Berichtsvorlage - M/16/4932-01
Grunddaten
- Betreff:
-
Sachstandsbericht über das Bundesprogramm „Sprach-Kitas: Weil Sprache der Schlüssel zur Welt ist“
- Status:
- öffentlich
- Vorlageart:
- Berichtsvorlage
- Federführung:
- Kinder, Jugend
- Bearbeitung:
- Andrea Termin
- Verantwortung:
- Herr Deniz
Beratungsfolge
| Status | Datum | Gremium | Beschluss | NA |
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●
Erledigt
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Jugendhilfeausschuss
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Kenntnisnahme
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05.09.2019
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Sachverhalt
Sachdarstellung
1. Zur Bedeutung der sprachlichen Bildung
Sprache ist eine der wichtigsten Schlüsselkompetenzen für eine aktive Teilhabe am gesellschaftlichen Leben. Die Förderung der sprachlichen Entwicklung nimmt somit einen hohen Stellenwert im pädagogischen Alltag der Kindertagesbetreuung ein und ist für den Bildungserfolg von Kindern eine zentrale Aufgabe im Elementarbereich. Dies gilt für Kinder mit deutscher Muttersprache ebenso wie für mehrsprachig aufwachsende Kinder, die ihre Muttersprache und zeitgleich Deutsch als Zweitsprache erwerben.
Durch die zweite Novellierung des Gesetzes zur frühen Bildung und Förderung von Kindern des Landes Nordrhein-Westfalen (KiBiz) zum 01.08.2014 wurde die Verbesserung der Bildungschancen von Kindern im Kontext eines ganzheitlichen Bildungsverständnisses und einer alltagsintegrierten Sprachbildung noch einmal besonders hervorgehoben. Auch im Zuge der aktuellen Novellierung des KiBiz, die zum Kindergartenjahr 2020/21 in Kraft treten soll, wird der Weiterentwicklung der alltagsintegrierten Sprachbildung auch zukünftig große Bedeutung beigemessen. Dabei wird diese als entwicklungs-, lebenswelt- und kompetenzorientiertes Instrument der pädagogischen Arbeit verstanden. Sie zeichnet sich dadurch aus, dass sie in allen Situationen des Einrichtungsalltags ihre praktische Umsetzung findet. Alltägliche Routinesituationen (wie Mahlzeiten, Körperpflege, Hol- und Bringzeiten, etc.) werden ebenso sprachlich begleitet, wie geplante und freie Spiel- und Bildungssituationen innerhalb und außerhalb der Einrichtungen (wie Projekte, Ausflüge, gemeinsame Aktionen und Veranstaltungen, etc.). Somit kann sich die alltagsintegrierte Sprachbildung je nach Situation und Anlass an einzelne Kinder, aber auch an die gesamte Kindergruppe oder Kleingruppe richten.
Mit dem Bundesprogramm „Schwerpunkt-Kitas Sprache & Integration“ wurden im Zeitraum 2011 bis 2015 wichtige Impulse für eine alltagsintegrierte sprachliche Bildung für Kinder von ihrem Eintritt in die Kindertageseinrichtung bis zur Erreichung des Schulalters gesetzt. Folgende Oberhausener Einrichtungen haben an diesem Programm teilgenommen (Vgl. Berichterstattung im JHA am 11.05.11, 29.08.12 und 29.01.14 (M/15/1250-01 und M/15/2232-01 und mündlicher Bericht mit Power Point Präsentation).:
Städtische KTE Strickersweg
Städtische KTE Tackenberg
Städtische KTE Villa Kunterbunt
Katholische KTE Herz-Jesu II
KTE der Ruhrwerkstatt
Mit dem Auslaufen des Programms führte das Nachfolgeprogramm des Bundes „Sprach-Kitas: Weil Sprache der Schlüssel zur Welt ist“ ab 2016 die pädagogischen Ansätze fort und entwickelte diese inhaltlich und strukturell weiter.
Das sprachliche Bildungsangebot in den teilnehmenden Einrichtungen soll systematisch verbessert werden. Mit dem Konzept der alltagsintegrierten sprachlichen Bildung wird der Alltag der Kindertageseinrichtung in seiner Gesamtheit darauf ausgerichtet, den Spracherwerb anzuregen und zu fördern. Es geht dabei nicht um ein pädagogisches Zusatzangebot, sondern um ein durchgängiges Prinzip pädagogischen Arbeitens in allen Bildungsbereichen, getragen von einer entsprechenden Haltung. Für die Gestaltung der Lern- und Bildungsprozesse in der Kindertageseinrichtung ist es wichtig, dass sich alle Kinder und ihre Familien unabhängig von ihrer Herkunft und ihrer Lebenssituation wahrgenommen und akzeptiert fühlen. Dazu braucht es eine Kommunikationskultur, die soziale Vielfalt wertschätzt und die Teilhabe aller unterstützt. Der Themenschwerpunkt der sprachlichen Bildung wird daher um die Vertiefungsthemen Inklusive Bildung und Zusammenarbeit mit Eltern erweitert.
