Berichtsvorlage - M/17/6396

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Beratungsfolge

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Bezug

Ratsbeschluss „Projektliste Ruhrkonferenz“ (B/16/4876-01, 8.7.2019)

Ratsbeschluss „Masterplan Wirtschaft“ (B/16/5945-01, 14.9.2020)

Ratsbeschluss „0,5 Stelleneinrichtung zur Projektmitarbeit im Rahmen des Projektes „Zukunftscampus – Campus of Profession and Innovation“ (B/17/2038-01, 16.5.2022)

 

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Sachverhalt

Hintergrund

 

Mit dem Masterplan Wirtschaft ist unter dem Leitziel „Oberhausen ist qualifiziert“ die Vision eines „Campus of Profession and Innovation“ formuliert und beschlossen worden, um insbesondere die berufliche Ausbildung attraktiver zu machen und zu stärken (B/16/5945-01). Mit der Maßnahme sind folgende Ziele verbunden worden: Junge Menschen sollten eine exzellente berufliche Aus- und Weiterbildung genießen, berufliche Perspektiven erhalten und auf moderne Unternehmen treffen. Unternehmen wiederum sollten am Campus einen Ort für die Fachkräfteentwicklung entlang des eigenen Bedarfs sowie Raum und Netzwerke für Innovationen finden. Der enge Austausch zwischen Praxis, Ausbildung und angewandter Wissenschaft sollte eine bedarfsorientierte, flexible Aus- und Weiterbildung sicherstellen. Der Campus wurde in dieser Vision als Ökosystem, Begegnungsort und als ein Katalysator für Gründungen und neue Kooperationen verstanden. Eine moderne Infrastruktur und ein innovativer Ort sollten die Wahrnehmung von beruflicher Ausbildung verändern und mit veralteten
Bildern aufräumen.

 

Unter dem Begriff des „Zukunftscampus – Bildungszentren von morgen“ ist die Campusidee als „Vorhaben zur Umsetzung“ ausgewählt worden. Im Rahmen einer Förderung durch den Europäischen Sozialfonds für Deutschland (ESF) wurde zudem die Erstellung eines ausführlicheren Konzepts zum Zukunftscampus im Sinne einer Konzept- und Machbarkeitsstudie gefördert. Zu diesem Zweck wurde Mitte 2022 eine halbe Personalstelle eingerichtet und besetzt, deren Refinanzierung über die ESF-Förderung erfolgte (B/17/2038-01).

 

Das Projekt wurde mit einem Meilensteinbericht zum 31.3.2023 abgeschlossen. Ziel war es, auf Basis von Machbarkeitsanalysen eine mögliche Trägerstruktur, eine inhaltlich-fachliche Ausrichtung und geeignete Bildungsangebote inklusive digitaler Formate, mögliche Standorte sowie Finanzierungsmöglichkeiten für mögliche nächste Schritte einer Umsetzung zu definieren. Das Ergebnis zu all diesen Überlegungen liegt in Form eines Abschlussberichts vor und wurde im April 2023 in einem Feedbackgespräch mit dem Ministerium für Arbeit,
Gesundheit und Soziales des Landes NRW (MAGS), unterstützt durch die Gesellschaft für innovative Beschäftigungsförderung (GIB), erörtert (siehe Anlage).

 

 

Entwicklungsschritte

 

Inhaltliche Fokussierung

 

Im Zuge der inhaltlichen Beschäftigung mit der Idee des Zukunftscampus erfolgte eine schrittweise Konzentration auf einen inhaltlichen Kern. Die in Oberhausen vorhandene Kombination aus Unternehmensstruktur, Beschäftigungsentwicklung, Branchengewicht, wissenschaftlicher Expertise, Ausbildungspartnern, Akteurinnen vor Ort und inhaltlichen Kompetenzen führten zu einer Akzentuierung des Themas „Nachhaltiges Bauen und Stadtentwicklung“. Neben den spezifischen Branchen-Merkmalen und dem erkennbaren Fachkräftebedarf, waren die Rolle des Bausektors bei der Bewältigung der Klimakrise, der Anpassung an den Klimawandel, aber auch der Lösung sozialer Fragen, wie bspw. die Versorgung mit Wohnraum, zentral für diese Schwerpunktsetzung. Gleichzeitig weist kaum eine andere Branche so viel Potential auf, wenn es um Fragen der Digitalisierung und Automatisierung geht. Diese thematische Eingrenzung und Konzentration wurde vom MAGS NRW zudem nachdrücklich unterstützt.

