Berichtsvorlage - M/16/3238-01

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Beratungsfolge

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Sachverhalt

Sachdarstellung

 

„There is no health without mental health. - Es gibt keine Gesundheit ohne psychische Gesundheit. Weltgesundheitsorganisation (WHO)“

Psychisch erkrankte Menschen werden in unserer Gesellschaft immer noch häufig gemieden und somit ausgegrenzt. Die Berührungsängste sind ausgeprägt und Vorurteile tief verankert. Menschen die beispielsweise an einer Schizophrenie leiden, werden oft als befremdlich, bedrohlich oder gar „gefährlich" stigmatisiert.

Die Akzeptanz etwa von depressiv erkrankten Menschen am Arbeitsplatz ist, trotz aller Öffentlichkeitskampagnen, eher als gering einzuschätzen. Eine Depression ist deutlich mehr als nur ein bedrückender Gefühlszustand. Sie ist eine ernstzunehmende Erkrankung, die jeden Menschen, unabhängig von Geschlecht, Alter, Berufsgruppe oder sozialem Status, treffen kann. Laut der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) kennen es ca. 4 Millionen Deutsche unter gedrückter Stimmung, Antriebsmangel und dem Verlust von Freude und Interesse („Hauptsymptome“) zu leiden. Auch weitere Symptome („Zusatzsymptome“) wie zum Beispiel Schlaf- und Konzentrationsstörungen, Schuldgefühle, verminderter Appetit, ein pessimistischer Blick in die Zukunft bis hin zu Suizidgedanken können Folge der Erkrankung sein. Depression muss keine „lebenslange“ Diagnose sein, sie ist -je nach Ausprägung- gut behandelbar. Mit Pharmakotherapie und Psychotherapie liegen bereits Behandlungsmöglichkeiten vor, deren Wirksamkeit gut belegt ist. Auch die Angebote der Selbsthilfe sind eine bedeutende Säule auf dem Weg aus der Erkrankung. Wichtig ist, dass eine Depression rechtzeitig diagnostiziert wird, da nicht optimal behandelte Depressionen eine Hauptursache der jährlich ca. 10.000 Suizide in Deutschland (Gesundheitsberichterstattung des Bundes) darstellen. Nach wie vor versterben mehr Menschen durch Suizid als bei Verkehrsunfällen, durch Mord, AIDS und illegalen Drogenmissbrauch zusammen.

Die Anerkennung des Alkoholismus als Erkrankung erfolgte in Deutschland erst im Jahre 1968. Seither können sich Alkoholabhängige für ihre Entwöhnung in ambulante oder stationäre Behandlung begeben. Die Kosten der Therapie übernimmt die Kranken- oder Rentenversicherung. Dennoch sind zahlreiche Menschen in der Gesellschaft der Meinung, dass eine Suchterkrankung ausschließlich durch eigenes Verschulden entstehe und somit auch, im Vergleich zu einem gebrochenen Bein oder einer Diabetes, weniger Unterstützung bedürfe oder verdient hätte. Die Abhängigkeit von Alkohol oder anderen stoffgebundenen/stoffungebundenen Süchten führt in der Regel zu psychischen und auch körperlichen Störungen sowie Konflikten auf der Beziehungsebene und beeinträchtigt das soziale/berufliche Umfeld in einem erheblichen Ausmaß.

 

Welttag der seelischen Gesundheit

„Der Welttag der seelischen Gesundheit wurde 1992 von der World Federation for Mental Health (WFMH) ins Leben gerufen. Er findet jährlich am 10. Oktober statt, um auf die Belange von psychisch erkrankten Menschen aufmerksam zu machen und das Bewusstsein für die Bedeutung psychischer Gesundheit zu schärfen. Psychisches Wohlbefinden ist von grundlegender Bedeutung für die Chancengleichheit und Lebensqualität der Menschen.

