Berichtsvorlage - M/17/3840-01

Reduzieren

Beratungsfolge

Reduzieren

Sachverhalt

Sachdarstellung

 

1.0 Kulturagenten für kreative Schulen

Das Programm „Kulturagenten für kreative Schulen NRW“ begann im Schuljahr 2011/2012 mit dem Schwerpunkt, Kunst und Kultur nachhaltiger in Schulen zu verankern. Das Projekt wurde von 2011- 2018 durch die Kulturstiftung des Bundes und die Stiftung Mercator gefördert. Kulturagent*innen sollten hierzu ein breites und nachhaltiges Angebot kultureller Bildung in den Programm-Schulen initiieren. Seit dem Schuljahr 2018/2019 wird das Programm nun als Landesprogramm vom Ministerium für Schule und Bildung NRW und dem Ministerium für Kultur und Wissenschaft NRW gefördert. Es hat sich seitdem zu einem Programm entwickelt, das die Begleitung der Schulentwicklung mit kulturellem Schwerpunkt in den Mittelpunkt der Arbeit der Kulturagent*innen stellt.  

 

Schulen des Kulturagenten-Programmes machen sich auf den Weg zu einem Schulprogramm, das seinen Schwerpunkt auf ein nachhaltig wirksames, künstlerisches und kulturelles Schulprofil legt. Es sollen Konzepte entwickelt und verankert werden, die individuell auf die Bedingungen der Schulen und der kommunalen Strukturen, vor allem auch auf die Bedarfe der Schüler*innen im Sinne der Querschnittaufgabe „kulturelle Bildung“ ausgerichtet sind. 

Der Kulturagent entwickelt gemeinsam mit Lehrer*innen, der Schulleitung, Eltern, Künstler*innen sowie Kulturinstitutionen und mit den Schüler*innen künstlerische Projekte und dabei neue Vermittlungsformate, die innerhalb und außerhalb des Unterrichts erprobt und etabliert werden.

 

Ein Schwerpunkt ist die nachhaltige Verzahnung der Arbeit des Kulturagenten in den Schulen mit vorhandenen bzw. geplanten kommunalen Gesamtkonzepten kultureller Bildung. Auf diese Weise soll ein Umfeld entstehen, in dem junge Menschen wiederkehrend verschiedene künstlerische Sparten in professionellem Rahmen erproben und präsentieren können. Gleichzeitig erreichen z. B. Museen, Bibliotheken, Theater, Kulturzentren, freie Künstler*innen und andere Kulturpartner in den Schulen ihr künftiges Publikum. 

 

1.1 Kultur und Schulen 

Im Sinne eines breiten Transfers sollten die Erfahrungen des Kulturagentenprogramms der ersten Phase von 2011 bis 2015 ab dem Sommer 2015 in die kommunalen Strukturen einfließen. (Vgl.: Drucksache M/16/1359-01) Im September 2015 wurde daher die Stelle des Kulturagenten in der Kommune eingerichtet und wurde dem Bildungsbüro zugeordnet. Um die Netzwerkarbeit noch nachhaltiger zu unterstützen, sitzt der Kulturagent seit Anfang 2022 im Kulturbüro. Die Zuordnung zum Bildungsbüro bleibt weiterhin bestehen, so verknüpft der Kulturagent die Inhalte des Programms „Kulturagenten für kreative Schulen NRW“ mit den Aufgaben des Dezernats 3 im Bereich kultureller Bildung und des kommunalen Gesamtkonzeptes kultureller Bildung des Dezernats 1.

 

Das Angebot zur Beratung durch den Kulturagenten wird von Schulen und Kulturschulen wahrgenommen: Es gehen Anfragen zu Drittmittelakquise, Künstlerkontakten und nach geeigneten Kooperationspartnern vonseiten der Schulen bei dem Kulturagenten ein. Der Kulturagent unterstützt das Bildungsbüro in der Durchführung des jährlich stattfindenden Fachtages für die Kulturbeauftragten der Oberhausener Schulen und berät bei der Betreuung der Kulturschulen.

 

1.2 Projekte kultureller Bildung

Der Kulturagent berät und begleitet Prozesse und Projekte der Kommune im Sinne des Gesamtkonzeptes kultureller Bildung und ist Mitglied des Arbeitskreises „Lesen Erleben“, der mit der „Lesestadt Oberhausen“ die größte Bürgerinitiative der Stadt organisiert. Ferner ist der Kulturagent Ansprechpartner und Koordinator für das „Kulturscouts Projekt“ der Stadt Oberhausen und berät als Vertreter für kulturelle Bildung die Entwicklung des Jugendportals Oberhausen. 

 

Aktuell koordiniert der Kulturagent ein Projekt der vier Gesamtschulen Oberhausens zur Gestaltung des Bauzauns an der neuen Gesamtschule in Zusammenarbeit mit dem Dezernat 3, dem Bereich Schule, der SBO und bildenden Künstlerinnen. 

