Beschlussvorlage - B/16/4876-01
Grunddaten
- Betreff:
-
Projektliste Ruhrkonferenz
- Status:
- öffentlich
- Vorlageart:
- Beschlussvorlage
- Federführung:
- Dezernat 0 / Strategische Planung
- Bearbeitung:
- Andrea Scholten
- Verantwortung:
- Dez 0 Herr Güldenzopf
Beratungsfolge
| Status | Datum | Gremium | Beschluss | NA |
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Erledigt
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Hauptausschuss
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01.07.2019
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Erledigt
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Rat der Stadt
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08.07.2019
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Beschlussvorschlag
Beschlussvorschlag
Der Rat der Stadt Oberhausen unterstützt die von der Landesregierung initiierten Ruhrkonferenz und die damit verfolgten Ziele. Er appelliert zudem an die Landesregierung,
- die Kommunen in die Beschlussfassung über die Ergebnisse und sich daraus ergebende Projekte einzubinden,
- bei der Umsetzung aller Projekte auf die strukturell-nachhaltige Wirksamkeit zu achten und
- die angespannte Finanzlage der Kommunen im Ruhrgebiet sowie die gesamte Region im Blick zu behalten.
Der Rat der Stadt Oberhausen nimmt den Bericht der Verwaltung zur Kenntnis und beauftragt den Oberbürgermeister, die Projektliste „Ruhrkonferenz – Chancen für die Region und Oberhausen“ bei der Landesregierung für die Ruhrkonferenz anzumelden.
Sachverhalt
Begründung
Wichtig für die Region – wichtig aus Sicht der Stadt Oberhausen
Die Stadt Oberhausen unterstützt die von der Landesregierung initiierte Ruhrkonferenz und die damit verfolgten Ziele. Mit der Ruhrkonferenz ist eine neue Dynamik in die Diskussion über die strukturellen Herausforderungen des Ruhrgebiets gekommen. Eine Debatte, die noch zu oft mit Blick in die Vergangenheit geführt worden ist, erhält damit den wichtigen Fokus auf gemeinsame Projekte und Lösungen für die Zukunft. Auf Basis der guten wirtschaftlichen Entwicklungen der letzten Jahre sowie des politischen Willens ergibt sich damit die Chance, entscheidende Weichen für die Metropole an Emscher und Ruhr zu stellen und das Bewusstsein für Zusammenarbeit in einer Metropolregion zu stärken.
Entsprechend hat sich die Stadt Oberhausen gemeinsam mit OWT und Fraunhofer UMSICHT aktiv in die Diskussionen eingebracht – sehr häufig unter persönlicher Beteiligung des Oberbürgermeisters und des Verwaltungsvorstands.
Die Ruhrkonferenz hat eine große Zahl an Ideen und Projekten diskutiert. Viele davon sind es wert, sie weiterzuverfolgen, zu konkretisieren und umzusetzen. Dennoch gibt es aus Sicht der Stadt Oberhausen Handlungsfelder und Projekte, die prioritär behandelt und umgesetzt werden sollten. Diese sollen mit Ratsbeschluss noch einmal ausdrücklich an die Landesregierung übermittelt werden und weitere Entscheidungen flankieren.
Maßgeblich für die Auswahl ist, dass die Projekte auf Zusammenarbeit und Gemeinsamkeit der Region abzielen. Das basiert auf der Überzeugung, dass Oberhausen von einer starken Metropolregion nur profitieren kann, Oberhausen aber auch seiner Verantwortung und Rolle in der Region nachkommen muss (und kann).
Gleichzeitig lag der Fokus auf den Themenfeldern, die aus Sicht Oberhausens zentral sind:
- Wirtschaft und Arbeit;
- Finanzierbarkeit und Lösung der Altschulden-Problematik;
- Sicherheit und Sauberkeit;
- Nachhaltigkeit und Mobilität;
- Bildung und Teilhabe; sowie
- Wissenschaft und Innovation.
Hintergrund zur Ruhrkonferenz
Chance – nicht Krise: Was ist die Ruhrkonferenz?
Das Ziel der von der Landesregierung initiierten 3. Ruhrkonferenz ist, die Entwicklungen des Ruhrgebiets zu einer erfolgreichen, wettbewerbsfähigen und lebenswerten Metropolregion voranzutreiben. Im Gegensatz zu zwei vorangegangen Ruhrkonferenzen (1979 und 1988) handelt es sich bei dem gewählten Format ausdrücklich nicht um eine einmalige Veranstaltung. Vielmehr setzt die Landesregierung auf einen breiten, mehrstufigen Beteiligungsprozess, der nicht nur erlauben soll, verschiedene Stakeholder einzubinden, sondern auch ein möglichst breites Themenspektrum zu diskutieren. Dies ist zum einen darauf zurückzuführen, dass im Gegensatz zu den vorangegangenen Konferenzen keine akute Krise bewältigt werden muss. Zum anderen will man genau diese Chance nutzen, die dennoch großen Herausforderungen längerfristig und strukturell mit einer Zukunftsagenda anzugehen.
Die Ruhrkonferenz ist in drei Phasen unterteilt: Zuhören, Entscheiden und Handeln. Die erste Phase des Zuhörens begann am 31.8.2018 und endet im Sommer 2019. In dieser Phase gilt es, Ideen und Projekte gemeinsam zu generieren. In der zweiten Phase werden die gesammelten Ideen aus den unterschiedlichen Bereichen bewertet, priorisiert und entsprechend zu Maßnahmenpaketen mit Leit- und Einzelprojekten gebündelt. Auf Basis dieser Debatten wird entschieden, welche (Leit)Projekte umgesetzt werden. Dies geht einher mit der Konkretisierung und der Abbildung von Finanzierung aus Landes-, Bundes- und EU-Mitteln. Anschließend gehen die Projekte in die Umsetzung.
Es ist zu beachten, dass die Ergebnisse der Ruhrkonferenz nicht automatisch in eine neue Förderkulisse münden. Inwieweit sich daraus Zugänge zu Fördermitteln eröffnen, bleibt abzuwarten. Entsprechend ist nicht angezeigt, Förderprojekte aus Stadtsicht (bspw. für Quartiersentwicklung, kommunale Konzept o.ä.) zu formulieren. Dennoch werden das Fördermanagement und die zuständigen (Fach)Bereiche bei den ggf. mit der Umsetzung der Ergebnisse verbundenen Förderprogrammen darauf achten, Projekte für Oberhausen zu beantragen, wie dies im Rahmen anderer Förderkulissen auch der Fall ist.
Wider das Kirchturmdenken: Wie „entstehen“ Ideen und Projekte?
