Berichtsvorlage - M/16/2392-01
Grunddaten
- Betreff:
-
Weiterer Ausbau des Landesprogramms „Kein Abschluss ohne Anschluss“ (KAoA)
- Status:
- öffentlich
- Vorlageart:
- Berichtsvorlage
- Federführung:
- Schule
- Bearbeitung:
- Rosemarie Predeik
- Verantwortung:
- Herr Jarczyk , Herr Knaup
Beratungsfolge
| Status | Datum | Gremium | Beschluss | NA |
|---|---|---|---|---|
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●
Erledigt
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Schulausschuss
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Kenntnisnahme
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09.03.2017
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Sachverhalt
Sachdarstellung
1. Grundlage
Die Stadt Oberhausen hat mit dem Land NRW im Jahre 2013 die Einführung eines verbindlichen Übergangssystems Schule-Beruf vereinbart (Drucksache: M/16/0525-01).
Mittlerweile hat die Landesinitiative „Kein Abschluss ohne Anschluss“ (KAoA) in allen 53 Kommunen und Kreisen des Landes Fuß gefasst.
Alle Schülerinnen und Schüler (SuS) sollen somit die Chance zu einem direkten und erfolgreichen Start in die Berufsausbildung oder in das Studium erhalten.
2. Struktur
Die Koordinierungsstelle unterstützt die Umsetzung von KAoA unter Federführung der Steuerungsgruppe seit September 2013.
Die Steuerungsgruppe besteht aus Vertretern von Agentur für Arbeit, DGB, IHK, Jobcenter, KHW, Unternehmerverband, Verbundsystem Oberhausen sowie der Stadtverwaltung (Bereich Jugend und Bildung, Bereich Kommunales Integrationszentrum, Schulaufsicht), unter dem Vorsitz der Beigeordneten des Dezernates Familie, Bildung und Soziales.
Die wichtigsten Kooperationspartner der Koordinierungsstelle sind die Schulen, die Betriebe, die Träger, die Mitglieder der Steuerungsgruppe, das MAIS, das MSW, die Bezirksregierung und die Gesellschaft für innovative Beschäftigungsförderung (G.I.B.). In unterschiedlichen Formaten wie Arbeitstreffen, Bildungsforen, Bildungskonferenzen, Regionaltreffen, Qualitätszirkeln usw. findet die Zusammenarbeit auf Regional-, Bezirks- und Landesebene statt.
3. Umsetzung
Mit Beginn des Schuljahres 2016/17 konnten die verbleibenden vier Gymnasien in KAoA integriert werden, so dass alle achten Klassen teilnehmen.
Schuljahr 2016/17 (Klasse 8)
Schulen | Anzahl Schulen | teilnehmende SuS |
Förderschule | 1 | 36 |
Realschulen | 3 | 381 |
Gymnasien | 5 | 671 |
Gesamtschulen | 4 | 703 |
| 13 | 1.791 |
3.1. Handlungsfeld Berufs- und Studienorientierung
Ein Schwerpunkt der Arbeit liegt bei der Verbesserung der Berufs- und Studienorientierung.
Hierzu werden in Oberhausen seit dem Schuljahr 2016/17 in allen Schulformen für alle SuS ab der Klasse 8 standardisierte Elemente eingesetzt.
3.1.1. Potenzialanalyse
Die Berufsorientierung beginnt in der Klasse 8 mit der Potenzialanalyse, einem handlungsorientierten Verfahren. Die SuS entdecken dabei - unabhängig von geschlechtsspezifischen Rollenerwartungen - ihre fachlichen, methodischen, sozialen und personalen Potenziale.
Das Ergebnis der Potenzialanalyse stellt keine Vorfestlegung auf einen bestimmten Beruf dar, sondern fördert, vor dem Hintergrund der erfahrenen Selbst- und Fremdeinschätzung, die Selbstreflexion und Selbstorganisation für den weiteren Prozess der Berufs- und Studienwahl.
Die Durchführung der Potenzialanalyse erfolgt außerschulisch durch Bildungsträger. Im Rahmen der Qualitätsentwicklung und -sicherung finden Hospitationen bei den durchführenden Bildungsträgern statt.
3.1.2. Berufsfelderkundung
Im Anschluss an die Potenzialanalyse sammeln die SuS im Rahmen von Berufsfelderkundungen in verschiedenen Berufsfeldern erste Erfahrungen mit der Arbeitswelt.
