Beschlussvorlage - B/17/2386-01

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Beratungsfolge

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Beschlussvorschlag

Beschlussvorschlag

 

  1. Der Rat der Stadt nimmt das Konzept „Kommunale Gründungsförderung für Oberhausen“ zur Kenntnis und beschließt die Weiterentwicklung des Gründerökosystems in Oberhausen entlang der Ziele der vier Stufen – Sensibilisieren, Orientieren & Vernetzen, Qualifizieren, Fördern & Gründen – aus dem formulierten Stufenmodell der Entrepreneurship.

 

  1. Der Rat der Stadt beauftragt die Verwaltung gemeinsam mit der Oberhausener Wirtschafts- und Tourismusförderung GmbH vorbehaltlich einer Finanzierungsmöglichkeit mit

-       der Initiierung von Schulprojekten zur Sensibilisierung für mehr Gründungen;

-       der Initiierung eines Wettbewerbs für Gründerinnen und Gründer;

-       der Vertiefung der Vernetzung von für ein Gründerökosystem relevanten Stakeholdern (inkl. mit regionalen Unternehmen, Weiterbildungsinstituten, Hochschulen und Forschungseinrichtungen);

-       der Umsetzung eines Schulungs- und Workshop-Programms zur Qualifizierung von Gründungswilligen bzw. Gründerinnen und Gründern;

-       der Vertiefung und Erweiterung der Gründungsberatung;

-       dem Aufbau einer Kommunikationsstrategie (inkl. Dachmarke) zur zielgruppenspezifischen Kommunikation im Kontext „Gründung“

-       sowie der Suche und Bereitstellung von Räumlichkeiten zur Nutzung für Gründerinnen und Gründer.  

 

Für die Umsetzung des Maßnahmenpakets werden bei der Oberhausener Wirtschafts- und Tourismusförderung GmbH dauerhaft Finanzmittel in Höhe von 129.000 Euro p.a. notwendig. Unter Berücksichtigung des Haushaltssicherungskonzepts konnte die Finanzierung über die Erhöhung des städtischen Zuschusses im Haushalt 2023 nicht realisiert werden. Die Finanzierung (inkl. Fördermöglichkeiten) wird entsprechend weiter geprüft, um schnellstmöglich in eine Umsetzung zu kommen.

 

  1. Der Rat der Stadt beauftragt die Verwaltung, gemeinsam mit der Oberhausener Wirtschafts- und Tourismusförderung GmbH die Empfehlungen zum Innovationsquartier im „Masterplan Neue Mitte“ (B/17/1980-01) umzusetzen und weitergehende Entwicklungsperspektiven mit den privaten Grundstückseigentümern und dem Fraunhofer UMSICHT zu erarbeiten.

 

  1. Der Rat der Stadt beauftragt die Verwaltung mit einer jährlichen Berichterstattung und Evaluation der Fortschritte im Bereich Gründungsförderung.

 

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Konsequenzen

Bezug

 

Ratsbeschluss „Gründerfreundliches Oberhausen – Förderkonzept Start-ups“ (A/16/5805-01), 22.6.2020

Ratsbeschluss „Masterplan Wirtschaft“ (B/16/5945-01), 14.9.2020

Ratsbeschluss „Masterplan Neue Mitte“ (B/17/1980-01), 16.5.2022

 

 

Konsequenzen

 

a) Finanzielle

 

    keine  [ ]

 

    ja   [x]

 

b) Sonstige

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Sachverhalt

Begründung

 

Ausgangslage

 

Die Förderung der Wirtschaft basiert auf den Säulen Unternehmensneuansiedlung, Unternehmenspflege (Bestandspflege) und Unterstützung bei der Unternehmensgründung. Gerade die letzten beiden Säulen haben in den vergangenen Jahren an Bedeutung gewonnen. Deswegen betont auch der Masterplan Wirtschaft das Thema „Gründung“ als einen wichtigen Baustein des Wirtschaftsstandorts Oberhausen, der sich in unterschiedlichen Schwerpunkten und Maßnahmen wiederfindet.

