Beschlussvorlage - B/17/1549-01

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Beratungsfolge

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Beschlussvorschlag

Beschlussvorschlag

 

Der Umweltausschuss stimmt dem Vorschlag der Verwaltung zur Bekämpfung des Eichenprozessionsspinners für das Jahr 2022 zu und bittet die Verwaltung, unverzüglich die Servicebetriebe Oberhausen mit der Vergabe der Leistungen zu beauftragen.

 

Im Rahmen des Gesamtbudgets von 810.000 EUR sind bei NKF-Auftrag 220013010190 / Grün- u. Kleingartenanlagen, Sachkonto 531501 / sonst. Aufwendungen für Zuschüsse SBO Servicebetriebe Oberhausen Haushaltsmittel in Höhe von 119.000 EUR (Brutto) zur Bekämpfung des Eichenprozessionsspinners vorgesehen.

 

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Konsequenzen

Bezug

 

Drucksache Nr. M/16/4278-01 - Eichenprozessionsspinner - Geplante Maßnahmen für 2019

Drucksache Nr. B/16/5135-01 - Eichenprozessionsspinner - Geplante Maßnahmen für 2020

Drucksache Nr. B/17/0018-01 - Eichenprozessionsspinner - Geplante Maßnahmen für 2021

 

Konsequenzen

 

Finanzielle 

 

ja [ x ]

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Sachverhalt

Begründung

 

Insbesondere im Zeitraum 2018 - 2020, aber auch im Jahr 2021 kam es in Oberhausen zu einem massenhaften Vorkommen des Eichenprozessionsspinners (EPS). Aufgrund der gesundheitsgefährdenden Beeinträchtigungen (Haut- und Atemwegsreizungen), die von den Brennhaaren der Raupen ausgehen, war es erforderlich, in 2018 für ca. 80.000 €, in 2019 für ca. 110.000 €, in 2020 für ca. 81.000 € und in 2021 für ca. 95.000 € Bekämpfungsmaßnahmen an betroffenen städtischen Bäumen vorzunehmen. Da zu erwarten ist, dass der Befall auch in diesem Jahr wieder sehr stark sein wird, sind für das Jahr 2022 erneut umfangreiche Bekämpfungsmaßnahmen durchzuführen.

 

Die für die vorgesehenen Maßnahmen zur Bekämpfung des Eichenprozessionsspinners anfallenden Kosten können noch nicht beziffert werden. Nach Beschlussfassung durch den Umweltausschuss werden die SBO Servicebetriebe Oberhausen die Leistungen ausschreiben, erst danach stehen die tatsächlichen Kosten fest. Die Verwaltung hat hierfür in den Anmeldungen für die Haushaltsplanung 2022 Ausgaben in Höhe von 119.000 Euro (Brutto) (inklusive Biozideinsatz, Absaugen der Nester, Schilder, Absperrmaterial) veranschlagt. Bei einem Biozidverzicht ist mit einer Verdopplung der Kosten zu rechnen.

Um die Gefahr eines Massenbefalls einzudämmen und gesundheitliche Beeinträchtigungen für die Bevölkerung deutlich zu reduzieren, wird seit 2018 der frühzeitige Einsatz eines Biozids vorgenommen. Der Umweltausschuss hat die erforderlichen Maßnahmen beschlossen (siehe M/16/4278-01 - Eichenprozessionsspinner - Geplante Maßnahmen für 2019, B/16/5135-01 - Eichenprozessionsspinner - Geplante Maßnahmen für 2020 sowie B/17/0018-01 - Eichenprozessionsspinner - Geplante Maßnahmen für 2021).

 

Das Biozid greift in die Entwicklung der Larven ein. Durch das Fressen der behandelten Blätter nehmen die Raupen das Biozid auf, es kommt zu einem Fraß- und Entwicklungsstopp, der die Entwicklung der Brennhaare verhindert und schlussendlich zum Tod der Raupe führt. Seit 2021 wird hierbei auf das Mittel Foray ES genutzt, das auf dem Bakterium Bazillus thuringiensis aufgebaut ist. Foray ES wirkt ausschließlich gegen freifressende Schmetterlingsraupen und wird mit der Nahrung aufgenommen. Es zerstört selektiv das Verdauungssystem, wodurch die Raupen nach wenigen Stunden bis einigen Tagen absterben. Bereits kurz nach der Aufnahme des Mittels stellen die Raupen ihre Nahrungsaufnahme ein.

