Berichtsvorlage - M/17/2318-01
Grunddaten
- Betreff:
-
Bericht über Angebote zur Integration von Migrantinnen und Migranten im Arbeitsjahr 2021/2022 und Ausblick auf das Arbeitsjahr 2022/2023
- Status:
- öffentlich
- Vorlageart:
- Berichtsvorlage
- Federführung:
- Bert-Brecht-Bildungszentrum
- Bearbeitung:
- Sabine Tißen
- Verantwortung:
- Dez 1 Herr Tsalastras
Beratungsfolge
| Status | Datum | Gremium | Beschluss | NA |
|---|---|---|---|---|
|
●
Erledigt
|
|
Kulturausschuss
|
Kenntnisnahme
|
|
|
|
06.09.2022
| |||
|
●
Erledigt
|
|
Integrationsrat
|
Kenntnisnahme
|
|
|
|
25.10.2022
|
Sachverhalt
Begründung / Sachdarstellung
Jeder vom BAMF finanzierte Integrationskurs besteht aus einem modular aufgebauten Sprachkurs und einem Orientierungskurs mit je 100 Unterrichtseinheiten pro Modul.
Das Arbeitsjahr 2021/2022 war erneut durch die Corona-Pandemie geprägt, sodass die Integrationskurse vom Mitte Dezember 2020 bis Juni 2021 unterbrochen werden mussten. Danach war jedoch unter Auflagen, wie zum Beispiel dem Tragen eines medizinischen Mundschutzes und 3G-Regel das Unterrichten immer möglich. Durch den langen Unterrichtsausfall zu Beginn des Jahres 2021 wurde deshalb auch in den Kursen, in denen dies aufgrund der Anwesenheit der DozentInnen sowie der Teilnehmenden – hier ist immer das Stichwort Kinderbetreuung – möglich war, teilweise bis zu drei Wochen während der Sommerferien unterrichtet worden.
Zwei Alphabetisierungskurse und zehn allgemeine Integrationskurse konnten im Arbeitsjahr 2021/2022 zur Prüfung Deutschtest für Zuwanderer geführt werden. Den Orientierungskurs konnten zehn Integrationskurse mit dem Test Leben in Deutschland (LiD) beenden. Vor allem im Bereich der Orientierungskurse ist leider immer deutlicher zu erkennen, dass die meisten Teilnehmenden weniger Interesse am Besuch haben und auch durch Abwesenheit zeigen, da sie sich auf den finalen Multiple-Choice-Test „Leben in Deutschland“ lieber alleine per App vorbereiten.
Die Sprachenberatung war in der gesamten Pandemiezeit möglich. Durch die nun wieder steigende Nachfrage wurden zwei offene Sprechstunden (Di: 09:00-11:30 & Do: 13:30-15:30) eingerichtet und eine feste Terminliste bereitgestellt, für die sich Interessent*innen telefonisch, per E-Mail oder persönlich an der Kasse eintragen lassen können.
Folgende Integrationskurstypen werden an der VHS Oberhausen angeboten:
Integrationskurse mit Alphabetisierung
Die Teilnehmer*innen haben Anspruch auf insg. 900 Unterrichtseinheiten Deutsch und 100 Unterrichtseinheiten Orientierungskurs. Nach 900 Unterrichtseinheiten Deutsch besteht die Möglichkeit nach pädagogischer Abwägung, 300 zusätzliche Unterrichtseinheiten Deutsch ohne Ablegen des Deutschtests für Zuwanderer zu beantragen. Diese Integrationskurse finden immer in Teilzeit, d.h. 15 Unterrichtseinheiten pro Woche, statt.
Allgemeine Integrationskurse in Vollzeit
Die Teilnehmer*innen lernen pro Woche mindestens 20 Unterrichtseinheiten bei der VHS und haben Anspruch auf 600 Unterrichtseinheiten Deutsch und 100 Unterrichtseinheiten Orientierungskurs. Bei Nichtbestehen von B1 nach Ablegen des Deutschtests für Zuwanderer besteht die Möglichkeit 300 zusätzliche Unterrichtseinheiten Deutsch zu beantragen. Diese Kurse wurden in 2021 und 2022 deutlich aufgestockt, da sowohl Teilnehmende als auch das Jobcenter und das BAMF darum gebeten haben.