 

Identifikation potentieller Partner

 

Die Ausbildung von Fachkräften in Bauberufen hat in Oberhausen eine lange Tradition und ist im Juni 2019 durch die Ansiedlung des Ausbildungszentrums (ABZ) des Berufsförderungswerks (BFW) der Bauindustrie NRW nachhaltig gestärkt worden. Dort werden jährlich rund 250 Auszubildende in Bauberufen während ihrer dreijährigen Ausbildung in rund 37 Wochen pro Jahr überbetrieblich ausgebildet und wochenweise untergebracht und verpflegt. Hierdurch ergab sich ein potentieller Nukleus für weitergehende Maßnahmen zur Stärkung der beruflichen Ausbildung im Sinne des Zukunftscampus.

 

In Zusammenarbeit des ABZ und der Universität Duisburg-Essen (UDE) wird seit Ende 2021 dem Bedarf für die Entwicklung und Einführung von Automatisierungs- und Robotertechnik im Bauwesen durch Konzeptionierung eines Kompetenzzentrums für Bauautomatisierung begegnet. Die Baubranche ist dabei angesichts der ausgeprägten Personalknappheit auf Innovationen in Technik und Ausbildung angewiesen, um den Bedarf an qualifiziertem
Personal auch nur annähernd zu decken.

 

Netzwerkaufbau

 

Die Zusammenarbeit dreier unterschiedlicher Partner (ABZ, UDE, Stadt Oberhausen) stellte eine Besonderheit im Rahmen der Vorüberlegungen zum Zukunftscampus dar. Um die wechselseitige Kooperationsbereitschaft zu dokumentieren, haben das Institut für Baubetrieb und Baumanagement sowie der Lehrstuhl für Mechatronik der Universität Duisburg-Essen, das Ausbildungszentrum des Berufsförderungswerks der Bauindustrie NRW in Oberhausen (ABZ) und die Stadt Oberhausen am 27.01.2023 eine Absichtserklärung zur gemeinsamem Etablierung eines „Zukunftscampus / Kompetenzzentrum für Digitalisierung und Automatisierung in der Bauwirtschaft“ geschlossen.

 

Neben dieser Kernkooperation der drei Haupttreiber des Projektes organisierte sich über die Projektlaufzeit hinweg ein Netzwerk aus Herstellern, Anwendern, Bildungseinrichtungen und anderen Institutionen, das die Idee des „Zukunftscampus“ am Standort Oberhausen grundsätzlich befürwortete und unterstützte.

 

Zur inhaltlichen und institutionellen Vernetzung all dieser Akteure organisierten die drei Projektpartner – Stadt Oberhausen, die UDE und das ABZ – am 01. März 2023 das Symposium „Digitalisierung, Automatisierung und Qualifizierung – Zukunft der Baubranche und Fachkräftesicherung“. Zudem diente die Veranstaltung dazu, das Vorhaben parallel zur finalen
Erstellung der Machbarkeitsstudie einer interessierten Öffentlichkeit vorzustellen. Der Einladung ins ABZ folgten rund 80 Personen aus den Bereichen Bildung, Politik, Forschung und Wirtschaft.