In der Europäischen Erklärung von Helsinki 2005 einigten sich die Gesundheitsminister der europäischen Mitgliedsstaaten der Weltgesundheitsorganisation WHO auf folgende Prioritäten zur Verbesserung der Seelischen Gesundheit:  

  • Das Bewusstsein von der Bedeutung Seelischen Wohlbefindens zu fördern.
  • Gemeinsam gegen Stigmatisierung, Diskriminierung und Ungleichheit vorzugehen. Menschen mit psychischen Problemen und Erkrankungen sowie deren Angehörige zu stärken und zu unterstützen.
  • Umfassende, integrierte und effiziente Versorgungssysteme einzurichten, die die Seelische Gesundheit fördern, sowie die Prävention, Behandlung, Rehabilitation, Pflege und Genesung umfassen.
  • Den Bedarf an kompetenten Fachkräften in allen erforderlichen Bereichen zu decken.
  • Die Erfahrung und das Wissen der Betroffenen und Betreuenden als Basis für die Planung und Entwicklung von psychosozialen Diensten anzuerkennen.“

 

Aktionsbündnis Seelische Gesundheit

Das Aktionsbündnis Seelische Gesundheit ist eine bundesweite Initiative, die vom Bundesministerium für Gesundheit gefördert wird. Es beteiligen sich derzeit rund 50 Regionen und Städte mit über 800 Veranstaltungen bundesweit. Zu den 90 Mitgliedsorganisationen zählen die Selbsthilfeverbände der Betroffenen und Angehörigen von Menschen mit psychischen Erkrankungen sowie viele Verbände aus den Bereichen Psychiatrie, Gesundheitsförderung und Politik. Initiiert wurde das Bündnis 2006 von der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN) gemeinsam mit Open the doors als Partner des internationalen Antistigma-Programms.

 

Durchführung der 2. Oberhausener Woche der seelischen Gesundheit

Die 2. Oberhausener Woche der seelischen Gesundheit wurde vom 9. bis zum 14. Oktober 2017 veranstaltet. Alle Oberhausener Bürgerinnen und Bürger waren zu den kostenfrei Veranstaltungen mittels Flyer und Pressemitteilungen eingeladen worden, um die vielfältigen ambulanten und stationären Angebote der psychiatrischen und psychosozialen Einrichtungen in unsere Stadt kennenzulernen.

Ziel der Woche der seelischen Gesundheit war und ist es, über psychische Krankheiten zu informieren, Hilfs- und Therapieangebote aufzuzeigen und die Diskussion in der Öffentlichkeit anzuregen. Ob Vorträge, Workshops, kurze Schulungseinheiten oder kulturelle Angebote; alle Veranstaltungen trugen einen Teil dazu bei, Berührungsängste abzubauen und vor allem Betroffene sowie deren Angehörige einzubinden.

Die Woche wurde durch die Stadt Oberhausen -Bereich Gesundheitswesen- koordiniert.

Das Citymanagement Sterkrade unterstützte bei der Organisation und Durchführung im Stadtteil Sterkrade. Im Vergleich zur ersten Auflage konnte die Angebotspalette von 5 auf 18 Angebote deutlich erweitert werden.

In der 2. Auflage der Oberhausener Woche für seelische Gesundheit wurde erstmalig auch eine zentrale Auftaktveranstaltung durchgeführt.

Die gut angenommene Veranstaltung fand im „Café & Bistro Jahreszeiten“ statt und wurde durch die Beigeordnete Sabine Lauxen (Dezernat 5) eröffnet. Chefarzt Prof. Dr.med. J. Kuhn (Chefarzt der Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik im Johanniter Krankenhaus) referierte über die Bedeutung psychischer Erkrankung an sich und im beruflichen Kontext. Ihm folgte Chefarzt Prof. Dr. med. E. Davids (Chefarzt der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie im St. Josef-Hospital) mit einem Beitrag über Demenzerkrankungen deren Einordnung und Behandlung.  Abgerundet wurden die Vorträge durch das Angebot „Fit & Entspannt für jedes Alter“, vorgestellt von Frau Kraft und Frau van de Leest (Gute Hoffnung Aktiv / Quartiersentwicklung). Bei dieser Veranstaltung wurden erste Einblicke in speziell angepasste Yoga-, Atem- und Meditationsübungen gegeben.

Zudem gab es Informations- und Themenstände die von Frau Coester (Integrationsfachdienst Oberhausen - Mülheim „IFD“) betreut wurden.

