Berichtsvorlage - M/17/0664-01
Grunddaten
- Betreff:
-
Bericht über Angebote zur Integration von Migrantinnen und Migranten im Arbeitsjahr 2020/2021 im Bert-Brecht-Bildungszentrum und Ausblick auf das Arbeitsjahr 2021/2022.
- Status:
- öffentlich
- Vorlageart:
- Berichtsvorlage
- Federführung:
- Bert-Brecht-Bildungszentrum
- Bearbeitung:
- Sabine Tißen
- Verantwortung:
- Dez 1 Herr Tsalastras
Beratungsfolge
| Status | Datum | Gremium | Beschluss | NA |
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Erledigt
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Kulturausschuss
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Kenntnisnahme
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08.06.2021
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Erledigt
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Integrationsrat
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Kenntnisnahme
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24.08.2021
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Sachverhalt
Begründung / Sachdarstellung
Die Kontaktbeschränkungen haben viele Nachteile für die Bildung und Begegnung von Menschen mit mehr als einem kulturellen Hintergrund und Sprachlernenden. Zum Sprachlernen gehört das „Sprachbad“, also der lebendige Austausch mit vielen Menschen in der deutschen Sprache. Dazu gehört auch das Üben in verschiedenen Zusammenhängen, Arbeit, Supermarkt, Kultur, Sprachkurs. Kommunikation und Sprachunterricht finden zurzeit fast ausschließlich in digitalen Formaten statt. Das ersetzt nicht die Sprachpraxis und ist nicht so lebendig wie eine echte Zusammenkunft. Für die politische Bildung fehlen die Diskussionen und die Begegnungen vor und nach den Veranstaltungen. Das Bert Brecht Bildungszentrum ist ein Haus der Begegnung und zurzeit geschlossen. Vielen Menschen fehlt der soziale Faktor, im Haus nicht nur den Kurs zu besuchen, sondern vieles mit anderen gemeinsam zu erleben und zu sprechen. Besonders für Menschen, die Bildung benötigen, ist diese Zeit ein großer Nachteil. Es ist noch nicht abzusehen, welche Lernrückstände tatsächlich entstehen, auch wenn vieles online läuft.
Deutsch als Zweitsprache – Deutsch als Fremdsprache
Jeder vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) finanzierte Integrationskurs besteht aus einem modular aufgebauten Sprachkurs und einem Orientierungskurs mit je 100 Unterrichtseinheiten pro Modul.
Das Arbeitsjahr 2020/2021 war besonders durch die Corona-Pandemie geprägt, sodass die Integrationskurse von Mitte März 2020 bis Juli/August 2020 und erneut seit dem 16. Dezember 2020 unterbrochen werden mussten.
Ein Alphabetisierungskurs und sieben allgemeine Integrationskurse konnten im Arbeitsjahr 2019/2020 zur Prüfung Deutschtest für Zuwanderer geführt werden. Den Orientierungskurs konnten sechs allgemeine Integrationskurse mit dem Test „Leben in Deutschland (LiD)“ beenden.
Die Sprachenberatung ist in der Pandemie nur mit Termin möglich. Es gibt derzeit keine festen Wochentage oder Tageszeiten. Interessent*innen können telefonisch oder per E-Mail Termine mit den VHS-Mitarbeiter*innen vereinbaren, sodass zumindest eine gewisse Flexibilität herrscht, da Corona das Leben der Interessent*innen schon sehr einschränkt.
Folgende Integrationskurstypen werden an der VHS Oberhausen angeboten:
Integrationskurse mit Alphabetisierung
Die Teilnehmer*innen haben Anspruch auf insg. 900 Unterrichtseinheiten Deutsch und 100 Unterrichtseinheiten Orientierungskurs. Nach 900 Unterrichtseinheiten Deutsch besteht die Möglichkeit nach pädagogischer Abwägung, 300 zusätzliche Unterrichtseinheiten Deutsch ohne Ablegen des Deutschtests für Zuwanderer zu beantragen. Diese Integrationskurse finden immer in Teilzeit, d.h. 15 Unterrichtseinheiten pro Woche, statt.
