

C. Erstaufforstungen

 

Im Winter/Frühjahr 2021/22 wurden die zwei Erstaufforstungen-Flächen mit einer Größe von ca. 3,2 ha an der Breilstraße und Hochstraße in Osterfeld mit ca. 7.650 Stück Buchen, Eichen, Erlen und Bergahornen nachgebessert.

Aufgrund der trockenen Witterung und der schwierigen Standortverhältnisse auf diesen Brachflächen (ehemaliger Sportplatz und Betriebsgelände) mit aufgeschütteten Böden ist es wiederholt nicht gelungen, die Forstkultur zu sichern und eine ausreichende Anzahl von Jungpflanzen zu etablieren.

Deshalb wurde im Herbst/Winter 2022/23 wiederum eine Nachbesserung der Forstkultur mit nunmehr 3.700 Stück Stieleichen, Hainbuchen, Erlen und Ahornen durchgeführt.

Bei der diesjährigen Mahd der Flächen zur Freistellung der Forstpflanzen zeigte sich Anpflanzung erfreulicherweise in einem besseren Zustand. Weitere Nachbesserungen werden jedoch auch in diesem Herbst/Winter notwendig sein, wenn auch in kleinerem Umfang.

 

Die ebenfalls in 2022 angelegte Aufforstung im Bereich des Sterkrader Waldes entlang des Handbaches ist aufgrund der Trockenheit in 2022 zu 90 % ausgefallen und wurde im Frühjahr 2023 wiederholt mit 500 Stück Buchen nachgebessert. Ende August zeigte sich dort ein zufriedenstellendes Ergebnis mit sehr wenig Ausfällen.

 

Weitere 500 Stück Rotbuchen wurden auf Freiflächen in einem Buchen-Altholz nördlich der Hiesfelder Straße angepflanzt. Diese sollen in den meist durch Windbruch entstandenen Lücken die Ausfälle einzelner Altbäume ersetzen und gleichzeitig als Nachfolgegeneration dienen.

 

D. Forstliche Planung für das Forstwirtschaftsjahr 2023

 

Der Holzmarkt bleibt im Bereich des Laubholzes stabil, gibt beim Nadelholz aufgrund geringerer Bautätigkeit dementsprechend nach. Die Nachfrage nach Laubholz, insbesondere nach Brenn-oder Energieholz, ist weiterhin auf hohem Niveau. Leider hat sich an der mangelhaften Verfügbarkeit der Forstunternehmer und der Transportkapazitäten von Rohholz nichts geändert, daher müssen im kommenden Forstwirtschaftsjahr die notwendigen Durchforstungen an die vorhandenen Ressourcen angepasst werden.

 

Die Ausführung der Arbeiten sind in den Waldgebieten Hühnerheide, im Sterkrader Wald und im Stadtwald Osterfeld geplant.

 

Auf Durchforstungsmaßnahmen im Umfeld des Autobahnkreuzes wird in diesem Jahr verzichtet.

 

Eine der Hauptaufgaben der forstwirtschaftlichen Tätigkeiten wird jedoch, wie auch in den letzten Jahren, die Gewährleistung der Verkehrssicherheit sein. Deshalb werden weiterhin geschädigte und abgestorbene Bäume im Umfeld von Wegen entnommen. Im Zuge dieser Arbeiten werden auch vermehrt Bäume in der Altersphase gefällt werden müssen. Hier ist es das Ziel, die natürliche Verjüngung der Altbuchenbestände weiterzuführen, um die Nachhaltigkeit der zahlreichen Waldfunktionen auf Dauer zu gewährleisten.

 

Falls die Naturverjüngung in den entstandenen Bestandslücken nicht gelingen sollte, können Nachpflanzungen mit einheimischen Laubhölzern vorgenommen werden, die eine neue Waldgeneration einleiten und die Dauerbestockung der Waldfläche sichern.

 

Dabei werden grundsätzlich abgestorbene, geschädigte oder Bäume mit Höhlungen, die abseits der Wege und Verkehrsflächen stehen, im Wald belassen, damit diese weiterhin die wichtigen ökologischen Aufgaben als Brutstätte oder als stehendes und liegendes Totholz erfüllen können.

 

Im Forstwirtschaftsjahr 2024 sollen ca. 1.200 FM Holz eingeschlagen werden. Die Berechnungen der neuen Forsteinrichtung haben ergeben, das in einem Jahr im Stadtwald 2.689 FM Holz nachwachsen, sodass die Nachhaltigkeit der Holznutzung deutlich gewährleistet bleibt.  Die Gesamtmasse des Holzvolumens im Wald wird demzufolge sogar zunehmen.

 

Die Arbeiten sollen möglichst schon im Oktober beginnen, da die Waldböden dann noch tragfähig und befahrbar sind. Erfahrungsgemäß nimmt im Verlauf des Winters durch den vermehrten Niederschlag die Vernässungen der Böden zu, wodurch die Bergung des Holzes sehr erschwert wird.

 

Die Maßnahmen werden ausschließlich in der vegetationslosen Zeit von Oktober bis März, vorzugsweise bei trockener Witterung, zur Vermeidung von Boden- und Wegeschäden durchgeführt.

 

Um die Maßnahmen den Bürgerinnen und Bürgern beispielhaft zu erläutern, bietet die Verwaltung wie in den letzten Jahren exemplarisch eine Ortsbegehung an.

 

Die geplanten Maßnahmen werden der interessierten Bevölkerung am Beispiel eines zu durchforstenden Waldes im Rahmen eines Ortstermins am 26.10.2023 im Waldgebiet Hühnerheide erläutert. Die Ortsbegehung beginnt um 15:30 Uhr. Treffpunkt ist der Waldparkplatz an der Straße Zum Ravenhorst, an dem Wendehammer vor der rot-weißen Durchfahrtssperre.

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Insgesamt dienen alle Pflege- und Fällmaßnahmen im Stadtwald dazu, die vorhandenen Wälder nachhaltig zu sichern und die Altbestände so zu verjüngen, dass eine Dauerbestockung gewährleistet ist. Ein Verzicht auf regelmäßige Durchforstungen führt langfristig zu einer Vergreisung von Waldbeständen und letztendlich zum plötzlichen Zusammenbruch ganzer Waldstrukturen, sodass die vielfältigen Waldfunktionen dann für längere Zeit erheblich eingeschränkt wären, ohne dass der ökologische Zustand verbessert würde.

 

Kurzfassung

 

Im Forstwirtschaftsjahr 2024 soll eine angepasste Holzernte durchgeführt werden. Der Holzeinschlag wird ca. 1.200 FM betragen. Lücken oder Freiflächen in Wäldern in der Altersphase sollen zur natürlichen oder künstlichen Verjüngung des Waldes genutzt werden.

Im Rahmen der Nachpflanzungen von zwei Erstaufforstung-Flächen wurden 3.700 Stück Forstgehölze gepflanzt. Weitere 1.000 Stück Rotbuchen wurde im Sterkrader Wald unter einem Buchenaltholz als Nachbesserung einer vorhandenen Forstkultur eingebracht.

 

Die geplanten Maßnahmen werden der interessierten Bevölkerung exemplarisch im Rahmen eines Ortstermins am 26.10.2023 um 15:30 Uhr im Waldgebeit Hühnerheide an der Straße Zum Ravenhorst, an dem Wendehammer vor der rot-weißen Durchfahrtssperre vorgestellt.

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Anlagen

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