Berichtsvorlage - M/16/1612-01

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Beratungsfolge

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Sachverhalt

Sachdarstellung

 

Seit dem vergangenen Jahr und bis heute anhaltend ist im Zuge der Zuwanderung von Flüchtlingen der Bedarf an Sprachkursen im großen Umfang gestiegen. Die Träger der freien Jugendhilfe sowie die Familienbildungsstätten bieten in Flüchtlingsunterkünften, Familienzentren und anderen Standorten im Stadtgebiet sogenannte Brückenkindergärten an, die frühkindliche Sprachförderung bereitstellen und die Eltern zusätzlich mit niederschwelligen Sprachangeboten einbeziehen. Herkunft und Verfahrensstatus sind hier unerheblich.

Für die Kinder und Jugendlichen im schulpflichtigen und berufsschulpflichtigen Alter dient die Beratung im Kommunalen Integrationszentrum und die Zuweisung in Internationale Vorbereitungsklassen der Förderung von Bildung und Sprache.

Beides gilt als erforderliche Grundlage zur Integration der jungen Menschen. Für zugewanderte Erwachsene übernehmen zahlreiche in Oberhausen angebotene Sprachkurse diese Funktion.

Der Bericht gibt einen Überblick über die unterschiedlichen Formen, Voraussetzungen und Finanzierungen der lokalen Maßnahmen.

 

 

Sprachkurse in Oberhausen

 

1. Einleitung

 

2. Integrationskurse des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge (BAMF)

2.1. Rechtliche Grundlagen

2.2. Intention/Ziele

2.3. Allgemeine Integrationskurse

2.4. Spezialkurse

2.5. Sprachkursträger in Oberhausen

2.6. Zugangsvoraussetzungen für Asylbewerber

 

3. Einstiegskurse der Bundesanstalt für Arbeit (BA)

3.1. Voraussetzungen für eine Förderung

4. Early Intervention – Basissprachkurs zur Arbeitsmarktintegration von Flüchtlingen             

5. Deutsch für den Beruf,  Europäischer Sozialfonds (ESF) und BAMF-Programm

5.1. Intention/Ziele

 

6. Berufsbezogene Deutschförderung im Rahmen arbeitsmarktpolitischer Maßnahmen

6.1. Intention/Ziele

 

7. Sprachkurse durch Ehrenamtliche

7.1. Standorte

 

 

8.Internetsprachkurse

8.1.Lingua TV

 

9.Zusammenfassung

 

10.Ausblick

 

 

 

1. Einleitung

 

Ein sehr hoher Anteil der Flüchtlinge, die seit 2015 nach Oberhausen gekommen sind, haben ein großes Interesse am Besuch eines Deutschkurses. Sie erkennen, dass die Sprache den Schlüssel darstellt, um im Studium und im Beruf die Chance zu haben, den ersten Schritt zur Integration zu machen.

Viele der motivierten Menschen, die bereits schulisch und beruflich qualifiziert sind, erkennen im Besuch eines Kurses die Voraussetzung für den Aufbau eines eigenverantwortlichen Lebens.

 

Der Bericht zeigt auf, wie vielfältig und umfangreich das Angebot an Sprachkursen in Oberhausen ist. Er gibt Auskunft über öffentlich geförderte Kurse sowie über Gruppen, die mit Unterstützung von ehrenamtlichen Lehrerinnen und Lehrern durchgeführt werden.  Ein wichtiger Aspekt sind auch die Zugangsvoraussetzungen zu den unterschiedlichen Sprachkursen, wobei Verfahrensstatus und Herkunftsland häufig wichtige Kriterien sind. In Oberhausen leben zur Zeit (Stand 01.04.2016) 2813 Asylbewerber, davon sind 951 weiblich und 1862 männlich. Ungefähr 500 Flüchtlingskinder besuchen Internationale Vorbereitungsklassen (Stand 01.04.2016).

Diese Vorlage ist mit tatkräftiger Unterstützung der Arbeitsagentur, der Volkshochschule, des Jobcenters,  des BAMF und der Ehrenamtler erstellt worden.

