Berichtsvorlage - M/17/6778

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Sachverhalt

Der nunmehr vierte Sozialbericht aktualisiert den Sozialindex und bietet eine noch kompaktere Grundlage zur Steuerungsunterstützung bei der Armuts(folgen)bekämpfung. Dabei zeigt sich, dass sich die Armutsrisiken innerhalb des Stadtgebietes weiterhin räumlich konzentrieren, jedoch positive Entwicklungen erkennbar sind. Nach einer kurzen Beschreibung, wie sich die Sozialplanung seit dem letzten Sozialbericht weiterentwickelt hat, folgt ein Exkurs zu den Lebenslagen von Alleinerziehenden sowie der Sozialindex als zentraler Baustein des Berichtes. Die Fokusbetrachtung der auffälligen Sozialquartiere wurde auf das Wesentliche reduziert, wodurch der Bericht, trotz des Exkurses, noch übersichtlicher geworden ist als die vergangenen.

 

Der Sozialindex als Steuerungsinstrument

 

Der Oberhausener Sozialbericht stellt mit dem Sozialindex eine einheitliche und systematische Basis zur Steuerungsunterstützung der kommunalen Verwaltung, der kommunalen Sozialpolitik und der vielfältigen Oberhausener Träger*innenlandschaft dar. Als transparente Entscheidungsgrundlage ermöglicht der Sozialbericht einerseits gezielte Investitionen zur Förderung der Chancengleichheit und verbessert andererseits die Verteilungsgerechtigkeit bei knappen Ressourcen.

Der Sozialindex wird erneut zur Erstellung des aktuellen Kinder- und Jugendförderplans und des Spielraumentwicklungsplans herangezogen und findet auch in immer mehr Bereichen Berücksichtigung, wie bspw. im Rahmen der Planungskonferenz oder der Klimaanpassung und Hitzeaktionsplanung.

Überdies konnten die bisherigen Sozialberichte und Strategiepapiere innerhalb der Verwaltung und von Wohlfahrtsverbänden dazu genutzt werden, Förderanträge zu stellen und zusätzliche Ressourcen zu akquirieren.

 

Zentrale Ergebnisse

 

Die Aktualisierung des Sozialindex 2024 sowie die vertiefte Analyse der Fokusquartiere zeigen, dass Armutsrisiken in Oberhausen weiterhin räumlich konzentriert auftreten. Gleichzeitig lassen sich positive Entwicklungen erkennen, die auf eine Stabilisierung in mehreren Quartieren hindeuten.

Insgesamt wurden sieben Sozialquartiere – Innenstadt, Lirich-Süd, Brücktorviertel, Marienviertel-Ost, Osterfeld-Mitte/Vonderort, Sterkrade-Mitte und Rothebusch – als Fokusquartiere identifiziert und näher betrachtet. Neben den Anteilen und Anzahlen der jeweiligen Zielgruppen des Sozialindex wird bei der Fokusbetrachtung der Sozialquartiere die Anzahl der lokalen sozialrelevanten Institutionen laut Sozialnavigator angeführt.

Dabei ist zu beachten, dass die einfache Gegenüberstellung von Zielgruppen und der Anzahl an Institutionen lediglich der Orientierung dient. Sie ersetzt keine konkrete Bedarfsermittlung und trifft keine Aussagen darüber, ob das lokale Angebot passend oder ausreichend ist. Alle Institutionen und Fachplanungen sind eingeladen, ihre Angebotsstrukturen mit den vorliegenden Daten abzugleichen.

 

Die Innenstadt und Lirich-Süd weisen nach wie vor hohe Anteile an Menschen auf, die ein erhöhtes Risiko für soziale Benachteiligung tragen. In Lirich-Süd ist das Armutsrisiko jedoch zuletzt gesunken. Auch in anderen Quartieren mit zuvor negativen Entwicklungen zeigen sich stabile oder leicht positive Tendenzen. Zugleich ist in einigen bislang weniger auffälligen Quartieren – wie Rothebusch oder Sterkrade-Mitte – ein Anstieg potentieller Unterstützungsbedarfe feststellbar. Dabei bleibt das Armutsrisiko in Rothebusch auf durchschnittlichem Niveau, während sich in Sterkrade-Mitte die Bedarfe vor allem auf den Innenstadtbereich konzentrieren.

