Berichtsvorlage - M/17/3934-01

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Beratungsfolge

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Sachverhalt

Sachdarstellung

 

Durch die CDU-Fraktion wurde mit Datum 04.07.2023 eine Große Anfrage nach § 6 der Geschäftsordnung für den Rat der Stadt zum Thema „Einsamkeit“ gestellt.

 

Die Große Anfrage wurde neben den Fachabteilungen der Verwaltung (Bereich 0-4 / Chancengleichheit, Bereich 4-5 / Statistik, Bereich 3-4 / Gesundheit, Bereich 4-1 / Personal und Organisation, Bereich 2-4 / Bürgerservice, Öff. Ord­nung, Bereich 5-1 / Stadtplanung, Bereich 3-2 / Soziales) der Arbeitsgemeinschaft der Wohlfahrtsverbände und den Vertretungen der evangelischen und katholischen Kirche übermittelt. Die vorliegenden Rückmeldungen sind in die Beantwortung eingeflossen.

 

 

Vorbemerkung

 

Einsamkeit wird in den letzten Jahren zunehmend thematisiert, beforscht und auch als politi­sches Handlungsfeld erkannt. Einsamkeit begegnet man in unterschiedlichen Lebensphasen und betrifft nicht nur die ältere Generation. Aber sie ist an bestimmte Lebenssituationen und -bedingungen geknüpft, die gerade im Alter vermehrt auftreten können. Tendenziell stärker von Einsamkeitsgefühlen betroffen sind Alleinerziehende, außerdem Personen mit (direktem) Mig­rationshintergrund, nicht-Erwerbstätige, Alleinlebende sowie Menschen mit psychischen Er­krankung und schlechter körperlicher Gesundheit – also weitere Faktoren, die u.a. im Alter gehäuft auftreten und dann auch kumulierend wirken können. Risikofaktoren entstehen aus sozioökonomischen Notlagen heraus, die mit geringen Handlungsspielräumen einhergehen und mit geringer sozialer Unterstützung verbunden sind. Notwendige Ressourcen, die der Ein­samkeit entgegenwirken können, fehlen oftmals. Vermehrt betrifft das Thema Einsamkeit auch jüngere Menschen. Die Gründe hierfür sind vielschichtig, u.a. die Social Media Nutzung mit seinen Auswirkungen auf die Veränderung der Qualität sozialer Kontakte und die Corona Pan­demie.

 

Einsamkeit ist keine Krankheit, dennoch kann sie bei anhaltendem Zustand die physische und psychische Gesundheit beeinträchtigen. Sie kann sich beispielsweise als Facette einer De­pression zeigen und zu größerem Risikoverhalten sowie einer erhöhten Mortalität führen. Be­lastend wird Einsamkeit vor allem, wenn sie länger andauert. Meist trifft das Empfinden von Einsamkeit oft mit einem gleichzeitigen Mangel an sozialen Beziehungen zusammen. Diese Faktoren können zudem eine negative Selbstwahrnehmung auslösen, die in der Folge auch negative Altersbilder in der Gesellschaft befördern kann. Das macht Einsamkeit auch zu einer gesellschaftlichen Debatte.

 

Einsamkeit muss aber nicht einfach hingenommen und als unüberwindbar akzeptiert werden. Über die Stärkung der gesellschaftlichen Teilhabe z.B. im Alter, insbesondere von Menschen in prekären Soziallagen, digitalen Angeboten, einer sensibilisierten Infrastruktur und oder einer höheren öffentlichen Wahrnehmung und Thematisierung kann man Einsamkeit entgegenwirken. ¹

 

 

¹ Die Ausführungen sind abgeleitet aus Informationen des Bundesfamilienministeriums und des Kompetenznetzes Einsamkein: https://kompetenznetz-einsamkeit.de/

https://www.bmfsfj.de/bmfsfj/themen/engagement-und-gesellschaft/strategie-gegen-einsamkeit

  1. Welche Daten gibt es über die Verteilung bestimmter Risikofaktoren für „Einsam­keit“ in Oberhausen:

 

  1. Wie stellt sich die Verteilung von unterschiedlichen Haushaltseinkommen in Oberhausen dar?

 

 

 

 

  1. Wie stellt sich die Verteilung von Armut in Oberhausen dar?

 

 

 

 

 

 

 

 

  1. Wie stellt sich die Verteilung von Menschen mit Migrationshintergrund in Oberhausen dar?

 

 

 

  1. Wie sieht die Altersverteilung der Menschen in Oberhausen aus?

 

 

  1. Wie stellt sich die Verteilung von unverheirateten und/oder alleinlebenden Menschen in Oberhausen dar?

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

  1. Wie stellt sich die Verteilung von Menschen mit schweren Krankheiten in Oberhausen dar?

 

Schlechte Gesundheit kann als Risikofaktor für Einsamkeit benannt werden, wobei diese nicht allein zu Einsamkeit führt (vgl. Hawkley et al. 2008). Meist gehen mit der schlechten Gesundheit wie z.B. einer chronischen Erkrankung weitere Faktoren einher, die eine soziale Isolation und damit einen Mangel an Sozialkontakten, Zugehörigkeit und Teilhabe bedingen. Dies erhöht das Risiko der Einsamkeit (vgl. Kruse et al. 2014).

Als Beispiel für eine schwere Erkrankung kann Krebs bzw. bösartige Neubildungen herangezogen werden. Die Krankenhausfälle aufgrund dieser Krankheit lagen in Oberhausen für das Jahr 2021 bei knapp 1.208 pro 100.000 Einwohner*innen. Damit waren es in Oberhausen mehr Fälle als im NRW-Schnitt (1.993,11 pro 100.000 Einwohner*innen) (Quelle: Landesbetrieb Information und Technik (IT.NRW): Krankenhausstatistik, Teil II - Diagnosen (Krankenhäuser). Es ist durchaus denkbar, dass diese Patienten*innen auch an Symptomen der Einsamkeit leiden. Anhand konkreter Zahlen lässt sich dies allerdings nicht belegen.

Chronische Einsamkeit kann negative gesundheitliche Auswirkungen haben sowie das Risiko für psychische und körperliche Erkrankungen wie Depression, Demenz, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und eine verringerte Lebenserwartung erhöhen (vgl. Cacioppo & Cacioppo, 2018; Cohen-Mansfield et al., 2016; Hawkley & Capitanio, 2015; Holt-Lunstad et al., 2015). Personen, die an diesen Erkrankungen leiden, sind nicht zwangsläufig chronisch einsam, dennoch kann Einsamkeit bei ihnen – neben oder im Zusammenspiel mit anderen Faktoren - möglicherweise ein Auslöser für die Krankheit sein.

