Berichtsvorlage - M/16/4278-01

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Beratungsfolge

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Sachverhalt

Sachdarstellung

 

Im letzten Jahr kam es in Oberhausen zu einem massenhaften Vorkommen des Eichenprozessionsspinners. Aufgrund der gesundheitsgefährdenden Wirkung, die von den Brennhaaren der Raupen ausgeht, war es erforderlich, für ca. 80.000 € Bekämpfungsmaßnahmen an betroffenen städtischen Bäumen vorzunehmen. Da zu erwarten ist, dass der Befall im nächsten Jahr noch stärker sein wird, sind für das Frühjahr 2019 in größerem Umfang prophylaktische Maßnahmen geplant.

 

A Hintergrund

 

Der Eichenprozessionsspinner ist ein Nachtfalter und besiedelt in seinem Ei- und Larvenstadium Eichen. Im dritten Larvenstadium entwickeln die Raupen die sogenannten Brennhaare, die beim Menschen allergische Reaktionen (Haut- und Atemwegsreizungen) auslösen können. Die leeren Nester der Eichenprozessionsspinner können auch noch nach ca. 2 Jahren eine allergische Reaktion hervorrufen.

 

In Oberhausen wurden im Jahr 2018 auf 514 städtischen Bäumen an Straßen, Parkanlagen, Kindertageseinrichtungen, Schulen und Sportanlagen Nester des Eichen-prozessionsspinners festgestellt (siehe Anlage 1). Zusätzlich wurden Nester in 110 Bäumen in den Waldgebieten (mit Parkwaldgebieten) gemeldet, wobei die Gesamtzahl in den Oberhausener Wäldern voraussichtlich deutlich höher gewesen sein wird.

 

Die Entnahme der Nester erfolgte mechanisch durch ortsansässige Fachfirmen. Diese waren aufgrund des massenhaften Vorkommens im Ruhrgebiet überlastet. Die Entfernung der gemeldeten Nester fand daher über einen längeren Zeitraum statt. Die letzten Nester wurden im August abgesaugt. Die Entnahme der Nester in sensiblen Bereichen wie Kindergärten, Schulen oder Altenheimen wurde prioritär durchgeführt. Für das Absaugen entstanden der Stadt Oberhausen Kosten in Höhe von 135 Euro pro Baum, sodass insgesamt ca. 80.000 Euro für die Bekämpfung des Eichenprozessionsspinners anfielen.

 

Die Bekämpfung des Eichenprozessionsspinners kann auf unterschiedliche Arten erfolgen. Die mechanische Bekämpfung beinhaltet primär das Absaugen der Raupen/Nester mit anschließendem Verbrennen der Nester. Diese Methode ist sehr gut bei leichtem Befall geeignet. Bei starkem, auch mehrjährigem Befall kann der Einsatz eines Biozids sinnvoll sein. Diese chemische Bekämpfung erfolgt nach dem Austrieb der Eiche Mitte/Ende April bis zum 3. Raupenstadium Mitte/Ende Mai. Hierbei wird mittels eines Gebläses die Baumkrone eingesprüht und das Biozid auf den Eichenblättern verteilt. Neben den Anwendungsbestimmungen (siehe Anlage 2 und 3) sind insbesondere die Witterungsbedingungen zu beachten.

 

Das Eichenprozessionsspinner-Vorkommen in Oberhausen wurde in den letzten Jahren bei städtischen Bäumen bereits durch ein Monitoring, den Einsatz eines Biozids (prophylaktische Maßnahme) und die Entnahme von Einzelnestern begleitet. Das Monitoring beinhaltete eine Sichtprüfung auf Befall von städtischen Bäumen innerhalb des Frühjahrs. Konnte ein Schädlingsbefall sicher festgestellt werden, wurde, sofern der Zeitraum (Mitte April) zur Bekämpfung mit einem Biozid noch eingehalten werden konnte, der Baum damit behandelt. Trotz dieser Maßnahmen mussten vereinzelt Nester in den Folgemonaten abgesaugt werden (siehe Tabelle).

 

2015

2016

2017

2018

5 Bäume

6 Bäume

69 Bäume

624 Bäume

Tabelle: Anzahl der städtischen Bäume in Oberhausen an denen EPS-Nester in den vergangenen Jahren entfernt wurden (Quelle OGM GmbH)

 

Die massenhafte Vermehrung im Jahr 2018 kann hauptsächlich an 2 Faktoren festgemacht werden. Einerseits waren die Witterungsbedingungen im Frühjahr 2018 sehr günstig für die Entwicklung des Eichenprozessionsspinners. Er profitierte von den sehr trocken-warmen klimatischen Verhältnissen und der explosionsartigen Entwicklung der Vegetation. Andererseits konnte in diesem Jahr, auf Grund der Vegetationsentwicklung, das Monitoring nur in einem sehr engen Zeitfenster erfolgen, sodass kein prophylaktischer Biozid-Einsatz eingeleitet werden konnte.

 

B Maßnahmen 2019

 

In diesem Jahr plant die Stadt Oberhausen eine einmalige, umfassende und frühzeitige prophylaktische Bekämpfung des Eichenprozessionsspinners. Im Frühjahr 2019 ist ein Biozid-Einsatz an den im Jahr 2018 befallenen Bäumen vorgesehen.

