Berichtsvorlage - M/16/1807-01
Grunddaten
- Betreff:
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1) Anschaffung eines mobilen und modularen Ausstellungssystems für Wechselausstellungen in der Gedenkhalle2) Wechselausstellung in der Gedenkhalle: "Marlene Dietrich. Die Diva. Ihre Haltung. Und die Nazis." mit begleitendem Katalog und Begleitprogramm
- Status:
- öffentlich
- Vorlageart:
- Berichtsvorlage
- Federführung:
- Kunst
- Bearbeitung:
- xxx xxx
- Verantwortung:
- Dr. Vogt
Beratungsfolge
| Status | Datum | Gremium | Beschluss | NA |
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●
Erledigt
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Kulturausschuss
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Kenntnisnahme
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05.07.2016
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Sachverhalt
Sachdarstellung
1) Anschaffung eines mobilen und modularen Ausstellungssystems für Wechselausstellungen in der Gedenkhalle
Die Gedenkhalle hat in den letzten Jahren viel unternommen, um im Kontext der historisch-politischen Bildung attraktiv zu bleiben. Zu erwähnen ist hier vor allem die Eröffnung der neuen Dauerausstellung 2010 mit seinen Themenschwerpunkten Stadtgeschichte, Zwangsarbeit im Nationalsozialismus seit 1939 und Geschichte der Gedenkhalle. Dennoch musste festgestellt werden, dass allein die Dauerausstellung nicht dauerhaft das Publikum zu binden wusste.
Deutlich wurde, dass nur die regelmäßige Präsentation neuer Inhalte eine dauerhafte Bindung des Interesses des Publikums nach sich ziehen wird. Entsprechend wird geplant, zukünftig Wechselausstellungen in die Gedenkhalle einzubringen. In Teilen kann dies wie in der Vergangenheit auch schon durch die Ausleihe von Fremdproduktionen geschehen. Von besonderem Interesse für die Oberhausener Stadtgesellschaft dürften aber Ausstellungen sein, die sich mit der Stadtgeschichte verbinden.
In der Folge wurde mit Unterstützung der Museumsberatung und Fördermitteln des LVR ein Wechselausstellungssystem konzipiert und realisiert, dass in Phasen, in denen keine Wechselausstellung gezeigt wird, leicht abzubauen ist, damit nicht der Eindruck einer sinnfreien Leerstelle entsteht. Zum anderen musste das Wechselausstellungssystem modular sein, da es sich dazu eignen soll, im Laufe der Jahre auf unterschiedliche Wechselausstellungen so flexibel wie möglich zu reagieren. Außerdem muss sich das System
in den knappen Raum und das bestehende hochwertige Architekturprogramm sensibel integrieren.
Auswahl, Vorbesprechung und Einladung von drei Büros zu einem geladenen Wettbewerb fanden bis zum August 2014 statt. In der Jurysitzung vom März 2015 traf die Jury die Entscheidung, den Entwurf von Michael Wienand von bild-werk aus Dortmund umzusetzen. In der Folge wurde der vorgelegte Entwurf mehrfach überarbeitet, bis er schließlich produziert werden konnte. Ein vorab erstellter Prototyp wurde als Basis für die Realisation erstellt und freigegeben. Aufgrund von technischen und Materialproblemen bei der Fertigung verzögerte sich die Anlieferung des gesamten Systems mit seinen elf Modulen und drei Medienstationen bis ins Frühjahr 2016. Mit der Eröffnung der ersten Wechselausstellung in Eigenproduktion im Juni 2016 wurde das System erstmals in Betrieb genommen.
2) Wechselausstellung in der Gedenkhalle: „Marlene Dietrich. Die Diva. Ihre Haltung. Und die Nazis.“ mit begleitendem Katalog
Die Gedenkhalle steht in der Verpflichtung, den immer größer werdenden zeitlichen Abstand zur Geschichte des Nationalsozialismus und den Verlust der Erlebnisgeneration durch ihre Ausstellungs-, Bildungs- und Forschungsarbeit zu kompensieren. Dazu sollen in Zukunft auch wieder Wechselausstellungen mit verschiedenen thematischen Schwerpunkten beitragen.