Auf Grundlage der Krankenhausdiagnosestatistik des LZG.NRW lassen sich Informationen zur Verteilung von Krankenhausfällen aufgrund der genannten Erkrankungen in Oberhausen identifizieren (s. Tabelle 1).

Krankheit

Krankenhausfälle Oberhausen je 100.000 Einwohner:innen

Krankenhausfälle NRW je 100.000 Einwohner:innen

Krankheiten des Kreislaufsystems (ICD-Code IX, Alle)

2.302,91

1.993,11

Demenz (ICD-Code F00-F03, Alle)

6,87

10,2

Depressionen (ICD-Code F32-F33, Alle)

342,75

331,9

Quelle: Landesbetrieb Information und Technik (IT.NRW): Krankenhausstatistik, Teil II - Diagnosen (Krankenhäuser)

 

Tabelle 1 Krankenhausfälle pro 100.000 Einw., Oberhausen und NRW, 2021 (altersstandardisiert nach Europa alt)

Daraus wird ersichtlich, dass es in Oberhausen in 2021 mehr Krankenhausfälle je 100.000 Einwohner*innen aufgrund von Krankheiten des Kreislaufsystems gab als in Nordrhein-Westfalen. Gleiches gilt für die Diagnose Depression. Für Demenz gab es hingegen in Nordrhein-Westfalen mehr Krankenhausfälle je 100.000 Einwohner*innen als in Oberhausen.

Die Entstehung der genannten Erkrankungen steht in Zusammenhang mit chronischer Einsamkeit. Dennoch lässt sich nicht beziffern, inwieweit die daran erkrankten Personen in Oberhausen auch an Einsamkeit leiden. Wie bereits angedeutet, kann Einsamkeit insbesondere in Kombination mit anderen Risikofaktoren oder bereits bestehenden Beschwerden als Ursache für die Entstehung solcher Krankheiten benannt werden.

 

  1. Sind der Verwaltung aus anderen Städten genaue Erkenntnisse/Untersuchungen über die Verbreitung des Phänomens der „Einsamkeit“ und den Umgang damit be­kannt?

 

LAND

Eine Enquetekommission des Landtags NRW hat in einem umfangreichen Abschluss­bericht Erkenntnisse über die Ursachen, Zusammenhänge und Verbreitung von Einsam­keit in NRW veröffentlicht. Der Bericht enthält überdies mehr als 60 Handlungsempfehlun­gen gegen Einsamkeit, die sich u.a. an Land, Kommunen, Unternehmen, Interessensver­tretungen, Wissenschaft und zivilgesellschaftliche Akteure richten:

https://www.landtag.nrw.de/files/live/sites/landtag-r20/files/Internet/I.A.1/EK/17._WP/EK%20IV/Landtag%20Bericht%20EK%20IV%20Einsamkeit%20BF.pdf

Zudem wurde eine Stabstelle «Demografischer Wandel und Einsamkeit» bei der Staats­kanzlei eingerichtet.

BUND

Auch auf Bundesebene wird durch das BMFSFJ eine „Strategie gegen Einsamkeit“ erarbeitet:

https://www.bmfsfj.de/bmfsfj/themen/engagement-und-gesellschaft/strategie-gegen-einsamkeit

Kommune

Die Stadt Düsseldorf hat 2018 einen „Fachtag Armut und Einsamkeit im Alter“ ausgerichtet und daraus Handlungsempfehlungen abgeleitet. Der Sachstand der Bearbeitung der Handlungsempfehlungen wird regelmäßig in den zuständigen Ämtern abgefragt.

Eine der Handlungsempfehlungen war es, eine Bürgerbefragung zum Thema "Armut und Einsamkeit im Alter" in der Generation 55+ durchzuführen. Dieser ist die Stadt 2019 nach­gekommen und hat 2022 einen umfassenden Bericht veröffentlicht. In diesem werden zum einen räumliche Konzentrationen sowie statistische Zusammenhänge von Armut, Einsam­keit und Alter aufgezeigt und zum anderen die Themen "Armut" und "Einsamkeit" nach soziodemografischen Merkmalen dargestellt.

https://www.duesseldorf.de/fileadmin/Amt12/statistik/stadtforschung/download/sb_generation_55plus_2022_05_04_bf.pdf

Im Amt für Soziales und Wohnen der Stadt Essen sind bisher keine genauen Untersuchun­gen zum Themenkomplex „Einsamkeit“ erfolgt. Aufgrund der zunehmenden Bedeutung ist für das Jahr 2024 die Entwicklung eines Handlungskonzeptes „Einsamkeit im Alter“ durch das Seniorenreferat unter Beteiligung der Sozialplanung und weiteren relevanten Fachäm­ter und -abteilungen vorgesehen. Eine grundlegende Herausforderung wird die Erfassung des komplexen und subjektiven Phänomens in Abgrenzung zur sozialen Isolation sein (vgl. Hinte/Noack: Sozialraumorientierte Perspektive Was wollen einsame Menschen? In: Handbuch Soziale Arbeit und Einsamkeit. 2023. S. 71). Darüber hinaus sind die Möglich­keiten der Schaffung einer Datengrundlage zu klären (z.B. Welche Indikatoren können her­angezogen werden? Wie können qualitative Daten erhoben werden?).

Im Seniorenförderplan wird Einsamkeit grundsätzlich aber bereits unter dem Handlungs­feld „Teilhabe / Partizipation“ mitgedacht: „Dort wo, Teilhabe älteren Menschen nicht oder nur unvollständig zur Verfügung steht, sollen Projekte und Maßnahmen des Seniorenför­derplans Angebote schaffen oder sie ausweiten.“ (Essener Seniorenförderplan, 2016 Microsoft Word - Förderplan_überarbeitet_Stand_01.07.2016 (essen.de).

 

 

Weitere Recherche-Informationen:

 

Kompetenznetzwerk Einsamkeit (KNE) Bund

https://kompetenznetz-einsamkeit.de/ (mit Angebotskarte)

-          https://kompetenznetz-einsamkeit.de/einsamkeit/angebote-fuer-betroffene

 

Tagung: Mit Grünflächen gegen Einsamkeit Tagung am 01.09.2023

https://bdla.de/de/landesverbaende/berlin-brandenburg/nachrichten/3949-konferenz-ist-hier-noch-frei-mit-gruenflaechen-gegen-die-einsamkeit-in-der-stadt

 

https://www.bmfsfj.de/bmfsfj/aktuelles/alle-meldungen/aktionswoche-gemeinsam-aus-der-einsamkeit-startet-226784

 

https://q1-bochum.de/

 

 

  1. Gibt es darunter Best-Practice-Beispiele, wie „Einsamkeit“ in Metropolregionen am besten erfasst werden kann?

 

„Einsamkeit“ ist vielfältig und subjektiv. Die durch Verwaltungsprozesse anfallenden Daten können nur in begrenztem Maß dazu dienen, die Betroffenheit der Einwohner*innen und deren Verteilung einzuschätzen.