Die Federführung der Ruhr-Konferenz obliegt dem Minister für Bundes- und Europaangelegenheiten sowie Internationales, Stephan Holthoff-Pförtner. In einem Beirat stehen ihm der Präsident der Landesvereinigung der Unternehmensverbände Nordrhein-Westfalen (unternehmer nrw) Arndt G. Kirchhoff, die Vorsitzende des DGB NRW, Anja Weber, sowie der Bischof von Essen, Dr. Franz-Josef Overbeck, zur Seite.
Inhaltlich wird in 20 Themenforen diskutiert, die grundsätzlich alle Politikfelder abbilden sollen. Sie werden entsprechend verantwortlich durch die Landesministerien geleitet. Diese flankieren Co-Leitungen aus Wirtschaft und Zivilgesellschaft. Grundsätzlich ist den einzelnen Ministerien die Organisation der Themenforen und entsprechend das Format überlassen worden. Dies führte zu einer großen Variation in Einladungsverteilern, Teilnehmerzahlen, Diskussionsformaten, Dokumentation etc.
An dieser Stelle ist kritisch anzumerken, dass der Organisationprozess nicht immer transparent und die Beteiligung der Kommunen nicht immer sichergestellt war. Teilweise erfolgten (anfangs) gar keine Einladungen zu Foren. Auch boten die Formate nicht gleichermaßen die Chance, Ideen einzubringen bzw. weiterzuverfolgen. Zudem waren die Themenforen nicht trennscharf und in Teilen redundant. Entscheidungen und Möglichkeiten, wo sich eingebracht wird, wurden so erschwert. Positiv festzuhalten ist, dass es in den meisten Formaten häufig gelang, zusammen mit anderen Ideen und Projekte gemeinsam zu entwickeln, die wiederum dann für die gesamte Region Wirkung entfalten könnten. Interessen konnten so ausgeglichen und der Fokus auf einzelne Kommunen weitestgehend ausgeblendet werden.
Das Einbringen von Ideen und Projekten in der ersten Phase war neben den Themenforen durch Initiativen von Verbänden und Institutionen (RVR, Business Metropole Ruhr, IHK, HWK, Kirchen, Forschungseinrichtungen etc.) sowie auf einer Online-Plattform möglich, die sich vor allem an Bürgerinnen und Bürger richtet. Weil es sich bei der Ruhrkonferenz um eine regionale Initiative handelt, gilt als wichtiges Kriterium für die Formulierung von Ideen und Projekten, dass diese Wirkung in die gesamte Region entfalten sollen. Damit will man Tendenzen des Kirchturmdenkens und des Proporzes entgegenwirken. Im Gegenteil: Gerade die vertiefte und nachhaltige Zusammenarbeit von Kommunen, Wirtschaft und Zivilgesellschaft ist neben strukturpolitischen Projekten ein explizites Ziel der Ruhrkonferenz.
Als Grundlage für die Auswahl der Leitprojekte gibt es folgende Kriterien:
- hohe Bedeutung für die Verwirklichung der erfolgreichen, dynamischen und lebenswerten Metropolregion Ruhr,
- Ziele mehrerer Themenforen abdecken,
- auf das Zusammenwirken mehrerer Ressorts der Landesregierung angewiesen sein, und
- in besonders hohem Maß die Zusammenarbeit über kommunale und institutionelle Grenzen hinweg fördern und nutzen.
Oberhausen als Teil der Region
Die Stadt Oberhausen hat sich grundsätzlich entlang der fünf zentralen Handlungsfelder mit OWT und Fraunhofer UMSICHT in einer Vielzahl von Themenforen, Gesprächen und Initiativen an den Diskussionen beteiligt, Ideen eingebracht und gemeinsam mit anderen Ideen weiterentwickelt.
Teilnahme in den Themenforen
Entsprechend der Geschäftsbereiche oblag die Beteiligung an den Diskussionen der jeweiligen fachlichen Zuständigkeiten der Dezernate. Einladungen sind demzufolge erfolgt bzw. sind entsprechend verteilt worden. Die Stadtkanzlei erhält hierüber aus den Dezernaten die Information, um einen Gesamtüberblick zu gewährleisten.
Insgesamt waren Vertreterinnen und Vertreter für Oberhausen in 13 der 20 Themenforen aktiv. Hier war das Ziel aus Sicht der Stadt, Teil des Diskurses zu sein und Lösungen aktiv sowie ad hoc einzubringen. Ein weiteres Themenforum steht noch an.
Themenforum | Dezernat | Teilnahme durch … | |
3 | Themenforum „Bekämpfung der Clan-Kriminalität“ | Dez. 2 | Hr. Motschull |
4 | Themenforum „Urbane Energielösungen für die Metropolregion“ | Dez. 0/ Dez. 5 | Hr. OB Schranz, Fr. Lauxen |
6 | Themenforum „Die Chancen der Digitalisierung im Tourismus nutzen“ | OWT | Hr. Suhr |
5 | Themenforum „Von der Idee zum Produkt“ (folgt noch) | Dez. 0 | Hr. Güldenzopf |
7 | Themenforum „Zukunftswert Arbeit“ | Dez. 0/ Dez. 3 | Fr. Münich, Hr. Güldenzopf |
8 | Themenforum „Potenziale der Metropolregion für Gesundheit und Pflege nutzen“ | Dez 5 | Fr. Lauxen |
9 | Themenforum „Unterricht sichern – Lehrerversorgung stärken“ | Dez. 3 | Fr. Dr. Jordan-Ecker |
10 | Themenforum „Beste Bildungschancen unabhängig von Ort und Herkunft – Talentschulen als Modelle für individuelle Förderung“ | Dez. 0/ Dez. 3 | Hr. Güldenzopf, Fr. Dr. Jordan-Ecker |
11 | Themenforum „Heimat.Ruhr“ | Dez. 0/ Dez. 1/ Dez. 5 | Hr. OB Schranz/ Hr. Tsalastras/ Hr. Mollerus |
13 | Themenforum „Neue Mobilität“ | Dez. 0 | Hr. OB Schranz |
14 | Themenforum „Grüne Infrastruktur Metropolregion Ruhr“ | Dez. 5 | Fr. Lauxen |
16 | Themenforum „Künstler-Metropole Ruhr“ | Dez. 0 | Hr. Güldenzopf |
17 | Themenforum „Das Ruhrgebiet als weltweit vernetzte Innovationsregion“ | Dez. 0 | Hr. Güldenzopf |
15 | Themenforum „Strahlkraft und Wirkung der Wissenschaftslandschaft erhöhen“ | Dez. 0, Fraunhofer | Hr. OB Schranz, Hr. Prof. Dr. Deerberg |
Auf Basis fehlender Einladung, Terminkonflikten und/ oder Priorität hat an folgenden Themenforen im Rahmen von Veranstaltungen keine Oberhausener Beteiligung stattgefunden.