Allgemeine Integrationskurse in Vollzeit
Die Teilnehmer*innen lernen pro Woche mindestens 20 Unterrichtseinheiten bei der VHS und haben Anspruch auf 600 Unterrichtseinheiten Deutsch und 100 Unterrichtseinheiten Orientierungskurs. Bei Nichtbestehen von B1 nach Ablegen des Deutschtests für Zuwanderer besteht die Möglichkeit 300 zusätzliche Unterrichtseinheiten Deutsch zu beantragen.
Allgemeine Integrationskurse in Teilzeit am Vormittag / in Teilzeit am Abend für Berufstätige
Die Teilnehmer*innen lernen pro Woche 15 Unterrichtseinheiten bei der VHS und haben Anspruch auf 600 Unterrichtseinheiten Deutsch und 100 Unterrichtseinheiten Orientierungskurs. Bei Nichtbestehen von B1 nach Ablegen des Deutschtests für Zuwanderer besteht die Möglichkeit 300 zusätzliche Unterrichtseinheiten Deutsch zu beantragen.
Orientierungskurse
Alle Teilnehmer*innen der Integrationskurse müssen einen Orientierungskurs, der über deutsche Geschichte, Kultur und Rechtsordnung informiert, mit 100 Unterrichtsstunden absolvieren. Der Orientierungskurs-Abschlusstest „Leben in Deutschland (LiD)“ kann auch als Nachweis der notwendigen Kenntnisse für die Einbürgerung genutzt werden. Damit entfällt das Absolvieren des obligatorischen Einbürgerungstests.
Für die Integrationskursteilnehmenden besteht eine Einzelplatzförderung, so dass alle Kursstufen sowohl von Integrationskursteilnehmer*innen als auch von nicht durch das BAMF geförderten Teilnehmer*innen (Asylbewerber*innen, Teilnehmer*innen, die nicht mehr gefördert werden, Aupairs usw.) besucht werden können.
Der Anteil der durch das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) geförderten Integrationskursteilnehmer*innen liegt bei ca. 95%.
Neuzuwanderer*innen werden berechtigt oder verpflichtet von der Ausländerbehörde; dieser Teilnehmerkreis kann auf Antrag vom Bundesamt von den Kosten befreit werden. Altzuwanderer*innen werden vom Bundesamt berechtigt und können auch auf Antrag von den Kosten befreit werden. Zum Kursbesuch verpflichten und von der Zahlung befreien können auch die Träger der Grundsicherung.
Der Kostenbeitrag für Teilnehmer*innen, die nicht von den Kosten befreit sind, ist für Teilnehmende, die sich seit dem 01. Januar 2021 neu für einen Integrationskurs anmelden, von 1,95€ pro Unterrichtseinheit auf 2,20€ pro Unterrichtseinheit aufgrund einer Vorgabe durch das BAMF gestiegen.
Die Zahl der zu alphabetisierenden Teilnehmenden sinkt, was im gesamten Integrationsbereich auch durch das BAMF beobachtet wird.
Zwischenstand und weitere Planungen im Integrationskursbereich (Stand: 30.04.2021)
Von Juli/August 2020 bis Dezember 2020 wurden die Integrationskurse unter den Bedingungen des BAMF fortgeführt, d.h., dass Kurse entweder Einhaltung des Mindestabstands von 1,50m und mit Mund-Nase-Bedeckung oder durch Aufteilung der Teilnehmer*innen auf zwei Räume unterrichtet wurden.
