Berichtsvorlage - M/16/2966-01
Grunddaten
- Betreff:
-
Gesundheitsprojekte für Erwachsene im Bereich Gesundheitswesen
- Status:
- öffentlich
- Vorlageart:
- Berichtsvorlage
- Federführung:
- Gesundheitswesen
- Bearbeitung:
- Isabella Schraven
- Verantwortung:
- Dr. Karbach
Beratungsfolge
| Status | Datum | Gremium | Beschluss | NA |
|---|---|---|---|---|
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●
Erledigt
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Sozialausschuss
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Beschlussfassung
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15.11.2017
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Sachverhalt
Sachdarstellung
Gesundheit zu erhalten und Krankheit zu vermeiden gehören zu den zentralen Zielen von Gesundheitsförderung und Prävention. Dabei wird Gesundheit ganzheitlich im Sinne des körperlichen, psychischen und sozialen Wohlbefindens und nicht nur als Fehlen von Krankheit definiert.
Um dieses Ziel zu erreichen, werden im Bereich Gesundheitswesen auch Projekte für die Zielgruppe „Erwachsene“ umgesetzt.
Einige Projekte davon sind:
Steigerung der Teilnahme an Früherkennungsuntersuchungen
Der Oberhausener Gesundheitsbericht 2005 konstatierte im Städtevergleich Oberhausen, Duisburg und Mülheim eine gewisse Bedeutsamkeit bei Herz-Kreislauferkrankungen und bei bösartigen Neuerkrankungen verschiedener Krebsformen. Aus der Forschung waren und sind als wesentliche krankheitsauslösende Bedingungen Einflüsse von Nikotin, Alkohol, Ernährung, zu wenig Bewegung und verschiedene Umweltnoxen bekannt. Genetische Einflüsse sind auch bekannt und werden durch die Forschung zunehmend aufgeklärt.
Vor diesem Hintergrund eines breiten Ursachenspektrums und zahlreichen ungeklärten Zusammenhangsfragen zwischen verursachenden Faktoren und manifester Erkrankung entschied sich die Gesundheitskonferenz der Stadt Oberhausen hinsichtlich ihrer präventiven Bemühungen für ein pragmatisches Vorgehen im Sinne einer Konzentrierung der zur Verfügung stehenden Ressourcen. Die Kampagne zur Steigerung der Inanspruchnahme der Früherkennungsuntersuchengen wurde ins Leben gerufen.
Folgende Ziele wurden formuliert:
- Abbau von Informationsdefiziten
- Steigerung der Beteiligung an Früherkennungsprogrammen
- Vernetzung und Intensivierung der Zusammenarbeit
- Stärkung der Selbsthilfe
Jedes Jahr werden von April bis Juli an viel frequentierten Standorten in den Stadtteilen (zum Beispiel auf Wochenmärkten) jeweils mit einem Oberhausener Krankenhaus ein Aktions- und Informationsstand durchgeführt. So werden die Menschen durch aufsuchende Ansprache und Motivation in ihrem Lebensumfeld erreicht und erhalten neben ausführlicher Information durch Broschüren, Flyer etc. die Gelegenheit, sich in persönlichen Gesprächen mit medizinischem Fachpersonal über Möglichkeiten von Krebs-Früherkennung und Vorsorge zu informieren.
Im September eines jeden Jahres wird dann der große Oberhausener Vorsorgetag mit allen Oberhausener Kliniken, der AOK Regionaldirektion Duisburg-Oberhausen und dem Bereich Gesundheitswesen durchgeführt. Den Besuchern wird ein breites Spektrum verschiedenster Gesundheits-Checks wie Blutdruck- und Cholesterinmessung, Lungenfunktionstest, Blutzuckermessung, Gleichgewichts- und Koordinationsmessung und vieles mehr geboten. An den Ständen stehen den ganzen Tag über Mediziner zur kompetenten Beratung und Beantwortung von Fragen zum Thema Vorsorge zur Verfügung.