1 | Themenforum „#Chancen, #Vielfalt, #Aufstieg“ |
2 | Themenforum „Innovationen im Ruhrgebiet – Welchen Beitrag hierzu kann eine Förderbank leisten?“ |
12 | Themenforum „Rechtsstaat stärken – Integration fördern“ |
18 | Themenforum „Das große Wort direkt vor Ort: Starke Medien, starker Zusammenhalt, starke Demokratie“ |
19 | Themenforum „Cool, kreativ, international – Ruhr Games halten das Ruhrgebiet in Bewegung“ |
20 | Themenforum „Gemeinsames Engagement von Zivilgesellschaft und Wirtschaft“ |
Engagement in Verbänden und Initiativen
Neben dem Engagement in den Themenforen haben sich mehrere Beteiligte in die Arbeit in Verbänden bzw. Initiativen eingebracht. Hier sind Papiere und Konzepte gemeinsam mit Blick auf die Region entwickelt worden.
Verband/ Initiative | Teilnahme durch … |
Business Metropole Ruhr | Hr. Lichtenheld (OWT) |
Emschergenossenschaft | Fr. Lauxen (Dez. 5) |
Wissenschaftsforum Ruhr e.V. | Hr. Prof. Dr. Deerberg |
(Ausschüsse) Städtetag | Verwaltungsvorstand |
Schuldenkrise Kommunen | Hr. OB Schranz (Dez. 0)/ Hr. Tsalastras (Dez. 1) |
Projektliste „Ruhrkonferenz – Chancen für die Region und Oberhausen“
Vertreterinnen und Vertreter der Stadt Oberhausen haben sich in zahlreichen Themenforen und Diskussionsrunden im Rahmen der Ruhrkonferenz eingebracht, mitdiskutiert und Ideen generiert. Dabei war und ist es Grundüberzeugung, dass zunächst die zahlreichen Probleme des Ruhrgebiets klar benannt werden müssen, um sie dann gemeinsam zu einer Lösung zu bringen. Dabei ist kein Aktionismus, sondern ist Nachhaltigkeit bei der Entwicklung der Maßnahmen gefragt. Deswegen braucht es Projekte, die regional-strukturell Wirkung entfalten und die Zusammenarbeit im Ruhrgebiet stärken. Die Bereiche Bildung, Wissenschaft, Wirtschaft, Mobilität und Klima gehören zu den zentralen Herausforderungen des Ruhrgebiets, die weder durch Kirchtürme oder Leuchttürme allein gelöst werden können.
Mit dieser Projektliste werden Projekte und Themen, die aus Sicht der Stadt Oberhausen zentral für die Region sind, noch einmal übersichtlich dargestellt. Dies dient der Pointierung bereits aufgenommener Punkte und ggf. der Ergänzung bestehender Ergebnislisten.
Einrichtung eines Entschuldungsfonds – Grundlage für die Umsetzung der „Ruhrkonferenz“
Der Rat der Stadt Oberhausen hat im April dieses Jahres eine Resolution verabschiedet, die an Bund und Land appelliert, gemeinsam mit den vom Strukturwandel besonders betroffenen Kommunen eine Lösung der Altschulden-Last zu entwickeln. Vergleichsweise niedrige Wirtschafts- und Steuerkraft sowie hohe Sozialkosten haben dafür gesorgt, dass sich die Lebensverhältnisse und -perspektiven in den Kommunen gravierend auseinanderentwickelt haben. Die Gleichwertigkeit der Lebensverhältnisse in Deutschland ist nicht mehr gewährleistet. Finanzschwache Kommunen sind nicht mehr in der Lage, aus eigener Kraft für ihre Bevölkerung vergleichbar gute Lebensbedingungen und Zukunftsaussichten zu ermöglichen.
Die hohe Verschuldung ist zugleich Belastung durch den hohen Zinsaufwand und das Risiko, dass sich die Finanzierungsbedingungen auf den Kapitalmärkten verändern. Daher ist das augenblickliche Zeitfenster der niedrigen Zinsen für eine Entschuldung der Kommunen zu nutzen, weil in Zukunft ein solcher Prozess ungleich teurer und risikoreicher werden würde.
Wenn der Abbau der Altschulden gelingen und nachhaltig gesichert werden soll, muss die Finanzausstattung der Kommunen den Aufgaben entsprechend sichergestellt werden. Dies betrifft insbesondere die Finanzierung der Sozialleistungen und die Ermöglichung ausreichender Investitionen zur Sicherstellung der Infrastruktur. Bund und Länder müssen die aktuelle Belastung der Kommunen nachhaltig reduzieren und sich für zukünftige Aufgaben dem Prinzip der Konnexität verpflichten.
Ein Mittel, um diesen strukturellen Herausforderungen nachhaltig zu begegnen, ist die Einrichtung eines Entschuldungsfonds unter Beteiligung von Bund und Land. Ohne vom notwendigen Konsolidierungskurs in den Kommunen abweichen zu müssen, kann damit nicht nur das Zinsrisiko minimiert werden. Vielmehr wird dadurch der dringend benötigte Spielraum für Investitionen erweitert. Das wäre weiterhin die Basis für die Umsetzung von Projekten, die im Rahmen der Ruhrkonferenz entwickelt worden sind. Die Kommunen sind bereit, ihren Teil dafür beizutragen.
Neue Governance-Struktur: Beteiligung der Städte und Kreise an einer „Universität Ruhr“
Für das Ruhrgebiet ist es zentral Wirtschaft, Forschung und Bildung eng über und mit den Kommunen zu verbinden. Die Entwicklung von Fachkräften, das Gründen aus Forschung heraus oder der Wissenstransfer mit und in der Wirtschaft ist eine gemeinsame Aufgabe, die unabhängig von Standorten regional gelöst werden muss. Deswegen gilt es, die Netzwerke zu stärken und Beteiligung sowie Verantwortung regional wahrzunehmen.
In den Diskussionen der Themenforen ist deutlich geworden, dass für den Wissenschaftsstandort Ruhrgebiet eine Strategie der Exzellenzförderung verfolgt wird. Für die damit einhergehende Stärkung der Universitäten gibt es viele sehr gute Argumente. Auch das Ruhrgebiet braucht exzellente und international renommierte Forschung und Bildung. Davon profitiert die Region insgesamt. Neben wirtschaftsrelevanten Innovationen und Fachkräftegewinnung geht damit nicht zuletzt ein Imagegewinn einher, der ein modernes, in Zukunft gewandtes Bild der Region verstärken wird.
