Berichtsvorlage - M/17/3198-01
Grunddaten
- Betreff:
-
Ergänzung zur Wirtschafts- und Arbeitsmarktberichterstattung Oberhausen Q1/2023
- Status:
- öffentlich
- Vorlageart:
- Berichtsvorlage
- Federführung:
- Dezernat 0 / Strategische Planung
- Bearbeitung:
- Andrea Scholten
- Verantwortung:
- Dez 0 Herr Güldenzopf
Beratungsfolge
| Status | Datum | Gremium | Beschluss | NA |
|---|---|---|---|---|
|
●
Geplant
|
|
Wirtschafts- und Digitalisierungsausschuss
|
Kenntnisnahme
|
|
|
|
08.03.2023
|
Sachverhalt
Sachdarstellung
Hintergrund
Zur Vorlage M/17/2991-01 in der Sitzung des Wirtschafts- und Digitalisierungsausschuss vom 25.01.2023 bestand seitens der Ausschussmitglieder die Anregung, Daten zur ökonomischen Ungleichheit in Oberhausen sowie zur Integration ukrainischer Geflüchteter auf dem Oberhausener Arbeitsmarkt in die Wirtschafts- und Arbeitsmarktberichterstattung für Oberhausen hinzuzufügen. In der vorliegenden Berichtsdrucksache sollen die bisher verfügbaren Daten in zwei Abschnitten vorgestellt und eingeordnet werden.
1) Ökonomische Ungleichheit in Oberhausen
Zur Einordnung der ökonomischen Ungleichheit in Oberhausen wurden, unter anderem in Rücksprache mit dem Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), verschiedene Indikatoren gesichtet und auf regionalisierte Datenverfügbarkeit hin überprüft. Im Folgenden soll auf dieser Grundlage vor allem auf den Gini-Koeffizienten für die Stadt Oberhausen eingegangen werden.
Datenlage
Daten zur sozialen Lage und damit direkt und indirekt zur Ungleichheit in der Stadt Oberhausen liefert grundsätzlich die Sozialberichterstattung der Stadt Oberhausen (M/17/3030-01). Auch ein Vergleich weiterer Arbeitsmarkt- und Wirtschaftsindikatoren liefert Hinweise auf die soziale Lage, Armut und Reichtum innerhalb der Stadt und zwischen den Städten (s. Wirtschafts- und Arbeitsmarktberichterstattung). Weitere Daten liegen nur in sehr begrenztem Umfang vor.
Gini-Koeffizient
Ein bewährter Indikator für die Verteilung von Einkommen und Vermögen ist der Gini-Koeffizient. Regionalisierte Daten werden leider nicht regelmäßig zur Verfügung gestellt. Auf Grundlage einer Forschungsarbeit des IAB konnte der Gini-Koeffizient der Einkommensverteilung (nach Arbeits- und Wohnort) für die Jahre 2000 bis 2017 auf Kreisebene ausgewertet werden.[1] Eine Aktualisierung dieser Daten sei derzeit jedoch nach Angaben des Autors nicht geplant.
Der Gini-Koeffizient bildet Werte zwischen 0 und 1. Eins bedeutet dabei vollständige Ungleichverteilung, null vollständige Gleichverteilung. Der bundeweite Wert für die Einkommensverteilung lag in den vergangenen Jahren regelmäßig bei einem Wert um 0,29. Popp (2019) stellt in seiner Arbeit grundsätzlich fest, dass die Einkommen in urbanisierten Räumen deutlich ungleicher verteilt sind als in ländlichen Regionen.
Einordnung des Ungleichverteilung in Oberhausen nach dem Gini-Index
Die IAB-Daten können getrennt nach Einkommensverteilung[2] am Wohn- und Arbeitsort im Städtevergleich analysiert werden. Festzustellen ist, dass die Ungleichverteilung in Oberhausen innerhalb des Ruhrgebiets sowohl nach Wohn- als auch nach Arbeitsortprinzip im Mittelfeld liegt. Auch im bundesweiten Vergleich liegt Oberhausen (Stand 2017) im Mittelfeld. Festzustellen ist, dass die Schwankungen nach dem Arbeitsortprinzip größer ausfallen als nach dem Wohnortprinzip. Die Höchststände der Ungleichverteilung wurden jedoch nach 2012 (Arbeitsort) und 2007 (Wohnort) nicht mehr erreicht.
Generell lässt sich feststellen, dass die Ungleichheit in Oberhausen (Wohnort) über die vergangenen Jahre konstant unter dem bundesdeutschen Durchschnitt liegt und in etwa den bundesdeutschen Schwankungen folgt. Die Einkommensungleichheit folgt dabei in der Regel dem Konjunkturzyklus: In Krisen sinkt dabei die Ungleichheit, da die oberen Einkommensbereiche verhältnismäßig stärkere Einkommensverluste hinnehmen müssen.[3]
Die vergleichsweise geringe Einkommensungleichheit deckt sich mit den Ergebnissen anderer Statistiken: So ist die Dichte von Einkommensmillionären auf die Einwohnerzahl gerechnet in Städten mit höherer Einkommensungleichheit höher (Essen kommt auf 3,2 Millionäre/10.000 Einwohner, Mülheim auf 4,1 Millionäre/10.000 Einwohner). In Oberhausen leben im Vergleich nur 0,8 Einkommensmillionäre auf 10.000 Einwohner.[4]
Einordnung
Insgesamt sind auf kleinräumiger Ebene wenige Daten zur Einordnung ökonomischer Ungleichheit verfügbar. Die oben ausgeführte Analyse der Ungleichheit in Oberhausen legt nahe, dass die vergleichsweise geringere/durchschnittliche Einkommensungleichheit in Oberhausen auch mit vergleichsweise weniger Spitzenverdienern und Spitzenverdienerinnen einhergeht. Diese These wäre jedoch, angesichts des deutlichen Beschäftigungswachstums der vergangenen Jahre, bei verfügbarer Datenlage zu überprüfen. Der Fokus auf Bemühungen, Menschen Arbeit zu ermöglichen, ist auch mit Hinblick auf die Einkommensungleichheit der richtige Ansatz – insbesondere mit Blick auf die hohe Zahl Langzeitarbeitsloser.
Graphiken
Abbildung 1: Entwicklung Gini-Koeffizient (Wohnort) Ruhrgebiet