Früherkennungsuntersuchungen sollen dazu dienen, Erkrankungen in einem möglichst frühen Stadium zu entdecken, wirksame Therapien frühzeitig einzuleiten, um letztlich die krankheitsspezifische Mortalität zu verringern. Allerdings kann keine Früherkennungsuntersuchung eine hundertprozentige Garantie bringen, dass immer alle Erkrankungen identifiziert werden.
Ab einem bestimmten Alter können Erwachsene alle zwei Jahre einen allgemeinen Gesundheits-Check und jährlich bzw. zweijährlich regelmäßige Untersuchungen zur Früherkennung von Krebserkrankungen wahrnehmen, die von der gesetzlichen Krankenversicherung bezahlt werden. Im Einzelnen sind dies:
Untersuchung | Alter | Geschlecht | Häufigkeit |
Genitaluntersuchung |
ab 20 |
Frauen |
jährlich |
Brust- und Hautunter-suchung |
ab 30 |
Frauen |
jährlich |
Hautkrebs-Screening |
ab 35 |
Frauen + Männer |
alle 2 Jahre |
Gesundheits-Check-Up |
ab 35 |
Frauen + Männer |
alle 2 Jahre |
Prostatauntersuchung Genitaluntersuchung Hautuntersuchung |
ab 45 |
Männer |
jährlich |
Dickdarm- und Rektumuntersuchung |
ab 50 |
Frauen + Männer |
jährlich |
Darmspiegelung |
ab 55 |
Frauen + Männer |
2-mal in 10 Jahren |
Mammographie-Screening |
ab 50 bis 69 |
Frauen |
alle zwei Jahre |
MRE-Netzwerk für Langzeitpflegeeinrichtungen
In Deutschland erkranken jährlich ca. 500.000 Patientinnen und Patienten an einer Krankenhausinfektion, das sind ca. 3-5% aller Krankenhauspatienten und -patientinnen, wovon 1,5% bis 3% einen tödlichen Verlauf haben. Nach Angaben des Landesinstituts für Gesundheit und Arbeit NRW (LIGA) könnten 20-30% dieser Infektionen vermieden werden, wenn die entsprechenden Hygienevorschriften eingehalten werden würden und entsprechende präventive Maßnahmen ergriffen werden würden. Bei diesen Erkrankungen handelt es sich häufig um Infektionen, die durch multiresistente Erreger (MRE) verursacht werden. Als multiresistente Erreger bezeichnet man Krankheitserreger, die Resistenzen gegen bestimmte Medikamente wie zum Beispiel Antibiotika entwickelt haben. Durch den vermehrten Einsatz von Antibiotika sowie die falsche Einnahme von Antibiotika gibt es Bakterien, die sich so verändert haben, dass sie gegen fast alle gängigen Antibiotika resistent geworden sind. Hier spricht man von multiresistenten Stämmen. Das problematische an diesen Stämmen ist, dass viele Menschen Träger dieser Erreger sind und diese verbreiten können und andere Menschen infizieren können, ohne selbst zu erkranken. Die Erreger können durch Ausscheidungen oder durch den direkten Kontakt zu Menschen übertragen werden. Zur Risikogruppe zählen Menschen mit einem geschwächten Immunsystem, längeren Krankenhausaufenthalten, chronischer Pflegebedürftigkeit, längere und wiederholte Antibiotikaeinnahme, Patienten und Patientinnen mit Katheter, großflächigen oder chronischen Wunden, Diabetes sowie Dialysepatienten und –patientinnen. Aktuelle Studien weisen allerdings darauf hin, dass MRE nicht nur bei Risikopersonen weiterhin zunehmen.