Eine neue Governance-Struktur für die Universitäts- und vielleicht auch Hochschullandschaft im Ruhrgebiet kann ein geeignetes Element sein, die existierenden Wissenschaftsstandorte noch enger mit einander zu verbinden, Synergien zu heben und so bessere Zusammenarbeit zu ermöglichen. Das „University-of-California“-Modell ist ein internationales Beispiel, das sicherlich dabei als Inspiration dienen könnte.
Eine neue Governance-Struktur ist jedoch mehr als eine Möglichkeit der Markenbildung. Sie könnte als Grundlage für eine neue Qualität der Zusammenarbeit für die Bewältigung zentraler Zukunftsfragen dienen. Deswegen sollten über eine neue Form der Kooperation allen Städten und Kreisen an der Wissenschaftslandschaft im Ruhrgebiet beteiligt werden. Das bietet jenseits von Stadtgrenzen eine Chance, Neues gemeinsam zu entwickeln und vielleicht auch allen Kommunen nicht nur Mitsprache, sondern auch ein stückweit Mitverantwortung an der Wissenschaft im Ruhrgebiet zu ermöglichen. Entscheidungen über Standorte, Forschungsnetzwerke etc. könnten gemeinschaftlich organisiert werden.
Hier beginnt aus Wissenschaftspolitik nachhaltige Standortpolitik zu werden. Aus „Universität Stadt“ könnte eine gemeinsame „Universität Ruhr“ werden – „unsere“ Universität, an der eine gesamte Region beteiligt ist und von der sie entsprechend gemeinsam profitiert. Als Teil einer neuen Governance-Struktur würde sich die Stadt bzw. der Kreis als „Teilhaberin“ direkt einbringen.
Oberhausen ist bereit, sich an einer neuen Governance-Struktur auch als Standort für die Weiterentwicklung der „Wissenslandschaft Ruhrgebiet“ zu beteiligen.
Emscher-Universität
Einen Schritt weiter als die Governance-Struktur geht vor dem Hintergrund der Standortpolitik der Vorschlag einer Emscher-Universität. Mit Blick auf die Emscher-Region ergibt sich aufgrund traditioneller Verflechtungen und aktueller Herausforderungen mit einer solchen Initiative die Möglichkeit, strukturelle und nachhaltige Entwicklungen in der Region zu stärken und an entscheidender Stelle einen „weißen Fleck“ in der Hochschullandschaft zu beseitigen. Dabei geht es nicht nur darum, Wege zu verkürzen und Klebeeffekte in der Region zu stärken. Neben Wissenschaftspolitik, Innovations- und Wissenstransfer sowie Fachkräfteentwicklung geht es hier um Standortpolitik.
In vielen Regionen wird deutlich, wie wichtig die Ansiedlung von Wissenschaftsstandorten nicht nur für die Exzellenz, sondern die strukturelle Weiterentwicklung sein kann. Wie auch in anderen Regionen wird am Beispiel Dresdens deutlich, dass Wissenschaft nicht immer nur Wissenschaft folgen muss, sondern aktiv für die Entwicklung strukturschwacher Regionen positiv genutzt werden kann. Auch die Kohlekommission hat nicht zuletzt vor diesem Hintergrund die Einrichtung bzw. Verlagerung von Bundes- und Forschungseinrichtungen in die vom Ausstieg aus der Kohle betroffenen Regionen vorgeschlagen. Deswegen ist die Idee einer Emscher-Universität darüber hinaus das klare Signal, dass das Ruhrgebiet mehr Forschung und Wissenschaft in der Region braucht und sich selbstbewusst nicht mit dem Bestand zufrieden gibt.
Das gesamte Ruhrgebiet kann von einer größeren Zahl an Wissenschaftsinstitutionen nur profitieren. Es braucht für die Wissenschaftslandschaft im Ruhrgebiet neben der Exzellenz an der Spitze eine breite Mitte und ein dickeres, regional vernetztes Fundament; es braucht daher auch mehr Forschungs- und Bildungseinrichtungen. Eine Emscher-Universität kann auch diese Funktion übernehmen und eine sowohl wissenschaftliche als auch strukturpolitische Lücke schließen. Dasselbe gilt für das Bemühen, weitere Forschungsinstitute im Ruhrgebiet anzusiedeln.
Sicher: Die Gründung einer Hochschule ist nur eine Möglichkeit bzw. ein Baustein, um die Region weiter nach vorn zu bringen. Aber es ist ein wichtiger. Mit den bestehenden Strukturen aus Infrastruktur, Unternehmen und Fraunhofer UMSICHT haben wir sehr gute Startvoraussetzungen, um gezielt Wissenschaft und Forschung im Ruhrgebiet zu stärken und auszubauen.
Wissenschaftspolitik mit Standortpolitik zu verbinden, birgt für die gesamte Region eine große Chance und vergrößerst den Hebel, um den Strukturwandel flächendeckend schneller hinter sich zu bringen.
Oberhausen hat aufgrund seiner geographischen Lage und wirtschaftlichen Funktion eine besondere Rolle im Ruhrgebiet. In einem Umkreis von nicht viel mehr als 15 km liegen die Kreise Wesel und Recklinghausen sowie die Städte Duisburg, Mülheim, Essen, Bottrop und Gelsenkirchen. Hier gibt es enge Verbindungen und Austausch durch Unternehmen und Pendler. Oberhausen könnte nicht nur vor diesem Hintergrund als Bildungsstandort eine weitere notwendige Funktion fürs Ruhrgebiet übernehmen und ihr Potential weiter ausschöpfen.
Oberhausen bietet zahlreiche Möglichkeiten für wie die Erweiterung und Verdichtung der Wissenschaftslandschaft im Ruhrgebiet – vom kleinen Institut, über Verwaltungseinheiten bis zum „Campus“.
Investitionen und Strukturfonds für Klimaschutz, Mobilität und Flächenentwicklung als Basis gezielter Maßnahmen vor Ort
In einer Vielzahl von Themenforen und Initiativen sind Ideen für Strukturfonds entwickelt worden. Diese sollen in erster Linie dazu dienen, gemeinsame strukturelle Herausforderungen unter Beachtung der spezifischen Bedingungen vor Ort zu lösen. Entlang regionaler Ziele könnten so wichtige Maßnahmen finanziell abgesichert in den Kommunen umgesetzt werden. Die Stadt Oberhausen unterstützt diese Herangehensweise ausdrücklich.
