Berichtsvorlage - M/17/3090-01

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Beratungsfolge

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Sachverhalt

Sachdarstellung

 

Der Fachbereich 0-8-30, Gedenkhalle und Bunkermuseum, ist zugleich federführendes Amt für die zeitlich befristeten Förderungen im Bundesprogramm „Demokratie leben! Aktiv gegen Rechtsextremismus, Gewalt und Menschenfeindlichkeit“ und im Landesprogramm „NRWeltoffen. Integriertes Handlungskonzept gegen Rechtsextremismus und Rassismus“. Daher werden alle vier Teilbereiche in einem Bericht zusammengefasst.

 

1) Gedenkhalle und Bunkermuseum

 

Rückblick auf 2022

 

Nachdem in den Vorjahren in Gedenkhalle und Bunkermuseum pandemiebedingt ein Rückgang der Besucherzahlen bis zu 50% zu verzeichnen war, konnte im Jahr 2022 in der Gedenkhalle mit 7.600 Besucher:innen noch nicht ganz an die Zahlen aus den Vorjahren von Corona angeknüpft werden. Im Bunkermuseum, das nur zwei Tage pro Woche geöffnet ist, stieg die Zahl auf 2.300 Besucher an, was einer Normalisierung der Besucherfrequenz auf hohem Niveau gleichkommt.

 

Während die Gedenkfeier am 27. Januar 2022 für alle Opfer des Nationalsozialismus noch digital stattfinden musste, wurde der Antikriegstag am 1. September wieder real, aber noch vor der Gedenkhalle durchgeführt. Die Gedenkfeier zum Novemberpogrom von 1938 fand am 9. November bei sehr großem Zuspruch real auf der Friedenstraße statt. Der Volkstrauertag wurde am 13. November auch wieder real in der Gedenkhalle begangen. Die Gedenkfeier vom 27. Januar 2023 fand in der Gesamtschule Osterfeld ebenfalls real und unter reger Beteiligung zahlreicher Schulen statt.

 

Das 60-jährige Bestehen der Gedenkhalle wurde mit einem Festakt und der Einweihung einer Kommentierung in Form von vier Informationstafeln an der Gedenkskulptur der „Trauernden“ gefeiert. Oberbürgermeister Schranz konnte zum Jubiläum Frau Bundestagspräsidentin Bärbel Bas begrüßen. Die Informationstafeln wurde von der Landeszentrale für politische Bildung NRW und der Bürgerstiftung der Stadtsparkasse Oberhausen gefördert. Zum Abschluss des Festtages wurde die Open-Air-Wechselausstellung „Stolen Memory“ der Arolsen Archives eröffnet, die den Versuch unternimmt, Gegenstände von NS-Opfern den Familien der Ermordeten zurückzuerstatten.

 

Das Jubiläum wurde abgerundet durch Autorenlesungen von zwei namhaften Autoren. Im September las der österreichische Autor und Menschenrechtspreisträger des Landes Oberösterreich, Erich Hackl, in der Lutherkirche aus seinem Roman „Am Seil. Eine Heldengeschichte“, im Oktober las Dmitrij Kapitelman in der Volkshochschule aus seinem Buch „Eine Formalie in Kiew“.

 

Eine weitere Lesung von Marcia Zuckerman aus ihrem Roman „Mischpoke“ in der Gedenkhalle, ein Vortrag des Kunsthistorikers Ron Manheim zu Äußerungen von Joseph Beuys zum Nationalsozialismus sowie ein Vortrag des Kölner Musikexperten Michael Lang zum Luftkrieg in der deutschen und britischen

Propaganda des Zweiten Weltkriegs komplettierten das kulturelle Veranstaltungsprogramm des Jahres.

 

Im Bunkermuseum wurde die Ausstellung „Mehr als man kennt. Näher als man denkt. Objektgeschichten aus NS-Gedenkstätten in NRW“ vom 28. September bis zum 30. November 2022 gezeigt. Es handelt sich um eine Ausstellung, die von der Landeszentrale für politische Bildung NRW in Kooperation mit dem Arbeitskreis der NS-Gedenkstätten und – Erinnerungsorte NRW konzipiert und realisiert wurde und die sämtliche 29 Gedenkstätten, die dem Arbeitskreis angehören, anhand einer Kurzgeschichte und eines Objekts, das für die Arbeit eines jeden Ortes steht, anschaulich präsentierte.

