Berichtsvorlage - M/17/2531-01

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Beratungsfolge

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Sachverhalt

Bezug

 

M/17/1303-01  Umweltausschuss 24.11.2021

B/17/2099-01 Umweltausschuss  15.06.2022

 

 

Sachdarstellung

 

A.  Grundsätze der Waldpflege

 

In Oberhausen werden ca. 1.000 ha Wald forstlich betreut und bewirtschaftet. Ziel ist es, die

biologische Vielfalt, die Vitalität die Produktivität und die Verjüngungsfähigkeit des Waldes zu erhalten bzw. zu verbessern, um gegenwärtig und in Zukunft wichtige ökologische, wirtschaftliche und soziale Funktionen zu erfüllen.

 

Die Stadt Oberhausen ist der größte Waldbesitzer mit 476 ha. Herr Jürgen Halm von den Servicebetrieben Oberhausen (SBO) pflegt und bewirtschaftet den städtischen Waldbesitz. Weitere Waldbesitzer sind das Land NRW (Hiesfelder Wald, ca. 411 ha), der Regionalverband Ruhr (RVR, Grafenbusch, Klosterhardt) sowie kleinflächige Privatbesitzer.

 

Die städtischen Wälder werden im Rahmen der sogenannten Forsteinrichtung (Betriebsplanung) bewirtschaftet. Die Forsteinrichtung wird im Auftrag des Landesbetriebes Wald und Holz, Regionalforstamt Ruhrgebiet, erarbeitet. Sie legt für circa zehn Jahre die Grundzüge der Maßnahmen für die ordnungsgemäße Bewirtschaftung und Pflege des Waldes fest. Die diesjährigen Maßnahmen basieren auf der neu erstellten Forsteinrichtung aus dem Jahr 2022, der vom Umweltausschuss am 15.06.2022 zugestimmt (Vorlage B/17/2099-01) wurde.

 

Die SBO erstellt jedes Jahr auf den Grundlagen der Forsteinrichtung einen Forstwirtschaftsplan, der die Maßnahmen des Holzeinschlages, in Abstimmung mit der Unteren Naturschutzbehörde sowie dem Regionalforstamt Ruhrgebiet in Gelsenkirchen, festlegt. Bei der Auswahl und Durchführung der Durchforstungen werden die Belange der ordnungsgemäßen Forstwirtschaft, des Naturschutzes und der besonderen Verpflichtung zur Gewährleistung der naturnahen Erholung berücksichtigt.

 

Die geplanten systematischen Durchforstungen werden nicht in erster Linie zur Holzernte durchgeführt, sondern zur langfristigen Stabilisierung der Waldbestände, insbesondere gegen Extremwetterereignisse und Schädlinge. Durch die Reduzierung der Baumanzahl werden Licht, Wasser und Nährstoffe auf weniger Bäume verteilt, sodass diese dann zu mehr Wachstum angeregt werden. Durchforstungsmaßnahmen lenken den Zuwachs auf die vitalsten und qualitativ besseren Bäume, weil die Schlechteren im Rahmen der Holzernte entnommen werden und fördern einen stabilen, gut wüchsigen Waldbestand. Gleichzeitig wird die Entwicklung von stärkeren, gesünderen und ökologisch wertvolleren Bäumen gefördert.

 

Auch die Artenvielfalt profitiert von den Durchforstungen durch eine Erhöhung der Strukturvielfalt aufgrund des neuen Lichteinfalles auf den Waldboden. Dies begünstigt eine wesentlich bessere Entwicklung der Strauch- und Krautschicht, in älteren Waldteilen dient dies zur Einleitung der Naturverjüngung. Durchforstungen erhöhen darüber hinaus die Verkehrssicherheit und verbessern die Eignung von Waldgebieten für die intensive Erholungsnutzung.

 

Die Nutzung des Holzes aus nachhaltiger Forstwirtschaft ist nahezu CO2-neutral. Zudem ist Holz als einzig nachwachsende Energiequelle ein wertvoller Rohstoff.

Daher ist das vorrangige Ziel, einen vitalen strukturreichen und möglichst stabilen Waldbestand zu erhalten. Da die Oberhausener Wälder zunehmend zahlreichen Belastungen durch den Klimawandel ausgesetzt sind, ist die regelmäßige forstliche Waldpflege eine wichtige Maßnahme zur Stabilisierung des Einzelbaumes und damit auch des gesamten Waldes bzw. Ökosystems.

