Berichtsvorlage - M/16/2401-01
Grunddaten
- Betreff:
-
Umfrage zum Nutzungsverhalten des Oberhausener Mädchenmerkers
- Status:
- öffentlich
- Vorlageart:
- Berichtsvorlage
- Federführung:
- Gleichstellungsbeauftragte
- Bearbeitung:
- Claudia Silber
Beratungsfolge
| Status | Datum | Gremium | Beschluss | NA |
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Erledigt
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Gleichstellungsausschuss
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Kenntnisnahme
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07.03.2017
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Erledigt
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Jugendhilfeausschuss
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Kenntnisnahme
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08.03.2017
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Erledigt
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Schulausschuss
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Kenntnisnahme
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09.03.2017
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Sachverhalt
Sachdarstellung
Seit mittlerweile 17 Jahren gibt die Gleichstellungsstelle der Stadt Oberhausen in Zusammenarbeit mit weiteren Gleichstellungsstellen in Nordrhein-Westfalen und der Landesarbeitsgemeinschaft kommunaler Frauenbüros / Gleichstellungsstellen den Mädchenmerker für Oberhausener Mädchen heraus. Dieser Taschenkalender unterstützt die Berufs- und Studienwahl von Schülerinnen in Form von Informationen zu Berufsberatung, Bewerbung, finanziellen Hilfen und Berufsporträts und dient zudem als Taschenkalender für unterwegs. Daneben informiert er über aktuelle Themen. Der Oberhausener Mädchenmerker wird anzeigengedeckt finanziert. Für den Mädchenmerker 2016/2017 wurden 3 x 500,00 EUR und 1 x 750,00 EUR von Sponsoren eingenommen, um den Mädchenmerker kostendeckend für Oberhausen zu refinanzieren.
Der Grund für die Herausgabe des Mädchenmerkers durch die Gleichstellungsstelle stellt sich wie folgt dar:
Die Vielfalt der Berufsangebote kann junge Menschen oft überfordern, sich für einen bestimmten Werdegang zu entscheiden und führt zu Orientierungslosigkeit auf dem Arbeitsmarkt. Der Mädchenmerker stellt ein wertvolles Instrument für Mädchen bei der Suche nach einer Ausbildung dar und unterstützt das Streben nach geschlechtsuntypischer Berufswahl, indem er stereotype Vorstellungen von bestimmten Tätigkeitsbereichen aufbricht. Das Ziel der Gleichstellungsstelle ist es, damit besonders Schülerinnen zu bestärken, auch frauenuntypische Berufe für die eigene berufliche Laufbahn in Erwägung zu ziehen.
Um die Aktualität des Mädchenmerkers sowie den Bedarf bei den Mädchen aus Oberhausen nach Jahren der erfolgreichen Herausgabe zu überprüfen, entstand in Kooperation mit städtischen Fachkollegen/-kolleginnen aus der Jugendpflege, Jugendförderung, der Geschäftsleitung der AG Mädchenförderung sowie unterstützt durch das Jugendparlament das Konzept zu einer umfassenden Umfrage, die an sämtlichen Schulformen in Oberhausen sowohl mit Mädchen als auch mit Jungen nach den Sommerferien 2016 durchgeführt wurde (Fragebögen in der Anlage).
Schwerpunkte der Fragestellungen für Mädchen waren die Berufswahlorientierung, das Format und die Nutzung des Taschenkalenders als auch die Themenfelder der Informationsseiten und das allgemeine Layout. Die Fragebögen für die Jungen sollten sich auf eventuelles Interesse an einem dem Mädchenmerker ähnelnden, alternativen Format für Jungen fokussieren. Im Hinblick auf Jungenförderung in Oberhausen sollten die Umfragen außerdem klären, welche Interessengebiete den Oberhausener Jungen zu Informationszwecken der Berufswahlorientierung wichtig sind. Ziel der Umfrage für Jungen war es somit, zu erörtern, ob ein Jungenmerker das Mittel sein kann, auch Jungen den Zugriff auf speziell an sie gerichtete Beratung und Information mit jungenuntypischen Berufen zu ermöglichen.
Die Umfrage wurde an sechs unterschiedlichen Schulformen in Oberhausen (Gymnasium, Gesamtschule, Realschule, Hauptschule, Berufskolleg und Förderschule) durchgeführt, von denen jeweils jene Schulen um Partizipation gebeten wurden, deren Schülerinnen bereits den Mädchenmerker 2016/2017 erhalten haben. Der Mädchenmerker wird mit Unterstützung der Schulen an alle Schülerinnen der neunten und elften Klassen vergeben und erscheint regelmäßig mit Beginn des neuen Schuljahres nach den Sommerferien, weshalb die Umfrage im Zeitraum vom 19.09.2016 bis 30.09.2016 an den Schulen stattfand. Dazu wurden vor Ort die entsprechenden Klassen besucht und in Mädchen- und Jungengruppen eingeteilt, um die jeweiligen Fragebögen mit Ansprechpartnerinnen aus der Gleichstellungsstelle zu erörtern, ggf. Fragen zu beantworten und anschließend anonym auszufüllen. Besonderer Wert wurde auf Ehrlichkeit und Eigenständigkeit beim Ausfüllen der Bögen gelegt, um ein möglichst unbeeinflusstes Resultat ohne Gruppendruck zu erzielen.
