Berichtsvorlage - M/17/6621

Reduzieren

Beratungsfolge

Reduzieren

Bezug

Kein Bezug

Reduzieren

Sachverhalt

Seit 1989 führt der Fachbereich Statistik im Auftrag des Rates der Stadt Oberhausen regelmäßig eine Bürgerinnen- u. Bürgerbefragung durch. Zentrales Ziel dieser Befragungen ist der Dialog mit den Bürgerinnen und Bürgern. Es sollen Anhaltspunkte für Entscheidungen gewonnen und der Stadtverwaltungen sowie weiteren Adressaten Informationen über die Lebenssituationen der Oberhausener Bürgerinnen u. Bürger geliefert werden. Dabei fließen Meinungen, Vorstellungen, Erfahrungen und Prioritäten, die das städtische Leben betreffen, mit ein.

Die Befragung ist als Mehrthemenbefragung angelegt und findet grundsätzlich alle zwei Jahre statt. Neben dem üblichen Standardmodul wurden bei dieser Befragung auch wieder aktuelle Themen in variablen Frageblöcken aufgenommen (z. B. aktuelle Themen aus verschiedenen Fachbereichen, Sonderthema „Einsamkeit“ im Auftrag des Rates). Die Befragung 2024 enthielt so beispielsweise Fragen zum Thema Wohnen, soziales Miteinander/Einsamkeit, Online-Service-Leistungen der Stadtverwaltung oder auch Maßnahmen/Projekte der zukünftigen Stadtentwicklung. Damit setzt die Befragung die Tradition einer soliden Längsschnittbetrachtung genauso fort, wie die Akzentuierung jeweils interessanter Einzelthemen.

Der aktuelle Befragungszeitraum der Umfrage „Leben in Oberhausen 2024“ lag in der Zeit vom 05.10.2024 bis 17.11.2024. Insgesamt wurden 12.000 Oberhausener Bürgerinnen u. Bürger im Alter von 16 bis 80 Jahren mit der Bitte angeschrieben, sich an der Umfrage zu beteiligen. Die Altersgruppe wurde im Vergleich zur Befragung 2022 somit um die 16- und 17-Jährigen erweitert.

Mit Blick auf die Digitalisierungsbemühungen der Stadtverwaltung fand die Befragung 2024 erstmalig primär als Online-Befragung statt. Neben dem Anschreiben des Oberbürgermeisters und dem bereitgestellten Befragungslink für die Online-Variante erhielten die Bürgerinnen u. Bürger beim Erstversand keinen Papierfragebogen (dieser war jedoch auf Anfrage erhältlich). Entsprechend hoch ist der Anteil derjenigen, die letztlich online teilgenommen haben (93 Prozent vs. Papierform: 7 Prozent ). Vor dem Hintergrund der damit verbundenen Kosteneinsparung konnten im Vergleich zur Befragung in 2022 mehr Bürgerinnen u. Bürger angeschrieben (12.000 vs. 7.000) und ein höherer Rücklauf (in absoluten Zahlen betrachtet) erzielt werden.

Insgesamt haben sich 2.461 Oberhausener Bürgerinnen und Bürger an der Befragung beteiligt (Vgl. 2022: n=1.678). Dies entspricht einer Rücklaufquote von 21 Prozent (Basis: Nettostichprobe ohne neutrale Ausfälle; 2022: 25 Prozent). Diese bewegt sich angesichts des Methodenwechsels im erwarteten Rahmen.

U.a. aufgrund des mehrfachen Methodenwechsels (z.B. Umstellung von persönlichen Interviews auf Hybridbefragung, Online-Fragebogen als Primärzugang, Ausweitung der Altersgrenzen) über die vergangenen Jahre hinweg sind die Ergebnisse der verschiedenen Befragungsjahre nur bedingt miteinander vergleichbar. Gleichwohl zielt die Befragung darauf ab, auch längerfristige Trends und Entwicklungen sichtbar zu machen.

Der vorliegende Bericht bietet einen Gesamtüberblick über die Ergebnisse der Umfrage „Leben in Oberhausen 2024“.

Darüber hinaus sind im Anhang ausgewählte Ergebnisse der Befragung in Form einer Kurzpräsentation enthalten. Die entsprechenden Erläuterungen und Hinweise (auch aus den jeweiligen Fachämtern) dazu finden sich nachfolgend.

 

Städtische Lebensbedingungen / Lebensqualität

Drei Viertel der Befragten lebt gerne in Oberhausen – im Vergleich zur Befragung 2022 ist dieser Wert stabil. 43 Prozent der Befragten sind mit der Lebensqualität in Oberhausen zufrieden bis sehr zufrieden. Die gegenwärtige wirtschaftliche Lage Oberhausens wird deutlich schlechter beurteilt als die eigene wirtschaftliche Lage (sehr gut / gut: 13 Prozent vs. 65 Prozent). Das Auseinanderklaffen bei der Bewertung der persönlichen und der allgemeinen wirtschaftlichen Lage ist ein Effekt, der sich bei vielen Befragungen dieser Art zeigt.