Besser geeignet sind Bürger*innenbefragungen, wie sie bspw. Düsseldorf durchgeführt hat. (siehe 2.)

 

In diesem Zusammenhang sei auf die durch den Fachbereich 4-5-10/ Statistik alle zwei Jahre durchgeführte Bürger*innenbefragung „Leben in Oberhausen“ verwiesen. Bei der Bürger*innenbefragung handelt es sich um eine Mehrthemenumfrage, bestehend aus ei­nem über die Jahre gleichbleibenden Standardteil, der Zeitvergleiche ermöglicht und meh­reren variablen Fragemodulen, die anlassbezogen spezifische Themenschwerpunkte auf­greifen. Grundsätzlich könnte der Themenkomplex „Einsamkeit“ im Rahmen eines solchen Fragemoduls behandelt werden.

 

Da das Thema „Einsamkeit“ zwar häufiger, aber nicht ausschließlich ältere Menschen be­trifft, sollten unbedingt auch weitere Altersgruppen befragt werden. Diesem Aspekt wäre ebenfalls bei der Einstellung entsprechender Fragestellungen in die Bür­ger*innenbefragung Rechnung getragen. Die hier abgefragte Altersgruppe umfasst Perso­nen im Alter von 18 bis 80 Jahren.

 

 

Darüber hinaus benennt das Deutsche Rote Kreuz in seiner Rückmeldung Beispiele, die darauf abzielen, ein besseres Verständnis des Ausmaßes und der Ursachen von Einsam­keit in städtischen Gebieten zu erhalten, um effektive Maßnahmen zur Bekämpfung dieses Problems zu entwickeln. Hier sind einige solcher Beispiele:

 

Umfragen und Studien: Metropolregionen können Umfragen und Studien durchführen, um die Einsamkeit in ihrer Bevölkerung zu quantifizieren und die damit verbundenen Faktoren zu identifizieren. Solche Umfragen können sich auf die allgemeine Bevölkerung oder spe­zifische Altersgruppen konzentrieren, wie zum Beispiel ältere Menschen oder junge Er­wachsene.

 

Soziale Medien und Online-Plattformen: Die Nutzung von sozialen Medien und Online-Plattformen kann ein wertvolles Instrument sein, um Einsamkeit zu erfassen. Metropolre­gionen könnten Online-Umfragen oder Diskussionsforen nutzen, um Erfahrungen und Ge­fühle der Einsamkeit in der Bevölkerung zu sammeln.

 

Zusammenarbeit mit Gesundheitsdiensten: Gesundheitsdienste und Kliniken in Metropol­regionen könnten Patientendaten nutzen, um Hinweise auf Einsamkeit und ihre Auswir­kungen auf die Gesundheit zu identifizieren.

 

Community-basierte Ansätze: Gemeinschaftsorganisationen und lokale gemeinnützige Ini­tiativen können gezielte Befragungen und Fokusgruppen durchführen, um ein besseres Verständnis der spezifischen Herausforderungen und Bedürfnisse der Einwohner in Met­ropolregionen zu erhalten.

 

Partnerschaft mit Forschungseinrichtungen: Metropolregionen könnten mit akademischen Forschungseinrichtungen zusammenarbeiten, um umfassende Studien zur Einsamkeit durchzuführen und fundierte Erkenntnisse zu gewinnen.

 

Integration in bestehende Gesundheitsumfragen: Einige Metropolregionen führen bereits regelmäßig Gesundheitsumfragen durch. Durch die Integration spezifischer Fragen zur Einsamkeit in diese Umfragen können Daten über die Verbreitung von Einsamkeit in der Bevölkerung gesammelt werden.

 

Technologiebasierte Ansätze: Technologiebasierte Ansätze, wie z. B. die Verwendung von Smartphone-Apps oder Wearables (Anmerk.: Computertechnologien, die man am Körper oder am Kopf trägt) könnten dazu beitragen, Einsamkeit zu erfassen und Verhaltensmuster zu analysieren.

Der Caritasverband hat in diesem Zusammenhang die Frage erörtert:

Wie kann es gelin­gen die Zielgruppe zu erreichen?

In der Regel suchen die angeführten Personen keine Beratungsstellen auf, um sich zu informieren, inwiefern sie Angebote nutzen könnten, um der Einsamkeit entgegen zu wir­ken.

Es müsste mehr Maßnahmen zur Identifizierung von Personen geben, die unter Einsam­keit leiden: z.B. über Kooperationen mit Hausärzten, da das noch Orte/Institutionen sind, die von der Zielgruppe aufgesucht werden.

Im alltäglichen Beratungssetting des Caritasverbandes werden Tendenzen zum Thema Einsamkeit aufgegriffen und individuell mit den Ratsuchenden besprochen, damit Hilfeangebote entsprechend ge­nutzt werden können.

 

Die Gefahr, dass sich psychische Erkrankungen durch den Risikofaktor Einsamkeit entwi­ckeln oder verfestigen, ist groß, der medizinisch-therapeutische Bereich würde mehr An­spruch genommen werden, welcher ohnehin stark belastet ist.

 

Zum Thema Migration merkt der Verband an, dass Einsamkeit auch durch die aktuelle ausländer­rechtliche Gesetzeslage entstehen kann: aufgrund des ausländerrechtlichen Status ist die Teilhabe an den Bereichen Wohnen, Arbeit, Bildung und Eingliederungshilfe einge­schränkt. Auch die Gefühle der tiefen Traurigkeit und des Verlorenseins erlebt der Cari­tasverband nach eigenen Angaben gerade in Bezug auf unbegleitet minderjährige Aus­länder, die jahrelang auf den Familiennachzug hoffen.

 

Ebenso erlebt der Verband diese Rückmeldung von Alleinerziehenden und Eltern, deren Kinder in Obhut genommen wurden.