Neun Integrationskurse sind seit dem 16.12.2020 aufgrund des harten Lockdowns unterbrochen, vier weitere Kurse werden bzw. wurden aufgrund der Ausnahmen für prüfungsvorbereitende Maßnahmen fortgeführt. Von den neun unterbrochenen Kursen befinden sich 7 Kurse im online Tutorium. Online Tutorien sind eine durch das BAMF geförderte Möglichkeit, die Teilnehmer*innen darin zu unterstützen, auf dem bisherigen Lernstand zu bleiben. Die Lehrkräfte können mit einer reduzierten Anzahl an Unterrichtseinheiten auf digitalem Weg die Teilnehmer*innen fördern und unterstützen. Den Teilnehmer*innen entsteht dadurch für ihren Anspruch auf Unterrichtseinheiten kein Nachteil, da die Unterrichtseinheiten im online Tutorium nicht angerecht werden. Für drei bis vier Kurse befinden wir uns aktuell in der Planung, diese noch vor den Sommerferien 2021 in das sogenannte virtuelle Klassenzimmer zurückzuholen und somit den Unterricht online fortzusetzen.
Die aktuelle Anmeldelage weist darauf hin, dass wir, wenn dies wieder erlaubt ist, einen Integrationskurs mit Alphabetisierung und zwei bis drei allgemeine Integrationskurse starten können. Da die Integrationskurse im Arbeitsjahr 2020/2021 die großen Räume im Bert-Brecht-Haus belegt haben, konzentriert sich die Planung 2021/2022 zusätzlich auf den Standort in Lirich, um Entlastung zu schaffen.
Prüfungen im Bereich Deutsch als Zweitsprache
Die Teilnehmenden konnten im Arbeitsjahr 2020/2021 an 45 Prüfungsterminen teilnehmen. Die Prüfungen auf dem Niveau A1, A2 sowie B2 sind in diesem Arbeitsjahr regulär ins Programm aufgenommen worden. Auf Anfrage findet auch die allgemeine C1-Prüfung statt, bisher wurden drei Prüfungen in Kooperation für die Ruhrwerkstatt durchgeführt.
Regelmäßig stattfindende Prüfungsformate sind:
- telc Start Deutsch 1 (A1) - insbesondere für Personen, die die Einwanderung nach Deutschland planen oder Grundkenntnisse beweisen müssen,
- telc Start Deutsch 2 (A2) ,
- der für alle Integrationskursteilnehmer*innen verbindliche Deutschtest für Zuwanderer (DTZ),
- Zertifikat Deutsch (B1) - insbesondere für Einbürgerungsbewerber*innen und für Personen, die sich nur vorübergehend in Deutschland befinden,
- telc Deutsch B2 - insbesondere interessant für Berufstätige und Menschen, die ihre Sprachkenntnisse erweitern wollen, um ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt zu verbessern.
Einbürgerungstests
Die Volkshochschulen sind weiterhin exklusiv damit beauftragt, Einbürgerungstests für das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge durchzuführen. Das Bestehen des Einbürgerungstests ist eine der Voraussetzungen für die Einbürgerung.
Einbürgerungstests werden wie bisher einmal im Monat – außer in den Schulferien – bei der VHS angeboten.
Die Nachfrage nach Einbürgerungstests hat seit November 2020 sehr stark zugenommen. Derzeit ist die VHS Oberhausen auch eine der wenigen Volkshochschulen, die den Einbürgerungstest durchführen.