Allgemeine Integrationskurse in Teilzeit am Vormittag / in Teilzeit am Abend für Berufstätige
Die Teilnehmer*innen lernen pro Woche 15 Unterrichtseinheiten bei der VHS und haben Anspruch auf 600 Unterrichtseinheiten Deutsch und 100 Unterrichtseinheiten Orientierungskurs. Bei Nichtbestehen von B1 nach Ablegen des Deutschtests für Zuwanderer besteht die Möglichkeit 300 zusätzliche Unterrichtseinheiten Deutsch zu beantragen.
Orientierungskurse
Alle Teilnehmer*innen der Integrationskurse müssen einen Orientierungskurs, der über deutsche Geschichte, Kultur und Rechtsordnung informiert, mit 100 Unterrichtsstunden absolvieren. Der Orientierungskurs-Abschlusstest Leben in Deutschland (LiD) kann auch als Nachweis der notwendigen Kenntnisse für die Einbürgerung genutzt werden. Damit entfällt das Absolvieren des obligatorischen Einbürgerungstests.
Weitere Informationen und Entwicklungen im Integrationskursbereich
Für die Integrationskursteilnehmenden besteht eine Einzelplatzförderung, so dass alle Kursstufen sowohl von Integrationskursteilnehmer*innen als auch von nicht durch das BAMF geförderten Teilnehmer*innen (Asylbewerber*innen, Teilnehmer*innen, die nicht mehr gefördert werden, Aupairs usw.) besucht werden können.
Der Anteil der durch das BAMF geförderten Integrationskursteilnehmer*innen liegt bei ca. 95%.
Neuzuwanderer*innen werden berechtigt oder verpflichtet von der Ausländerbehörde; dieser Teilnehmerkreis kann auf Antrag vom Bundesamt von den Kosten befreit werden. Altzuwanderer*innen werden vom Bundesamt berechtigt und können auch auf Antrag von den Kosten befreit werden. Zum Kursbesuch verpflichten und von der Zahlung befreien können auch die Träger der Grundsicherung.
Der Kostenbeitrag für Teilnehmer*innen, die nicht von den Kosten befreit sind, ist für Teilnehmende, die sich seit dem 01. Januar 2021 neu für einen Integrationskurs anmelden, von 1,95€ pro Unterrichtseinheit auf 2,20€ pro Unterrichtseinheit aufgrund einer Vorgabe durch das BAMF gestiegen.
Die Zahl der zu alphabetisierenden Teilnehmenden sinkt weiterhin und ein eigentlich neu geplanter Kurs musste bisher immer wieder verschoben werden. Dies wird im gesamten Integrationsbereich auch durch das BAMF beobachtet.
Durch den Krieg in der Ukraine steigt die Nachfrage nach allgemeinen Integrationskursen seit Mitte März 2022 enorm. Das BAMF ermöglichte es durch eine vereinfachte Antragstellung sowie eine wesentlich schnellere Bearbeitung, dass bei der VHS Oberhausen seit Ende der Osterferien bis Mitte Juni 2022 8 neue allgemeine Integrationskurse starten konnten.
Seit dem 25.04.2022 gibt es eine neue zuständige Regionalkoordinatorin seitens des BAMF. Herr Robben verabschiedete sich im Netzwerktreffen und stellte Frau Siemes als Nachfolgerin vor. Das Bundesamt versendet regelmäßig Trägerrundschreiben mit neuen und aufwändigen Verwaltungsvorgaben an die Kursträger, so dass zum eigentlichen Unterricht pro Teilnehmendem sehr hohe Arbeitsaufwände bei den Sprachkursträgern liegen.
