Beschlussvorlage - B/16/5484-01
Grunddaten
- Betreff:
-
Umbau des Emschersystems und Auswirkungen auf Oberhausen-Sterkrade
- Status:
- öffentlich
- Vorlageart:
- Beschlussvorlage
- Federführung:
- Umwelt
- Bearbeitung:
- Annette Lavin
- Verantwortung:
- Werntgen-Orman
Beratungsfolge
| Status | Datum | Gremium | Beschluss | NA |
|---|---|---|---|---|
|
●
Erledigt
|
|
Umweltausschuss
|
Vorberatung
|
|
|
|
26.02.2020
| |||
|
●
Erledigt
|
|
Bezirksvertretung Sterkrade
|
Anhörung
|
|
|
|
12.03.2020
| |||
|
●
Erledigt
|
|
Hauptausschuss
|
Beschlussfassung
|
|
|
|
23.03.2020
| |||
|
●
Erledigt
|
|
Planungsausschuss
|
Kenntnisnahme
|
|
|
|
16.06.2020
|
Beschlussvorschlag
Beschlussvorschlag
- Der Rat nimmt die mit dem Umbau des Emschersystems erforderlichen Maßnahmen zur zukünftig getrennten Ableitung von Schmutzwasser und nicht behandlungsbedürftigem Abwasser (Regenwasser) sowie Reinwasser zu Kenntnis.
- Er beauftragt gleichzeitig die Verwaltung, für den Reinersbach die in der Begründung beschriebene Variante 2 weiter zu entwickeln.
- Gleichzeitig beauftragt er die Verwaltung, im Rahmen der erforderlichen Planungen eines Reinwasserkanal für den Elpenbach durch die Emschergenossenschaft für den Abschnitt in der Bahnhofstraße zu prüfen, welche Klimaanpassungsmaßnahmen im Sinne der Zukunftsinitiative „Wasser in der Stadt von Morgen“, ergänzend zum Integrierten Handlungskonzept Innenstadt Sterkrade umgesetzt werden können.
- Die sich daraus ergebenden Planungen und deren finanziellen Auswirkungen sind dem Rat jeweils zur Entscheidung vorzulegen.
Sachverhalt
Begründung
Umbau des Emschersystems
Im Verbandsgebiet der Emschergenossenschaft wurden in der Vergangenheit und werden zum Teil bis heute noch mehrere hundert Kilometer Fließgewässer insbesondere dazu genutzt, neben dem eigentlichen Bachwasser das in den angrenzenden bebauten Gebieten anfallende Schmutz- und gesammelte Regenwasser aufzunehmen und abzuleiten. Im wasserrechtlichen Sinne haben diese Abwasserkanäle (auch im verrohrten Zustand) ihre Gewässereigenschaft behalten.
Ein wesentlicher Kern des seit vielen Jahren laufenden Umbaus dieses Emschersystems stellt die zukünftig getrennte Ableitung (Entflechtung) von Schmutzwasser und nicht behandlungsbedürftigem Abwasser (Regenwasser) dar. Dazu errichtet die Emschergenossenschaft parallel zu den Wasserläufen Abwasserkanäle, trennt das klärpflichtige Schmutzwasser in neu zu errichtenden dezentralen Behandlungsanlagen vom nicht klärpflichtigen Regenwasser und leitet es zukünftig über diese Kanäle zur Kläranlage ab. Über die verbleibenden Fließgewässer werden dann nur noch die verbleibenden Bachwässer und die in den Behandlungsanlagen abgeschlagenen Regenwässer abgeleitet. Die bisher technisch ausgebauten Gewässer werden umgestaltet bzw. renaturiert, so dass sie im Rahmen der jeweiligen örtlichen Rahmenbedingungen wieder ökologische Funktionen natürlicher Fließgewässer übernehmen können.
Damit kommt die Emschergenossenschaft insbesondere auch ihrer Verpflichtung gemäß der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie und dem Wasserhaushaltsgesetz nach, oberirdische Gewässer, die als künstlich oder erheblich verändert eingestuft werden, so zu bewirtschaften, dass
- eine Verschlechterung ihres ökologischen Potenzials und ihres chemischen Zustands vermieden wird und
- ein gutes ökologisches Potenzial und ein guter chemischer Zustand erhalten oder erreicht werden.
In Oberhausen wurden und werden solche Maßnahmen an der Emscher selbst (Abwasserkanal Emscher), an der Kleinen Emscher (einschließlich ehemaliger Hauptkanal Oberhausen), am Nassenkampgraben, am Handbach, am Hauptkanal Sterkrade und am Läppkes-Mühlenbach umgesetzt.