Abbildung 2: Gini-Koeffizient Oberhausen (Wohnort)

Abbildung 3: Gini-Koeffizient (Arbeitsort) Ruhrgebiet

Abbildung 4: Gini-Koeffizient (Arbeitsort) Oberhausen

2) Integration ukrainischer Geflüchteter auf den Oberhausener Arbeitsmarkt
Bis zum 16. Februar 2023 wurden in Oberhausen 4.056 Geflüchtete aus der Ukraine aufgenommen. 1.933 Frauen und 810 Männer über 18 Jahre sowie 1.313 Kinder und Jugendliche bis 17 Jahre. 859 der 4.056 haben Oberhausen nach der Aufnahme wieder verlassen. Seit dem 01. Juni 2022 erhalten Geflüchtete aus der Ukraine Leistungen nach dem SGB II und werden dadurch in der Statistik der BA erfasst.
Datenlage
Ein Jahr nach dem Angriff Russlands auf die Ukraine liegen noch nicht ausreichend Daten vor, um ein umfassendes Bild von der Integration der ukrainischen Geflüchteten auf dem Arbeitsmarkt zeichnen zu können. Grundsätzlich erfasst die Statistik der Bundesagentur für Arbeit nur die Staatsangehörigkeit der Menschen, nicht jedoch den Fluchthintergrund. Am Bestand der erwerbsfähigen Leistungsberechtigten mit ukrainischer Staatsbürgerschaft (letzter Datenstand: Oktober 2022) zeigt sich erwartungsgemäß ein entsprechend der Intensität der Fluchtbewegung verlaufendes Bild. So zählten im Oktober 2022 2.903 Personen ukrainischer Staatsangehörigkeit zum Kreis der erwerbsfähigen Leistungsberechtigten.

Zahlen der Beschäftigungsstatistik liegen getrennt nach Staatsangehörigkeit der Beschäftigten lediglich bis Juni 2022 vor. Hier zeigt sich, dass die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten mit ukrainischer Staatsangehörigkeit in Oberhausen von 63 im Juni 2021 auf 113 im Juni 2022 gestiegen ist.
Weitere Beobachtung notwendig
Wie sich die Integration ukrainischer Geflüchteter auf den Arbeitsmarkt entwickelt, kann erst mit weiterem zeitlichen Abstand umfassend beobachtet werden. Sofern neue und umfassendere Daten vorliegen, werden diese in die Wirtschafts- und Arbeitsmarktberichterstattung aufgenommen und den Ausschussmitgliedern zur Verfügung gestellt.
[1] Siehe Popp, Martin (2019): Warum klaffen die Löhne in der Stadt stärker auseinander als auf dem Land?, in: IAB-Forum. Verfügbar unter: https://www.iab-forum.de/warum-klaffen-die-loehne-in-der-stadt-staerker-auseinander-als-auf-dem-land/#:~:text=Einen%20zu%20vernachl%C3%A4ssigenden%20Einfluss%20auf,Pendler%20und%20die%20sektorale%20Betriebsstruktur., zuletzt geprüft am 30.01.2023.
[2] Hinweis: Verwendet wird das Bruttoeinkommen
[3] Vgl. DIW Berlin (2021): Einkommensungleichheit in Deutschland sinkt in Krisenzeiten temporär. Verfügbar unter: https://www.diw.de/documents/publikationen/73/diw_01.c.829910.de/21-46-1.pdf, zuletzt geprüft am 30.01.2023.
[4] Stand der Daten: 2018. Vgl. IT.NRW (2022): Zahl der Einkommensmillionäre in NRW 2018 um 3,1 Prozent gestiegen. Verfügbar unter: https://www.it.nrw/zahl-der-einkommensmillionaere-nrw-2018-um-31-prozent-gestiegen-107871, zuletzt geprüft am 06.02.2023.
Anlagen
| Nr. | Name | Original | Status | Größe | |
|---|---|---|---|---|---|
|
1
|
(wie Dokument)
|
326,2 kB
|
