Beschlussvorlage - B/17/1714-01
Grunddaten
- Betreff:
-
Internationale Gartenausstellung IGA 2027 in Oberhausen Revitalisierung des Ruhrparks und des Feuchtgebietes Halde Alstaden
- Status:
- öffentlich
- Vorlageart:
- Beschlussvorlage
- Federführung:
- Umwelt
- Bearbeitung:
- Annette Lavin
- Verantwortung:
- Werntgen-Orman
Beratungsfolge
| Status | Datum | Gremium | Beschluss | NA |
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●
Erledigt
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Bezirksvertretung Alt-Oberhausen
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Beschlussfassung
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09.03.2022
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Beschlussvorschlag
Beschlussvorschlag
Die Bezirksvertretung Alt-Oberhausen stimmt den vorgeschlagenen und in Vorbereitung zur Internationalen Gartenausstellung 2027 weiter zu qualifizierenden Einzelmaßnahmen aus dem Strukturkonzept für den Ruhrpark zur Erneuerung und ökologischen Aufwertung des Parks zu.
Sachverhalt
Sachdarstellung
Der Rat der Stadt hat am 17.12.2018 entschieden, dass sich Oberhausen mit dem Ruhrpark an der Internationalen Gartenausstellung 2027 beteiligen möchte.
Zur Weiterentwicklung des rd. 15 ha großen Ruhrparks zu einer modernen und vitalen Parkanlage fehlt derzeit für die jeweiligen Nutzungsarten und die Teilräume des Parks eine Rahmenplanung. Daher wurde im Juni 2021 das Landschaftsplanungsbüro Hoff aus Essen mit der Entwicklung eines Strukturkonzeptes Ruhrpark beauftragt. Im Dezember 2021 wurden die Arbeiten mit dem Netzlückenschluss zum Ruhrtalradweg abgeschlossen. Das Konzept bildet den Rahmen für den Erhalt und die Optimierung der Parkstrukturen des Ruhrparks. Dabei sollen die Biodiversität der Freiflächen im Park aber auch die Gestaltungsqualität gesteigert, erhaltenswerte Parkelemente aufgewertet und neue Funktionen sinnvoll ergänzt werden.
Der Park wird aufbauend auf vorhandene Potentiale und Strukturen unter dem Gesichtspunkt der Grünen Infrastruktur und der Stadtteilintegration nachhaltig für die Zukunft qualifiziert und ergänzt. Dabei sollen die Elemente Erleben, Erkunden, Entdecken, Lernen und Spielen einen Besuch des Ruhrparks und des Feuchtgebietes Halde Alstaden zukünftig das ganze Jahr attraktiv machen. Mit einer Mischung aus abwechslungsreichem Freiraumangebot im Park, ruhiger Erholungsachse entlang der Ruhr und artenreichem Lebensraum ergibt sich ein zukunftsfähiger Erholungsstandort, der Klimaaspekte und Biodiversität integrieren wird.
Im Strukturkonzept werden anknüpfend an vorhandene Erlebnisqualitäten deutlich wahrnehmbare Schwerpunkte gesetzt, die als Erlebnislabore bezeichnet werden. Unter diesen insgesamt zehn verschiedenen Erlebnislaboren sind Räume oder Funktionen zu verstehen, die sich einem bestimmten Thema widmen und an dieser Stelle kurz erläutert werden sollen:
- Ruhr
Highlight des Erlebnislabors sind mehrere Terrassenstufen am Deich, die einen Ausblick und Aufenthalt ermöglichen. Im Bereich des Kolks wird der Bau eines kleinen Platzes vorgeschlagen, von dem aus seltene Tierarten am Kolk beobachten werden können. Mit dem vorgesehenen Wiederaufleben der Beweidung mit Schafen soll u.a. ein Beitrag geleistet werden, um den Biotopverbund nachhaltig zu stärken.
- Ruhrteich
Neben dem großen Feuchtgebiet Halde Alstaden verfügt der Ruhrpark mit dem Ruhrteich über ein weiteres wertvolles Biotop. Aktuell ist dieser stark bewachsen und verschlammt. Im Zuge einer Umstrukturierung wird daher eine ökologische Optimierung dieses Parkbereiches sowie die Errichtung eines Beobachtungssteges empfohlen. Informationen zur entsprechenden Tier-und Pflanzenwelt sollen ergänzend durch z. B. Infotafeln, Infopfosten und Pegelmesslatten an dieser Stelle angeboten werden.
- Naturspiel
Das Dachflächenwasser anliegender Gebäude soll auf eine Teilfläche des Parks eingeleitet werden und dort als Spielangebot für einen Regenwasserspielplatz genutzt werden. Rohrbrücken leiten den Niederschlag in Mulden und Gräben, die mit Balancierbalken, Brücken und Klettersteinen als Spielelement erlebbar gemacht werden.
- Atholzbestand
Anhand des Altholzbestands des Ruhrparks kann die Gestaltung im Stil eines Englischen Landschaftsparks abgelesen werden. Die erhaltenswerten Blickfänge sind unbedingt zu schützen und punktuell hervorzuheben.