 

Dabei soll das Produkt „Neem Protect“ zum Einsatz kommen. Das Biozid greift in die Entwicklung der Larven ein. Durch das Fressen der behandelten Blätter nehmen die Raupen das Biozid auf und es kommt zu einem Fraß- und Entwicklungsstopp, der die Entwicklung der Brennhaare verhindert und schlussendlich zum Tod der Raupe führt. Das Produkt „Neem Protect“ wirkt auf alle pflanzenfressenden Insekten, ist aber nicht bienengefährlich.

 

Neben der Bekämpfung mit „Neem Protect“ werden gegebenenfalls die Nester des Eichenprozessionsspinners an städtischen Bäumen auch im Jahr 2019 zeitnah von Fachfirmen abgesaugt.

 

C Umweltschutzbelangen

 

Eine Genehmigung für den Einsatz von „Neem Protect“ seitens der Landwirtschaftskammer ist nicht erforderlich. Eine Genehmigung der Unteren Naturschutzbehörde und der Unteren Wasserbehörde ist ebenfalls nicht erforderlich. In Absprache mit dem Oberhausener Gebäudemanagement GmbH wird sichergestellt, dass

 

a) die Anwendung des Biozids nur dann stattfindet, wenn die Witterungsbedingungen erneut eine Massenvermehrung des Eichenprozessionsspinners begünstigen;

 

b) das Biozid nicht innerhalb von Naturschutzgebieten, Wasserschutzgebieten oder in der Nähe von Gewässern eingesetzt wird;

 

c) vor dem Einsatz des Biozids ein Monitoring der zu behandelnden Eichen vorzunehmen und ein Schädlingsbesatz festzustellen ist;

 

d) von den im Jahr 2018 befallenen Bäumen nur diese mit „Neem Protect“ behandelt werden, die in stark befallenen Bereichen und an sensible Standorten mit einer hohen Besucherfrequenz, z.B. Straßen, Parkanlagen, Kindertageseinrichtungen, Schulen, Sportanlagen und Hauptwaldwegen, stehen;

 

e) die Anwendung gemäß den Bestimmungen des Sicherheitsdatenblattes erfolgt und durch eine Fachfirma ausgeführt wird;

 

f) die Bevölkerung vorab durch eine Pressemitteilung informiert wird. Geeignete Schutzmaßnahmen, z.B. das Absperren/Kenntlichmachen der behandelten Flächen, ergriffen              werden.
D Begründung des geplanten Biozideinsatzes

 

Hohe Ausgangspopulationen des Eichenprozessionsspinners deuten darauf hin, dass auch im darauffolgenden Jahr mit einem verstärkten Auftreten gerechnet werden muss. Zudem wurden erfahrungsgemäß nicht alle Nester gefunden. Auf Grund des Massenbefalls in 2018 und der Auslastung der Betriebe konnte ein Teil der Nester nicht vor dem Ausflug der Falter entfernt werden, sodass mit einer höheren Eiablage zu rechnen ist.

 

Neben dem erhöhten Befall-Potential lassen die Auswirkungen des Klimawandels darauf schließen, dass in den kommenden Jahren jeweils im Frühjahr eine ähnlich begünstigende klimatische Situation für den Eichenprozessionsspinner in Oberhausen anzutreffen sein wird.

 

Es ist damit zu rechnen, dass auch im Jahr 2019 mindestens ein ähnliches Verbreitungsbild des Eichenprozessionsspinners in Oberhausen zu erwarten ist und nur eine großflächige prophylaktische Maßnahme das massenhafte Vorkommen der gesundheitsgefährdenden Brennhaare deutlich reduzieren kann. Grundlage für den Einsatz von Bioziden zur Bekämpfung des Eichenprozessionsspinners ist der vorbeugende Gesundheitsschutz für den Menschen. Die Maßnahme ist aus fachlicher Sicht zur Gefahrenabwehr geboten und dient der Abwendung von Gefahren für die örtliche Bevölkerung.

 

Eine rein mechanische Bekämpfung von mehreren hundert Bäumen ist in einem kurzen Zeitfenster nicht möglich. Durch den Einsatz des Produktes „Neem Protect“ soll der Biozid-Einsatz in den Folgejahren deutlich reduziert werden. Ziel ist der Verzicht auf Biozide, sodass nur noch mechanische Verfahren angewandt werden. Hierdurch sollen insbesondere potentiell negative Auswirkungen auf die heimische Flora (z.B. Schmetterlingslarven) vermieden und der Einsatz von Bioziden in Oberhausen gesenkt werden.

 

 

Kurzfassung

 

In Oberhausen kam es im letzten Jahr zu einem Massenvorkommen des Eichenprozessionsspinners. Die Raupen tragen ab einem gewissen Larvenstadium gesundheitsgefährdende Brennhaare, die zu Haut- und Atemwegsreizungen führen können. Der Stadtverwaltung entstanden in diesem Jahr ca. 80.000 Euro Kosten für die Bekämpfung des Eichenprozessionsspinners. Prophylaktische Maßnahmen konnten 2018 nicht durchgeführt werden.

 

Die Verwaltung plant für das Jahr 2019 einmalig prophylaktisch eine Behandlung der im Jahr 2018 befallenen Bäume mit dem Biozid „Neem Protect“. Hierdurch soll verhindert werden, dass 2019 erneut ein Massenbefall auftritt. Die Gesundheitsgefährdung für die Oberhausener Bevölkerung durch die allergieauslösenden Brennhaare soll deutlich reduziert werden.

 

 

 

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Anlagen

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