Hauptkanal Sterkrade
Der heutige Hauptkanal Sterkrade ist durch die abwassertechnische Verrohrung des ehemaligen Mühlenbaches entstanden, der an der heutigen Dinnendahlstraße begann, die heutige Sterkrader Innenstadt durchquerte und über das Duisburger Stadtgebiet zum Rhein abfloss. Oberhalb der Dinnendahlstraße führte der Bachlauf die Bezeichnung Elpenbach. Noch in den 1950-iger Jahren gab es eine offene Gewässerstrecke von der Dinnendahlstraße bis zur Kreuzung Bronkhorststraße/Dorstener Straße. In den Jahren 2003/2004 erfolgte ein naturnaher Ausbau dieses unteren Abschnittes.
Mit der industriellen und einhergehenden städtebaulichen Entwicklung der Sterkrader Innenstadt wurde der Mühlenbach zum Abwassersammler umfunktioniert, im bebauten Kernbereich von Sterkrade als Rohrsammler, im westlichen Abstrom als offenes Gerinne. Dieses war zunächst an der Kleinen Emscher angeschlossen, mit dem Bau des Flussbettes vom Grafenbusch Richtung Dinslaken in 1947 wurde eine neue Vorflut geschaffen. Zunächst verlief der Hauptkanal in Richtung des heutigen Gewerbegebietes Im Erlengrund (ehemalige Schlammabsetzteiche), unterquerte hier die BAB A3 und floss zusammen mit dem Handbach zur Emscher. Ab Mitte der 1960er Jahre erfolgte ab der Wehrstraße eine Neuverlegung hin zum heutigen Zusammenfluss mit dem Handbach an der Autobahnanschlussstelle Holten.
Der verrohrte Teil des Hauptkanals Sterkrade verläuft ab der Dinnendahlstraße über die Trasse Bronkhorststraße, Kleine Bronkhorststraße, Teutoburger/Holtener Straße, Parkplatz Hirsch-Center, Eugen-Zur-Nieden-Ring und Brandenburger Straße zum offenen Verlauf ab der Leuthenstraße. Eine frühere Trassenführung über die Bahnhofstraße, Finanzstraße und Kolpingstraße, die dem ursprünglichem Bachverlauf nahe kam, musste aufgrund bergbaulicher Einwirkungen in den 1960er Jahren in den heutigen Eugen-zur-Nieden-Ring und in die Brandenburger Straße verlegt werden.
Die Bachläufe Alsbach und Reinersbach waren ursprünglich Nebenläufe des Mühlenbaches, wurden im Weiteren aber auch zur Abwasserbeseitigung umfunktioniert. Der offene Verlauf des Alsbaches endet heute unmittelbar vor der Unterquerung der Bahnanlagen am Volkspark Sterkrade, der des Reinersbaches Holtener Straße. Über das heutige städtische Kanalnetz werden diese beiden Bachläufe weiterhin dem Hauptkanal Sterkrade zugeführt. Gleiches gilt für den Elpenbach.
Entflechtung des Hauptkanals Sterkrade
Um ihren wasserrechtlichen Verpflichtungen nachzukommen, plant die Emschergenossenschaft auch eine Entflechtung des Hauptkanals Sterkrade und seiner Nebenläufe.
Da der verrohrte Teil des Hauptkanals Sterkrade, an dem die umliegenden städtischen Entwässerungsnetze angeschlossen sind, auf entsprechende Regenereignisse ausgelegt ist, beabsichtigt die Emschergenossenschaft nicht wie bei einem offenen abwasserführenden Gewässerlauf den Bau eines parallelen Abwasserkanals, sondern die Errichtung eines „parallelen“ Reinwasserkanals. Der vorhandene Kanal soll weiterhin zur Abwasserableitung genutzt werden. Ein solcher Kanal, der an Teutoburger Straße/Kleine Bronkhorststraße beginnen soll, muss die Sterkrader Innenstadt queren, um zu dem heutigen offenen Verlauf des Hauptkanals Sterkrade zu gelangen, bei dem die Emschergenossenschaft bereits mit den ersten Arbeiten zum Bau eines parallelen verrohrten Abwasserkanals begonnen hat.
