Berichtsvorlage - M/17/6422

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Sachverhalt

1. Einleitung

 

Die Schüler:innenzahlen in den Oberhausener Schulen sind in den vergangenen Jahren stetig gestiegen. Die aktualisierten Prognosedaten weisen darauf hin, dass sich dieser Trend in den kommenden Jahren fortsetzen wird. Erst in ferner Zukunft (ab dem SJ 2029/30) zeigen die aktuellen Daten abnehmende Bedarfe. Dabei ist darauf hinzuweisen, dass die Prognosen neue Entwicklungen in der Bevölkerung nur bedingt berücksichtigen können und es viele Einflussfaktoren gibt, die sich nicht prognostizieren lassen.

Für die kommenden Jahre müssen daher sehr zeitnah schulorganisatorische sowie bauliche Maßnahmen ergriffen werden, um ausreichende Platzkapazitäten im Rahmen des gesetzlichen Auftrags zu schaffen.

Im Rahmen dieser Berichtsvorlage werden die Prognosen für die Grundschulen und die Schulen der Sekundarstufe I, Jahrgang 5 dargestellt und erläutert. Zudem wird die Situation der Förderschulen und hier insbesondere der Förderschwerpunkt Geistige Entwicklung betrachtet.

 

Die Prognosen der Schulentwicklungsplanung basieren auf den folgenden zwei Datenquellen:

  1.       Bevölkerungsbestand der unter Siebenjährigen nach Sozialräumen (Stichtag 31.12.2023, Quelle: Fachbereich Statistik), differenziert nach Geburtsjahr und -monat: Die Daten erlauben, die Schülerzahlen der kommenden Jahre (bis 2033 / 2034) einzuschätzen. Eine aktualisierte Datengrundlage vom 31.12.2024 wird es seitens der Statistikstelle im Laufe des Monats März 2025 geben.
  2.       Daten der Schulverwaltungssoftware SchILDzentral, die von den Schulen eingegeben und vom Schulträger abgerufen werden. Neben der Ermittlung tagesgenauer, schul- und klassenbezogener Schülerzahlen können diese Daten ebenfalls zur Prognose der Sekundarstufe I verwendet werden, da sie die bereits im Grundschulsystem befindlichen Kohorten abbilden.

Mit Blick auf die Reliabilität der Daten ist wichtig zu betonen, dass sich die Zahlen nur auf diejenigen Kinder beziehen, die derzeit an einer Oberhausener Grundschule eingeschult sind (bis Schuljahr 2028/2029) bzw. die derzeit in Oberhausen gemeldet sind (ab Schuljahr 2029/2030). Um etwaige Zuzüge mit berücksichtigen zu können, wurde zudem ein Faktor auf Basis der Bestandsdaten/-veränderungen, bereinigt um die flüchtlingsbedingten Zuzüge, berechnet. Dieser fließt in die Prognose mit ein.

Schwer zu prognostizierende Einflussfaktoren auf die Schülerzahlentwicklung sind:

  •                       Zuzug von Flüchtlingen / Kinder mit Erstförderung (Seiteneinsteiger:innen)
  •                       Zuzüge bedingt durch günstigen Wohnraum
  •                       Größe der Familien / Kinderanzahl
  •                       Verweildauer in der Schuleingangsphase (Anzahl an Wiederholer:innen in Jgst. 1 & 2 steigt) sowie Wiederholer:innen in der Sekundarstufe I
  •                       Schulformwechsler:innen vom Gymnasium auf die Real- oder Gesamtschule
  •                       Anzahl der Kinder mit sonderpädagogischen Förderbedarfen (Zahlen steigend)

 

 

1. Grundschulen

 

Aktuell sind die Grundschulen hoch frequentiert und die Klassen im Rahmen der gesetzlichen Vorgaben voll besetzt. Langfristig zeigen die Daten aufgrund sinkender Geburtenzahlen allerdings eine Reduzierung der Schülerzahlen.

Abbildung 1 stellt auf Basis der Kinderbestandsdaten dar, wie sich die Zahlen der Grundschulschüler:innen im Jahrgang 1 über die nächsten Jahre inkl. der Annahme der Schulentwicklungsplanung zum Zuzug von Schüler:innen entwickeln (blauer durchgehender Graph). Der rote Graph stellt die Kapazitäten nach Beschluss dar.  

Abbildung 1: Entwicklung der Zahlen der Grundschulschüler:innen (Einschulung) bis 2029/30

 

Während bis zum Schuljahr 2027/28 die Zahl der eingeschulten Schüler:innen jeweils leicht über den Kapazitäten nach Beschluss liegt, fällt der Graph ab 2028/29 aufgrund der sinkenden Geburtenzahlen vergleichsweise stark ab.