Prüfungen im Bereich Deutsch als Zweitsprache
Die Teilnehmenden konnten im Arbeitsjahr 2021/2022 an 45 Prüfungsterminen teilnehmen. Die Prüfungen auf dem Niveau A1, A2 sowie B2 sind in diesem Arbeitsjahr regulär ins Programm aufgenommen worden. Auf Anfrage fanden auch vier C1-Prüfungen statt.
Regelmäßig stattfindende Prüfungsformate sind:
- telc Start Deutsch 1 (A1) - insbesondere für Personen, die die Einwanderung nach Deutschland planen oder Grundkenntnisse beweisen müssen,
- telc Start Deutsch 2 (A2) ,
- der für alle Integrationskursteilnehmer*innen verbindliche Deutschtest für Zuwanderer (DTZ),
- Zertifikat Deutsch (B1) - insbesondere für Einbürgerungsbewerber*innen und für Personen, die sich nur vorübergehend in Deutschland befinden,
- telc Deutsch B2 - insbesondere interessant für Berufstätige und Menschen, die ihre Sprachkenntnisse erweitern wollen, um ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt zu verbessern.
Mit terre des hommes wurde im Jahr 2021 vereinbart, dass die Teilnehmenden der ehrenamtlich geführten Kurse bei der VHS zu einem ermäßigten Preis die Prüfungen A1, A2 und DTZ ablegen können.
Einbürgerungstests
Die Volkshochschulen sind weiterhin exklusiv damit beauftragt, Einbürgerungstests für das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge durchzuführen. Das Bestehen des Einbürgerungstests ist eine der Voraussetzungen für die Einbürgerung.
Es wurden acht Einbürgerungstests bei der VHS angeboten. Die Termine wurden von samstags auf freitags um 17.00Uhr verschoben. Damit findet eine Raum- sowie Personalentlastung statt und der Termin ist auch für berufstätige Teilnehmende passend. Die Nachfrage nach Einbürgerungstests und dem Test „Leben in Deutschland“ hat seit November 2020 sehr stark zugenommen, sodass jeder Termin mit mindestens 20 Teilnehmenden belegt ist. Die Anmeldungen für den Einbürgerungstest müssen spätestens drei Wochen vor der Prüfung beim Bundesamt sein, so dass eine frühzeitige Anmeldung sinnvoll ist. Immer wieder ärgern sich Menschen, die diesen Test für die Einbürgerung brauchen, dass sie einen späteren Termin bekommen, weil die Frist des Bundesamts schon verstrichen ist. Das kann die VHS jedoch nicht beeinflussen.
Teilnehmende an Prüfungen im Arbeitsjahr 2021/2022 (Hochrechnung):
Deutschtest für Zuwanderer B1/A2 ca. 230 Teilnehmende
Orientierungskurs Leben in Deutschland ca. 175 Teilnehmende
Einbürgerungstest ca. 180 Teilnehmende
Europäisches Sprachenzertifikat A1 ca. 15 Teilnehmende
Europäisches Sprachenzertifikat A2 ca. 15 Teilnehmende
Europäisches Sprachenzertifikat B1 ca. 90 Teilnehmende
Europäisches Sprachenzertifikat B2 ca. 38 Teilnehmende
Europäisches Sprachenzertifikat C1 ca. 17 Teilnehmende
Angebote oberhalb des B1-Niveaus
Das Angebot oberhalb des B1-Niveaus (B2-Kurse) richtet sich an Integrationskursteilnehmende, die gerne weiterlernen möchten, und insbesondere auch an Berufstätige und an diejenigen, die die DTZ-Prüfung erfolgreich auf dem Niveau B1 bestanden haben und ihre Sprachkenntnisse erweitern möchten, um ihre Chancen für einen Berufseinstieg zu verbessern. Wie schon in den Vorjahren sind Kurse zur Vorbereitung auf die Prüfung B2 angeboten worden. Der Kurs des Arbeitsjahres 2021/2022 hat am 26.03.2022 die Prüfung abgelegt und am 02.Mai 2022 konnte schon ein weiterer Kurs gestartet werden.
