Beschlussvorlage - B/16/5888-01

Reduzieren

Beratungsfolge

Reduzieren

Beschlussvorschlag

Beschlussvorschlag

 

Der Rat der Stadt beschließt – vorbehaltlich einer entsprechenden Förderzusage des LVR – die Einrichtung einer auf zwei Jahre befristeten Planstelle innerhalb des Fachbereiches 0-8-40/ Stadtarchiv zur Durchführung eines Theaterprojekts zur Migrationsgeschichte Oberhausens.

 

Deckungsvorschlag:

Vorbehaltlich der Bewilligung der beantragten Fördermittel werden die Personalkosten zu 70% refinanziert. Der verbleibende Eigenanteil ist für die Jahre 2021 und 2022 in den Personalkostenhaushalt einzuplanen.

Reduzieren

Konsequenzen

Konsequenzen

 

a) Finanzielle

 

    keine  [ ]

 

    ja   [x] siehe Begründung

 

b) Sonstige

Reduzieren

Sachverhalt

Begründung

 

Das Stadtarchiv Oberhausen beabsichtigt im Rahmen eines Förderprojekts des Landschaftsverbands Rheinland (LVR) einen neuen Themenschwerpunkt im Bereich der Migrationsgeschichte der Stadt Oberhausen zu setzen und hat dazu einen Antrag auf Zuwendung aus Mitteln der Regionalen Kulturförderung gestellt. Geplant ist ein innovatives Kooperationsprojekt mit dem Theater Oberhausen und kitev e.V. (Kultur im Turm e. V.) zur Erarbeitung und Darstellung der Migrationsgeschichte Oberhausens. Zur personellen Begleitung des Projekts soll eine auf zwei Jahre befristete Vollzeitstelle im Fachbereich 0-8-40/ Stadtarchiv eingerichtet werden.

 

Die Fachverwaltung führt zu den Inhalten und Zielen des Förderprojekts Folgendes aus:

 

In diesem Projekt sollen Menschen aus der Bürgerschaft eigene kleine Theaterstücke erarbeiten, die insgesamt das Thema Migrationsgeschichte Oberhausens schlaglichtartig behandeln. In diesen Theaterstücken sollen alle größeren Migrationsbewegungen der Stadtgeschichte — Zuzug in die „Öde Heide", polnische Migration, Flüchtlingsbewegung nach dem zweiten Weltkrieg, Zuzug der Gastarbeiter, Zuzug aus Osteuropa seit 1989 aber auch die Zuwanderung von Geflüchteten seit 2015 beleuchtet werden. Neben der kritischen Auseinandersetzung mit der Migrationsgeschichte anhand von Akten, Schriften, Zeitungen u.a. Archivalien aus dem Stadtarchiv Oberhausen durch die Teilnehmenden ist das langfristige Ziel, die einzelnen Theaterstücke zu einem größeren Theaterstück zusammenzufügen. Das Thema Migration soll dabei im Fokus der Betrachtung liegen, mit allen damit verbundenen Ängsten und Hoffnungen der beteiligten Menschen, aber auch mit dem Ankommen in der neuen Heimat und den damit verbundenen sozialen Konfliktpotenzialen. Im Historischen Kontext sollen die Ähnlichkeiten und Unterschiede der Beweggründe der Migrationsbewegungen zu verschiedenen Zeiten verdeutlicht werden. Das Stück zeigt nebenher die Geschichte der Stadt Oberhausen und versucht an dieser exemplarisch nachzuzeichnen, ob der Begriff des „Schmelztiegels Ruhrgebiet" wirklich eine zutreffende Charakterisierung des Gebiets liefert. Teile der Gruppe werden im Rahmen des Projekts eigene Recherchen unter Aufsicht von erfahrenen Archivarinnen und Historiker*innen im Stadtarchiv Oberhausen durchführen und historische Fragestellungen behandeln. Daneben werden sie in Zusammenarbeit mit dem Theater Oberhausen und Theaterpädagoginnen gleichzeitig Erfahrungen in Schauspiel und Dramaturgie sammeln und ihre eigenen Stücke vorbereiten. Durch diesen interdisziplinären Ansatz ist der Lerneffekt für die Teilnehmenden größer und sie erfahren neue Wege historische Kontexte mit Spaß zu vermitteln. Dies ist nicht nur ein Gewinn für die Gruppe sondern auch für das Publikum des geplanten Theaterstücks. Die Gruppe sollte divers angelegt sein: Verschiedene Geschlechtsidentitäten, mit und ohne Migrationshintergrund, aus unterschiedlichen Stadtteilen kommend, aus verschiedenen Altersgruppen, mit unterschiedlichem Kultur- und Bildungshintergrund etc. Die Mischung von Menschen soll ein vielfältigeres Miteinander bewirken und verschiedene Blickwinkel auf die Migrationsgeschichte ermöglichen.

