Berichtsvorlage - M/17/1303-01

Reduzieren

Beratungsfolge

Reduzieren

Sachverhalt

Bezug

 

Vorlagen B/15/1839-01, M/16/2008-01, M/16/2834-01, M/16/4168-01, M/16/5039-01, M/17/0047-01

 

Sachdarstellung

 

A.    Grundsätze der Waldpflege

 

In Oberhausen werden ca. 1.000 ha Wald forstlich gepflegt und bewirtschaftet. Die Stadt Oberhausen ist der größte Waldbesitzer mit 466 ha. Herr Jürgen Halm von den Servicebetrieben Oberhausen (SBO) pflegt und bewirtschaftet den städtischen Waldbesitz. Weitere Waldbesitzer sind das Land NRW (Hiesfelder Wald, ca. 411 ha), der Regionalverband Ruhr (RVR, Grafenbusch, Klosterhardt) sowie kleinflächige Privatbesitzer.

 

Die städtischen Wälder werden im Rahmen der sogenannten Forsteinrichtung (Betriebsplanung) bewirtschaftet. Die Forsteinrichtung wird im Auftrag des Landesbetriebes Wald und Holz, Regionalforstamt Ruhrgebiet, erarbeitet. Sie legt für circa zehn Jahre die Grundzüge der Maßnahmen für die ordnungsgemäße Bewirtschaftung und Pflege des Waldes fest. Die diesjährigen Maßnahmen basieren auf der Forsteinrichtung aus dem Jahr 2012, der der Umweltausschuss am 08.03.2012 zugestimmt (Vorlage B/15/1839-01) hat. Die SBO legt alljährlich, als laufendes Geschäft der Verwaltung, basierend auf der Forsteinrichtung, die Maßnahmen des Holzeinschlages in Abstimmung mit der Unteren Naturschutzbehörde sowie dem Regionalforstamt Ruhrgebiet in Gelsenkirchen fest. Bei der Auswahl und Durchführung der Durchforstungen werden seit jeher die Belange der Ökologie und die Interessen der naturnahen Erholungsnutzung und Waldbewirtschaftung berücksichtigt.

 

Grundsätzlich haben die systematischen Durchforstungen unserer Waldbestände zahlreiche Vorteile. Durchforstungsmaßnahmen fördern einen stabilen, gut wüchsigen Waldbestand und die Entwicklung von stärkeren, gesünderen und ökologisch wertvolleren Bäumen. Die Artenvielfalt profitiert von den Durchforstungen durch eine Erhöhung der Strukturvielfalt aufgrund der wesentlich besseren Entwicklung der Strauch- und Krautschicht. Durchforstungen erhöhen darüber hinaus die Verkehrssicherheit und verbessern die Eignung von Waldgebieten für die intensive Erholungsnutzung. Die Nutzung des nachwachsenden Holzes aus nachhaltiger Forstwirtschaft ist nahezu CO2-neutral.

Unser vorrangiges Ziel ist es, einen vitalen strukturreichen und möglichst stabilen Waldbestand zu erhalten. Da unsere Wälder zunehmend zahlreichen Belastungen durch den Klimawandel ausgesetzt sind, ist die regelmäßige forstliche Waldpflege eine wichtige und unabdingbare Maßnahme zur Stabilisierung des Einzelbaumes und damit auch des gesamten Ökosystems.

 

Im Forstwirtschaftsjahr 2021/22 soll eine reduzierte Holzernte durchgeführt werden. Der Holzeinschlag wird sich ca. zu 50 % auf die Entnahme von geschädigten und abgestorbenen Bäumen konzentrieren, die aus Gründen der Verkehrssicherheit und des Forstschutzes gefällt werden müssen. Die anderen 50 % sollen aus normaler Waldpflege bzw. Durchforstungstätigkeiten bereitgestellt werden.

 

B.    Aktuelle Situation im Stadtwald Oberhausen

 

Die Schäden der trockenen Sommer von 2018 bis 2020 sind im Stadtwald Oberhausen weiterhin deutlich sichtbar, betroffen sind vorwiegend Altbuchenbestände. Diese Schäden äußern sich in Form von mangelnder Vitalität, Abgängigkeit und dem kompletten Absterben einzelner Bäume. Der diesjährige feuchtere Sommer konnte wahrscheinlich weitere Schädigungen am Baumbestand verhindern, führte jedoch nicht zu einer Besserung des Allgemeinzustandes der Wälder.

