Beschlussvorlage - B/17/2678-01
Grunddaten
- Betreff:
-
Eichenprozessionsspinner - Geplante Maßnahmen für 2023
- Status:
- öffentlich
- Vorlageart:
- Beschlussvorlage
- Federführung:
- Umwelt
- Bearbeitung:
- Barbara Neu
- Verantwortung:
- Kalthoff
Beratungsfolge
| Status | Datum | Gremium | Beschluss | NA |
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Erledigt
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Bezirksvertretung Osterfeld
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Anhörung
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29.11.2022
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Geplant
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Bezirksvertretung Alt-Oberhausen
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Anhörung
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30.11.2022
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Erledigt
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Bezirksvertretung Sterkrade
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Anhörung
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01.12.2022
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Erledigt
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Umweltausschuss
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Beschlussfassung
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18.01.2023
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Geplant
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Naturschutzbeirat
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Kenntnisnahme
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09.02.2023
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Beschlussvorschlag
Beschlussvorschlag
Der Umweltausschuss stimmt dem Vorschlag der Verwaltung zur Bekämpfung des Eichenprozessionsspinners für das Jahr 2023 zu und bittet die Servicebetriebe Oberhausen die Vergabe der Leistungen zu beauftragen.
In dem von der Stadt Oberhausen an die SBO Servicebetriebe Oberhausen gerichteten Pauschal-zuschuss sind für das Jahr 2023 119.000 EUR brutto für die Bekämpfung des Eichenprozessionsspinners vorgesehen.
Konsequenzen
Bezug
Drucksache Nr. M/16/4278-01 – Eichenprozessionsspinner – Geplante Maßnahmen für 2019
Drucksache Nr. B/16/5135-01 – Eichenprozessionsspinner – Geplante Maßnahmen für 2020
Drucksache Nr. B/17/0018-01 – Eichenprozessionsspinner – Geplante Maßnahmen für 2021
Drucksache Nr. B/17/1549-01 – Eichenprozessionsspinner – Geplante Maßnahmen für 2022
Konsequenzen
a) Finanzielle
keine [ ]
ja [ X ]
Die für die vorgesehenen Maßnahmen zur Bekämpfung des Eichenprozessionsspinners anfallenden Kosten können noch nicht beziffert werden. Nach Beschlussfassung durch den Umweltausschuss werden die Servicebetriebe Oberhausen die Leistungen ausschreiben, erst danach stehen die tatsächlichen Kosten fest. Die Verwaltung hat hierfür in den Anmeldungen für die Haushaltsplanung 2023 Ausgaben in Höhe von 119.000 Euro brutto (inklusive Biozideinsatz, Absaugen der Nester, Schilder, Absperrmaterial) veranschlagt. Bei einem Biozidverzicht wäre mit einer Verdopplung der Kosten zu rechnen.
b) Sonstige
Sachverhalt
Begründung
In den Jahren 2018 bis 2021 kam es in Oberhausen zu einer Massenvermehrung des Eichenprozessionsspinners (EPS). Aufgrund der gesundheitsgefährdenden Beeinträchtigungen (Haut- und Atemwegsreizungen), die von den Brennhaaren der Raupen ausgehen, war es erforderlich, in 2018 für ca. 80.000 €, in 2019 für ca. 110.000 €, in 2020 für ca. 81.000 €, in 2021 für ca. 100.000 € und in 2022 für ca. 81.000 € brutto Bekämpfungsmaßnahmen an betroffenen städtischen Bäumen vorzunehmen.
Da es unmöglich ist, eine Prognose für die Intensität des Befalles in 2023 zu erstellen, sind für das Jahr 2023 erneut ähnliche Bekämpfungsmaßnahmen wie in den vorrangegangenen Jahren eingeplant, um einer potentiellen Massenvermehrung des EPS entgegenzuwirken und den Schutz der Bevölkerung zu gewährleisten.
Um die Gefahr eines Massenbefalls einzudämmen und gesundheitliche Beeinträchtigungen für die Bevölkerung deutlich zu reduzieren, wird seit 2018 der frühzeitige Einsatz eines Biozids vorgenommen.
