Berichtsvorlage - M/16/3222-01
Grunddaten
- Betreff:
-
Gerontopsychiatrische Beratungsstelle (GPB)
- Status:
- öffentlich
- Vorlageart:
- Berichtsvorlage
- Federführung:
- Gesundheitswesen
- Bearbeitung:
- Cigdem Aksoy
- Verantwortung:
- Dr. Karbach
Beratungsfolge
| Status | Datum | Gremium | Beschluss | NA |
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Erledigt
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Sozialausschuss
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Kenntnisnahme
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28.02.2018
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Erledigt
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Seniorenbeirat
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Kenntnisnahme
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11.07.2018
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Sachverhalt
Sachdarstellung
Unsere Gesellschaft befindet sich in einem demografischen Veränderungsprozess.
Die Anzahl der Menschen im höheren Lebensalter die von einer psychischen Erkrankung betroffen sind, wächst stetig an. Zur Verbesserung Ihrer Versorgung müssen neue Angebote integriert werden, um eine bessere Teilhabe und damit einer Steigerung der Lebensqualität zu ermöglichen.
Die Gerontopsychiatrie ist ein Fachgebiet der Psychiatrie. Sie beschäftigt sich mit älteren Menschen und ihren psychischen Erkrankungen wie z.B. Depressionen, Demenz, Ängste, Schlafstörungen, Abhängigkeit von Medikamenten o. Alkohol etc. In der Regel sind die betroffenen Menschen dabei jenseits des 60. Lebensjahres.
Die „Gerontopsychiatrischen Zentren (GPZ)“ bündeln, im Sinne der Förderrichtlinien des Landschaftsverbands Rheinland (LVR), u.a. folgende Leistungen, wohnortnah im Sinne eines räumlich und personell integrierten Angebotes, an:
- die Gerontopsychiatrische Beratung für Betroffene und Angehörige,
- die ambulante Diagnostik und Behandlung,
- die teilstationäre Diagnostik und Behandlung.
Die „Gerontopsychiatrische Beratung (GPB)“ in der Stadt Oberhausen bietet ihre Angebote seit Oktober 2014 an. Das Katholische Krankenhaus Oberhausen GmbH (Standort St. Josef-Hospital) und das Evangelische Klinikum Niederrhein gGmbH (Standort Johanniter Krankenhaus) haben sich verpflichtet, mit Hilfe der vom Landschaftsverband Rheinland im Rahmen eines Anreizprogramms für den Auf- und Ausbau eines Gerontopsychiatrischen Zentrums der Stadt Oberhausen zur Verfügung gestellten finanziellen Mittel, im St. Josef Hospital sowie am Johanniter Krankenhaus eine gerontopsychiatrische Beratungsstelle aufzubauen und auch nach Beendigung der Förderung durch den LVR durch die beteiligten Kliniken und die Stadt Oberhausen sicherzustellen.
Der LVR förderte über drei Jahre degressiv Personal- und Sachkosten der „Gerontopsychiatrischen Beratung“ am GPZ. Im Rahmen des Modellvorhabens wurde die Förderung innerhalb der 3 Jahre schrittweise von 100 % im ersten Jahr, 75 % im zweiten Jahr auf 50 % im dritten Jahr heruntergefahren. Die Gesamtförderhöhe betrug 157.500 Euro.
Aufgrund der erfolgreichen Implementierung des Angebotes und der evaluierten Auswertung des LVR über den gesamten Projektzeitraum, wird die GPB, laut Vereinbarung zwischen dem „Katholischen Krankenhaus Oberhausen GmbH (KKO)“, dem „Evangelischen Klinikum Niederrhein gGmbH (EVKLN)“ und der Stadt Oberhausen vereinbarungsgemäß, zunächst bis zum 30.09.2022 befristet, weitergeführt.
Die Stadt Oberhausen stellt hierbei einen Personalkostenzuschuss in nicht dynamisierter Höhe von 10.000 Euro per anno. Die restlichen Kosten werden zu 3/5 vom KKO und zu 2/5 vom EVKLN getragen.