 

Die Gründe für die schlechte Vitalität des Baumbestandes sind sehr wahrscheinlich die Niederschlagsdefizite in Verbindung mit aus den hohen Temperaturen resultierenden Verdunstungsraten des letzten Jahrzehntes, wodurch erhebliche Wasserdefizite entstanden sind, die sich besonders auf den Zustand der Oberkronen der Bäume auswirken. Verschärfend auf die Vitalitätsverluste dürfte sich auch die Abfolge mehrerer aufeinander folgender Mastjahre ausgewirkt haben, da mit der Fruchtbildung ein erhöhter Wasser- und Nährstoffbedarf einhergeht

 

Diese multiplen Belastungen führten zu Rindennekrosen in den Baumkronen mit einer rasch verlaufenden Moderfäule des Holzes durch den Pilz „Pfennig-Kohlenkruste“, dem die geschwächten Buchen keine Abwehrmaßnahmen entgegensetzen konnten.

 

Als Sekundärschädling wurden der „Kleine Buchenborkenkäfer“ sowie der „Buchenprachtkäfer“ festgestellt, wodurch auch vom Pilz verschonte Rindenareale erheblich geschädigt wurden. Die Folge ist eine schnelle Holzzersetzung, die zeitnahe Maßnahmen zur Wiederherstellung der Verkehrssicherheit erfordern.

 

So mussten wegen akuter Beeinträchtigung der Verkehrssicherheit in einem Altbuchenbestand in Osterfeld absterbende Buchen aufgrund der erheblichen Bruchgefahr, wie bereits im letzten Jahr, selektiv entnommen oder Kronenteile reduziert werden. Die Arbeiten mussten wegen der Dringlichkeit in der Vegetationszeit umgesetzt werden.

 

Im Sterkrader Wald entlang des Handbaches sowie im Bereich der ehemaligen Baumschule ist ebenfalls ein vergleichbarer Buchenbestand betroffen, der ähnliche Symptome aufweist. Hier wurden kürzlich acht Altbuchen gefällt, an weiteren vierzehn Exemplaren musste Totholz zur Wiederherstellung der Verkehrssicherheit entnommen werden.

 

Mittelfristig werden sehr wahrscheinlich weitere Bäume absterben und somit auch gefällt werden müssen. Eine Besserung des Zustandes ist hier kaum in Aussicht. Die Altbuchenbestände in Osterfeld südlich der Bottroper Straße bereiten ebenfalls Grund zur Sorge, insbesondere im Hinblick auf den geplanten Ausbau des Revierparks durch die FMR mbH. Bei gesteigerter Attraktivität des Freizeitangebotes wird hier, u.a. durch die Anlage eines Naturerlebnispfades, ein zusätzlicher Besucherverkehr eröffnet, der die Gewährleistung der Verkehrssicherheit bezüglich des Baumbestandes vor große Probleme stellen wird.  Diese kann nur durch einen erheblich höheren Aufwand für Kontrolle und Baumpflege sichergestellt werden.

 

An dieser Stelle ist zu erwähnen, dass die FMR mbH laut der Vereinbarung über die „Unterhaltungs- und Verkehrssicherungspflicht auf den Wegen innerhalb des Revierparks Vonderort“ zwischen der Stadt Oberhausen und der Revierpark Vonderort GmbH aus dem Jahre 2002 für die Gewährleistung der Verkehrssicherheit auf den Wegen selbst verantwortlich ist.

 

 

 

C.    Forstliche Maßnahmen für das Forstwirtschaftsjahr 2021/22

 

Auch in anderen Bereichen des Stadtwaldes wurden einzelne absterbende Starkbuchen entdeckt, die ebenfalls gefällt werden mussten. Vergleichbare Symptome lassen sich in den vergangenen Jahren vermehrt in Rotbuchenbeständen feststellen, die sich in der Altersphase befinden. Zu nennen wären hier verschiedene Krankheitsbilder wie das Eintrocknen von Oberkronen bzw. Teilkronen, Buchenrindenbrand, Sonnenbrandnekrosen, Pilzerkrankungen und ein verstärktes Auftreten von schwarzen Stammflecken, sogenannten Exsudatstellen. Diese Symptome können alle der Buchenkomplexerkrankung zugeordnet werden.

 

Andere Baumarten wie Birke und Ahorn mussten aufgrund von Trockenschäden vermehrt entnommen werden, wobei meist jüngere Altersklassen betroffen waren.