 

 

Exkurs: Der Caritasverband hat Künstliche Intelligenz befragt zu „Einsamkeit in Oberhausen“ – hier ist das Ergebnis:

Einsamkeit ist ein emotionales Gefühl, das auftreten kann, wenn man das Gefühl hat, iso­liert oder allein zu sein, selbst wenn man physisch von anderen Menschen umgeben ist. Oberhausen ist eine Stadt in Nordrhein-Westfalen, Deutschland. Wenn du dich in Ober­hausen einsam fühlst, gibt es verschiedene Möglichkeiten, damit umzugehen:

  1. Soziale Aktivitäten: Versuche, an lokalen Veranstaltungen, Gruppen oder Vereinen teilzunehmen, um Menschen mit ähnlichen Interessen kennenzulernen. Das kann von Sportvereinen über Kulturveranstaltungen bis hin zu Hobbygruppen reichen.
  2. Online-Communities: Das Internet bietet viele Möglichkeiten, um mit Menschen in Kontakt zu treten, sei es über soziale Medien, Foren oder Plattformen für gemeinsame Interessen.
  3. Freiwilligenarbeit: Engagiere dich ehrenamtlich in Organisationen oder Projekten, die dir am Herzen liegen. Das kann nicht nur dazu beitragen, dass du dich nützlich fühlst, sondern du lernst auch neue Leute kennen.
  4. Familie und Freunde: Suche den Kontakt zu Menschen, die dir nahestehen. Ver­bringe Zeit mit Familie und Freunden, die dich unterstützen und denen du vertraust.
  5. Professionelle Hilfe: Wenn Einsamkeit stark belastend ist, kann es hilfreich sein, pro­fessionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen, wie etwa von einem Therapeuten oder Psychologen.
  6. Neue Aktivitäten: Probiere neue Dinge aus, um deinen Alltag aufzufrischen. Dies kann neue Hobbys, Sportarten oder kreative Tätigkeiten umfassen.
  7. Selbstpflege: Achte auf dein eigenes Wohlbefinden. Nimm dir Zeit für Entspannung, gesunde Ernährung, ausreichend Schlaf und körperliche Bewegung.
  8. Kontakt zu Nachbarn: Nutze die Gelegenheit, mit deinen Nachbarn in Kontakt zu tre­ten. Ein freundliches Gespräch kann dazu beitragen, eine nachbarschaftliche Gemein­schaft aufzubauen.
  9. Städtische Angebote: Schaue dir an, ob es in Oberhausen spezielle Veranstaltungen, Treffpunkte oder Angebote gibt, die darauf abzielen, Menschen miteinander zu verbin­den.

Es ist wichtig zu verstehen, dass viele Menschen Phasen der Einsamkeit durchmachen, und es gibt Möglichkeiten, diese Gefühle zu überwinden. Wenn deine Einsamkeit anhält oder starken Einfluss auf dein Leben hat, solltest du in Betracht ziehen, professionelle Un­terstützung in Anspruch zu nehmen.

 

  1. Gibt es Erkenntnisse über Unterschiede zwischen den Ruhrgebietsmetropolen und den eher ländlich geprägten Regionen um die Metropolregion Ruhr herum?

 

Nein.

 

 

  1. Welche wissenschaftlichen Forschungsstellen (Institute, Lehrstühle, etc.) gibt es in

Deutschland, mit denen eine auch langfristige gemeinsame Zusammenarbeit zur Evaluierung von „Einsamkeit“ in Oberhausen möglich ist?

 

Das Kompetenznetz Einsamkeit am Institut für Sozialarbeit und Sozialpädagogik e.V.  befasst sich umfangreich mit dem Thema Einsamkeit.

Eine Zusammenarbeit wurde bisher nicht geprüft.

https://kompetenznetz-einsamkeit.de/

 

 

Max-Planck-Institut für Gesellschaftsforschung (MPIfG)  

Das Institut befasst sich mit sozialwissenschaftlicher Forschung und könnte an interdiszip­linären Studien zur Einsamkeit interessiert sein.

 

Deutsches Zentrum für Altersfragen (DZA)

Das DZA forscht zu Themen des Alterns und könnte Interesse an Studien über die Ein­samkeit älterer Menschen haben.

 

Robert Koch-Institut (RKI)

Das RKI ist das deutsche Bundesinstitut für Infektionskrankheiten und nicht übertragbare Krankheiten und beschäftigt sich auch mit Aspekten der psychischen Gesundheit, darunter möglicherweise auch Einsamkeit.

 

Deutsche Gesellschaft für Psychologie (DGPs)

Die DGPs ist der Fachverband für Psychologie in Deutschland und fördert die Forschung und den Austausch in verschiedenen psychologischen Bereichen, einschließlich Einsam­keit.

 

Deutsche Gesellschaft für Gerontologie und Geriatrie (DGGG)

Die DGGG ist die Fachgesellschaft für Gerontologie und Geriatrie und beschäftigt sich mit der Forschung und Praxis im Bereich des Alterns und der Altersmedizin.

 

Hochschule Neubrandenburg

 

https://www.hs-nb.de/fachbereich-gesundheit-pflege-management/ppages/stefan-schmidt/projekte/

 

 

  1. In wie vielen Fällen in den vergangenen 10 Jahren wurden in Oberhausen verstor­bene Personen erst nach einer überdurchschnittlich langen Zeit nach ihrem Todes­zeitpunkt aufgefunden?

 

Statistische Daten über Todeszeitpunkt und Auffinden des Leichnams werden nicht er­fasst.

 

  1. Wie viele Menschen mussten in den vergangenen 10 Jahren in Oberhausen

ordnungsbehördlich bestattet werden?

 

 

Im Rahmen der Abwicklung der ordnungsbehördlichen Bestattung werden zur Erstattungs­pflicht Nachforschungen nach Angehörigen angestellt. Sollten diese ermittelt werden er­folgt eine Aufforderung zur Kostenerstattung. Dies betrifft nur einen geringen Anteil der Fälle.

 

  1. Gibt es bei Telefonhilfeangeboten mit Bezug auf Einsamkeit, Erkenntnisse darüber, wie viele hilfesuchende Telefonanrufe aus Oberhausen kamen und kommen?

 

Die TelefonSeelsorge Duisburg Mülheim Oberhausen verzeichnete in 2022 insgesamt 17.400 Anrufe, aus denen sich 14.350 Beratungs- und Seelsorgegespräche ergaben. We­gen der Reecallnummer 0800-1110111 bzw. 0800-1110222 kann nicht erkannt werden, aus welcher der drei Städte jemand anruft.

Die Anrufzahl ist nach Angaben der Institution seit Corona gestiegen. Mittlerweile stammen ca. ein Drittel der Anrufe von Menschen, die regelmäßig, zum Teil über lange Jahre die TelefonSeelsorge anrufen, weil sie einsam sind und kaum ein oder gar kein soziales Netz um sich haben. Der bundesweite Trend bei Telefonanrufen zeigt auch hier: Das Leiden an Einsamkeit wird in einem Viertel der Gespräche explizit zur Sprache gebracht, noch öfter ist Einsamkeit der Hintergrund bei konkreten Fragen zur Alltagsgestaltung.