Teilnehmende an Prüfungen im Arbeitsjahr 2019/2020 (Hochrechnung):
Deutschtest für Zuwanderer B1/A2 ca. 150 Teilnehmende
Orientierungskurs Leben in Deutschland ca. 90 Teilnehmende
Einbürgerungstest ca. 220 Teilnehmende
Europäisches Sprachenzertifikat A1 ca. 5 Teilnehmende
Europäisches Sprachenzertifikat A2 ca. 6 Teilnehmende
Europäisches Sprachenzertifikat B1 ca. 55 Teilnehmende
Europäisches Sprachenzertifikat B2 ca. 25 Teilnehmende
Europäisches Sprachenzertifikat C1 (neu) ca. 30 Teilnehmende
Angebote oberhalb des B1-Niveaus
Das Angebot oberhalb des B1-Niveaus (B2-Kurse) richtet sich an Integrationskursteilnehmende, die gerne weiterlernen möchten. Insbesondere auch an Berufstätige und an diejenigen, die die DTZ-Prüfung erfolgreich auf dem Niveau B1 bestanden haben und ihre Sprachkenntnisse erweitern möchten, um ihre Chancen für einen Berufseinstieg zu verbessern. Wie schon in den Vorjahren sind Kurse zur Vorbereitung auf die Prüfung B2 angeboten worden. Der Kurs des Arbeitsjahres 2020/2021 legt am 05. Juni die Prüfung ab.
Sprachförderkurse
Für Erwachsene und Jugendliche mit Migrationshintergrund ab 16 Jahren wurden im Jahr 2020 vier zusätzliche Kurse (Landesförderung) bei der Bezirksregierung Düsseldorf beantragt und bewilligt. In 2020 haben diese vier Kurse aufgrund der Corona-Pandemie und personeller Umbesetzungen nicht stattgefunden.
Für das Jahr 2021 wurden drei zusätzliche Kurse dieser Art beantragt und bewilligt. Aufgrund der Corona-Pandemie konnten diese nicht, wie geplant, Anfang März starten. In Kooperation mit dem Käthe-Kollwitz-Berufskolleg in Oberhausen konnten zwei der drei Kurse im online Format per Zoom seit dem 22.04.2021 und 28.04.2021 beginnen.
Sobald es wieder erlaubt ist, werden die Kurse nachmittags nach dem Schulunterricht in Präsenz stattfinden und können bis Ende 2021 das beantragte Stundenvolumen verbrauchen.
Niedrigschwellige Sprachförderung in Kooperation mit kitev
Im Rahmen des Förderbausteins V der Landesinitiative „Durchstarten in Arbeit und Ausbildung“ kooperieren die Volkshochschule und der Verein Kultur im Turm e.V. (= kitev) als Zuwendungsempfangender im Projekt GEmeinsam Neu AUfbauen (= GENAU). Die VHS bietet in diesem Rahmen niedrigschwellige Sprachförderung an.
Aufgrund der Corona-Pandemie konnte das Projekt sowie auch die Sprachförderung erst verspätet starten. Seit Mitte März 2021 bieten kitev und VHS nun ein online Sprachcafé per Zoom und seit Mitte April einen online Deutschkurs zweimal wöchentlich für zwei Unterrichtseinheiten an, da die Nachfrage seitens der Zielgruppe, in Duldung und Gestattung befindliche Geflüchtete, groß ist, um ihre sprachliche Erstintegration zu erreichen.
Sobald es wieder erlaubt ist, werden das Sprachcafé und der Deutschkurs in Präsenz und projektbegleitend bis Dezember 2022 stattfinden.
Erstorientierungskurse für Asylbewerber mit unklarer Bleibeperspektive (EOK)
Darüber hinaus sind im Zeitraum 01.10.2020 bis 15.12.2021 zwei Erstorientierungskurse für Asylbewerber mit unklarer Bleibeperspektive (EOK) angeboten worden. Der Erstorientierungskurs wird mit einem Umfang von insg. 300 UE vom BAMF gefördert, die Teilnahme ist freiwillig und kostenfrei.
Im Kurs haben die Teilnehmer*innen Informationen erhalten und erste Deutschkenntnisse erworben, um sich im Land zurechtzufinden. Es wurden verschiedene, alltagsrelevante Themen behandelt, wie z.B. Alltag in Deutschland, Arbeit, Gesundheit, Orientierung vor Ort, soziale Kontakte, Wohnen, Werte und Zusammenleben (verbindliches Thema). Ergänzend zum Unterricht sollen Exkursionen in der näheren Umgebung durchgeführt werden, um sich in Oberhausen zu orientieren und das Gelernte in der Praxis anzuwenden. Aufgrund des Lockdowns light, der seit Anfang November 2021 galt, konnten diese Exkursionen leider nicht stattfinden.