 

Die Gedenkhallen-eigene Wanderausstellung „Marlene Dietrich. Die Diva. Ihre Haltung. Und die Nazis“ wurde auf Anfrage der Deutschen Botschaft in Washington D.C. im Jahr 2022 in den USA präsentiert. Eine reduzierte Fassung der Oberhausener Wanderausstellung wurde in den Universitäten in Arizona (Arizona State University), South Carolina (University of South Carolina Upstate), Virginia (University of Mary Washington) und Louisiana (Tulane University) präsentiert – für die Gedenkhalle im Jahr ihres 60-jährigen Bestehens das erste Mal, das eines ihrer Produkte jenseits des europäischen Kontinents gefragt war.

 

Im Fazit ist festzustellen, dass Gedenkhalle und Bunkermuseum am voraussichtlichen Ende der Pandemie in Bezug auf den Zuspruch und das Interesse der Stadtgesellschaft optimistisch in die Zukunft schauen können. Die in Vollzeit besetzte Personalstelle der wissenschaftlich-pädagogischen Mitarbeiterin des Fachbereichs hat zu einer Diversifizierung, Erweiterung und Qualifizierung der Tätigkeiten der Gedenkhalle geführt hat, die angesichts der gesellschaftspolitischen Erfordernisse der Gegenwart auch geboten war. Die Gedenkhalle kann nun ihre Aufgabe besser als zuvor erfüllen, was allerdings nicht zum Trugschluss führen sollte, dass zukünftig keine weiteren personellen Ergänzungen nötig wären.

 

Ausblick auf 2023

 

Teile der Gedenkhallen-Ausstellung „Risse im Stein. Die Trauernde und das Gedenken in Oberhausen“ aus den Jahren 2019/2020 werden seit Januar und noch bis Ende Februar 2023 im Alten Rathaus / VHS Lüdenscheid gezeigt. Verantwortlich für diese Ausstellung zeichnen die Ge-Denk-Zellen Lüdenscheid, die wie die Gedenkhalle Mitglied im Arbeitskreis der NS-Gedenkstätten und –Erinnerungsorte in NRW sind. Die Gedenkhalle unterstützte die notwendige Lüdenscheider Beschäftigung mit Willy Meller im Januar 2023 mit einem Vortrag zu Mellers Kunst zwischen den 1920er- und den 1960er-Jahren.

Die aktualisierte und erweiterte Dokumentation der eigenproduzierten Ausstellung „Risse im Stein“ wird voraussichtlich im Frühsommer 2023 erscheinen, nachdem es aus Zeitgründen nicht gelungen war, sie zum Jubiläum der Gedenkhalle herauszugeben. Die Publikation wird durch die Bürgerstiftung der Stadtsparkasse Oberhausen anteilig gefördert.

 

Die im letzten Jahr abgeschlossene Arbeit an der Publikation der Gedenkhalle-Mitarbeiterin Claudia Stein-Laschinsky und der Oberhausener Bürgerin Monika Elm zur jüdischen Geschichte Holtens wurde am 27. Januar 2023 ausgeliefert. Am 19. April 2023 wird eine Buchvorstellung im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Stadtgeschichte entdecken“ – einem Kooperationsprojekt von Stadtarchiv, Volkshochschule, Historischer Gesellschaft Oberhausen und Gedenkhalle – stattfinden.

 

Am 7. März 2023 wird Gunter Demnig die nächsten Stolpersteine in Oberhausen verlegen. Außerdem werden auch Familienangehörige u.a. aus Argentinien zur Verlegung erwartet. Im Anschluss wird von Schüler:innen und anderen an der Verlegung Beteiligten eine kleine Feier ausgerichtet.

 

Vom 1. März bis zum 30. April 2023 wird in der Gedenkhalle die Wechselausstellung "Du Jude! - Alltäglicher Antisemitismus in Deutschland“ der Kölnischen Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit e.V. präsentiert. Viele Menschen verbinden das Thema Antisemitismus ausschließlich mit der NS-Vergangenheit. Dabei ist es auch heute noch allgegenwärtig. Die Ausstellung informiert grundsätzlich über Antisemitismus und gibt einen vertieften Einblick in seine verschiedenen Facetten. Es werden Ausstellungsbegleitungen und vertiefende Workshops insbesondere für Schüler:innen angeboten.