Die SuS haben praxisnahe Einblicke in berufliche Arbeitsabläufe und einen ersten realistischen Eindruck von Anforderungen in für sie interessante Ausbildungsberufe.
Angesichts der besonderen Herausforderung wurde, neben den bestehenden Akquisebemühungen der Koordinierungsstelle, ein Buchungsportal eingerichtet.
Im Schuljahr 2016/17 mit insgesamt 1.791 SuS in der Klasse 8 sollen somit 1.002 Berufsfelderkundungen im Betrieb und 789 bei Bildungsträgern durchgeführt werden.
3.1.3. Praxiskurs
Für SuS mit besonderem Förderbedarf werden Praxiskurse mit systematisierten Lerneinheiten in betriebsnahen Kontexten bei Bildungsträgern durchgeführt.
Im Schuljahr 2016/17 sollen 128 SuS der Klasse 9 an 768 Praxiskurstagen (pro SuS 3 Tage pro Schulhalbjahr) und 110 SuS der Klasse 10 an 330 Praxiskurstagen (pro SuS 3 Tage pro Schuljahr) teilnehmen.
3.2. Handlungsfeld Übergang
3.2.1. Übergangsbroschüre
Um einen besseren Überblick über das mannigfaltige Übergangsangebot in Oberhausen zu erhalten, hat die Koordinierungsstelle Übergang Schule-Beruf eine Broschüre erstellt. Diese soll einen schnellen, aber informativen Überblick geben und helfen den besten Weg für die Zukunft unserer Jugendlichen zu finden.
Die Broschüre richtet sich zunächst an alle mit der Beratung von Jugendlichen befassten Berufsgruppen, aber natürlich können auch interessierte Jugendliche und deren Eltern die Broschüre erhalten. Die Schulen und Beratungsstellen wurden dafür mit einer entsprechenden Auflage ausgestattet.
3.2.2. Übergangsabfrage
Die Koordinierungsstelle hat sich die jährliche Erhebung des Übergangs aus der Sekundarstufe I zur Aufgabe gemacht. Zum Schuljahr 2015/16 wurde ein von der Bezirksregierung entwickeltes Format eingesetzt. Die Angaben der Lehrkräfte aus jeder Schulklasse werden von der Koordinierungsstelle zusammengetragen und ausgewertet. Durch diese „Momentaufnahmen“ mit dem Stichtag Ende Juni können im Laufe der Jahre Entwicklungstrends erkannt werden. Diese dienen auch der Evaluierung des Programms.
Übergangsabfrage Sek. I - Schuljahr 2015/16 [Stichtag: 29.06.2016] | |||||||||
SuS nach Schultyp | SuS gesamt | Anschlussziele | |||||||
FS | HS | RS | GY | GS | m | w | m & w | % | |
0 | 21 | 59 | 1 | 69 | 105 | 45 | 150 | 8,0 | Betriebliche Berufsausbildung |
0 | 7 | 39 | 12 | 76 | 66 | 68 | 134 | 7,1 | Schulische Berufsausbildung |
0 | 0 | 0 | 0 | 0 | 0 | 0 | 0 | 0 | Außerbetriebliche Ausbildung |
0 | 0 | 0 | 0 | 0 | 0 | 0 | 0 | 0 | Sozialversicherungspflichtig Arbeit |
4 | 4 | 0 | 0 | 0 | 2 | 6 | 8 | 0,4 | Angebote für Rehabilitanden |
41 | 67 | 6 | 6 | 107 | 122 | 105 | 227 | 12 | Ausbildungsvorbereitung |
0 | 3 | 133 | 565 | 196 | 410 | 487 | 897 | 47,6 | Allgemeine Hochschulreife |
0 | 22 | 81 | 2 | 87 | 100 | 92 | 192 | 10,2 | Fachhochschulreife |
0 | 47 | 0 | 8 | 36 | 53 | 38 | 91 | 4,8 | Mittlerer Bildungsabschluss |
3 | 10 | 10 | 0 | 15 | 22 | 16 | 38 | 2,0 | Hauptschulabschluss |
0 | 6 | 5 | 1 | 23 | 19 | 16 | 35 | 1,9 | Sonstige Anschlusslösung |
4 | 6 | 8 | 2 | 5 | 10 | 15 | 25 | 1,3 | Schulabsenz / Verbleib unbekannt |
2 | 19 | 4 | 1 | 61 | 51 | 36 | 87 | 4,6 | Keine Anschlusslösung |
54 | 212 | 345 | 598 | 675 | 960 | 924 | 1.884 | 100 | Summen |
Auffallend ist mit 57,8% der hohe Anteil der Jugendlichen, die in die Sekundarstufe II wechseln.
