Berichtsvorlage - M/16/2887-01

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Sachdarstellung

 

Im Frühjahr dieses Jahres legten die Fachstelle für Öffentliche Bibliotheken bei der Bezirksregierung Düsseldorf und die Landesweite Koordinierungsstelle Kommunale Integrationszentren (LaKi) gemeinsam ein Pilotprojekt unter dem Titel „Sprachschatz - Bibliothek und KiTa Hand in Hand“ auf. Damit sollen im Rahmen einer Projektlaufzeit von 2017 - 2019 nach dem Vorbild des landesweiten Projektes „Medienpartner Bibliothek und Schule“, an dem die Stadt Oberhausen ebenfalls beteiligt ist, Module für die systematische Zusammenarbeit von Bibliotheken und KTEs entwickelt werden. Auf der Grundlage einer Projektevaluation sollen die Ergebnisse anschließend landesweit in die Fläche getragen werden.

Gute sprachliche Fähigkeiten sind die Voraussetzung für eine erfolgreiche Teilnahme an der Gesellschaft und eine positive Entwicklung der Lesekompetenz. Die entscheidenden Weichen zur Entwicklung von Sprach- und Lesekompetenz werden in den ersten Lebensjahren gestellt. Aus diesem Grund ist die kontinuierliche Förderung der sprachlichen Entwicklung ein wesentlicher Bestandteil der frühkindlichen Bildung in den Kindergärten in Nordrhein-Westfalen.

Die Familiensprache(n) ist (sind) schon in den ersten Lebensjahren das wichtigste Verständigungswerkzeug für Kinder. In Nordrhein-Westfalen leben Menschen aus über 190 Herkunftsländern. Ebenso viele Sprachen gehören zur Alltagswelt der Kinder. Deshalb gehört es zu den Aufgaben der Kindergärten, die Mehrsprachigkeit von Kindern zu fördern. Denn wenn die Mehrsprachigkeit gefördert wird, erleichtert dies das Lernen der deutschen Sprache.

Digitale Medien können die Förderung der Mehrsprachigkeit nachhaltig unterstützen und eröffnen neue Möglichkeiten der Vermittlung. Laut der 6. Vorlesestudie der Wochenzeitung DIE ZEIT, der Stiftung Lesen und der Deutschen Bahn[1] sind Kinderbuch-Apps eine sehr gute Ergänzung zum gedruckten Buch. Digitale Vorleseangebote bieten zudem neue Möglichkeiten Familien zu erreichen, bei denen das Vorlesen einen geringen Stellenwert hat.

Smartphone und Tablets gehören inzwischen selbstverständlich zum Alltag auch der kleinsten Kinder. Deshalb gehört die Vermittlung des Umgangs mit digitalen Medien auch in die frühkindliche Bildung.

Öffentliche Bibliotheken und Kindertagesstätten sind wichtige Akteure im Bereich der Sprach- und Leseförderung im kommunalen Raum. In vielen Kommunen, so auch in Oberhausen, arbeiten beide Institutionen bereits in vielfältiger Form eng und in unterschiedlichen Formen zusammen. Während eine systematische Zusammenarbeit von Bibliothek und Schule seit mehr als 10 Jahren geübte Praxis ist, wurden für die Zusammenarbeit von Kindergärten und Bibliotheken landesweit bisher kaum Ansätze für die systematische Zusammenarbeit entwickelt.

Das Pilotprojekt soll in diesem Kontext die Vermittlung von Sprachbildung und Medienkompetenz unter besonderer Berücksichtigung der Mehrsprachigkeit in den Blick nehmen. Das Projekt richtet sich an eine breite Zielgruppe mit besonderem Augenmerk auf Geflüchtete und Kinder mit Migrationshintergrund.

Die Stadtbibliothek Oberhausen hat sich in Abstimmung mit dem Kommunalen Integrationszentrum Oberhausen und gemeinsam mit den KTEs Löwenzahn, Ottilienstraße und dem AWO-Familienzentrum, Schwarzwaldstraße um die Teilnahme an diesem Pilotprojekt beworben. Von 14 kommunalen Verbünden, die sich beworben haben, erhielten daraufhin landesweit 6 Verbünde - u. a. auch Oberhausen - eine Zusage.

Die nunmehr konkret definierten Ziele des im Herbst 2017 anlaufenden Pilotprojektes sind:

-               Förderung der Sprach- und Lesekompetenz von Kindern im Alter von zwei bis sechs Jahren durch systematische Kooperation von Kindertagesstätten und Bibliotheken unter Einbezug des örtlichen Kommunalen Integrationszentrums.

-               Entwicklung von Modulen für die systematische Zusammenarbeit von Öffentlicher Bibliothek und Kindertagesstätten zur Förderung der Sprach- und Lesekompetenz im Kindergartenalter unter Einbezug digitaler Medien. In das Modulkonzept können auch bewährte Methoden der „klassischen“ Sprach- und Leseförderung integriert bzw. als Grundlage für die Weiterentwicklung genutzt werden.

-               Schaffung bzw. Ausbau einer tragfähigen Organisationsstruktur für eine langfristige Zusammenarbeit von Bibliothek und Kindertagesstätten auf kommunaler Ebene.

-               Schaffung eines NRW-weiten Netzwerkes von Bibliotheken und Kindertagesstätten mit dem Ziel, die Zusammenarbeit von Bibliotheken und Kindertagesstätten auch nach Abschluss der Pilotphase weiter zu entwickeln, den Erfahrungsaustausch zu fördern und die Ergebnisse in die Fläche zu tragen.

Die Projektleitung des Pilotprojektes obliegt der Fachstelle für Öffentliche Bibliotheken NRW. Die örtliche Projektleitung liegt bei der Leiterin der Kinderbibliothek im Bert-Brecht-Haus. Eine örtliche Projektgruppe unter Beteiligung der Bibliotheksleitung, dem KI Oberhausen, den Leitungen der KTE Löwenzahn, der AWO-Familienstätte und der Schul- und Stadtteilbibliothek Osterfeld wurde eingerichtet und ist für die örtliche Umsetzung verantwortlich.

Die wissenschaftliche Begleitung und Evaluation des Pilotprojektes sowie das Verfassen des Abschlussberichtes obliegt Prof. Timm Albers, Universität Paderborn - AG Inklusive Pädagogik.

Die Umsetzung dieses Projektes beinhaltet ein umfassendes Qualifizierungskonzept für bibliothekarische und pädagogische Fachkräfte u. a. mit den Schwerpunkten Medienkompetenz, Sprachbildung, Potentiale von Mehrsprachigkeit und Interkulturelle Sensibilisierung, die Begleitung durch eine externe medienpädagogische Fachkraft und eine finanzielle Förderung jeder Pilotbibliothek in Höhe von insgesamt 10.000 €, verteilt auf die Jahre 2018 und 2019. In dieser Zeit finden diverse örtliche und überörtliche Projekttreffen aller Projektpartner statt, zu denen sich diese in entsprechenden Kooperationsverträgen verpflichtet haben. Die Abschlusskonferenz ist geplant für November/Dezember 2019.

 

 

 

 

 

 


[1] www.stiftunglesen.de/download.php?type=documentpdf&id=752

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