Berichtsvorlage - M/16/1969-01
Grunddaten
- Betreff:
-
Konzept: "Weiterentwicklung des Stadtarchivs Oberhausen"
- Status:
- öffentlich
- Vorlageart:
- Berichtsvorlage
- Federführung:
- Kunst
- Bearbeitung:
- xxx xxx
- Verantwortung:
- Dr. Vogt
Beratungsfolge
| Status | Datum | Gremium | Beschluss | NA |
|---|---|---|---|---|
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●
Erledigt
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Kulturausschuss
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Kenntnisnahme
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25.10.2016
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Sachverhalt
Sachdarstellung
Inhalt: Seite1
AuftragSeite2
1.AusgangslageSeite2
1.1 Stadtgeschichte in der Stadtgesellschaft3
1.2Museen, Archive und Wissenschaft4
1.3Netzwerk Stadtgeschichte4
1.4Stadtgesellschaft in Oberhausen: Gesellschaft und Kommune4
2.Das Stadtarchiv - Handlungsrahmen für die Präsenz
von Stadtgeschichte in der Stadtgesellschaft5
2.1Archivierung5
2.2Öffnungszeiten7
2.3Dienstleistungen für Nutzer/innen und Digitalisierung8
2.4Historische Bibliothek9
2.5Netzwerk Stadtgeschichte10
2.6Zusammenarbeit mit Institutionen der Geschichtsforschung,
des Archivwesens und der Museumsarbeit10
2.7Zusammenarbeit mit Kultureinrichtungen12
2.8Zusammenarbeit Schulen – Schulmuseum13
2.9Stadtgeschichte und Öffentlichkeitsarbeit14
2.10Stadtgeschichte und die Arbeit von Rat und Verwaltung15
2.11Schlussbemerkung15
3.Personelle und organisatorische Rahmenbedingungen16
Ausgangslage16
3.1Personalwirtschaft16
3.2Organisation16
3.3Projekte16
Auftrag
Die Verwaltungsführung formulierte im Dezember 2015 die Zielsetzung, das Wirken der Stadtverwaltung zur Stadtgeschichte in die Stadtgesellschaft zu verbreitern. Im Rahmen dessen soll der Fachbereich 0-8-40 / Stadtarchiv mittelfristig zum Bereich Stadtgeschichte weiterentwickelt werden. Die im März 2016 neu besetzte Archivleitung erhielt den Auftrag zur Erarbeitung einer Konzeption für das Stadtarchiv. Diese bildete für den Verwaltungsvorstand die Grundlage für die Entscheidung über die Einrichtung von zwei Planstellen für archivarische Fachkräfte vom 10.05.2016. Hiermit wird die Konzeption dem Kulturausschuss in aktualisierter Fassung zur Kenntnis gebracht.
(Hinweis: Aus Gründen der besseren Lesbarkeit wird im Text nach Möglichkeit eine androgyne Bezeichnung von Personengruppen gewählt.)
1. Ausgangslage
Das Stadtarchiv Oberhausen hat nach umfangreichen Baumaßnahmen (2013 -2015) in der ehemaligen Hauptschule Lirich einen neuen Standort bezogen.
Durch den Neubau eines Magazingebäudes sowie durch Investitionen in die Bausubstanz sind erste Voraussetzungen für eine erfolgreiche Arbeit geschaffen worden:
- Das Magazingebäude gewährleistet durch seine Größe und seine
technische Ausstattung die sachgerechte Verwahrung von Archivgut.
Ebenfalls sind Kapazitäten vorhanden, um zusätzliche Bestände zu archivieren. So findet das Archiv der IKF im Magazin seinen neuen Standort, ebenso Teile der Sammlung der Ludwig Galerie Schloss Oberhausen.
- Im Gebäudeteil der ehemaligen Hauptschule Lirich, der vom Archiv genutzt wird,
sind die Voraussetzungen für folgende Nutzungen in einem oder zwei multifunktional zu nutzenden vormaligen Klassen-/Veranstaltungsräumen gegeben:
/ die Betreuung von Gruppen,
/ Veranstaltungen,
/ die temporäre Ausstellung von Exponaten zur Stadtgeschichte.
1.1 Stadtgeschichte in der Stadtgesellschaft
Durch längerfristig angelegte, übergeordnete soziale Entwicklungen besteht in der Oberhausener Stadtgesellschaft verstärktes Interesse an einer Nutzung der Dienstleistungen des Bereichs Stadtgeschichte / Stadtarchiv bzw. an einer intensivierten Befassung mit der Stadtgeschichte:
Im Zuge der Bau- und Umzugsphase stand der Öffentlichkeit der Bestand des Stadtarchivs nur zu eingeschränkten Öffnungszeiten einmal wöchentlich zur Verfügung. Das ruft eine verstärkte Nutzung nach der Wiedereröffnung durch Geschichtsinteressierte hervor. Zudem haben zahlreiche Bürgerinnen und Bürger Bedarf an Dienstleistungen zur Familienforschung und zur Dokumentation persönlicher Jubiläen.
Weit über Oberhausen hinaus hat schon vor der Jahrtausendwende eine Entwicklung zum verstärkten öffentlichen Bedürfnis nach Beschäftigung mit Lokalgeschichte, nach veröffentlichen lokalhistorischen Informationen und nach ausdifferenzierten Veranstaltungsformaten zur Lokalgeschichte eingesetzt. Vorreiter und bis heute Vorbild im Ruhrgebiet ist das bereits 1989 gegründete Institut für Stadtgeschichte (ISG) der Stadt Gelsenkirchen. Seine Aufgaben bilden neben der Sicherung der historischen Überlieferung die wissenschaftliche Erforschung der Stadtgeschichte sowie die historische Bildungsarbeit. Gelsenkirchens Oberbürgermeister Frank Baranowski betonte anlässlich der Feier zum 25-jährigen Jubiläum 2015: Das ISG habe in Gelsenkirchen das Miteinander der Kulturen und der Stadtteile gefördert.
Die bedeutendste gesellschaftliche Ursache für die breitere und verstärkt mit Gegenwartsbezug verbundene Beschäftigung mit der Geschichte vor Ort besteht im beschleunigten sozialen, ökonomischen, demografischen und kulturellen Wandel, der innerhalb einer Lebensspanne mehrfach zu gravierenden Veränderungen wesentlicher Lebensbedingungen führt und darüber das verstärkte Bedürfnis nach gefestigter lokaler Identität hervorruft. – Dem sind bundesweit zahlreiche Kommunen durch die Schaffung von Zentren für Stadtgeschichte oder Häuser der Geschichte nachgekommen. Auch in Oberhausen wurden vom Archiv in Vorbereitung auf die räumliche Verlagerung seit 2009 erste Planungen für ein Haus der Geschichte angestellt. Dem lag die Bestandsaufnahme zugrunde, dass die Stadtgesellschaft vermehrt nach Angeboten zur Stadtgeschichte in den Formaten Veranstaltungen und Netzwerkbildung der Geschichtsinteressierten verlangt.
Für Oberhausen wird aus der Entwicklung zur Stadtgeschichte im zurückliegenden Vierteljahrhundert eine gemischte Bestandsaufnahme vorgenommen: Neben den Erfordernissen zur kontinuierlichen Fortsetzung der Archivierungstätigkeit liegt Handlungsbedarf vor in zwei Aufgabenfeldern: Erforschung der Stadtgeschichte und Historische Bildungsarbeit. Beides fordert die Unterstützung von Personen und Institutionen ein, um Freude an der Beschäftigung mit Geschichte und dem Erleben von Geschichte zu ermöglichen.
Zugleich werden positive Entwicklungen konstatiert, mit denen sich Oberhausen sogar von der Mehrzahl der Ruhrgebietsstädte abhebt; an diese ist konstruktiv anzuknüpfen:
/Mit dem 2012 veröffentlichten vierbändigen Werk „Oberhausen, eine Stadtgeschichte im Ruhrgebiet“ verfügt unsere Stadt über eine breit angelegte Veröffentlichung als Bestandsaufnahme zum lokalhistorischen Forschungsstand, welche im Ruhrgebietsvergleich beispielgebend ist. Weiteren Forschungen zur Stadtgeschichte wird damit ein wertvoller Einstieg ermöglicht. Gleiches gilt für den veröffentlichten Forschungsstand zur Stadtgeschichte im Aufgabenspektrum der Gedenkhalle, des LVR Industriemuseums und der Historischen Gesellschaft Oberhausen e.V.