Eine die Wahrnehmung prägende Fläche befindet sich im Westen des Parks. Um diesen Bereich ökologisch weiter zu qualifizieren und den Wert dieser Fläche den Parkbesuchern*innen begreif- und erlebbar zu machen, wird zunächst angeregt, den vorhandenen Trampelpfad durch Nachpflanzungen zu schließen. Neben dem Altholzbestand gilt es auch die ökologisch wertvollen Totholzbestände des Parks zu erhalten.
- Wiese
Den nördlichen Zugang zum Park an der Speldorfer Straße bildet eine großzügige Rasenfläche mit Einzelgehölzen. Auch an anderer Stelle entlang des Ruhrdeiches bilden Wiesenflächen prägende Landschaftselemente, die zukünftig als zusammenhängendes Erlebnislabor „Wiese“ entwickelt werden und durch die Erhöhung des Strukturreichtums und der Biodiversität eine ökologische Anreicherung erfahren soll.
Folgende Maßnahmen sind denkbar und sollen noch im Detail weiter qualifiziert werden:
- eingestreute kleinflächige Einsaatinseln mit Kräutern sowie differenzierte Mahdintensitäten und Mahdintervalle,
- im sonst eher rein grünen Ruhrparks sollen bunte Akzente in den jahreszeitlichen Blütenphasen gesetzt werden,
- Integration eines Grünen Klassenzimmers als feste Anlaufstelle für regelmäßige Aktivitäten für Schulklassen aus dem Umfeld. Der neu entstehende Unterrichtsort ist auch Ausgangsort für Führungen oder andere Bildungsangebote im Freien,
- ein Monitoring der Entwicklung auf den Wiesenflächen ist in Kooperation mit der Biostation und/oder Naturschutzverbänden denkbar, um die Ergebnisse auf andere Flächen zu übertragen,
- Anpflanzen von Streuobstgehölzen und punktuell von Beerenobst verbessert einerseits die Biodiversität und lädt Parkbesucher*innen darüber hinaus zum Naschen ein.
- für die lokalen Imker soll eine entsprechende Fläche zum Aufstellen von Bienenstöcken zur Verfügung gestellt werden,
- ebenfalls kann in diesem Bereich eine Potentialfläche für eine mögliche Urban-Gardening Initiative vorgehalten werden.
- Sport und Bewegung
Der ehemalige Sportplatz stellt ein sehr großes Flächenpotential im Zusammenhang mit der Umstrukturierung des Ruhrparks dar. Geplant ist, eine Verbindung der Flächen des ehem. Sportplatzes (auf zwei unterschiedlichen Höhenlagen) und des Ruhrparks herzustellen. Das Interesse an Sport-und Bewegungsangeboten lässt sich deutlich aus den Beteiligungsergebnissen ablesen.
Für dieses Flächenpotential soll das Strukturkonzept Ideengeber sein. Eine weitere Entwicklung des ehemaligen Sportplatzes soll dann in enger Abstimmung durch den Bereich Sport erfolgen.
- Solbadhalde
Ein Bezug zwischen Ruhrpark und Solbadhalde ist bislang kaum vorhanden. Die Solbadstraße trennt die beiden Flächen optisch und funktional voneinander. Außerdem befindet sich die Halde aktuell in einem unattraktiven pflegebedürftigen Zustand. Neben der zwingend notwendigen Ertüchtigung der Wege wird daher angeregt, vom Hochpunkt der Halde aus eine Achse in Richtung Ruhrpark freizustellen und möglicherweise eine kleine Aussichtskanzel zu errichten.
Eine Bewirtschaftung der Blickachse als Kurzumtriebsplantage und eine Strukturierung weiterer Haldenbereiche als unterschiedliche Tiny Forests -biodiverse Miniaturwälder- sind Optionen zur Lebensraumaufwertung, Entschärfung des Angstraumes und ein lohnendes Pflegeexperiment.
- Mobilität
Der Ruhrpark soll sowohl an die Zeche Alstaden als auch über die Solbadstraße hinweg an die Solbadhalde angebunden werden. In den Gesprächen mit Akteur*innen und Bürger*innen ist deutlich geworden, dass die Verkehrssituation an der Solbadstraße in vielerlei Hinsicht Handlungsbedarf aufweist.
Entstehen kann an dieser Stelle ein Verkehrsraum für zukunftsgerichtete Mobilität. Dazu wird zunächst die Entwicklung einer Fahrradstraße angeregt, um das Verkehrsgeschehen insgesamt zu beruhigen. Auch die Anlage von weiteren Fußgängerübergangsbereichen, der Ausbau eines straßenunabhängigen Randstreifens des Ruhrparks zu einem Fußweg und eine Neustrukturierung der Parksituation durch z.B. Parkstreifen oder Parkbuchten für PKW sind denkbar.
- Parkimpulse
Der Planungsraum ist Freiraum im doppelten Sinne: Er ist ein zentraler, grüner Aufenthaltsort mit Raum für alle Altersgruppen, gleichzeitig wird er aber auch ein sozialer Ort mit Raum für Ideen, Austausch, Kreativität, Heimat von Gruppen und kleinen Events. Gestalterisch können beide Funktionen räumlich vorgedacht werden und bedingen in beiden Fällen zwingend eine nutzungsoffene, multifunktionale Gestaltung.