 

 

Bisherige Bekämpfung des Eichenprozessionsspinners in 2020 und 2021

 

Im Frühjahr 2021 wurde nach einem Monitoring zur Feststellung des Befalls an den im Jahr 2020 befallenen Bäumen eine umfassende und frühzeitige prophylaktische Bekämpfung des EPS durchgeführt. Dabei wurden 1906 städtische Bäume, die sowohl in Grünanlagen als auch an Straßen stehen, mit dem Biozid Foray® ES besprüht. Dies führte dazu, dass nur noch an insgesamt 31 Bäumen Nester des EPS mechanisch abgesaugt werden mussten. Für das Absaugen entstanden Kosten von 107,10 Euro pro Baum, für das Besprühen mit dem Biozid Kosten von ca. 20,83 Euro pro Baum. Die Kosten für die direkten Bekämpfungsmaßnahmen belaufen sich somit auf rund 44.000 Euro.

 

Des Weiteren wurden im Frühjahr 2020 und 2021 punktuell verschiedene selektive Fallentypen im Stadtgebiet von Oberhausen aufgehängt, darunter 73 mechanische Raupenfallen zum Fang der Raupen und 24 Pheromon-Fallen zur Kontrolle und Eindämmung der Falterpopulationen.

 

Außerdem wurden in 2021 insgesamt 100 weitere Nisthilfen speziell für Meisen, zusätzlich zu den 40 Nisthilfen aus 2020, an mehreren Standorten im Stadtgebiet aufgehängt, um eine natürliche Prädation (Fraß der EPS-Raupen durch Vögel) zu fördern. Des Weiteren wurden insgesamt 20 Fledermauskästen auf dem Nordfriedhof und dem Westfriedhof aufgehängt.

 

Hierbei haben sich vor allem die mechanischen Fallen als wirksam erwiesen (54 von 70 Fallen belegt). Insgesamt 16 Fallen waren nicht belegt, drei Fallen wurden entwendet. Dies ergibt eine Erfolgsquote von 89 %. Die Pheromon-Fallen waren wiederum nur mäßig fängig (6 von 24 Fallen belegt).

Die Nisthilfen wurden gut durch Vögel angenommen. Im ersten Jahr waren bereits 17 von 40 Nistkästen belegt, in 2021 wurden die Nisthilfen insgesamt zu 84 % angenommen. Daten zum Besatz der Fledermauskästen liegen hingegen noch nicht vor.

 

Von den im Jahr 2021 besprühten Bäumen wiesen lediglich 10 nach der Behandlung trotzdem einen Befall auf, was einem Wirkungsgrad nahezu 100 (99,48 %) Prozent entspricht. Insofern fällt das Fazit des Biozideinsatzes im Jahr 2021 sehr positiv aus.

 

Strategie für die Bekämpfung des Eichenprozessionsspinners in 2022

 

Es ist damit zu rechnen, dass auch im Jahr 2022 und den darauffolgenden Jahren ein starker Befall des EPS auftreten wird, bspw. bedingt durch die Klimaerwärmung. Demnach sind weiterhin Maßnahmen zur Gefahrenabwehr und Abwendung von gesundheitlichen Beeinträchtigungen der Bevölkerung notwendig.

 

Generell ist der EPS mit seinen Auswirkungen eine Naturerscheinung und auch als solche einzuordnen. Der Landesbetrieb Wald und Holz bewertet den EPS als waldtypische Gefahr, für die keine besondere Bekämpfung vorgenommen wird. Der beste Schutz ist das weiträumige Fernbleiben von befallenen Eichen. Dies ist in hochfrequentierten Bereichen wie z. B. Straßenräumen, KITAs, Schulen etc. oftmals nicht möglich.

 

Die SBO schlägt in Abstimmung mit der Verwaltung daher folgendes Maßnahmenkonzept für 2022 vor:

 

-          Im Frühjahr 2022 sollen ca. 1900 städtische Eichen mit dem Mittel Foray ES behandelt werden. Dabei handelt es sich vorrangig um Straßenbäume sowie um Bäume an Spielplätzen, Schulen und KITAs. Anstelle des bis 2020 verwendeten Biozids Neem Protect, soll (und ist) seit 2021 aufgrund der selektiveren Wirkung das Mittel Foray® ES zum Einsatz kommen (Erläuterung siehe unten).

-          In Waldbereichen und Parkbereichen wird aufgrund der sensiblen Standorte für den Natur- und Artenschutz (Landschaftsschutzgebiete und Naturschutzgebiete) kein Biozideinsatz erfolgen.

-          Befallene Bäume an hoch frequentierten Wegen in Parkanlagen werden abgesperrt und die Nester abgesaugt.

-          Im Wald werden keine Maßnahmen durchgeführt.