2. Das Bundesprogramm „Sprach-Kitas: Weil Sprache der Schlüssel zur Welt ist“ – Ausgangslage
In der Sitzung des Jugendhilfeausschusses vom 09.12.2015 wurde das Bundesprogramm „Sprach-Kitas: Weil Sprache der Schlüssel zur Welt ist“ erstmalig vorgestellt (vgl. M/16/1300-01). Von den 16 Kindertageseinrichtungen (KTE), die Interesse an der Teilnahme bekundet hatten, nehmen insgesamt 10 KTE aus Oberhausen teil, wobei die Städt. KTE Lirich erst im Zuge der zweiten Förderwelle hinzugekommen ist.
Städtische KTE City West
Städtische KTE Stadtmitte
Städtische KTE Stader Weg
Städtische KTE Tackenberg
Städtische KTE Vennepoth
Städtische KTE Villa Kunterbunt I
Städtische KTE Lirich
Evangelische KTE Nohlstraße
KTE der Ruhrwerkstatt
KTE des Caritasverbandes Oberhausen e.V. Regenbogenland
In einem träger- und städteübergreifenden Verbund mit 6 weiteren Einrichtungen aus Gladbeck und Bottrop startete das Programm schließlich zum 01.01.2016. Jede teilnehmende Einrichtung erhielt mit 25.000 € pro Jahr für die Dauer der Förderung die Finanzierung für 0,5 Fachkraftstelle sowie für projektbezogene Sachausgaben und Gemeinkosten. Weitere 32.000 € wurden für die Schaffung einer 0,5 Stelle Fachberatung zur Verfügung gestellt, die für den genannten Verbund beim Caritas Verband Oberhausen e.V. angesiedelt wurde (vgl. M/16/1378-01). Die Finanzierung des Programms erfolgt zu 100 % durch den Bund und muss nicht zurückgezahlt werden. Die ursprünglich angelegte Programmlaufzeit vom 01.01.2016 bis zum 31.12.2019 wurde schlussendlich um ein weiteres Jahr, bis zum 31.12.2020 verlängert (vgl. B/16/3370-01).
3. Praktische Umsetzung des Bundesprogrammes in Oberhausen
Ziel des Bundesprogrammes ist eine systematische und ganzheitliche Verbesserung des sprachlichen Bildungsangebotes der teilnehmenden Einrichtungen. Neben einer Qualifizierung (Verbesserung) der Angebote in den Bereichen alltagsintegrierte sprachliche Bildung, inklusive Pädagogik sowie Zusammenarbeit mit den Familien sollen sich die teilnehmenden Einrichtungen qualitativ und konzeptionell weiterentwickeln. Um dies zu erreichen, verfolgt das Programm ein intensives Qualifizierungsmodell, welches nach Fortbildung (Qualifizierung) der Fachberatungen in einem ersten Schritt vorsieht, dass Fachkräfte und KTE-Leitungen sich fortlaufend als Tandem weiterbilden, um das Erlernte an die Teams in den Einrichtungen weiterzugeben und im Gesamtkonzept nachhaltig zu implementieren.
Eine besondere Rolle kommt der in diesem Kontext eingesetzten Fachberatung zu. Deren zentrale Aufgabe besteht in einer umfassenden Prozessbegleitung und Unterstützung der Sprach-Kitas sowie in der Organisation des Verbundes und des regionalen Fachaustausches. Im Laufe der Programmdauer hat sich eine sehr individuell ausgerichtete Fachberatung entwickelt, die neben den vorgesehenen Arbeitskreissitzungen und Qualifizierungsrunden je nach Bedarf bei Konzeptionstagen, in Teamsitzungen oder gar im Einzelfall begleitet und unterstützt. Dies ermöglicht, dem individuellen Tempo sowie der unterschiedlichen Gewichtung inhaltlicher Schwerpunkte der verschiedenen Einrichtungen Rechnung zu tragen, ressourcenorientiert an das Vorwissen der KTE-Teams anzuknüpfen und den passenden Weg für jede der teilnehmenden Kindertageseinrichtungen zu finden. Um einen besseren Einblick in die praktische Arbeit des Bundesprogrammes „Sprach-Kitas: Weil Sprache der Schlüssel zur Welt ist“ zu bekommen, nimmt die Fachberaterin des Oberhausener Verbundes an der Sitzung des JHA teil und wird aus der Praxis berichten.
Den zusätzlichen Fachkräften in den Einrichtungen hingegen kommt die Aufgabe zu, die KTE-Teams vor Ort zu beraten, zu begleiten und zu unterstützen, so dass die inhaltlichen Schwerpunkte nachhaltig in der praktischen Arbeit umgesetzt und verankert werden. Hierdurch soll erreicht werden, dass sich die Einrichtungen dauerhaft konzeptionell wie auch qualitativ weiterentwickeln, um auch nach Programmende von dem Gelernten profitieren zu können.
Zwar hat der Bund ein Nachfolgeprogramm in Aussicht gestellt, um die bisherige Arbeit weiter zu vertiefen, hierzu liegen zum jetzigen Zeitpunkt jedoch noch keine konkreten Informationen vor. Unabhängig davon, wurden die Fachberatungen der Träger von KTE während der Programmdauer über Trägertreffen inhaltlich mitgenommen. Darüber hinaus erfolgt regelmäßig eine Rückkopplung der Inhalte in den entsprechenden Dienstbesprechungen zwischen Fachberatungen und teilnehmenden Einrichtungen. Dies gewährleistet, dass das Wissen aus dem Programm „Sprach–Kitas: Weil Sprache der Schlüssel zur Welt ist“ auch nach Programmende nicht verloren geht.