Der Umweltausschuss hat den damaligen erforderlichen Bekämpfungsmaßnahmen zugestimmt und wie folgt beschlossen:
siehe
M/16/4278-01 – Eichenprozessionsspinner – Geplante Maßnahmen für 2019,
B/16/5135-01 – Eichenprozessionsspinner – Geplante Maßnahmen für 2020,
B/17/0018-01 – Eichenprozessionsspinner – Geplante Maßnahmen für 2021 und
B/17/1549-01 – Eichenprozessionsspinner – Geplante Maßnahmen für 2022
Bis 2020 wurde das Biozid Neem Protect eingesetzt, das in die Entwicklung der Larven eingreift. Durch das Fressen der behandelten Blätter nehmen die Raupen das Biozid auf, es kommt zu einem Fraß- und Entwicklungsstopp, der die Entwicklung der Brennhaare verhindert und schlussendlich zum Tod der Raupe führt. Dieses Mittel wirkt auf alle pflanzenfressenden Insekten, ist aber nicht bienengefährlich.
Seit 2021 wird das Mittel Foray® ES verwandt, das auf Basis des Bazillus thuringiensis aufgebaut ist. Foray ®ES wirkt ausschließlich gegen freifressende Schmetterlingsraupen und wird ebenfalls mit der Nahrung aufgenommen. Es zerstört selektiv das Verdauungssystem, wodurch die Raupen nach wenigen Stunden bis einigen Tagen absterben. Bereits kurz nach der Aufnahme des Mittels stellen die Raupen ihre Nahrungsaufnahme ein.
Bekämpfung des Eichenprozessionsspinners in 2022
Im Frühjahr 2022 wurde nach einem Monitoring zur Feststellung des Befalls an den im Jahr 2021 befallenen Bäumen eine umfassende und frühzeitige prophylaktische EPS-Besprühung durchgeführt (s. Karte im Anhang).
Dabei wurden 1.912 städtische Eichen, die an Straßen, Kitas, Schulen, Kinderspielplätzen und vereinzelt in Grünanlagen stehen, mit dem Biozid Foray® ES besprüht. Dies führte dazu, dass nur noch an insgesamt 12 Bäumen Nester des EPS mechanisch abgesaugt werden mussten. Für das Absaugen entstanden Kosten von 117,81 Euro pro Baum, für das Besprühen mit dem Biozid Kosten von ca. 21,54 Euro pro Baum. Die Kosten für die direkten Bekämpfungsmaßnahmen belaufen sich somit auf rund 42.600,00 Euro brutto.
Des Weiteren wurden seit dem Frühjahr 2020 punktuell verschiedene selektive Fallentypen im Stadtgebiet von Oberhausen aufgehangen, darunter 113 mechanische Raupenfallen zum Fang der Raupen und 24 Pheromon-Fallen zur Kontrolle und Eindämmung der Falterpopulationen.
In 2022 wurden zusätzlich 20 weitere Nisthilfen speziell für Meisen, zusätzlich zu den 140 Nisthilfen aus 2020 und 2021, an mehreren Standorten im Stadtgebiet aufgehangen, um eine natürliche Prädation (Fraß der EPS-Raupen durch Vögel) zu fördern.
Durch Eindringen von Regenwasser wurde in diesem recht nassem Frühjahr ein Großteil der mechanischen Fallen beschädigt, sodass auf Grund des dadurch ausgefallenen Lockstoffes die Fangergebnisse in den meisten Fällen nicht nachvollziehbar waren.
Deshalb konnte in diesem Jahr die Wirksamkeit der mechanischen Fallen nicht verifiziert werden, da keine genauen Fangergebnisse vorlagen. Insgesamt war der Einsatz und die Erfolgsquote der EPS- Fallen ohne schädigende Wassereinwirkung ähnlich wie die Pheromon-Fallen nur mäßig.
Die Ergebnisse für die Kontrollen der Nisthilfen in 2022 liegen noch nicht vor, da die Arbeiten erst im Herbst/Winter 22/23 ausgeführt werden.
Von den im Jahr 2022 besprühten Bäumen wiesen lediglich 12 nach der Behandlung trotzdem einen Befall auf, was einem Wirkungsgrad nahezu 100 (99,37 %) Prozent entspricht. Insofern war der Biozideinsatz von 2022 sehr erfolgreich.
Die Verwaltung hat zudem geprüft, wie die Bekämpfung des Eichenprozessionsspinners in 2023 mit weniger Biozid durchgeführt werden kann, z. B. durch den Einsatz von EPS-Fallen.
Grundsätzlich wird auch von der Verwaltung eine Verringerung des Einsatzes von Bioziden begrüßt und auch angestrebt. Jedoch steht die wirksame Abwehr der Gefahren, die vom EPS ausgehen im Vordergrund und genießt damit absolute Priorität.
Nach mehreren Gesprächen mit der Landwirtschaftskammer in Münster wurde bestätigt, dass die Wirksamkeit des Einsatzes dieser EPS-Fallen bisher nicht wissenschaftlich untersucht wurde. Zudem wird auch das Konzept der Fallen als fachlich nicht fundiert und nachvollziehbar eingestuft. Damit ist der Erfolg des Einsatzes dieser Fallen nicht gewährleistet.