Aufgaben und Ziele der Gerontopsychiatrischen Beratung
Die Gerontopsychiatrische Beratung gehört zu den pflichtigen Elementen des Gerontopsychiatrischen Zentrums im Sinne der Förderrichtlinien. Sie soll gewährleisten, dass
- alte Menschen mit psychischen Krankheiten und Behinderungen sowie deren Angehörige bei ihrer Suche nach Hilfe und Behandlung unterstützt und geleitet werden;
- ambulanten und teilstationären Hilfesettings Vorrang vor stationären Hilfen gegeben wird;
- der Hilfebedarf des psychisch kranken alten Menschen unter Berücksichtigung vorhandener persönlicher und familiärer Ressourcen integriert erfasst wird;
- die Dringlichkeit der Inanspruchnahme professioneller Hilfe abgeklärt und diese ggf. eingeleitet wird;
- verschiedene Hilfe- und Behandlungsbereiche im Sinne eines Case- und Care-Managements fallbezogen koordiniert werden;
- eine Über- und Unterversorgung sowie eine Fehlversorgung verhindert wird.
Zielgruppen der Gerontopsychiatrischen Beratung
Zielgruppe sind Menschen im höheren Lebensalter mit einer psychischen Erkrankung und ihre Angehörigen. Entsprechend der Verbreitung psychischer Störungen im Alter bilden Personen mit dementiellen Erkrankungen sowie mit affektiven Störungen im höheren Lebensalter wesentliche Zielgruppen.
Neben den genannten Gruppen soll sich das Angebot grundsätzlich auf alle Formen psychischer Störungen im Alter richten. Die Indikation für eine Hilfeleistung darf sich nicht vorrangig an der Diagnose, sondern soll sich immer am konkreten Hilfebedarf der Betroffenen orientieren.
Die überwiegende Zahl der von psychischen Störungen betroffenen alten Menschen wird von ihren Angehörigen gepflegt und unterstützt. Die Angehörigen erleben hierdurch erhebliche Belastungen, die zu physischen und psychischen Beeinträchtigungen führen können. Vor diesem Hintergrund gehört die Beratung und Unterstützung von Angehörigen psychisch erkrankter alter Menschen zu den Kernaufgaben des Gerontopsychiatrischen Zentrums. Ziel ist die Stärkung und der Erhalt der wichtigen privaten Unterstützungssysteme sowie die Prävention belastungsbedingter Störungen bei den pflegenden Angehörigen.
Die Personalausstattung für die Gerontopsychiatrische Beratungsstelle liegt bei einer Vollzeitkraft. Ansprechpartnerin ist Frau Wegener; Dipl. Sozialpädagogin mit Zusatzausbildungen in personenzentrierter Gesprächsführung und zur ganzheitlichen Gedächtnistrainerin -Zertifikat BVGTe.V.-
(Tel.: 0208/837-4678, birgit.wegener@kk-ob.de)
Montag, Mittwoch und Freitag ist Sie in der Zeit von 9.00 bis 12.00 Uhr in der Beratungsstelle am Standort St. Josef Hospital (Mülheimer Str.83,46045 Oberhausen) und am Donnerstag sowie Freitag von 9.00 bis 12.00 Uhr am Standort Johanniter Krankenhaus (Steinbrinkstr. 96a,46145 Oberhausen) verbindlich zu erreichen. Während dieser Zeiten ist auch telefonisch eine Beratung möglich oder ein Termin zu vereinbaren.
Angebote der Gerontopsychiatrischen Beratungsstelle:
- individuelle, persönliche Beratung bei allen psychischen Erkrankungen des Alters wie z.B. Demenz, Depression und den damit verbundenen Problemlagen
- gemeinsame Entwicklung und Einleitung des Entlastungs- und Unterstützungsangebots
- trägerunabhängige, neutrale Vermittlung und Koordination von Hilfs- und
- Versorgungsangeboten
- Hilfestellung und Unterstützung bei der Beantragung verschiedener Leistungen von
- Pflegekasse, Krankenkasse und Sozialamt
- monatliche Gesprächskreise für Angehörige/Bezugspersonen an beiden Standorten
- wöchentliche, angeleitete Selbsthilfegruppen an beiden Standorten
Durch das Beratungsangebot soll es älteren Menschen mit seelischen und
demenziellen Veränderungen erleichtert werden, weiterhin im gewohnten Lebensumfeld
zu verbleiben und ihre Selbstständigkeit weitgehend zu erhalten. Daher können
auch Partner und Angehörige sowie Nachbarn oder Freunde das Angebot nutzen.
