Berichtsvorlage - M/16/1609-01
Grunddaten
- Betreff:
-
Bildungslotsen im Quartier – ein sozialinklusives Konzept des ZAQ in Kooperation mit der Stadt Oberhausen und der Unteren Schulaufsichtsbehörde
- Status:
- öffentlich
- Vorlageart:
- Berichtsvorlage
- Federführung:
- Kinder, Jugend
- Bearbeitung:
- Hendrik Detmers
Beratungsfolge
| Status | Datum | Gremium | Beschluss | NA |
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Erledigt
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Schulausschuss
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Kenntnisnahme
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27.04.2016
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Erledigt
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Jugendhilfeausschuss
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Kenntnisnahme
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04.05.2016
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Sachverhalt
Begründung / Sachdarstellung
Antrag auf Förderung „NRW hält zusammen…“:
Mit Zuwendungsbescheid vom 27.07.2015 hat das Zentrum für Ausbildung und berufliche Qualifikation e. V. (ZAQ) eine Förderung für das oben genannte Projekt im Rahmen des Programms „NRW hält zusammen…“ erhalten. Der Bewilligungszeitraum erstreckte sich vom 01.09.2015 bis 31.12.2015. Gegenstand der Förderung war die Einrichtung einer vollen Stelle (eines Bildungslotsen im Quartier) zur Begleitung der Kooperation zwischen dem Familienzentrum City-West und der Concordiagrundschule. Unterstützt wird die Kooperation von der Stadt Oberhausen als Träger des Familienzentrums sowie der Unteren Schulaufsichtsbehörde. Den Eigenanteil von 10% trägt das ZAQ. Für den Zeitraum 01.05.2016 bis 31.07.2017 wurde fristgerecht bei der Bezirksregierung Düsseldorf ein Folgeantrag eingereicht. Ein Zuwendungsbescheid für den oben genannten Zeitraum liegt beim ZAQ vor.
Ausgangslage und Laufzeit:
Die soziale Lage und Chancen von Menschen sind eng mit ihrem Wohnort, dem Quartier, in dem sie leben, verbunden. Die Lebenslage der Oberhausener Bevölkerung unterscheidet sich - je nach Wohnort - deutlich voneinander. Ein Teil der Oberhausener Sozialquartiere zeichnet sich durch eine wirtschaftlich und sozial gute Gesamtsituation aus, während sich in anderen Teilräumen spezifische Situationslagen konzentrieren, die multiples Handeln erfordern. Die Sozialquartiere Lirich und das daran angrenzende Quartier Bero-Zentrum/City West kristallisieren sich in diesem Zusammenhang besonders heraus.
In den Quartieren Lirich (73.1) und Bero-Zentrum/City West (73.2) leben insgesamt 15.380 Menschen. Überdurchschnittlich viele davon sind unter 19 Jahre alt. Insbesondere im Quartier Bero-Zentrum/City West leben viele Kinder und Jugendliche. In dem Quartier befindet sich der Wohnpark Bebelstraße, eine Hochhaussiedlung mit bis zu sieben Etagen. Die Wohnungen sind besonders groß und somit für kinderreiche Familien attraktiv. Dies spiegelt sich auch in der sozialanalytischen Betrachtung wider: Der Anteil kinderreicher Familien liegt in den Quartieren teilweise mehr als 9% über dem gesamtstädtischen Durchschnitt. Hinzu kommt eine hohe Anzahl von Personen mit Migrationshintergrund. Betrachtet man den Anteil der Personen mit Migrationshintergrund unter 27 Jahren wird deutlich, dass im Quartier Lirich im Vergleich zur Gesamtstadt durchschnittlich viele Menschen unter 27 Jahren einen Migrationshintergrund haben. Im Quartier Bero-Zentrum/City West hat jedoch weit mehr als jede zweite Person einen Migrationshintergrund. Auch bei den sozial-ökonomischen Daten wie Anteil Arbeitsloser, Arbeitsloser unter 25 Jahren, SGB-II-Quote sowie Sozialgeldquote weisen die genannten Quartiere im Vergleich zur Gesamtstadt Extremwerte auf. Im Quartier Bero-Zentrum/City West erhält mehr als jedes zweite Kind unter 15 Jahren Sozialgeld und gilt damit als arm. Diese Entwicklung spiegelt sich bei den Übergangsquoten auf die weiterführenden Schulen wider. Die Chancen der Kinder und Jugendlichen werden in diesen Quartieren eklatant von ihrer sozialräumlichen Herkunft bestimmt (Daten-Quelle: Bereich Statistik und Wahlen der Stadt Oberhausen, 31.12.2015).