- Die Fallen werden mit Lock- oder Duftstoffbeuteln bestückt, die den „Aromen der Eichen“ entsprechen. Dadurch sollen die Raupen angelockt und letztendlich gefangen werden. Nach Aussage der Landwirtschaftskammer in Münster besitzen die Raupen des Eichenprozessionsspinners keine ausgeprägten Organe, um diese Lockstoffe wahrnehmen zu können. Somit ist die Wirksamkeit dieses Lockstoffes nicht bewiesen und rein spekulativ.
- Die Anbringung der Fallen erfolgt in 3-4 Metern Höhe am Baumstamm. Es ist jedoch nicht erwiesen, ob der EPS die Baumkrone generell verlässt und sich am Baumstamm bewegt. Dies wäre nur im Falle eines Kahlfraßes der Blätter in der Baumkrone mit einhergehendem Nahrungsmangel zu erwarten. Nur in diesem Fall würden die Raupen die am Stamm angebrachte Falle überhaupt erreichen und passieren. Der Kahlfraß einer Eichenkrone wurde in Oberhausen jedoch noch nicht beobachtet.
- Die Falle ist, wenn überhaupt nur gegen die Raupen an dem Baum wirksam, an dem sie angebracht wurde. Eine Wirkung im Umfeld des Baumes ist ausgeschlossen, da der EPS den Baum normalerweise nicht verlässt.
Der Erfolg des Einsatzes von EPS-Fallen zur Bekämpfung der Raupenpopulationen ist wissenschaftlich nicht erwiesen und wird sowohl von offizieller Seite als auch von operativen Anwendern im Umfeld unserer Region als nicht oder kaum wirksam eingestuft.
Strategie für die Bekämpfung des Eichenprozessionsspinners in 2023
Wie bereits erwähnt wurde, ist eine Prognose des EPS-Befalls für das Jahr 2023 nicht möglich. Dieser hängt von verschiedenen Faktoren wie der Witterung im Frühjahr, (Temperatur Sonnenintensität, Niederschlag) der Intensität des Falterfluges und dessen Dezimierung durch z. B. Vögel am Ende dieses Sommers ab.
Daher halten wir es für den Gesundheitsschutz und der Abwendung von gesundheitlichen Beeinträchtigungen der Bevölkerung für notwendig, eine prophylaktische Besprühung gegen einen EPS-Befall zur Gefahrenabwehr durchzuführen.
Gerade Menschen mit Vorbelastungen wie Atemwegs- und Hauterkrankungen leiden besonders unter den Brennhaaren der EPS-Raupen, die das Gift Nesselgift Thaumetopoein enthalten. Diese Haare werden vom Wind ins weitere Umfeld der befallenen Eichen getragen. Daher können Menschen, wie auch Tiere, mit den Brennhaaren in Berührung kommen, während sie sich in der Nähe befallener Bäume befinden oder aufhalten.
Grundsätzlich ist der EPS mit seinen Auswirkungen als Naturerscheinung zu bewerten. Der beste Schutz ist das weiträumige Fernbleiben von befallenen Eichen, wie auch der Landesbetrieb Wald-und Holz mitteilt. Dies ist im ländlichen Raum oder in Waldgebieten zwar möglich, jedoch in hochfrequentierten urbanen Bereichen mit Eichen an Straßen, auf KITAs und Schulgeländen nahezu ausgeschlossen.
Die Verwaltung schlägt daher folgendes Maßnahmenkonzept für 2023 vor:
- Im Frühjahr 2023 sollen 1.919 städtische Eichen mit dem Mittel Foray® ES behandelt werden. Dabei handelt es sich vorrangig um Straßenbäume sowie um Bäume an Spielplätzen, Schulen und KITAs. Anstelle des bis 2020 verwendeten Biozids Neem Protect, ist seit 2021 aufgrund der selektiveren Wirkung das Mittel Foray® ES zum Einsatz gekommen. (Erläuterung siehe unten).
- In Wald- und Parkbereichen wird aufgrund der sensiblen Standorte für den Natur- und Artenschutz (Landschaftsschutzgebiete und Naturschutzgebiete) kein Biozideinsatz erfolgen.
- Befallene Bäume an hoch frequentierten Wegen in Parkanlagen werden abgesperrt und die Nester abgesaugt.
- In den städtischen Wäldern werden keine Maßnahmen durchgeführt.