In Ergänzung liefert die folgende Tabelle 1 eine Prognose über die Grundschulbedarfe nach Sozialräumen. Sind die Werte in roter Farbe dargestellt, übersteigen die prognostischen Schüler:innenzahlen der in die Grundschule übergehenden Kohorten die sozialräumliche Schulplatzkapazität, wie sie nach dem Ratsbeschluss im Jahr 2018 festgelegt wurden. Der Blick in die einzelnen Sozialräume verdeutlicht, dass hinsichtlich der Schulplatzversorgung Unterschiede bestehen: Insbesondere in den Sozialräumen 72, 75 und 76 liegen die prognostizierten Schüler:innenzahlen über den festgelegten Schulplatzkapazitäten.

 


Tabelle 2: Schüler:innenzahlentwicklung nach Geburts- und Einschulungsjahr für die Sozialräume im Stadtgebiet Oberhausen

Quelle: SchILD-Daten (Schuljahr 2025/26), Kinderbestandsdaten (ab Schuljahr 2026/27), eigene Berechnungen

 

Die Zahlen verdeutlichen, dass die Grundschulen aktuell hoch frequentiert und die Sozialräume unterschiedlich ausgelastet sind bzw. sein werden.

Wo nötig und aufgrund der vorhandenen Raumkapazitäten möglich, werden in den Sozialräumen mit fehlenden Schulplätzen zum Schuljahresbeginn 2025/2026 Mehrklassen bedarfsgerecht gebildet.

Auch wenn die Zahl der Grundschulschüler:innen derzeit leicht über den vorhandenen Kapazitäten liegt, kann aufgrund der sinkenden Geburtenzahlen davon ausgegangen werden, dass langfristig ausreichend Schulplätze vorhanden und somit keine Neubauten bzw. Schulneugründungen erforderlich sind. Der aktuelle erhöhte Bedarf kann über Zügigkeitserhöhungen und Mehrklassenbildung gedeckt werden. 

Schulraumschaffung durch multifunktionale Raumnutzung

Klassischerweise werden Flächen und Räume an Grundschulen additiv verwendet (z.B. getrennte Nutzung von Klassen- und OGS-Räumen). Vor dem Hintergrund der knappen Ressource ‚Fläche‘ ist es das Ziel der Oberhausener Schulentwicklungsplanung, Räumlichkeiten multifunktional zu nutzen: Die Räume sollten so gestaltet und flexibel möbliert werden, dass sie als multifunktionale Lernlandschaft über den gesamten Schultag hinweg genutzt werden können. Auch Fachräume können so gestaltet werden, dass sie durch unterschiedliche Professionen verwendet werden können. Die Räumlichkeiten der Grundschulen sollen mit Blick auf die Möglichkeit einer multifunktionalen Nutzung geprüft werden und gemeinsam mit den Schulen und OGS-Trägern entsprechende Konzepte, ggf. mit Hilfe externer Beratungsleistungen, erarbeitet werden.

Für multifunktionale Raumausstattungen sowie notwendige Umbaumaßnahmen werden Mittel aus den Förderprogrammen „Investitionsprogramm Ganztagsbetreuung“ und dem „Startchancenprogramm“ eingesetzt.

 

2. Sekundarstufe I

 

Abbildung 2 zeigt auf, wie sich die Zahl der Schüler:innen in Jahrgangsstufe 5 auf Basis der jetzigen Grundschulkohorten und der Kinderbestandsdaten inkl. der Annahmen der Schulentwicklungsplanung zum Zuzug von Schüler:innen entwickelt (blauer Graph). Der rote Graph stellt die bestehenden Kapazitäten im Status quo dar; der gestrichelte rote Graph skizziert, wie sich die Kapazitäten mit entsprechenden Maßnahmen entwickeln.

Abbildung 2: Entwicklung der Schülerzahlen und der Kapazitäten (nach geplanten Maßnahmen) bis zum Schuljahr 2032/33

 

Es wird deutlich, dass aufgrund der aktuellen Daten zum Jahr 2027/28 ein Peak i.H.v. ca. 2.315 Schüler:innen erreicht wird. Hierbei handelt es sich um den derzeitigen zweiten Jahrgang der Oberhausener Grundschulen inkl. der Zuzugsannahme der Schulentwicklungsplanung.

Im Schuljahr 2027/28 beläuft sich das Delta der fehlenden Schulplätze damit auf 341 Plätze. In den vorhandenen Kapazitäten ist bereits berücksichtigt, dass die Gesamtschule an der Knappenstraße ab dem kommenden Schuljahr 2025/26 sechs Klassen aufnimmt und die Gesamtschule Weierheide ab dem Schuljahr 2027/28 sechszügig wird.

Es sind daher kurz- und mittelfristig Maßnahmen einzuleiten, um die Anzahl der zur Verfügung stehenden Schulplätze in der Sekundarstufe I, Jahrgang 5 zu erhöhen.