Sprachförderkurse
2021 konnten 3 der insgesamt 5 beantragten Kurse nach dem Verbot durch die Coronaschutzverordnung NRW mit einer reduzierten Unterrichtsstundenzahl und zum Teil online und auch in den Sommer- und Herbstferien durchgeführt werden. An den Ferienangeboten haben vor allem die Schüler der Käthe-Kollwitz-Berufsschule Interesse gezeigt. Leider wird diese Art von Kursen seit 2022 nicht mehr durch das Land NRW gefördert. Auch eine Initiative von Bildungswerk Ruhrwerkstatt und VHS mit den Landesverbänden beim Ministerium konnte keine Wiederaufnahme erreichen.
Niedrigschwellige Sprachförderung in Kooperation mit kitev
Im Rahmen des Förderbausteins V der Landesinitiative Durchstarten in Arbeit und Ausbildung kooperieren die Volkshochschule und der Verein Kultur im Turm e.V. (= kitev) als Zuwendungsempfangender im Projekt GEmeinsam Neu AUfbauen (= GENAU). Die VHS bietet in diesem Rahmen niedrigschwellige Sprachförderung an.
Es werden insgesamt 3 Kurse durchgeführt, wovon zwei online (A1-A2 sowie B1) und einer in Präsenz (Alphabetisierung) im ehemaligen Leerstand im Gebäude des Hauptbahnhofs Oberhausen stattfinden.
Erstorientierungskurse für Asylbewerber mit unklarer Bleibeperspektive (EOK)
Darüber hinaus ist im Zeitraum 02.11.2021 bis 09.03.2022 ein Erstorientierungskurs für Asylbewerber mit unklarer Bleibeperspektive (EOK) angeboten worden. Der Erstorientierungskurs wird mit einem Umfang von insg. 300 UE vom BAMF gefördert, die Teilnahme ist freiwillig und kostenfrei.
Im Kurs haben die Teilnehmer*innen Informationen erhalten und erste Deutschkenntnisse erworben, um sich im Land zurechtzufinden. Es wurden verschiedene, alltagsrelevante Themen behandelt, wie z.B. Alltag in Deutschland, Arbeit, Gesundheit, Orientierung vor Ort, soziale Kontakte, Wohnen, Werte und Zusammenleben (verbindliches Thema). Ergänzend zum Unterricht sollen Exkursionen in der näheren Umgebung durchgeführt werden, um sich in Oberhausen zu orientieren und das Gelernte in der Praxis anzuwenden. Angemeldet waren im oben genannten Zeitraum durchschnittlich 20 Personen. Durch eine Änderung in der Projektleitung und Organisation beim Landesverband der Volkshochschulen in NRW wurde uns als Volkshochschule sehr viel administrative Arbeit abgenommen, sodass wir beinahe nur die Räumlichkeiten zur Verfügung stellen und Teilnehmende vor Ort akquirieren mussten.
Kooperationen auf kommunaler Ebene
Teilnahme an Sitzungen und Mitarbeit in/bei
- Netzwerk Interkulturelles Lernen (NIL)
- Arbeits- sowie Lenkungskreis zum Projekt Kommunales Integrationsmanagement (KIM)
- Arbeitskreise Migration und Flucht & Frauen und Integration
- Integrationskursnetzwerk
- Treffen der LehrerInnen von terre des hommes
„Zweiter Bildungsweg“
Auf Grundlage des Weiterbildungsgesetzes Nordrhein-Westfalens (§6) bietet die VHS ein differenziertes, aufeinander aufbauendes System verschiedener Schulabschlusskurse an: den Hauptschulabschluss nach Klasse 9, den Sekundarabschluss I – 10 A, sowie den Mittleren Bildungsabschluss. Dem Hauptschulabschluss nach Klasse 9, sowie dem Mittleren Bildungsabschluss sind zudem Vorbereitungskurse vorangeschaltet, welche dem Abbau von Defiziten sowie der Sprachförderung dienen und einen (Wieder-) Einstieg in ein regelmäßiges Lernen/einen schulischen Alltag ermöglichen sollen. Um in Anklang an die Fachoberschulreife mit Qualifikation eine Anschlussperspektive zu ermöglichen, kooperiert die VHS Oberhausen mit dem Niederrhein Kolleg. Hier können die Teilnehmer*innen nach bestandenem Abschluss sich zum Abitur-Vorkurs anmelden.