Die TelefonSeelsorge Duisburg Mülheim Oberhausen ist in weiteren Feldern aktiv. Auch in der Chatseelsorge (240 Chats in 2022) und in der Mailseelsorge (820 Mails in 2022) wird Einsamkeit in einem Viertel der Chats bzw. Mails thematisiert. Im Unterschied zum Telefon, wo die Hälfte der Ratsuchenden über 40 Jahre alt sind, sind die im Internet Kon­taktierenden zur Hälfte unter 40 Jahren. Auch in dieser jüngeren Altersgruppe ist also Ein­samkeit ein Thema.

Zudem wird berichtet, dass in dem Live-Gesprächsangebot der Krisenbegleitung (220 Live-Gespräche in 2022) Einsamkeit, Verlassenheitsgefühle und Sinnlosigkeitserleben Anlass zur Beratung sind.

Von der Leitung der TelefonSeelsorge wird nach über zwei Jahrzehnten eigener Tätigkeit als Langzeittrend festgestellt: War in früheren Jahren das Hauptthema "Schwierige Bezie­hungen", so hat sich das mittlerweile gewandelt zu "Fehlende Beziehungen".

(Die TelefonSeelsorge Duisburg Mülheim Oberhausen ist eine von insgesamt 105 Tele­fonSeelsorge – Stellen in Deutschland. Sie alle gehören den evangelischen und/oder ka­tholischen Dachverbänden für TelefonSeelsorge und Offene Tür an und darüber hinaus dem Internationalen Verband für TelefonSeelsorge IFOTES.

Vor Ort gibt es etwa 120 ehrenamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die für diese Ar­beit am Telefon ausgebildet sind und von 3 hauptamtlichen und 8 nebenamtlichen Kräften fachlich begleitet werden.)

 Über uns – TelefonSeelsorge Duisburg Mülheim Oberhausen (telefonseelsorge-duis-burg.de)

Der Caritasverband berichtet, dass bei Anrufen in deren Verwaltung zur Vergabe von Terminen, deutlich wird, dass pro Tag 2-3 Personen anrufen, die Informationen ab­fragen und keinen Termin für eine Beratung benötigen. Bei diesen kurzen Anrufen werde deutlich, dass der Anruferkreis die Mitarbeitenden in Gespräche einbinden möchte, um zu erzählen (einen Zuhörer zu haben), dabei geht es nicht um ein aktuelles oder konkretes Problem, sondern um zurückliegende Erlebnisse, Erfahrungen oder Meinungen. Ähnliche Tendenzen äußern auch die Mitarbeitenden im Häuslichen Unterstützungsdienst, wichtig sei die Zuwendung zum Kunden durch Gespräche.

 

  1. Welche Programme/Initiativen/Projekte zur Bekämpfung von Einsamkeit gibt es be­reits in Oberhausen?

 

Arbeiter-Samariter-Bund Regionalverband Oberhausen-Duisburg e.V. – Seniorenzentrum im Rahmen von „Miteinander und nicht allein“ (s. auch Frage 12).

 

Mehrgenerationenhäuser (https://www.mehrgenerationenhaeuser.de/ (z.B. Alte Heid https://www.mehrgenerationenhaeuser.de/mehrgenerationenhaeuser/haeuser-in-ihrer-naehe/steckbrief-mehrgenerationenhaus/mehrgenerationenhaus-buergerzentrum-alte-heid)

Bundesweit 530 durch das Bundesfamilienministerium geförderte Mehrgenerationenhäu­ser helfen dabei, Isolation sowie Einsamkeit zu verhindern. Mit niedrigschwelligen Begeg­nungsangeboten, zum Beispiel im offenen Treff, Kultur- und Kreativangeboten, Freizeit- und Sportaktivitäten sowie Informations- und Beratungsangeboten tragen die Mehrgene­rationenhäuser zur aktiven Alltagsgestaltung und gesellschaftlichen Teilhabe bei und wir­ken so Einsamkeit entgegen.

Gesellschaft Leben (https://gesellschaft-leben.de/)

Netzwerk 55 plus (https://oberhausen.paritaet-nrw.org/was-wir-machen/ue-55-plus/)

Quartiersbüros für Senior*innen (https://www.quartiersbueros.de/)

Auch die Handlungsempfehlungen zur Bekämpfung von Armut und sozialer Ausgren­zung, die im Rahmen der Expert*innendialoge erarbeitet wurden, enthalten Empfehlun­gen zur Bekämpfung von Einsamkeit (www.oberhausen.de/expertinnendialoge)

Das Deutsche Rote Kreuz bietet im Rahmen seiner Seniorenarbeit im Quartier Mitte/Styrum verschiedene, offene Veranstaltungen an (z. B. Quartiersfrühstück, Bewe­gungskurse, Selbstverteidigung für Frauen, Kochkurse für Männer, Umgang mit digitalen Medien).

Auch im Rahmen der Integrationsarbeit werden im Stadtgebiet verschiedene, offene Kurse und Unternehmungen für Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund angeboten (z. B. Tanzen, Kunst, Sport).

Der Caritasverband ergänzt folgende Informationen:

 

 

  1. Welche Einrichtungen bieten diese Programme/Initiativen/Projekte an?

 

Gesellschaft leben

Viele ältere Menschen leben alleine, so dass das Risiko sich einsam zu fühlen hoch ist. Sie verlieren oft den Bezug, den Kontakt und auch die Verbindung zur Außenwelt. Die nächsten Angehörigen, die ihnen Fürsorge, Unterstützung oder Pflege geben könnten, sind häufig nicht mehr in der Nähe. Das Resultat ist oft Isolation.

Der Kontakt von Mensch zu Mensch ist einer der wichtigsten Bestandteile gesellschaftli­chen Lebens. „Gesellschaft leben“ ist ein auf ehrenamtliches Engagement gestützter Be­suchsdienst für ältere oder eingeschränkt mobile Menschen, die am gesellschaftlichen Le­ben kaum noch teilnehmen können.

Betroffene können einen ehrenamtlichen Besuchsdienst erhalten, der entsprechend ihren Bedürfnissen bis zu 1x wöchentlich für einige Stunden vorbeischaut, ihnen Gesellschaft leistet.

Auch können so mögliche Pflegebedarfe, auf Wunsch auch an die professionellen Pflege­dienste weitervermittelt werden. Dadurch wird ein enges Netz zwischen professioneller Pflege und ehrenamtlichem Engagement geknüpft.

Gesellschaft leben startete Anfang 2012 in Oberhausen Ost. Mittlerweile sind auch Ster­krade und Osterfeld mit Kooperationspartnern dazugekommen und koordinieren die Ak­quise und Einsatz von Ehrenamtlichen. Die Gesamtprojektleitung obliegt dem städtischen Bereich Chancengleichheit, Kooperationspartner sind Haus Abendfrieden, Gute Hoffnung und ASO. Zurzeit gibt es insgesamt ca. 50 Tandems (Ehrenamtliche und besuchte Perso­nen).

