Berichtsvorlage - M/17/2511-01
Grunddaten
- Betreff:
-
Implementierung des "Wegweisers Schwangerschaft"
- Status:
- öffentlich
- Vorlageart:
- Berichtsvorlage
- Federführung:
- Kinder, Jugend und Familie
- Bearbeitung:
- Sabine Lauterbach
- Verantwortung:
- Ridders
Beratungsfolge
| Status | Datum | Gremium | Beschluss | NA |
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Erledigt
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Gleichstellungsausschuss
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Kenntnisnahme
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19.10.2022
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Erledigt
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Sozialausschuss
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Kenntnisnahme
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22.11.2022
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Sachverhalt
Sachdarstellung
Inhalt des Berichts/Gesetzliche Grundlagen/bisherige Verwaltungsentscheidungen:
Durch Inkrafttreten des Bundeskinderschutzgesetzes 2012 (Artikel 1 „Gesetz zur Kooperation und Information im Kinderschutz“ § 2 KKG „Information über Unterstützungsangebote in Fragen der Kindesentwicklung“) sowie die Förderschwerpunkte der Bundesinitiative Frühe Hilfen (2012); jetzt Bundesstiftung „Fonds Frühe Hilfen“ (2017) hat sich die Öffentlichkeitsarbeit der Akteure rund um die Familie stark verändert.
Die koordinierte Vernetzung im Präventionsbereich sorgte schrittweise für mehr Transparenz der vorhandenen Angebote im Stadtgebiet und im Sozialraum. Das Ziel, Eltern und Fachkräfte umfassend über Unterstützungsangebote zu informieren, rückte in den Fokus der Netzwerkarbeit. Auf Initiative der Akteure des Netzwerks Frühe Hilfen ist die gemeinsame Handreichung „Wegweiser Schwangerschaft“ entstanden, welche an alle werdenden Eltern in Oberhausen verteilt wird.
Grundlegendes Ziel früher Hilfen ist es,
• in präventiver Orientierung
• riskante Entwicklungen von Kindern und ihren Familien
• bereits in ihrer Entstehung zu erkennen und zu bearbeiten
• und damit einer Verfestigung von Problemlagen entgegenzuwirken bzw. sie abzumildern.
Die intersektorale Zusammenarbeit für das gesunde Aufwachsen und das Schaffen gleicher Entwicklungschancen für alle Kinder ist ein wichtiger Baustein der Oberhausener Präventionsstrategie. Frühe Hilfen sollen von allen geleistet werden, die Kontakt zu insbesondere psychosozial belasteten Kindern und ihren Familien haben. Im Fokus der Frühen Hilfen steht die Schaffung von Rahmenbedingungen für ein gesundes Aufwachsen von Kindern. Deshalb arbeiten insbesondere Akteure der Kinder- und Jugendhilfe sowie des Gesundheitssektors eng zusammen.
Familiäre Belastungslagen, wie beispielsweise Armut, soziale Isolation oder auch psychische Erkrankungen können dazu beitragen, dass nicht ausreichend Ressourcen für die Versorgung und Erziehung der Kinder vorhanden sind. Dadurch verringern sich die Chancen von Kindern, gesund und sicher aufzuwachsen[1]. Frühe Hilfen zielen darauf ab, den negativen Einfluss von familiären Belastungen auf die Entwicklung der Kinder abzumildern. Häufig nehmen aber gerade diejenigen Familien, die besonders belastet sind, nicht an Unterstützungs- und Förderprogrammen teil[2].
Dies trifft auch auf Angebote für Familien rund um die Geburt und in den ersten Lebensjahren der Kinder zu: Familien mit multiplen Belastungen und insbesondere auch mit geringerer Bildung nehmen diese Angebote seltener wahr als Familien, die weniger Belastungen aufweisen[3]. Die Familien zu erreichen, die von den Angeboten besonders profitieren könnten, ist eine Herausforderung, der sich die Frühen Hilfen immer wieder stellen müssen.
Die intersektorale Zusammenarbeit – also die Sozialgesetzbuchübergreifende Zusammenarbeit - zwischen der Kinder- und Jugendhilfe (SGB VIII) und dem Gesundheitswesen (SGB V) kann den Zugang zu dieser schwer erreichbaren Zielgruppe erleichtern. Nahezu alle (werdenden) Familien haben in der Phase rund um die Geburt Kontakt zum Gesundheitssystem. Dies kann im Rahmen der Schwangerschaftsvorsorge, während der Geburt in der Klinik und/oder bei der Kinderärztin bzw. dem Kinderarzt sein.
Neben Geburtskliniken und niedergelassenen Kinderärzt*innen sind insbesondere die niedergelassenen Gynäkologinnen und Gynäkologen wichtige Partner/-innen in den lokalen Netzwerken Frühe Hilfen.
