Berichtsvorlage - M/17/1318-01

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Beratungsfolge

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Sachverhalt

Sachdarstellung

 

Zur Gesundheitsförderung von alleinerziehenden Personen und ihren Kindern hat sich der Bereich Gesundheit erfolgreich beim Kommunalen Förderprogramm des GKV-Bündnisses für Gesundheit für eine 4-jährige Projektförderung (Beginn: 01.08.2021, Ende: 31.07.2025) beworben. Die Umsetzung erfolgt durch die RUHRWERKSTATT Kultur-Arbeit im Revier e.V., die im Kontext ihres Engagements im Fördergebiet Sozialer Zusammenhalt Brückenschlag bereits in den Phasen der Konzeptionierung und Antragsstellung in das Projekt eingebunden war. Das Projekt „Gemeinsam Gesund“ stellt einen weiteren Baustein der Gesundheitsförderung in Oberhausen dar und ergänzt das Projekt des GKV Bündnisses zum Auf- und Ausbau gesundheitsförderlicher Steuerungsstrukturen (siehe Ratsvorlage B/16/5282-01 vom 16.12.2020 und Sachdarstellung in der Sozialausschusssitzung am 09.06.2021). Hier wird mit einer zusätzlichen Personalstelle im Bereich Gesundheit (Dienstaufnahme am 01.09.2020) die gesundheitlichen Belange der Bürger*innen in den einzelnen Sozialräumen in den Blick genommen. Dabei gilt es, den Kontakt zu den lokalen Akteur*innen und den dazugehörigen Netzwerken, Arbeitskreisen, Arbeitsstrukturen in den einzelnen Stadtteilen zu schaffen und auch die städtischen Strukturen und Akteure (Planer*innen, Quartiersmanager*innen, Stadtplaner*innen, Wohlfahrtsverbände und Träger) einzubinden. Parallel dazu erfolgt derzeit die Vorbereitung einer Befragung der Bürger*innen zu gesundheitlichen Bedarfen.

 

Bei der Betrachtung der Daten der Innenstadt Oberhausens wurde festgestellt, dass der Anteil von alleinerziehenden Personen in diesem Teil Oberhausens besonders hoch ist. Die Vorstellung der Datenlage und Diskussion der fachspezifischen Perspektiven ermöglichte einen differenzierten Einblick in den aktuellen Stand und die Perspektiven der Prävention und Gesundheitsförderung von Alleinerziehenden.

 

Die Ergebnisse empfehlen deutlich die Unterstützung der vulnerablen Gruppe der Alleinerziehenden und den Auf-/Ausbau gesundheitsförderlicher Strukturen sowie die Notwendigkeit der Stärkung der Gesundheitskompetenz der Zielgruppe:

  • Daten aus den Jahren 2017/2018 zeigen, dass im Schnitt in Oberhausen Innenstadt mehr als jeder dritte Haushalt mit Kindern (34,6 %) von einem alleinerziehenden Elternteil geführt wird. Der Anteil liegt in Oberhausen insgesamt bei 25,6 %[1]
  • Einwohner Oberhausen Innenstadt: 14.243 (auf einer Fläche von 1.191 km²)
    Innenstadt ist das Sozialquartier mit der höchsten Einwohnerdichte
  • Typisches Ankunftsgebiet Anteil Einwohner*innen mit Migrationshintergrund: 53,9 %
  • Viele Menschen leben in Armutsverhältnissen SGB II Quote: 37,6 %
    Die untenstehende Abbildung zeigt die Daten mit den Durchschnittswerten aus den Jahren 2017/2018 im Vergleich zu dem Durchschnitt der Stadt Oberhausen. Es ist zu erkennen, dass das Sozialquartier Innenstadt über dem Durchschnitt der Stadt Oberhausen liegt.[2]


 

Der GKV-Spitzenverband hat 2017 eine Literatur- und Datenbankrecherche zu Gesundheitsförderungs- und Präventionsansätzen bei Alleinerziehenden durchgeführt.
In der Auswertung wird Folgendes zusammengefasst:

 