 

Stadtweit ist eine zunehmende soziale Durchmischung zu beobachten, was als positive Entwicklung zu werten ist, da es Chancen für mehr Teilhabe und Austausch bietet. Die kriegsbedingte Fluchtbewegung aus der Ukraine hat zu Veränderungen in mehreren sozialstrukturellen Indikatoren gleichzeitig geführt. Dies liegt u.a. daran, dass für Geflüchtete aus der Ukraine das SGB II und nicht wie üblich das AsylbLG Anwendung findet. Überdies sind Familien häufig ohne Väter angekommen und gelten daher statistisch als Alleinerziehend. Insgesamt hat die Aufnahme von Geflüchteten aus der Ukraine nicht dazu geführt, dass sich die Armutsrisiken in den Sozialquartieren mit bereits erhöhtem Armutsrisiko weiter verstärken. Die geflohenen Menschen konnten in verschiedenen Sozialquartieren Zuflucht finden – lediglich in Rothebusch kommt es aufgrund einer Gemeinschaftsunterkunft zu statistischen Auffälligkeiten.

 

Der Anteil der Einwohner*innen mit Migrationshintergrund ist in allen Sozialquartieren gestiegen. Der Anstieg ist aufgrund von Fluchtbewegungen jedoch nicht unerwartet. Die Verteilung auf alle Sozialquartiere ist positiv, da sie einer Segregation entgegenwirkt.

 

Der Anteil großer Familien und Alleinerziehender ist in den letzten Jahren gewachsen. Dies stellt besondere Anforderungen an die Gestaltung von Wohnraum und Unterstützungsstrukturen.

 

Die Quote der Menschen, die auf Leistungen nach dem SGB II angewiesen sind, ist in fast allen Quartieren rückläufig. Dieser Rückgang ist jedoch vor allem auf das Bevölkerungswachstum zurückzuführen – die Zahl der Menschen, die Unterstützung benötigen, bleibt weitgehend konstant. Gleiches zeigt sich bei der Kinderarmutsquote. Diese ist zwar leicht zurückgegangen, die Zahl der betroffenen Kinder jedoch gestiegen. In der Innenstadt und in Lirich-Süd lebt weiterhin mehr als jedes zweite Kind in einem Haushalt mit Bezug von SGB-II-Leistungen.

 

Im Bereich der Altersarmut zeigt sich eine weitere Zunahme in fast allen Sozialquartieren. Mit Blick auf den demografischen Wandel wird diesem Thema eine hohe Bedeutung zugeschrieben. Die Sozialplanung und die Alten- und Pflegeplanung stehen hier in einem engen Austausch.

 

Zur Weiterentwicklung der sozialen Infrastruktur wurden im Rahmen der Expert*innendialoge 2022 insgesamt 42 Handlungsempfehlungen erarbeitet. Diese sind in sozialraumbezogenen Strategiepapieren sowie in einer Gesamtübersicht online zugänglich. Sie sollen dabei helfen, gezielte Angebote vor Ort zu entwickeln und bestehende Strukturen weiterzuentwickeln. Die Handlungsempfehlungen wurden in diversen Gremien intern und extern vorgestellt und diskutiert. Die Umsetzungsstände der Handlungsempfehlungen wurden kürzlich einem Monitoring unterzogen. Die Ergebnisse dienen der Aktualisierung der Handlungsempfehlungen im Rahmen der kommenden Expert*innendialoge.

 

Weiteres Verfahren

 

Nach der Veröffentlichung des Sozialberichtes werden die jeweils lokal relevanten Ergebnisse in den Oberhausener Sozialraumgremien vorgestellt.

Bei Bedarf kann der Sozialbericht in weiteren Gremien und Facharbeitskreisen vorgestellt werden.

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Anlagen

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