Das Erlebnislabor Parkimpulse greift die im partizipativen Prozess zu einem frühen Zeitpunkt angestoßenen zukünftigen Nutzungen mit den Freiraumelementen auf. Beispiele dafür sind:
- Errichtung einer Bühne auf dem Dammkopf
- Sitzsteine in Damm als Tribüne mit Blick auf die Jahnwiese (Fußball, Schulklassen, …)
- Zusätzliche ergänzende Ausstattung (Slackline-Bänke, Liegebänke, Sitzbänke, Abfallbehälter)
- Innovative Ausstattungselemente (in Sitzbänke integrierte Ladefunktion, Solargrills)
- Rasenfläche für Picknick und Bewegung mit Vorhaltung einer standfesten Fläche als temporäre Aufstellfläche für z.B. Spielmobil, Food Trucks, Verkaufsstände o.ä.)
Bestehende bürgerschaftliche Aktivitäten wie das Ruhrparkfest und der Mountainbike-Tag, sowie die wöchentlichen Sport-Treffs werden mit den Maßnahmen gestärkt. Im Umfeld des Planungsraums ansässige Akteure und Institutionen bekommen eine Anlaufstelle unter freiem Himmel.
- Feuchtgebiet Halde Alstaden (vgl. M/17/1131-01)
Die Revitalisierung des 8 ha großen Feuchtbiotops nördlich des Ruhrdeiches mit mehreren großen Flachwasserteichen wird zurzeit aufgrund eines Antrags der Stadt Oberhausen im Rahmen des Förderprogramms „Grüne Infrastruktur“ optimiert. Hier werden die Wasserflächen von dem aufgekommenen Gehölzaufwuchs freigestellt und ein Ort des Naturerlebens geschaffen. Auch ist die Errichtung einer Aussichtsplattform vorgesehen, die vom Ruhrtalradweg ausgehend über einen Steg erreicht werden kann. Von hier aus kann die Beobachtung der Vogelwelt (im besten Falle Eisvögel und Uferschwalben) am Feuchtbiotop ermöglicht werden. Ein Ort der Umweltbildung kann so im Einklang mit den Naturschutzbelangen entstehen.
Mit den Erlebnislaboren soll der Ruhrpark nachhaltige und innovative Elemente erhalten, die ihn ökologisch und zukunftsträchtig ausrichten sollen. Darüber hinaus sollen die einzelnen Erlebnislabore durch eine Erlebnisroute miteinander verknüpft werden. Diese Route soll auf digitaler und analoger Weise den Park und seine Geschichtsorte, sowie die zahlreichen Nachhaltigkeitsbeispiele erfahrbar machen. Dazu sollen an interessanten Stationen im Park, z. B. am Ruhrteich, am Jahngedenkstein oder am Bodendenkmal jeweils mit einem QR-Code versehene Stelen errichtet werden. An jeder Stelle können gleichzeitig mehrere Parkthemen aufgegriffen werden, so dass es sich um eine verhältnismäßig zurückhaltende Parkausstattung handeln wird, die multifunktional nutzbar sein wird und ein Identitätsmerkmal für den Ruhrpark werden kann.
Das Strukturkonzept soll zukünftig die Grundlage bilden, auf der sukzessive Einzelmaßnahmen aus dem Konzept heraus weiterentwickelt und qualifiziert werden können. Ziel soll es sein, den Ruhrpark mit möglichst vielen, über die passenden Förderprogramme geförderten, Maßnahmen zu revitalisieren und ihn im Anschluss der Bevölkerung und den Gästen der Internationalen Gartenausstellung 2027 zu präsentieren.
Kurzfassung
Dem Ruhrpark fehlte bisher eine Rahmenplanung, um daraus eine abgestimmte Maßnahmenplanung ableiten zu können, die sich dafür eignet, den Park und das Feuchtbiotop Halde Alstaden zu revitalisieren und einen Netzlückenschluss zum Ruhrtalradweg herzustellen. Daher wurde ein Landschaftsplanungsbüro mit der Entwicklung eines solchen Strukturkonzeptes beauftragt.
Im Rahmen der nächsten Projektphase sollen die identifizierten Themenschwerpunkte (Erlebnislabore) in gewohnter Weise partizipatorisch mit Nutzer*innen und Akteur*innen, die bisher schon im Park aktiv sind sowie in Kooperation mit Vertreter*innen aus der Politik weiterentwickelt werden. In dieser Phase soll das große Interesse der Alstadener Bevölkerung am Ruhrpark bezogen auf eine konkrete Umsetzung genutzt werden, um die einzelnen Schwerpunkte im Sinne der Bürger*innen zu qualifizieren.
Ziel wird es sein, den Ruhrpark mit möglichst vielen, über die passenden Förderprogramme umzusetzenden Maßnahmen zu revitalisieren und ihn anschließend als Bestandteil der Internationalen Gartenausstellung 2027 zu präsentieren.
Anlagen
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(wie Dokument)
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8,5 MB
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