-          Des Weiteren soll aufgrund der sehr guten Erfahrungen aus den Vorjahren das Aufhängen von mechanischen Raupenfallen, Meisen-Nisthilfen und Fledermaus-Nisthilfen fortgesetzt werden.

-          Zur effektiven Bearbeitung eingehender Meldungen über EPS-Vorkommen wird die in 2020 eingeführte zentrale Erfassung über die Service-Hotline 0208 825-7777 und die E-Mail-Adresse eps@oberhausen.de fortgesetzt.

-          Es muss damit gerechnet werden, dass es in der Zeit von Mai bis Juli zu vorübergehenden Sperrungen von Wegen in Parkanlagen kommen kann. An den Eingängen der Waldgebiete und Parkanlagen sollen bei bestätigtem EPS-Befall im Einflussbereich von Wegen Schilder mit dem Hinweis „Betreten auf eigene Gefahr“ aufgestellt werden.

 

Die SBO Servicebetriebe Oberhausen werden mit dem prophylaktischen Einsatz des Biozids, dem Entfernen von EPS-Nestern an befallenen Eichen sowie der Kontrolle der mechanischen Raupenfallen und der Säuberung und Kontrolle der Nisthilfen beauftragt. Die Ausführung erfolgt durch externe Fachfirmen.

 

Im Folgenden werden die Beweggründe näher erläutert, aufgrund derer die Verwaltung diese Bekämpfungsstrategie vorschlägt, und die konkreten Maßnahmen vorgestellt:

 

Aus Sicht des Natur- und Artenschutzes ist ein Biozideinsatz grundsätzlich als kritisch zu betrachten, da die Mittel zur Bekämpfung des EPS (Neem Protect, Foray ES) nicht nur Raupen des EPS schädigen, sondern auch andere Insektenarten. Das Biozid Foray ES weist dabei jedoch eine selektivere Wirkung als das bis zum Jahr 2020 eingesetzte Biozid Neem Protect auf, da es nur freifressende Schmetterlingsraupen (ausgenommen Familie Noctuidae (Eulenfalter)) schädigt und keine anderen Insektenarten. Somit ist auch nicht davon auszugehen, dass bei der Bekämpfung geschützte Tierarten getötet werden, was nach dem Bundesnaturschutzgesetz verboten ist (§ 44 Abs. 1 Nr. 1 BNatSchG). Vollständigkeitshalber sei jedoch erwähnt, dass ein solcher Verstoß aus Gründen des Gesundheitsschutzes ausnahmsweise zulässig wäre, da aus Sicht der Verwaltung keine zumutbare Alternative zur Biozidanwendung besteht.

 

Eine Alternative wäre grundsätzlich die rein mechanische Bekämpfung mittels Absaugen. Dies funktioniert jedoch nur, wenn nicht wie in Oberhausen ein mehrjähriger und starker Befall an zahlreichen hoch frequentierten Standorten im gesamten Stadtgebiet vorliegt. Bei sehr großen Vorkommen des Eichenprozessionsspinners kommt die mechanische Bekämpfung an die Grenzen ihrer Leistbarkeit, und eine zeitnahe Entnahme der gemeldeten bzw. gesichteten Nester kann nicht mehr sichergestellt werden. Eine rein mechanische Entnahme stellt daher auch für das Jahr 2022 keine zumutbare Alternative für das Oberhausener Stadtgebiet dar, sodass der erneute Einsatz eines Biozids vorgeschlagen wird.

 

Dabei wird, im Gegensatz zu den Vorjahren, seit 2021 erstmals das Biozid Foray ES eingesetzt. Das Mittel besitzt gegenüber dem zuvor eingesetzten Biozid Neem Protect eine selektivere Wirkung, da es nur freifressende Schmetterlingsraupen (ausgenommen Noctuidae) schädigt, nicht jedoch andere Insekten. Die Wirksamkeit der Produkte ist vergleichbar hoch. Die Stadt Duisburg bestätigte auf Nachfrage die hohe Wirksamkeit. In der Vergangenheit konnte das Mittel aufgrund fehlender oder ablaufender Genehmigung nicht benutzt werden. Eine langfristige Genehmigung bis November 2028 liegt nun jedoch vor.

 

Die Anwendung des Biozids findet nach dem Blattaustrieb der Eiche Mitte / Ende April und bis zum 3. Raupenstadium ca. Mitte / Ende Mai statt. Eine Wirkung ist auch bei fortgeschrittenen Larvenstadien noch gegeben, jedoch mit geringerer Effektivität. Bei der Ausbringung sind neben den Anwendungsbestimmungen auch die Witterungsbedingungen zu beachten. Gerade diese sind für den Erfolg der Maßnahmen entscheidend. Damit wird der Entwicklung von Brenn-, Gifthaaren entgegengewirkt. Bei dem Einsatz des Biozids sind auch alle rechtlichen Rahmenbedingungen (Natur-, Arten-, Landschafts-, Wasserschutzverordnungen) zu beachten.