 

2. Integrationskurse des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge (BAMF)

 

2.1. Rechtliche Grundlagen

Gesetz über den Aufenthalt, die Erwerbstätigkeit und die Integration von Ausländern im Bundesgebiet (Aufenthaltsgesetz - AufenthG)
§ 44 Berechtigung zur Teilnahme an einem Integrationskurs

Einen Anspruch auf die einmalige Teilnahme an einem Integrationskurs hat ein Ausländer, der sich dauerhaft im Bundesgebiet aufhält, wenn ihm

a) erstmals eine Aufenthaltserlaubnis

b) zu Erwerbszwecken (§§ 18, 21),

c) zum Zweck des Familiennachzugs (§§ 28, 29, 30, 32, 36),

d) aus humanitären Gründen nach § 25 Absatz 1, 2, 4a Satz 3 oder § 25b,

als langfristig Aufenthaltsberechtigter nach § 38a oder ein Aufenthaltstitel nach § 23 Abs. 2 oder      Absatz 4 erteilt wird.

 

Seit November 2015 erhalten Asylbewerber und Geduldete mit jeweils guter Bleibeperspektive einen Zugang zu Integrationskursen des Bundes. Das gilt für

-          Personen mit Aufenthaltsgestattung  gemäß § 55 Abs. a AsylG.

-          Personen mit Duldung nach §60 a Abs 2 S.3 AufenthG

-          Personen mit Aufenthaltserlaubnis nach § 25 Abs.5 AufenthG

 

2.2. Intention/Ziele

Das vorrangige Ziel der Kurse besteht in dem Erwerb von Kenntnissen in der deutschen Sprache.

Darüber hinaus werden Grundlagen zur Integration geschaffen, indem die Themen Geschichte, Kultur und Rechtsordnung behandelt werden.

 

2.3. Allgemeine Integrationskurse

Jeder Integrationskurs besteht aus einem Sprachkurs und einem Orientierungskurs. Der allgemeine Integrationskurs dauert 660 Stunden, je nach Ausrichtung des Kurses, kann die Gesamtdauer auch bis zu 960 Stunden betragen.

 

 

 

Der Sprachkurs

Der Sprachkurs ist Teil des Integrationskurses. Er dauert im allgemeinen Integrationskurs insgesamt 600 Stunden, in den Spezialkursen bis zu 900 Stunden.

Im Sprachkurs werden wichtige Themen aus dem alltäglichen Leben behandelt, zum Beispiel:

  • Arbeit und Beruf
  • Aus- und Weiterbildung
  • Betreuung und Erziehung von Kindern
  • Einkaufen/Handel/Konsum
  • Freizeit und soziale Kontakte
  • Gesundheit und Hygiene/menschlicher Körper
  • Medien und Mediennutzung
  • Wohnen.

Im Verlauf des Sprachkurses erfolgen Zwischentests zur Vorbereitung auf die Abschlussprüfung.

Der Orientierungskurs

Nach dem Sprachkurs folgt ein Orientierungskurs. Er dauert 60 Stunden und behandelt folgende Inhalte:

  • deutsche Rechtsordnung, Geschichte und Kultur
  • Rechte und Pflichten in Deutschland
  • Formen des Zusammenlebens in der Gesellschaft
  • Werte, die in Deutschland wichtig sind, zum Beispiel Religionsfreiheit, Toleranz und Gleichberechtigung.

Der Kurs schließt mit der Abschlussprüfung ab.

 

2.4. Spezialkurse

In Oberhausen werden ebenso Kurse für spezielle Zielgruppen angeboten:

Der Integrationskurs für Frauen umfasst bis zu 960 Unterrichtsstunden und bietet folgende Besonderheiten:

  • Unterrichtszeit während der Besuchszeit der Kindertageseinrichtung und der Schule
  • Der Kurs wird von einer Frau geleitet
  • Begegnung mit anderen Frauen in der gleichen Lebenssituation

Integrationskurs mit Alphabetisierung

Nicht nur in der deutschen Bevölkerung, sondern auch bei Zugewanderten gibt es Menschen, die nicht ausreichend lesen und schreiben können. Viele von ihnen müssen eine zusätzliche Hürde bewältigen: Sie sollen nicht nur Deutsch sprechen, sondern gleichzeitig in lateinischer Schrift lesen und schreiben lernen. Die Alphabetisierungskurse helfen Menschen die