 

B. Aktuelle Situation im Stadtwald Oberhausen

 

Die Schäden der trockenen Sommer von 2018 bis 2020 sind im Stadtwald Oberhausen weiterhin deutlich sichtbar, betroffen sind vorwiegend Altbuchenbestände. Der jetzige sehr trockene Sommer 2022 wird die Lage zusätzlich verschlechtern, was zu weiteren, kaum einzuschätzenden Schäden am Waldbestand führen wird. Diese Schäden äußern sich in den bereits bekannten Formen von mangelnder Vitalität, Abgängigkeit und letztendlich dem kompletten Absterben einzelner Bäume.

 

Die Gründe für die schlechte Vitalität des Baumbestandes sind die Niederschlagsdefizite in Verbindung mit aus den hohen Temperaturen resultierenden Verdunstungsraten des letzten Jahrzehntes, wodurch erhebliche Wasserdefizite entstanden sind, die sich besonders auf den Zustand der Oberkronen der Bäume auswirken. Verschärfend auf die Vitalitätsverluste dürfte sich auch die Abfolge mehrerer aufeinander folgender Mastjahre ausgewirkt haben, da mit der Fruchtbildung ein erhöhter Wasser- und Nährstoffbedarf einhergeht

 

Diese multiplen Belastungen führten zu Krankheitssymptomen wie Rindennekrosen in den Baumkronen mit einer rasch verlaufenden Moderfäule des Holzes durch den Pilz „Pfennig-Kohlenkruste“, dem die geschwächten Buchen keine Abwehrmaßnahmen entgegensetzen konnten.

 

Als Sekundärschädling wurden der „Kleine Buchenborkenkäfer“ sowie der „Buchenprachtkäfer“ festgestellt, wodurch auch vom Pilz verschonte Rindenareale erheblich geschädigt wurden. Die Folge ist eine schnelle Holzzersetzung, die zeitnahe Maßnahmen zur Wiederherstellung der Verkehrssicherheit erfordern.

 

Der Laubabfall in den Wäldern begann aufgrund dieser Stresssituation bereits im August dieses Jahres. Zudem sind vielerorts abgestorbene Bäume zu sehen, die an der braunen Blattverfärbung gut zu erkennen sind.

Buchen und Eichen in der Altersphase reagieren auf diese Situation mit absterbenden Oberkronen und bilden gleichzeitig eine Sekundärkrone (Unterkrone) aus. Bei der Buche stirbt diese belaubte Unterkrone baumartbedingt oftmals in wenigen Jahren ebenfalls ab, Eichen können sich hingegen durchaus wieder erholen.

 

Mittelfristig werden sehr wahrscheinlich vermehrt Bäume absterben und somit auch gefällt werden müssen. Eine Besserung des Zustandes ist hier kaum in Aussicht.

 

Die Altbuchenbestände in Osterfeld südlich der Bottroper Straße bereiten weiterhin Grund zur Sorge, insbesondere im Hinblick auf den geplanten Ausbau des Revierparks durch die FMR mbH. Bei gesteigerter Attraktivität des Freizeitangebotes wird hier, u.a. durch die Anlage eines Naturerlebnispfades, ein zusätzlicher Besucherverkehr eröffnet, der die Gewährleistung der Verkehrssicherheit bezüglich des Baumbestandes vor große Probleme stellen wird. Diese kann nur durch einen erheblich höheren Aufwand für Kontrolle und Baumpflege sichergestellt werden.

 

An dieser Stelle ist zu erwähnen, dass die FMR mbH laut der Vereinbarung über die „Unterhaltungs- und Verkehrssicherungspflicht auf den Wegen innerhalb des Revierparks Vonderort“ zwischen der Stadt Oberhausen und der Revierpark Vonderort GmbH aus dem Jahre 2002 für die Gewährleistung der Verkehrssicherheit auf den Wegen selbst verantwortlich ist.

 

C.    Erstaufforstungen

 

Im Jahr 2022 wurden die zwei Erstaufforstungsflächen mit einer Größe von ca. 3,2 ha an der Breilstraße und Hochstraße in Osterfeld mit ca. 7.650 Stück Buchen, Eichen, Erlen und Bergahornen nachgebessert. Die eigentliche Erstaufforstung ist aufgrund der schwierigen Standortverhältnisse dieser Brachflächen (ehemaliger Sportplatz und Betriebsgelände) mit aufgeschüttetem Boden und den sehr trockenen Sommern leider nicht gelungen. Zusätzlich entstand an den jungen Forstpflanzen auf der Fläche an der Breilstraße Wildverbiss durch Kaninchen, wodurch die Ausfälle weiter erhöht wurden.

Zur Abwehr der Kaninchen wurde daher ein zusätzlicher Wildschutzzaun verbaut. Zudem wurde ein Teil der Forstpflanzen, die noch mit Schläuchen zu erreichen waren, zweimalig bewässert.

 

Weiterhin wurden im Bereich des Sterkrader Waldes entlang des Handbaches unter einem verlichteten Altbuchenbestand 500 Stück Buchen zur Ergänzung der natürlichen Verjüngung gepflanzt.

