Beschlussvorlage - B/17/6119
Grunddaten
- Betreff:
-
Fortführung der Finanzierung „Jugendprojekt Innenstadt“ und Zustimmung zur Leistung von Aufwendungen/Auszahlungen im Produktbereich 06 – Kinder-, Jugend- und Familienhilfe für das Haushaltsjahr 2025.
- Status:
- öffentlich
- Vorlageart:
- Beschlussvorlage
- Federführung:
- Kinder, Jugend und Familie
- Bearbeitung:
- Ronny Wehr
- Verantwortung:
- Herr Roth, Herr Schmidt, Herr Tsalastras, Herr Schranz
- Konsequenzen:
- Drucksache hat finanzielle Konsequenzen (siehe Sachverhalt); Drucksache hat keine klimatischen Konsequenzen
Beratungsfolge
| Status | Datum | Gremium | Beschluss | NA |
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Geplant
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Jugendhilfeausschuss
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Vorberatung
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04.12.2024
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Erledigt
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Haupt- und Finanzausschuss
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Vorberatung
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09.12.2024
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Erledigt
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Rat der Stadt
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Beschlussfassung
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16.12.2024
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Beschlussvorschlag
Der Rat der Stadt beschließt
- zur Sicherung der positiven Effekte aus dem zum 28.02.2025 auslaufenden Innenstadtprojekt die Finanzierung je einer Vollzeitstelle bei den Trägern der freien Jugendhilfe Jugendclub Courage e. V. und die kurbel – katholisches Jugendwerk Oberhausen gGmbH für den Aufgabenbereich Streetwork für besonders gefährdete Kinder, Jugendliche und Heranwachsende in Form eines Zuschusses zunächst befristet für ein Jahr.
- die Leistung von Aufwendungen/Auszahlungen für das Haushaltsjahr 2025 wie folgt aufzunehmen:
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Auftrag |
Sachkonto |
Bezeichnung |
Betrag |
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310006050306 – Kinder und Jugendförderplan |
531803 |
Aufwendungen für Zuschüsse an übrige Bereiche – mobil |
171.200,-
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171.200,- |
Sachverhalt
Vorbemerkungen
Seit dem 01.03.2024 wird im Auftrag der Stadt Oberhausen (Fachbereich 3-1-50 Jugendförderung) ein Projekt für strafrechtlich besonders auffällige Kinder und Jugendliche im Innenstadtbereich unter Federführung des Jugendclubs Courage e. V. und in Kooperation mit den Streetworker*innen der kurbel – katholisches Jugendwerk Oberhausen gGmbH – durchgeführt. Anlass für das Jugendprojekt Innenstadt war das Auftreten einer diffusen und dynamischen Gruppierung von ca. 35 Kindern und Jugendlichen, die sich im Innenstadtbereich extrem auffällig verhielten und eine Vielzahl von Straftaten mit dem Schwerpunkt Schuleinbrüche begingen.
Projektdurchführung und erste Erkenntnisse
Das Innenstadtprojekt zielt darauf ab, durch konstruktive Zusammenarbeit aller beteiligten Institutionen und Personen nachhaltige Erfolge zu erzielen. Ein zentraler Schwerpunkt liegt auf der Abstimmung und transparenten Kommunikation zwischen den Beteiligten um einen sozialen Rahmen zu schaffen, der mit den jungen Menschen konstruktiv interagiert und delinquentem Verhalten vorbeugt. Die Herausforderungen des Umfelds (Armut, Bildungsferne, erziehungsarme Familienstrukturen, Perspektivlosigkeit, Schulabstinenz, Delinquenz) werden aktiv in die Projektplanung integriert, um die Effektivität der Maßnahmen zu maximieren. Das Projekt ist in drei Hauptphasen unterteilt: Analyse und Aufbau (Phase 1), Validierung und Ausbau (Phase 2) sowie Evaluation und Ausblick (Phase 3).