  • zwar lesen und schreiben können, aber nicht in lateinischen Buchstaben
  • gleichzeitig auch besser Deutsch sprechen und verstehen möchten
  • lernen möchten, wie sie sich ohne Angst im deutschen Alltag bewegen können

Im Alphabetisierungskurs

  • erleben die Teilnehmer in 960 Unterrichtsstunden - wenn sie bestimmte Voraussetzungen erfüllen, auch in möglichen weiteren 300 Unterrichtsstunden - , dass auch sie das Lesen und Schreiben mit Erfolg erlernen können.
  • wird in kleinen Gruppen gelernt. Daher hat die Lehrkraft mehr Zeit für jeden Teilnehmer.
  • erfahren die Teilnehmer, was in ihnen steckt und dass auch sie am gesellschaftlichen Leben aktiv teilnehmen können.
  • lernen die Teilnehmer, ein Lehrbuch so zu nutzen, dass sie später auch andere Deutschkurse besuchen oder alleine weiterlernen können.

Integrationskurs für junge Erwachsene

Wie im Allgemeinen Integrationskurs steht das Erlernen der Sprache im Vordergrund. Darüber erfahren die Teilnehmenden relevantes Wissen über

  • Schule und Ausbildung
  • Arbeiten und Beruf
  • Familie und Zusammenleben
  • Gesundheit und Vorsorge
  • Kultur und Freizeit

Außerdem bietet  der Unterricht im Jugend-Integrationskurs weitere Vorteile:

  • Lernen mit Gleichaltrigen
  • 960 Unterrichtseinheiten stehen zur Verfügung
  • Lernen in kleinen Gruppen von 10 bis 15 Personen
  • Behandlung aktueller und interessanter Themen für junge Menschen
  • Sie haben manchmal sogar zwei Lehrer
  • Praxisphase mit Kontakt zu Beratungsstellen, Bildungseinrichtungen und Arbeitsstellen

 

2.5. Sprachkursträger in Oberhausen

In Oberhausen wurden im Jahr 2015 insgesamt 28 allgemeine Kurse angeboten.

 

  • Volkshochschule der Stadt Oberhausen
  • Bildungswerk der Ruhrwerkstatt Kultur-Arbeit im Revier e.V.
  • SfS Schulungsgesellschaft mbH
  • Tertia Berufsförderung GmbH
  • Simply Learn
  • die kurbel -Katholisches Jugendwerk Oberhausen
  • Volkshochschule Bottrop, Standort Oberhausen

 

2.6. Zugangsvoraussetzungen für Asylbewerber (Syrien, Eritrea, Irak und Iran)

Asylbewerber und andere Personengruppen mit jeweils guter Bleibeperspektive können gem. § 44 Abs. 4 S. 2 Nr. 1-3 AufenthG im Rahmen verfügbarer Kursplätze zum Integrationskurs zugelassen werden. Es gilt für:

  • Ausländer, die eine Aufenthaltsgestattung gem. § 55 Abs. 1 AsylG besitzen und bei denen ein rechtmäßiger und dauerhafter Aufenthalt zu erwarten ist
  • Ausländer, die eine Duldung gem. § 60 a Abs. 2 S. 3 AufenthG besitzen und
  • Ausländer, die eine Aufenthaltserlaubnis gem. § 25 Abs. 5 AufenthG besitzen

 

3. Einstiegskurse der Bundesanstalt für Arbeit (BA)

Vor dem Hintergrund der sich abzeichnenden Herausforderungen bei der arbeitsmarktlichen und gesellschaftlichen Integration von Flüchtlingen ist der Bundesagentur für Arbeit die Möglichkeit eröffnet worden, kurzfristig im Rahmen des Arbeitsförderungsrechts Maßnahmen zur Vermittlung von Basiskenntnissen der deutschen Sprache zu fördern.

Das Gesetz wurde am 23.10.2015 im Bundesgesetzblatt veröffentlicht. Einstiegskurse können ab 24.10.2015 beginnen. Teilnehmende, die vor dem 24.10.2015 in eine Maßnahme eingetreten sind, können nicht gefördert werden!