Die Herausforderung besteht nun darin die Verbreitung dieser multiresistenten Erreger einzudämmen. Aufgrund dessen wurde bereits im Jahr 2011 das MRE-Netzwerk Oberhausen gegründet. Zielgruppen dieses MRE-Netzwerkes sind die Krankenhäuser, niedergelassene ärztliche Praxen, Krankentransportdienste sowie Alten- und Pflegeheime. Im Rahmen des Netzwerkes soll die Hygiene verbessert werden und definierte Qualitätsziele erreicht werden. Die Netzwerkarbeit wird durch regelmäßige Netzwerkssitzungen der Mitglieder vertieft. Um das Gespräch zwischen Krankenhäusern und Langzeitpflegeeinrichtungen zu intensivieren, fanden im Jahr 2017 vermehrt gemeinsame Netzwerktreffen mit Vertretern der Krankenhäuser, den Pflegeeinrichtungen und auch niedergelassenen Ärzten statt. Insgesamt beteiligen sich momentan neun Langzeitpflegeeinrichtungen im Netzwerk. Außerdem nahm die Stadt Oberhausen zum wiederholten Mal an der HALT (=Healthcare associated infection in long-term care facilities)-Studie des Robert Koch-Instituts teil. Die HALT-Studien (HALT: 2010, HALT-2: 2013 und HALT-3: 2016) lieferten erstmalig Basis-Informationen zum Vorkommen von Infektionen und zum Einsatz von Antibiotika in Heimen. Darüber hinaus hatten die HALT-Projekte zum Ziel, das Bewusstsein für die Probleme und Schwierigkeiten der Thematik Pflege- und therapieassoziierte (nosokomiale) Infektionen und Antibiotikaeinsatz in diesen Einrichtungen zu erhöhen und aus den Erkenntnissen sinnvolle Strategien und Präventionsmaßnahmen zu initiieren. An der HALT-3-Studie, die im November 2016 durchgeführt wurde, beteiligten sich fünf Langzeitpflegeeinrichtungen der Stadt Oberhausen. Die Studie zeigt, dass die Infektionsrate in Oberhausen sehr gering ist und nur wenige Bewohner und Bewohnerinnen ein Antibiotikum einnahmen. Zudem wurden in allen fünf Einrichtungen Schulungen zum Thema Händehygiene für das Pflegepersonal organisiert.
Gesundheitspartner-Verzeichnis
Aus dem Ärzteverzeichnis ist im Jahr 2013 das Gesundheitspartner-Verzeichnis für Oberhausen entstanden. Ab diesem Jahr beinhaltet das Verzeichnis nicht nur die Oberhausener Ärzte und Ärztinnen sondern auch weitere Gesundheitspartner. Zum damaligen Zeitpunkt wurden auch Heilpraktiker/innen und Hebammen mit aufgenommen. Das Verzeichnis wird alle 2 Jahre aktualisiert. Im Jahr 2015 wurden erstmalig auch die Praxen für Logopädie, Podologie und Ergotherapie mit aufgenommen. Ein fester Bestandteil des Gesundheitspartner-Verzeichnisses ist die Rubrik der fremdsprachlichen Ärzte. Dies ist besonders für die Arbeit mit Flüchtlingen in unserer Stadt ein wichtiger Aspekt und ist in keinem anderen Verzeichnis enthalten. Bereits in diesem Verzeichnis waren erstmalig Hinweise auf die Barrierefreiheit der Oberhausener Praxen enthalten.
Das Gesundheitspartner-Verzeichnis für die Stadt Oberhausen wurde jetzt erneut aktualisiert. Nach der Erstauflage des Gesundheitspartner-Verzeichnisses 2013 war es an der Zeit dieses komplett zu überarbeiten. Zum einen wurde die Größe auf ein DIN A5 Format verändert, so dass auch die Schriftgröße des Verzeichnisses vergrößert werden konnte. Dies ist besonders im Hinblick auf Menschen mit einer Sehschwäche vorteilhaft. Zum anderen wurde das Cover farblich überarbeitet. Ein besonderes Augenmerk ist auch hier auf die Rubrik der fremdsprachlichen Ärzte gerichtet. Im Gesundheitspartner-Verzeichnis sind u. a. alle niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte, Fachärztinnen und Fachärzte nach ihren Fachrichtungen aufgelistet. Ebenso enthält das Gesundheitspartner-Verzeichnis Informationen zu weiteren Gesundheitspartnern wie Ergotherapie, Heilpraktiker/innen, Heilpraktiker/innen – Psychotherapie, Logopädie, Physiotherapie, Podologie und Hebammen. Erstmals sind auch die Oberhausener Apotheken, eine Ökotrophologin und Diätassistentin mit aufgeführt.
