Berichtsvorlage - M/16/2571-01

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Beratungsfolge

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Sachverhalt

Sachdarstellung

 

  1. Ausgangslage – Projekt Schulkultur und Schulmuseum 1987 - 2015

 

Das Projekt Schulkultur Oberhausen besteht seit 1987 und war von 1987 bis 2017 beim Dezernat 3 / Kinder, Jugend, Bildung, Bereich 3-1 / Schule angesiedelt. Im Februar 2017 wurde das Projekt Schulkultur dem Dez. 1 / Finanzen, Kultur, Bereich 0-8 / Kunst, Fachbereich 0-8-40 / Stadtarchiv, zugeordnet. Es ist eine Einrichtung, welche allen Oberhausener Schulen aller Schulformen die kulturelle Zusammenarbeit anbietet und diese mit den jeweiligen Schulen in Projekten, Workshops, Veranstaltungen, praktisch umsetzt.

 

Seit 1991 bestand die zusätzliche Aufgabe darin, Gegenstände der Oberhausener Schulen zu sammeln, um später ein „Schulmuseum“/“Historisches Klassenzimmer“ als außerschulischen Lernort in Oberhausen aufbauen zu können. Zu diesem Zeitpunkt wurden einige Schulen geschlossen und historisch authentische Möbel sowie Unterrichtsmaterial konnten als Exponate für das „Historische Klassenzimmer“ bewahrt werden. Das „Schulmuseum“ wurde im Februar 2001 in der zweiten Etage des damaligen Gebäudes des Stadtarchivs, in der vormaligen Tackenberg-Schule, eröffnet und bestand dort bis November 2015. 

 

Das „Schulmuseum“ wurde vorwiegend von Schulklassen der Primarstufe besucht: Oberhausener Schulen, aber auch Schulen aus Bottrop, Duisburg, Dinslaken, Mülheim, Essen, Wesel und aus dem europäischen Ausland (z.B.: Polen, Großbritannien, Ukraine) waren hier Gäste. Der Eintritt war frei.

 

Dem Projekt Schulkultur und dem Schulmuseum ist eine Stelle im Stellenplan der Stadt Oberhausen zugeordnet. Sowohl die inhaltliche Arbeit, Konzepte und deren Umsetzung, als auch die organisatorischen und gestalterischen Tätigkeiten, die im Rahmen von Museumsbesuchen und Veranstaltungen anfielen, wurden von der Stelleninhaberin, Frau Cahoj-Roosen (Dipl.-Pädagogin und Dipl.-Designerin), ausgeführt. Es wurden innovative, museumspädagogische Konzepte (z.B. „Pädagogischer Lernpfad“: Führung, Vortrag und Rollenspiel) entwickelt und in Projekten, Workshops und Seminaren durchgeführt.

 

Dabei sind beide Aufgabengebiete, das „Projekt Schulkultur“ und das „Schulmuseum“, zeitlich parallel durchgeführt worden. Wesentliche Inhalte beider Aufgabengebiete waren:

 

Schulmuseum

 

Museumsarbeit:

Unterricht, Führung und Rollenspiel mit Schulklassen

Unterricht, Führung und Rollenspiel mit Erwachsenen

Unterricht, Führung und Rollenspiel bei Geburtstagen (für Jung und Alt)

Klassentreffen, Jubiläen, Seminare, Vorträge etc.

 

Erweiterte Angebote, wie z. B. das

  • „Pädagogen-Café“ (Vorträge und Diskussion mit Experten aus dem pädagogischen Bereich, Leitung Frau Cahoj-Roosen und Herr Ortmann, Jugendamt)
  • „Mus-école“ (ein Projekt zum Kulturaustausch mit Migrantinnen, in dem insbesondere interkulturelle Bildungsfragen geklärt wurden und Exkurse wöchentlich zum Thema und an den jeweiligen Standorten stattfanden: Lokale Geschichte und Kulturangebote sowie Institute der Stadt Oberhausen standen dabei im Vordergrund, Leitung Cahoj-Roosen)
  • „Museumsgespräche“ (Vortrag und Diskussion mit Experten zu Themen aus dem Bereich der: Soziologie, Philosophie, Literatur, Kunst, Pädagogik, Psychologie etc. Leitung Cahoj-Roosen)
  • „Museum unterwegs“ (Geschichte durch Stadtteilbegehungen erfahrbar machen, Leitung Cahoj-Roosen)

 

Projekt Schulkultur

 