Klimaschutzfonds
Das Ruhrgebiet verfügt über ein breites Angebot grüner Naherholung und ist deswegen auch bei Touristen immer beliebter. „Grün“ muss jedoch lokal (auch global) mit Blick auf Nachhaltigkeit, Gesundheit und attraktive Quartiere strategisch weiterentwickelt werden. Gerade im Zusammenhang mit der Emscher-Renaturierung hat sich gezeigt, wie sich Kooperation unter Kommunen positiv entwickeln kann. Die Einrichtung eines Klimaschutzfonds kann auf Basis einer ähnlichen Governance-Struktur helfen, der Klimakrise im urbanen Kontext noch stärken zu begegnen – sind die finanziellen Mittel doch gerade in den Ruhrgebietskommunen dafür nicht ausreichend vorhanden.
Investitionen in Mobilität
Das Ruhrgebiet benötigt dringend Investitionen in die Verbesserung der Mobilität. Gerade die Stärkung des ÖPNV ist notwendig. Deswegen bedarf es nicht nur der Investition in die Erhaltung bestehender Infrastruktur. Vielmehr braucht es Investitionen in wirksame Infrastrukturprojekte, die Menschen mit Arbeit und Leben auf nachhaltige Art und Weise verbinden. Die Stadt Oberhausen unterstützt die Idee der „Modernen Stadtbahn Ruhr“. Dies muss jedoch mehr sein, als die Sanierung von U-Bahnhöfen. In Kombination mit moderner Technik muss das „Zubringer-System“ deutlich attraktiver werden. Auch müssen neue Streckenführungen bzw. -verbindungen geprüft werden. Mit einem gemeinsamen Serviceversprechen, schnellen Verbindungen und klaren, attraktiven Tarifen muss der ÖPNV die erste Wahl für Pendlerinnen und Pendler sein. Die Vereinheitlichung der bestehenden Systeme ist dafür die Basis bzw. Grundvoraussetzung.
Flächenentwicklungsfonds Ruhr
Auf Basis einer gemeinsamen Strategie für die Standortentwicklung des Ruhrgebiets müssen in naher Zukunft deutlich mehr Flächen für Gewerbe und Industrie verträglich bereitgestellt werden. Gerade in den hochverdichteten Kommunen der Metropole Ruhr drohen ansonsten Engpässe bei der wirtschaftlichen Weiterentwicklung. Eine große Chance besteht in der Entwicklung restriktionsbelasteter Flächen. Da dies in der Regel nicht eigenwirtschaftlich möglich ist, soll ein Flächentwicklungsfonds Ruhr aufgesetzt werden. In enger Kooperation von Kommunen, RVR und dem Verband für Flächenrecycling und Altlastensanierung (AVV) können Flächenpotentiale nach und nach mit Blick auf die gesamte Region revitalisiert werden.
Ruhr Campus of Profession and Innovation
Berufliche Bildung ist für viele die Chance auf gute Arbeit, wirtschaftliche Sicherheit und Anerkennung und auch eine starke Alternative zu einem akademischen Studium. Gesellschaftlich ist sie ein zentraler Schlüssel für Aufstieg, Integration und nicht zuletzt Wirtschaftswachstum. Gerade in einer Region wie dem Ruhrgebiet sind eine attraktive Berufs- und Weiterbildung sowie gut ausgebildete Fachkräfte ein entscheidender Faktor, um die vielen sozialen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Herausforderungen zu meistern.
Vor diesem Hintergrund mag es paradox anmuten, dass auf der einen Seite weniger Lehrstellen in Betrieben angeboten werden als es Bewerber gibt (inkl. „Altbewerber“, die schon länger die Schule verlassen haben) und auf der anderen Seite über das Fehlen von Fachkräften und die oft fehlenden Grundlagen sowie die mangelnde Motivation bei Jugendlichen geklagt wird. Allerdings ist das nur die „Spitze des Eisberges“ der Herausforderungen, vor denen das Bildungssystem und Unternehmen stehen:
- Berufliche Bildung wird zunehmend nicht gleichwertig oder zu wenig attraktiv gegenüber der allgemeinen Bildung wahrgenommen. Eine oftmals schiefe Debatte zwischen Schulversagen und Abitur führt gerade bei jungen Menschen zu häufig falschen Bildern über Berufe und Perspektiven.
- In vielen kleinen und mittelständischen Unternehmen sind strategische Personalplanung und -entwicklung häufig eine Herausforderung.
- Während der Debatte um Haupt- und Gesamtschulen, G8 oder G9 sind die Leistungen der Berufskollegs nicht zu vergessen. Sie spielen gerade bei der Integration und dem sozialen Aufstieg eine zentrale Rolle. An keiner anderen Schulform ist der Bildungsaufstieg innerhalb eines Systems in dieser Art möglich.
- Für das Handwerk und kleine Unternehmen ist neben der Personalentwicklung Innovation eine Herausforderung. Mangelhafter Wissenstransfer, fehlende Ressourcen und Netzwerke mit Hochschulen und Forschungseinrichtungen sind hierfür ausschlaggebende Punkte.
- Umgekehrt gelingt es der „Aus- und Weiterbildung“ nicht immer, mit der Geschwindigkeit, mit der sich Berufe bspw. mit Blick auf die Digitalisierung ändern, mitzuhalten und angemessen auf den „Markt“ zu reagieren. Unternehmen und Aus- und Weiterbildungseinrichtungen müssen heute schneller mit Aus- und Fortbildung auf diese Entwicklungen reagieren.
- Globalisierung macht nicht vor klein- und mittelständischen Unternehmen (KMU) und auch nicht vor beruflicher Ausbildung halt. Beide müssen die Herausforderungen der Internationalisierung meistern. Dabei gibt es auch die Chance, von internationalen Netzwerken und Erfahrungen zu profitieren. Dies gelingt vielen kleinen Unternehmen oder Ausbildungsträgern nicht befriedigend.
Mit dem Ruhr Campus of Profession and Innovation wird ein Ort geschafften, auf dem unterschiedliche Menschen exzellente berufliche Aus- und Weiterbildung genießen, berufliche Perspektiven bekommen und auf moderne Unternehmen treffen können. Integration und sozialer Aufstieg werden durch mehr Transparenz und Durchlässigkeit gefördert. Unternehmen finden hier einen Ort für die Fachkräfteentwicklung entlang des eigenen Bedarfs sowie Raum und Netzwerke für Innovation. Der enge Austausch zwischen Praxis, Ausbildung und angewandter Wissenschaft sichert bedarfsorientierte, flexible Aus- und Weiterbildung. Der Campus wird als Ökosystem und Ort zu einem Nährboden für Gründung und Kooperation. Eine moderne Infrastruktur und ein innovativer Ort verändern die Wahrnehmung von beruflicher Ausbildung und räumen mit veralteten Bildern auf. Als „Third Place“ wird der Campus zu einem Ort der Begegnung in der Region.
Die „Wertschöpfungskette“ von Ausbildung wird hier anders gedacht. Es wird nicht berufliche Ausbildung gestärkt, sondern auch Strukturpolitik für eine Region gemacht, indem Stärken von Ausbildung und Vermittlung sowie von Unternehmen und Wissenschaft gebündelt werden.
