Berichtsvorlage - M/17/2300-01
Grunddaten
- Betreff:
-
Digitalisierung verändert, die Zukunft des Lernens in der Volkshochschule
- Status:
- öffentlich
- Vorlageart:
- Berichtsvorlage
- Federführung:
- Bert-Brecht-Bildungszentrum
- Bearbeitung:
- Sabine Tißen
- Verantwortung:
- Dez 1 Herr Tsalastras
Beratungsfolge
| Status | Datum | Gremium | Beschluss | NA |
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Erledigt
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Kulturausschuss
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Kenntnisnahme
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06.09.2022
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Erledigt
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Wirtschafts- und Digitalisierungsausschuss
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Kenntnisnahme
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20.10.2022
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Sachverhalt
Begründung / Sachdarstellung
Die Volkshochschule ist als Pflichtaufgabe der Kommune zum Weiterbildungsbedarf vor Ort schon lange ein Ort für digitale Bildung. In den 1990er Jahren war es der Ort, wo sich jede/r an einen PC setzen konnte, unabhängig von Beruf und anderen Voraussetzungen. Als das Bert-Brecht-Haus 2011 nach dem Umbau eröffnet wurde, gab es bereits im ganzen Haus WLAN und erste interaktive Boards/Tafeln. Social Media, Streaming Dienste, Podcasts, E-Books hatten den Alltag vieler Menschen bereits erheblich verändert. Die Bildungspolitik und die Weiterbildungspolitik des Landes und des Bundes waren aber noch weit davon entfernt, das Thema für die Bildungspraxis aufzugreifen. Dagegen hatte das Angebot zu digitalen Techniken beruflich und privat an der VHS Oberhausen Kontinuität, da hier immer die Bedarfe der Menschen vor Ort aufgenommen wurden.
Die Volkshochschule entwickelte bereits 2016 eine digitale Strategie, um pädagogische Entscheidungen zu digitaler Technik und deren sinnvoller Nutzung treffen zu können. Denn für die professionelle Lernbegleitung Erwachsener sollte Technik nicht zum Selbstzweck oder modernen Accessoire werden. Digitale Anwendungen sollten als Verbesserung der Lernprozesse und zur Innovation von Lernen eingesetzt werden. All das sollte gemessen werden an den Bedarfen der Menschen, so dass neben aktuellen Erkenntnissen zu digitalen Lernmöglichkeiten die Weiterbildungsbefragung und die Fragebögen zur Qualität unserer Veranstaltungen mit herangezogen wurden.
Zwei Prozesse veränderten die Weiterbildung wesentlich, neben dem Vermitteln der Technik und der Nutzung der Technik für bessere Lernumgebungen:
- Gemeinsam statt frontal: Im Unterschied zum klassischen Unterricht nur mit anderen Mitteln können digital interaktive und kollaborative Methoden (gleichzeitiges und gemeinsames Arbeiten) für die Zusammenarbeit genutzt werden, womit sich sogar die Trennung in Lehrende und Lernende aufheben kann.
- Zeit und Kontext: Kulturell hatte ein Prozess digitaler Transformation begonnen, durch den andere Arten und Zeitigkeiten von Kommunikation entstanden und in eine Auflösung gewohnter Ordnungsstrukturen mündeten. Das situative Wort der Umgangssprache als spontane Reaktion, Zwischenruf oder Gefühlsbekundung wird tagtäglich als „Chatbeit“, „Emoticon“ oder Kommentar dauerhaft digital in Form gegossen und droht seine inhaltlich-situationsbedingte Rahmung (Kontext) zu verlieren (Das Internet vergisst nicht…). Das erforderte auf allen Ebenen von Kultur und Bildung Rollenveränderungen und auch die Klärung von Fragen der Macht und Verfügung von Öffentlichkeit.
Eine Weiterbildungseinrichtung muss für die Lernenden vor Ort digitale Technologien pädagogisch optimal nutzen und den Prozess digitaler Transformation durch gesellschaftliche Bildung begleiten. Die Volkshochschule Oberhausen muss sowohl technisch als auch kulturell Menschen begleiten, ihre Digitalität emanzipiert und eigenverantwortlich zu gestalten, kurz: Handlungskompetenz und Kulturtechnik.