  1. Gibt es ein spezielles Angebot in Oberhausen, dass sich proaktiv an von Einsamkeit betroffene Menschen in Oberhausen wendet?

Quartiersbüros für ältere Menschen

In Oberhausen arbeiten 6 Quartiersbüros für ältere Menschen vor Ort und bieten Informa­tions- und Beratungsangebote sowie Angebote für die Freizeitgestaltung an. Als Anlauf­stelle für ältere Menschen oder Angehörige in den Quartieren entwickeln die Quartiersbü­ros bedarfsgerechte Angebote. Die jährlich stattfindenden Senior*innenkonferenzen geben Ansätze zu aktuellen Themen. So auch die Senior*innenkonferenz 2023, die das Ober­thema Freizeit und Kultur hatte und zu dem die Senior*innen gemeinsam mit den Quar­tierskoordinator*innen in den Austausch gegangen sind. Auch aktuelle Herausforderungen werden zeitnah aufgenommen. So finden derzeit beispielsweise Informationsveranstaltun­gen zu Leistungsgewährungen wie Wohngeld Plus oder Grundsicherung statt. Auch im Rahmen der Corona-Pandemie wurden Bedarfe direkt aufgenommen und z. B. Ein­kaufsangebote, Telefonberatung, Organisation und Begleitung zum Impftermin umgesetzt.

Hausbesuche werden ebenfalls von Mitarbeiter*innen der Quartiersbüros durchgeführt.

Durch AGH-Maßnahmen von ZAQ und Ruhrwerkstatt konnten auch SeniorInnen, die Hilfe benötigen (kleinere Reparaturen, Glühbirne wechseln, Keller entrümpelt usw.) geholfen werden.

Für den Paritätische Wohlfahrtsverband ist angesichts der aktuell schwierigen Finanzlage eine auskömmliche Finanzierung aufsuchender Angebote von großer Bedeutung. Dass es zu Schließungen von Angeboten und Begegnungsmöglichkeiten kommt, da Träger diese nicht refinanziert bekommen, stellt mit Blick auf die Bekämpfung von Einsamkeit ein großes Problem dar. Vor allem wohnort­nahe, kostengünstige Räume und Angebote sind für von Armut bedrohte Menschen wich­tig um an der Gesellschaft teilzuhaben und im Kontakt zu anderen Menschen zu kommen. So hat der Paritätische beispielsweise erlebt, wie durch das 9 € Ticket Personen an Angeboten teil­genommen haben, die sich sonst den Fahrweg nicht leisten können.

  1. Gibt es Fördertöpfe auf EU-, Bundes- und/oder Landesebene, die die Bekämpfung der Einsamkeit unterstützen?

 

ESF Plus-Programm zur Stärkung der Teilhabe älterer Menschen

An das Programm "Stärkung der Teilhabe Älterer - Wege aus der Einsamkeit und sozialen Isolation im Alter" schließt sich seit Oktober 2022 das ESF Plus-Programm zur Stärkung der Teilhabe älterer Menschen an. Bis zum September 2027 werden mehr als 70 Projekte mit sozial neuartigen Angeboten gefördert. Das Programm richtet sich vorrangig an ältere Beschäftigte ab 60 Jahre, die aus dem Arbeitsleben ausscheiden. Hierbei ist der Auf- und Ausbau von regionalen Kooperations- und Vernetzungsstrukturen für mehr Teilhabemög­lichkeiten zentral.

https://www.esf-regiestelle.de/esf-plus-2021-2027/staerkung-der-teilhabe-aelterer-men­schen-gegen-einsamkeit-und-soziale-isolation

Förderprogramms "Miteinander und nicht allein" des MAGS

Im Rahmen des Förderprogramms "Miteinander und nicht allein" werden in Nordrhein-Westfalen 48 Pflegeeinrichtungen (in OB das ASB Pflege- und Begegnungszentrum An­nemarie-Renger-Weg) gefördert. Das Förderprogramm wurde im Juli 2019 gestartet. Mit den Projektumsetzungen und Maßnahmen wird einen Beitrag zur gesellschaftlichen Teil­habe älterer Menschen geleistet. Trägerübergreifend sollen die neuen Ankerpunkte der Altersisolation vorbeugen.

https://www.mags.nrw/miteinander

 

2.000 x 1.000,- Euro für das Engagement

Die Landesregierung NRW hat das Ziel, die ehrenamtlichen Menschen mit ihren Organi­sationen und Initiativen zu unterstützen und die Rahmenbedingungen für ihr Engagement zu verbessern. Deshalb startete die Landesregierung 2021 mit ersten Maßnahmen zur Umsetzung der Engagementstrategie. Hierzu gehört auch das Förderprogramm „2.000 x 1.000 Euro für das Engagement“.

Jährlich wird durch die Staatskanzlei NRW ein Förderschwerpunkt benannt. In 2024 wird es „Einsamkeit bekämpfen – Ehrenamt stärken“ sein. Die Organisationen, Vereine und Initiativen haben die Möglichkeit 1.000,- Euro über das Förderprogramm zu erhalten, um Aktionen oder ähnliches, passend zum Motto, umzusetzen. Die Anträge müssen online über das Portal: www.engagementfoerderung.nrw gestellt werden. Anschließend werden die Anträge im Bereich Chancengleichheit/Ehrenamt bearbeitet und bewilligt.

Siehe auch Drucksachen M/17/3262-01, M/17/1717-01, M/17/1744-01, M/17/1123-01.

Begegnung und Zusammenhalt

https://www.begegnungsfonds.de/startseite

 

 

 

 

 

  1. Gibt es in Oberhausen Anbieter für Fortbildungen und Schulungen von Pflegeper­sonal für den speziellen Umgang mit einsamen Menschen?

 

Das Thema „Einsamkeit von Senioren*innen“ wird grundsätzlich in der Berufsausbildung der Pflegekräfte berücksichtigt.

Nach Angabe des Caritasverbandes gibt es eine Vielzahl von qualifizierten Fortbildungs­angeboten, die nicht näher bezeichnet wurden.

 

  1. Ist das medizinische Fachpersonal in Oberhausener Kliniken ausreichend geschult, um Einsamkeit bei Patienten zu erkennen?

 

Es gibt verschiedene Ansätze Einsamkeit zu messen. In der Regel wird dazu ein Fragebo­gen genutzt. Dabei beantworten die Probanden*innen Fragen, die direkt oder indirekt auf Einsamkeit abzielen. Insbesondere die indirekte Methode wird beispielsweise im Rahmen der Bevölkerungsbefragung des Sozioökonomischen Panels und weiteren internationalen Panels genutzt. Dennoch gibt es keine einheitliche Messung von Einsamkeit und auch keinen allgemein anerkannten Grenzwert, ab wann jemand als einsam gilt (vgl. Luhmann, 2021).

