Berichtsvorlage - M/16/2285-01
Grunddaten
- Betreff:
-
Pflege- und Entwicklungskonzept für das Untere Reinersbachtal im Landschaftsschutzgebiet 1.2.8 „Reinersbachtal“Maßnahmen zur Besucherlenkung
- Status:
- öffentlich
- Vorlageart:
- Berichtsvorlage
- Federführung:
- Umweltschutz
- Bearbeitung:
- Barbara Neu
- Verantwortung:
- Werntgen-Orman
Beratungsfolge
| Status | Datum | Gremium | Beschluss | NA |
|---|---|---|---|---|
|
●
Geplant
|
|
Beirat für Menschen mit Behinderung
|
Kenntnisnahme
|
|
|
|
08.02.2017
|
Sachverhalt
Sachdarstellung
In der Sitzung des Beirats für Menschen mit Behinderungen am 24.11.2016 wurde bei der Diskussion über das Pflege- und Entwicklungskonzept für den Rotbach der Wunsch geäußert, dem Beirat ebenfalls das Pflege- und Entwicklungskonzept für das Untere Reinersbachtal vorzustellen, für das die Verwaltung eine Berichterstattung im Umweltausschusses am 01.12.2016 sowie der Bezirksvertretung Sterkrade am 08.12.2016 vorgesehen hatte.
Das Reinersbachtal hebt sich durch ein bemerkenswertes Inventar im Bereich der Fauna, Flora und Vegetation hervor. Das Gebiet ist als Landschaftsschutzgebiet 1.2.8 ausgewiesen und aufgrund seiner Flora vom Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz Nordrhein-Westfalen (LANUV) als naturschutzwürdig eingestuft worden. Teilbereiche sind gesetzlich geschützte Biotope (nach § 30 BNatSchG). Gleichzeitig aber unterliegt es durch die dichte Besiedlung im Umfeld einem hohen Nutzungsdruck durch die Bevölkerung, was in dem verhältnismäßig kleinen Gebiet teils zu massiven Konflikten zwischen dem Naturschutz und den Belangen der Anwohner führt. Zwar wurde bereits 2002 ein Pflege- und Entwicklungsplan (PEPL) für das Gebiet vorgelegt, doch haben die Belastungen mit dem Fortschreiten der umgebenden Bebauung nochmals zugenommen.
Das Untere Reinersbachtal befindet sich zwischen der Kirchhellener Straße im Nord-Westen und der Rügenstraße im Süd-Osten und erstreckt sich auf beiden Seiten des sommertrockenen Reinersbaches. Im Westen wird es durch die Bremener Straße begrenzt, im Osten durch die Beethovenstraße. Es ist noch geprägt von offenen Grünlandflächen, Seggenrieden, Staudenfluren und kleinen Wäldchen und lediglich durch Trampelpfade erschlossen. Das Grünland wiederum setzt sich zusammen aus einem Mosaik von Glatthaferwiesen, Magerrasen, Borstgrasrasen und einzelnen Feuchtwiesen. Das Gebiet verfügt somit über mehrere teils sehr wertvolle und schützenswerte Biotoptypen. Das Untere Reinersbachtal ist umschlossen von Siedlungsflächen und hat nur im Südwesten über die Bremener Straße hinweg einen Anschluss an weitere Freiflächen.
Seit 2003 führt die Biologische Station Westliches Ruhrgebiet (BSWR) im Reinersbachtal ein regelmäßiges Monitoring der Flora und Vegetation durch. Durch aktuelle umfangreiche Untersuchungen, die durch die Projektarbeit zweier studentischer Praktikantinnen der BSWR möglich wurden, lagen nun die Grundlagen für die Erarbeitung eines aktuellen Pflege- und Entwicklungsplans vor. Die besondere Herausforderung dieses Pflege- und Entwicklungsplans ist es, den Naturschutz einerseits und die Belange der Anwohner bzw. Erholungssuchenden andererseits nach Möglichkeit in Einklang zu bringen, um das Konfliktpotential langfristig zu entschärfen. Daher liegt ein Schwerpunkt des Konzepts auf Maßnahmen der Besucherlenkung.
Das im März 2016 fertiggestellte Konzept sieht vor, dass die sehr empfindlichen Bereiche (nach § 30 BNatSchG geschützte Biotope) weitgehend von den Besuchern freigehalten werden, und die naturnahe Erholungsnutzung auf die weniger empfindsamen Bereiche kanalisiert wird. (Die einzelnen Maßnahmen zur Besucherlenkung sind der Abbildung in der Anlage zu entnehmen.)
Dabei sollen einige Trampelpfade zurück gebaut bzw. unzugänglich gemacht werden. Ein Trampelpfad, der mittig durch besonders wertvolle geschützte Lebensräume von Süden und Norden auf eine Brücke über den Reinersbach zuführt, wird durch die Verlagerung und den Neubau der Brücke an einer weniger empfindlichen Stelle überflüssig. Diese besucherlenkende Maßnahme soll einerseits die Lebensräume mit der schützenswerten Flora von Besuchern freihalten und andererseits dem Besucher weiterhin einen attraktiven Spazierweg anbieten. Der neu zu bauende Wegabschnitt soll mit einer Breite von 2 m und mit einer wassergebundenen Decke ausgestattet werden. Die Trampelpfade und insbesondere der neu anzulegende Wegeabschnitt sind barrierearm und somit auch für Menschen mit Behinderungen nutzbar.
Weil vollständig auf Zäune in der Natur verzichtet wird, werden die besonders schützenswerten Magerrasenstandorte nicht vollständig beruhigt werden können. Bei einer drohenden Zerstörung des §-30-Biotopes soll jedoch eine optische Absperrung errichtet werden (z. B. durch ein Holmgeländer).
Außer durch diese besucherlenkenden Maßnahmen soll die Entwicklung der besonders schützenswerten Biotope auch anderweitig gefördert werden. Insbesondere sollen nicht bodenständige Gehölze wie beispielsweise die Armenische Brombeere entfernt werden. In einem ersten Schritt wurde diese Maßnahme im Februar dieses Jahres bereits auf den städtischen Flächen umgesetzt. Eine weitere wichtige Maßnahme ist die Aufstellung von Informationstafeln an den fünf Zuwegen zum Unteren Reinersbachtal. Um dauerhaft den Offenlandcharakter des Landschaftsraums zu erhalten, ist eine kontinuierliche Beweidung mit Schafen und Ziegen erforderlich.
Die Grundzüge der Planung wurden zwischen der BSWR, dem Regionalverband Ruhrgebiet als Eigentümer eines Großteils der Flächen und der Unteren Landschaftsbehörde festgelegt. Der Landschaftsbeirat hat dem Konzept in seiner Sitzung am 21.04.2016 ebenfalls grundsätzlich zugestimmt.
Die Einzelheiten der Planung werden in der Sitzung durch die Biologische Station Westliches Ruhrgebiet vorgestellt.
Nach der Vorstellung in den Gremien findet noch vor Ort eine Bürgerbeteiligung statt. Unter Würdigung der Ergebnisse soll die Planung anschließend dem Umweltausschuss als Grundlage für eine Beantragung von Fördermitteln zur Beschlussfassung vorgelegt werden.
Anlagen
| Nr. | Name | Original | Status | Größe | |
|---|---|---|---|---|---|
|
1
|
(wie Dokument)
|
251,3 kB
|