/Durch die Zentrale des LVR Industriemuseums und dessen zwei Schauplätze Altenberg sowie Antonyhütte bildet Oberhausen einen Schwerpunkt der industriekulturellen Museumslandschaft in der Metropole Rhein-Ruhr. Die museumspädagogische Arbeit sowie die für 2020 vorgesehene Neukonzeption des Museums bergen die selbst im regionalen Vergleich außerordentliche Chance in sich, wichtige Aspekte der Stadtgeschichte auf attraktive Weise der Öffentlichkeit zugänglich zu machen.
1.2 Museen, Archive und Wissenschaft
Das LVR Industriemuseum Oberhausen verfolgt schwergewichtig für seinen Schauplatz Altenberg mit der "Vision 2020" eine grundlegende Neuausrichtung. Die Landschaftsversammlung hat die Durchführung des Konzeptes beschlossen.
Zu vielfältigen baulichen Maßnahmen tritt eine neue Museumskonzeption mit einer neuen Dauerausstellung sowie stetigen Wechselausstellungen hinzu. Ein wesentliches Strukturmerkmal der Ausstellungsaktivitäten wird die Thematisierung von Industrialisierung und Urbanisierung im übergeordneten Kontext der Globalisierung sowie mit der Herstellung von Gegenwarts- und Adressatenbezügen sein. Die Geschichte der Stadt Oberhausen bietet vielfältig exemplarische Aussagekraft für diese Ausstellungskonzeption und das LVR Industriemuseum verfolgt das Ziel, die Geschichte seines Standortes in dem beschriebenen exemplarischen Sinne breit aufzugreifen. Diese Intention kann nach Gesprächen mit der Leitung des Museums sowie mit der Standortleitung Altenberg nur wirksam und erfolgreich durch eine intensive Kooperation mit dem Stadtarchiv als wichtigster Institution zur Sicherung der historischen Überlieferung der Stadtgeschichte umgesetzt werden.
Historische Forschung an den Hochschulen im Ruhrgebiet und im Rheinland hat sich in den zurückliegenden Jahrzehnten kontinuierlich Themen der modernen Stadtgeschichte zugewandt. Vornehmlich Studierende aus Oberhausen boten und bieten diesbezüglich ein Potenzial zur Erweiterung des stadthistorischen Forschungsstandes insbesondere durch die Erarbeitung von Examens- bzw, Studienabschlussarbeiten, vom Bachelor über den Master bis zur Promotion. Das Heben dieses Potenziales bedarf der Netzwerkpflege mit den Hochschulen der Region sowie der wissenschaftlichen Betreuung von Absolventen/innen mit entsprechenden Themenstellungen ihrer Abschlussarbeiten.
Die Stadtarchive der Region und das Landesarchiv NRW stellen wichtige Kooperationspartner der Archivarbeit dar. Über den fachlichen Informationsaustausch sollen insbesondere bedeutende Entwicklungen im Archivwesen diskutiert als auch die Möglichkeiten der Mitwirkung an übergreifenden Trends in der historischen Forschungsarbeit und der Geschichtsarbeit in der Breite vor Ort reflektiert werden. Die qualifizierte Teilnahme an überörtlichen Online-Informationsmedien für Nutzer nimmt dabei eine wachsende Bedeutung ein.
1.3 Netzwerk Stadtgeschichte
Die Tätigkeit von Vereinen und Institutionen, die sich vornehmlich ehrenamtlich mit der Oberhausener Stadtgeschichte befassen, ist breit angelegt. Dazu trägt auch die ausdifferenzierte Stadtteilstruktur Oberhausens bei. Das Netzwerk der in der Stadtgeschichtsarbeit Tätigen ist in Oberhausen ebenso vielfältig wie lose geknüpft. Zugleich sehen sich viele Vereinigungen mit vergleichbaren Entwicklungen konfrontiert: Ein hohes Durchschnittsalter der Mitglieder geht mit sukzessivem Mitgliederverlust einher. Das führt zunehmend zu einer Begrenzung der Handlungsmöglichkeiten in den Feldern Forschung, Veröffentlichungen, Veranstaltungen, Projekte. Diese vergleichbaren Erfahrungen laden dazu ein, das bislang lose Netzwerk zum Zweck des Informations- und Erfahrungsaustausches sowie der Diskussion von Spielräumen für Kooperationen zu pflegen und den Netzwerkakteuren ein Angebot zur stetigen Kommunikation zu unterbreiten.
1.4 Stadtgeschichte in Oberhausen: Gesellschaft und Kommune
Die Oberhausener Stadtgesellschaft hat sich zu einer multikulturellen Gesellschaft entwickelt, in welcher Menschen mit Migrationshintergrund einen zunehmend bedeutenden Bevölkerungsanteil ausmachen. Diese Entwicklung erfährt durch die gegenwärtige Flüchtlingsmigration eine signifikante Verstärkung. Die erfolgreiche mentale wie lebensweltliche Integration von Zugewanderten in die Stadtgesellschaft bedarf der Vermittlung lokaler Identität. – Doch ebenso bietet die Kenntnis der Migrationsgeschichte der bereits ansässigen Bevölkerung den Einblick in wechselvolle wie gelungene Integration in der Vergangenheit. Das gibt Zuversicht für die Chancen auf gesellschaftliche Integration in Gegenwart und Zukunft. Dazu kann die Vermittlung lokaler historischer Identität einen wichtigen Beitrag leisten. Insbesondere Kinder und Jugendliche als Schülerinnen und Schüler bilden eine Schlüsselzielgruppe für praktische Integrationsarbeit und damit für den sozialen Zusammenhalt der Stadtgesellschaft von morgen. – Das Stadtarchiv kann als Impulsgeber und Kooperationspartner einen Beitrag zur Vermittlung lokaler historischer Identität, insbesondere an Schülerinnen und Schüler leisten.
Der sozioökonomische Strukturwandel stellt die Kommunalpolitik fortwährend vor große Herausforderungen. Die starken Veränderungen der Stadt von ihrer baulichen bis zu ihrer sozialen Struktur im Verlauf des zurückliegenden halben Jahrhunderts verlangen oftmals nach kommunalen Handlungsstrategien, die einen stetigen Ressourceneinsatz erfordern und auf die Erzielung längerfristiger Effekte angelegt sind. Um Voraussetzungen, Chancen und Begrenzungen von kommunalen Aufgaben mit längerfristiger Perspektive realitätsnah beurteilen zu können, bietet der Rückgriff auf strukturelle Prozesse der Stadtgeschichte das Potenzial zusätzlicher Orientierung. Die Kompetenzen anderer Fachdisziplinen - von der Stadtentwicklung und der Stadtplanung bis zur Statistik – vermögen diese Orientierung ganzheitlich und wirksam zu ergänzen. Besonders augenfällig für die Stadtgesellschaft sind jene Prozesse, die in der Stadtgeschichte schon lange angelegt und für die Stadtentwicklung von herausgehobener Bedeutung sind, wie etwa die Stadtteilzentren, die Parkstadt und verkehrliche Nutzungen.