 

3.1. Voraussetzungen für eine Förderung:

Die Inhalte der Kurse sind auf die Vermittlung von Basiskenntnissen der deutschen Sprache zu beschränken.

Zielgruppe/Personenkreis:

Gefördert werden Ausländerinnen und Ausländer, die bei Eintritt in die Maßnahme eine Aufenthaltsgestattung bzw. eine Bescheinigung über die Meldung als Asylsuchender (BüMA) besitzen und nicht aus einem sicheren Herkunftsstaat nach § 29a Asylgesetz stammen und bei denen ein rechtmäßiger und dauerhafter Aufenthalt zu erwarten ist.
Förderfähig sind Personen, die aus folgenden Herkunftsländern stammen:

  • Syrien
  • Eritrea
  • Irak
  • Iran

 

Sollten ggf. noch weitere Herkunftsländer hinzukommen, wird die Liste umgehend ergänzt.

 

Die Teilnahme an der Maßnahme muss für die Eingliederung notwendig sein, d.h. die Person darf über keine oder nicht verwertbare Deutschkenntnisse verfügen. Ein Eingangssprachtest ist nicht erforderlich.

Die Gruppengröße soll in der Regel 25 Teilnehmende nicht überschreiten.

Es können Personen gefördert werden, die bis zum 31.12.2015 in die Maßnahme eintreten.

Die Förderung ist für jede Teilnehmende und jeden Teilnehmenden bis zu acht Wochen möglich. Die achtwöchige Dauer des Sprachkurses ist nicht kalendarisch, sondern vom zeitlichen Volumen her zu sehen. So kann z.B. eine Frau, die sich auch um die Kinderbetreuung kümmern muss, diesen Kurs auch in 3-4 Monaten absolvieren, d.h. solange, bis das zur Verfügung gestellte (Zeit-)Volumen (max. 320 Unterrichtsstunden) aufgebraucht ist.

Die Träger müssen die erforderliche Leistungsfähigkeit und Zuverlässigkeit besitzen und glaubhaft darzustellen. Dies kann beispielsweise durch eine Zulassung durch das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge, eine Trägerzulassung durch eine fachkundige Stelle oder durch eine Eigenerklärung erfolgen. Eine Trägerzulassung ist gesetzlich nicht gefordert. Bei Volkshochschulen wird die Leistungsfähigkeit und Zuverlässigkeit unterstellt. Es sind keine gesonderten Genehmigungen für die Durchführung der Maßnahme erforderlich.

 

Die Kurse der BA wurden in Oberhausen von folgenden Trägern durchgeführt:

  • Volkshochschule der Stadt Oberhausen
  • Bildungswerk der Ruhrwerkstatt Kultur-Arbeit im Revier e.V.
  • SfS Schulungsgesellschaft mbH
  • Zentrum für Ausbildung und Qualifizierung
  • Simply Learn
  • die kurbel -Katholisches Jugendwerk Oberhausen
  • Verein Millenium Oberhausen

 

Es haben in Oberhausen 518 Personen an den Kursen teilgenommen.

 

4. Early Intervention – Basissprachkurs zur Arbeitsmarktintegration von Flüchtlingen

Mit Blick auf die steigende Zuwanderung von Flüchtlingen hat das NRW-Ministerium für Arbeit, Integration und Soziales (MAIS) einen Projektaufruf zur Förderung von Basis-Sprachkursen für Flüchtlinge veröffentlicht.

Kenntnisse der deutschen Sprache sind für eine Teilhabe am gesellschaftlichen Leben und für den erfolgreichen Einstieg in den Arbeitsmarkt unabdingbar. Die Mehrheit der Flüchtlinge hat aktuell noch keinen Zugang zu den Integrationskursen des Bundes. Das NRW-Arbeitsministerium fördert deshalb übergangsweise und modellhaft Basis-Sprachkurse aus Mitteln des ESF.

Die Kurse umfassen 300 Unterrichtsstunden. Early Intervention Kurse sind Deutsch-Einstiegskurse für Flüchtlinge, die keinen Anspruch auf einen Integrationskurs erwirken können, aber eine mögliche Arbeitsmarktintegration vor sich haben. Oberhausen hat 5 Kurse a 25 Personen über die Ruhrwerkstatt (2) und VHS (3) genehmigt bekommen, die nach den Osterferien starten können. Die Teilnehmer/innen  werden von der Arbeitsagentur den Bildungseinrichtungen zugewiesen.