 

Unter den Teilnehmenden fanden sich auch Vertreter der beiden in der Landesregierung mit dem Thema befassten Ressorts: Josef Hovenjürgen, Parlamentarischer Staatssekretär im nordrhein-westfälischen Heimat- und Bauministerium sowie Matthias Heidmeier, Staatssekretär im Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales. Beide signalisierten ihre inhaltliche Unterstützung und ihre Bereitschaft, hinsichtlich der Umsetzung des Vorhabens auf Seiten der Landesregierung positiv einzuwirken.

 

Standortoptionen

 

Eine zentrale Prämisse des Zukunftscampus war, kein virtuelles Konstrukt, sondern einen gebauten Ort zu etablieren, der als erfahrbares räumliches Ensemble die Wertschätzung für die berufliche Ausbildung widerspiegelt. Dieser Ort sollte von vornherein ausreichend Entwicklungsraum, aber auch eine enge Vernetzung mit Kooperationspartnern des Projekts
ermöglichen.

 

Neben dem im Masterplan Neue Mitte verfolgten Innovationsquartier (Nähe zu Fraunhofer UMSICHT) war der Gartendom in Osterfeld (Nähe zum Ausbildungszentrum der Bauindustrie) in der engeren Auswahl und vertiefenden Prüfung als Standort. Eine Darstellung der inhaltlichen Abwägungen der jeweiligen Vor- und Nachteile findet sich in der Machbarkeitsstudie (siehe Anlage). In der Folge stand die Entscheidung, den Gartendom als Standort zu favorisieren.

 

Finanzierung (insbesondere der Option Gartendom)

Vor dem Hintergrund der Standorterwägungen konzentrierten sich die weiteren Überlegungen zum Zukunftscampus zunächst auf eine Ertüchtigung des Gartendoms. Dieser war im damaligen und ist im aktuellen Zustand nicht unmittelbar nutzbar. Gerade mit der Perspektive einer bildungs- und sozioinfrastrukturellen, gemeinbedarfsorientierten Um- bzw. Nachnutzung wären vielmehr umfassende bauliche Maßnahmen erforderlich. Entsprechende Sanierungs- und Herrichtungsarbeiten sind wesentliche Grundvoraussetzung für die Realisierung eines Zukunftscampus an diesem Standort.

 

Die Kosten für die Sanierung der Holzkonstruktion des Gartendoms in Höhe von 3,5 Mio. EUR wurden im Rahmen der Umsetzung des Integrierten Handlungskonzeptes „Soziale Stadt Osterfeld“ zum Stadterneuerungsprogramm (STEP) 2023 durch die Stadt Oberhausen zur Förderung (Stichtag: 30.09.2022) angemeldet und wurden nicht bewilligt.

 

Vorbereitende Untersuchungen im Herbst 2022 ergaben, dass sich auch das Dach des Gartendoms in einem insgesamt sehr schlechten Zustand befindet, woraus sich die Notwendigkeit einer weitergehenden Erneuerung ergibt. Da für die Instandsetzung der Holzkonstruktion ein aufwendiges Gerüst erstellt werden muss, wurde aus technologischen Gesichtspunkten empfohlen, in dem jeweiligen Abschnitt die Dachhaut parallel zu sanieren. Zu diesem Zweck hat die Stadt Oberhausen zum Stichtag 30.10.2023 erneut Fördermittel der Städtebauförderung in Höhe der entsprechend angepassten Summe von 7,5 Mio. EUR für die Sanierung der Holzkonstruktion und der Dachhaut des Gartendoms beantragt.

Im Frühjahr 2024 erhielt die Stadt Oberhausen von der Bezirksregierung Düsseldorf den Hinweis, dass das zur Verfügung stehende Fördervolumen für das gesamte Stadtgebiet durch die eingereichten Anträge deutlich überzeichnet sei. Deshalb priorisierte die Bezirksregierung Düsseldorf die zu fördernden Stadtgebiete bzw. Projekte. Die BR favorisierte eine Schwerpunktsetzung insbesondere bei der Aufwertung der Bahnhofstraße in Sterkrade und der Marktstraße. Der Förderantrag für den Gartendom vom Land Nordrhein-Westfalen wurde daher auch in diesem Schritt nicht bewilligt