2. Das Stadtarchiv - Handlungsrahmen für die Präsenz von
Stadtgeschichte in der Stadtgesellschaft
2.1 Archivierung
Die Aufgabe der Archivierung bildet als gesetzliche Verpflichtung ebenso wie als essentielle Kernaufgabe des Kommunalarchivs den Mittelpunkt aller Konzeptionen für die Neuausrichtung der Arbeit. Dabei besteht die Archivierungsarbeit im Stadtarchiv Oberhausen insbesondere in den folgenden Teilaufgaben:
Aufarbeitung von Rückständen und Aufbau einer Archivfachsoftware:
/facharchivarische Bearbeitung von abgelieferten Aktenbeständen der Verwaltung im Umfang von ca. 1.000 Umzugskartons sowie Erschließung in Findmitteln – Die Beschäftigung von Archivfachkräften ist die Voraussetzung für eine Förderung unterstützender Kräfte durch den LVR,
/facharchivarische Bearbeitung und Erschließung von privaten Nachlässen,
/facharchivarische Bearbeitung von Karten und Plänen einschließlich Feststellung der erheblichen Restaurationsbedarfe sowie Erschließung,
/facharchivarische Bearbeitung von Fotos,
/forcierte Digitalisierung des Zeitungsbestandes,
/Aufstellung von Abgabegrundsätzen für die Gesamtverwaltung in Kooperation mit den Fachverwaltungen.
Als längerfristige und übergeordnete Aufgabe für die Gesamtverwaltung tritt hinzu:
Mitwirkung des Stadtarchivs an der Erstellung einer neuen Abgabeordnung für analoges und digitales Archivgut – Federführung Bereich 4-1 / Personal, Organisation, weitere Mitwirkung Bereich 1-0-60 / Zentrales IT-Management.
Die Vorhaltung eines Stadtarchivs, insbesondere zum Zweck der Archivierung von Schriftgut der Verwaltung, ist eine gesetzliche Pflichtaufgabe der Gemeinden und im Archivgesetz des Landes NRW vom 16.03.2016, § 10, bestimmt. Demnach sind Kommunen verpflichtet, ein kommunales Archiv vorzuhalten und nach archivfachlichen Anforderungen zu betreiben (§10,3). Für kreisfreie Kommunen ist Personal vorzusehen, dass die fachliche Befähigung zum Archivdienst besitzt.
Die länger währende Phase der Vorbereitung auf den Umzug des Stadtarchivs in 2015 sowie die Personalausstattung hatten in den zurückliegenden Jahren zur Folge, dass Archivgut partiell nicht vollständig erfasst und für Nutzer erschlossen werden konnte. Zudem haben Teile der Verwaltung in der Vergangenheit nicht systematisch Schriftgut zur Archivierung überlassen. Daher soll in einem kooperativen Prozess mit den Fachverwaltungen die Aufstellung von Leitlinien und Grundsätzen für die Abgabe von Archivgut an das Stadtarchiv erfolgen. Die hohen archivfachlichen Anforderungen an diesen mittelfristigen Arbeits- (und Selektions-) prozess spiegelt wieder, dass nur ca. 10 % des in einer Kommunalverwaltung erzeugten Schriftgutes als dauerhaft überlieferungswürdig bewertet werden.
Um dauerhaft eine Archivierung von Material nach fachlichen Standards, die Kommunikation mit Fachverwaltungen und ggf. Nachlassgebern über die Modi von Aufbewahrung und Ablieferung von Archivgut sowie die fachlich qualitätsorientierte Betreuung von Archivnutzern gewährleisten zu können, hat der Rat der Stadt mit seinem Beschluss vom 04.07.2016 die Stellenbemessung des Stadtarchivs um zwei Planstellen für archivarisches Fachpersonal ausgeweitet.
Dabei handelt es sich gemäß der Empfehlung des Archivberatungszentrums beim LVR um eine Planstelle Archivar/in im höheren Dienst – Tätigkeitsschwerpunkt Konzeption der Archivarbeit und Ablieferung - sowie eine Planstelle im gehobenen Dienst – Tätigkeitsschwerpunkt operative Leitung der Archivierung. Dies ist für die Hebung fachlicher Standards und für die Gewährleistung einer kontinuierlichen Archivierung sämtlicher laufender Eingänge, der Nutzerbetreuung und der Beratung der Archivgut abgebenden Stellen im Konzern Stadt Oberhausen zwingend geboten.
Die Archivleitung wird diese Aufgaben der qualifizierten Archivarbeit unterstützen, insbesondere indem in arbeitsteiliger Ergänzung zur Fachkompetenz der Facharchivare/innen geschichtswissenschaftliche Kompetenz in die Kommunikation mit Kooperationspartnern, Institutionen und Nutzern eingebracht wird. Die Archivleitung ist zugleich gefordert, sich mit einem großen Teil ihrer Arbeitskraft den übrigen Handlungsfeldern dieses Konzeptes für die Aufgaben zur Förderung der Stadtgeschichte in Oberhausen zu widmen.
Nach Feststellung des erforderlichen Aufwands zur Bearbeitung sämtlicher Bearbeitungsrückstände von Archivgut durch die Archivfachkräfte wird beim LVR aus der regionalen Kulturförderung ein Projekt zur Erfassung und Erschließung von Archivgut beantragt.
Quantitative Daten nehmen im Kontext von IT und Digitalisierung im allgemeinen Geschäftsverkehr stetig an Bedeutung zu. Somit wird ihnen auch im Archivwesen zukünftig eine erhöhte Bedeutung beigemessen. Gemeinsam mit der zentralen IT der Stadtverwaltung wird in den Folgejahren ein Konzept zur digitalen Archivierung erarbeitet.
Über die gesetzlichen Aufgaben der Archivierung (im Aufgabenspektrum der Stadt Oberhausen) und die Bereitstellung von Archivgut (insbesondere des Meldewesens, des Standesamtes und der Schulzeugnisse) hinaus, hat sich das Stadtarchiv den veränderten Anforderungen geschichts- und sozialwissenschaftlicher Forschung zu stellen. Das veränderte Forschungsinteresse ist wiederum Ausdruck säkularer gesellschaftlicher Veränderungen, die übergreifend mit der Bildung einer pluralen postindustriellen Gesellschaft bezeichnet werden. Dies zieht den Bedarf an der Archivierung weiteren Archivgutes nicht kommunalen Ursprungs oder die Betreuung von Institutionen bei der Eigenarchivierung nach sich. Wachsende Bedeutung kommt hinsichtlich gesellschaftlicher Institutionen außerhalb der Stadtverwaltung die Erfassung der Nicht-Verlags-Veröffentlichungen zu.
Das Stadtarchiv bietet sich potenziellen Nachlassgebern aus dem Kreis der Unternehmen, gesellschaftlicher Institutionen wie der Privatpersonen als beratender Ansprechpartner an und prüft im Einzelfall, ob Nachlässe übernommen, erfasst und erschlossen werden können. Ebenfalls von großer und stetig wachsender Bedeutung wird Archivgut aus dem vielfältigen gesellschaftlichen Wirkungsbereich des Vereinswesens, wirtschaftlicher wie sozialer Einrichtungen und der sog. „Neuen Sozialen Bewegungen“ (NSB) sein. Hierzu zählen insbesondere Institutionen in den Aufgabenfeldern Umwelt, Geschlechter, Frieden, Flüchtlinge, Eine Welt. Das Stadtarchiv strebt mittelfristig an, mit den Institutionen der NSB in Oberhausen über die Archivierung ihres Materials in einen Austausch einzutreten.
Kommunikation und Kooperation ist ebenfalls mit den Archiven des regionalen Umfeldes zu suchen, um einen Erfahrungsaustausch vorzunehmen und sich in ein Netzwerk zur Pflege von Hochschul- und Forschungskontakten sowie ggf. zur Kooperation bei der Durchführung überörtlich relevanter historischer Veranstaltungen einzubringen. Die enge Kommunikation mit den Stadtarchiven der Nachbarstädte sowie mit dem Landesarchiv in Duisburg verschafft zudem Kenntnis darüber, inwieweit im Stadtarchiv Oberhausen nicht vorhandene Informationen zu historischen Themen und Sachverhalten ggf. in den weiteren Archiven vorgefunden werden können.
2.2 Öffnungszeiten
Während der Umbau- und Umzugsphase stand den Benutzer/innen das Stadtarchiv mit seinen Dienstleistungen donnerstags von 10 bis 16 Uhr zur Verfügung. Nach der Wiedereröffnung ist die Ausweitung der Öffnungszeiten geboten, um dem Bedarf der interessierten Öffentlichkeit gerecht zu werden, insbesondere um kontinuierliches historisches Arbeit zu ermöglichen.