Im Rahmen der inklusionsgerechten Aufbereitung des Verzeichnisses wurden für Menschen mit einem Handicap die Angaben zur Barrierefreiheit der Praxen erweitert. In dieser Auflage verweisen Piktogramme auf die Barrierefreiheit der einzelnen Praxen und Apotheken. Sowohl die Piktogramme als auch die Fremdsprachenangabe sind in keinem anderen Verzeichnis enthalten.
Den Abschluss findet das Gesundheitspartner-Verzeichnis in der Auflistung aller wichtigen Notrufnummern. Von der Notfallambulanz für Kinder und Erwachsene, den generellen Notrufnummern über die Oberhausener Krankenhäuser bis hin zu den Hospizen.
Es besteht auch die technische Möglichkeit eines Downloads des Verzeichnisses über die Homepage des Bereiches Gesundheitswesen.
Projekt Gesund älter werden im Quartier Sterkrade-Mitte
Im Rahmen von „Quartier in Bewegung“ wurde ein neues Projekt gemeinsam mit dem Seniorenzentrum „Gute Hoffnung leben“ unter dem Titel „Gesund älter werden im Stadtteil“ konzeptioniert. Inhaltlich orientiert sich das Projekt an dem Programm „Fit für 100“ der Sporthochschule Köln, welches vor allem Balance- und Koordinationsübungen sowie Krafttraining beinhaltet.
Im Stadtteil Sterkrade-Mitte liegt der Anteil der Bevölkerung über 65 Jahre bei 21,6 %. Angebote und Maßnahmen der Bewegungs- und Gesundheitsförderung können einen Beitrag zum gesunden Altern leisten. Ein körperlich aktiver Lebensstil wirkt biologischen Alterungsprozessen entgegen und trägt wesentlich zu einem gesunden Altern, zur Möglichkeit selbständiger Lebensführung und der Verhinderung von Pflegebedürftigkeit bei. Regelmäßige Bewegung kann vor Stürzen schützen und die Leistungsfähigkeit des Bewegungsapparates und des Herz-Kreislauf-Systems erhalten. Denn Stürze und sturzbedingte Verletzungen sind immer noch die häufigste Ursache für Unterbringungen in Pflegeeinrichtungen.
Die Maßnahme soll sich an alle älteren Menschen aus dem Quartier Sterkrade bzw. aus dem Wohnumfeld der Guten Hoffnung leben richten. Heimbewohner der Gute Hoffnung leben sind nicht beteiligt.
Ziel der zweimal wöchentlich stattfindenden Bewegungsstunden ist eine Verbesserung der Alltagskompetenzen. Die Bewegungsstunden können je nach Wetterlage aufgrund der örtlichen Gegebenheit sowohl drinnen als auch draußen angeboten werden. Für die Teilnehmerinnen und Teilnehmer wird mit dem Training ein wichtiger Beitrag zur Sturzprävention geleistet, denn die vielfältigen Koordinationsübungen schulen vor allem die Gleichgewichtsfähigkeiten. Die notwendige Grundlage dafür wird durch die Kräftigungsübungen geschaffen. Das Bewegungsangebot hilft vor allem älteren und hochaltrigen Menschen Alltagshandlungen möglichst lange selbstständig verrichten zu können, denn nachlassende Kraft ist nur allzu oft ein Faktor, der im Alter leistungsbegrenzend wirkt. Die Erfahrungen haben gezeigt, dass das Kraftniveau vieler älterer Menschen erheblich gesteigert werden kann. Dies führt letztlich auch zu einer größeren Lebensqualität und -zufriedenheit.
Ein erster Antrag zur Förderung dieses Projektes nach § 20a SGB V (Leistungen zur Gesundheitsförderung und Prävention in Lebenswelten) durch die Verbände der Krankenkassen wurde abschlägig beschieden. Derzeitig werden Möglichkeiten einer alternativen Finanzierung bzw. eine erneute und dann modifizierte Antragsstellung in 2018 geprüft.