Folgende Maßnahmen müssen dafür in den Blick genommen werden:

  • Zügigkeitserhöhung an Real- und Gesamtschulen
  • Aussetzen der Reduktion der Klassenstärken an weiterführenden Schulen des Gemeinsamen Lernens (B/16/4543-01)
  • Ggf. Schulneugründungen
  • Mehrklassenbildung insbesondere zur Erfüllung des Schüler:innen- und Elternwillens
  • Prüfung Raumkapazitäten der Schulgebäude
  • Schaffung zusätzlicher Raumkapazitäten, Umbau-/Anbau/Sanierung
  • Instandsetzung und Nutzung alter Schulgebäude
  • Erarbeitung neuer Raumkonzepte, multifunktionale Nutzung, Überarbeitung Schulbauleitlinien

 

Bei der Planung ist zu berücksichtigen, dass ausreichend Schulkapazitäten in den unterschiedlichen Schulformen vorhanden bzw. geschaffen werden müssen. Bei den vorgestellten Prognosedaten handelt es sich um Gesamtkapazitäten, bei denen die Kapazitäten der unterschiedlichen Schulformen keine Berücksichtigung finden. Für Schulformempfehlungen sowie für das Elternwahlverhalten lassen sich keine Prognosen ermitteln.

 

3. Förderschulen

 

Die Anzahl der Kinder an Förderschulen in Oberhausen (Glück-Auf-Schule, Schillerschule) hat sich in den vergangenen Jahren insgesamt erhöht. Zudem steigt die Anzahl der Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf insgesamt sowohl in den Förderschulen als auch im gemeinsamen Lernen kontinuierlich an. Der Schulträger ist qua Gesetz verpflichtet, sowohl Schulen des Gemeinsamen Lernens als auch spezielle Förderschulen vorzuhalten. Bei der Wahl der Schulform ist der Elternwille – der nicht prognostizierbar ist – entscheidend.

 

3.1 Förderschwerpunkt Geistige Entwicklung

 

Aktuell werden 341 Oberhausener Schüler:innen an der Schillerschule, Förderschule geistige Entwicklung, gefördert. Vor einigen Jahren waren es noch 100 junge Menschen weniger. Dabei ist zu beachten, dass sich die gewöhnliche Größe einer Förderschule auf 50-260 Schüler:innen beläuft.

Zum Schuljahr 2024/25 musste die Schillerschule, die ursprünglich als zweizügige Schule geplant war, fünf Parallelklassen aufnehmen, so dass die vorhandenen Raumkapazitäten nicht ausreichten. Dieser Umstand hatte zur Folge, dass die Schillerschule übergangsweise auf drei Standorte (Armin-, Lindner-, Hasenstraße) aufgeteilt werden musste.

Ein derart dynamischer Anstieg ist erstens planerisch nicht prognostizierbar und zweitens schulpädagogisch und -organisatorisch an einer einzelnen Schule nicht zu bewältigen. Da auch die aktuellen Schüleranmeldungen für das Schuljahr 25/26 die steigende Tendenz der Schülerzahlen fortsetzen, müssen Maßnahmen zur Reduktion der Schülerzahlen ergriffen werden. Dies kann nur über die Gründung einer neuen Förderschule Geistige Entwicklung gewährleistet werden. Im gemeinsamen Lernen sind bislang ausreichende Kapazitäten für die Aufnahme von Förderschüler:innen vorhanden.

 

3.2  Förderschwerpunkt Sprache Primarstufe

Die Stadt Oberhausen ist als Schulträger verpflichtet, ein Schulangebot für den Förderschwerpunkt Sprache Primar bereitzustellen. Aktuell besuchen 143 Kinder die Albert-Liebmann-Schule in Essen (Förderschule Sprache Primar) aufgrund eines Vertrages mit der Stadt Essen. Damit verbunden sind hohe Schulkostenbeiträge, die jährlich gemäß der Verwaltungsvereinbarung an die Stadt Essen zu entrichten sind, sowie die Problematik, geeignete und verlässliche Beförderungsunternehmen zu akquirieren und zu bezahlen.

Aufgrund der steigenden Zahlen sowie der o.g. Schwierigkeiten kommt daher perspektivisch auch die Gründung einer Oberhausener Förderschule mit dem Förderschwerpunkt Sprache Primar in Betracht. Hier bleibt die aktuelle Diskussion zu den Förderschwerpunkten sowie die allgemeine Entwicklung auf Landesebene abzuwarten.

 

  1. Ausblick

 

Der laufende Prozess der Schulentwicklungsplanung wurde in den letzten Monaten in einer breiten Beteiligung von Schulleitungen, unterer und oberer Schulaufsicht, Verwaltungsführung und schulpolitischen Sprecher:innen geführt. Für die Sekundarstufe I und die Förderschulen dauern die Diskussionen und Prüfungen noch an. Hierzu ist eine Beschlussvorlage bis zur Sommerpause vorgesehen.

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