 

Der Masterplan Wirtschaft fordert die Schaffung eines Orts zur Verknüpfung von Innovation und Gründung, aber betont auch, dass man für mehr Gründungsaktivität das passende Ökosystem braucht, das sich aus Forschung, Unternehmen und Gründungswilligen zusammensetzt und sich gegenseitig stützt und fördert. Zusammengefasst: Um Gründungen zu fördern, gilt es, ein entsprechendes Gründungs-Öko-Systems zu befördern und die dazugehörigen infrastrukturellen und inhaltlichen Angebote vorzuhalten.

 

Zur konzeptionellen Vertiefung und Definition eines Rahmens einer kommunalen Gründungsförderung hat die Stadt Oberhausen auf Basis der Ratsbeschlüsse „Gründerfreundliches Oberhausen – Förderkonzept Start-ups“ (A/16/5805-01, 22.6.2020) und „Masterplan Wirtschaft“ (B/16/5945-01, 14.9.2020) die adnexus GmbH (u.a. Prof. Dr. Oliver Koch, Vizepräsident Hochschule Ruhr-West) mit einer Konzepterstellung beauftragt.

 

Ansatz und Ziel: Aufbau eines „Gründer-Ökosystems“

 

Auf Basis des an der Hochschule Ruhr-West erprobten „Gründer-Ökosystem“-Canvas und von Stakeholder-Interviews ist die „Konzeption einer kommunalen Gründungsförderung für die Stadt Oberhausen“ erarbeitet worden. Neben grundlegenden Hinweisen werden in vier Handlungsfeldern („Sensibilisieren“, „Orientieren und Vernetzen“, „Qualifizieren“, „Fördern und Gründen“) verschiedene Maßnahmen vorgeschlagen. Grundsätzlich lassen sich die Ziele der einzelnen Handlungsfelder, wie folgt beschreiben:

 

-          Zentrales Ziel der Stufe „Sensibilisieren“ ist es, möglichst viele Menschen der Oberhausener Stadtbevölkerung und die lokalen Unternehmen mit dem Thema „Startups“ und „Gründung“ vertraut zu machen sowie Interesse und Begeisterung dafür zu wecken.

-          Zentrales Ziel der Stufe „Orientieren und Vernetzen“ ist es, standardisierte Erstberatung für Gründerinnen und Gründer in einem dezentralen Beratungsnetzwerk der unterschiedlichen Akteure im Oberhausener Gründerökosystem unter Einbeziehung der bereits vorhandenen Strukturen (z.B. Startercenter) zu schaffen.

-          Zentrales Ziel der Stufe „Qualifizieren“ ist die Vermittlung von direkt nutzbarem und praxisrelevantem Wissen für Gründerinnen und Gründer im Sinne des Lean-Startup-Ansatzes.

-          Zentrales Ziel der Stufe „Fördern und Gründen“ ist es, Gründungsinteressierte in der jeweils anstehenden Phase des „Entrepreneurs Lifecycle“ durch ein umfassendes modulares Förderprogramm zu unterstützen.

 

Darüber hinaus wird die Nutzung von „Social Media und digitalen Medien“ als Querschnittsthema besonders herausgestrichen. Sowohl für die Kommunikation mit Zielgruppen als auch Vernetzung von Akteuren stehen dabei mit Blick auf die Stärkung eines Gründer-Ökosystems im Vordergrund.

Abbildung 1: Stufenmodell Entrepreneurship

Mit Blick auf die Zielgruppen macht die Unterscheidung der Handlungsfelder deutlich, dass die Maßnahmen und Angebote langfristig und aufeinander abgestimmt immer konkreter werden. Während es am Anfang zunächst darum geht, überhaupt die Möglichkeiten einer Gründung und Selbständigkeit als Option einzubringen, geht es später um konkrete Fragen bspw. zur Finanzierung oder Räumlichkeiten bei Gründung.

Abbildung 2: Sensibilisierungstrichter

Bereits heute sind verschiedene Akteure in Oberhausen – v.a. die Oberhausener Wirtschafts- und Tourismusförderung GmbH (OWT) – in den Handlungsfeldern aktiv. Hier gilt es, die Angebote vor dem Hintergrund des Konzepts zu erweitern.