 

Am 16.3.2023 wird ein antisemitismuskritischer Fachtag für Multiplikator:innen aus dem Bildungsbereich, pädagogische Fachkräfte in der außerschulischen Bildung, Lehrer:innen, Mitarbeiter:innen öffentlicher Institutionen und weitere Interessierte durchgeführt. Der Fachtag wird von einem vielköpfigen Kooperationsnetzwerk, dem auch die Gedenkhalle angehört, geplant und durchgeführt. Ziel ist es, über den Themenkomplex mit seinen verschiedenen Erscheinungsformen zu informieren, Möglichkeiten und Chancen einer aktiven Gegenarbeit für die pädagogische Praxis aufzuzeigen und Raum zum Austausch und Dialog von Akteuren zu eröffnen.

 

Am 24.10.2023 wird der Fachtag "Einstiegsprozesse in den Rechtsextremismus und Islamismus" durchgeführt. Die Initiative ging von „Wegweiser“ und der Ruhrwerkstatt aus. Bezahlt und organisiert wird der Fachtag von der Landeszentrale für politische Bildung NRW. Weitere Akteure sind das Innenministerium und der Verfassungsschutz des Landes. Ziel ist, sich über Präventionsmöglichkeiten zu informieren und den Einstieg vorwiegend junger Menschen in die entsprechenden Szenen zu verhindern und ihnen Alternativen aufzuzeigen.

 

Schon vor einigen Jahren erteilte der Kulturausschuss der Gedenkhalle den Auftrag, Informationen am Gefallenen-Ehrenmal auf der Emscherinsel zu konzipieren. Der Rechercheprozess wurde 2022 abgeschlossen, daher steht 2023 die Umsetzung bevor, wofür die Bewilligung der Oberen Denkmalpflege bei der Bezirksregierung Düsseldorf erforderlich ist. Geplant ist, drei Informationstafeln an diesem Ensemble anzubringen, die ähnlich angelegt sein sollen wie die Informationstafeln an der „Trauernden“. Wann der Prozess abgeschlossen sein wird, ist aufgrund der Abhängigkeiten von Dritten unklar; die Gedenkhalle rechnet mit etwa Ende des Jahres 2023. Sobald ein neuer Sachstand vorliegt, wird darüber berichtet werden.

 

Ebenfalls voraussichtlich Ende 2023 wird die Gedenkhalle eine Publikation zum evangelischen Pfarrer Paul Barchewitz, Mitglied der Bekennenden Kirche in Oberhausen, herausgeben. Sie wurde verfasst von den beiden Oberhausenern Peter Gnaudschun und Thomas Pawlowski und wird redaktionell unterstützt durch Dr. Maximilian Schell, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Systematische Theologie, Ethik und Fundamentaltheologie der Ruhr Universität Bochum.

 

In Vorbereitung ist die Präsentation einer Ausstellung in Eigenproduktion, die anhand von Fotografien der Oberhausener Bildjournalistin Ruth Gläser († 2022) der Jahre 1951 bis 1962 die frühe Erinnerungskultur der Stadt skizzieren wird. Die Ausstellung wird Beispiele zwischen kritischer Bearbeitung und Beschönigung der NS-Zeit zeigen, bei denen die Grenzen zwischen Altnazis und Demokraten noch verhandelt wurden. Die Ausstellung wird nur möglich dank der Unterstützung des Stadtarchivs Oberhausen, in dem die Fotografien von Ruth Gläser aufbewahrt werden, und der Landeszentrale für politische Bildung, die in den Jahren 2021 und 2022 unsere Recherchen im Nachlass der Fotografin unterstützte. Je nach weiteren Förderzusagen und davon abhängigem Bearbeitungsverlauf wird die Ausstellung Ende 2023 oder Anfang 2024 eröffnet werden.

 

 

2) Bundesprogramm „Demokratie leben“

 

Rückblick auf 2022

 

Nach den erschwerten Bedingungen in den Corona-Jahren 2020 und 2021 und der daraus folgenden Umstellung vieler Projekte auf digitale Formate konnte das Jahr 2022 fast wieder unter normalen Bedingungen angegangen werden. Ausgestattet mit der mehrjährigen Förderung, die vom federführendem Amt (Gedenkhalle) und der Koordinierungs- und Fachstelle beantragt und vom Bund mit Zuwendungsbescheid bewilligt wurde, konnte unter Einbeziehung des breit aufgestellten Begleitausschusses die strategische Ausrichtung für das Jahr 2022 festgelegt werden. Trotz guter Erfahrung mit Veranstaltungen, die nur online durchgeführt werden konnten, waren auch die Projektpartner aus Effizienzgründen froh, einen Großteil der Projekte wieder in Präsenz durchführen zu können.