- Das Kontrollieren und Säubern von den mechanischen Raupenfallen und Meisen-Nisthilfen soll weiter fortgesetzt werden.
- Zur effektiven Bearbeitung eingehender Meldungen über EPS-Vorkommen wird die in 2020 eingeführte zentrale Erfassung über die Service-Hotline 0208 825-7777 oder die E-Mail-Adresse eps@oberhausen.de fortgesetzt.
- Es muss damit gerechnet werden, dass es in der Zeit von Mai bis Juli zu vorübergehenden Sperrungen von Wegen in Parkanlagen kommen kann. An den Eingängen der Waldgebiete und Parkanlagen sollen bei bestätigtem EPS-Befall im Einflussbereich von Wegen Schilder mit dem Hinweis „Betreten auf eigene Gefahr“ aufgestellt werden.
Die Servicebetriebe Oberhausen sollen mit dem prophylaktischen Einsatz des Biozids, dem Entfernen von EPS-Nestern an befallenen Eichen sowie der Kontrolle der mechanischen Raupenfallen und der Säuberung und Kontrolle der Nisthilfen beauftragt werden. Die Ausführung erfolgt durch externe Fachfirmen.
Grundsätzliche Erläuterungen
Im Folgenden werden die Beweggründe näher erläutert, aufgrund derer die Verwaltung diese Bekämpfungsstrategie vorschlägt, und die konkreten Maßnahmen vorgestellt:
Aus Sicht des Natur- und Artenschutzes ist ein Biozideinsatz grundsätzlich als kritisch zu betrachten, da die Mittel zur Bekämpfung des EPS (Neem Protect, Foray® ES) nicht nur Raupen des EPS schädigen, sondern auch andere Insektenarten. Das Biozid Foray® ES weist dabei jedoch eine selektivere Wirkung als das bisher eingesetzte Biozid Neem Protect auf, da es nur freifressende Schmetterlingsraupen (ausgenommen Noctuidae (Eulenfalter)) schädigt und keine anderen Insektenarten. Somit ist auch nicht davon auszugehen, dass bei der Bekämpfung geschützte Tierarten getötet werden, was nach dem Bundesnaturschutzgesetz verboten ist (§ 44 Abs. 1 Nr. 1 BNatSchG). Vollständigkeitshalber sei jedoch erwähnt, dass ein solcher Verstoß aus Gründen des Gesundheitsschutzes ausnahmsweise zulässig wäre, da aus Sicht der Verwaltung keine zumutbare Alternative zur Biozidanwendung besteht.
Eine Alternative wäre grundsätzlich die rein mechanische Bekämpfung mittels Absaugen. Dies funktioniert jedoch nur, wenn nicht wie in Oberhausen ein mehrjähriger und starker Befall an zahlreichen hoch frequentierten Standorten im gesamten Stadtgebiet vorliegt. Bei sehr großen Vorkommen des Eichenprozessionsspinners kommt die mechanische Bekämpfung an die Grenzen ihrer Leistbarkeit, und eine zeitnahe Entnahme der gemeldeten bzw. gesichteten Nester kann nicht mehr sichergestellt werden. Eine rein mechanische Entnahme stellt daher auch für das Jahr 2023 keine zumutbare Alternative für das Oberhausener Stadtgebiet dar, sodass der erneute Einsatz eines Biozids vorgeschlagen wird.
Dabei wird, im Gegensatz zu den Vorjahren, seit 2020 das Biozid Foray® ES eingesetzt. Das Mittel besitzt gegenüber dem bisher eingesetzten Biozid Neem Protect eine selektivere Wirkung, da es nur freifressende Schmetterlingsraupen (ausgenommen Noctuidae) schädigt, nicht jedoch andere Insekten. Die Wirksamkeit der Produkte ist vergleichbar hoch. Die Stadt Duisburg bestätigte auf Nachfrage die hohe Wirksamkeit. In der Vergangenheit konnte das Mittel aufgrund fehlender oder ablaufender Genehmigung nicht benutzt werden. Eine langfristige Genehmigung bis November 2028 liegt nun jedoch vor.
Die Anwendung des Biozids findet nach dem Blattaustrieb der Eiche Mitte / Ende April und bis zum 3. Raupenstadium ca. Mitte / Ende Mai statt. Eine Wirkung ist auch bei fortgeschrittenen Larvenstadien noch gegeben, jedoch mit geringerer Effektivität. Bei der Ausbringung sind neben den Anwendungsbestimmungen auch die Witterungsbedingungen zu beachten. Gerade diese sind für den Erfolg der Maßnahmen entscheidend. Damit wird der Entwicklung von Brenn-, Gifthaaren entgegengewirkt. Bei dem Einsatz des Biozids sind auch alle rechtlichen Rahmenbedingungen (Natur-, Arten-, Landschafts-, Wasserschutzverordnungen) zu beachten.