Im Arbeitsjahr 2021/2022 haben in den 11 Kursen zum nachträglichen Erwerb von Schulabschlüssen insgesamt 90 Teilnehmer*innen davon 22 mit Migrationshintergrund an den Tages- und Abendkursen teilgenommen. Leider waren die Auswirkungen der Corona Pandemie auch in diesem Bildungsjahr zu spüren. Eine Nachbesetzung der Kurse war nur selten möglich. Umso mehr ist zu begrüßen, dass ab dem neuen Arbeitsjahr 2022/2023 das Land erstmalig Mittel für eine sozialpädagogische Betreuung im Zweiten Bildungsweg bereitstellt. Diese seit langer Zeit geforderte Stelle „Sozialpädagog*in“ ermöglicht es das Durchhaltevermögen der Teilnehmer*innen zu stärken und frühzeitig auf Probleme, die das Bestehen des Abschlusses gefährden könnten, einzugehen.
Die Erfahrung der letzten Jahre hat gezeigt, dass die Sprache der Schlüssel zum Erreichen eines Abschlusses ist. Daher wurde als Minimalvoraussetzung zum Einstieg in einen Kurs des Zweiten Bildungswegs ein Deutsch-Zertifikat auf der Stufe B2 festgelegt.
Im Vorkurs zum Hauptschulabschluss nach Klasse 9 in Tagesform (Förderung über den Europäischen Sozialfond) und im Vorkurs zum Mittleren Schulabschluss – Fachoberschulreife wird zusätzlich zum regulären Deutschunterricht Deutsch-Förderunterricht angeboten.
Das Fach Englisch kann von Teilnehmer*innen mit Migrationshintergrund ohne Englischkenntnisse in den Kursen zum Hauptschulabschluss nach Klasse 9 und zum Sekundarabschluss I 10a in Tagesform durch das Fach Wirtschaftslehre ersetzt werden. Ausgesiedelte Teilnehmer*innen, Kinder ausländischer Arbeitnehmer*innen und Neuzugewanderte können das Fach Englisch unter bestimmten Voraussetzungen in den Kursen des Zweiten Bildungswegs außerdem durch eine Sprachprüfung in der Herkunftssprache ersetzen.
Im Arbeitsjahr 2022/2023 werden insgesamt 11 Kurse im Bereich Hauptschulabschluss nach Klasse 9, Sekundarabschluss I – 10 A und Mittlerer Schulabschluss mit insgesamt 6480 Unterrichtsstunden angeboten. Neu angeboten wird ein Kurs zum Erwerb des Sekundarabschluss I 10a in Abendform. Dieser ersetzt einen der beiden Kurse zum Mittleren Schulabschluss – Fachoberschulreife in Abendform.
Interkultur und politische Bildung
Der interkulturelle Themenbereich wird unter der Überschrift „Zusammen leben“ konzipiert. Das „Interkulturelle“ meint, Menschen mit Migrationshintergrund und ohne in gemeinsamen Veranstaltungen zu kulturellen und politischen Themen einzuladen. Im Fokus politischer Bildung sind bei interkulturellen Veranstaltungen Diskriminierung und Gleichberechtigung, Rechte und Emanzipation, positive Differenzerfahrungen, Abbau von Stereotypen und Vorurteilen, Entwicklung von Solidarität und Freundschaft.
Café Unterwegs
Das interkulturelle Frauencafé der VHS existiert mittlerweile seit weit über zehn Jahren und greift Themen aus Alltag, Kultur und Politik auf. In gemütlicher Atmosphäre wird ein Thema (Situation von Frauen, Rollenbilder, Mütter und Töchter, Frauen in politischen Bewegungen, Kultur um Sterben und das Jenseits, Bräuche und Traditionen etc.) anmoderiert und in großer wie in kleiner Tischrunde ausgetauscht. Kulturelle Besonderheiten und Gemeinsamkeiten werden so positiv besetzt und erlebt. Das monatliche Angebot des interkulturellen Frauencafés findet in Kooperation mit dem Kommunalen Integrationszentrum (KI) statt.