Die Zufriedenheit (sehr zufrieden/zufrieden) mit der Wohnung/dem Haus (81 Prozent) sowie dem jeweiligen Stadtteil (66 Prozent) bleibt stabil hoch. Abgesunken gegenüber 2022 ist allerdings die Zufriedenheit mit der Gesamtstadt (2024: 38 Prozent, 2022: 47 Prozent). Die Dynamik einer abnehmenden Zufriedenheit bei großräumigerer Betrachtung liegt im allgemein stabilen Trend. Üblicherweise wird das direkte Nahumfeld immer besser bewertet als die jeweils weiter entfernten Stadträume bzw. die Gesamtstadt.

 

Wichtigkeit und Zufriedenheit – (Versorgungs-)Angebote

Die Teilnehmenden hatten die Möglichkeit eine Vielzahl von (Versorgungs-)Angeboten nach Wichtigkeit und Zufriedenheit zu beurteilen. Indizien für Handlungsbedarfe zeigen sich üblicherweise dort, wo die Wichtigkeit hoch und die Zufriedenheit gering eingeschätzt wird. Die genannten Themenfelder rangieren auf einem Kontinuum von direkt und vgl. kurzfristig durch die Stadtverwaltung gestaltbaren Fragen bis zu bestenfalls langfristig und indirekt beeinflussbaren Themen. Insofern liefert die Befragung ggf. auch für Dritte einen Mehrwert (beispielsweise Verkehrsbetriebe, Polizei, etc.).

Der Anteil derjenigen, die sehr zufrieden / zufrieden sind, ist bei den nachfolgenden Angeboten

o   am höchsten: Wohnortnahe Einkaufsmöglichkeiten (77%), Bildungsangebote (53%), Kulturelle Angebote (51%), Medizinische Versorgung (50%).

o   am niedrigsten: Verkehr / Verkehrssituation (16%), Schwimmbäder (20%), Sauberkeit von Straßen und Plätzen (21%), Angebote für Jugendliche (23%)

 

Angebote, bei denen Wunsch (Wichtigkeit) und Wirklichkeit (Zufriedenheit)

o   am meisten beieinanderliegen sind: Wohnortnahe Einkaufsmöglichkeiten, Kulturelle Angebote, Bildungsangebote

o   am meisten auseinanderliegen: Verkehr / Verkehrssituation, Sauberkeit von Straßen und Plätzen, Öffentliche Sicherheit und Ordnung

 

Kulturelle Angebote (+ 6 Prozentpunkte) und die Sportanlagen/Sporthallen (+ 5 Prozentpunkte) werden systematisch besser bewertet als vor zwei Jahren. Zu den möglichen Erklärungen gehören beispielsweise: die Wiedereröffnung des Metronom Theaters, erfolgreiche Ausstellungen im Gasometer und in der Ludwiggalerie, Investitionen durch Fördergelder in neue Sport- und Freizeitanlagen für jede Altersklasse (z. B. Bewegungs- und Begegnungspark Borbeck, urbane Sport- und Freizeitanlage Schmachtendorf etc.) usw.

Die medizinische Versorgung schneidet schlechter ab als bei der Befragung 2022 (-7 Prozentpunkte). Mögliche Erklärungsansätze dafür könnten die Schließung des St. Marienhospitals in Osterfeld und die öffentlichen Debatten über die Krankenhausreformen des Landes und des Bundes sein.

Die Öffentliche Sicherheit und Ordnung wird schlechter bewertet als in 2022 (-7 Prozentpunkte), hier zeigt sich allerdings ein allgemeiner Trend (vgl. ausführlicher hierzu den nachfolgenden Abschnitt zur öffentlichen Sicherheit).

 

 Wichtigkeit und Zufriedenheit – Städtische Serviceleistungen

Insgesamt zeigt sich ein positiver Trend bei den städtischen Serviceleistungen. Die Bewertung der Barrierefreiheit hat sich im Vergleich zur Befragung 2022 deutlich verbessert (+ 19 Prozentpunkte) und liegt nun bei 58 Prozent Zufriedenheit (sehr zufrieden / zufrieden). Mögliche Erklärungen sind beispielsweise der barrierefreie Ausbau des Sozialrathauses an der Essener Straße, die Ausstattung des ehemaligen Zinkweißgebäudes als Sitz des Büros für Chancengleichheit mit einem Aufzug und einer Rampe, barrierefreie Zugänge und barrierefreie Toiletten für die Schillerschule für Kinder und Jugendliche mit Förderbedarf usw.