Auf der Knappenhalde bleibt das Problem mit den erschwerten Standortbedingungen und den Ausfällen von Ulmen, Robinien und Ahornen bestehen. Hier müssen immer wieder abgestorbene Bäume entnommen werden, um die Verkehrssicherheit wiederherzustellen.

 

 

D.    Forstliche Planung für das Forstwirtschaftsjahr 2021/22

 

Der Holzmarkt hat sich landesweit etwas erholt, die Nachfrage nach Laubholz ist wieder vorhanden. Die Verfügbarkeit der Forstunternehmer und die Transportkapazitäten von Rohholz bleiben weiterhin eingeschränkt, jedoch soll im Forstwirtschaftsjahr 2021/22 eine reduzierte Durchforstungstätigkeit stattfinden.

 

Die Durchforstungen sind vorwiegend im Waldgebiet Hühnerheide und nur vereinzelt im Sterkrader Wald geplant.

 

Aufgrund des geplanten Ausbau des Autobahnkreuzes sollen im Sterkrader Wald nur zwei Bestände durchforstet werden. Diese befinden sich so weit vom Kreuz entfernt, dass keine Irritationen oder Verwechselungen über eine mögliche Vorbereitung für den Ausbau des Autobahnkreuzes bei den Waldbesuchern aufkommen sollten.

 

Die Hauptaufgabe der forstwirtschaftlichen Tätigkeiten wird sich jedoch wie im letzten Jahr auf die Entnahme von geschädigten und abgestorbenen Bäumen konzentrieren, die aus Gründen der Verkehrssicherheit und des Forstschutzes gefällt werden müssen.

 

Der Einschlag von gesundem Holz soll daher auf 800 Festmeter (FM) statt der von der Forsteinrichtung vorgesehenen 1.450 FM reduziert werden. Von diesen 800 FM sind allein schon 300 FM für die Entnahme von geschädigten und abgestorbenen Bäumen eingeplant.

 

Im Rahmen der Gefahrenbaumfällungen werden oft sehr starke Altbäume gefällt. In den durch diese Fällungen entstandenen Bestandslücken können Nachpflanzungen mit einheimischen Laubhölzern vorgenommen werden, die eine neue Waldgeneration einleiten und die Dauerbestockung der Waldfläche sichern.

 

Die Maßnahmen werden ausschließlich in der vegetationslosen Zeit von Oktober bis März, vorzugsweise bei trockener Witterung zur Vermeidung von Boden- und Wegeschäden durchgeführt.

 

Um die Maßnahmen den Bürgerinnen und Bürgern beispielhaft zu erläutern, bietet die Verwaltung wie in den letzten Jahren exemplarisch eine Ortsbegehung an.

 

Die geplanten Maßnahmen werden der interessierten Bevölkerung exemplarisch im Rahmen eines Ortstermins am 8.12.2021 in der Hühnerheide erläutert. Die Ortsbegehung beginnt um 15 Uhr. Treffpunkt ist die Straßenkreuzung Forststraße/Rabenstraße in Höhe der Deponie Hühnerheide.

Insgesamt dienen alle Pflege- und Fällmaßnahmen im Stadtwald dazu, die vorhandenen Wälder allmählich so zu verjüngen, dass eine Dauerbestockung gewährleistet ist. Ein Verzicht auf regelmäßige Durchforstungen führt langfristig zu einer Vergreisung und letztendlich zum plötzlichen Zusammenbruch ganzer Wälder, sodass die Erholungsfunktion dann für längere Zeit erheblich eingeschränkt wäre, ohne dass der ökologische Zustand verbessert würde.

 

Kurzfassung

 

Im Forstwirtschaftsjahr 2021/22 soll eine reduzierte Holzernte durchgeführt werden. Der Holzeinschlag wird sich ca. zu 50 % auf die Entnahme von geschädigten und abgestorbenen Bäumen konzentrieren, die aus Gründen der Verkehrssicherheit und des Forstschutzes gefällt werden müssen. Die anderen 50 % sollen aus normaler Waldpflege bzw. Durchforstungstätigkeiten bereitgestellt werden.

Die geplanten Maßnahmen werden der interessierten Bevölkerung exemplarisch im Rahmen eines Ortstermins am 14.12.2021 in der Hühnerheide erläutert. Die Ortsbegehung beginnt um 15:30 Uhr. Treffpunkt ist die Straßenkreuzung Forststraße/Rabenstraße in Höhe der Deponie Hühnerheide.

Reduzieren

Anlagen

Loading...