 

Im Berichtszeitraum 2022 konnten insgesamt 23 Projekte, die von 17 unterschiedlichen Trägern durchgeführt wurden, mit einer Gesamtsumme von 55.590 Euro gefördert und durchgeführt werden. Der für die Vergabe von Fördermitteln zuständige Begleitausschuss tagte drei Mal im Jahreslauf. Über weitere Förderanträge wurde satzungsgemäß per Mailabfrage abgestimmt.

 

Eine Reihe von Projekten fand in Zusammenarbeit mit der Gesamtschule Osterfeld statt, so u.a. zwei Workshops mit Pädagogen der „Heldenakademie“ mit allen 5. und 6. Klassen. Hier ging es vor allem um soziale Kompetenzen, um damit einen Beitrag zu leisten, positive Veränderungen zu etablieren.

 

In zwei Veranstaltungen mit dem Roma Integrationszentrum (RIZ) wurde Begegnung geschaffen und wurden Vorurteile abgebaut. Auch wurde in einer Gedenkveranstaltung in der Gedenkhalle an die Vernichtung von Roma und Sinti während des Holocaust erinnert. Workshops und Seminare von den „Omas gegen rechts“, des evangelischen Kirchenkreises, „Frauen helfen Frauen“ und des Elsa-Brändström-Gymnasiums gehörten ebenso zu den geförderten Projekten wie ein Filmbeitrag des Netzwerkes interkulturelles Leben (NIL) zum Tag gegen Rassismus sowie zwei Lesungen des „Literaturhaus“ und des Fördervereins Zeche Alstaden. Mit umfangreichen Bücherkisten konnte die Arbeit zu Kinderrechten an der Schule am Froschenteich gemeinsam mit der Caritas umgesetzt werden.

 

Mit der Ausstellung des Anne Frank Zentrums Berlin „Lasst mich ich selbst sein“ über die Lebensgeschichte von Anne Frank gab es in Zusammenarbeit mit der Anne-Frank-Realschule, dem Heinrich-Heine-Gymnasium und der Gedenkhalle ein besonders erfolgreiches Projekt. 30 Schüler:innen beider Schulen wurden im Vorfeld zu Peer Guides ausgebildet und haben die Ausstellung begleitet. Über 1.000 Personen besuchten die Ausstellung, die meisten nahmen eine Ausstellungsbegleitung wahr.

 

Zum Abschluss des Jahres gab es ein von der Fasia-Jansen-Stiftung gemeinsam mit der Fasia-Jansen-Schule organisiertes und in wenigen Tagen ausverkauftes Konzert der „Grenzgänger“ zum 25. Todestag der Oberhausener Sängerin im K14.

 

In allen Feldern der Angriffe auf demokratischen Werte sowie im Engagement gegen Rassismus und (gewaltbereiten) Rechtsextremismus fand im gemeinsamen Demokratiebüro eine enge Verzahnung der Arbeit mit dem Landesprogramm NRWeltoffen statt.

 

Ausblick auf 2023

 

Mit den neuen Richtlinien des Bundesprogramms für die Jahre 2023/2024 erhöhen sich die

Fördermittel des Bundes auf 160.000 Euro/Jahr. Neben der finanziellen Ausstattung für Personal und Sachmittel erhöhen sich damit auch die Fördergelder zur Unterstützung von Projekten. Der Aufstockungsantrag ist seitens der Stadt Oberhausen gestellt worden, der Zuwendungsbescheid wird in nächster Zeit erwartet.

 

Neue Projekte für das Jahr 2023 sind in der ersten Sitzung des Begleitausschusses am 8. Februar 2023 bereits verabschiedet worden, so u.a. die Outdoor-Ausstellung „Zwischen Erfolg und Verfolgung – jüdische Stars im deutschen Sport bis 1933 und danach“, die vom 17. April bis zum 31. Mai 2023 im Kaisergarten zu sehen sein wird und von der Gedenkhalle unterstützt wird. Und auch 2023 wird es wieder eine Oberhausener Demokratie-Zeitung geben. Weitere Projekte, die aus der Bürgerschaft an das Bundesprogramm herangetragen werden, sind schon in Bearbeitung. Der Begleitausschuss wird im Laufe des Jahres in weiteren Sitzungen über die noch eingehenden Anträge aus der Stadtgesellschaft befinden.