  • Veranstaltungen: z.B. „75 Jahre Oberhausen – unsere Stadt hat Geburtstag“, eine Kinderrevue mit 9 aktiven Schulen (ca. 150 Kinder) mit Herstellung eines Kurzfilms für die Bühnendarstellung (Gestaltung sowie Koordination und Organisation Cahoj-Roosen) Aula Heinrich-Heine-Gymnasium, aktive und passive Teilnehmer 750 Schülerinnen und Schüler aller Schulformen, Primarstufe und Sek I )
  • „27. Januar - Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus“

(10 Jahre lang Organisation der Veranstaltung: Programmgestaltung und Ausstellung zum Gedenktag mit Oberhausener Schulen. Gleichzeitig Leitung der Koordination dieser Veranstaltung auf internationaler Ebene mit: Oberhausen, Danzig, Saporisha, im Projekt „Hanza in Education“)

  • Verankerung des Projekts „Hanza in Education“ in der Oberhausener Schullandschaft (ein internationales Austauschprojekt zu Themen der Kulturidentität, Europa und Gemeinwesen mit polnischen Schulen in Danzig)
  • Konzeption und Gestaltung mit Schülern: Grafische Gestaltung der Unterführung Sterkrade
  • Konzeption, Recherche und Gestaltung von Ausstellungen, einige Beispiele:

/Schuljubiläen: Alsfeldschule, Königschule, Grundschule Schmachtendorf, Workshop mit Kindern und Eltern: „Kostüme“: „250 Jahre Schmachtendorf“

/Gedenkhalle: „Christen in der NS-Zeit“

/Bunkermuseum: „Winterhilfe“

/Bibliothek, Lesen erLeben: „Mein Oberhausen“ (2003, 2008, 2010)

/Bibliothek, Lesen erLeben: „Gasos Kochbuch“ (2015)

/Parallel hierzu Betreuung von Praktikanten im Rahmen der Inklusion etc.

 

Das Projekt „Schulkultur“ und das „Schulmuseum“ zeichneten sich durch eine vielfältige Vernetzung und Zusammenarbeit mit folgenden Instituten und Bereichen aus: Bibliothek (Lesen erLeben), Medienzentrum, Bildungsbüro, Kulturbüro, Gedenkhalle, Malschule, Stadtarchiv, Jugendamt, Kommunales Integrationszentrum, Planungsamt, Integrationsrat, Büro für Chancengleichheit.

 

 

  1. Konzept und Praxis des „Schulmuseums“

 

Das „Schulmuseum“ wirkte bereits durch seine gestalterische Einrichtung. Die Exponate, Schulwandbilder und die historischen Möbel vermitteln auf den ersten Blick den Eindruck einer Klasse vor rund 100 Jahren, ohne dieses näher erläutern zu müssen. Darüber hinaus wurde das Schulmuseum vielfältig und innovativ nicht nur museal als Ausstellungsort, sondern auch als Vortragsraum, Projekt-, Seminarraum, Forum und Atelier für Schulen, Lehrer, Bürgerinnen und Bürger genutzt.

 

Das Schulmuseum als außerschulischer Lernort dient der ersten Heranführung eines Kindes an die Institution Museum. Insbesondere für Kinder aus bildungsfernen Schichten ist dies für die Erweiterung kultureller Lernerfahrungen wichtig.

 

Die Arbeit und die Wissensvermittlung im Schulmuseum Oberhausen war den unterschiedlichen Leitbildern aus Erziehung und Bildung im Wandel der Jahrhunderte gewidmet, z.B. die betonte Erziehung zu unbedingtem Gehorsam, die nachhaltige Auswirkungen auf das Verhalten als Untertan in Gesellschaft und Politik hatte. Die Schule der Gegenwart erzieht und bildet dagegen zum mündigen Staatsbürger. Im Schulmuseum - z.B. im "pädagogischen Lernpfad", d.h. in Museumsführung, Vortrag, Diskussion und Rollenspiel - konnten Wissen und Kompetenzen zum kritischen Umgang mit der Geschichte sowie der persönlichen Lebenswelt erworben werden.

 

Bei der Arbeit mit Schulklassen ergeben sich im Museum verschiedene spannende Aspekte: 
1. Das Museum wird zur Bühne. Kinder und Jugendliche geben Aufführungen, andere Besucher oder die eigenen Mitschüler werden zum Publikum. Die Aufführenden genießen die Bühnenpräsenz und den Applaus. 
2. Die Atmosphäre des Museums und die Aura der Exponate, zusammen mit der Bühnen- und Aufführungssituation stehen im Vordergrund. 
3. Mit den Museumsexponaten wird aktiv/interaktiv umgegangen... 
4. Durch Aktivität und Kopplung mit eigenem Ausdruck wird die Merkfähigkeit gesteigert. 
5. Im Museum werden häufig Kinder aktiv, die bei rein sprachlichen Vermittlungsmethoden nicht zum Zuge kommen. Ihre hohen ”Ausdrucks- und Gestaltungsenergien” wirken in normalen Unterrichtssituationen oftmals eher störend – hier sind sie positiv gefragt. Die Lehrer erleben diesen Rollenwechsel häufig mit großem Staunen und Anerkennung. Das tut wiederum den aufführenden Individuen wie der ganzen Klasse gut. 
6. Das Museum kann so einen Beitrag zu einer polyästhetischen Bildung leisten und darüber hinaus Anregungen für Unterricht geben...
7. Das Museum wird zum Erlebnisort!” 
(Bradke 2001 in: Kindler 2001, 133f.) 