Angemeldet waren im oben genannten Zeitraum 27 Personen, die auch regelmäßig auf zwei Kurse, nach Lernfortschritt aufgeteilt, teilgenommen haben. Beide Kurse mussten im Dezember unterbrochen werden. Auf eine Umstellung auf einen reinen Online-Kurs wurde bisher verzichtet, da schon die Proben im Dezember verdeutlicht haben, dass die Teilnehmenden aufgrund ihrer Aufenthaltsunsicherheit und damit zusammenhängenden Wohnsituation sowie Infrastruktur keine sichere Möglichkeit haben, an solch einem Online-Kurs teilzunehmen.
Zurzeit wird mit dem Landesverband der Volkshochschulen in NRW, die als Projektträger fungieren, nach einer alternativen Unterrichtslösung gesucht, die Kursteilnehmer*innen auf anderen Wegen zu erreichen und in ihrer sprachlichen Entwicklung zu unterstützen.
Der Beginn eines weiteren Erstorientierungskurses ist für das dritte Quartal, nach den Sommerferien 2021, geplant.
Kooperationen auf kommunaler Ebene
Im Sinne von Integration und migrationsgesellschaftliches Miteinander sowie zur Nutzung von Synergieeffekten und Vermeidung von Doppelstrukturen soll die Kooperation mit anderen Akteuren, die in Oberhausen im Rahmen von Migration sowie Flucht- oder Integrationsarbeit tätig sind, gezielt gepflegt bzw. forciert werden.
„Zweiter Bildungsweg“ an der Volkshochschule Oberhausen im Arbeitsjahr 2020/2021 und weitere Planungen für das Arbeitsjahr 2021/2022
Im Arbeitsjahr 2020/2021 haben in den 9 Kursen zum nachträglichen Erwerb von Schulabschlüssen insgesamt 153 Teilnehmende, davon 35 mit Migrationshintergrund, an den Tages- und Abendkursen teilgenommen.
Auf Grundlage des Weiterbildungsgesetzes Nordrhein-Westfalens (§6) bietet die VHS ein differenziertes, aufeinander aufbauendes System verschiedener Schulabschlusskurse an: den Hauptschulabschluss nach Klasse 9, den Sekundarabschluss I – 10 A, sowie den Mittleren Bildungsabschluss. Dem Hauptschulabschluss nach Klasse 9, sowie dem Mittleren Bildungsabschluss sind zudem Vorbereitungskurse vorangeschaltet, welche dem Abbau von Defiziten, sowie Sprachförderung dienen und einen (Wieder-) Einstieg in ein regelmäßiges Lernen/einen schulischen Alltag ermöglichen sollen. Um in Anklang an die Fachoberschulreife mit Qualifikation eine Anschlussperspektive zu ermöglichen kooperiert die VHS Oberhausen mit dem Niederrhein Kolleg. Hier können die Teilnehmenden nach bestandenem Abschluss sich zum Abitur-Vorkurs anmelden. Leider konnten in diesem Jahr die HSA9-Vorkurse pandemiebedingt nicht durchgeführt werden.
Zur weiteren schulabschlusskursbezogenen Unterstützung der Zielgruppe der Migranten und Geflüchtete bietet die Volkshochschule seit November 2019 einen zusätzlichen Sprachförderunterricht in Deutsch als Fremdsprache an.