25 der SuS ohne Anschlusslösung konnten unter Berücksichtigung der erforderlichen Einverständniserklärung der Erziehungsberechtigten von der Beratungsstelle „Jugend und Beruf“ (BFO) direkt angesprochen werden. Davon wurden 18 versorgt, 6 nahmen das Hilfsangebot nicht an, ein Jugendlicher hat den Wohnort gewechselt.
5. Zielbeschreibung
Die Festlegung der Ziele im Rahmen der kommunalen Koordinierung erfolgt durch die Steuerungsgruppe unter Leitung der Beigeordneten. Die federführenden Akteure bilden somit eine Verantwortungsgemeinschaft, die den zu erreichenden Stand für das laufende Schuljahr definiert.
Die Gliederung der daraus resultierenden Zielbeschreibung richtet sich nach der vom MAIS vorgegebenen Struktur:
- Berufs- und Studienorientierung
(insbesondere mit den Elementen: Beratung, schulische Strukturen, Portfolioinstrument, Potenzialanalyse, Praxisphasen und Anschlussvereinbarungen)
- Übergangssystem
(insbesondere außerschulische Angebote und Angebote der Berufskollegs für Jugendliche, denen der Übergang in betriebliche Ausbildung nicht direkt gelingt)
- Attraktivität des dualen Systems
(insbesondere Initiativen und Veranstaltungen, die jungen Menschen und ihren Eltern die Karriereperspektiven von dualer Ausbildung näher bringen)
6. Ausblick
6.1. Geplante Veranstaltungen
- KAoA inklusiv: vertiefte Berufsorientierung für SuS mit Behinderungen, Zusammenarbeit der Landesprogramme STAR (Schule trifft Arbeitswelt) und KAoA
(Informationsveranstaltung in Kooperation mit der Schulaufsicht, dem LVR, Integrationsfachdienst und der Agentur für Arbeit im März 2017 für Fachkräfte und Eltern)
- Beratung: gezielte Unterstützung im individuellen Berufsorientierungs- und Berufswahlprozess
(Qualifizierungsveranstaltung in Kooperation mit der Schulaufsicht und der G.I.B. im Juni 2017 für Beratungsfachkräfte aller Kooperationspartner)
- Berufs- und Studienorientierung in der Sekundarstufe II
(Informationsveranstaltung in Kooperation mit Schulaufsicht, Arbeitsagentur, Jobcenter. IHK und Hochschulen im Oktober 2017 für Fachkräfte und Eltern)
- Gestaltung des Übergangs mit zielgerichteten Anschlussoptionen
(Qualifizierungsveranstaltung in Kooperation mit der Schulaufsicht und der G.I.B. im November 2017 für Beratungsfachkräfte aller Kooperationspartner)
6.2. KAoA-kompakt
Ab März 2017 wird das Programm „KAoA-kompakt“ umgesetzt. Dieser Testlauf soll in Oberhausen für bis zu 122 neu zugewanderten SuS (insbesondere geflüchtete Jugendliche) selbstverständliche Zugänge zu den KAoA-Standardelementen ermöglichen. Die infrage kommenden Jugendlichen sind SuS ohne Erstberufsorientierung aus der Jahrgangsstufe 10, aus internationalen Vorbereitungsklassen der allgemeinbildenden Schulen und internationalen Förderklassen der Berufskollegs.
Es werden nonverbale, bildhafte und interaktive Verfahren eingesetzt, um eine gleichberechtigte Teilnahme unabhängig vom Sprachniveau der SuS zu ermöglichen. Die Durchführung wird kultur-, sprach- und gendersensibel sowie inklusiv gestaltet. Hieraus erwächst die Notwendigkeit einer verlängerten zweitägigen Potenzialanalyse. Im Anschluss folgen eine dreitägige Berufsfelderkundung und ein aufbauender dreitägiger Praxiskurs. Diese sind systematisierte Lerneinheiten in betriebsnahen Kontexten, die die Praxiserfahrungen der SuS weiter vertiefen. Die Begleitung durch Lehrkräfte soll die Sicherstellung vertrauter Bezugspersonen für die SuS gewährleisten.
Die Umsetzung erfolgt noch in diesem Schuljahr durch Träger.