Zum STEP 2025 (Antragsfrist: 30.09.2024) hat die Stadt Oberhausen erneut Förderanträge für das Stadterneuerungsgebiet Osterfeld gestellt. Um die Bewilligung der weiteren Teilmaßnahmen in diesem Fördergebiet nicht zu gefährden (hier geht es um die Schulhofumgestaltung an der Gesamtschule Osterfeld, die Umgestaltung des Osterfelder Zentrums, die Umgestaltung der Westfälischen Straße, den Revierpark Vonderort, die Fortführung des Stadtteilmanagements mit der Eigentümerberatung, das Fassaden- und Hofprogramm und den Verfügungsfonds), war die Herrichtung des Gartendoms von einer erneuten und somit dritten Förderantragsstellung ausgenommen.

Parallel zu den intensiven Bemühungen zur Sanierungsfinanzierung des Gartendoms wurden intensive Bemühungen zur Gesamtfinanzierung der Machbarkeitsstudie angestrengt. Der zwischenzeitlich (April 2023) finalisierte Abschlussbericht wurde vom MAGS NRW unter inhaltlichen Gesichtspunkten äußerst positiv und zustimmend gewürdigt. Leider konnten aber von Seiten des Landes trotz intensiver Bemühungen aller Seiten keine belastbaren Förderzusagen gemacht werden, um das Gesamtvorhaben in der vorgeschlagenen Konstellation der Kooperationspartner zu realisieren.

Vor diesem Hintergrund verlagerten sich die Überlegungen zum Zukunftscampus im Jahr 2024 auf den bereits geprüften Alternativstandort im künftigen Innovationsquartier Neue Mitte. Hierdurch sollte der Gesamtfinanzierungsbedarf um die ermittelten Sanierungskosten des Gartendoms reduziert werden. Folglich hat die Stadt Oberhausen mittelbar über das TZU – Kommunen sind in dieser Förderlinie nicht selbst antragsberechtigt – im Juni 2024 einen Vorantrag (Skizzenverfahren) bei „Forschungsinfrastrukturen.NRW“ gestellt, um das Vorhaben „Zukunftscampus“ unter angepassten Voraussetzungen an einem anderen Standort zu realisieren. Im November erhielt die Stadt Oberhausen dazu vom Projektträger Jülich die schriftliche Mitteilung, dass die eingereichte Projektskizze nicht für eine Förderung bzw. die Erstellung eines Vollantrages empfohlen wird.

 

Fazit

 

Trotz vorliegender Machbarkeitsstudie, breiter inhaltlich Unterstützung und etablierter Partnerschaftsstruktur besteht derzeit keine Realisierungschance für einen Zukunftscampus in Oberhausen. Zum Jahresende 2024 haben die Projektverantwortlichen daher die Entscheidung getroffen, das Gesamtprojekt nicht weiter zu verfolgen.

Allerdings ist es der UDE als einem der drei zentralen Projektpartner zwischenzeitlich gelungen, mit ihrem Forschungsprojekt, einem Seilroboter zur automatisierten Erstellung von Kalksandstein-Mauerwerk, einen unmittelbar an das Innovationsquartier angrenzenden Standort zu beziehen und infrastrukturelle Drittmittel für weitere Forschungsvorhaben an diesem Standort zu generieren. Der konstruierte Seilroboter ist vergleichbar mit einer Kamera, die über dem Spielfeld in Fußballstadien schwebt. Mit Seilen an einem Stahlrahmen befestigt, kann der Roboter eigenständig Mauersteine aufnehmen, Mörtel auftragen und die Steine vollautomatisch absetzen. Die Technik könnte zukünftig den akuten Fachkräftemangel abpuffern, indem sie schwere, monotone Arbeiten übernimmt. Diesbezüglich gibt es von Seiten der Stadt Oberhausen einen engen Austausch mit den verantwortlichen Akteuren.

 

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Anlagen

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