In der Zeit vom 15.12.20 bis zum 22.02.21 musste der Präsenzunterricht im Schulabschlussbereich lockdownbedingt erneut unterbrochen werden. Da nur ein geringer Teil der Teilnehmenden über eine dem Smartphone hinausgehende, technische Ausstattung verfügt (wie z.B. einen Laptop oder Computer, sowie einen Drucker), erschien es nicht zielführend, den Distanzunterricht nur digital, d.h. im Online-Format durchzuführen. Aus diesem Grund wurde zunächst vielmehr ein Blended-Learning-Ansatz verfolgt, welcher darin bestand, dass analoge Aufgabenpakete von den Teilnehmenden persönlich abgeholt und abgegeben wurden. Hierfür wurde ein Klassenraum zum Materialraum umfunktioniert, aus welchem die Unterlagen über eine an den Raum andockende Außentür ausgegeben bzw. entgegengenommen wurde. Eine weitergehende Kommunikation fand telefonisch, E-Mail-Austausch und über die VHS-Cloud statt (sowohl mit den Lehrkräften, als auch mit den Fachbereichsleitungen).
Während des ersten Lockdowns wurden nicht abgeholte Arbeitspakete mit der Post verschickt, worauf jedoch im zweiten Lockdown verzichtet wurde, da sich eine persönliche Kontaktaufnahme/Austauschmöglichkeit für die Klientel (insbesondere in psychosozialer Hinsicht) als förderlicher herausstellte. Zum Kursstart des neuen Semesters (im August 2020) wurde die Ausrichtung auf die VHS-Cloud und somit die Möglichkeit eines digitalen (Online-)Lernens intensiver forciert. Hierfür wurden alle Teilnehmenden und Lehrkräfte erneut im Umgang mit der VHS Cloud geschult. Jeder/Jedem Teilnehmenden wurde ein VHS-Cloud Zugang eingerichtet. Mit Blick auf ein fehlendes (über das Smartphone hinausgehendes) technisches Endgerät wurden Schulbescheinigungen für Anträge zur finanziellen Unterstützung, z.B. gegenüber der Bundesagentur für Arbeit/dem Jobcenter, ausgestellt. Die Unterrichtsmaterialien wurden von den Lehrkräften in der Cloud zum Download bereitgestellt. Sowohl über das VHS-Cloud Konferenzmodul als auch über „Zoom“ wurde schließlich (gemäß dem zugrundeliegenden Präsenzstundenplan) Onlineunterricht durchgeführt.
Während die Vorkurse zum Hauptschulabschluss aufgrund der aktuellen Coronaschutzverordnung nicht durchgeführt werden durften, hat die Volkshochschule mit Wiederaufnahme des Unterrichts in den Abschlussklassen ebenso den Sprachförderunterricht aufgenommen, sodass die zusätzliche Unterstützung der Geflüchteten/Migranten weitergehend ermöglicht werden konnte.
Im Arbeitsjahr 2021/2022 werden insgesamt 11 Kurse im Bereich Hauptschulabschluss nach Klasse 9, Sekundarabschluss I – 10 A und Mittlerer Schulabschluss mit insgesamt 5662 Unterrichtsstunden angeboten. Pandemiebedingt können im kommenden Arbeitsjahr unter fortlaufenden, Hygienebedingungen pro Kurs weniger Kursplätze vergeben werden.
Interkultur und politische Bildung
Der interkulturelle Themenbereich wird unter der Überschrift „Zusammen leben“ konzipiert. Das „Interkulturelle“ meint, Menschen mit Migrationshintergrund und ohne in gemeinsamen Veranstaltungen zu kulturellen und politischen Themen einzuladen. Im Fokus politischer Bildung sind bei interkulturellen Veranstaltungen Diskriminierung und Gleichberechtigung, Rechte und Emanzipation, positive Differenzerfahrungen, Abbau von Stereotypen und Vorurteilen, Entwicklung von Solidarität und Freundschaft.