Bedarfsgerechte Öffnungszeiten orientieren sich an den Bedürfnissen der Nutzer. Diese sind zielgruppenspezifisch zu differenzieren. Zentrale Nutzerwünsche lauten auf Grundlage der vorliegenden Erfahrungen:
/mehrtägiges Angebot,
/im Tagesverlauf durchgängiges Angebot, insb. ohne Mittagspause,
/Dienstleistungsnachmittag, insb. für Berufstätige,
/schnelle Verfügbarkeit von Archivgut,
/kompetente Beratung,
/Angebote zur Sonderöffnung bei einmaligen Besuchen für Gruppen, wie z.B. Schulklassen, Vereine.
Die Öffnungszeit umfasst seit der Wiedereröffnung des Stadtarchivs im Februar 2016 Dienstag von 9 bis 15 Uhr, Donnerstag von 10 bis 17 Uhr sowie Mittwoch für angemeldete Gruppen. Führungen werden ebenfalls mittwochs angeboten.
Mit der Öffnung am Donnerstag wird insbesondere Berufstätigen ein Angebot zur Nutzung des Stadtarchivs ermöglicht.
Auf Grundlage der von März bis September 2016 gesammelten Erfahrungen wird eine Anpassung der Öffnungszeiten vorgenommen: Die neuen Öffnungszeiten finden bei den Benutzern/innen allgemeine Zustimmung. Sie erlauben intensive, regelmäßige Forschung und erweisen sich als hinreichend, um selbst dem stetigen Nutzungsinteresse von „Stammbesuchern“ zu entsprechen.
Zur Herstellung einheitlicher Öffnungszeiten mit dem Bereich 2-4 / Öffentliche Ordnung, Standesamt wird ab November 2016 die Archivöffnung am Donnerstag auf 18 Uhr ausgeweitet.
Die schnelle Verfügbarkeit von Archivgut erfordert die jederzeitige Betreuung der Benutzer im Leseraum. Noch bedeutsamer für einen umfassenden und umgehenden Service ist die Möglichkeit zur Vorbereitung des Archivpersonals auf Besucheranliegen durch die Voranmeldung. Diese ist telefonisch und per E-Mail möglich. Es wird in geeigneter Weise auf den Komfortzuwachs für die Nutzer durch eine Vorabinformation über ihr Rechercheinteresse hingewiesen (z.B. Homepage, bei tel. Anfragen, in Pressemitteilungen und Eigenveröffentlichungen).
Kompetente Beratung unter gleichzeitiger Gewährleistung kontinuierlicher Sachbearbeitung lässt angesichts der ausgeweiteten Öffnungszeiten ratsam erscheinen, die Sachbearbeiter von der Präsenz im Nutzersaal zu entlasten, so dass durch eine „Aufsicht“ fachliche Anfragen an die Sachbearbeiter gerichtet und dann im persönlichen Gespräch erörtert werden können. Es wird angestrebt, dass ein Nutzerservice mit kontinuierlicher Präsenz im Benutzerraum angeboten wird.
2.3 Dienstleistungen für die Nutzer/innen und Digitalisierung
Nutzer/innen wünschen vielfach die Reproduktion von Archivalien in qualitativ hochwertiger Form, z.B. als Präsente. Insbesondere Fotos, Karten/Pläne und vorrangig Zeitungen werden nachgefragt. Ferner werden von Benutzern Kopien aus Personenstandsakten nachgefragt. Durch marktgerechte Produkte in angemessener Qualität sollen mittelfristig die Zufriedenheit der Kunden gesteigert und Einnahmen erzielt werden, die kostendeckend sind.
Die Digitalisierung wie der private Umgang mit Neuen Medien stellen wachsende Anforderungen an die Art und Qualität der Dienstleistungen, die ein Stadtarchiv seinen Nutzern jenseits der sachlich-inhaltlichen Betreuung anbietet.
Um in diesem Handlungsfeld zukunftsorientiert zu arbeiten, soll auf der Grundlage einer Nutzerbefragung und interkommunaler Erfahrungen im Rahmen eines verwaltungsinternen Projektes mit Expertenwissen zur IT/Digitalisierung ein Konzept erstellt werden, das unter Kosten-Nutzen-Gesichtspunkten umsetzungsfähige Vorschläge für ein verändertes Dienstleistungsangebot unterbreitet. Diese sind so konkret zu fassen, dass der erforderliche Aufwand an Sachmitteln und Personal ebenso wie die von Nutzern zu erhebenden Kosten/Gebühren zu erarbeiten sind.
Teilnehmer am Projekt werden sein das Stadtarchiv, Bereich 1-0-60 / Strategisches IT-Management, IT-Management der OGM GmbH, externer Dienstleister.
Auf der Grundlage vorliegender Erfahrungen sowie der fachwissenschaftlichen archivarischen Diskussion über die Digitalisierung im Archivwesen sind im Rahmen dieses Projektes folgende übergeordneten Zielsetzungen zu verfolgen:
/Bewahrung und Sicherung von Archivgut durch verminderte Nutzung von Originalen und die dauerhafte Speicherfähigkeit der Digitalisate
/Online-Verfügbarkeit von Archivgut zum Zweck der erleichterten und ortsunabhängigen Zugänglichkeit
Um diese übergeordneten Ziele zu operationalisieren, werden vom Stadtarchiv weitere Grundsätze, die dem fachwissenschaftlichen archivarischen Kenntnisstand entsprechen, in den Arbeitsprozess als Diskussionsgrundlage und fachlicher Input eingebracht:
/Eine vollständige Digitalisierung von Archivalien ist nicht anzustreben, da sie weder leistbar, unter Kosten-Nutzen-Aspekten vertretbar noch der Nutzernachfrage angemessen wäre.
/Die Auswahl zu digitalisierender Archivalien erfolgt auf Grundlage einer Systematik, die zwischen den Experten aus Archiv und IT entwickelt wird.
/Maßgebliche Kriterien der Auswahl sind:
Nutzungsfrequenz,
Bestandserhaltung,
Zugänglichkeit von Überformaten (Pläne, Karten etc.),
Schwerpunkthemen der Geschichtsarbeit,
Zielgruppenarbeit (z.B. Schulen).
/Aufbau einer systematischen Reproduktionenverwaltung nach den Kriterien:
Medienunabhängige Langzeitsicherung.
Komfortable Handhabbarkeit in Bezug auf Verwaltung und Nutzung (z.B. in pdf-Formaten) einschließlich leistungsfähiger Recherche-/Suchfunktionen.
Ebenfalls werden in Bezug auf die Anforderungen der archivinternen Arbeitsprozesse folgende Grundsätze verfolgt:
/Software-Kompabilität zwischen den Lösungen für archivische sowie für bibliothekarische Aufgaben zu erreichen.
/eine alle archivinternen Bearbeitungs- und Nutzungsformen übergreifende, integrierte Lösung in Bezug auf Systematisierung und Verschlagwortung zu schaffen.
2.4 Historische Bibliothek
Das Stadtarchiv Oberhausen verfügt über eine im interkommunalen Vergleich zwar nicht große, jedoch qualitativ hochwertig besetzte Fachbibliothek zur Stadt- und Regionalgeschichte. Hier liegt die umfangreichste Sammlung von Verlagspublikationen, Veröffentlichungen öffentlicher wie privater Institutionen von der Kommune über Verbände und Vereine bis Unternehmen zur Oberhausener Stadtgeschichte vor. Der Pflege und Nutzung der historischen Bibliothek wird zukünftig verstärkte Aufmerksamkeit gewidmet, da der Bibliothek eine herausragende Bedeutung für die Sicherung und Vermittlung des historischen Erbes der Stadt zukommt. Wissenschaftliche und Laienforschung wird in Publikationen der Öffentlichkeit bereitgestellt. Nutzerinnen und Nutzer des Stadtarchivs aus sämtlichen Nutzergruppen greifen zur ersten Annäherung an den Gegenstand ihres historischen Interesses auf den Bibliotheksbestand zu. Das in Veröffentlichungen gebündelte historische Wissen stellt das attraktive Konzentrat an Kenntnissen über die Stadtgeschichte dar. Das Erzählen bildet die Basisoperation des sozialen Handelns, aus der Geschichtsbewusstsein, Geschichtsinteresse und schließlich Geschichtswissenschaft hervorgegangen sind (Jörn Rüsen). Auf dieser Grundlage wird der Verbreitung der Nutzungsmöglichkeiten der historischen Bibliothek hohe Priorität beigemessen.