Im Rahmen einer Vorplanung hat die Emschergenossenschaft verschiedene Kanaltrasse überprüft und ist zum Ergebnis gekommen, dass folgende Linienführung vor dem Hintergrund der mit Baumaßnahmen verbundenen Eingriffe in den Straßenverkehr und der bereits vorhandenen unterirdischen Infrastruktur am besten umzusetzen ist:
- Querung des Parkplatzes des Sterkrader Tores
- Bahnhofstraße ab Eugen-zur-Nieden-Ring
- Holtkampstraße
- Unterquerung Bahngleise
- Von-Trotha Straße bis zum vorhanden verrohrten Hauptkanal
- parallel des vorhandenen Hauptkanals bis zum offenen Verlauf oberhalb der Leuthenstraße
Elpenbach
Im Weiteren ist es dann eine wasserrechtlich pflichtige Aufgabe der Stadt Oberhausen, den Elpenbach, der derzeit unterhalb der Elly-Heuss-Knapp-Stiftung in der städtischen Kanalisation endet, an diesen Reinwasserkanal anzuschließen. Die WBO hat dazu erste Überlegungen entwickelt, den vorhandenen naturnah gestalteten Bachlauf in offener Führung bis zur Teutoburger Straße zu verlängern. Der restliche Abschnitt bis zum Rohrkanal der Emschergenossenschaft muss dann in der Trasse der Teutoburger Straße als Reinwasserkanal geführt werden.

Reinersbach
Der Reinersbach wird heute ebenfalls ab der Holtener Straße über die städtische Kanalisation zum Hauptkanal Sterkrade hin abgeleitet. Für die Stadt Oberhausen besteht auch hier die wasserrechtliche Pflicht, diesen Bachlauf von der Abwasserkanalisation abzukoppeln. Auf der Grundlage einer Machbarkeitsstudie hat die Emschergenossenschaft zwei Vorschläge entwickelt, wie die der Bachlauf an das zukünftige Emschersystem angebunden werden kann.
Die Variante 1 sieht vor, den Reinersbach ab der Holtener Straße mittels eines Rohrkanals durch die Tirpitzstraße und den fußläufigen Teil der Steinbrinkstraße bis zum zukünftigen Reinwasserkanal Elpenbach in der Bahnhofstraße zu führen.
Mit der Variante 2 schlägt die Emschergenossenschaft vor, den Bachlauf ab der Holtener Straße mittels Rohrleitung durch die Tirpitzstraße, die Augustastraße, unter dem Gymnasialplatz, durch die Wilhelmstraße bis zum Beginn des Volkspark Sterkrade und dann in einem neuen offenen Bachbett durch den Volkspark Sterkrade bis zum Alsbach kurz vor Querung der Bahnanlage zu führen. Da aufgrund der gegebenen Höhenlage eine Hebung des Verlaufes um ca. 1 m erforderlich ist, schlägt die Emschergenossenschaft die Errichtung und den Betrieb einer Pumpanlage im Bereich der Schulsporthalle und des angrenzenden Sportplatzes vor. Dies kann in einer erlebbarer Art beispielsweise durch eine einsehbare Schneckenpumpe im Umfeld des Freiherr-von-Stein-Gymnasiums zu gestalten. Seitens der WBO wird vorgeschlagen, diese Hebung bereits im Bereich des Gymnasialplatzes vorzunehmen und hier ein Teilstück des Bachlaufes offen auszubauen.
Der Alsbach hat über die Sommermonate oberhalb des Volksgartenteiches oftmals nur eine sehr geringe Wasserführung. Durch die wärmebedingte hohe Wasserverdunstung über der Teichoberfläche fällt der Ablauf teilweise vollständig trocken, so dass auch ein neuentwickelter Wasserlauf auf dem ehemaligen Zechengelände in den Sommermonaten trocken fallen wird. Die Wasserführung des Reinersbaches ist ergiebiger, so dass bei einer Anbindung dieses Bachlaufes an den Alsbach unterhalb des Volksgartenteiches eine Wasserführung im Unterlauf des zukünftigen Alsbaches (siehe nächsten Abschnitt) deutlich verbessert werden kann.
Mit einem neu gestalteten offenen Wasserlauf im Volksgarten kann der Park eine zusätzliche attraktive Gestaltung erlangen. Im Zusammenwirken mit den sehr beengten Untergrundverhältnissen in der Tirpitzstraße wird dieser Variante seitens der Verwaltung der Vorzug gegeben.

Alsbach
Der Alsbach endet heute nach Unterquerung der Betuwegleise angrenzend zum Volkspark Sterkrade in einem verbliebenen Restteil der Kanalisation der ehemaligen Zeche Sterkrade und gelangt dann über die städtische Kanalisation auch in den bis jetzt noch abwasserführenden Hauptkanal Sterkrade. Im Zuge der Planungen zum Ausbau der Betuwelinie hat die Bahn AG ältere Überlegungen der Verwaltung für eine Neuentwicklung eines Wasserlaufes über das Gelände der ehemalige Zeche Sterkrade und Anbindung an den zukünftigen Reinwasserlauf Hauptkanal Sterkrade aufgenommen und als Kompensationsmaßnahme für Eingriffe in Natur- und Landschaft ins bahnrechtliche Planfeststellungsverfahren eingebracht. Insofern bedarf es hier zunächst keiner weiteren Handlungsschritte der Stadt.