  • „Sowohl die im Rahmen dieser Recherche identifizierten Studien als auch die allgemeine Studienlage zu Alleinerziehenden (z. B. BMFSFJ, 2012b; Robert Koch-Institut, 2015; Sperlich et al., 2011) zeigt, dass der Status ‚Alleinerziehend‘ negativ mit körperlicher und psychischer Gesundheit und empfundenen Wohlbefinden korreliert. Wenig Evidenz liegt jedoch vor zu den konkreten Wirkungsmechanismen.“[3]

„Die im Rahmen dieser Recherche identifizierten Studien verweisen darauf, dass Alleinerziehende als eine wesentlich von Familienarmut betroffene, vulnerable Gruppe in Public Health und Präventionsforschung grundsätzlich identifiziert sind. Die insgesamt geringe Anzahl wiederum ist ein Indikator dafür, dass die konkreten Lebenslagen Alleinerziehender und ihre jeweiligen Auswirkungen auf die Gesundheit der alleinerziehenden Eltern (sowie der Kinder) bislang noch wenig erforscht sind, es mangelt dem Forschungsfeld insofern an Tiefe und Ausdifferenzierung. […]
Ein wichtiger Partner in bereits entwickelten Maßnahmen sind die Jobcenter sowie die Agenturen für Arbeit, einerseits hinsichtlich des Zugangs zu Alleinerziehenden, andererseits auch in Verknüpfung mit dem Ziel beruflicher (Re-)Integration. Auch an sie können Querschnittanforderungen in o.a. Sinne vermittelt werden. Einschränkend muss jedoch darauf verwiesen werden, dass Arbeitsaufnahme (Teilzeit/Vollzeit) eine prinzipielle, aber nicht universelle Möglichkeit der Gesundheitsförderung darstellt, und dass Jobcenter bzw. Agenturen keine Lebenswelten darstellen. […]
Als zentraler Akteur einer Gesundheitsförderung bei Alleinerziehenden konnten Familienzentren nach SGB VIII, § 16 und Mutter- (oder Vater-)Kind-Wohneinrichtungen nach SGB VIII, § 19 i.V.m. § 45 identifiziert werden.“ [4]

Als Bedarf wurde weiterhin identifiziert: „[...] ein Ansprechpartner mit Bündelung aller relevanten Angebote[…]“[5]
 

Der Bericht des GKV Spitzenverbandes beleuchtet zudem auch die gesundheitliche Situation von Kindern alleinerziehender Eltern. Dabei wird Bezug genommen zu einer Studie von Rattay et al. (2014, 2015), die die Daten aus der Kinder- und Jugendgesundheitsstudie (KiGGS) nach verschiedenen Familienformen, u. a. für Kinder von Alleinerziehenden, auswerteten.[6]

Es wurden folgende Ergebnisse festgehalten: [7]

 

Jugendliche aus Einelternfamilien zeigen häufiger Verhaltensprobleme als Heranwachsende aus Kernfamilien.

Kinder und Jugendliche aus Einelternfamilien sind häufiger chronisch krank als Gleichaltrige, die mit beiden leiblichen Elternteilen zusammenleben.

 

Auch der Bundesgesundheitsbericht des Robert Koch-Instituts aus dem Jahr 2015 beschreibt eine psychische Beeinträchtigungen und zum Teil auch eine schlechtere körperliche Gesundheit von Kindern und Jugendlichen aus Einelternfamilien[8].

 

 

Aktuelle Situation:

Das Projekt „Gemeinsam Gesund“ ermöglicht in den nächsten vier Jahren die Umsetzung von zielgruppenspezifischen Interventionen zur Gesundheitsförderung und Prävention nach dem Lebensweltansatz.

Als Vorbereitung und um einen möglichst weiten Blick auf die ausgewählte Zielgruppe der Alleinerziehenden gewinnen zu können, wurden verschiedene Ansprechpartner*innen der Stadtverwaltung interviewt (Bereiche: Schule, Chancengleichheit, Sozialplanung, Erzieherische Hilfen, Psychologische Beratungsstelle, Kommunales Integrationszentrum, Jobcenter, Bundesagentur für Arbeit).

 

Die Expert*innen Interviews haben unter anderem hervorgehoben, dass die größten Herausforderungen für Alleinerziehende die alleinige Verantwortung, finanzielle Einbußen und die Veränderung der sozialen Situation sind. Ebenso der (Zeit-)Stress, der eine Schaffung von zeitlichen Ressourcen für eigene Bedürfnisse (z. B. ein Ausgleich zur Entspannung) erschwert. Insbesondere Alleinerziehende sind daher auf eine verlässliche, dauerhafte, flexible und bedarfsgerechte Kinderbetreuung angewiesen.