 

 

3) Landesprogramm „NRWeltoffen“

 

Rückblick auf 2022

 

Am 30. Juni 2017 erfolgte der erste Zuwendungsbescheid des Ministeriums für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport des Landes Nordrhein-Westfalen, vertreten durch die Landeszentrale für politische Bildung, zur Teilnahme der Stadt Oberhausen am Landesprogramm „NRWeltoffen: Integriertes Handlungskonzept gegen Rechtsextremismus und Rassismus“. Das durch NRWeltoffen unter Mitwirkung der Hochschule Düsseldorf (FORENA) erarbeitete „Handlungskonzept der Stadt Oberhausen gegen Rechtsextremismus und Rassismus“ als wissenschaftliche Analyse und als Handlungsaufforderung wurde am 8. Juli 2019 vom Rat der Stadt Oberhausen (Vorlage B/16/4853-01) beschlossen.

 

Seit 2022 sind die zu beantragenden Förderphasen von jeweils einem auf einen Zeitraum von zwei Jahren ausgeweitet worden. Mit Zuwendungsbescheid vom 7. Dezember 2021 liegt eine Bewilligung für die Jahre 2022 und 2023 vor. Das Gesamtvolumen für den Bewilligungszeitraum beträgt 183.750,00 Euro, wovon 147.000,00 Euro (80 %) als Zuschuss durch die Landeskoordinierungsstelle gegen Rechtsextremismus und Rassismus (LKS) sowie 36.750,00 Euro (20 %) als Eigenmittel abzubilden sind.

 

Gemeinsam mit dem „Netzwerk für Vielfalt und Toleranz“ (Demokratiebüro Oberhausen mit den Programmen NRWeltoffen sowie Demokratie leben! sowie den städtischen Einrichtungen Kommunales Integrationszentrum, Regionales Bildungsbüro Oberhausen, Schulamt Oberhausen - schulpsychologische Beratungsstelle) konnten zwei Impulsnachmittage mit dem Titel „Demokratielernen in der Grundschule“ durchgeführt werden. Die Impulsnachmittage fanden am 8. März 2022 (Ort: Fasia-Jansen-Gesamtschule) sowie am 18. Oktober 2022 (Ort Volkshochschule Oberhausen) statt. Neben den einleitenden Fachvorträgen zum Themenkreis „Kinderrechte“ fanden Workshops zu relevanten Themenbereichen (bspw. Demokratielernen mit Medien, Urteilskompetenzstärkung, lösungsfokussierter Klassenrat, Umgang mit Fake News etc.) statt. Mit jeweils über 30 Teilnehmenden waren beide Impulsnachmittage komplett ausgebucht.

 

Die Onlineplattform www.demoktratiebuero.de stellt eine digitale Vorform des „Demokratiebüros“ (siehe Handlungsempfehlungen) dar und ermöglicht es Interessierten und Betroffenen, sich in Kürze qualifiziert über Angebote im Themenfeld vor Ort zu orientieren, diese bei Bedarf abzufragen und in Anspruch zu nehmen. Die Plattform ist im Jahr 2022 um den Bereich „Opferberatung“ erweitert worden. Seitdem können hier die relevanten Opferberatungsstellen im Gebiet von NRW recherchiert werden.

 

Am 15. Mai 2022 fand die Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen statt. Unter Federführung und mit Finanzierung durch NRWeltoffen konnte zu diesem Termin die dritte Ausgabe der „Demokratie-Zeitung Oberhausen“ veröffentlicht werden. Die Zeitung setzte im Geiste des kommunalen Handlungskonzeptes gegen Rechtsextremismus und Rassismus ein Statement für Demokratie und warb für die Teilnahme aller Wahlberechtigten an der Wahl. Auf 16 Seiten fanden sich für Oberhausen, aber auch darüber hinaus demokratie-relevante Artikel. Mit einer Auflage von 100.000 Exemplaren wurde die Zeitung an alle Haushalte in Oberhausen verteilt.