Der Bereich Gesundheit der Stadt Oberhausen hält keine Informationen vor, inwieweit das Fachpersonal in Oberhausener Kliniken hinsichtlich des Themas Einsamkeit geschult ist.

 

  1. Ist das städtische Fachpersonal mit Bürgerkontakt in Oberhausen sensibili­siert/geschult, um Einsamkeit bei Bürgern zu erkennen?

 

Im aktuellen Fortbildungsangebot der Stadt Oberhausen gibt es derzeit keine Schulung, die das Thema „Einsamkeit von Bürger*innen“ explizit aufgreift. Mittelbar wird das Thema im Kontext „Umgang mit Bürger*innen“ ggf. berührt.

So ist Einsamkeit ein häufiger Wegbegleiter verschiedener Arten von Traumata. Hier wurde zuletzt im Jahr 2019 ein Seminar für Mitarbeiter*innen mit dem Titel „Trauma – Er­kennen und professionell handeln“ angeboten und durchgeführt.

Seit Beginn der Coronakrise wurde das Thema „Einsamkeit/Trauma“ nicht mehr speziell aufgegriffen. Allerdings wurden Sensibilisierungen zu den Themen „Bewusst Kommunizie­ren“ (2023), „Abschied und dann? Wie funktioniert das mit der Trauer“ (2022) und „Störun­gen im Kontext der Vermittlungsarbeit - Symptomatik und Gesprächsführung“ (2020) durchgeführt, die zumindest einen geschulten Umgang mit außergewöhnlichen Situationen im Kunden*innen-Kontakt sicherstellen. Auch Nachwuchskräfte werden im Rahmen des jährlich angebotenen Seminars „Dienstleistungsorientiertes Denken und Handeln“ im The­menfeld „Gesprächsführung mit Bürgerinnen und Bürgern“ geschult.

 

  1. Gibt es Erkenntnisse der Stadtverwaltung, welche Auswirkungen die Corona-Pan­demie auf das Thema der Einsamkeit hatte und hat?

 

Nach Einschätzung des Caritasverbandes haben sich Bezieher*innen von Sozialleistun­gen während der Coronapandemie vermehrt zurückgezogen, es wurden Verhaltensweisen auch nach Abschluss der präventiven Maßnahmen zur Verhinderung des Virus beibehal­ten, im Rahmen unserer SGB2-Beratung wird deutlich, dass diese Klienten sich weiterhin isolieren, bzw. auch Schwierigkeiten haben, wieder an Aktivitäten mit Gruppen teilzuneh­men. 

Die Wahrnehmung des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes ist, dass durch die Pandemie Einsamkeit, wie auch andere Herausforderungen, deutlich verstärkt hat. Für viele Perso­nen war es schwierig wieder zurück in die „neue Normalität“ zu finden. Raus zu gehen und Leute zu treffen oder Aktionen zu unternehmen wurde stärker als vor der Pandemie als anstrengend empfunden. Aufsuchende Angebote nehmen an Bedeutung zu. Diese Wahr­nehmung wird auch durch Studien belegt, wie z.B. der Studie

„Extrem einsam?“

-          Bereits vor der Pandemie waren 14,5 % der jungen Menschen unter 30 Jahre manch­mal einsam. Während der Pandemie erhöhte sich die Einsamkeitsprävalenz auf 48 %.

 

Betrachtet man sich die Jahresberichte (Statistiken) der letzten Jahre, haben Beratungen zu sozialen Themen kontinuierlich zugenommen. Immer wieder erhält der Paritätische Wohlfahrtsverband Anrufe aller Altersgruppen mit dem Schwerpunkt Einsamkeit. Allein 2022 gab es 2 Gruppenneugründungen zu dieser Thematik: Gemeinsam einsam für 25 bis 45jährige und Männer helfen Männern. Erste Gruppe hat sich mittlerweile wieder aufgelöst.

Eine große Problematik ist, dass soziale Gruppenthemen keine GKV-Förderung erhalten können.

Spürbar ist darüber hinaus auch, dass Anfragen zu Depressionen deutlich zugenommen haben. Hierzu kommen häufig auch Anfragen von jungen Menschen.

 

Weitere Informationen:

https://www.barmer.de/gesundheit-verstehen/psyche/einsamkeit/-ich-fuehle-mich-ein­sam-ein-grundgefuehl-in-deutschland--1140300

 

 

  1. Gibt es Erkenntnisse über die Möglichkeiten der digitalen Teilhabe der oben genann­ten Risikogruppen in Oberhausen?

 

Oberhausen verfügt neben der offenen Senior*innenarbeit der freien Wohlfahrtspflege, der Sozialträger*innen und Religionsgemeinschaften über ein sozialraumorientiertes Netz der Quartiersbüros mit verschiedenen Träger*innen. Die Erreichbarkeit der Zielgruppe und die Erfassung der Bedarfe sind darüber sehr gut gesichert. Die Quartiersbüros leisten bereits Bildung und Beratung auch zu digitalen Themen und engagieren dazu bereits Ehrenamt. Die Nachfrage steigt mit dem Angebot unmittelbar.

Drei gemeinwohlorientierte Weiterbildungsreinrichtungen (VHS, Bildungswerk Ruhrwerk­statt, Katholische Erwachsenenbildung) haben digitale Angebote für Senior*innen im Stan­dardprogramm und die Bibliothek verfügt an allen Standorten über freies WLAN und End­geräte Die Kursangebote sind in der Regel sehr gut nachgefragt, aber nicht kostenfrei.

Für die digitale Grundbildung sind die vorhandenen Strukturen sehr gut geeignet. Trotz­dem ist das Thema Digitalisierung im Alter noch ausbaufähig. Die vorhandenen Strukturen werden durch Maßnahmen und Angebote u. a. über die smart city-Förderung und eine gute vernetzte Kommunikation mit Quartiersbüros, Weiterbildung und Senior*innenarbeit gestärkt. So wird eine nachhaltige und weitergehende Ansprache und Unterstützung der Zielgruppe in digitalen Kompetenzen erreicht.

Ein Hauptfokus liegt auf der Initiierung von weiteren Gruppen und Netzwerken in den Quar­tieren und auf Pilotprojekten mit stadtweiter Wirkung und Vernetzung.

Die soziale Vernetzung, die Struktur im Quartier und die leichte Zugänglichkeit sind die Hauptbedingungen für die Erreichung einer sinnhaften Digitalisierung der Senior*innen in Oberhausen. Dazu gehören Möglichkeiten für Menschen ohne finanzielle Möglichkeiten und Möglichkeiten für Menschen, die aus verschiedensten Gründen nicht mobil sind oder andere Teilhabehemmnisse haben. In vertrauten Strukturen und Netzen ist die digitale Teilhabe älterer Menschen leichter möglich.

