Berichtsvorlage - M/18/0048
Grunddaten
- Betreff:
-
Durchforstungen im Stadtwald Oberhausen
Geplante Maßnahmen 2025/2026
- Status:
- öffentlich
- Vorlageart:
- Berichtsvorlage
- Federführung:
- Eigenbetrieb SBO
- Bearbeitung:
- Barbara Neu
- Verantwortung:
- Herr Reeh, Herr Jehn
- Konsequenzen:
- Keine Angabe zu finanziellen Konsequenzen (Berichte od. Anträge); Keine Angabe zu klimatischen Konsequenzen (Berichte od. Anträge)
Beratungsfolge
| Status | Datum | Gremium | Beschluss | NA |
|---|---|---|---|---|
|
●
Erledigt
|
|
Naturschutzbeirat
|
Kenntnisnahme
|
|
|
|
10.12.2025
| |||
|
●
Erledigt
|
|
Bezirksvertretung Alt-Oberhausen
|
Kenntnisnahme
|
|
|
|
26.11.2025
| |||
|
●
Erledigt
|
|
Bezirksvertretung Sterkrade
|
Kenntnisnahme
|
|
|
|
27.11.2025
| |||
|
●
Erledigt
|
|
Bezirksvertretung Osterfeld
|
Kenntnisnahme
|
|
|
|
25.11.2025
| |||
|
●
Erledigt
|
|
Stadtplanungs- und Umweltausschuss
|
Kenntnisnahme
|
|
|
|
04.12.2025
|
Sachverhalt
1. Grundsätze der Waldpflege
In Oberhausen werden rund 1.000 Hektar Wald forstlich betreut und bewirtschaftet. Ziel ist es, die biologische Vielfalt, Produktivität und Stabilität des Waldes zu erhalten und zu verbessern, damit er auch künftig seine wichtigen ökologischen, wirtschaftlichen und sozialen Funktionen erfüllen kann.
Die Stadt Oberhausen ist mit 476 ha der größte Waldbesitzer. Der städtische Forst wird vom Sachgebiet Baumschutz und Forst der Servicebetriebe Oberhausen, SBO gepflegt und bewirtschaftet. Weitere Flächen gehören dem Landesbetrieb Wald und Holz NRW (Hiesfelder Wald, ca. 411 ha), dem Regionalverband Ruhr (Grafenbusch, Klosterhardt) sowie privaten Eigentümern.
Die Bewirtschaftung der städtischen Wälder erfolgt auf Grundlage der sogenannten Forsteinrichtung, die im Auftrag des Landesbetriebs Wald und Holz, Regionalforstamt Ruhrgebiet, erstellt wird. Sie legt für etwa zehn Jahre die Maßnahmen zur ordnungsgemäßen Pflege und Entwicklung des Waldes fest. Die aktuelle Forsteinrichtung stammt aus dem Jahr 2022.
Auf dieser Basis erstellt die SBO jährlich den Forstwirtschaftsplan. In enger Abstimmung mit der Unteren Naturschutzbehörde und dem Regionalforstamt Ruhrgebiet werden hier die Holzeinschläge und Pflegemaßnahmen festgelegt. Dabei stehen die Ziele der nachhaltigen Forstwirtschaft, des Naturschutzes und der besonderen Verpflichtung zur Gewährleistung der naturnahen Erholung im Vordergrund.
Die geplanten Durchforstungen werden nicht in erster Linie der Holzgewinnung, sondern der Stabilisierung der Waldbestände, insbesondere im Hinblick auf Klimawandel, Extremwetter und Schädlingsbefall durchgeführt. Durch eine gezielte Reduzierung der Baumanzahl erhalten die verbleibenden Bäume mehr Licht, Wasser und Nährstoffe, was ihr Wachstum und ihre Widerstandsfähigkeit stärkt. So entstehen langfristig stabile, vitale und ökologisch wertvolle Bestände. Ziel bleibt es einen vitalen, strukturreichen und klimastabilen Wald durch regelmäßige Pflege und naturnaher Bewirtschaftung zu unterhalten.