Im Jahr 2018 ist angedacht -als weiteres niederschwelliges Angebot- eine Gedächtnissprechstunde zu implementieren. Ende Januar wird diesbezüglich ein Planungstreffen mit allen Beteiligten stattfinden.
Die Beratung
- findet täglich zu den angegebenen Zeiten und nach Vereinbarung statt,
- erfolgt telefonisch oder persönlich, als Einzel- o. Familiengespräch an den beiden
Standorten oder auch im häuslichen Umfeld,
- kann einmalig, mehrmals oder auch über einen längeren Zeitraum erfolgen,
- ist kostenlos und unterliegt der Schweigepflicht.
Gerontopsychiatrische Patientinnen und Patienten, insbesondere diejenigen, die aufgrund
einer fortgeschrittenen demenziellen Veränderung in mehrfacher Hinsicht hilfebedürftig
geworden sind, weisen oft ein sehr hohes Alter auf. Daher ist die Beratungsarbeit
mit umfangreichem Außendienst und vielen Hausbesuchen verbunden, um die
noch vorhandenen Ressourcen im Umfeld der Kranken zu erfassen und in geeigneter
Weise das häusliche Umfeld zu stützen.
Der mehrfache Hilfebedarf erfordert die Kooperation mit den unterschiedlichsten
Diensten und Behörden, nicht nur im Gesundheitssektor.
Die Gerontopsychiatrische Beratung arbeitet eng mit den beiden psychiatrischen Krankenhäusern und Fachabteilungen, den niedergelassenen Fachärzten und Fachärztinnen, der Psychiatrie- und Suchtkoordination, dem Sozialpsychiatrischem Dienst, Selbsthilfegruppen, Senioren und Pflegeberatung, Netzwerk Demenz Oberhausen und den übrigen, an der regionalen psychiatrischen Versorgung sowie der Altenhilfe beteiligten Einrichtungen und Diensten (insbesondere Sozialpsychiatrische Zentren, Pflegedienste, Wohnheime, Sozialstationen) zusammen, um Patientinnen und Patienten möglichst frühzeitig,
selbstbestimmt und vorsorgend in ihrem Umfeld stützen zu können.
Darüber hinaus bietet die Gerontopsychiatrische Beratung fachliche Unterstützung für Mitarbeiter der Altenhilfe und des Gesundheitswesens, z.B. in Form von Fortbildungen und kollegialer Beratung an. Sie initiiert, fördert und unterstützt Selbsthilfe- und Angehörigenkreise und aktiviert ehrenamtliche Hilfen.
Kerndaten aus der Dokumentation des Anreizprogrammes des Landschaftsverbands Rheinland zur „Gerontopsychiatrischen Beratung im Gerontopsychiatrischem Zentrum über den gesamten Projektzeitraum (01.10.2014 – 30.09.2017):
- „Die angeleitete Selbsthilfegruppe „Gesprächskreis 65+“ wurde von 151 betroffenen Menschen genutzt (jeden Mo. St. Josef Hospital / jeden Di. Johanniter Krankenhaus)
- Der Gesprächskreis für Angehörige wurde von 236 Personen genutzt
(jeden 2. Mit. St. Josef Hospital / jeden 3. Mit Johanniter Krankenhaus)
- Es wurden 265 betroffene Menschen beraten / Beratungskontakte 823
- Es wurden 409 Angehörige beraten / Beratungskontakte 1763
- Insgesamt 292 Hausbesuche haben stattgefunden
- In 185 Fällen ging die Initiative von den Betroffenen aus
- In 406 Fällen von den Angehörigen
- In der Regel wurden die Hilfen durch das Ende des Beratungs-/Begleitungsbedarfs
(274 Mal) beendet
- In 7 Fällen sind die Betroffenen während des Wahrnehmungszeitraumes der Hilfeangebote verstorben
- Im Rahmen von Informationsveranstaltungen und Vorträgen für Betroffene, Angehörige sowie interessierte Bürgerinnen und Bürger wurden 41 Angebote vorgehalten die von 526 Personen besucht wurden
- Die GPB wurde im Rahmen von Fachtagungen insgesamt 13 Mal vorgestellt. Die Vorstellung verfolgten 289 Personen.
