Berichtsvorlage - M/16/2989-01

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Beratungsfolge

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Sachverhalt

Sachdarstellung

 

Die Stadt Oberhausen beteiligt sich seit Januar 2015 an einem dreijährigen Forschungsprojekt mit dem Titel „Vernetzte kommunale Gesundheitsförderung für Kinder – Gesund Aufwachsen“ (2015 – 2018), welches vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert wird. Dieses interdisziplinäre Forschungsvorhaben verfolgt einen integrativen und praxisorientierten Forschungszugang. Dieser untersucht kommunale Gesamtansätze (Präventionsketten) schwerpunktmäßig am biografischen Übergang von der Kindertageseinrichtung in die Grundschule. Ein Ziel der Forschung ist es, herauszufinden, ob es einen Zusammenhang zwischen der Gesundheit von Kindern und der Teilnahme an Angeboten zur Gesundheitsförderung gibt – und wie man die Angebote gegebenenfalls verbessern kann.

Nachfolgend wird das gemeinsame methodische Vorgehen der Forschungsbereiche Bewegung, Ernährung, seelische Gesundheit und soziale Teilhabe vorgestellt, für die sich drei unterschiedliche wissenschaftliche Projektpartner verantwortlich zeichnen, das KATALYSE Institut Köln, Arbeitsbereich Gesundheits- und Ernährungsforschung, die Westfälische Wilhelms-Universität Münster, Institut für Sportwissenschaft und die Universität Duisburg-Essen - Zentrum für Türkeistudien und Integrationsforschung.

 

Forschungszugang „Gesund Aufwachsen“

 

Im Zuge einer interdisziplinären Methodenintegration haben die Verantwortlichen der drei Teilvorhaben aus den Forschungsbereichen Bewegung, Ernährung, seelische Gesundheit und soziale Teilhabe ein gemeinsames Untersuchungsdesign entwickelt. Im Zentrum des integrativen Forschungszugangs stehen die Teilhabechancen von Kindern.

 

Untersuchungsdesign

 

Die teilvorhabenübergreifende Untersuchung analysiert kommunale Gesamtansätze in der Modellkommune Oberhausen hinsichtlich

 

−        Gesundheitschancen sozial benachteiligter Familien und Familien mit Zuwanderungsgeschichte,

−        Zusammenhängen zwischen Inanspruchnahme und Kindergesundheit, sowie

−        struktureller Implementierung.

 

Dazu erheben die Verbundpartner Daten aus verschiedenen Ressorts von kommunalen Schlüsselakteuren aus Sozial-, Bildungs- und Gesundheitswesen sowie Eltern und Kinder. Es handelt sich um einen Forschungsansatz, der qualitative und quantitative Untersuchungen mit partizipativer Qualitätsentwicklung verbindet.

 

Im Rahmen einer Bestandsaufnahme werden zentrale Strukturebenen des kommunalen Gesamtansatzes, Maßnahmen der Gesundheitsförderung und Einschätzungen zum Implementierungsprozess erhoben. Hierfür führen die wissenschaftlichen Mitarbeiter leitfadengestützte Experteninterviews mit kommunalen Schlüsselakteuren sowie Leitungskräften aus Kindertagesstätten, Familienzentren und Grundschulen durch. Die Erkenntnisse aus den Einzelinterviews werden in Expertenworkshops systematisch verdichtet und validiert. In Kindertageseinrichtungen, Familienzentren und Grundschulen werden drei sich ergänzende Untersuchungsschritte durchgeführt: In Gruppendiskussionen werden Einstellungen und Zugangsbarrieren zu Angeboten der kommunalen Gesundheitsförderung von sozial benachteiligten Eltern und Eltern mit Zuwanderungsgeschichte untersucht. Physische Gesundheitsparameter werden zu zwei Messzeitpunkten in einem Entwicklungs-Monitoring bei Kindern erhoben. Zudem werden Kinder und Eltern befragt (Kinderbefragung, teilstandardisierte Elternbefragung). Die Ergebnisse dieser Testungen werden mithilfe einer Powerpoint-Präsentation in der Ausschusssitzung vorgestellt.

 

Die Stichproben werden per Klumpenauswahl festgelegt, d.h. ganze Kindergartengruppen bzw. Grundschulklassen und ihre Eltern. Die Verbundpartner untersuchen Vorschulkinder (4 - 6 Jahre) sowie Grundschüler der ersten (6 - 7 Jahre) und dritten Klasse (8 - 10 Jahre). Die Gesundheit der Kinder wird im Entwicklungs-Monitoring durch die Gesundheitsparameter Body-Mass-Index (BMI), Körperfettanteil, Bauchumfang, Herzfrequenz und ausgewählte Bereiche der gesundheitsbezogenen Fitness erhoben. Parallel dazu findet eine Kinderbefragung über Resilienz und Selbstkonzept und eine Elternbefragung über die subjektive Gesundheitseinschätzung, das Ernährungsverhalten und Verhaltensauffälligkeiten des Kindes statt. Ergänzend werden Fach- und Lehrkräfte aus Kindertageseinrichtungen und Grundschulen zu Verhaltensauffälligkeiten der Kinder befragt. Die Verbundpartner geben Eltern und Fachkräften ein Feedback zu den Ergebnissen des Entwicklungs-Monitoring und befragen im Anschluss die Eltern. Der teilstandardisierte Elternfragebogen besteht aus drei Teilen. Der erste Teil erhebt soziodemographische Merkmale bzw. den sozioökonomischen Status und den Migrationsstatus. Der zweite Teil enthält Fragen zu den o.g. Gesundheitsparametern sowie zum Erziehungsstil. Im dritten Teil werden Gesundheitschancen operationalisiert über Wahrnehmung und Inanspruchnahme von Maßnahmen der Gesundheitsförderung sowie eventuelle Zugangsbarrieren abgefragt. Die Befragungen werden durch Interviewer gruppenweise begleitet, der Fragebogen in Türkisch, Arabisch und Serbisch übersetzt und bei Bedarf muttersprachliche Interviewer hinzugezogen.