 

 

Die Kooperationspartner der 2. Oberhausener Woche der seelischen Gesundheit

 

  • Caritasverband Oberhausen e.V.
  • Der Paritätische (Selbsthilfekontaktstelle Oberhausen)
  • Diakonisches Werk Oberhausen
  • Evangelisches Klinikum Niederrhein (Johanniter Krankenhaus)
  • Gute Hoffnung leben
  • intego (Ihr Netzwerk für psychische Gesundheit)
  • Integrationsfachdienst Oberhausen – Mülheim
  • Katholisches Klinikum Oberhausen (St. Josef Hospital)
  • M Z O (Mediations Zentrum Oberhausen)
  • Stadt Oberhausen (Bereich Gesundheitswesen)
  • Stadt Oberhausen (Citymanagement/Stadtteilbüro Sterkrade)
  • Turnclub Sterkrade 1896 Oberhausen e. V.
  • VHS Oberhausen
  • Yogahaus-Oberhausen

 

Ziele der Aktionswoche

Die 2. Oberhausener Woche der seelischen Gesundheit setzt sich im Sinne des

„Aktionsbündnis Seelische Gesundheit“ ein für:

 

  • den Abbau von Ängsten und Vorurteilen
  • den Abbau von Stigmatisierung und Diskriminierung der betroffenen Menschen
  • die Förderung der seelischen Gesundheit in unserer Kommune
  • die Prävention und Aufklärung hinsichtlich psychischer Erkrankungen
  • die soziale und berufliche Integration von Menschen mit psychischen Erkrankungen
  • eine positive Teilhabe der Betroffenen und ihrer Familien an unserer Gesellschaft
  • die Motivation von Betroffenen und Angehörigen zur Inanspruchnahme vorhandener Hilfsangebote

 

 

Nachbetrachtung / Ausblicke „Oberhausener Woche der seelischen Gesundheit“

 

Am  6. Dezember 2017 wurden die beteiligten Netzwerkpartner von der Psychiatrie- und Suchtkoordination der Stadt Oberhausen zu einer Nachbetrachtung und einem Ausblick eingeladen. Aus diesem Netzwerktreffen und den vorab geführten Gesprächen und Rückmeldungen, ergaben sich folgende Anmerkungen:

 

  • Alle Beteiligten stehen gerne auch für eine 3. Auflage der Oberhausener Woche der seelischen Gesundheit zur Verfügung
  • Frühzeitiges Planungstreffen (01.03.2018)
  • Die Pressearbeit sollte intensiviert werden, damit eine noch breitere Bürgerbeteiligung realisiert werden kann
  • Der Flyer könnte übersichtlicher gestaltet werden
  • Keine Überschneidung von Angeboten die am selben Tag stattfinden
  • Möglichst dezentrale Abdeckung der Angebotspalette / Einbindung vieler Ortsteile
  • Ein „Motto/Schwerpunkt“ der Woche generieren
  • Klar definierte Zielgruppe bzgl. der diversen Angebote
  • Fester Platz für die seelische Belastung von Menschen mit einer Abhängigkeit und deren Angehörigen
  • Interaktive Angebote beibehalten bzw. ausbauen
  • Lesungen / kurze Filmbeiträge / Musikalische Beiträge etc. einflechten
  • Einbindung des „Sozialpsychiatrischen Kompetenzzentrum Migration (SPKoM)“, damit psychisch erkrankten Menschen mit Migrationshintergund der Zugang zu gemeindepsychiatrischen Hilfen erleichtert wird
  • Ergebnis-Evaluation der  durchgeführten Aktionen durch die Psychiatrie- und Suchtkoordination

 

Resümierend lässt sich festhalten, dass psychische Erkrankungen nach wie vor weit davon entfernt sind, als „echte“ Erkrankungen anerkannt zu werden; obwohl sie praktisch jeden Menschen treffen können und in vielen Familien vorkommen.

Die „Oberhausener Woche der seelischen Gesundheit“ ist, laut Aussagen von teilnehmenden Bürgerinnen und Bürgern sowie Anbietern und Kooperationspartnern, ein wichtiger Beitrag um Aufklärungsarbeit über psychische Erkrankungen zu leisten sowie Vorurteile und Ängste gegenüber den betroffenen Menschen nachhaltig abzubauen, damit ihnen ein gleichberechtigter Umgang in unserer Stadt ermöglicht wird und sie und ihre Angehörigen die Vielfalt der vorhandenen Hilfsangebote annehmen bzw. nutzen können.

 

Die 3. Auflage der „Oberhausener Woche der seelischen Gesundheit“ soll vom

08. bis 13.Oktober 2018 stattfinden und sich zukünftig als ein fester Bestandteil des Gesundheitswesens unserer Stadt etablieren.

 

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