Gynäkologinnen und Gynäkologen haben früher als andere Akteure aus dem Gesundheitswesen Kontakt zu den werdenden Müttern. Sie genießen eine besondere Vertrauensstellung gegenüber den Patientinnen und der Kontakt zwischen Patientinnen und Gynäkologinnen und Gynäkologen kann als weniger stigmatisierend wahrgenommen werden als Kontakte mit Akteuren der Kinder- und Jugendhilfe, etwa dem Jugendamt. Insbesondere die Schwangerschaftsvorsorgeuntersuchungen bieten einen Rahmen für Gespräche, die auch über rein medizinische Themen hinausgehen. Diesem besonderen Vertrauensrahmen trägt auch der Gesetzgeber Rechnung. Seit 2015 findet sich im Sozialgesetzbuch (SGB) explizit der Hinweis: »Die ärztliche Beratung der Versicherten umfasst bei Bedarf auch Hinweise auf regionale Unterstützungsangebote für Eltern und Kind« (§ 24d SGB V).
Die Bedeutung der Gynäkologischen Praxis für die Frühen Hilfen
Frühe Hilfen können ihre präventive Wirkung dann entfalten, wenn alle Eltern und insbesondere psychosozial belastete Eltern frühzeitig alle für sie notwendigen Informationen erhalten. Dies erfolgt in Oberhausen spätestens mit dem Babybegrüßungsbesuch von Kinder im Mittelpunkt (KIM). Die Eltern werden durch KIM bis zum dritten Lebensmonat besucht, bei jüngeren Eltern oder auf Wunsch der Eltern auch früher. Im Jahr 2021 konnten durch KIM insgesamt 1900 Erstbesuche in Oberhausener Familien durchgeführt werden. Im Rahmen der jährlichen Standortanalyse (2020) zur Netzwerkarbeit der Frühen Hilfen, haben die Akteure des Netzwerks konstatiert, dass die Informationen des Babybegrüßungsbesuches einige bestimmte Eltern nicht rechtzeitig erreichen, da diese bereits während der Schwangerschaft oder unmittelbar nach der Geburt benötigt werden. Um dies zu gewährleisten, wurde der „Wegweiser Schwangerschaft“ entwickelt, der als Auszug der „Kinder im Mittelpunkt Mappe“ bereits ab der Schwangerschaft über ausgewählte Anlaufstellen in Oberhausen informieren wird. In Abstimmung mit dem Netzwerk Frühe Hilfen, der Steuerungsgruppe Frühe Hilfen, den niedergelassenen Oberhausener Gynäkolog:innen und den im „Wegweiser Schwangerschaft“ aufgeführten Akteuren, wurde seit 03.03.2021 der „Wegweiser Schwangerschaft“ ausgearbeitet.
Der „Wegweiser Schwangerschaft“ bietet
• niedrigschwellige und frühzeitige Information für werdende Eltern
• überwindet systembedingte Schwellen der Kommunikation (oder: baut Hemmschwellen ab)
• erfüllt eine Lotsenfunktion
• informiert und unterstützt Fachkräfte im Beratungsprozess

Der „Wegweiser Schwangerschaft“ ist eine kompakte Informationsbroschüre, die klein genug ist, um sie dem Mutterpass beizulegen. Auf diese Weise vermittelt das Netzwerk Frühe Hilfen werdenden Eltern möglichst früh Informationen.
Wie bereits erläutert, wurde durch das Netzwerk Frühe Hilfen eine Auswahl der relevanten Ansprechpartner:innen getroffen, die bereits in der Schwangerschaft die werdende Mutter, werdende Familie unterstützen können.
Im Einzelnen sind dies:
Schwangerschaftsberatung
Babybegrüßungsbesuch KIM
Gesundheitsorientierte Familienbegleitung (FamHeb, FamKi)
Frühe Begleitung Alsbachtal: Lotsendienst Kliniken
Wellcome
(Familien-) Hebammensprechstunde
Fachärzt*innen für Kinder- und Jugendmedizin
Kinder- und jugendpsychiatrische Beratung bei Interaktions- und Regulationsstörungen
Gesundheitsamt Oberhausen
Selbsthilfegruppe „Krise nach der Geburt“
Geburtshilfe, Kinder- und Jugendmedizin
Standesamt Oberhausen
Fachdienst Beistandschaften
EUTB - Ergänzende unabh. Teilhabeberatung
Familienbildung und Familienangebote
Finanzielle und soziale Absicherung
Frauenberatungsstelle Oberhausen/Frauen helfen Frauen
Frauenhaus
Fachbereich Erzieherische Hilfen
Erziehungsberatungsstellen Oberhausen
Anlage
Wegweiser Schwangerschaft
[1] Zohsel u.a. (2017): „Langfristige Folgen früher psychosozialer Risiken“ in: Kindheit und Entwicklung, Band 26, Heft 4, S. 203–209
[2] Bauer, Ullrich u.a. (2005): „Wer profitiert von Elternbildung?“ in: Zeitschrift für Soziologie der Erziehung und Sozialisation, Band 25, Heft 3, S. 263–280
[3] Eickhorst, Andreas u.a. (2016): „Inanspruchnahme von Angeboten der Frühen Hilfen und darüber hinaus durch psychosozial belastete Eltern.“ in: Bundesgesundheitsblatt – Gesundheitsforschung – Gesundheitsschutz, Band 59, Heft 10, S. 1271–1280.
Anlagen
| Nr. | Name | Original | Status | Größe | |
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1
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(wie Dokument)
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1,5 MB
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