 

5. Deutsch für den Beruf, ESF-BAMF-Programm

5.1. Intention/Ziele

Die berufsbezogene Deutschförderung des ESF-BAMF-Programms verbindet Deutschunterricht, berufliche Qualifizierung und Praktikum effektiv miteinander.

Für die Förderperiode 2014-2020 hat die EU das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) mit der Durchführung des Programms zur berufsbezogenen Sprachförderung für Menschen mit Migrationshintergrund beauftragt. Zielsetzung des Programms ist es, die Chancen der Teilnehmerinnen und Teilnehmer auf eine nachhaltige Integration in den ersten Arbeitsmarkt deutlich zu erhöhen. Die Maßnahmen verstehen sich als ein Element im Kontext zu weiteren Fortbildungsangeboten mit Bezug zum Arbeitsmarkt, und sollen neben der direkten Aufnahme einer Beschäftigung oder Ausbildung auch die Einmündung in weitergehende Qualifizierungsmaßnahmen ermöglichen. Die Staatsangehörigkeit und der Zeitpunkt der Zuwanderung sind für die Teilnahme nicht relevant. Jedoch muss ein Integrationskurs vorab absolviert werden oder ausreichende Deutschkenntnisse vorhanden sein. Für die Durchführung dieser Sprachkurse ist die Tertia Berufsförderung GmbH beauftragt. Für 2016 sind 8 Kurse (a 25 Teilnehmer) geplant.

 

6. Berufsbezogene Deutschförderung im Rahmen arbeitsmarktpolitischer Maßnahmen

Für diese Maßnahme stehen in Oberhausen 50 Plätze zur Verfügung. Die Deutschförderung ist nur ein Teil der Qualifizierung, der fachliche Teil überwiegt deutlich. Das Angebot richtet sich an Menschen mit Migrationshintergrund, die ihren mündlichen und schriftlichen Sprachgebrauch verbessern müssen, damit eine konkrete Arbeitsmarktintegration bzw. Qualifizierung/Ausbildung möglich ist.

 

7. Sprachkurse durch Ehrenamtliche

Im Laufe des Jahres 2015 haben sich in der Oberhausener Flüchtlingsarbeit Deutschkurse durch ehrenamtliche Sprachlehrerinnen und Sprachlehrern etabliert. Die meisten Sprachlehrerinnen und Sprachlehrer sind bereits pensioniert.  Ein Teil von ihnen hat an dem 2015 begründeten AK Ehrenamt in der Flüchtlingshilfe teilgenommen. Hier wurde in der Sitzung vom 18. August 2015 der Wunsch geäußert, sich besser auszutauschen und zu vernetzen. Daraufhin wurde eine Unter-AG Sprachlehrer/innen gegründet. Sie wird  mittlerweile von Terre des hommes  koordiniert. Die Gruppe trifft sich im regelmäßigen 6-Wochen-Rhythmus  zum Austausch. Bei diesen Treffen wird Material ausgetauscht, es werden Experten zu bestimmten Themen eingeladen, um Informationen zu erhalten, z.B. von der Verbraucherzentrale zum Thema Handyverträge.

  • Diese Kurse finden vor allem für Flüchtlinge statt, die nicht aus Eritrea, Syrien, dem Iran oder Irak stammen
  • Teilweise sind es reine Sprachkurse, aber es gibt auch einige Alphabetisierungskurse (hier gibt es auch Kurse für kulturelle Analphabeten, die die lateinische Schrift nicht lesen und schreiben können)
  • Die Kurse sind wortschatzorientiert und dienen zur Orientierung im Alltag
  • Je nach Initiative finden diese Kurse etwa 2 mal wöchentlich á 1,5 Stunden statt
  • Bei den Kursen gibt es eine hohe Fluktuation, z. B. durch Umzüge oder Teilnahme der Flüchtlinge an Sprachkursen des BAMF oder der Arbeitsagentur.
  • An den Sprachkursen nehmen ungefähr 300 Personen teil, der Anteil der Frauen liegt bei ca. 20 %.