Im Allgemeinen brauchen alle vier Handlungsfelder Orte der Umsetzung – von Schulen, dem Lab4U über Betriebe bis zu (virtuellen) Orten fürs Treffen und Netzwerken. Im Besonderen stellt sich die Anforderung, wie eine Vielzahl der Angebote auch an einem Ort, wie einem Gründerzentrum, gebündelt werden sollte bzw. kann.

 

Bestehende Strukturen und Aktivitäten

 

In Oberhausen koordiniert die OWT schon jetzt vorhandene Gründungsaktivitäten als Ansprechpartnerin bzw. Lotsin für Gründerinnen und Gründer sowie junge Unternehmen. Von der Erstberatung, der Unterstützung durch öffentliche Förderprogramme (Unternehmensservice) bis zur Standortsuche (Immobilienservice) werden verschiedene (Unterstützungs-)Leistungen erbracht. Nach der Gründung ist die OWT bestrebt, die neuen Unternehmen zu vernetzen und so weitere Hilfestellungen zu geben.

 

Diese Leistungen werden durch die Zusammenarbeit verschiedener Akteure am Standort Oberhausen ergänzt. Das Gründernetzwerk Oberhausen – eine Kooperation aus OWT, Startercenter Oberhausen, Handwerkskammer, Industrie- und Handelskammer, Arbeitsagentur, Jobcenter und dem Weiterbildungsinstitut WbI – bietet beispielsweise eine Vielzahl von Veranstaltungen an – bspw. die Gründermesse Oberhausen, eine jährlich wiederkehrende Messe, bei der sich junge Unternehmen im Zentrum von Oberhausen präsentieren. Des Weiteren werden Gründertreffs angeboten. Hier erhalten junge Unternehmen Informationen und können sich mit allen Teilnehmern austauschen.

 

Durch die OWT und ihre Partner werden bereits die nachfolgend aufgeführten Angebote im Bereich der Begleitung von jungen Unternehmen gemacht:

 

-          Schülerlabor Lab4u

-          Fördermittelberatung

-          Gründungsberatungs-angebote

-          Netzwerkangebote für GründerInnen

-          Ansiedlungs- und Genehmigungsmanagement

 

Die bestehende Struktur soll genutzt werden, um den Gedanken eines Gründer-Ökosystems zu etablieren. Darauf aufbauend sollen weitere Maßnahmen zur „Rekrutierung" innovativer Start-ups und Gründer entwickelt werden. Dazu gehört auch die Konzeptentwicklung des Innovationsquartiers in der Neuen Mitte als zukünftigem Ort für innovative Gründungen. 

 

Nächste Schritte – Beginn Umsetzung der Maßnahmenpakete

 

Das vorliegende Gründungskonzept empfiehlt verschiedene Zielgruppen in unterschiedlichen Lebensphasen zu adressieren, um ein verstärktes Gründungsgeschehen in Oberhausen zu realisieren. Das reicht von Berührungspunkten in der Schulzeit bis zur konkreten Unterstützung bei der Gründung sowie dem Vorhalten gründungsfördernder Infrastruktur. Neben den zusätzlich empfohlenen Beratungs-, Informations- und Vernetzungsmaßnahmen, sollen zur Förderung der Gründenden ein oder mehrere Gründungsimmobilien (Gründerzentren, Inkubatoren o.ä.) entwickelt werden.

 

Bei der Umsetzung der Maßnahmen werden die OWT und ihre Partner eine besondere Rolle spielen – mit Aspekten der Koordination, aber auch der Umsetzung. Dies würde eine Ausweitung der bisherigen Aktivitäten der OWT bedeuten, für die notwendigen Ressourcen bereitgestellt werden müssen. Darüber hinaus müssen verschiedene Akteure zum Thema „Gründung“ aktiviert, vernetzt bzw. mitgenommen werden (Bildung, Übergang Schule-Beruf, Arbeitsagentur etc.).

