Berichtsvorlage - M/16/5935-01
Grunddaten
- Betreff:
-
Projektvorstellung Anonyme Spurensicherung
- Status:
- öffentlich
- Vorlageart:
- Berichtsvorlage
- Federführung:
- Gleichstellungsbeauftragte
- Bearbeitung:
- Stefanie Nitschke
- Verantwortung:
- Costecki , Maren Heutger
Beratungsfolge
| Status | Datum | Gremium | Beschluss | NA |
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Erledigt
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Sozialausschuss
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Kenntnisnahme
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07.10.2020
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Geplant
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Gleichstellungsausschuss
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Kenntnisnahme
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08.12.2020
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Sachverhalt
Sachdarstellung
Initiierung bzw. Weiterentwicklung der ASS-Koordination in Oberhausen
Anonyme Spurensicherung (ASS) ist ein wichtiger Baustein in der Versorgung von Gewaltopfern. Viele Opfer sexualisierter Gewalttaten sind nach der Tat psychisch stark belastet und können daher in den wenigsten Fällen sofort eine Entscheidung für oder gegen eine Anzeige bei der Polizei treffen. Damit sie Zeit für eine psychische Stabilisierung und die Möglichkeit für den Erhalt von Sachinformationen über die Folgen einer Anzeigenerstattung haben, ist die anonyme Spurensicherung (ASS) eine wichtige Möglichkeit, um Handlungsoptionen offen zu halten. Für Betroffene von Sexualstraftaten ist es besonders wichtig, auch bei einer Anzeigenerstattung zu einem späteren Zeitpunkt auf Tatspuren zurückgreifen zu können. Wenn keine Tatspuren vorliegen, würde die ohnehin schwierige Aussagesituation vor Gericht noch verschärft. ASS soll eine Anzeigenerstattung somit nicht verhindern oder an deren Stelle treten, sondern an zu einem späteren Zeitpunkt weiterhin ermöglichen.
Der zweite immens wichtige Effekt von ASS für Betroffene ist der direkte Zugang zum medizinischen und psychosozialen Hilfesystem. Der Zugang zu frühen Hilfen bleibt Opfern von Sexualstraftaten sonst häufig verschlossen, dies kann im schlechten Fall zu ungünstigen und schädigenden Verläufen führen. Ein früher Zugang kann traumatische Verläufe abmildern, einen gesundheitsförderlichen Umgang mit den belastenden Ereignissen ermöglichen und die Lebensqualität der Betroffenen verbessern.
Bisher ist dieses Verfahren in Oberhausen noch nicht umgesetzt worden. Aus diesem Grund wird seit 2019 in Oberhausen eine Kooperation zwischen der Gleichstellungsstelle Oberhausen, dem Evangelischen Krankenhaus Oberhausen, der Staatsanwaltschaft Duisburg und der Frauenberatungsstelle Oberhausen aufgebaut. Weitere Akteur*innen des Arbeitskreis Gewalt sind und werden zukünftig über das Vorgehen informiert. Mit dem Aufbau einer tragfähigen Kooperation soll ein verlässliches und transparentes Verfahren für Oberhausen entwickelt werden, das eine anonyme Spurensicherung nach einer Sexualstraftat ermöglicht. Der regelmäßige Austausch aller relevanten Akteur*innen wird durch regelmäßige Netzwerktreffen gewährleistet.
Durch die Weiterbewilligung des landesgeförderten Projektes iGOBSIS hat das Evangelische Krankenhaus die Möglichkeit an Schulungen für die Spurendokumentation teilzunehmen. Die Dokumentationsanwendung „iGOBSIS“ führt Ärztinnen und Ärzte Schritt für Schritt durch Gewaltopferuntersuchungen und steigert so kontinuierlich ihre Handlungssicherheit im Umgang mit Opfern von Gewalt. Mittlerweile steht auch eine „iGOBSIS“-Version für mobile Endgeräte zur Verfügung. Eine telemedizinische Beratung „on- demand“ durch Fachärztinnen und -ärzte für Rechtsmedizin kann eine weitere Möglichkeit sein, flächendeckend kompetente „gerichtsfeste“ Dokumentation und Spurensicherung darzustellen. iGOBSIS wird im Institut für Rechtsmedizin am Universitätsklinikum Düsseldorf kostenlos für Projektpartner*innen angeboten.