Mit diesen Überlegungen schrieben VHS und Bibliothek gemeinsam eine digitale Strategie fort. Für das darin genannte „Lernhaus, Labor, Leuchtturm“ konnten seit 2016 weitere Möglichkeiten geschaffen werden und dies alles, ohne die städtischen Zuschüsse zu erhöhen! (Intern als Strategie gefasst, 2019 mit Projektmitteln im Ausschuss.)
- Digitallabor und Makerspace konnten durch das Land finanziert werden, weil die Konzepte aus Oberhausen bis dahin einzigartig waren und inhaltlich weit mehr überzeugten als bloße Nachfrage nach Technik von anderen Instituten (Förderbetrag 100.000,- EURO)
- Das Projekt „Gamification von Lernen“ im Zweiten Bildungsweg konnte sehr erfolgreich mit anderen VHSn in die Anwendung gebracht werden
- Die VHS Cloud als Lehr-Lern und Vernetzungsplattform der VHSn ging an den Start und Oberhausen war von Anfang an dabei
- Die VHS ging auf Facebook und Instagram, wo vielfache Vernetzung stattfindet ohne weitere Werbeausgaben und neue Text-Bild-Formate für Interaktion und Information entstanden (z.B. Videoadventskalender)
- Schon 2016 begann der Prozess zur Einrichtung einer besseren Website, die dem Digitalisierungsprozess Rechnung trägt und auf mobilen Geräten sowie für Menschen mit Einschränkungen besser funktioniert (gerade freigeschaltet)
- Unter Corona Auflagen wurden Videokonferenzen, Webinare Standard
- Videos wurden zum sehr beliebten Medium kommunaler politischer Bildung und werden deshalb zum Dauerformat
- Neue Formate zu den digitalen Anwendungen werden entwickelt, um auch kurze und kurzweilige Lerneinheiten zur eigenen Digitalität zu haben. Neue Boards (Tafeln in Form von Riesentablets) sind da, die ermöglichen, unmittelbar Inhalte von den Geräten der Lehrenden und Lernenden wiederzugeben (Screen Share). Das ermöglicht anders als die Vorgängermodelle mehr Interaktion und wird zu weiteren neuen Formaten führen.
- Der Standort Lirich wird im Herbst bzw. spätestens Beginn 2023 mit WLAN, Glasfaser, neuen Boards an den Start gehen.
- Aus EU Mitteln wurde die Anschaffung von Laptops (Convertibles) für alle Teilnehmenden und Lehrkräfte im Zweiten Bildungsweg ermöglicht (Europäische Union, REACT-EU, Europäischer Fonds für Regionale Entwicklung, Landesregierung NRW). Das Projekt wird als Teil der Reaktion der Europäischen Union auf die Covid-19-Pandemie gefördert.

Alle Lernenden können dann sowohl die Techniken lernen, z.B. die Anwendungen wie Office für Bewerbungen besser lernen und zuhause anwenden, und miteinander, mit den Lehrkräften und über die Boards interagieren. Das wird den Zweiten Bildungsweg nachhaltig verändern. - Zurzeit werden Audio-Videotechniken getestet, mit denen verschiedene Lehr-Lernformate ausprobiert werden können. D.h. dass z.B: eine Gruppe von fünf Menschen im Raum ist und zwei digital teilnehmen, alle aber auf Augenhöhe im Lernsetting eingebunden sind (hybride Veranstaltungsform).
- Die neuen Lernformate sind zukunftsweisend, zeigen sie doch, wohin sich moderne Arbeitskulturen entwickeln im Hinblick auf digital unterstützte kollaborative Arbeits- und Lernformen sowie flexible Arbeitsformate, bei denen ein Teil „präsent“ und ein Teil „online“ anwesend ist.
- Die neuen Kursformate als Mischformen aus altbewährten Lernorten und digitalen Räumen sind insbesondere attraktiv für Oberhausener*innen, die ihren Weiterbildungsbedarf mit Betreuungs- und Care-Pflichten (Familie/Pflege etc.) in Einklang bringen möchten.
- Die Öffnung neuer digitaler Zugänge für Lernende in der Stadt wird selbstverständlich eingebunden in unser Diversitätskonzept: Menschen, die Probleme haben vor Ort zu sein, haben nun eine Teilhabemöglichkeit.