 

 

Ehrenamtliche Sprachkurse in Oberhausen (Stand 01.03.2016)

 

 

Montag

Dienstag

Mittwoch

Donnerstag

Freitag

9.00

 

Sprachkurs Weierstraße

Sprachkurs Weierstraße

 

09.00 – 10.30

Vorkurs/

Sprachkurs Rechenacker

 

09.00 – 10.30

Vorkurs/

Sprachkurs Rechenacker

 

 

10.00

 

Sprachkurs Weierstraße

 

10.30 – 12.00

Sprachkurs Bahnstraße

 

10.30 – 12.00

St.Josef in Styrum

 

 

Sprachkurs Weierstraße

Sprachkurs Weierstraße

Sprachkurs Weierstraße

11.00

11.00 – 12.30

St.Josef in Styrum

 

11.30 – 12.30

Sprachkurs Bibliothek

 

Alphabetisier. Weierstraße

Alphabetisier. Weierstraße

 

11.00 – 12.30

St.Josef in Styrum

 

11.30 – 12.30

Sprachkurs Bibliothek

 

Sprachkurs Weierstraße

Sprachkurs Weierstraße

12.00

 

Alphabetisier. Weierstraße

Alphabetisier. Weierstraße

 

 

13.00

 

13.30 -15.00

Sprachkurs Bahnstraße

 

13.30 -15.00

Sprachkurs Bahnstraße

13.30 -15.00

Sprachkurs Bahnstraße

 

14.00

Sprachkurs für Berufs-kollegschüler Weierstraße

 

 

14.00 – 15.30

Alphabetisier. Rechenacker

Christian-Morgenstern-Schule

 

Sprachkurs für Berufskolleg-schüler Weierstraße

 

14.00 – 15.30

Sprachkurs Altenberg

 

14.00 – 15.30

Alphabetisier. Rechenacker

Christian-Morgenstern-Schule

 

 

 

14.00 – 15.30

Sprachkurs Altenberg

15.00

Sprachkurs Weierstraße

15.00 – 16.30

St.Josef in Styrum

 

 

 

 

16.00

Sprachkurs Weierstraße

 

16.00 – 17.30

St.Josef in Styrum

 

 

Sprachkurs Weierstraße

 

 

17.00

 

 

Sprachkurs Weierstraße

 

 

 

 

8. Internetsprachkurse

8.1. Lingua TV

Die Ankunft der Flüchtlinge stellt eine große Herausforderung für Deutschland dar. Um diese zu bewältigen, müssen die Menschen schnellstmöglich in unsere Gesellschaft und in den Arbeitsmarkt integriert werden. Grundbedingung für eine erfolgreiche Integration ist der Erwerb der deutschen Sprache. Deshalb stellt LinguaTV in Zusammenarbeit mit Firmen, Stiftungen und Behörden Flüchtlingen Deutschkurse zur Verfügung.

Die serverbasierten Deutschkurse  können aufgrund ihrer Vorteile (wie sofortige und ständige Verfügbarkeit, Skalierung, Selbststimmung der Lernenden, Effektivität und hohe Praxisrelevanz) einen wesentlichen Beitrag zum nachhaltigen Erwerb von Deutschkenntnissen leisten und so die schnellere Integration in die Gesellschaft und den Arbeitsmarkt ermöglichen.

Das Lernportal LinguaTV.com bietet jedem die Möglichkeit, eine Sprache ortsunabhängig und mit eigenem Lerntempo zu lernen. Das Portal richtet sich an Selbstlerner und dient auch als Begleitmaterial für Präsenz-Sprachkurse. Mit einer großen Auswahl an Deutschkursen für alle Niveaustufen von A1 bis C1 ist LinguaTV sowohl für Anfänger als auch für Fortgeschrittene geeignet. Darüber hinaus bietet der Spezialkurs „Wirtschaftsdeutsch/ Deutsch im Beruf“ die Möglichkeit, sich gezielt berufsbezogene Deutschkenntnisse und andere Fähigkeiten, wie das Führen von Telefonaten, Schreiben von Bewerbungen und Erstellen von Protokollen, anzueignen. Das Sprachtraining legt großen Wert auf praxisrelevante Inhalte, die sofort im Alltag angewendet werden können. Die flexible Kombination von attraktiven Lerninhalten mit interaktiven Übungen und Tests sowie die orts- und zeitunabhängige Nutzungsmöglichkeit der browserbasierten Lernplattform ermöglicht den Teilnehmern das einfache, schnelle und flexible Lernen aller notwendigen Sprachkompetenzen wie Vokabular, Grammatik, Hörverständnis, Rechtschreibung und Aussprache.