Nach einem Museumsbesuch bleibt nicht "nur die kognitive Seite" haften, vielmehr bleibt die “emotionale Erfahrung". Aus diesem Grunde darf die “Gefühlsebene beim Lernen” nicht vernachlässigt werden. (Vgl. Treinen 1996, 85)  Arbeit mit Lerngruppen aller Altersstufen steht im Vordergrund der Museumsarbeit. Der Unterschied zwischen schulischem und musealen Geschichtslernen liegt in den Medien. In der Schule steht vorwiegend zweidimensionales Material aus Papier zur Verfügung, während im Museum eine Vielzahl von Gegenständen im Mittelpunkt stehen. (Vgl. Urban 1999, 109) 

Der Lerngegenstand (z.B. Geschichte), der oft als abstrakt und komplex empfunden wird, da er nicht ein mit den Sinnen zu fassendes Erlebnis ist, bekommt im Museum eine ästhetische, "sinnlich-konkrete" Gestalt. (Urban 1999, 110) 

Alle Besucher waren als Zielgruppen im Schulmuseum Oberhausen willkommen: Eltern, Großeltern - auch als Zeitzeugen, Kinder und Jugendliche, Lehrer und Fachleute, Benachteiligte und ethnische Minderheiten. Das Schulmuseum war gegenüber der Vernetzung innerhalb der Stadt, des Stadtteils, der Verwaltung sowie der Schulen offen. Die Räumlichkeiten konnten jederzeit unterschiedlich genutzt werden. Hier wurde in Projektarbeit und im internationalen Austausch lebensnah zusammengearbeitet. 

Die Ziele des handlungsorientierten Unterrichts wurden im museumspädagogischen Konzept verfolgt. Das Lernen im Schulmuseum Oberhausen fand ganzheitlich, mit einer großen Bandbreite an Methoden statt. Dabei wurden ganz im Sinne von Pestalozzi ”Kopf, Herz und Hand” angesprochen. Die Interessierten sollten dabei zu mündigem und autonomen Handeln geführt und begleitet werden. So wird gefordert, dass Bildung als Lern- und Entwicklungsprozess verstanden werden soll, "... in dessen Verlauf die Befähigung erworben wird, den Anspruch auf Selbstbestimmung und die Entwicklung eigener 
Lebens-Sinnbestimmungen zu verwirklichen (...)." (Bildungskommission NRW 1995, XII) 

Als innovativen pädagogischen Ansatz nahm das Schulmuseum Oberhausen Aufgaben wahr, die sich aus den Prinzipien der Community Education ergeben, d.h. die Öffnung zum Stadtteil, zum Gemeinwesen hin, mit all seinen Partnern: Bürgerinnen und Bürgern, Schulen, Kirchengemeinden, Moscheen, städtischen Institute, gesellschaftlichen Organisationen etc. Hier wurde die Öffnung der Räumlichkeiten für ein breiteres Publikum möglich und es ergab sich eine sinnvolle Vernetzung, z.B. die Einrichtung eines Treffpunkts für den kulturellen Austausch sowie Bildungsberatung für Migrantinnen und deren Kinder im Projekt „Mus-école“.

 

Im November 2015 ist das Inventar des Schulmuseums aus dem Gebäude des Stadtarchivs am damaligen Standort Tackenbergstraße mit Büchern, Exponaten und Möbeln ausgelagert und im Keller des Hans-Sachs-Berufskollegs zwischengelagert worden.

 

 

  1. Projekt Schulkultur im Stadtarchiv

 

 

Zum Februar 2017 wurde das Projekt Schulkultur mit der Personalplanstelle von Frau Cahoj-Roosen vom Bereich 3-1 / Kinder, Jugend, Bildung zum Fachbereich 0-8-40 / Stadtarchiv verlagert. Ziel der Verlagerung ist die Konzentration der inhaltlichen  Aufgaben auf die Historische Bildung. Zugleich werden bisher bewährte und ergänzende kulturell-pädagogische Angebote fortgeführt. Dazu zählen insbesondere Projekte mit Stadtteilbezug und für außerschulische Zielgruppen wie Migrantinnen/en.