Ökologische Planung
Die Reinigung und Kontrolle der mechanischen Raupenfallen und Meisen-Nisthilfen soll weiter fortgesetzt werden.
In naturnahen Bereichen, in denen keine prophylaktische Bioziodbehandlung vorgenommen wird, wurden 2022 zusätzlich insgesamt 40 mechanische Raupenfallen (z. B. Volkspark Sterkrade, Volksgarten Osterfeld) sowie 20 Nisthilfen (z. B. Revierpark Vonderort, Stadtwald Osterfeld, Ruhrpark, Westfriedhof, Nordfriedhof, Forststraße/Hühnerheide) aufgehängt.
Zudem wurden in 2021 45 Nisthilfen entlang der mit Eichen bestandenen Gewässer (z. B. Tüsselbeck, Handbach, Reinersbach, Alsbach, Nassenkampgraben) durch die WBO Wirtschaftsbetriebe Oberhausen GmbH angebracht. Die Kontrolle und Säuberung der Nistkästen erbrachte positive Ergebnisse. Von 45 Nisthilfen waren 6 Stück nicht mehr vorhanden. Von den 39 übrigen Nisthilfen, waren 25 Stück belegt. Insgesamt wurde eine durchschnittliche Belegungsquote von 68 % festgestellt.
Wie in den vergangenen Jahren soll die Öffentlichkeitsarbeit und der Meldeverlauf von EPS-Nestern für die Oberhausener Bevölkerung aufrechterhalten werden. Hierzu zählen insbesondere die zu diesem Zweck installierte zentrale Rufnummer und E-Mail-Adresse.
Die Meldungen von EPS-Nestern an städtischen Eichen sind an die Service-Hotline (Tel.: 0208 825-7777) oder an die E-Mail-Adresse (eps@oberhausen.de) zu richten.
Im Frühjahr wird in Presseartikeln (Zeitung, soziale Netzwerke, Internetseite der Stadt Oberhausen etc.) über den EPS und das Vorgehen im Jahr 2023 informiert. Zusätzlich werden bei Befall Hinweisschilder an Wald- und Parkeingängen aufgestellt. Befallene Bäume und Wege in Parkanlagen werden im Bedarfsfall von Außendienstmitarbeitern mit einem Flatterband abgesperrt. Da in Parkanlagen nur an hoch frequentierten Wegen und Spielplätzen eine mechanische Bekämpfung des Eichenprozessionsspinners mittels Absaugen erfolgt, muss damit gerechnet werden, dass ggf. Veranstaltungen in den Parkanlagen aufgrund des EPS kurzfristig abgesagt oder in eine andere Parkanlage verschoben werden müssen. Es kann auch zu kurzzeitigen Sperrungen von Außenanlagen der Schulen oder KITAs kommen.
Kurzfassung
In Oberhausen kam es von 2018 bis 2020 zu Massenvermehrungen des Eichenprozessionsspinners. Seit dem Jahr 2021 erschien der EPS-Befall in der Intensität nachzulassen. Die Raupen tragen ab einem gewissen Larvenstadium gesundheitsgefährdende Brennhaare, die zu Haut- und Atemwegsreizungen führen können. Der Stadtverwaltung entstandenen Kosten für die Bekämpfung des Eichenprozessionsspinners belaufen sich in 2018 auf ca. 80.000 Euro, in 2019 auf ca. 110.000 Euro, in 2020 ca. auf 81.000 €, in 2021 ca. auf 100.000 € und in 2022 auf ca. 81.000 €.
Die Verwaltung plant 2023 einen erneuten Biozideinsatz an ca. 1.900 städtischen Bäumen durchzuführen. 2023 wird zum dritten Mal ein Mittel mit geringeren negativen Auswirkungen auf Natur und Landschaft, bei gleicher Wirksamkeit, eingesetzt. Dabei handelt es sich vorrangig um Straßenbäume sowie um Bäume an Spielplätzen, Schulen und KITAs. In Waldbereichen und Parkbereichen wird aufgrund der sensiblen Standorte für den Natur- und Artenschutz (Landschaftsschutzgebiete und Naturschutzgebiete) kein Biozideinsatz erfolgen. Durch den Einsatz des Biozids an hoch frequentierten Standorten soll die Gesundheitsgefährdung für die Oberhausener Bevölkerung deutlich reduziert werden.
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