Die Campus-Idee besteht aus fünf Elementen, die helfen, die Herausforderungen beruflicher Bildung aufzunehmen, die Ziele umzusetzen und best-practice für andere Institutionen entwickeln. Neben der Skalierbarkeit der Elemente ist wichtig, dass diese auch in Einzelschritten nahezu unabhängig voneinander umgesetzt werden könnten. Jedes dieser Elemente kann einen wichtigen Beitrag zur Verbesserung beruflicher Ausbildung leisten und im Zusammenspiel große Wirkung entfalten:
Hybride Lernlandschaft für (potentielle) Auszubildende und Unternehmen
Insgesamt ist der Campus ein moderner Dienstleister und innovativer Partner nicht nur der Schüler, Auszubildenden und Weiterbildungssuchenden, sondern auch der regionalen Wirtschaft mit den zahlreichen KMU. So sollen Wirtschaft und Wissenschaft in eigenen Räumlichkeiten auf dem Campus agieren, um aktiv zu rekrutieren, gemeinsam zu innovieren und gezielt auszubilden. Der Campus ist somit eine hybride Lernlandschaft für viele Beteiligte. Hier lernen, d.h. profitieren nicht nur die Menschen in Aus- und Weiterbildung, sondern auch Schüler, Unternehmen und Wissenschaft. Das Thema Digitalisierung kann hier fokussiert und gemeinsam bearbeitet werden.
„24/7 Innovationsort“
Zentral für die Campus-Idee ist, dass dieser Ort nicht nur im Rahmen von Lehrplänen und Schulzeit genutzt werden soll. Vielmehr bieten FabLabs, Innovations-Inkubatoren und Co-Working-Angebote auf dem Campus rund um die Uhr – also 24/7 – Möglichkeiten für unternehmerische Projekte, Experimente oder Gründung. Dabei wird die Grundidee verfolgt, dass man diese Elemente nicht von beruflicher Ausbildung und den Erfahrungen bzw. Bedürfnissen der KMU trennen kann. Hier gehen wir im Sinne der Stärkung beruflicher Ausbildung und innovativer KMU den Weg von nicht mehr Verwissenschaftlichung, sondern mehr Praxisorientierung von Innovation. Basis dafür ist eine moderne Technik und Wissen.
Innovationsagentur
Wichtig für die Wirksamkeit ist die bessere Abstimmung der Vermittlung bzw. des Matching von Schülerinnen und Schülern. Das Berufsbildungssystem sowie die vielen Möglichkeiten beruflicher Weiterentwicklung sind unübersichtlich. Es gibt eine Reihe von Ansätzen und Projekten, die dies zu beheben versuchen. Es bleiben zentrale Herausforderungen: a) zu große Unklarheit bei Anlaufstellen und Verantwortlichkeiten; und b) zu wenig Wissen über Schülerinnen und Schüler mit Blick auf Potentiale und Entwicklungschancen. Am Campus wird deswegen eine Innovationsagentur etabliert. Sie bildet die Schnittstelle zwischen Schule, beruflicher Bildung und Arbeitswelt – als zentraler „Marktplatz“ zur Gewinnung sowie Aus- und Weiterbildung von Fach- und Führungskräften.
Plattform einer Azubi-KI
Ein wirkungsvolles Matching ist nicht nur eine Frage des persönlichen Kontakts und der guten Vernetzung von Auszubildenden, Schulen und Unternehmen. Vielmehr werden fürs Matching der Umgang mit und der Einsatz von Daten immer wichtiger. Hier bieten sich eine Reihe ungenutzter Potentiale. In einem Modellversuch wird deswegen eine „Azubi-KI“ entwickelt. Durch die Lösung von Schnittstellenproblemen soll datenschutzkonform eine Datenbank aufgebaut werden, die das Matching mit Unterstützung „Künstlicher Intelligenz“ verbessert. Sowohl die Prognosekraft als auch Wirkungsmessung können damit vorangetrieben werden. Transparenz für die beteiligten Stellen und Personen ist dafür zentral.
Mit dem „Ruhr Campus of Profession and Innovation“ werden folgende Ziele verfolgt:
- Stärkung der Ausbildung: Der Campus ist auf Augenhöhe mit Fachhochschulen und Universitäten konzipiert. Durch die Bündelung von Kräften auf Basis der Berufskollegs wird berufliche Bildung gestärkt und als attraktive Alternative zum Studium positioniert. Information und Werbung erfolgen fokussierter und werden durch einen attraktiven, innovativen Ort „fassbar“. Zusätzlich sorgen bessere Orientierung, Verbesserung des Matchings sowie die Bündelung der Bemühungen an den Übergängen für mehr Perspektiven.
- Engere Verzahnung von Bildung und Wirtschaft durch gemeinsame Verantwortung: Am Campus treffen Wirtschaft, Schule und Wissenschaft zusammen und bilden gemeinsam ein Ökosystem für Innovation, Gründung und Wissenstransfer. Davon profitieren nicht nur Auszubildende und Ausbildungssuchende, sondern auch Unternehmen und Forschungseinrichtungen. Nicht zuletzt kann hier Ausbildung schneller auf Bedarfe reagieren. Gleichzeitig können KMU für neue Entwicklungen sensibilisiert werden. Auch die praktische Umsetzung wissenschaftlicher Ergebnisse soll in Ausbildung einfließen.
- Datenbasiertes Matching mit persönlicher Note: Berufsorientierung und Matching von Auszubildenden, Ausbildungssuchenden und Unternehmen sind wichtige Elemente des Campus’. Ziel ist die Entwicklung einer umfangreichen Datenbank, die mit Hilfe von Künstlicher Intelligenz persönliche Beratung wirksamer macht. Das Wissen um Potentiale und Bedarfe wird dabei berücksichtigt.
- Impulse zur Gründung: Der Campus bietet FabLabs, Co-Working-Spaces und Räume für kurze Projekte und Gründungen. Gründer profitieren von einem engen Netzwerk technischer und berufspraktischer, aber auch betriebswirtschaftlicher Unterstützung.
- Effizienz und Synergien: Der Campus realisiert Synergiegewinne durch modernes Raummanagement, Vermietung bspw. von Werkstätten und Bündelung administrativer und organisatorischer Aufgaben. Zudem werden Institutionen hier zusammengebracht, die sich um die Berufsorientierung und -vermittlung kümmern.
- Stärkung der Integration und des Aufstiegs: Berufliche Ausbildung ist ein zentraler Weg zu einem guten Arbeitsplatz und erfüllten Leben. Durch die Stärkung von Ausbildung können das Aufstiegsversprechen erneuert und Menschen sozial integriert werden. Berufliche Ausbildung hat das Potential.