 

Seit der Zuordnung des Projektes Schulkultur zum Stadtarchiv bilden im Jahr 2017 Angebote für die Primarstufe den Schwerpunkt der pädagogischen Arbeit zur historischen Bildung. Den Grundschulen in Oberhausen sind zwei Möglichkeiten zur Thematisierung der Stadtgeschichte im Sachkundeunterricht der Jahrgangsstufen 3 und 4 eröffnet worden:

-          Die historische Führung durch den Stadtteil im nahen Umfeld der jeweiligen Grundschule im Umfang von 2 Schulstunden, 90 Minuten, bietet einen Einstieg in die Beschäftigung mit der Stadtteilgeschichte.

-          Die Unterrichtseinheit „Stadtteilkoffer“ umfasst diese Führung sowie variabel auszugestaltende kognitive und künstlerisch-gestalterische Lerneinheiten, die von den Lehrkräften und Frau Cahoj-Roosen sowie Experten, Künstlern etc. individuell ausgestaltet werden.

 

Das Projekt Schulkultur hat am Standort Eschenstraße im Altbau der ehemaligen Hauptschule Lirich, der von der VHS genutzt wird, ein Büro im Erdgeschoss bezogen. Es wird geprüft, ob das im Herbst 2015 in Kellerräumen des Hans-Sachs-Berufskollegs eingelagerte historische Klassenzimmer wieder aufgebaut und für Veranstaltungen genutzt werden kann. Dazu bietet sich aus organisatorischen und logistischen Gründen vorrangig ein Klassenraum im Erdgeschoss der ehemaligen Hauptschule Lirich an. Diese Räumlichkeiten werden im Jahr 2017 und ggf. darüber hinaus prioritär für die Durchführung von Veranstaltungen der VHS benötigt, insbesondere mit teilnehmenden Geflüchteten.

 

Nutzungsfrequenz des Schulmuseums 2005 - 2013

 

Die statistische Auswertung der im Zeitraum 2005 bis 2013 im historischen Klassenzimmer durchgeführten Veranstaltungen weist eine Spanne von 1,5 bis 5,5 Veranstaltungen im Monat auf. Im Mittel sind rund 4 Veranstaltungen im Monat oder eine Veranstaltung pro Woche durchgeführt worden. Dabei traten hohe Schwankungen auf, weil:

-          mit dem Stadtarchiv zur Harmonisierung der Besucherfrequenzen die Bündelung der Veranstaltungen auf einen Wochentag vereinbart wurde,

-          während der Ferien, insbesondere im Sommer kaum Veranstaltungen stattfanden,

-          sämtliche Veranstaltungen ausschließlich von der Projektmitarbeiterin Cahoj-Roosen durchgeführt wurden. Dies führte zu geringen Veranstaltungsfrequenzen in Zeiten von Urlaub, Erkrankung, aber auch von z.T. mehrmonatigen Schulkultur-Projekten, durch welche die Arbeitszeit anderweitig gebunden wurde.

 

Weiteres Vorgehen

 

Dezernat 1 / Finanzen, Kultur und Fachbereich 0-8-40 / Stadtarchiv stimmen überein, dass die Prüfung einer erneuten Errichtung und Nutzung des historischen Klassenzimmers eines umfassenden pädagogischen Konzeptes der Historischen Bildung für das historische Klassenzimmer bedarf.

Ziel eines solchen Konzeptes sollte sein:

-          die Erreichung einer noch größeren Vielfalt von Veranstaltungsformaten,

-          die deutliche Erhöhung der zu erreichenden Veranstaltungsfrequenz von ca. einer Veranstaltung pro Woche mittelfristig auf bis zu einer Veranstaltung am Tag, sowie

-          die Ausweitung der veranstaltenden Personen über die Stelleninhaberin hinaus auf:

/weitere Mitarbeiter/innen des Fachbereiches 0-8-40 / Stadtarchiv sowie

/weitere ehrenamtliche und auf Honorarbasis tätige Personen.

Ein solches Konzept wird im Verlauf des Jahres 2017 erarbeitet.

 

Nach Vorlage des Konzeptes für das Historische Klassenzimmer sowie nach aktualisierter Bedarfsermittlung der VHS für die Nutzung von Veranstaltungsräumen durch die VHS am Standort ehemalige Hauptschule Lirich werden Dez. 1 / Finanzen, Kultur und Fachbereich 0-8-40 / Stadtarchiv einen Verfahrensvorschlag für die zukünftigen Arbeitsschwerpunkte des Projektes Schulkultur erarbeiten, der eine Empfehlung beinhalten wird, ob und ggf. unter welchen Rahmenbedingungen das Historische Klassenzimmer wieder errichtet und genutzt werden soll.

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