Die Stadt Oberhausen hat den besonderen Bedarf in diesen Quartieren erkannt und unterstützt dieses Gebiet besonders. Im Wohnpark Bebelstraße ist durch die Stadt Oberhausen eine Sozialberatung, Angebote für Kinder und ein Jugendtreff eingerichtet worden. Durchgeführt werden die Sozialberatung und die Angebote für Kinder durch die AWO, die in dem Quartier seit vielen Jahren einen Bewohnertreff betreibt und somit eine große Erfahrung aufweisen kann. Die Jugendarbeit wird durch einen Träger der offenen Kinder- und Jugendarbeit betrieben, dem Jugendclub Courage. Zudem befindet sich im Quartier Lirich eine große Flüchtlingsunterkunft. Dadurch hat sich das Wanderungsvolumen pro 100 Einwohner deutlich erhöht. In zentraler Lage im Wohnpark Bebelstraße befindet sich ein großes städtisches Familienzentrum mit insgesamt 137 Kindern. Das Haupteinzugsgebiet des Zentrums ist der Wohnpark Bebelstraße. Der Anteil der Kinder mit Migrationshintergrund ist dementsprechend hoch. Die Kinder wechseln aus dem Familienzentrum häufig auf die benachbarte Concordiaschule, die von 190 Schüler/-innen besucht wird. Auch die Grundschule wird von einem hohen Anteil von Kindern mit Migrationshintergrund besucht. Zwischen dem Familienzentrum und der Grundschule besteht eine langjährige Kooperation. Zudem existiert in dem Stadtteil ein Sozialraumgremium, welches sich mit aktuellen Problemlagen im Sozialraum beschäftigt und über das neue Kooperationen initiiert werden können.
Zielsetzung:
Zielsetzung des Projektes „Bildungslotsen im Quartier„ ist die Optimierung der Teilhabechancen und Lebensperspektiven für sozioökonomisch benachteiligte Kinder, Jugendliche und ihre Familien entlang der Bildungskette.
Nachhaltige Veränderungen für Kinder, bestmögliche Bedingungen des Aufwachsens, und die Erweiterung der Bildungschancen, werden am besten gemeinsam mit den Eltern bewirkt. Deshalb ist die enge Verzahnung von Familien, Bildungsinstitutionen und weiteren Unterstützungssystemen in diesem Projekt ein solides Fundament für die wirksame Investition in Bildung. Zudem ein erklärtes Ziel des Förderantrages die gemeinsame Re-Zertifizierung als Familienzentrum mit der Grundschule als Verbundpartner im Jahr 2017 ist.
Vorgehensweise:
Innerhalb des Projektes sollen Kinder und Jugendliche, unabhängig von ihrer Herkunft, unterstützt und gefördert werden. Sie sollen Kompetenzen erwerben, um den Heraus- und Anforderungen in der Kita, in der Schule und in der Berufswelt besser gewachsen zu sein sowie in die Lage versetzt zu werden, vorhandene Hilfsangebote zu nutzen. Dieses erfordert Entwicklungspartnerschaften unter anderem mit der Kommune, Kitas, Schulen und Einrichtungen der Jugendhilfe.