Café Unterwegs
Das interkulturelle Frauencafé der VHS existiert mittlerweile seit über zehn Jahren und greift Themen aus Alltag, Kultur und Politik auf. In gemütlicher Atmosphäre wird ein Thema (Situation von Frauen, Rollenbilder, Mütter und Töchter, Frauen in politischen Bewegungen, Kultur um Sterben und das Jenseits, Bräuche und Traditionen etc.) anmoderiert und in großer wie in kleiner Tischrunde ausgetauscht. Kulturelle Besonderheiten und Gemeinsamkeiten werden so positiv besetzt und erlebt. Das Angebot des interkulturellen Frauencafés findet in Kooperation mit dem Kommunalen Integrationszentrum (KI) statt und hoffentlich bald auch wieder in Präsenz.
Zusammen leben – zusammen arbeiten – zusammen feiern
Der internationale Tag der Migranten, später der Tag der Menschenrechte bot in den letzten Jahren stets die Gelegenheit ein Kulturfest zu organisieren und unabhängig von vielen religiösen Festen einen gemeinsamen Anlass zum Feiern zu finden. Mittlerweile hat es sich als Fest des „Netzwerks Interkulturelles Lernen“ (NIL) etabliert. Das Fest findet unter Beteiligung der Volkshochschule traditionell im Dezember im Bert-Brecht-Haus statt. Schon 2020 konnte dieses Fest mit i.d.R. 250 Kindern und ebenso vielen Erwachsenen nicht stattfinden. Das Netzwerk Interkulturelles Lernen hat stattdessen eine Filmkampagne zu Menschenrechten produziert und veröffentlicht. Das ersetzt aber nicht die tatsächliche Begegnung, sondern soll vor allem den Kontakt zur Zielgruppe mit einem wichtigen Thema halten.
Dialogtisch der VHS am Oberhausener Tag des Dialoges
Initiiert und organisiert durch das „Netzwerks Interkulturelles Lernen“ (NIL) soll es am 13. November 2020 wieder einen „Tag des Dialogs“ in Oberhausen geben. Gemeinsam kommen an den Dialogtischen unterschiedlichste Menschen zu einem gewählten Thema ins Gespräch. Diese Begegnungen fehlen unter der Pandemie sehr.
Eine Welt, Länderkunde
Auch im nächsten Kursjahr bietet die VHS wieder aufklärende und problemorientierte Veranstaltungen über Länder und Städte dieser Erde an. Im kommenden Kursjahr soll es u.a. einen Vortrag zu „Hongkong und Macau“ sowie einen Vortrag zum Land Belgien geben.
Stadtrundgang zur Geschichte der Migration
Bei einem zweistündigen Stadtspaziergang lernen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer anhand verschiedener Stationen die Geschichte der Zuwanderung Oberhausens kennen und sehen. Von der Synagoge über Kulinarisches, vom Migrationsrat, türkischer und polnischer Zuwanderung, von Flucht und Zwangsarbeit zu einem vielkulturellen Oberhausen, spannend für einen touristischen Blick und immer wieder neu als Zuhause, als Heimatstadt.
André Wilger und das Team von der Geschichtswerkstatt Oberhausen begleiten die Gruppe und erzählen von Oberhausen und seinen Menschen. Auch das kann hoffentlich wieder bald draußen stattfinden.
Offener Stammtisch mit Amnesty International Oberhausen zum Thema Menschenrechte
Unter dem Motto „Menschenrechte - leider keine Selbstverständlichkeit“ bietet die VHS in Kooperation mit der Oberhausener Ortsgruppe von Amnesty International seit dem letzten Kursjahr einen offenen Treff zum Austausch über das Thema Menschenrechte an. Im Rahmen eines monatlichen, offenen Stammtisches stellt die Ortsgruppe ihre Arbeit an verschiedenen Beispielen vor, informiert über das Thema Menschenrechte und bietet die Gelegenheit sich darüber auszutauschen. Zurzeit trifft sich die Gruppe online.