 

Räumlichkeiten zur Unterstützung von Gründenden sind in Oberhausen derzeit nicht explizit vorhanden bzw. verfügen, wie im Fall des TZU, über keine freien Kapazitäten. Neu zu entwickelnde Gründungsimmobilien können bereits vorhandene räumliche Strukturen nutzen. So könnten kurz- bis mittelfristig mit Partnern in vorhandenen Immobilien Raumangebote für Gründende eingerichtet werden.

 

Von großer Bedeutung ist aber auch die Einrichtung eines neuen, zentralen Standorts mit deutlicher Sichtbarkeit und Anziehungskraft (auch überregional). Als Standort kommt insbesondere das im Masterplan Neue Mitte konzipierte Innovationsquartier in Frage. Wegen der Nähe zum Fraunhofer UMSICHT und zum Centro sowie wegen geringer Flächenrestriktionen ist dieser Standort besonders geeignet. Vor Realisierung einer Gründungseinrichtung im zukünftigen Innovationsquartier bedarf es entsprechender Vorarbeiten und einer Konzeptionierung. So ist u.a. zu klären:

 

-          Welchen thematischen Schwerpunkt soll das Zentrum haben (Kompetenzfeld)?

-          Welche Gebäude müssen dafür vorhanden sein?

-          Welche Betriebs- und Betreiberstruktur wird das Zentrum haben?

-          Mit welchen Marketingmaßnahmen wird das Innovationsquartier beworben?

-           

Die nachfolgende Tabelle listet die zusätzlichen Maßnahmen auf und beziffert den Personal- und Sachkostenaufwand beispielhaft für die kommenden 3 Jahre:

 

Handlungsfeld

neue Maßnahme

Personal-stunden

 

Sachkosten in Euro

2023

2024

2022

2023

2024

Sensibilisieren

StartUp-Projekt mit Schulen

150

150

5.000

9.000

8.000

Gründerwettbewerb

150

150

Netzwerk „Entrepreneurship-Allianz OB“

200

200

OB-Studierenden-Netzwerk

50

50

Qualifizieren

Workshopangebote für Gründende

150

150

3.000

5.000

4.000

Fördern und ründen

Konzeptentwicklung Zentrum für Gründerinnen und Gründer

50

0

50.000

 

 

Begleitung/Beratung der Gründenden

900

950

 

 

 

Evaluation

Überprüfung und Weiterentwicklung der Angebote

30

30

 

1.000

1.000

Querschnitt Kommunikation

Entwicklung Social Media-Kampagne

50

50

16.000

11.400

11.000

Personalkosten inkl. Sachkosten-pauschale

 

 

102.600

105.000

 

74.000

129.000

129.000

 

Finanzielle Konsequenzen

 

Zur Umsetzung der geplanten Maßnahmen muss das bisherige Portfolio der Oberhausener Wirtschafts- und Tourismusförderung GmbH um den Aufgabenbereich „Gründungsförderung“ erweitert und ausgebaut. Sollten keine alternativen Finanzierungsmöglichkeiten über Fördermittel o. ä. möglich sein, müsste die jährliche Zuschusszahlung der Stadt Oberhausen an die OWT Oberhausener Wirtschafts- und Tourismusförderung GmbH dauerhaft um einen Betrag in Höhe von 129.000 Euro p.a. (ca. 10 Prozent der bisherigen Zuschusszahlung) erhöht werden.

 

Die Zuschusszahlung für das Jahr 2022 wäre mit 74.000 Euro anzusetzen und würde insbesondere für eine Konzepterstellung des Innovationsquartiers in der Neuen Mitte sowie für die Entwicklung einer Social Media-Kampagne benötigt.

 

Mit dem erhöhten Zuschuss würde eine zusätzliche Stelle bei der OWT eingerichtet sowie Sachmittel für die Umsetzung der Projekte zur Verfügung gestellt. Die Personalkosten für eine Stelle in der Entgeltgruppe 12 betragen aktuell 92.900 Euro zzgl. einer Sachkostenpauschale in Höhe von 9.700 Euro.  

 

Ferner wird angestrebt, öffentliche Fördermittel zur Durchführung einzelner Projektbausteine in Anspruch zu nehmen.

 

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Anlagen

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