Orientiert an dem Gütesiegelkatalog „Familienzentren NRW“ sowie dem Konzept „Schulen im Stadtteil“ (sozial-inklusive Schule) soll in Verantwortung des bestehenden Familienzentrums City-West und der Concordiaschule ein „Quartier für Bildung“ entstehen.
Das Familienzentrum City-West hat die Re-Zertifizierung als Familienzentrum absolviert. In 2017/18 steht die erneute Re-Zertifizierung an. Dieses Zeitfenster eröffnet den Spielraum, die Grundschule als Verbundpartner in das Familienzentrum einzubinden und sich als Verbund – Quartier für Bildung – gemeinsam zu zertifizieren.
Im Übergang erhält die Kooperation Verbindlichkeit durch einen modifizierten Kooperationsvertrag. Sie soll durch einen externen Bildungslotsen effektiv verbessert werden. Dieser gestaltet und begleitet den Aufbau der Kooperationsstrukturen, entwickelt systembezogene Beteiligungsformen und sichert die kommunale und sozialräumliche Vernetzung.
Ziel des Bildungslotsen ist es, den Kindern und Jugendlichen den Zugang zu vorhandenen Maßnahmen und Angeboten vor Ort zu sichern und zu erschließen. Dabei gilt es vorhandene Kräfte aller Akteure vor Ort zu konzentrieren und durch gemeinsam sowie arbeitsteilig organisierte bzw. abgestimmte Angebote für nachhaltige Qualitätsentwicklung zu sorgen und somit Problemlagen sowie Bedarfe schneller und effektiver zu bearbeiten, Parallelstrukturen aufzulösen sowie vorhandene Ressourcen durch direkte Absprachen und kommunikativen Austausch wirksamer einzusetzen. Die Bearbeitung von Problemlagen durch Einzelmaßnahmen wird in eine umfassende, ganzheitliche Betrachtungsweise eingebettet.
Das Projekt zielt auf die Weiterentwicklung sozialer Dienstleistungen für Zielgruppen mit mehreren Problemlagen, die durch unterschiedliche Institutionen Unterstützungsleistungen bedürfen (z. B. Alleinerziehende, Familien mit generationsübergreifendem Langzeitbezug). Durch den institutionsübergreifenden Ansatz werden die Unterstützungsleistungen verzahnt und aufeinander abgestimmt erbracht.
Die Aufgabe des Bildungslotsen ist es, die Kindertageseinrichtung und die Grundschule bei der Rezertifizierung des erweiterten Familienzentrums NRW zu unterstützen. Dies kann in Form von Moderation zwischen den genannten Akteuren geschehen oder durch Initiierung konkreter Angebote. Neben der Begleitung der Institutionen wird der Bildungslotse Kinder und Jugendlichen und deren Familien niederschwellig aktiv unterstützen, sich vorhandene Angebote oder Maßnahmen der Unterstützungsträger zu erschließen. Dies kann in Form von Beratung oder aktiver Wegbegleitung passieren.
Erfolgsmessung und Evaluation:
Die Kindertageseinrichtung und die Grundschule sind als gemeinsames Familienzentrum rezertifiziert. Ein weiteres Erfolgsmerkmal ist ein optimierter Bekanntheitsgrad der Angebote und Maßnahmen unter den Kindern und Jugendlichen und deren Eltern. Alle Akteure vor Ort nehmen regelmäßig an den Gremiensitzungen und Netzwerken teil, tauschen sich aus, stimmen ihre Aktivitäten ab und initiieren gemeinsam konkrete Aktivitäten für Kinder und Jugendlichen und deren Eltern im Quartier. Der Austausch zur Weiterentwicklung zwischen den Bildungs- und Hilfssystemen ist institutionalisiert und etabliert. Langfristig werden die durch das Schulspiel messbaren Eingangsergebnisse der basalen und fachlichen Fähigkeiten verbessert. Diese sind von der KTE im letzten Kindergartenbesuchsjahr als auch durch die Grundschule nach der Schuleingangsphase messbar. Weitere Evaluationsgrundlagen bilden jene Indikatoren, die bei den Bildungsgrundsätzen für Kinder von 0 bis 10 Jahren in der Kindertagesbetreuung und in Schulen im Primarbereich (herausgegeben durch das Ministerium für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport sowie dem Ministerium für Bildung und Weiterbildung des Landes NRW) verwendet wurden (z. B. Sprache und Kommunikation sowie mathematische Bildung).