2. Aktuelle Situation im Stadtwald Oberhausen
Die bereits eingetretenen Schäden durch die vergangenen trockenen Sommer (2018-2021) sind im Stadtwald Oberhausen weiterhin deutlich sichtbar. Die Vitalität der bereits geschädigten Altbuchen hat sich nicht verbessert.
Weiterhin fällt auf, dass immer wieder einzelne Altbuchen plötzlich absterben oder ihren Zustand in kurzer Zeit derart verschlechtern, sodass eine Fällung im Bereich der Verkehrssicherheitszone notwendig wird.
Die Gründe für die schlechte Vitalität des Baumbestandes sind die Niederschlagsdefizite aus den Jahren seit 2018-2021 in Verbindung mit den aus hohen Temperaturen resultierenden Verdunstungsraten, wodurch erhebliche Wasserdefizite entstanden sind, die sich besonders auf den Zustand der Oberkronen der Bäume auswirken.
Verschärfend auf die Vitalitätsverluste dürfte sich auch die Abfolge mehrerer aufeinander folgender Mastjahre bei der Eiche und Buche ausgewirkt haben, da mit der Fruchtbildung ein erhöhter Wasser- und Nährstoffbedarf einhergeht.
Diese multiplen Belastungen führten zu Krankheitssymptomen, wie Rindennekrosen in den Baumkronen mit einer teils rasch verlaufenden Moderfäule des Holzes durch Pilze, wie der „Pfennig-Kohlenkruste“, dem die geschwächten Buchen keine Abwehrmaßnahmen entgegensetzen können.
Grundsätzlich können drei verschieden Krankheiten an der Buche auftreten:
Buchenkomplexkrankheit
Diese verursacht den Verlust an Feinverzweigungen, das Eintrocknen zunächst einzelner Kronenpartien bis zum Absterben der Gesamtkronen. Oftmals treten Rindennekrosen auf, wodurch sich flächige Rindenpartien ablösen können. Darauf folgt die Besiedlung mit weiteren Pilzarten wie Porlinge, Baum- oder Zunderschwamm. Als Sekundärschädling wurden der Buchenborken- sowie der Buchenprachtkäfer festgestellt, wodurch auch vom Pilz verschonte Rindenareale erheblich geschädigt wurden. Die Folge ist eine schnelle Holzzersetzung, die zeitnahe Maßnahmen zur Wiederherstellung der Verkehrssicherheit erfordern. Letztendlich führt dies zum Absterben des Baumes.
Buchenvitalitätsschwäche
Vorzeitige Blattverfärbungen und/oder vorzeitiger Abwurf grüner Blätter bis zur raschen Kronenverkahlung. Auch hier treten Rindennekrosen auf, denen wiederum der Befall mit verschiedenen Pilzarten und zum Schluss der Buchenpracht- und Borkennkäfer folgt. Letztendlich führt auch diese Krankheit zum Absterben des Baumes.
Phytophthora-Krankheiten
Zuerst unauffälliger Befall der Feinwurzeln, danach treten dunkle Flecken am Stamm mit intensivem Saftaustritt (Buchen-Schleimfluss) auf. Nachfolgend treten Fäuleerreger, wie Hallimasch, Zunderschwamm, Lackporlinge und Brandkrustenpilz auf, die Morschungen bis in den Kronenbereich verursachen können. Der Krankheitsverlauf ist langwierig und führt meist zum Stamm- oder Kronenbruch.
Eine typische und häufige Alterserscheinung von Buchen und Eichen am Ende ihrer Lebensphase sind absterbende Oberkronen. Als Reaktion darauf bildet der Baum gleichzeitig eine Sekundärkrone (Unterkrone) aus. Bei der Buche stirbt diese belaubte Unterkrone baumartbedingt oftmals in wenigen Jahren ebenfalls ab. Eichen können sich hingegen durchaus wieder erholen.