 

Die zentralen Forschungsfragen lauten wie folgt:

 

−        Wie ist der Status Quo kommunaler Gesamtansätze in den Modellkommunen?

−        Wie bewerten kommunale Akteure den Implementierungs-Prozess?

−        Wie nehmen sozial benachteiligte Familien und Familien mit Zuwanderungsgeschichte Maßnahmen kommunaler Gesundheitsförderung wahr? Welche Merkmale fördern Akzeptanz und Teilnahmebereitschaft, welche Zugangsbarrieren wirken?

−        Welche Rolle spielen soziodemographische und soziokulturelle Merkmale der Nutzer? In welchem Umfang nehmen sozial benachteiligte Familien und Familien mit Zuwanderungsgeschichte Maßnahmen der Gesundheitsförderung in Anspruch?

−        Gibt es einen Zusammenhang zwischen der Inanspruchnahme von Maßnahmen und der Kindergesundheit?

 

Zentral für das Vorhaben ist der Zusammenhang von sozialer Ungleichheit und Gesundheit, der in Deutschland seit den 1990er Jahren zunehmend systematischer untersucht wird. Dass ein Bedarf an gesundheitsförderlichen Interventionen existiert, die nicht sozial selektiv wirken (Präventionsdilemma), ist unbestritten. Der Kinder- und Jugendgesundheitssurvey KIGGS des Robert-Koch-Institutes hat einen Statusgradienten der Gesundheitschancen im Kinder- und  Jugendalter nachgewiesen: Je niedriger der soziale Status, desto geringer sind die Chancen für ein gesundes Aufwachsen. Die ungleiche Verteilung von Ressourcen führt zu einer zunehmenden sozialräumlichen Segregation nach sozialem Status und/oder ethnischen Merkmalen, die sich kleinräumig auf der Ebene von Quartieren manifestiert.

 

Auswahl der Stadtquartiere in Oberhausen

 

Oberhausen ist seit 2012 im Rahmen der Landesinitiative „Kein Kind zurücklassen (KEKIZ )“ mit der Umsetzung eines kommunalen Gesamtansatzes (Bildung von Präventionsketten) befasst. Am KEKIZ-Prozess sind überwiegend strukturschwache Großstädte beteiligt, in denen sozial benachteiligte Familien und Familien mit Zuwanderungsgeschichte traditionell einen beträchtlichen Anteil der Bevölkerung ausmachen.

 

Für die Beteiligung am Forschungsprojekt „Gesund Aufwachsen“ wurden in Oberhausen fünf Quartiere ausgewählt, die entweder als sozial benachteiligt oder sozialstrukturell durchmischtes Quartier gekennzeichnet sind. Die Auswahl der Quartiere erfolgte gemeinsam mit dem Bereich Gesundheitswesen über Indikatoren der kommunalen Sozial- und Gesundheitsberichterstattung:

 

− Anteil der Leistungsempfänger nach SGB II

− Anteil der Leistungsempfänger unter 7 bzw. unter 15 Jahre (Sozialgeld) nach SGB II

− Anteil der Arbeitslosen insgesamt

− Anteil der Kinder ohne Teilnahme an der Früherkennungsuntersuchung U8 bzw. U9

 

Pro Quartier wird mindestens in einer Kindertageseinrichtung bzw. einem Familienzentrum und einer Grundschule erhoben, die ein sogenanntes Untersuchungstandem bilden. In Oberhausen sind folgende Einrichtungen am Forschungsprojekt „Gesund Aufwachsen“ beteiligt: Grundschule Alsfeld, Wunderschule, Steinbrinkschule, Osterfelder-Heide-Schule, Adolf-Feld-Schule, Familienzentrum Alsbachtal, Familienzentrum Lirich, Familienzentrum Gute Hoffnung, Integratives Familienzentrum Schatzkiste, Bewegungskindergarten Grashüpfer und Kindertageseinrichtung Nohlstraße (Familienzentrum Innenstadt).

 

Ergebnisintegration

 

Abschließend werden die Untersuchungsdaten zusammengeführt und teilvorhabenübergreifend ausgewertet. Übergeordnetes Ziel ist es, qualitative und quantitative Ergebnisse zu integrieren. Die gekoppelten Erhebungen von Entwicklungs-Monitoring, Kinder-, Eltern- und Fachkräftebefragung ermöglichen komplexere statistische Auswertungsverfahren.

Auf Grundlage der Ergebnisse entwickeln die Verbundpartner Handlungsempfehlungen für eine bedarfsgerechte Qualitätsentwicklung kommunaler Gesamtansätze.

 

Ausblick

 

Der Forschungsverbund ist daran interessiert die sehr gute Kooperation mit der Stadt Oberhausen auch über 2018 fortzusetzen und die gesammelten Erkenntnisse in entsprechende Interventionen einfließen zu lassen. Aktuell befindet sich der Forschungsverbund daher in der Akquise für eine Folgefinanzierung, idealerweise für weitere drei Jahre.

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