Phase 1: Analyse und Aufbau (abgeschlossen)
In der ersten Phase lag der Fokus auf der Identifikation von Problemfeldern sowie dem Aufbau erster Bearbeitungsoptionen. Die sozialpädagogische Analyse der Zielgruppen basiert auf aktuellen Sozialdaten der Innenstadt Oberhausen: In einem Einzugsgebiet mit 14.915 Einwohnern, davon 3.894 im Alter von 6 bis 26 Jahren, zeigt der Sozialindex ein sehr niedriges und negatives Niveau. Die engere Zielgruppe umfasst 35 Kinder, Jugendliche und Heranwachsende im Alter von 12 bis 19 Jahren, die sich in drei Untergruppen aufteilt: Eine Gruppe, deren Bedarfe zu den Angeboten der Offenen Kinder- und Jugendarbeit passen (Zielgruppe 1; ca. 15 Personen), eine zweite Gruppe, die eine enge Betreuung benötigt (Zielgruppe 2, ca. 15 Personen) sowie als dritte Gruppe Jugendliche, die aufgrund ihres Verhaltens mit den Formaten der Offenen Kinder und Jugendarbeit nicht mehr kompatibel sind (Zielgruppe 3; ca. 5 Personen). Ein Großteil der jungen Menschen in der Gesamtzielgruppe zeichnet sich durch ein entgrenztes Beziehungsverhalten, teilweise massive Perspektivlosigkeit und ein starkes Autonomiestreben aus. Ihre Lebenswelten sind geprägt von Armut, beengten Wohnverhältnissen, Unsicherheit und Stigmatisierung, was ihre sozialen Interaktionen und Verhaltensweisen beeinflusst.
Auf der praktischen Ebene wurden Beziehungen zu den Jugendlichen aufgebaut, eine Sozialraumbegehung gemeinsam mit den jungen Menschen durchgeführt und eine Anamnese der Zielgruppe vorgenommen. Auf strategischer Ebene wurden eine Auftaktveranstaltung (mit den relevanten Akteuren der Offenen Kinder und Jugendarbeit & Jugendgerichtshilfe) zur Rollenklärung, der Netzwerkaufbau sowie die Abstimmung der Handlungsfelder organisiert. Die Ergebnisse der ersten Phase waren erfolgreicher als antizipiert. Die geplanten Ziele der ersten Phase (Anamnese, Kontaktaufnahme, Netzwerkaufbau) wurden vollumfänglich erreicht und die Prozesserfolge übertrafen teilweise die Erwartungen.
Phase 2: Validierung und Ausbau (in Umsetzung)
Die zweite Phase, die von Juni bis November 2024 läuft, zielt darauf ab, die in Phase 1 entwickelten Ansätze zu validieren und auszubauen. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf der engen Betreuung und individuellen Unterstützung der Jugendlichen in Abstimmung und Zusammenarbeit mit den Institutionen sowie der Vorbereitung der Implementierung erfolgreicher Formate in die Regelangebote der Offenen Kinder- und Jugendarbeit. Die jetzt angelaufenen Maßnahmen umfassen die Feinjustierung der Ansätze aus Phase 1, basierend auf Rückmeldungen der jungen Menschen und der Kooperationspartner, die detaillierte Anamnese der Zielgruppen 2 und 3, intensive Einzelfallarbeit, die Förderung sozialer Kompetenzen, die Einbindung der Familien und niedrigschwellige, eng betreute Freizeitangebote für die Jugendlichen.
Zwischenfazit
Die bisherigen Erfolge in Phase 1 und insbesondere die der bereits durchgeführten Maßnahmen in Phase 2 zeigen deutlich, dass mit der gewählten Projektausrichtung eine nachhaltige Verbesserung des vernetzten Umgangs mit grenzüberschreitenden Jugendlichen in der Oberhausener Innenstadt erreicht werden konnte. Der Fokus auf eine intensive Betreuung, partizipative Projekte und die enge Zusammenarbeit aller Akteure sind entscheidend, um langfristige positive Veränderungen zu bewirken. Durch die enge Betreuung, die sozialraumorientierten Maßnahmen und die partizipative Einbindung der Jugendlichen konnte eine stärkere Integration der jungen Menschen erreicht werden.
Am 19.11.24 wurde eine Besprechung zur Zwischenevaluation des Innenstadtprojektes unter Beteiligung des Jugendclubs Courage e. V., der kurbel (Streetwork), der Innenstadt - Jugendzentren, der Jugendgerichtshilfe, der erzieherischen Jugendhilfe, der polizeilichen Jugendsachbearbeitung, der Polizeiwache Alt-Oberhausen und des Kriminalkommissariats Prävention/Opferschutz durchgeführt. In diesem Rahmen bestand die einhellige Einschätzung, dass das Innenstadtprojekt alle Zwischenziele der ersten acht Monate seiner Arbeit vollinhaltlich erreicht und die Erwartungen in vielen Punkten noch übertroffen hat:
Was die Jugendlichen der Zielgruppe 3 angeht, konnten einige wie prognostiziert nur noch mit Mitteln des Jugendstrafvollzugs erreicht werden, was so auch über die Netzwerkpartner*innen Jugendgerichtshilfe, Polizei, Staatsanwaltschaft und Gericht in die Umsetzung gelangte. Es gab aber auch positive Beispiele aus dieser Zielgruppe, die letztendlich doch über das sozialpädagogische Angebot erreicht werden konnten.