Weitere Veranstaltungen
Auch im kommenden Kursjahr 2021/22 wird es eine gemeinsame Veranstaltung von Volkshochschule und Integrationsrat (mit den weiteren Kooperationspartnern Stadtbibliothek und Arbeit und Leben) geben. Noch nicht terminiert, da wegen Corona verschoben ist Ali Can, Sozialaktivist, Autor sowie Gründer und Leiter des "VielRespektZentrum" Essen, dessen Twitterkampagne #MeTwo im Sommer 2018 ein enormes Echo auslöste, zu Gast im Bert-Brecht-Haus. Er wird aus seinem neuen Buch „Mehr als eine Heimat. Wie ich Deutschsein definiere“ lesen und anschließend mit den Teilnehmenden diskutieren. In Seinem Buch geht er der Frage nach, was ist eigentlich deutsch? Und er kommt zu dem Schluss, dass es die Zeit für eine Neudefinition reif ist. Die Veranstaltung ist entgeltfrei.
Interkulturelle Bibliothek in Zeiten von Corona
Die Stadtbibliothek gilt mit der VHS als sogenannter „dritter Ort“, d. h. als offener, schwellenloser Ort zur Begegnung von Menschen mit unterschiedlichster Herkunft und Kultur. Das Bibliotheksleben wurde durch die Corona Maßnahmen sehr stark eingeschränkt. Es mussten alle Veranstaltungen, KiTa Einführungen, Klassenführungen und mehrsprachige Vorleseaktionen bis auf unbestimmte Zeit abgesagt werden. Die Öffnungs- und Servicezeiten mussten eingeschränkt werden und der Aufenthalt in den Bibliotheksräumen war nur noch zur Medienausleihe gestattet. Die sonst durch Lerngruppen stark frequentierten Bibliotheksräume können seit März 2020 nicht genutzt werden. Diese „geschlossenen“ Lernräume wurden gerade bei den Vorbereitungen zu den Abschlussprüfungen von unseren Besucher:innen schmerzlich vermisst.
Eine Beratung bei der Literaturauswahl kann nur per Telefon stattfinden, dies ist für alle Menschen mit Sprachbarrieren sehr schwierig, für einige sogar unmöglich. Eine Unterstützung für Informationssuchende oder aktive Hilfestellung beim Spracherwerb durch das Bibliothekspersonal kann ebenfalls nicht in der gewohnten Weise erbracht werden.
Der eingerichtete Bestell- und Abholservice für Medien ist nur in der Zentralbibliothek und der Bibliothek in Sterkrade möglich. Der gesamte Medienbestand ist online im Bibliothekskatalog (OPAC) zu recherchieren und bestellbar. Bereits mit dem ersten Lockdown im März 2020 haben wir den Bürger:innen einen kostenfreien „NUR digital“ Zugang zu unseren Onlineangeboten eingerichtet. Mit einem einfachen Anmeldeverfahren können alle digitalen Angebote der Stadtbibliothek genutzt werden.
Den digitalen Medienbestand haben wir bereits erweitert, neu hinzugekommen sind die Wissensdatenbanken „Genios“ und „Brockhaus-Schülermodule“ sowie „Filmfriend“ ein Video-on-Demand Filmportal für Bibliotheken. Aufgrund der großen Nachfrage wurde der E-Book Bestand im Bereich Belletristik aufgestockt.
Die Umsetzung der geplanten digitalen Veranstaltungen und die dringend benötigte Einrichtung des Digital-Labors, die im Rahmen eines Landesprojektes eingerichtet werden sollten, um den Bürger:innen digitale Teilhabe zu ermöglichen, verzögert sich um mehrere Monate.
Sobald es uns wieder erlaubt ist, nehmen wir die Veranstaltungsarbeit sofort in vollem Umfang auf, denn der direkte Kontakt und der persönliche Austausch zu allen Themen des täglichen Lebens, ist ein wesentlicher Bestandteil des Zusammenlebens. Das gilt insbesondere und umso mehr für Menschen, die Sprachen lernen und kulturellen Austausch suchen.