 

Geplant ist, eine freie Theatergruppe für dieses Projekt zu gründen. Das Theater Oberhausen hat mit solchen Gruppen bereits gute Erfahrungen gemacht. Um jüngere Teilnehmende zu gewinnen, ist es angedacht, sich an befreundete Schulen und Lehrende zu wenden. Um Menschen mit Migrationshintergrund für das Projekt begeistern zu können, werden Kontakte mit Migrant*innenselbsthilfeorganisationen geknüpft. Gleichzeitig ist eine Kooperation mit kitev (Kultur im Turm e.V.) auf künstlerischer Ebene und mit der Freien Universität Oberhausen in Hinsicht auf zusätzliche sozio-kulturelle Veranstaltungen, wie Diskussionsabende zum Thema Migration oder Migrationserfahrungen geplant, die bei der Konzeption des Theaterstücks helfen und eine Partizipation der Bürgerschaft ermöglichen sollen.

 

Ziel des Projekts ist die Aufführung des Stücks im Theater Oberhausen und an anderen passenden Orten in der Stadt Oberhausen. Die Laufzeit des Projekts ist für die Zeit vom 01.01.2021 bis 31.12.2022 geplant.

 

 

Kosten des Projekts:

Kostenplan

Personalkosten Projektkraft für 2 Jahre

142.000,00 EUR

Theaterpädagogen intern

10.000,00 EUR

Theaterpädagogen extern

1.500,00 EUR

Erschließung und konservatorische Bearbeitung Archivgut

10.400,00 EUR

Verpackung- und Reinigungsmaterial

5.560,00 EUR

Projektkosten Partizipation der Stadtgesellschaft, KITeV etc.

15.000,00 EUR

Gesamt

184.460,00 EUR

 

Finanzierung des Projekts:

Eigenmittel

  • Projektträger
    (Stadtverwaltung Oberhausen)

57.960,00 EUR

Drittmittel

  • Theater Stadt Oberhausen

11.500,00 EUR

  • KITeV

5.000,00 EUR

  • Kommunales Integrationszentrum

5.000,00 EUR

  • Integrationsrat

                                                    5.000,00 EUR

Fördermittel

  • Regionale Kulturförderung des LVR (Antragssumme) GFG 2021 – 2022 50.000,00 EUR p. A.

100.000,00 EUR

Gesamt

184.460,00 EUR

 

Organisatorisch wird das dargestellte Förderprojekt folgendermaßen beurteilt:

 

Gesetzliche Pflichtaufgabe der öffentlichen Archive ist gemäß § 2 Archivgesetz NRW neben der Erschließung und Verwahrung auch die Veröffentlichung von Archivgut. Die Veröffentlichung schließt insbesondere die Vermittlung der Stadtgeschichte an die Öffentlichkeit ein. Die historische Bildungsarbeit ist somit ein Bestandteil der Aufgaben des Kommunalarchivs. Darüber hinaus ist die Kulturförderung und –pflege eine in der Landesverfassung verankerte Aufgabe des Landes und der Gemeinden. Die Gemeinden nehmen die Aufgabe der Kulturförderung und -pflege in ihrem Gebiet im Rahmen ihrer Selbstverwaltung in eigener Verantwortung wahr. Der interdisziplinäre Ansatz des Projekts, die Oberhausener Migrationsgeschichte in Form eines Theaterstücks zu vermitteln, verbindet die stadthistorische Komponente mit kulturellen, sozialen und künstlerischen Aspekten und bietet die Chance, das Thema einer breiten Öffentlichkeit nahe zu bringen und zum Austausch anzuregen.