Die hohe Priorität der historischen Bibliothek soll ganz konkret und zielgruppenorientiert in archivpädagogischen Angeboten und Projekten ihre Umsetzung erfahren. Die Zusammenarbeit mit Schulen wird gemeinsam von der Bibliothek und der Schulkulturarbeit ausgeführt. So ist angedacht, Schulen die Machbarkeit von Facharbeiten zu stadthistorischen Themen anwendungsorientiert zu vermitteln. Eine Liste von Themen, die mit der Literatur der historischen Bibliothek bearbeitet werden können, sowie kompakte Literaturlisten zu diesen einzelnen Themen bieten die Chance auf eine verstärkte Vergabe von Facharbeiten wie zur allgemeinen Themenwahl zur Stadtgeschichte durch die Oberhausener Schulen. Das Stadtarchiv wird seine Zusammenarbeit mit der Stadtbibliothek, insbesondere mit dem Lektorat für Regionales dazu zielgenau ausweiten.
Die hohe Priorität der historischen Bibliothek findet ihren Niederschlag ebenso in der Weiterentwicklung der Angebotsseite: Es besteht die Zielsetzung, sämtliche Publikationen zu Stadtgeschichte und Stadtentwicklung in Oberhausen zu erfassen und der Nutzerschaft zugänglich zu machen. Zu diesem Zweck wird die Öffentlichkeitsarbeit des Bereiches Stadtgeschichte ausgeweitet, um insbesondere sämtliche Einrichtungen des Konzerns Stadt Oberhausen, aber darüber hinaus ebenfalls private Institutionen – von Vereinen und Verbänden über soziale Einrichtungen bis zu den Unternehmen – zur Bereitstellung ihrer Nicht-Verlags-Veröffentlichungen, Broschüren etc. an die historische Bibliothek zu veranlassen. Als Gegenleistung soll jenen Institutionen bei Bedarf eine Beratung hinsichtlich ihrer Geschichtsarbeit zugutekommen. Diese kann von der hausinternen Archivierung bis zur Vorbereitung von Festschriften, Jubiläen o.ä. reichen.
2.5 Netzwerk Stadtgeschichte
Seit den 1980er Jahren hat sich das Netzwerk ehrenamtlich wie professionell Tätiger zur Stadtgeschichte in Oberhausen ausdifferenziert. Neben engagierten Einzelforschern sind zusätzlich zu den damals bereits vorhandenen Institutionen, wie dem Verkehrsverein, dem Alstadener Bürgerring oder dem Schmachtendorfer Heimatverein weitere Vereine entstanden, die wichtige Beiträge zur Aufarbeitung der Stadtgeschichte leisten, wie die HGO, die Geschichtswerkstatt, der Osterfelder Bürgerverein mit der Redaktion des „Kickenberg“ und der Historische Verein Oberhausen-Ost. Hinzu trat als seitdem wichtigste und größte öffentliche Institution, die sich in Oberhausen mit Geschichte und ihrer Präsentation befasst, das LVR-Industriemuseum. Die Ausdifferenzierung der „historischen Szene“ hat bislang jedoch noch nicht zur Bildung eines stetig wirkenden Netzwerkes geführt. Zwar bestehen vielfältige Kontakte, doch diese haben kaum institutionelle Kontakte und eine stetige Kooperation bewirkt.
Das Stadtarchiv macht es sich zur Aufgabe, unter Einbeziehung weiterer öffentlicher Institutionen, wie dem LVR Industriemuseum, der Gedenkhalle, dem Fachbereich politische Bildung der VHS Oberhausen das Angebot zum Austausch als organisatorischen Rahmen für eine verstärkte Netzwerkarbeit zu unterbreiten. Das Stadtarchiv wird nach vielfältigen bilateralen Kontakten zu einem „Runden Tisch Stadtgeschichte Oberhausen“ einladen, welcher dem Informationsaustausch dient und den Teilnehmenden überlässt, erwünschte Formen der Zusammenarbeit zu erörtern. Selbstverständlich steht der Grundsatz der Freiwilligkeit und des gemeinsamen Interesses im Vordergrund.
2.6 Zusammenarbeit mit Institutionen der Geschichtsforschung, des Archivwesens
und der Museumsarbeit
Die Stadt Oberhausen verfügt nicht über ein stadthistorisches Museum. Um etwaigen Missverständnissen vorzubeugen: Das vorliegende Konzept dient nicht der längerfristigen Zielsetzung, ein solches Museum in Oberhausen zu schaffen. Angesichts der finanzwirtschaftlichen Lage der Kommune und ebenso angesichts der vorhandenen, breiten kulturellen Infrastruktur vor Ort gebietet es die Verhältnismäßigkeit im Einsatz öffentlicher Mittel, das übergeordnete Ziel der Förderung von Stadtgeschichte in der Oberhausener Stadtgesellschaft mit dem hier vorgestellten breiten Set anderer Handlungsansätze und Instrumente zu verfolgen. Hinzu tritt als weiteres Beurteilungskriterium die Ansässigkeit einer qualitativ hervorragenden musealen Institution von überregionaler Bedeutung in Oberhausen: das Industriemuseum des LVR mit seinen Standorten zur Geschichte der Eisen- und Metallindustrien Zinkfabrik Altenberg und Antonyhütte. Für die Oberhausener Bürgerschaft besteht hiermit ein wertvolles museales Angebot zur Erfahrbarkeit der Geschichte des Industriezeitalters. Das Stadtarchiv wird durch die enge Kooperation mit dem LVR Industriemuseum dieses darin unterstützen, für die Oberhausener Bürgerinnen und Bürger ein lebendiger Ort der Geschichtskultur zu sein.
Das LVR Industriemuseum als zentrale öffentliche Institution der Geschichtsarbeit in Oberhausen von regionaler Bedeutung für das Rheinland und das Ruhrgebiet vollzieht in den Jahren 2016 bis 2020 eine grundlegende Neuausrichtung unter dem Titel „Vision 2020“. Die Optimierung vielfältiger Raumnutzungen mit Veranstaltungen auf dem Altenberg-Gelände soll insbesondere durch bauliche Maßnahmen erzielt werden. Übergeordnetes Ziel bildet die Möglichkeit, zukünftig zur gleichen Zeit eine Dauerausstellung, eine Wechselausstellung sowie Veranstaltungen Dritter durchführen zu können. Dadurch werden die Attraktivität und die Besucherfrequenz der LVR-Einrichtungen erhöht.
Hinzu tritt die inhaltliche Neuausrichtung im Kontext der Weiterentwicklung der Regionalmuseen im Ruhrgebiet, insbesondere seit Bildung des Ruhrmuseums auf Zollverein 2009. Im Zuge der Vision 2020 wird sich das LVR Industriemuseum von einem Museum der Schwerindustrie zu einem Museum für die Geschichte des Industriezeitalters weiterentwickeln, das sich mit der Geschichte übergreifender Prozesse in Wirtschaft und Gesellschaft seit dem 19. Jahrhundert beschäftigt und sich verstärkt mit Entwicklungslinien bis in die Gegenwart und ihrer Bedeutung für die Zukunft auseinandersetzt. Zur veränderten thematischen Ausrichtung zählt insbesondere die verstärkte Verschränkung der Industrialisierungsgeschichte mit strukturellen, säkularen Prozessen in Gesellschaft und Staat. Die Schwerpunkte der Dauerausstellung und ebenfalls der Themenorientierungen für Wechselausstellungen werden sein:
/Panorama / Geschichte des Industriezeitalters,
/Veränderung der Energieerzeugung,
/Materialien des Industriezeitalters,
/Globalisierung,
/Konsumgeschichte.