 

D.    Forstliche Planung für das Forstwirtschaftsjahr 2023

 

Der Holzmarkt hat sich landesweit erholt, die Nachfrage nach Laubholz ist deutlich gestiegen. Insbesondere ist derzeit Energieholz, also Brennholz stark nachgefragt. Leider hat sich an der mangelhaften Verfügbarkeit der Forstunternehmer und der Transportkapazitäten von Rohholz nichts geändert, jedoch wird im Forstwirtschaftsjahr 2023 eine normale Durchforstungstätigkeit angestrebt.

 

Die Durchforstungen sind in den Waldgebieten Hühnerheide, im Sterkrader Wald und im Stadtwald Osterfeld geplant.

 

Eine der Hauptaufgaben der forstwirtschaftlichen Tätigkeiten wird jedoch, wie auch in den letzten Jahren, die Gewährleistung der Verkehrssicherheit sein. Deshalb werden weiterhin geschädigte und abgestorbene Bäume im Umfeld von Wegen entnommen. Im Zuge dieser Arbeiten werden auch vermehrt Bäume in der Altersphase gefällt werden müssen. Hier ist es das Ziel, die natürliche Verjüngung der Altbuchenbestände weiterzuführen, um die Nachhaltigkeit der zahlreichen Waldfunktionen auf Dauer zu gewährleisten.

 

Falls die Naturverjüngung in den entstandenen Bestandslücken nicht gelingt, können Nachpflanzungen mit einheimischen Laubhölzern vorgenommen werden, die eine neue Waldgeneration einleiten und die Dauerbestockung der Waldfläche sichern.

 

Im Forstwirtschaftsjahr 2023 sollen ca. 1.400 Festmeter (FM) Holz eingeschlagen werden. Die Berechnungen der neuen Forsteinrichtung haben ergeben, das in einem Jahr im Stadtwald 2.689 FM nachwachsen, sodass die Nachhaltigkeit der Holznutzung gewährleistet bleibt und die Gesamtmasse des Holzvolumens trotz der Entnahme durch die Durchforstungen zunimmt.

 

Die Arbeiten sollen möglichst schon im Oktober beginnen, da die Waldböden dann noch tragfähig und befahrbar sind. Erfahrungsgemäß nimmt im Verlauf des Winters durch den vermehrten Niederschlag die Vernässung der Böden zu, wodurch die Bergung des Holzes sehr erschwert wird.

 

Die Maßnahmen werden ausschließlich in der vegetationslosen Zeit von Oktober bis März, vorzugsweise bei trockener Witterung zur Vermeidung von Boden- und Wegeschäden durchgeführt.

 

Um die Maßnahmen den Bürgerinnen und Bürgern beispielhaft zu erläutern, bietet die Verwaltung wie in den letzten Jahren exemplarisch eine Ortsbegehung an.

 

Die geplanten Maßnahmen werden der interessierten Bevölkerung exemplarisch im Rahmen eines Ortstermins am 06. Oktober 2022 im Waldgebiet Sterkrader Wald erläutert. Die Ortsbegehung beginnt um 15:30 Uhr. Treffpunkt ist der große Waldparkplatz an der Hiesfelderstraße in der Nähe der Sternstraße.

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Insgesamt dienen alle Pflege- und Fällmaßnahmen im Stadtwald dazu, die vorhandenen Wälder nachhaltig zu sichern und die Altbestände so zu verjüngen, dass eine Dauerbestockung gewährleistet ist. Ein Verzicht auf regelmäßige Durchforstungen führt langfristig zu einer Vergreisung und letztendlich zum plötzlichen Zusammenbruch ganzer Waldstrukturen, sodass die Erholungsfunktion dann für längere Zeit erheblich eingeschränkt wäre, ohne dass der ökologische Zustand verbessert würde.

 

Kurzfassung

 

Im Forstwirtschaftsjahr 2023 soll eine normale Holzernte durchgeführt werden. Der Holzeinschlag wird ca. 1.400 FM betragen. Die geplante Entnahme von Bäumen in der Altersphase soll zur natürlichen oder künstlichen Verjüngung des Waldes beitragen.

Im Rahmen der Nachpflanzungen von zwei Erstaufforstungsflächen wurden 7.650 Stück Forstgehölze gepflanzt. Weitere 500 Stück Rotbuchen wurde im Sterkrader Wald unter einem Buchenaltholz eingebracht.

 

Die geplanten Maßnahmen werden der interessierten Bevölkerung exemplarisch im Rahmen eines Ortstermins am 06. Oktober 2022 ab 15:30 Uhr im Sterkrader Wald erläutert.

 

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Anlagen

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