Auch bei den nachfolgenden Serviceleistungen haben sich die Zufriedenheitswerte im Vergleich zu 2022 deutlich verbessert: Terminvergabe (+ 17 Prozentpunkte), Bearbeitungszeit (+ 12 Prozentpunkte), Öffnungszeiten (+ 11 Prozentpunkte), Verständlichkeit von Formularen (+ 11 Prozentpunkte), fachliche Beratung (+ 10 Prozentpunkte).

Der Anteil derjenigen, die sehr zufrieden / zufrieden sind, ist bei den nachfolgenden Serviceleistungen

o   am höchsten: Online-Terminvergabe (64%), Barrierefreiheit (58%), Fachliche Beratung (57%), Bewohnerparkausweis online beantragen (55%), Online-Urkundenservice (55%)

o   am niedrigsten: Telefonische Erreichbarkeit der Stadtverwaltung (27%), kommunaler Ordnungsdienst (31%), Bürgerbeteiligung (36%), Verständlichkeit der Formulare (48%), Terminvergabe (48%)

 

Angebote, bei denen Wunsch (Wichtigkeit) und Wirklichkeit (Zufriedenheit)

o   am meisten beieinanderliegen sind: Bewohnerparkausweis online beantragen, Online-Gewerbeanmeldung, Barrierefreiheit

o   am meisten auseinanderliegen: Telefonische Erreichbarkeit der Stadtverwaltung, Terminvergabe, Verständlichkeit der Formulare.

  

Öffentliche Sicherheit

Insgesamt zeigt sich auch in Oberhausen die Zunahme eines allgemeinen Unsicherheitsgefühls. Das gilt insbesondere für den öffentlichen Raum (Plätze, öffentliche Verkehrsmittel, Innenstädte).

Während sich die Mehrheit tagsüber in ihrem direkten Wohnumfeld sicher fühlt, zeigt die Umfrage Rückgänge im subjektiven Sicherheitsempfinden in verschiedenen Bereichen – vor allem in öffentlichen Verkehrsmitteln (-14 Prozentpunkte tagsüber; -9 Prozentpunkte bei Dunkelheit).

Dieser Trend deckt sich weitgehend mit analogen Entwicklungen insgesamt in Deutschland. Hier hat in den vergangenen Jahren das Unsicherheitsgefühl zugenommen (wenngleich dieses nicht immer objektiv gedeckt ist von den realen Entwicklungen). Dies untermauern auch aktuelle Umfragen. Das Meinungsforschungsinstitut INSA ermittelte beispielsweise, dass sich deutschlandweit 47 Prozent der Befragten auf öffentlichen Plätzen und Straßen in den letzten fünf Jahren unsicherer fühlen als zuvor.

Dieses subjektive Sicherheitsgefühl korrespondiert dabei nicht unbedingt mit der objektiven Sicherheitslage. Weiterhin und seit vielen Jahren stabil, ist Oberhausen gemessen an der Zahl der Straftaten je 100.000 Einwohnern die siebtsicherste Großstadt in Deutschland.

 

Wichtigkeit und Zufriedenheit – Informationsangebote

Im Vergleich zu 2022 bewerteten die Befragten vor allem die städtische Instagram-Präsenz (+ 12 Prozentpunkte) als auch die Broschüren/Flyer (+ 8 Prozentpunkte) der Stadtverwaltung besser. Die Zufriedenheitswerte sind bei „Oh! Das Stadtmagazin Oberhausen“ am höchsten (70 Prozent). Mit Blick auf die anderen aufgeführten Informationsangebote zeigt sich etwa die Hälfte der Befragten zufrieden bis sehr zufrieden.

Die Diversifizierung der Informationskanäle von Seiten der Stadt deckt sich mit dem Gesamteindruck, dass insgesamt die Bedeutsamkeit der jeweils einzelnen Informationsmöglichkeiten auf Seiten der Bürgerschaft vergleichsweise gering ausfällt. D.h. es gibt nicht die eine Informationsplattform, über welche die Stadt ihre Bürgerinnen und Bürger erreicht. Das spricht dafür, auch künftig zahlreiche und sehr unterschiedliche Informationsmöglichkeiten von Seiten der Stadt zu nutzen und aktiv zu bespielen und die Diversifikation der Informationskanäle weiter positiv zu nutzen.

Mit Blick auf die zukünftige Stadtentwicklung zählen aus Sicht der Oberhausenerinnen und Oberhausener vor allem Maßnahmen für Sauberkeit, Sicherheit und Ordnung (44 Prozent), die Finanzentwicklung der Stadt sowie Armut und sozialen Ausgrenzung als wichtigste Herausforderungen, denen sich die Stadt Oberhausen zukünftig stellen muss.

 

Reduzieren

Anlagen

Loading...