- Das Projekt Digitalisierung von SeniorInnen wurde zum einen als Projekt des Paritätischen mit drei Weiterbildungseinrichtungen (darunter VHS) durchgeführt. Zum anderen beginnt mit dem Auftrag des Rates zur Erstellung eines Gesamtkonzepts für ältere Menschen eine ganz neue Vernetzung zwischen Quartiersbüros, Weiterbildung, Bibliotheken, Senioreneinrichtungen etc., zu der jetzt noch ein Einsatz von Smart City Mitteln vorbereitet wird, um das Konzept fertigzustellen und für die Menschen in Oberhausen Angebote zu haben.
- Die kommende Veränderung und Neubesetzung der Stabstelle Neue Medien im Bert-Brecht-Bildungszentrum wird die Fäden der technischen, medialen, kulturellen und pädagogischen Veränderung mit Digitalisierung sinnvoll verknüpfen. Zurzeit beginnen Gespräche zwischen VHS/Bibliothek und CLab Kreativlabor Innenstadt, Schülerlabor, Medienpädagogische Projekte Jugendamt, Bildungsbüro zur Vernetzung der Arbeit untereinander für Oberhausen
- In Lirich konnte mit Landesmitteln ein Kreativlabor eingerichtet werden, in dem klassische Kreativtechniken mit digitalen Techniken verbunden werden. Lirich entwickelt sich nach und nach mit umliegender Kinder- und Jugendarbeit und Grundschule mehr zu einem kulturellen Ort, für den die baulichen Voraussetzungen nach und nach geschaffen werden können.
- Vermittlung digitaler Kompetenzen und insbesondere Medienkompetenz in der VHS misst sich immer an pädagogischen Standards und trägt auch aktuellen Entwicklungen Rechnung. So wurde beispielsweise das Curriculum in der beruflichen Bildung bei der Qualifizierung von pädagogischen Kräften im Offenen Ganztag um Themen des Kinder- und Jugendschutz im Umgang mit Smartphones ergänzt. Hierbei arbeiten wir eng mit den Fachstellen zusammen.
- Neue Lernformen und Formate brauchen Raum. Daher wird noch dieses Jahr die Planung für das Erdgeschoss des Bert-Brecht-Hauses begonnen, um eine offene Lern-, Werkstatt, Kultur-, Medien- und Kommunikationslandschaft herzustellen, die die formalen Grenzen von Lehrveranstaltungen auflöst.
Lernort, Labor, Leuchtturm - Schutzraum
Prozedurales Arbeiten ist eine Bezeichnung für Arbeiten, das sich erst im Prozess und in der Zusammenarbeit entwickelt. Das ist die Form, die mit Vernetzung von Fachmenschen einhergeht, aber auch mit der Partizipation der Lernenden und Lehrenden im Haus. Das ist eine neue Art des Arbeitens, die die weitere gemeinsame Entwicklung der Volkshochschule schon impliziert.
Es wird weniger Sicherheiten über die Zukunft von Lehr-Lernformaten geben. Gleichzeitig braucht das mehr Sicherheit über die Rahmenbedingungen. Diese Rahmenbedingungen kann nur ein öffentlicher Träger wie die Stadt herstellen. Nur ein öffentlicher Träger kann das Vertrauen und den Kontext herstellen, in dem Menschen sicher lernend miteinander agieren und die eigene Digitalität mit uns als Bildungszentrum entwickeln. Digitale Vernetzung und Algorithmen haben viele Unsicherheiten verursacht und neue Ängste erzeugt. Die Volkshochschule ist ein vertrauter sozialer Raum bzw. der große Tanker in den vielen Wellen der Digitalisierung. Das Miteinander in der Volkshochschule und beim Lernen war den Menschen in Oberhausen immer schon wichtig. Deshalb wird die Volkshochschule, das Bert-Brecht-Bildungszentrum, der Ort sein, in dem auch das digitale Miteinander stattfinden kann, um dann in diesen „modernen Zeiten“ zu bestehen - natürlich immer in Netzwerken und mit Partnern und im Rahmen einer fördernden Kommune.