Aufgrund des Umstands, dass das Stadtarchiv in den letzten Jahren nicht wie erforderlich genutzt werden konnte, wurde ein Ausstellungsthema ausgewählt, das durch Archive gut erschließbar war und zugleich als Auftakt für neue Wechselausstellungen eine gewisse Attraktivität versprach. Für die am 11. Juni 2016 eröffnete Ausstellung zu Marlene Dietrich konnte die Unterstützung der Marlene Dietrich Collection Berlin gewonnen werden. Dadurch erst wurde diese Eigenproduktion möglich, die noch bis Dezember 2016 zu sehen sein wird.
Mit Marlene Dietrich verbinden sich viele schillernde Bilder. Für die Ausstellung bedeutsam ist aber ihr spannungsreiches Verhältnis zu Deutschland, mithin den Nationalsozialisten. Zwar ging die Dietrich noch vor der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten nach Hollywood, ließ sich aber auf keine Zusammenarbeit mit den Nazis ein und half stattdessen deutschen Flüchtlingen im Exil. 1939 wurde sie US-amerikanische Staatsbürgerin und unterstützte den Kriegseinsatz gegen Nazi-Deutschland aktiv. Ein Fakt, der ihr bei ihrer Deutschland-Tournee 1960 von Teilen der deutschen Öffentlichkeit vorgeworfen wurde. Zur gleichen Zeit feierte man sie in Israel gerade für diese Haltung. Nach 1960 kehrte Marlene Dietrich nur noch selten nach Deutschland zurück.
Im Lauf von fast 60 Lebensjahren lässt sich ein roter Faden nachzeichnen, der bislang noch nicht in dieser Ausführlichkeit erzählt wurde. Neben vielen Fotografien aus ihrem Leben zeigen zahlreiche Dokumente und weitgehend unbekannte Filmsequenzen auf eindrucksvolle Weise, für welche Haltung Marlene Dietrich unbeirrt über ihr gesamtes Leben hinweg stand, ohne dabei die jeweiligen zeitbedingten Umstände aus den Augen zu verlieren.
Dr. Rainer Rother, Künstlerischer Direktor der Deutschen Kinemathek Berlin, äußerte zu der Kooperation, man habe das Oberhausener Projekt mit Freude unterstützt, da es sich auf eine auch für das eigene Haus ganz wesentliche und vielleicht nicht genügend bekannte Seite Marlene Dietrichs, nämlich ihre politische Haltung und ihre Resistenz gegenüber allen Offerten der Nationalsozialisten, konzentriere. Die Ausstellung trage dazu bei, diesen Aspekt einer breiteren Öffentlichkeit bewusst zu machen.
Da das Material in der Marlene Dietrich Collection Berlin derartig umfangreich war, dass nur ein kleiner Ausschnitt daraus in der Ausstellung gezeigt werden kann, wurde ergänzend ein gleichnamiger Katalog produziert, der anhand von sechs Artikeln und zahlreichen, teils noch nie veröffentlichten Fotografien das Verhältnis von Marlene Dietrich zu Deutschland umfassend erläutert und illustriert.
Die sehr gut besuchte Eröffnung der Ausstellung und die ersten Öffnungstage lassen hoffen, dass sich die eigenen Erwartungen zur Verlebendigung der Gedenkhalle erfüllen. Ein umfangreiches Begleitprogramm, das u.a. in Kooperation mit der Gleichstellungsstelle, der Buchhandlung Laufen, der LICHTBURG, dem Theater Oberhausen und dem „Gdanska“ realisiert wird, erweitert die Palette der Möglichkeiten, sich mit Marlene Dietrich auf vielfache Weise auseinanderzusetzen.