Eine Welt, Länderkunde
Auch im neuen Kursjahr bietet die VHS aufklärende und problemorientierte Veranstaltungen über Länder und Städte dieser Erde an. Es wird u.a. einen Vortrag zur Region „Transnistrien“, einer Teilrepublik von Moldawien, geben, deren Unabhängigkeit prinzipiell nur von Russland anerkannt und gestützt wird. Nicht zuletzt durch den Krieg in der Ukraine rückt diese Region Europas immer stärker in den Blickpunkt der Öffentlichkeit.
Stadtrundgang zur Geschichte der Migration
Bei einem zweistündigen Stadtspaziergang lernen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer anhand verschiedener Stationen die Geschichte der Zuwanderung Oberhausens kennen und sehen. Von der Synagoge über Kulinarisches, vom Migrationsrat, türkischer und polnischer Zuwanderung, von Flucht und Zwangsarbeit zu einem vielkulturellen Oberhausen, spannend für einen touristischen Blick und immer wieder neu als Zuhause, als Heimatstadt.
André Wilger und das Team von der Geschichtswerkstatt Oberhausen begleiten die Gruppe und erzählen von Oberhausen und seinen Menschen. Das Angebt besteht weiterhin auf Nachfrage.
Im Kursjahr 2022/2023 wird es eine gemeinsame Veranstaltung von Volkshochschule und Integrationsrat (mit den weiteren Kooperationspartnern Stadtbibliothek und Arbeit und Leben) geben. Nachdem die Veranstaltung coronabedingt nicht stattfinden konnte, wird nun am 12. September 2022 endlich Ali Can, Sozialaktivist, Autor sowie Gründer und Leiter des "VielRespektZentrum" Essen zu Gast im Bert-Brecht-Haus sein. Seine Twitterkampagne #MeTwo löste im Sommer 2018 ein enormes Echo aus. Er wird aus seinem Buch „Mehr als eine Heimat. Wie ich Deutschsein definiere“ lesen und anschließend mit den Teilnehmenden diskutieren. In Seinem Buch geht er der Frage nach, was ist eigentlich deutsch? Die Veranstaltung ist entgeltfrei.
In einer gemeinsamen Veranstaltung mit der Gedenkhalle im Frühjahr 2023 begibt sich die VHS „Auf die Spuren jüdischen Lebens in Holten - 1504 -1941“. Ein weiterer Vortrag nimmt das Thema: „Die fünf Säulen des Islam - die wichtigsten Gebote für Muslime“ in den Blick. Bei dieser Veranstaltung geht es darum die religiösen und theologischen Grundlagen des Islam einmal kennenzulernen, besser zu verstehen und so ggf. auch Vorurteile abzubauen.
Mitarbeit im Netzwerk interkulturelles Lernen
Die VHS arbeitet auch weiterhin intensiv im Rahmen des Netzwerkes Interkulturelles Lernen (NIL) mit, in dem sich viele verschiedene Bildungs- und Beratungsorganisationen der Stadt zusammengeschlossen haben. Durch die Zusammenarbeit ergeben sich auch immer wieder neue gemeinsame Veranstaltungen, Aktionen und Projekte. Zuletzt entstand in Zusammenarbeit des Netzwerks mit dem Medienbunker Marxloh ein sehr sehenswerter Dokumentarfilm „Menschen von hier! Vielfalt wertschätzen“. Die Menschen, die im Rahmen des Filmbeitrags offen und ehrlich ihre persönlichen Einschätzungen mitteilen, sind aus allen Altersstufen von 17 bis 80 Jahren, je zur Hälfte Frauen und Männer, und stammen aus West und Ost, aus Italien, Syrien, der Türkei, Marokko und Kuba.