Inhaltliche Kooperationspartner können dafür Forschungsinstitute, Hochschulen, Berufskollegs, Ausbildungszentren (bspw. der Bauwirtschaft) etc. sein.
Talente fördern - TalentKolleg Ruhr in Herne als Blaupause fürs Ruhrgebiet
Mit der geplanten Förderung von Talentschulen in NRW hat die Landesregierung frühzeitig Akzente zur gezielten Überwindung der Gleichbehandlung von Ungleichem im Schulbereich gesetzt. In Schulen mit besonderen, sich aus dem sozio-ökonomischen Umfeld ergebenden Herausforderungen werden systemische Entwicklungen zur Stärkung der Schulen durch zusätzliche Ressourcen initiiert. Leider haben in einer ersten Vergabe die Bewerbungen Oberhausener Schulen keine Berücksichtigung gefunden. Im Rahmen der Ruhrkonferenz wird dieser Ansatz in besonderer Weise jedoch als Hebel angesehen, um gezielt Talente unabhängig von ihrer sozialen Herkunft beim Bildungsaufstieg zu fördern. Zwei Umstände lassen das Ruhrgebiet als besonders privilegierte Region für diesen Ansatz erscheinen.
Zum einen ist der Anteil junger Menschen, die aufgrund ihrer sozio-ökonomischen Umfelder oft nicht die Bildungsstrecken, die ihren Potenzialen entsprechen, ansteuern (können), hier besonders groß. Wer einen Beitrag nicht nur zur Sicherung der Fachkräftebasis, sondern auch zu Wohlstand und gesellschaftlicher Entwicklung leisten will, kann nicht an diesem Potenzial vorbeigehen. Das Ruhrgebiet ist zudem aufgrund der extremen Heterogenität individueller Biographien aber auch angesichts des großen Potenzials an unentdeckten Talenten eine prädestinierte Region für die Entwicklung und Professionalisierung von Formaten zur Talentförderung.
Zum anderen sind aufgrund dieser Umfeldbedingungen im NRW-Zentrum für Talentförderung der Westfälischen Hochschule zum Schulversuch „Talentschulen“ komplementäre Ansätze der Talentförderung bereits auf den Weg gebracht worden, die ideale Ansatzpunkte liefern, den institutionellen Förderansatz der Talentschulen durch einen individuellen Förderansatz breitenwirksam zu ergänzen, der Schülerinnen und Schüler auch über geförderte Talentschulen hinaus an allen zur Teilnahme berechtigten Schulen erreicht. Die komplementären Ansätze der Talentförderung konkretisieren sich dabei auf drei Ebenen:
Im Ruhrgebiet ist über den Talentscouting-Ansatz ein Netzwerk etabliert worden, über das enge Kooperationen zwischen Hochschulen und Schulen vor Ort entstanden sind.
Grundanliegen ist, ausgehend vom jeweiligen Talent über einen aufsuchenden Ansatz Bildungsbiographien zu gestalten und unentdeckte Talente für Ausbildungsstrecken in der Berufsausbildung bzw. im (dualen) Studium zu erschließen. Inzwischen sind allein im Ruhrgebiet über 180 Berufskollegs, Gesamtschulen, Gymnasien und Realschulen mit knapp 7.000 Schülerinnen und Schülern in diesen Ansatz einbezogen. Die Schulen entsprechen dabei überwiegend dem Typus von Schulen in benachteiligten Quartieren, der auch über den Schulversuch „Talentschulen“ erreicht werden soll.
- Mit dem von der RAG-Stiftung und zahlreichen Unternehmen, Wirtschaftsvereinigungen und Stiftungen geförderten Programm RuhrTalente werden Schülerinnen und Schüler, die überdurchschnittliche Leistungen bzw. herausragendes gesellschaftliches Engagement trotz ungünstiger sozio-ökonomischer Rahmenbedingungen im familiären Umfeld erbringen, ab der achten Klasse mit einem Stipendium unterstützt. Innerhalb kurzer Zeit wurde das für alle Schulformen von der Hauptschule bis zum Berufskolleg zugängliche Schülerstipendienprogramm das größte im Ruhrgebiet.
- Das von der Stiftung Mercator, der Stadt Herne und der Westfälischen Hochschule gemeinsam geförderte TalentKolleg Ruhr in Herne ist Kristallisationspunkt für jährlich mehr als 500 Schülerinnen und Schüler aus über 100 Schulen des Ruhrgebietes, die über Kleingruppenansätze ermutigt und befähigt werden, ihre Schulbiographie für den Übergang in die Berufsausbildung oder ein (duales) Studium zu gestalten und dabei gezielt vorhandene Stärken mit Qualifizierungen in Grundkompetenzbereichen (Deutsch, Englisch, Mathematik & Informatik) zu veredeln.
- Die Förderung dieser Ansätze parallel zum Schulversuch „Talentschulen“ bietet die Option, den Wirkungsgrad im Ruhrgebiet zu erhöhen und gleichzeitig Wege aufzuzeigen, Talentförderung auf andere Regionen im Land auszuweiten. Daher wird vorgeschlagen, das bis 2020 finanzierte Programm „RuhrTalente“ kurzfristig auszuweiten und über die Laufzeit hinaus zu verstetigen. Um die Wirkung zu sichern, wird zudem die Verstetigung des vom MKW finanzierten Talentscouting-Programms angesteuert. Dieser Ansatz ist eine wichtige Basis, die operative Arbeit mit den Schülerinnen und Schülern aber auch den Schulen selbst zu gestalten.
Parallel werden Bemühungen unterstützt, das TalentKolleg Ruhr in Herne dauerhaft zu sichern und als Blaupause für das Ruhrgebiet und weitere Regionen in NRW auszuweiten. Die Stadt Oberhausen hat bereits ernstes Interesse für einen weiteren Standtort eines TalentKollegs signalisiert. Ähnlich wie Herne steht Oberhausen vor großen strukturellen Herausforderungen. Deswegen werden dort Konzepte erarbeitet, wie Bildungsaufstieg und Integration gerade über (berufliche) Bildung besser gelingen kann. Dabei wird deutlich, dass auch Oberhausen eine besondere regionale Funktion übernehmen kann. Die Förderung von Talenten sowie deren persönliche Ansprache spielt dabei eine zentrale Rolle. Mit dem erfolgreichen Modellprojekt hat man eine Blaupause, die zielgerichtet und schnell übertragen werden könnte. Synergien und Austausch zwischen den Standorten würden zudem bei der Skalierung des Ansatzes helfen.