 

Gesundheitliche Probleme sind sicherlich immer individuell, jedoch äußerten die Interviewpartner*innen wiederholt, dass sie bei der Zielgruppe überwiegend psychische Probleme, aufgrund von verschiedenen Belastungssituationen, sehen. Mögliche gesundheitsförderliche Maßnahmen wurden daher überwiegend im Bereich der psychosozialen Ressourcenstärkung gesehen, aber auch die Themen Sport und Ernährung wurden angesprochen.

 

Bei der Identifikation bestehender Angebote für Alleinerziehende wurden Überlegungen geäußert, wie man diese Angebote nutzen, verbessern oder neu ausrichten könnte. Zudem wurde thematisiert, wie gut diese angenommen werden. Aus den genannten Hürden bei der Annahme von Angeboten, werden Rückschlüsse gezogen sowie versucht diese im Laufe des Projekts zu überwinden. Es wurde z. B. die Möglichkeit angesprochen, Angebote in Settings (wie Familienzentrum, Schulen, Vereine) zu platzieren, um einen niedrigschwelligen Zugang zu ermöglichen. Des Öfteren ist zudem die Vernetzung der Zielgruppe untereinander thematisiert und die Bedeutung der Nachhaltigkeit von Maßnahmen angesprochen worden. Beides sind grundlegende Ziele des Projekts. Um die aktuellen Interessen der Zielgruppe in Bezug auf Gesundheit ermitteln zu können, ist ein kontinuierlicher Austausch mit der Zielgruppe sowie eine Befragung im Laufe des Projekts geplant.

 

 

Auch die Bürger*innen Befragung von 2020 stützt die bisherigen Einschätzungen der Expert*innen und liefert zudem zusätzliche Erkenntnisse zu den Bedarfen von Alleinerziehenden (Quelle: Stadt Oberhausen, Bürgerbefragung 2020, Darstellung und Berechnung Bereich 4-5/Statistik, gewichtete Ergebnisse)

 

 

 

Weitere Schritte:

 

Das Projekt wird im Quartier Oberhausen Innenstadt verortet, da zum einen der kommunale Strukturaufbau im Sozialraum der Innenstadt beginnt und zum anderen die Bedarfsanalyse ergeben hat, dass hier der größte Anteil der Alleinerziehenden mit Unterstützungsbedarf anzutreffen ist. Durch den Kooperationspartner die RUHRWERKSTATT e.V., welcher bereits in vorhandene Netzwerke und Strukturen eingebunden ist, werden bei der Umsetzung aktive Partner*innen koordiniert mit einbezogen und in eine integrierte Gesamtstrategie der Kommune eingebunden. Für eine zielgerichtete Steuerung ist ein Steuerungsgremium konstituiert worden. In diesem Gremium werden neben der Kommune und der Kooperationspartnerin zukünftig auch Sprecher aus der Lebenswelt und maßnahmenbegleitende Akteure vertreten sein.

 

Die Gestaltung des Projekts soll, durch seine Konzeption und Maßnahmen, einen Beitrag zur Stärkung gesundheitsfördernder Strukturen, der gesundheitlichen Chancengleichheit, der Verhinderung und Verminderung von Krankheitsrisiken sowie der Förderung von gesundheitsorientiertem Handeln leisten. Zudem werden bei der Umsetzung durch die koordinierten Aktivitäten der unterschiedlichen Akteur*innen und Verantwortlichen (z.B. Kindertageseinrichtungen, Bereich Gesundheit, Stadtteilbüro, freie Bildungsträger, externe Fachkräfte, etc.) in den entsprechenden Lebenswelten Synergieeffekte generiert.