Insgesamt haben zehn Schulen an der Umfrage zum Mädchenmerker teilgenommen, wobei 351 Schüler und Schülerinnen (174 Teilnehmerinnen, 177 Teilnehmer) die Fragebögen ausgefüllt und zur Verfügung gestellt haben. 90,6% der Befragten besuchen derzeit die neunte Klasse, während die restlichen 9,4% allesamt das Berufskolleg besuchen. Mit 30,5% und 27,9% haben besonders die Schüler/-innen aus Realschulen und Gesamtschulen zahlreich zu der Ergebnisfindung beigetragen.
Mit Blick auf die konkreten Antworten der Mädchen lässt sich daher allgemein festhalten:
88,5% der Schülerinnen kennen den Mädchenmerker bereits (Frage 1) und geben zu einer Mehrzahl (83,4%) an, dass ihnen das Format „gut“ (76,5%) bzw. „sehr gut“ (6,9%) gefällt (Frage 2). Blickt man auf das Nutzungsverhalten der Mädchen, lässt sich festhalten, dass 61,5% den Kalender im Mädchenmerker nicht benutzen. Die Hälfte aller befragten Mädchen nutzt alternativ das Smartphone zur Fixierung von Terminen (51,1%) und rund 19% geben an, dass sie gar keinen Kalender benötigen. Der Bedarf an einem weiteren Kalender scheint zunächst gedeckt. (Frage 9)
Das generelle Interesse an Berufs- und Studienangeboten scheint vorhanden zu sein, da speziell Informationen zu Berufswahl, Verdienst, Bewerbung und Vorstellungsgesprächen zu jeweils mehr als 70% als „interessant“ bewertet wurden.
Lediglich die im Mädchenmerker bereits vorhandenen Berufsporträts werden als eher uninteressant wahrgenommen. (Frage 6). Um sich mit Kenntnissen zur Berufswahlfindung vertraut zu machen, nutzen die Teilnehmerinnen der Umfrage mehrheitlich Praktika in jeweils interessanten Arbeitsfeldern und informieren sich anhand von Suchanfragen im Internet und auf spezifischen Websites zu bestimmten Tätigkeitsbereichen (Frage 5).
Die drei häufigst genannten Wunschberufe der Mädchen waren Ärztin, Erzieherin und Krankenschwester, was bedeutet, dass weiterhin sehr geschlechtstypische Berufsbilder im Fokus der Mädchen und junge Frauen stehen (Frage 7). Im Kontrast dazu steht das Ergebnis, dass sich die befragten Schülerinnen zu 51,7% mehrheitlich für Informationen zu geschlechtsuntypischen Berufen interessieren (Frage 6). Hier lässt sich ableiten, dass der Mädchenmerker oder ein ähnliches Alternativformat in Zukunft noch nachhaltiger auf dieses Schwerpunktthema eingehen muss, um junge Frauen intensiver an diese Thematik heranzuführen und gezielt zu erreichen. Generell kamen die weiteren Themen innerhalb des aktuellen Mädchenmerkers 2016/2017 bei den Teilnehmerinnen der Umfrage gut an. Besonders aktuelle Inhalte wie „Geflüchtete Mädchen“, aber auch die „Warnung vor K.O.-Tropfen“ fanden besonderen Anklang. Ortsgebundene Themen wie „Rat, Hilfe und Schutz in Oberhausen“ und Freizeitangebote rund um Oberhausen sind gerne gesehen (Frage 8). Nachzubessern gilt es in Zukunft überwiegend am Design und der Farbwahl des Merkers, welche weniger Anklang fanden. Auch das Format der Kalenderseiten wurde als überarbeitungswürdig deklariert (Fragen 11 – 13).
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Themenvielfalt des Mädchenmerkers durchaus von Interesse für die Schülerinnen ist, jedoch nicht deutlich genug auf bestimmte Hauptinhalte eingeht. Zeitgenössische Ereignisse (z. B. Geflüchtete) müssen aktiver und schneller in den Fokus rücken, um die Leserinnen dauerhaft an die Inhalte des Merkers zu binden. Inwieweit eine Umsetzung dieses Anspruches der regionalen Seiten in Absprache mit den weiteren Gleichstellungsstellen gelingt, bleibt im überregionalen Kontext zu erarbeiten. Die Ergebnisse der Oberhausener Befragung werden den Kolleginnen der weiteren teilnehmenden Städte in Nordrhein-Westfalen vorgestellt.