Stadtgestalterische Überlegungen und Maßnahmen zur Klimaanpassung
Mit dem Bau eines unterirdischen Reinwasserkanals in der Trasse der fußläufigen Bahnhofstraße besteht die Möglichkeit, diesen Verlauf durch weitere wasserbauliche Maßnahmen in die Gestaltung der Sterkrader Innenstadt zu integrieren.
Es ist geplant, im Jahr 2021 im Rahmen eines wettbewerblichen Verfahrens ein Nutzungs- und Gestaltungskonzept für die Bahnhofstraße in der Sterkrader Innenstadt zu erarbeiten. Auf Basis des Vorentwurfs sollen für die städtebauliche Gestaltung der Fußgängerzone schließlich Landes- und Bundesförderungen in Höhe von rund 750.000 EUR (Baukosten) aus Mitteln der Städtebauförderung beantragt werden. Mit dem Bau eines Reinwasserkanals in der fußläufigen Bahnhofstraße besteht jetzt die Chance, neben der städtebaulichen Umgestaltung der Bahnhofstraße durch wasserbauliche Maßnahmen insgesamt eine Attraktivierung der Sterkrader Innenstadt zu realisieren und damit das Erscheinungsbild und die Aufenthaltsqualität der Bahnhofstraße deutlich zu steigern.
Für das Nutzungs- und Gestaltungskonzept ist nach derzeitigem Stand geplant, im ersten Quartal 2021 ein wettbewerbliches Verfahren mit drei Landschaftsarchitekturbüros unter Beteiligung zentraler Stadtteilakteure und der Öffentlichkeit durchzuführen. Mit einem positiven Förderbescheid kann nach Prüfung der Bezirksregierung Düsseldorf im zweiten Quartal 2022 gerechnet werden. Anschließend kann die Planung qualifiziert und die entsprechenden Ausschreibungen für die einzelnen Bauleistungen vorbereitet werden. Mit einem Umbau der Bahnhofstraße kann somit frühestens im ersten Quartal 2023 gerechnet werden. In Ergänzung dazu prüft die Verwaltung derzeit die Möglichkeit, wie die wasserwirtschaftlich erforderlichen Baumaßnahmen im Rahmen der Zukunftsinitiative „Wasser in der Stadt von morgen“ über die Emschergenossenschaft mit Landesfördermitteln des Klimafonds ein Projekt mit Klimaanpassungsmaßnahmen im Bereich der Sterkrade Innenstadt mitgeplant und realisiert werden kann. Die Verwaltung hat zwischenzeitlich eine gemeinsame Arbeitsgruppe mit den Wirtschaftsbetrieben Oberhausen und der Emschergenossenschaft eingerichtet, um die wasserbaulichen, städtebaulichen und klimaanpassungsbezogenen Planungen miteinander abzustimmen und zu entwickeln.
Finanzielle Konsequenzen
Finanzielle Konsequenzen ergeben sich erst, wenn Planungs- oder Steuerungsaufträge an externe Einrichtungen erforderlich und in der weiteren Konsequenz konkrete Baumaßnahmen beauftragt werden. Förderungen seitens des Landes oder der Emschergenossenschaft werden bis dahin geprüft und dargestellt.
Kurzfassung
Im Zuge des Umbaus des Emschersystems plant die Emschergenossenschaft einen Reinwasserkanal durch die Sterkrader Innenstadt, an den die Stadt den Elpenbach und den Reinersbach anschließen soll. Alternativ schlägt die Emschergenossenschaft eine Überleitung des Reinersbaches zum Alsbach vor. In Ergänzung dazu prüft die Verwaltung derzeit die Möglichkeit, wie die wasserwirtschaftlich erforderlichen Baumaßnahmen im Rahmen der Zukunftsinitiative „Wasser in der Stadt von morgen“ über die Emschergenossenschaft mit Landesfördermitteln des Klimafonds ein Projekt mit Klimaanpassungsmaßnahmen im Bereich der Sterkrade Innenstadt mitgeplant und realisiert werden kann.
Anlagen
| Nr. | Name | Original | Status | Größe | |
|---|---|---|---|---|---|
|
1
|
(wie Dokument)
|
860,6 kB
|