 

Aufgrund der sehr guten Erfahrungen aus dem Jahr 2021 soll die Reinigung und Kontrolle der mechanischen Raupenfallen, der Meisen-Nisthilfen sowie Fledermaus-Nisthilfen weiter fortgesetzt werden.

 

In naturnahen Bereichen, in denen keine prophylaktische Biozidbehandlung vorgenommen wird, wurden 2021 zusätzlich insgesamt 50 mechanische Raupenfallen (z. B. Volkspark Sterkrade, Volksgarten Osterfeld) sowie 120 Nisthilfen Vögel bzw. Fledermäuse (z. B. Revierpark Vonderort, Stadtwald Osterfeld, Ruhrpark, Westfriedhof, Nordfriedhof, Forststraße/Hühnerheide) aufgehängt.

 

Zudem wurden 42 Nisthilfen entlang der mit Eichen bestandenen Gewässer (z. B. Tüsselbeck, Handbach, Reinersbach, Alsbach, Nassenkampgraben) durch die WBO angebracht. Die Kontrolle und Säuberung der Nistkästen wird erst vor dem beginnenden Frühjahr 2022 durchgeführt, sodass derzeit keine Daten über die Belegung der Kästen vorliegen.

 

Des Weiteren sollen die in den vergangenen Jahren optimierte Öffentlichkeitsarbeit und der Meldeverlauf von EPS-Nestern für die Oberhausener Bevölkerung aufrechterhalten werden. Hierzu zählen insbesondere die zu diesem Zweck installierte zentrale Rufnummer und E-Mail-Adresse.

 

Die Meldungen von EPS-Nestern an städtischen Eichen sind an die Service-Hotline (Tel.: 0208 825-7777) oder an die E-Mail-Adresse (eps@oberhausen.de) zu richten.

 

Im Frühjahr wird in Presseartikeln (Zeitung, soziale Netzwerke, Internetseite der Stadt Oberhausen etc.) über den EPS und das Vorgehen im Jahr 2022 informiert. Zusätzlich werden bei Befall Hinweisschilder an Wald- und Parkeingängen aufgestellt. Befallene Bäume und Wege in Parkanlagen werden im Bedarfsfall von Außendienstmitarbeitern mit einem Flatterband abgesperrt. Da in Parkanlagen nur an hoch frequentierten Wegen und Spielplätzen eine mechanische Bekämpfung des Eichenprozessionsspinners mittels Absaugen erfolgt, muss damit gerechnet werden, dass ggf. Veranstaltungen in den Parkanlagen aufgrund des EPS kurzfristig abgesagt oder in eine andere Parkanlage verschoben werden müssen. Es kann auch zu kurzzeitigen Sperrungen von Außenanlagen der Schulen oder KITAs kommen.

 

Kurzfassung

In Oberhausen kam es in den Jahren 2018 bis 2021 zu einem Massenvorkommen des Eichenprozessionsspinners. Im Jahr 2021 erschien der EPS-Befall in der Intensität nachzulassen. Die Raupen tragen ab einem gewissen Larvenstadium gesundheitsgefährdende Brennhaare, die zu Haut- und Atemwegsreizungen führen können. Der Stadtverwaltung entstandenen Kosten für die Bekämpfung des Eichenprozessionsspinners belaufen sich in 2018 auf ca. 80.000 Euro, in 2019 auf ca. 110.000 Euro, in 2020 ca. auf 81.000 Euro und in 2021 auf ca. auf 95.000 €.

Die Verwaltung plant 2022 einen erneuten Biozideinsatz an ca. 1900 städtischen Bäumen durchzuführen. 2022 wird zum zweiten Mal ein Mittel mit geringen negativen Auswirkungen auf Natur und Landschaft eingesetzt, dessen Wirksamkeit im Jahr 2021 deutlich wurde. Dabei handelt es sich vorrangig um Straßenbäume sowie um Bäume an Spielplätzen, Schulen und KITAs. In Waldbereichen und Parkbereichen wird aufgrund der sensiblen Standorte für den Natur- und Artenschutz (Landschaftsschutzgebiete und Naturschutzgebiete) kein Biozideinsatz erfolgen. Durch den Einsatz des Biozids an hoch frequentierten Standorten soll die Gesundheitsgefährdung für die Oberhausener Bevölkerung deutlich reduziert werden.

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