 

1.3 Kultureinrichtungen 

Die Kultureinrichtungen der Stadt Oberhausen sind ein wichtiger Partner für die Schulen: Sie bieten professionelle und hohe künstlerische Qualität und sind ein Garant für eine nachhaltige Entwicklung. Es gehört zu den Aufgaben des Kulturagenten, Brücken zwischen den formalen und non-formalen Bildungspartnern zu bauen. Die Erfahrung hat gezeigt, dass Kulturagenten Schaltstellen sind, die Kommunikation kanalisieren und zwischen den Systemen "übersetzen": Sie sind intermediäre Akteure. Die Anbahnung von nachhaltigen Kooperationen zwischen Schulen und Kulturinstitutionen sowie freien Kunstschaffenden ist eine der wesentlichsten Aufgaben eines Kulturagenten. Der Kulturagent hat in dieser Funktion unter anderem die Vorgespräche des Theater Oberhausen bei der Verhandlung der theater:jetzt Vereinbarungen mit Oberhausener Schulen begleitet und beraten. 

 

Der Kulturagent Jens Niemeier, der die Stelle seit Juli 2017 für die Kommune ausführt, hat in den vergangenen sechs Jahren ein sehr gut funktionierendes Netzwerk aufgebaut. Dies bietet viele Möglichkeiten, Energien zu bündeln, Synergieeffekte zu erzeugen und sog. „Win-Win-Situationen“ zu schaffen. So werden Informationen der Kultureinrichtungen von dem Kulturagenten direkt an die Schulen und die kulturbeauftragten Lehrkräfte weitergeleitet. Zudem berät der Kulturagent auch die Kulturinstitutionen zu Themen kultureller Bildung und unterstützt sie bei der Entwicklung passgenauer Angebote für die Schulen. So konnten z.B. frühzeitig Schulen als feste Projektpartner für das Tanztheaterprojekt „Multiversum“ des Theater Oberhausen gefunden werden. 

 

1.4 Beratung und Betreuung der Netzwerkschulen 

Der Arbeitsschwerpunkt des Kulturagenten liegt nach wie vor bei der Betreuung der „Kulturagentenschulen“. Die Kulturelle Bildung soll nachhaltig in den teilnehmenden Schulen verankert werden. Dazu werden Kulturfahrpläne erarbeitet, die neben den allgemeinen schulischen Zielen den Fahrplan für Projekte und Prozesse kultureller Bildung an der Schule enthalten. Jedes Schuljahr werden Teilziele und Maßnahmen entwickelt, mit denen die Schulen ihren Leitzielen und Visionen näherkommen. 

 

Seit dem Schuljahr 2018/19 besteht das Netzwerk aus vier Kulturagentenschulen (Fasia Jansen Gesamtschule, Gesamtschule Weierheide, Gesamtschule Osterfeld und LVR-Förderschule Christoph Schlingensief) nachdem mit Ende des Schuljahres 2017/2018 die Hauptschule Alstaden aufgrund der Schulschließung nicht mehr am Programm teilnimmt. 

Die Betreuung der vier Netzwerkschulen hat die Verstetigung eines kulturellen Schulprofils und die Beratung in Fragen der kulturellen Schulentwicklung zum Ziel. Hierzu zählen u.a. die Begleitung und Beratung von Steuergruppen und Fachkonferenzen sowie eine intensive Prozessbegleitung der Schulentwicklung. Es werden Kooperationsgespräche mit Kunstschaffenden, Kulturinstitutionen, Schulleitungen und den beteiligten Lehrpersonen geführt. Projekte und Anträge werden initiiert und bearbeitet. 

 

Die COVID-19 Pandemie hat sich ebenfalls auf die kulturelle Bildung an Schulen ausgewirkt. Derzeit laufen Verhandlungen zwischen den Schulen, Kultureinrichtungen und Partnern, um Projekte erneut nachhaltig und im Hinblick auf die Kontinuität zu etablieren. 

 

1.5 Finanzierung

Die Stelle des Kulturagenten mit 32 Std./Wo wird vollständig von den Schulen des Netzwerks finanziert. Bei den Schulen handelt es sich um gebundene Ganztagsschulen der Sekundarstufen I und II, die aus dem Programm „Geld oder Stelle“ die Mittel für den Kulturagenten kapitalisieren. Jede Schule des Netzwerks kapitalisiert dazu den Anteil von 0,27 Lehrerstelle, was im Schuljahr 2022/2023 14.785,- EURO je Schule entspricht. Die Kommune erhält demnach 59.140 EURO zur Finanzierung der Stelle. 