 

Die Umsetzung der Maßnahmen wird durch die Projektleitung Frau Heckmann (RUHRWERKSTATT e.V.) koordiniert. Folgende Maßnahmen werden für die Zielgruppe im Rahmen des Projekts zukünftig umgesetzt:

 

-          Niedrigschwellige und wohnortnahe Workshops zu verschiedenen Themen

-          Förderung der Resilienz

-          Entwicklung integrierter Strategien zur familiären Gesundheitsförderung

-          Aktivieren und Schulen von Akteur*innen (Multiplikator*innen schaffen)

-          Angebote zur Bewegungsförderung

-          Eltern-Trainings zur Reduzierung bzw. Prävention von Stress

-          Programme und Unterstützungsangebote zur Alltagsbewältigung

-          Förderung der Kooperation verschiedener Akteur*innen / Institutionen vor Ort

-          Verankerung eines nachhaltigen Netzwerkes

-          Dokumentation und Evaluation

 

Das Projekt zur Prävention und Gesundheitsförderung ist als Prozess zu verstehen und als solcher wird ständig eine Bedarfsermittlung durchgeführt. Es soll dadurch sichergestellt werden, dass Risiken und Potentiale frühzeitig erkannt werden. Die Einzelmaßnahmen werden daher im Laufe des Prozesses stetig weiterentwickelt und immer wieder der Zielbestimmung angepasst. Ferner werden quartalsweise sowie im Anschluss an verschiedene Maßnahmen Gespräche im Steuerungsgremium stattfinden. Unter Einbeziehung von Evaluationsergebnissen aus Befragungen der Zielgruppe werden Analysen durchgeführt und Bewertungen der Maßnahmen erfolgen. Darauf aufbauend werden weitere Maßnahmen erarbeitet und umgesetzt bzw. erfolgreiche Maßnahmen verstetigt / weitergeführt. Für das gesamte Projekt wird eine regelmäßige Dokumentation und Evaluation anhand verschiedener wissenschaftlicher Methoden durchgeführt, um auch den Aspekt der Nachhaltigkeit und Verstetigung zu berücksichtigen. Ferner ist geplant, zu prüfen, ob die Ausweitung auf andere Sozialräume möglich ist.


Bis zum Ende des Jahres 2021 werden nun die Netzwerkpartner*innen im Innenstadtbereich kontaktiert, die aktive Zusammenarbeit geplant und Konzeptbausteine zu den Themen der Resilienzförderung, der Bewegung und der gesunden Ernährung erstellt. Auch findet eine Akquise von qualifizierten Honorarkräften zu diesen Themen statt. Ein weiterer Schwerpunkt ist die strategische Planung und Gestaltung der Öffentlichkeitsarbeit.

 

Die Umsetzung erster Maßnahmen ist für das 1. Jahresdrittel 2022 geplant.

 

Über die Ergebnisse und weiteren Vorgehensweisen wird regelmäßig informiert werden.

 

 


[1] Stadt Oberhausen (Hrsg.): Sozialbericht 2020. S. 91

[2] Stadt Oberhausen (Hrsg.): Sozialbericht 2020. S. 91

[3] GKV Spitzenverband (Hrsg.): Literatur- und Datenbankrecherche zu Gesundheitsförderungs- und Präventionsansätzen bei Alleinerziehenden und Auswertung der vorliegenden Evidenz. 2017. S. 66

[4] GKV Spitzenverband (Hrsg.): Literatur- und Datenbankrecherche zu Gesundheitsförderungs- und Präventionsansätzen bei Alleinerziehenden und Auswertung der vorliegenden Evidenz. 2017. S. 69 - 70

[5] GKV Spitzenverband (Hrsg.): Literatur- und Datenbankrecherche zu Gesundheitsförderungs- und Präventionsansätzen bei Alleinerziehenden und Auswertung der vorliegenden Evidenz. 2017. S. 23

 

[6] GKV Spitzenverband (Hrsg.): Literatur- und Datenbankrecherche zu Gesundheitsförderungs- und Präventionsansätzen bei Alleinerziehenden und Auswertung der vorliegenden Evidenz. 2017. S. 22

[7] GKV Spitzenverband (Hrsg.): Literatur- und Datenbankrecherche zu Gesundheitsförderungs- und Präventionsansätzen bei Alleinerziehenden und Auswertung der vorliegenden Evidenz. 2017. S. 22

[8] GKV Spitzenverband (Hrsg.): Literatur- und Datenbankrecherche zu Gesundheitsförderungs- und Präventionsansätzen bei Alleinerziehenden und Auswertung der vorliegenden Evidenz. 2017. S. 23

 

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