Alternativ zu der Auswertung der Umfrageergebnisse der Mädchen konnte bei den Jungen im Schwerpunkt herausgearbeitet werden:
65% der insgesamt befragten Jungen gaben im Rahmen ihrer Befragung an, dass sie generell keinen Kalender benutzen (Frage 3). Ein Medium, das bei der Berufswahl unterstützt, wird bei 58,8% mehrheitlich nicht als nötig angesehen, da die Jungen ähnlich den Mädchen zur Beschäftigungsfindung Praktika und das Internet nutzen (Frage 4). Genauer betrachtet gaben 55,4% der Befragten an, dass ihnen ihr derzeitiger Zugang zu passenden Informationen vollkommen ausreicht. Lediglich 5,6% der Teilnehmer sagen aus, dass ihnen ein weiterer Zugang zu Berufswahlorientierung fehlt, während die restlichen 39% keine Angabe machten (Frage 6). 28,2% der 177 Teilnehmer fänden besonders Informationsveranstaltungen oder sonstige Angebote attraktiv, um sich gezielter mit dem Thema auseinander zu setzen (Frage 7). Hier gilt es, für die Praxis eventuell noch intensiver anzusetzen.
Ungleich der Mädchen interessieren sich die Jungen mit 27,1% eher weniger für geschlechtsuntypische Berufsbilder (Frage 8).
Dieses Desinteresse spiegelt sich in den drei meistgenannten Berufswünschen wider, bei denen besonders die Tätigkeit des Kfz-Mechatronikers, des Kaufmannes und des Polizisten in den Fokus gerückt werden (Frage 9). Auch hier gilt es also, vermehrt über geschlechtsuntypische Berufe zu informieren und gezielt geschlechtstypische Stereotype aufzubrechen. Während der Umfrage entstand der Eindruck, dass sich die Zielgruppe derzeit in einem Alter befindet, in dem es peinlich ist, einen unmännlichen Beruf zu ergreifen. Außerhalb des Themengebiets rund um die Berufswahl fanden besonders Gaming (84,7%) und Sport/Fitness (82,5%) hohen, positiven Anklang (Frage 10). Themen wie „Schwule und Lesben in NRW“ als auch „Politisches Engagement“ und „Körper und Sexualität“ werden lieber vermieden und interessieren die Jungen nach außen hin wenig. Die Frage nach weiteren, möglicherweise interessanten Themenschwerpunkten wird mehrheitlich mit Sport, Gaming und Elektronik beantwortet (Frage 11).
Insgesamt lässt sich also festhalten, dass sich ein Format ähnlich dem des Mädchenmerkers für Jungen eher weniger eignet, da ein Kalender von Jungen kaum benutzt wird und die zusätzlichen Informationen somit wenig wahrgenommen würden. Trotzdem besteht der Bedarf an mehr Informationen zu Verdienst, Bewerbung und Vorstellungsgesprächen ebenso wie die Vermittlung von potenziellen Hilfestellungen und Ansprechpartner/innen. Es bleibt offen, in welcher Form ein Informationszugang möglich gemacht werden könnte, der Jungen besonders anspricht und langfristig dazu führt, dass sich die Schüler mehr mit der Berufswahl beschäftigen und ihren eigenen Weg finden können, ohne dass Vorurteile und Stereotypen diesen Vorgang beeinflussen.
Abschließend können die Kernergebnisse der gesamten Befragung wie folgt festgehalten werden:
- Grundsätzlich erlebt der Mädchenmerker bei den Schülerinnen in Oberhausen positive Resonanz.
- Das Layout und die Kalenderform können noch optimiert und den Wünschen der Mädchen entsprechend angepasst werden. Hierzu muss ein kommunaler Austausch mit den anderen Herausgeberstädten erfolgen.
- Die Aktualität des Inhalts soll verbessert werden, um möglichst zeitnah wichtige Ereignisse und Veränderungen widerzuspiegeln.
- Die Jungen sowie Mädchen brauchen nicht unbedingt einen Kalender, da sie zumeist auf ihr Smartphone zurückgreifen.
- Der Wunsch nach mehr Infoveranstaltungen zu Themen rund um die Berufswahl sollten berücksichtigt werden, um Jungen als auch Mädchen in Kontakt mit Ansprechpartner/innen zu bringen und den Austausch zum eigenen Werdegang anzuregen.
- Die Ergebnisse beider Geschlechtergruppen machen deutlich, dass eine Intensivierung der praktischen Arbeit zur Durchbrechung von Berufsstereotypen essentiell ist, um Rollenklischees zu verringern und Jungen und Mädchen gleichermaßen zu vermitteln, dass die Berufswahl geschlechtsungebunden ist.
Die Gleichstellungsstelle wird den thematisch verknüpften Fachstellen die Ergebnisse der Befragung zur weiteren Maßnahmenplanung zur Verfügung stellen.
Anlagen
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1
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(wie Dokument)
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103,2 kB
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(wie Dokument)
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32 kB
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