 

Das Projektmanagement und die Administration des sog. Kunstgeldes übernimmt der Kulturagent. Im Schuljahr 2022/2023 sind von den vier Schulen insgesamt 50.000 Euro Kunstgeldförderung beantragt worden. Dieses Geld floss u.a. in ein Bauprojekt mit dem Titel „Kubenkunst“, in dem Schülerinnen und Schüler gemeinsam mit Techniklehrkräften, dem Fachbereich Kunst und einem Künstler eine Vitrinenlandschaft für die Ausstellung dreidimensionaler Kunststücke an der Gesamtschule Osterfeld geschaffen hat. 

 

2.0 Kulturscouts Oberhausen 

„Kulturscouts Oberhausen“ ist ein Projekt des Dezernates 1 in Zusammenarbeit mit dem Bildungsbüro sowie dem Kulturbüro und den städtischen Kulturinstitutionen und weiterführenden Schulen in Oberhausen. 

 

Schüler*innen der Klasse 8-10 werden in mehreren Modulen zu Kulturscouts ausgebildet. Die Kulturscouts sind Multiplikatoren und Brückenbauer zwischen Kulturinstitutionen, Schulen und Schüler*innen. Sie können Veranstaltungen in der Schule unterstützen, eigenverantwortlich planen und durchführen und sind zu regelmäßigen Treffen in Kulturinstitutionen eingeladen. Sie sind Ansprechpersonen für Lehrkräfte und Lernende und arbeiten mit den kulturbeauftragen Lehrpersonen ihrer Schule zusammen. Die Kulturscouts partizipieren mit kultureller Bildung, machen praktische Erfahrung in Kreativität und Kultur und haben die Möglichkeit bekommen, die Kulturinstitutionen näher kennenzulernen. Selbstbewusstsein und soziale Kompetenzen wurden durch die Module und die Zusammenarbeit mit Schülerinnen und Schülern aller Schulformen erprobt und gestärkt. Die Auseinandersetzung mit den Kulturinstitutionen eröffnet den Teilnehmenden neue Sichtweisen auf Kunst, Ästhetik und Kreativität, die sie dazu befähigen, ihre eigene kreative und künstlerische Kompetenz zu erweitern. 

 

2.1 Pilotprojekt

Im September 2019 startete der Pilot des Projektes, dessen Module coronabedingt ab Mitte März 2020 nicht mehr stattfanden und im Schuljahr 2020/2021 digital abgeschlossen wurden. Der Pilot wurde daher im Schuljahr 2022/2023 erneut durchgeführt, hier nahmen 29 Schülerinnen aus vier Schulen teil: Gesamtschule Weierheide, Bertha-von-Suttner-Gymnasium, Heinrich-Heine-Gymnasium sowie Heinrich-Böll-Gesamtschule.

 

Insgesamt fanden vier Module in neun Kulturinstitutionen der Stadt Oberhausen statt: Theater Oberhausen, LUDWIGGALERIE Schloß Oberhausen, Lichtburg Filmpalast, Internationale Kurzfilmtage e.V., Stadtbibliothek und VHS im Bert-Brecht-Bildungszentrum, städtische Musikschule Oberhausen, Stadtarchiv und historisches Klassenzimmer und LVR-Industriemuseum. Hier konnten die Teilnehmenden beispielsweise an einer Pressekonferenz mit Barbara Klemm in der Ludwiggalerie teilnehmen und den Theaterfundus erkunden.

 

 

2.2 Evaluation und Verstetigung

 

Im letzten Modul wurde das Projekt gemeinsam mit den Schüler*innen evaluiert, die Ergebnisse zu einzelnen Workshops wurde an die Kulturinstitutionen weitergegeben, damit hier das Angebot noch besser an die Wünsche der Teilnehmenden angepasst werden kann. Die Lehrkräfte und Kulturinstitutionen gaben in Form einer Umfrage und Gesprächen Rückmeldungen an die Organisation, so dass auch diese einzelnen Prozesse verbessern kann. In Rücksprache mit dem Beigeordneten Apostolos Tsalastras sowie dem Kulturbüro und dem Bildungsbüro wird das Projekt im kommenden Schuljahr 2023/2024 erneut durchgeführt und für alle weiterführenden Schulen geöffnet. Dazu wurden bereits Vertreter*innen aller Schulen, der beteiligten Dezernate und Abteilungen und der Kulturinstitutionen zur Abschluss- und Auftaktveranstaltung am 15. Juni 2023 in der LUDWIGGALERIE eingeladen. Hier wurden die ersten Kulturscouts ausgezeichnet und Herr Tsalastras verkündete die Verstetigung des Projektes.

 

Die Finanzierung des Kulturscout-Projektes ist durch Fördergelder für das Gesamtkonzept kultureller Bildung weiterhin gesichert. Der Kulturagent ist weiterhin der Ansprechpartner für das Projekt.

Reduzieren

Anlagen

Loading...