Tätigkeitsbericht bis 31.12.2015 und weitere Planung:
Im Durchführungszeitraum bis zum 31.12.2015 haben die Grundschule und die Kindertageseinrichtung diverse gemeinsame Veranstaltungen durchgeführt. Hierzu gehörte ein Elterncafé „Leselust-Eltern lesen vor“, das eine Lesepatenschulung beinhaltete. Diese wurde danach regelmäßig weitergeführt. Mittlerweile wurde die Lesepatenschulung abgeschlossen, womit den beiden Einrichtungen insgesamt ca. zehn Paten zur Verfügung stehen. Ebenfalls zur Steigerung der Leseförderung gehörten die gemeinsamen Fortbildungen für die Kindertageseinrichtung und die Grundschule „Literacy – Kreative Leseförderung/Bilderbuch“ sowie eine Fortbildung für Eltern und Kindern aus beiden Einrichtungen zur Förderung der Kooperation zum Thema „Bilderbücher in Klang und Bewegung umsetzen“. Im Bereich der Bildungsförderung veranstalteten Grundschule und Kindertageseinrichtung kreative Leseaktions-Nachmittage für Eltern und Kinder. Höhepunkt der Kooperation war die gemeinsame Veranstaltung „Die Reise der Regentropfen - Eine Mitmachgeschichte zum Singen, Tanzen und Musizieren“ zur Lesestadt Oberhausen am 20. November 2015.
Aufbauend darauf und unter Vorbehalt des Zuwendungsbescheides der Bezirksregierung Düsseldorf sollen die Akteure im Jahr 2016 eine Vielzahl von Maßnahmen und gemeinsamen Aktionen durchführen. Der Bildungslotse unterstützt die KTE und die Grundschule in verschiedenen Vorhaben:
- Projekt „Offenes Vorlesen und Lesepaten in der Schule und der KTE“
- gemeinsame Teilnahme an der „Lesestadt Oberhausen“ in 2016
- mit Einverständnis der Eltern Weitergabe der Bildungsdokumentationen der KTE-Kinder an die Grundschule
- Absprachen zwischen der KTE und der Grundschule zum Material zur phonologischen Bewusstheit und den mathematischen Vorläuferfähigkeiten für zukünftige Erstklässler
- Etablierung einer Schnupperschule für KTE-Kinder in der Grundschule
- Hospitation der zukünftigen Klassenlehrer in der KTE
- gemeinsame Ausflüge und Feiern (z. B. St. Martin) von KTE und Grundschule
- gemeinsame Elternabende
- Infoveranstaltung der Grundschule an der KTE
- Tag der offenen Tür in der Grundschule
- Abstimmung des Lernmaterials zwischen KTE und Grundschule
- gemeinsames Elterncafé
- Nutzung der Schulbücherei durch die Kinder der KTE
Für das Jahr 2017 ist geplant, konkret auf die Re-Zertifizierung des Verbundes aus Grundschule und Kindertageseinrichtung zu einem „Quartier für Bildung“ hinzuarbeiten. Ebenfalls ist hiermit sichergestellt, dass der Bildungslotse den gemeinsamen Re-Zertifizierungsprozess von KTE und Grundschule bis zum tatsächlichen Zeitpunkt der Re-Zertifizierung 2017/2018 begleitet.