Damit rücken in zeithistorischer Perspektive auch Vorgänge in den Blick, die durch Deindustrialisierung und sozioökonomischen Wandel geprägt wurden – und werden. Der LVR strebt an, Oberhausen als Standort des Museums auf vielfältige geeignete Weise zu thematisieren, um den Besucherinnen und Besuchern aus der Region sehr anschauliche und lebensweltlich verankerte Beispiele, Einstiege und Anknüpfungspunkte zu bieten. Die Leitung des Stadtarchivs befindet sich zur Neuausrichtung der Archivarbeit wie der Museumsarbeit des LVR im Rahmen der Vision 2020 bereits seit 2014 im engen fachlich-geschichtswissenschaftlichen Diskurs mit der Museumsleitung sowie der Leitung des Schauplatzes Altenberg. Für die Zukunft wird angestrebt, dass in Anerkennung einer klaren Aufgabentrennung selbstverständlich die museale Realisierung der Vision 2020 in der Verantwortung des LVR Industriemuseums liegen wird, während das Stadtarchiv aktiv Leistungen der inhaltlich-konzeptionellen Beratung sowie der Zugänglichkeit von Archivalien des Stadtarchivs Oberhausen erbringen wird.
Im Kontext der Vision 2020 wird das LVR Industriemuseum keineswegs zu einem stadthistorischen Museum für Oberhausen. Gleichwohl bietet die Neuausrichtung vielfältige Potenziale, um übergreifende strukturelle historische Prozesse seit dem Industriezeitalter am Beispiel des Museumsstandortes, der Stadt Oberhausen, nicht nur beispielhaft, sondern im besten Sinne kasuistisch – als Fallstudie – als Instrument zum anschaulichen Erkenntnisgewinn darzustellen:
Durch die einzigartige Geschichte Oberhausens als ohne vorindustrielle Wurzeln in der Lirich-Lipperner Heide entstandene Siedlung ist Oberhausen geeignet, die Zusammenhänge von rasanter Industrialisierung und komplexer Städtebildung in didaktisch prägnanter Form zu vermitteln sowie Anknüpfungspunkte für Gegenwartsbezüge herzustellen.
Oberhausener Unternehmen der Metall- wie der chemischen Industrie bieten wichtige Bezüge zum Wandel der Energieerzeugung ebenso wie der Materialienverwendung. Beispielhaft seien synthetische Treibstoffe bei der Ruhrchemie, der Bedeutungsverlust von Zink und Eisen als Material für Konsumartikel genannt.
Globalisierung und Konsumgeschichte werden z.B. eindrucksvoll durch Aufstieg und Niedergang der Oberhausener Konsumgüterindustrie vom Beginn des 20. Jahrhunderts (Herdefabrik Phönix, Paul-Reusch-Straße) bis in die Phase des Strukturwandels seit den 1960er Jahren (Oberhausener Glasfabrik, Oberhausener Porzellanfabrik, Polsterwerke Remmers) veranschaulicht. Von gleichfalls großer kasuistisch-exemplarischer Bedeutung sind die Entwicklung von Centro und Bero-Zentrum sowie die Veränderung der Stadtteilzentren.
Die Leitung des LVR Industriemuseums, des Standortes Altenberg sowie des Stadtarchivs stimmen in dieser Beurteilung zu einem wesentlichen Aspekt der zukünftigen Museumskonzeption überein und streben zur Realisierung dieser Zielsetzung im Rahmen der zukünftigen Museumsangebote des LVR Industriemuseums eine enge Zusammenarbeit unter Nutzung Oberhausener Archivalien an. Dabei soll die Zusammenarbeit in den Handlungsfeldern Museums- und Archivpädagogik ausgebaut werden.
Für das LVR Industriemuseum bildet die enge und konzeptionelle Zusammenarbeit mit dem Stadtarchiv Oberhausen die unabdingbare Voraussetzung, um eine sich ganzheitlich über alle Themenschwerpunkte der Vision 2020 erstreckende Herausstellung Oberhausens als Museumsstandort zu gewährleisten.
Die Hochschulen der Region mit ihren historischen Fakultäten insbesondere in Duisburg-Essen, in Bochum und Düsseldorf, ebenfalls Fakultäten der Sozialwissenschaft und der Geografie richten ihre neuzeitliche Forschungstätigkeit seit Jahrzehnten stark an ihrem regionalen Umfeld aus. Die Erarbeitung von Studienabschlussarbeiten bietet Aussicht auf eine Win-win-Situation für Hochschulen wie für Kommunen: Anhand konkreter Fragestellungen mit lokaler Ausrichtung besteht Aussicht auf die Gewinnung neuer Forschungsergebnisse. Studierende mit Wohnort in oder Herkunft aus Oberhausen weisen meist eine hohe Affinität zur Erarbeitung lokalhistorischer Arbeiten auf.
Es wird angestrebt, ortspezifische Besonderheiten der Bestände des Stadtarchivs als Strukturvorteil zur Gewinnung von Forschungsarbeiten über Oberhausen zu nutzen. Ggf. bieten sich dazu der Bestand Zeitungen (seit 1851) sowie die seit Jahrzehnten Vergleiche zulassende Kommunalstatistik an.
Hochschulstandorte verfügen bei der Auswahl als Untersuchungsgegenstand selbstverständlich über einen strukturellen Vorteil. Um diesen Nachteil Oberhausens im regionalen Umfeld partiell auszugleichen, ist die verstärkte Zusammenarbeit mit den interessierten Lehrenden an den Hochschulen erforderlich sowie deren Information über die Potenziale einer Stadtgeschichte aufgrund der lokalen Archivlage oder auch aufgrund ortsspezifischer Besonderheiten in der geschichtlichen Entwicklung. Die systematische Pflege von Kontakten und die Kommunikation mit interessierten Hochschullehrern ist daher ebenso eine Aufgabe des Bereiches Stadtgeschichte wie die wissenschaftlich qualifizierte Betreuung von Hochschulabsolventen/innen bei ihren Abschlussarbeiten. - Über die Zusammenarbeit mit staatlichen Hochschulen hinaus wird das Stadtarchiv den Austausch mit Trägern der Erwachsenenbildung suchen.
Der Erfahrungsaustausch und die Zusammenarbeit mit Stadtarchiven, Häusern der / Instituten für Stadtgeschichte in der Städteregion Rhein-Ruhr bildet ein weiteres wichtiges Feld der Zusammenarbeit mit öffentlichen Institutionen der Geschichtswissenschaft. Über den interkommunalen Austausch sind Chancen für eine Zusammenarbeit zu identifizieren. Ebenso erleichtert der interkommunale fachliche Austausch die Erörterung und Beurteilung neuer Entwicklungen in den Aufgabenfeldern des Archivwesens und der Lokalgeschichte. Ggf. lassen sich Projekte konzipieren, die von einer einzelnen Kommune weder finanziell noch konzeptionell realisiert werden können. Denkbar sind z.B. Veranstaltungen, Veröffentlichungen, Kooperationen bei Restaurierungen und der Digitalisierung von Archivgut, die Unterstützung regional konzipierter Forschungsarbeiten.
2.7 Zusammenarbeit mit Kultureinrichtungen
Die organisatorische Einbindung des Bereiches Stadtgeschichte in das Dezernat 1 / Finanzen, Kultur begünstigt den Austausch und die Zusammenarbeit mit städtischen Kultureinrichtungen. Es besteht gegenseitiges Interesse, die bestehenden Kontakte zu intensivieren und die Zusammenarbeit um Angebote für die Bürgerschaft zu erweitern. Das Stadtarchiv wird mit der Ludwig-Galerie Schloss Oberhausen, dem Kulturbüro, dem Bildungszentrum Bert-Brecht-Haus mit Stadtbibliothek und Volkshochschule Möglichkeiten für gemeinsame Veranstaltungsformate diskutieren. Denkbar sind z.B.:
/etablierte Veranstaltungsformate der genannten Einrichtungen mit historischem Inhalt bzw. Bezug, z. B. der Kulturrucksack des Kulturbüros.