Stärkung der Bildungslandschaft – 10 Reallabore für ein wirksames Anreizsystem für mehr Lehrerinnen und Lehrer
Bei der Frage des Identifizierens und Förderns von Talenten sowie von Schülerinnen und Schülern in herausfordernden Sozialräumen im Allgemeinen muss auch die Ausstattung mit Lehrerinnen und Lehrern diskutiert werden. Hier bedarf es gemeinschaftlicher Anstrengungen, um mehr Anreize und Lenkungsinstrumente zu entwickeln. Die Mechanismen für den Wettbewerb um Lehrerinnen und Lehrer müssen geändert werden. Der Leitsatz „ungleiches ungleich zu behandeln“ sollte auch hier gelten.
In zehn Reallaboren sollten verschiedene „Anreizsysteme“ auf Wirkung und Nachhaltigkeit bei der Anwerbung von Lehrerinnen und Lehrern geprüft werden – über die Talentschulen hinaus. Möglichkeiten der Bezahlungen gilt es hier genauso zu analysieren, wie Entwicklungschancen, Vereinbarkeit von Familie und Beruf, Mobilitätsvorteile o.ä. Diese quasi Experimente können wissenschaftlich begleitet und entsprechend evaluiert werden. Das wirkungsvollste Instrumente sollte dann flächendeckend ausgerollt werden.
„Smart Governance Ruhr“-Strategie/ Lösung
Es gibt kaum noch Lebensbereiche, in denen die Digitalisierung nicht eine zentrale Rolle spielt. Bei den Debatten um die Chancen der Digitalisierung wird Verwaltung als Treiber von Innovation unterschätzt, oder erst gar nicht mitgedacht. Es gibt allerdings zahlreiche Beispiele, wie Verwaltung jenseits von Förderprogrammen Innovation und Digitalisierung vorantreiben können. Leider nehmen die Kommunen im Ruhrgebiet diese Rolle zu wenig war – nicht zuletzt wegen der schwierigen Haushaltslagen.
Im Rahmen einer regionalen „Smart Governance Ruhr“-Strategie sollen integriert Projekte identifiziert und konzeptionalisiert werden. Orientiert am Leitbild der Smart City Charta gilt es, nach einer Reihe von Modellprojekten gemeinsame Digitalisierungsprojekte zu entwickeln. Hier spielen die Infrastruktur und gemeinsame Cloud-Lösungen genauso eine Rolle, wie Ideen für einen besseren Service für Bürgerinnen und Bürger in Form einer digitalen Bauakte, BIM-Verfahren, Smart-Parking oder die Beantragung von Schülertickets. Durch mehr Kooperation entlang einer gemeinsamen Strategie sollen Synergien geschaffen werden.
Zudem hat die Verwaltung als Behörde und Auftraggeber eine Reihe von Möglichkeiten, die Digitalisierung auch in der Wirtschaft voranzutreiben. Dies geht im Kern durch das Setzen von Standards und Anforderungen (bspw. an digitale Anträge und Ausschreibungen), aber auch durch die Zusammenarbeit mit Dienstleistern und finanzielle Anreize. Gezielt sollten diese Möglichkeiten genutzt werden. Ein Fokus könnte bspw. die Schnittstelle zum Handwerk sein. Hier werden eine Vielzahl von Verfahren standardisiert bearbeitet.
Die Handwerkerschaft ist ein wichtiger Teil Wirtschaft. Wie in alle Branchen spielt die Digitalisierung auch hier eine wichtige Rolle. Dabei stehen die Betriebe vor einer besonderen Herausforderung: Bei guter konjunktureller Lage, so wie jetzt, werden die internen, oft manuellen Prozessabläufe zum operativen Flaschenhals. Angebote und Rechnungen können aufgrund hoher Arbeitsauslastung kaum noch pünktlich geschrieben werden. Ein Umstand, der für beide Seiten, Handwerker wie Kunden, vollkommen unbefriedigend ist und sowohl Aufträge als auch Kunden kostet.
Ähnliches kann man jedoch auf für Verwaltungen als Auftraggeber festhalten: Medienbrüche, manuelle Buchungen und ein aufwendiges Auftragswesen verzögern Prozesse und binden zu oft unbefriedigende Zeit. Dies ist nicht nur relevant mit Blick auf die internen Serviceleistungen und Dauer von Projekten, sondern wird auch an Stellen deutlich, wo über „Zahlgeschwindigkeit“ öffentlicher Stellen geklagt wird. Hier gilt es gemeinsam Lösungen zu entwickeln, die zu einer Win-Win-Situation führen.
Kompetenzzentrum 4.0 – Anlaufstelle für Unternehmen
Die Digitalisierung bietet eine Vielzahl von Chancen: das Ruhrgebiet bleibt nur ein attraktiver Standort, wenn seine Wirtschaft auch in der Breite mit diesen Entwicklungen mitwächst, idealerweise sogar vorangeht.
Der Aufbau eines Kompetenzzentrums Mittelstand 4.0 wird dazu notwendig: Das Zusammenspiel einer Region ist in Zeiten der Digitalisierung durch gute Vernetzung und Kommunikation von Wirtschaft und Gesellschaft mit Forschung und Wissenschaft geprägt. In einem solchen Kompetenzzentrum wird dies forciert und gelebt. Dabei gibt Wirtschaft und Gesellschaft Aufgabenstellungen, Querschnittsthemen und Lösungsentwicklungen an Forschung und Wissenschaft, von wo aus Werkzeuge und Konzepte bereitgestellt werden, bereits Vorhandenes angepasst wird und Lösungsbeispiele kommuniziert werden.
Für Multiplikation stehen dabei IHKs, HWKs, Wirtschaftsförderungen, Gewerkschaften u.a., für Forschung und Entwicklung Universitäten, Hochschulen, Institute u.a. und für den Wissenstransfer eben jenes zu entwickelnde Kompetenzzentrum Mittelstand sowie Berufsschulen, Bildungsträger u.a.
Ein solches Kompetenzzentrum bietet folgende Leistungen:
- Information
- Demonstration – heißt vor allem Räume schaffen
- Umsetzungen – heißt vor allem aus Erfahrung lernen
- Schulung und Qualifizierung – heißt vor allem neue Konzepte denken
- Vernetzung
Ein solches Kompetenzzentrum verfolgt folgende Ziele:
- Für Themen sensibilisieren
- Möglichkeiten greifbar machen
- Potentiale in Praxis nutzen
- Innovation nachhaltig verankern
- Synergien nutzen
Wesentlicher Bestandteil ist dabei die Qualifizierung von sog. „Digital Scouts“ als Aufklärer und Wegbereiter von Digitalisierung im (eigenen) Unternehmen. Sie vermitteln dabei Theorie und Praxis.
Kurzfassung