 

Im Laufe des Jahres 2022 konnte sich unter Mitwirkung von NRWeltoffen das Netzwerk „Antisemitismuskritische Bildungsarbeit in Oberhausen“ stabilisieren. Ein erstes Treffen wurden im Oktober 2021 durchgeführt. Mittlerweile gehören dem Netzwerk an: Demokratiebüro Oberhausen (Programm NRWeltoffen), Kommunales Integrationszentrum, Gedenkhalle Oberhausen, Regionales Bildungsbüro Oberhausen, Volkshochschule Oberhausen, Initiative B-reden, Schulreferat der Evgl. Kirche Mülheim-Essen-Oberhausen sowie die liberale jüdische Gemeinde „Perusch“. Als erste konkrete Maßnahmen sollen Fortbildungen für Lehrer:innen sowie Kulturveranstaltungen vorbereitet werden.

 

Am 27. September 2022 fand im Kulturzentrum Altenberg die jährlich stattfindende Demokratiekonferenz Oberhausen statt. Die Konferenz wird gemeinsam vom Bundesprogramm „Demokratie leben!“ und dem Landesprogramm „NRWeltoffen“ organisiert und durchgeführt. Neben den Berichten aus den beiden Programmen stand das Thema „Umkämpfte Zivilgesellschaft – mit menschenrechtsorientierter Gemeinwesenarbeit gegen Ideologien der Ungleichwertigkeit“ mit einem Vortrag von Dr. Friedemann Bringt aus Dresden im Zentrum. Die Konferenzteilnehmer:innen bewerteten Gemeinwesenarbeit als eine gute Möglichkeit der Demokratieförderung auch für Oberhausener Stadtquartiere.

 

Ausblick auf 2023

 

Mit dem „Netzwerk für Vielfalt und Toleranz“ werden bereits konkrete Maßnahmen und Veranstaltungen geplant. Im Frühjahr (25. April 2023) sowie im Herbst 2023 werden zwei Impulstage „Demokratielernen in der Schule“ durchgeführt. Diese werden für den Personenkreis der Lehrkräfte für die 5. und 6. Klassen der Sekundarstufe 1 ausgeweitet. Ebenfalls sind Fortbildungen zum Themenkreis „lösungsfokussierter Klassenrat“ (Mai 2023) geplant.

 

Am 16. März 2023 findet die Kooperationstagesveranstaltung „Antisemitismuskritische Bildungsarbeit in Oberhausen statt“. Das gleichnamige Netzwerk, an dem NRWeltoffen maßgeblich beteiligt ist, wird ein Programm aus Referaten, Workshops, Kulturbeiträgen (Theater und Musik), Kinoworkshops sowie einem „Markt der Möglichkeiten“ (mit 17 thematischen Ständen) präsentieren.

 

Im Frühjahr 2023 findet die erste Schulung zur Einführung der Mitmach-App „PlaceM“ statt. Die vom Verein „Politik zum Anfassen e.V.“ entwickelte App bietet die technischen Möglichkeiten, Jugendliche direkt und ohne Schwellen an Entscheidungsprozessen, bspw. in Einrichtungen der Offenen Kinder- und Jugendarbeit zu beteiligen. Auch erhalten sie die Möglichkeit, sich zu Themen oder Fragestellungen eigenständig zu vernetzen und somit auch an eigenen Projekten gemeinsam zu arbeiten und diese zu entwickeln.

 

Im Laufe des Jahres wird die datenbankgestützte Homepage www.demokratiebuero.de wie jedes Jahr auf den aktuellen Stand gebracht. Neben der Kontrolle, ob die bisherigen Angebote noch existent sind oder sich verändert haben, werden neue Präventionsangebote sowie Opferberatungsstellen in die Datenbank eingepflegt.

 

Die Präsenz auf Landesebene wird im Jahr 2023 weiter ausgebaut. Neben der Teilnahme an regelmäßigen Netzwerktreffen der NRWeltoffen-Kommunen, die von der Landeskoordinierungsstelle organisiert werden, besteht auch seitens des Landes das Interesse, dass die NRWeltoffen-Kommunen stärker als bisher in das Landesnetzwerk gegen Rechtsextremismus und Rassismus eingebunden werden. Auch der kollegiale Austausch der Mitarbeiter:innen in den Kommunen wird durch regelmäßige digitale Austauschkonferenzen gestärkt.

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