/Führungen im Archiv, Einführungen in die Archivarbeit, Vorträge (mit VHS)
/Lesungen (mit Stadtbibliothek, Kulturbüro).
Mit der Stadtbibliothek wird auf gemeinsamen Wunsch die Zusammenarbeit ausgeweitet, um insbesondere die Bestandsentwicklung der Abteilung Regionales in der Stadtbibliothek und der Historischen Bibliothek des Stadtarchivs intensiver als bislang zu koordinieren und die jeweiligen Angebote den Nutzern/innen beider Einrichtungen umfassend zugänglich zu machen.
Das Stadtarchiv wird insbesondere die Arbeit der städtischen Kultureinrichtungen auf deren Wunsch beratend mit stadthistorischem Know-how unterstützen. – Gleiches gilt für weitere Fachverwaltungen der Stadt Oberhausen oder sonstige Institutionen in Oberhausen auf deren Wunsch.
2.8 Zusammenarbeit mit Schulen – Schulmuseum
Der sozioökonomische Strukturwandel seit 1960 hat eine grundlegende Veränderung des Stadtbildes und der sozialen wie wirtschaftlichen Strukturen der Stadt zur Folge. Die Elterngeneration der heutigen Schüler/innen hat die Prägung Oberhausens durch die Schwerindustrie zunehmend weniger persönlich erlebt. Damit verbunden sind stark abnehmende Potenziale zur Vermittlung von Zeitgeschichte in der Stadt durch persönliches Erzählen im familiären Rahmen. Zugleich kommt der Bildung von lokaler Identität unter Bedingungen beschleunigten Wandels und zunehmender Migration erhöhte Bedeutung zu. Die Schule ist die zentrale gesellschaftliche Institution, die über die Befassung mit der eigenen Stadt und deren historischer Entwicklung Identifikation mit dem persönlichen urbanen Umfeld fördern kann. Diese Förderung lokaler Identität bildet wiederum eine wichtige Voraussetzung für gesellschaftlichen Zusammenhalt und für das Wecken von Interesse für das Gemeinwesen, ggf. für die Bereitschaft zu öffentlichem, ehrenamtlichem, politischem Engagement als zentralen Grundlagen für eine lebendige Bürgergesellschaft und eine in der Bevölkerung verwurzelte kommunale Selbstverwaltung. – In diesem Kontext ist die Förderung von Stadtgeschichtsarbeit in den Schulen ein wichtiger Beitrag zur historisch-politischen Bildung.
Das Stadtarchiv wird ein vielseitiges Handlungskonzept zur Zusammenarbeit mit Schulen und folgenden Zielsetzungen erarbeiten: Neugierde wecken, den Zugang zu Archivalien als Primärquellen der Geschichtsarbeit herstellen, Schulprojekte unterstützen. Ziel ist die breit angelegte Förderung von Stadtgeschichte und Stadtentwicklung insbesondere in den Fächern Geschichte, Sozialwissenschaften, Erdkunde, Sachkunde. Die archivpädagogische Arbeit soll sich an den Curricula für den Unterricht orientieren und mit Partnern kooperieren.
Es wird ein archivpädagogisches Projekt zur Entwicklung wirksamer Handlungs- und Kooperationsmöglichkeiten sowie perspektivisch zur Erarbeitung von Unterrichtsmaterial zu stadthistorischen Themen und mit Archivmaterial des Stadtarchivs konzipiert. Eine museumspädagogische Kooperation mit dem LVR Industriemuseum wird sowohl in Bezug auf das Projekt Unterrichtsmaterial als auch zu weiteren Feldern der Kooperation mit Schulen geprüft.
Das Stadtarchiv strebt in seiner Zielgruppenarbeit für Schüler/innen eine enge Zusammenarbeit mit dem Bildungsbüro im Dezernat 3/Bildung, Jugend, Soziales an.
Das Projekt Schulkultur/Schulmuseum als Einrichtung für die pädagogische Vermittlung der Geschichte des Bildungswesens wird nach Beschluss des Verwaltungsvorstandes vom 10.05.2016 dem Stadtarchiv organisatorisch zugeordnet. Im Projekt Schulkultur wurden vornehmlich Projekte mit Schulen und im Stadtteil unter Nutzung des „historischen Klassenzimmers“, vormals in der Tackenbergschule am Standort des Stadtarchivs, durchgeführt. Es wird für das historische Klassenzimmer ein geeigneter Standort gesucht. Dieser soll sich in räumlicher Nähe zum Stadtarchiv befinden. Die Aufgaben des Schulmuseums werden über eine Planstelle erfüllt. Die Stelleninhaberin verfügt über die Qualifikationen einer Dipl. Pädagogin und Dipl. Designerin.
Das Schulmuseum hat bisher schwergewichtig pädagogische Angebote für die Primarstufe entwickelt. Diese Aufgabenstellung wird mit einer Orientierung am Sachkundeunterricht und mit Projekten für die Sekundarstufe weiterentwickelt. Die enge Kooperation zwischen Schulkultur und Stadtarchiv wird die Handlungsoptionen beider Einrichtungen erweitern. Insbesondere ist eine Verknüpfung von museums- und archivpädagogischer Arbeit in Projekten unter Nutzung des historischen Klassenzimmers oder dezentral in Schulen und Einrichtungen der Jugendbildung (z.B. unter Verwendung mobil einsatzbarer Medien/Archivalien) anzustreben. Erste Projekte sind entwickelt und werden mit einzelnen Schulen pilotiert: Themenkoffer Bergbau, Stadtteilkoffer, Stadtteilführungen, Rollenspiele zur Schulgeschichte.
Möglichkeiten zur Projektfinanzierung bieten Landesförderprogramme. So nimmt die Stadt Oberhausen mit dem Kulturbüro am Programm „Kulturrucksack“ teil, in das Aktivitäten des Schulmuseums ebenso eingebracht werden können wie in das Förderprogramm „Archiv und Schule“. Projektanträge werden vorbereitet. Es wird das Ziel verfolgt, die lokale Identität von Kindern und Jugendlichen zu stärken. Dabei kommt der Arbeit mit jungen Migranten/innen sowie Flüchtlingen eine hervorgehobene Bedeutung zu. Die große Bedeutung von Migration und Integration innerhalb der Oberhausener Stadtgeschichte bietet gute Ansätze, um dieser Zielgruppe berechtigte Zuversicht zur eigenen erfolgreichen Integration in die aufnehmende Gesellschaft zu vermitteln.
Das Aufgabenfeld der Archiv- und Museumspädagogik des Stadtarchivs mit dem besonderen Schwerpunkt, die Geschichte des Schulwesens in Oberhausen an die Zielgruppe Schülerinnen und Schüler zu vermitteln, wird in der Planstelle der pädagogischen Mitarbeiterin des Schulmuseums gebündelt. Die Konkretisierung von Tätigkeitsschwerpunkten wird gemeinsam mit relevanten Partnern, wie Schulen und das LVR Industriemuseum angestrebt.
2.9 Stadtgeschichte und Öffentlichkeitsarbeit
Das Stadtarchiv ist das institutionalisierte historische Gedächtnis der Stadt Oberhausen. In diesem Sinne kommt dem Stadtarchiv die Aufgabe zu, das Interesse an Stadtgeschichte in der Öffentlichkeit zu wecken und zu fördern. Das schließt den Auftrag zu einer vielfältigen und zweckgerichteten Öffentlichkeitsarbeit ein. Diese soll im Rahmen eines fortschreitenden Prozesses mit den Partnern des Netzwerkes Stadtgeschichte, den Institutionen der Öffentlichkeitsarbeit im Konzern Stadt und den Medien entwickelt und ausgestaltet werden.