Der Einsatz von Videoszenen ermöglicht eine realistische Darstellung des beruflichen und privaten Alltags und vermittelt so praxisrelevante Sprachkenntnisse durch aktives Miterleben der von Muttersprachlern dargestellten Dialoge. Neben der Vermittlung allgemeiner Sprachkenntnisse und der Sensibilisierung für Eigenschaften der deutschen Kultur besteht auch die Möglichkeit einen branchen- und funktionsspezifischen Wortschatz aufzubauen.

Die Lernplattform ist in 11 Benutzersprachen, darunter Englisch, Französisch und Arabisch verfügbar. Benötigt wird lediglich ein Computer mit Internetverbindung und eine E-Mail-Adresse. Die Freischaltung erfolgt über digitale Lizenzschlüssel. Direkt nach der Anmeldung kann der Kursteilnehmer jederzeit und von jedem Ort aus mit den Sprachkursen loslegen.

Im Rahmen einer Partnerschaft mit der Bundesagentur für Arbeit wird die Verteilung der Lizenz an berechtigte Flüchtlinge über das bundesweite Netz der Job Center sichergestellt.

 

9.  Zusammenfassung

Die Vorlage gibt einen Überblick über die Vielfalt der in Oberhausen angebotenen Sprachkursarten und über die verschiedenen Finanzierungen. Positiv ist die Tatsache, dass seit Oktober 2015 Flüchtlinge auch an klassischen Integrationskursen des BAMF teilnehmen können. Die Einstiegshürden sind aber immer noch hoch und nur ca. jeder vierte Flüchtling hat die Möglichkeit an einem Kurs teilzunehmen. Zu dem ist es als problematisch anzusehen, dass das BAMF zu den Integrationskursen keine Kinderbetreuung mehr finanziert, da die Kommunen Betreuungsplätze anbieten sollen. Das ist aber angesichts der hohen Flüchtlingszahlen unrealistisch.

Der Ausbau von zusätzlichen Plätzen in Kindertagesstätten und Kindertagespflege benötigt zudem einen zeitlichen Vorlauf, der in der Regel nicht kompatibel mit dem aktuellen Betreuungsbedarf von Flüchtlingskindern im Zusammenhang  mit dem Besuch von Sprachkursen ist.

Weder BAMF noch Land bieten zur Zeit Mittel dafür an. Im Ergebnis haben die meisten Kurse daher einen deutlichen Männerüberhang, der nicht nur auf den höheren Männeranteil der Geflüchteten zurückzuführen ist.

Alle anderen im Bericht dargestellten Sprachkurse sind bei weitem nicht so umfangreich und haben teilweise ebenfalls hohe Zugangsvoraussetzungen. Besonders hervorzuheben ist das Engagement der Ehrenamtlichen, die in Oberhausen Sprachkurse für Flüchtlinge organisieren und durchführen. 

 

10.  Ausblick

Aufgrund der auch in Zukunft steigenden Zuwanderungszahlen muss der Gesetzgeber dringend den Zugang zu regulären Integrationskursen für Flüchtlinge ermöglichen und entsprechende Kapazitäten zur Verfügung stellen. Damit der Anteil der Frauen erhöht werden kann, müssen Kinderbetreuungen etabliert werden. Ein wichtiger Aspekt ist auch der intensivere Austausch der Integrationskursträger. Beim letzten Regionaltreffen der Sprachkursträger mit der Regionalkoordinatorin des BAMF in Oberhausen wurde eine entsprechende Vereinbarung  geschlossen. Zwingend erforderlich ist auch die Koordinierung aller Sprachkurse. Die Stadt Oberhausen wird diesbezüglich beim Bundesministerium für Bildung und Forschung einen Projektantrag für 2 Stellen „Kommunale Koordinierung der Bildungsangebote für Neuzugewanderte“ stellen.

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