Beim Caritasverband ist Online-Beratung grundsätzlich möglich. Dort wird allerdings kri­tisch gefragt, ob die Zielgruppe das Wissen über diese Möglichkeit und die erforderliche technische Ausstattung verfügt.

Der Paritätische Wohlfahrtsverband teilt seine Erfahrung dahingehend mit, dass die große Mehrheit der Personen sich ausdrücklich persönliche soziale Kontakte wünschen und digitale Angebote zur Begegnung kaum angenommen werden.

Jedoch hat die Möglichkeit der digitalen Formate besonders während Corona gezeigt, dass diese ein hilfreiches Tool sind um in Kontakt zu bleiben und somit Einsamkeit entgegen zu wirken.

  1. Gibt es allgemeine Erkenntnisse über die Korrelation einer exzessiven Nutzung von Sozialen Medien in Zusammenhang mit den oben genannten Risikogruppen?

 

Wie in den einleitenden Worten schon beschrieben, kann man mittlerweile auch davon ausgehen, dass junge Menschen zur Risikogruppe gehören. Eine US-Studie der Universität Pittsburgh von 2017 macht deutlich, dass es einen deutlichen Zusammenhang gibt zwischen einer intensiven Social-Media Nutzung und einer wahrgenommen Einsamkeit vor allem bei jungen Menschen. Die Süddeutsche Zeitung fasst im Juni 2023 in einem Artikel mehrere wissenschaftlichen Umfragen zusammen und kommt auch zu dem Ergebnis, dass durch die neue Qualität der Kommunikation durch Social-Media junge Menschen sich einsam fühlen.

 

 

  1. Welche Überlegungen der Stadtverwaltung gibt es, das Thema der Einsamkeit bei­spielsweise im Themenfeld der Stadtplanung besonders zu berücksichtigen?

 

Städtebauliches Ziel bei allen Planverfahren ist es, intakte Nachbarschaften zu entwickeln und zu gewährleisten. Hierbei spielt die soziale Mischung von Quartieren eine besondere Rolle. Als Bindeglied zwischen neuen und alten Gebäuden dient der öffentlich Raum, der als gesellschaftliche Begegnungszone besonderer Betrachtung bedarf. Daher werden städtebauliche Konzepte stets an der Qualität des Freiraums entwickelt, um Raum für unterschiedliche Bevölkerungsgruppen zu schaffen. Dies gilt auch für Einzelmaßnahmen im öffentlichen Raum (z.B. dem Sterkrader Markt mit einem umfassenden Aufenthaltsangebot). Gleichzeitig werden in den Stadterneuerungsgebieten Osterfeld, Sterkrade und Alt-Oberhausen durch die örtlichen Stadtteilbüros umfassende Angebote  zur Aktivierung und Einbeziehung der Bewohnerinnen und Bewohner geschaffen. In Kooperation mit örtlichen Akteuren werden z.B. Formate wie der Lesesommer, Stadtteilfeste, Woche der seelischen Gesundheit und Gesundheitsparcours,  Feierabendmarkt, Spiel- und Sportwochenende und Netzwerktreffen mit thematischen Dialogformaten aktiv unterstützt und mitinitiiert, um das soziale Zusammenleben zu stärken. Diese Formate werden gerne und fortlaufend angenommen.  

 

 

  1. Welche Arten der Wohnformen zur Bekämpfung von Einsamkeit gibt es und welche könnten davon in Oberhausen Berücksichtigung finden?

 

Das Deutsche Rote Kreuz plant, bei zukünftigen Wohnprojekten einen Fokus auf Wohn­gemeinschaften zu legen. So sollen betreute Wohngemeinschaften für z. B. adipöse Men­schen, junge Pflegebedürftige, Seniorinnen und Senioren mit türkischem Migrationshinter­grund und Menschen mit Trisomie 21 geschaffen werden.

Gleichzeitig wird geprüft, ob auch eine Nachfrage nach Wohngemeinschaften für Seniorin­nen und Senioren ab 50 Jahren besteht. Eine solche Wohnform kann Einsamkeit bei den Teilnehmenden vorbeugen.

Bereits angeboten und weiter ausgebaut wird beim DRK die Wohnform „Betreutes Woh­nen“. Es handelt sich hierbei um eine Form der Wohnunterstützung, die eine lebendige Gemeinschaft von Bewohnern, die sich gegenseitig unterstützen fördert, und Gesellschaft bietet. Regelmäßig werden Gemeinschaftsaktivitäten und soziale Veranstaltungen organi­siert, um den sozialen Austausch zu fördern und Einsamkeit zu verringern.

Wohnangebot des Caritasverbandes im Rolandshof

https://www.caritas-oberhausen.de/hilfe-und-beratung/senioren/rohlandshof/rohlandshof

 

 

 

 

 

  1. Welche Relevanz hat das Thema der Einsamkeit nach Einschätzung der Stadtver­waltung und mit welchen Entwicklungen bzgl. der Relevanz dieses Themas rechnet die Stadtverwaltung?

 

Aufgrund der demografischen Entwicklung – mehr Singlehaushalte – ist zu erwarten, dass mehr Ältere zukünftig allein leben werden und damit die Gefahr der Vereinsamung im Alter steigt.

Dabei kann und sollte Einsamkeit nicht ausschließlich isoliert betrachtet werden. Sowohl die Faktoren, die zu Einsamkeit führen, als auch die möglichen, vor allem sozialen und gesundheitlichen, Folgen von Einsamkeit machen das Thema zu einer gesamtgesell­schaftlichen Herausforderung.

 

  1. Ist die Relevanz aus Sicht der Stadtverwaltung so groß, dass in der Verwaltung mit einer eigenen Zuständigkeitsverortung geplant werden sollte? (In Großbritannien und Japan gibt/gab es beispielsweise auf bundesstaatlicher Ebene einen eigenen Minister für Einsamkeit.)

 

Aus Sicht der Verwaltung spielt das Thema Einsamkeit in vielen Hand­lungsfeldern eine Rolle und sollte eher als Querschnittsaufgabe gesehen werden.

Wohnen, Gesundheit, Freizeit, Kultur usw. sollten bei der Umsetzung von Maßnahmen und Angeboten die Einsamkeit berücksichtigen.

Als wichtigster Punkt ist die Schaffung des Zuganges und die Erreichbarkeit der einsamen Menschen zu sehen. Daher spielt hier die Vernetzung und Zusammenarbeit mit allen relevanten Stel­len/Einrichtungen/Unternehmen/Vereinen usw. eine wichtige Rolle.

 

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