Das Stadtarchiv bringt in diesen Entwicklungsprozess folgende Zielsetzungen als Diskussionsbeitrag ein:
/stetige Präsenz stadthistorischer Themen und der Arbeit des Stadtarchivs in den Medien des Konzerns Stadt, wie dem Oh-Magazin,
/stetige Präsenz stadthistorischer Themen und der Arbeit des Stadtarchivs in den lokalen Medien,
/attraktive Darstellung der Stadtgeschichte und der Arbeit des Stadtarchivs auf der Homepage der Stadt / des Stadtarchivs,
/Unterstützung von Publikationen zur Stadtgeschichte,
/Unterstützung der Öffentlichkeitsarbeit von Partnern im Netzwerk Stadtgeschichte,
/Durchführung und Bewerbung von Veranstaltungen in Kooperation mit Partnern im Netzwerk Stadtgeschichte,
/Durchführung von Ausstellungen zu Themen der Stadtgeschichte, ggf. in Kooperation mit Partnern,
/Durchführung und Bewerbung archivpädagogischer Angebote mit Zielgruppencharakter, wie z.B. Einführungen in Archivarbeit für die Bürgerschaft/für Schulen, in Ahnenforschung,
/Fortentwicklung kundenorientierter Produkte (wie z.B. Reproduktionen aus Zeitungen, Karten) und deren Bewerbung.
2.10 Stadtgeschichte und die Arbeit von Rat und Verwaltung
Oberhausen befindet sich in einem fortgesetzten sozioökonomischen Wandel. Das hat unmittelbare Auswirkungen auf die räumliche Stadtentwicklung sowohl in Bezug auf die Entwicklung von Sozialräumen als auch in Bezug auf die Veränderung der Stadtteilzentren sowie der Raumnutzungen von Wohnen, Wirtschaft, Grün/Freiflächen sowie Infrastrukturen. Für die Kommunalpolitik bedeuten diese Veränderungsprozesse große Herausforderungen.
Stadtgeschichte ist dazu geeignet, in manche kommunalen Diskussionsprozesse zu aktuellen Aufgabenstellungen Sachkenntnisse, erweiterte historische Perspektiven, Längsschnittbetrachtungen und ggf. interkommunale Vergleiche einzubringen. Getreu den drei hierarchisch aufeinander aufbauenden Funktionen des Geschichtsbewusstseins – Identität, Legitimation, Orientierung – verfolgt das Stadtarchiv das Ziel, der Stadtverwaltung und weiteren Institutionen nach Bedarf und auf Wunsch als Gesprächs- und Reflexionspartner zur Verfügung zu stehen.
Dabei kommt der Zusammenarbeit mit der unteren Denkmalpflege erhöhte Bedeutung zu. Die Wahrnehmung ihrer Stadt durch die Bürgerinnen und Bürger erfolgt maßgeblich durch die visuelle Aneignung des städtischen Raumes. In diesem kommt Gebäuden, Plätzen, Kulturlandschaften und deren Veränderung im Zeitverlauf eine herausragende Bedeutung für die Ausbildung lokaler historischer Identität zu. Die Bereitschaft zur Intensivierung der Zusammenarbeit haben Denkmalpflege und Stadtarchiv gegenseitig bekundet. Im überörtlichen Kontext bietet das 2014 neu errichtete Deutsche Architekturmuseums in Dortmund, das in Kooperation mit der Fakultät Raumplanung an der Technischen Universität Dortmund forscht, weitere Potenziale zur Kooperation an den Schnittstellen von Stadt- und Architekturgeschichte. – Oberhausen als idealtypische, ohne vorindustrielle Wurzeln entstandene, Industriestadt kann dabei exemplarische Bedeutung für die Entwicklung des deutschen Städtewesens zukommen.
Die Geschichte der Kommunalpolitik selbst bietet Aussicht auf Erkenntnisgewinn in Bezug auf ein vertieftes Verständnis von den Funktionsweisen kommunaler Selbstverwaltung im zeitlichen Wandel. Die Beschäftigung mit Verfahrensabläufen sowie Arbeitsweisen und die Beschäftigung mit dem Wandel thematischer Prioritäten und Politikfelder bereichert gegenwärtiges kommunales Handeln um vergleichende Perspektiven und ermuntert zu Längsschnittbetrachtungen. Schließlich verspricht die Erforschung historischer Kommunalpolitik öffentliche Aufmerksamkeit mit der Aussicht auf positive Rückwirkungen auf das Stadtimage. Das Stadtarchiv verfolgt daher das Ziel, Forschungstätigkeit und Veröffentlichungen zur Geschichte der Kommunalpolitik in Oberhausen zu befördern.
2.11 Schlussbemerkung:
Das vorliegende Konzept enthält vielfältige Handlungsansätze, die über die bisherigen Aufgaben des Fachbereichs Stadtarchiv hinausgehen und einem erweiterten Verständnis der Förderung von Stadtgeschichtsarbeit und Geschichtsbewusstsein in Oberhausen entsprechen. Angesichts der Erfolgsabhängigkeit von den tatsächlichen Möglichkeiten der Kooperation mit Dritten, mit Netzwerkpartnern in den genannten verschiedenen Zusammenhängen, und ebenso angesichts der (noch) begrenzten Ausstattung des Bereiches Stadtgeschichte mit Personalressourcen wird von der Vorlage eines Zeit-Ziel-Planes für die Gesamtheit der vorgestellten Maßnahmen abgesehen. Die Zielsetzung besteht jedoch darin, die genannten Handlungsfeldern in einem mittleren Zeitraum von drei bis fünf Jahren sämtlich aufgenommen zu haben.
3.Personelle und Organisatorische Rahmenbedingungen
Ausgangslage:
Der Fachbereich 0-8-40 / Stadtarchiv verfügt über die folgende Personalausstattung:
/Planstelle Leitung
/Planstelle archivarischer Sachbearbeiter
/Planstelle Verwaltung
Außerplanmäßig:
/Einsatz eines Mitarbeiters für das Bibliothekswesen des Archivs
/Einsatz einer Mitarbeiterin im Tätigkeitsfeld der Erfassung von Archivgut
3.1 Personalwirtschaft
Zur Wahrnehmung des veränderten und ausgeweiterten Aufgabenkataloges des Bereiches Stadtgeschichte werden die folgenden personalwirtschaftlichen Maßnahmen durchgeführt:
/Schaffung einer Planstelle archivarische Sachbearbeitung einschließlich des Tätigkeitsschwerpunktes Konzeption der Archivarbeit, in Kooperation mit der Leitung des Bereiches Stadtgeschichte – höherer Dienst,
/Schaffung einer Planstelle archivarische Sachbearbeitung mit dem Tätigkeitsschwerpunkt Operative Leitung der Archivierungstätigkeit – gehobene Dienst,
/Prüfung des Einsatzes von Personal im Aufgabengebiet Betreuung von Nutzern, Präsenz im Benutzerraum des Stadtarchivs, außerhalb des Stellenplans,
/Prüfung weiterer mittelfristiger Handlungsoptionen i.V.m. mit Bereich 4-1 / Personal, Organisation, wie insbesondere eines Volontariates, eines Beschäftigungsverhältnisses zur Inklusion, der Schaffung oder Mitwirkung an einem Ausbildungsplatz im Berufsbild FAMI (Fachangestellte für Medien und Information).
3.2 Organisation
Zur Wahrnehmung der veränderten Aufgaben in den Feldern Archiv- und Museumspädagogik wird die Zuordnung des Schulmuseum mit einer Planstelle zum Fachbereich 0-8-40/Stadtarchiv vorgenommen. Begleitet wird die organisatorische Zuordnung durch eine stetige Zusammenarbeit mit dem Bildungsbüro im Dezernat 3.
Mittelfristig wird der Fachbereich 0-8-40/Stadtarchiv in den Bereich Stadtgeschichte überführt.
3.3 Projekt
Erfassung und Erschließung von Archivgut, insbesondere von Verwaltungsakten aus der Zeitphase seit 1945; Ziel ist die Kooperation mit dem Archivberatungszentrum des LVR i.V.m. einem Antrag auf regionale Kulturförderung zum 30.04.2017 mit einer Durchführung der Maßnahme in 2018 und in den Folgejahren. Der LVR bietet dazu eine Kooperation einschließlich einer mehrjährigen Projektförderung zur Unterstützung der Tätigkeit der Archivfachkräfte des Stadtarchivs an durch studentische Hilfskräfte o.ä. an.