Die Jugendlichen aus der Zielgruppe 2 konnten tatsächlich über Beziehungsaufbau und intensive sozialpädagogische Begleitung durch den Jugendclub Courage e. V. und die Streetworker*innen der kurbel in die Regelangebote der Offenen Kinder- und Jugendarbeit integriert werden, wie sie bereits eigeninitiativ von den Jugendlichen der Zielgruppe 1 genutzt wurden.
Bei den Jugendlichen aus der Zielgruppe 2, die bislang in hohem Umfang in Straftaten verwickelt waren und sich im öffentlichen Raum völlig grenzüberschreitend verhielten, waren die größten Erfolge des Innenstadtprojektes zu beobachten. Die Jugendlichen gehören nach Bericht der Innenstadt – Jugendzentren dort inzwischen wieder zu den im Wesentlichen unauffälligen Besucher*innen, bei denen Aufhebungen der bestehenden Hausverbote konstruktiv ausgehandelt werden konnten, bewegen sich dort auch nicht mehr wie bisher als bedrohlich empfunden in großen Gruppen, sondern suchen die Einrichtungen in der Regel nur mit zwei bis drei Personen auf und versuchen z. T. sogar positiv auf andere Besucher*innen einzuwirken, weil sie auf keinen Fall erneute Hausverbote riskieren, sondern ihren neu gewonnenen, sozial akzeptierten Status unbedingt erhalten wollen.
Einige der Jugendlichen aus Zielgruppe 2 haben nach Erkenntnissen der Betreuer*innen sogar den Schulbesuch wiederaufgenommen und haben auch dort spürbare Erfolgserlebnisse.
Aus Sicht der Polizei ist nicht nur die Anzahl der Schuleinbrüche durch das Innenstadtprojekt in Kombination mit dem breiten Maßnahmenbündel, das durch die Stadt Oberhausen und eine Vielzahl von Netzwerkpartner*innen eingeleitet wurde, zurückgegangen – es wird auch sichtbar, dass die vorher sehr stark negativ auffälligen Kinder und Jugendlichen der Zielgruppe 2 sich zugunsten einer strukturierteren Freizeitgestaltung nahezu vollständig aus dem öffentlichen Raum zurückgezogen haben.
Perspektive
Schon jetzt kann festgehalten werden, dass die ursächlichen Bedarfslagen der jungen Menschen auch über diese spezifische Zielgruppe hinaus relevant bleiben werden. Die Sozialdaten des Innenstadtraums werden auch in den kommenden Jahren, Rahmenbedingungen des Aufwachsens junger Menschen bilden, welche die Entstehung ähnlicher Gruppen mit ähnlichen Auffälligkeiten in den Folgejahren äußerst wahrscheinlich erscheinen lassen.
Auch für aktuelle Zielgruppen des laufenden Innenstadtprojektes besteht weiterhin Bedarf an einer kontinuierlichen sozialpädagogischen Betreuung, um die im Rahmen des laufenden Projektes erarbeiteten Beziehungen und positiven Verhaltensänderungen zu konsolidieren. Die Betreuung nach Ablauf des Projektzeitraums im Februar 2025 einfach einzustellen würde einen Beziehungsabbruch darstellen, der fatale Folgen für die Jugendlichen hätte und eine äußerst hohe Rückfallwahrscheinlichkeit nach sich ziehen würde.
Umso wichtiger wird es, die im Rahmen des Innenstadtprojektes erarbeiteten Kenntnisse und Netzwerke dauerhaft aufrecht zu erhalten, um einerseits eine wirksame Prävention im Innenstadtbereich vorzuhalten, die das Risiko des Entstehens neuer so massiv auffälliger Jugendgruppierungen minimieren kann und andererseits die bestehende Zielgruppe auf ihrem bislang positiven Weg weiter zu unterstützen.
Durch die Finanzierung je einer Vollzeitstelle bei den Trägern der Jugendhilfe Jugendclub Courage e.V. und die kurbel – katholisches Jugendwerk Oberhausen gGmbH für den Aufgabenbereich Streetwork für besonders gefährdete Kinder, Jugendliche und Heranwachsende entstehen im Haushaltsjahr 2025 Mehraufwendungen in Höhe von insgesamt 171.200,- € (je VZÄ: TVöD SuE S12, Bruttopersonalkosten lt. KGSt 85.600,- € p.a.). Diese Mehraufwendungen sind zunächst befristet für ein Jahr.