Der Antrag auf Projektförderung befindet sich seitens des LVR noch in der Bearbeitung, hat aber gute Chancen bewilligt zu werden, da Kunst- und Kulturprojekte zu gesellschaftlich bedeutsamen Themen - nicht zuletzt auch durch die Mitwirkung des Theaters Oberhausen – grundsätzlich als förderungswürdig im Sinne der §§ 14, 15 und 17 des Kulturfördergesetzes NRW anzusehen sind. Das Projekt wurde der Dezernentin für Kultur des LVR sowie der Leitungsebene des AFZ (Archivberatungs- und Fortbildungszentrum) des LVR persönlich vorgestellt. Da mit einer endgültigen Entscheidung des LVR erst kurz vor Beginn des geplanten Projektzeitraums (01.01.2021) gerechnet wird, sollen die organisatorischen und personellen Rahmenbedingungen im Vorfeld unter dem Vorbehalt einer Förderzusage vorbereitet werden.

 

Das Projekt soll von dem Leiter des Stadtarchives, Herrn Dr. Dellwig geleitet werden. Für die Recherche und Erschließung des Archivguts sowie die weitere Bearbeitung und Begleitung des Projekts ist eine zusätzliche personelle Unterstützung erforderlich, da eine Verteilung der Projektaufgaben auf vorhandene Mitarbeiter*innen aufgrund des standardmäßigen Arbeitsaufkommens nicht möglich ist.

Vor diesem Hintergrund ist beabsichtigt, eine projektbezogene Planstelle für die Dauer von zwei Jahren innerhalb des Stadtarchivs einzurichten. Die Wertigkeit der Tätigkeiten wird nach einer ersten Einschätzung bei EG 11 TVöD liegen.

 

Perspektivisch ist im Rahmen der Organisations- und Personalentwicklung des Stadtarchivs beabsichtigt, das umfangreiche Aufgabenfeld der Historischen Bildung und des Historischen Klassenzimmers neu zu ordnen und in einer bereits vorhandenen, unbefristeten Vollzeitstelle zu bündeln.

 

 

Finanzielle Konsequenzen:

 

Gemäß der oben dargestellten Kostenaufstellung hat die Stadt Oberhausen für den gesamten Förderzeitraum von zwei Jahren einen Eigenanteil in Höhe von 57.960 EUR zu tragen. Dieser setzt sich folgendermaßen zusammen:

 

 

Personalkosten EG 11 rd. 71.000 EUR p.a. = 142.000 EUR

Erschließung und Bearbeitung Archivgut = 10.400 EUR

Materialkosten                        =    5.560 EUR

Summe: = 157.960 EUR

Abzügl. Fördersumme:                  =  100.000 EUR

Verbl. Eigenanteil gesamt 2021 u. 2022 = 57.960 EUR

 

Die Fördersumme soll in voller Höhe zur Refinanzierung der Personalkosten eingesetzt werden. Damit hat die Stadt Oberhausen einen Personalkostenanteil in Höhe von 42.000 EUR (jeweils 21.000 EUR für das Jahr 2021 und für das Jahr 2022) zu tragen. Prozentual entspricht die Refinanzierung einem Anteil von 70% der Personalkosten. Der anfallende Sachkostenanteil in Höhe von 15.960 EUR (jeweils 7.980 EUR für das Jahr 2021 und für das Jahr 2022) ist bereits durch die Fachverwaltung im Haushaltsbudget eingeplant. Die an dem Projekt beteiligten Stellen bringen den für ihre Arbeit bezifferten Kostenaufwand als Drittmittel in das Projekt ein. Weitere Kompensationsmöglichkeiten können weder bereichs- noch dezernatsintern zur Verfügung gestellt werden. Unter der Voraussetzung, dass die beantragte Fördersumme in Höhe von 100.000 EUR durch den LVR bewilligt wird und damit die entstehenden Personalkosten zu 70% refinanziert werden, wird die Einrichtung einer auf zwei Jahre befristeten Planstelle zur personellen Begleitung des beschriebenen Projekts befürwortet.

Loading...