Mittelfristig werden sehr wahrscheinlich vermehrt Buchen in Altholzbeständen absterben und aufgrund von Morschungen o. ä. nicht mehr verkehrssicher sein. Die dadurch entstehenden Lücken im Kronendach bieten jedoch die Möglichkeit, aufkommende Naturverjüngung zu fördern und dadurch eine femelartige (auf vielen Kleinflächen) Verjüngung zu etablieren. Altbuchenbestände in Osterfeld südlich der Bottroper Straße bereiten weiterhin Grund zur Sorge. Durch die gesteigerte Attraktivität des Freizeitangebotes wurde hier, ein zusätzlicher Besucherverkehr eröffnet, der die Gewährleistung der Verkehrssicherheit bezüglich des Altbuchenbestandes vor große Probleme stellt. Diese kann nur durch einen erheblich höheren Aufwand für Kontrolle und Baumpflege sichergestellt werden.
An dieser Stelle ist zu erwähnen, dass die FMR mbH laut der Vereinbarung über die „Unterhaltungs- und Verkehrssicherungspflicht auf den Wegen innerhalb des Revierparks Vonderort“ zwischen der Stadt Oberhausen und der Revierpark Vonderort GmbH aus dem Jahre 2002 für die Gewährleistung der Verkehrssicherheit auf den Wegen selbst verantwortlich ist
3. Forstliche Planung für das Forstwirtschaftsjahr 2026
3.1 Aufforstungen
Aufforstungen können nur in Waldbereichen angelegt werden, wenn dort ausreichender Lichteinfall auf den Boden besteht, der das Pflanzenwachstum ermöglicht. Die wenigen Wildwiesen im Stadtwald sollen als solche erhalten bleiben und das Waldbild bereichern und zur ökologischen Vielfalt beitragen.
Als Flächen für Aufforstungen werden daher meist Lücken oder Lichtungen in Altholzbeständen genutzt, die durch natürliche Ereignisse oder Fällungen entstanden sind.
Hier sollen in 2026 ca. 2.000 Forstpflanzen verschiedener Baumarten zur Unterstützung der Verjüngung des Waldes ausgebracht werden.
3.2 Durchforstungen
Der Holzmarkt zeigt sich stabil, sowohl beim Nadel- als auch beim Laubholz sind Preise und Nachfrage auf hohem Niveau. Brennholz wird weiterhin rege nachgefragt, weil viele Verbraucher wieder mit Kaminöfen heizen oder auf Holzheizungen umstellen.
Von den insgesamt 476 ha des Stadtwaldes können tatsächlich max. 342 ha überhaupt forstlich bewirtschaftet werden. Bei den übrigen 126 ha handelt es sich um versprengte Klein- und Kleinstflächen im gesamten Stadtgebiet, Stilllegungsflächen und Parkwaldflächen, deren forstliche Nutzung unter Berücksichtigung ihrer Lage und deren Bedeutung für die Erholung nicht durchführbar ist.
Die Nutzungsmenge bei Holzerntemaßnahmen soll 50 % des Zuwachses einer Planungsperiode einschließlich Kalamitätsholz nicht überschreiten.
Im Forstwirtschaftsjahr 2026 sollen ca. 800 FM Holz eingeschlagen werden. Die Berechnungen der neuen Forsteinrichtung haben ergeben, das in einem Jahr im Stadtwald 2.296 FM Holz nachwachsen, sodass die Nachhaltigkeit der Holznutzung deutlich gewährleistet bleibt. Die Gesamtmasse des Holzvolumens im Wald wird demzufolge stetig vermehrt.
Die Ausführung der geplanten Durchforstungsarbeiten sind in den Waldgebieten Hühnerheide, im Sterkrader Wald und im Stadtwald Osterfeld geplant.