Geplanter Standort für Untersuchung, Befunddokumentation und Spurensicherung ist das Evangelische Krankenhaus Oberhausen. Eine standardisierte Weitervermittlungspraxis nach Erstkontakt durch das medizinische System an das psychosoziale Hilfenetz für eine passgenaue Versorgung wird entwickelt und umgesetzt. Eine zeitnahe Beratung und Unterstützung der Frauen wird durch die Frauenberatungsstelle in Oberhausen gewährleistet.
Ende 2020 soll die Teilnahme an Schulungen von Ärtz*innen, Gesundheitsfachkräften und Fachkräften aus dem psychosozialen System erfolgen, wenn dies coronabedingt möglich ist. In der Schulung für die im Krankenhaus mit den Frauen in Kontakt kommenden verschiedenen beruflichen Disziplinen sollen Grundlagen über Gewalterfahrungen und Traumatisierungen von Frauen, die sexualisierte Gewalt erlebt haben, vermittelt werden. Durch vielfältige Methoden und interaktive Elemente soll vermittelt werden, wie der Umgang und die Gesprächsführung mit den Frauen gelingen und in der sensiblen Situation förderlich durchgeführt werden können. Die Leitung der Klinik für Frauenheilkunde wünschte sich für diese Themenbereiche eine umfassende Fortbildung für die Mitarbeiter*innen. Es soll ein passgenaues Angebot für die Klinik entwickelt werden.
Durch den Einsatz von zwei Referentinnen, die bereits bei der Implementierung und Fortbildung zu ASS in anderen Städten mitgewirkt haben, soll dies gewährleistet werden.
Die Bekanntmachung des Angebots für Oberhausen wird über Öffentlichkeitsarbeit, Vermittlung von Wissen für Multiplikator*innen und die Erstellung, fortlaufende Überarbeitung und regelmäßige Verteilung von Infomaterial auf verschiedenen Sprachen für Betroffene, Fachkräfte und die Öffentlichkeit sichergestellt.
Da ASS erst in Oberhausen neu implementiert wird, kann dieses Jahr auf keine Fallzahlen aus den Vorjahren zurückgegriffen werden.
Weiterführende Informationen sind über folgenden Link abrufbar: https://gobsis.de/
Finanzierung
Die Frauenberatungsstelle hat im Mai 2020 einen Antrag auf Gewährung einer Zuwendung zur Förderung von Kooperationen zur anonymen Spurensicherung für das Haushaltsjahr 2020 in Höhe von 6972,60 € beim Land NRW gestellt, der mittlerweile bewilligt wurde. Hiervon sollen Öffentlichkeitsarbeit, Schulungen und Informationsbroschüren erstellt bzw. finanziert werden.
Eigenmittel können durch die genannten Institutionen durch Bereitstellung der Räumlichkeiten sowie des Personals gestellt werden. Eine finanzielle Eigenbeteiligung ist durch die begrenzte und zweckgebundene Förderung und die Vielfalt der Aufgaben der Institutionen nicht möglich.
Ziele und Ausblick
Kooperationen zur anonymen Spurensicherung (ASS) haben sich in zahlreichen Regionen Nordrhein- Westfalens in den letzten Jahren erfolgreich etabliert. In der Stadt Oberhausen besteht hier eine Versorgungslücke für Betroffene sexualisierter Gewalt, die durch den Aufbau des ASS-Angebots 2020 und die Fortführung in den Folgejahren geschlossen werden soll.