Dabei werden die ökologisch sensiblen Fortpflanzungszeiten waldgebundener Arten berücksichtigt. Baumfällmaßnahmen im Rahmen der Waldpflege werden daher möglichst nur in der Zeit vom 01. September bis 31. März stattfinden. Das Holzrücken kann aus Gründen des Bodenschutzes bei Frost und trockener Witterung durchgeführt werden. Sind diese Bedingungen im Winter 2026 nicht gegeben, ist die Durchführung im Spätsommer möglich, da die Waldböden zu dieser Zeit aufgrund geringen Bodenwassergehalte ihre höchste Tragfähigkeit aufweisen und somit geringere Bodenschäden zu erwarten sind.
Aus artenschutzfachlicher Sicht ist das Holzrücken in diesen Zeiträumen in der Regel unbedenklich, sofern besetzte Horste und Höhlen berücksichtigt werden. Zur umfassenden Wahrung der Belange des Naturschutzes erfolgt eine vorherige Abstimmung der Maßnahmen mit der UNB.
Baumfällungen zur Herstellung der Verkehrssicherheit im Wald sind nicht Bestandteil der Waldpflege und daher ganzjährig notwendig und möglich. Hier ist durchaus auch unverzüglicher Handlungsbedarf notwendig.
Abgestorbene, geschädigte oder Bäume mit Höhlungen, die abseits der Wege und Verkehrsflächen stehen, werden im Wald belassen, damit diese weiterhin die wichtigen ökologischen Aufgaben als Brutstätte für Vögel oder als stehendes und/oder liegendes Totholz erfüllen können.
Insgesamt dienen alle Pflege- und Fällmaßnahmen im Stadtwald dazu, die vorhandenen Wälder nachhaltig zu sichern und die Altbestände so zu verjüngen, dass eine Dauerbestockung gewährleistet ist und der Erholungswert des Waldes für die Bürger erhalten bleibt.
Ein Verzicht auf regelmäßige Durchforstungen kann langfristig zu einer Vergreisung von Waldbeständen und letztendlich zum möglichen Zusammenbruch ganzer Waldstrukturen, führen, sodass die vielfältigen Waldfunktionen dann für längere Zeit erheblich eingeschränkt wären, ohne dass der ökologische Zustand verbessert würde.
Um die Maßnahmen den Bürgerinnen und Bürgern beispielhaft zu erläutern, bietet die Verwaltung, wie in den letzten Jahren, exemplarisch Ortsbegehungen an.
Die geplanten Maßnahmen werden der interessierten Bevölkerung am Beispiel eines zu durchforstenden Waldes im Rahmen eines Ortstermins am 04.12.2025 im Sterkrader Wald beispielhaft erläutert. Die Ortsbegehung beginnt um 15:30 Uhr. Treffpunkt ist der Standort der freiwilligen Feuerwehr an der Falkestraße in Königshardt.
In Osterfeld wird dieser Termin am 08.12.2025, ebenfalls um 15:30 stattfinden. Treffpunkt ist der Parkplatz an der Koppenburgstraße Ecke Nürnberger Straße.
Kurzfassung
Im Forstwirtschaftsjahr 2026 sollen im Zuge der Holzernte 800 Festmeter Holz geerntet werden.
Lücken oder Freiflächen in Wäldern in der Altersphase, die durch Ausfälle von Einzelbäumen entstanden sind, sollen zur natürlichen oder künstlichen Verjüngung des Waldes genutzt werden. Hierzu sollen in 2026 ca. 2.000 Forstpflanzen verschiedener Baumarten zur Unterstützung der Verjüngung des Waldes ausgebracht werden.
Die geplanten Maßnahmen werden der interessierten Bevölkerung exemplarisch im Rahmen von zwei Ortsterminen vorgestellt:
- am 04.12.2025 um 15:30 Uhr im Sterkrader Wald an der Falkestraße 39 am Stützpunkt der Freiwilligen Feuerwehr Königshardt
- am 08.12.2025 um 15:30 im Stadtwald Osterfeld Parkplatz Koppenburgstraße Ecke Nürnberger Straße
