Berichtsvorlage - M/16/1091-01

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Beratungsfolge

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Sachverhalt

Sachdarstellung

 

Anlass

 

Mit der Fernwärmeschiene Rhein Ruhr soll durch einen Lückenschluss zwischen den beiden vorhandenen Fernwärmeschienen Niederrhein und Ruhr erfolgen. Hierzu werden auch die an der Trasse vorhandenen Müllheizkraftwerke, Gas- und Steinkohleheizkraftwerke, Industrieanlagen mit ihrer Abwärme sowie Wärme aus regenerativer Kraft-Wärme-Kopplung angebunden.

 

Zur Projektierung der Trasse, zur Begleitung des Vorhabens beim Durchlaufen durch ein Planfeststellungsverfahren und zum Bau der Trasse wurde eine Gesellschaft gegründet: die Fernwärmeschiene Rhein-Ruhr GmbH. Zielsetzung der Projektgesellschaft, die aus den Projektpartner STEAG Fernwärme GmbH (SFW), Energieversorgung Oberhausen AG (evo) und der Fernwärmeversorgung Niederrhein GmbH (FN) besteht, ist eine günstige und umweltfreundliche Wärmebereitstellung.

 

Die Stadt Oberhausen begrüßt grundsätzlich das Projekt, die Fernwärmeschienen Niederrhein und Ruhr unter Einbeziehung der GMVA in Oberhausen zu verbinden und durch die großräumige Nutzung von Abwärme einen wesentlichen Beitrag zur CO2-Einsparung bei der Wärmeversorgung zu leisten. Gleichwohl bestehen bei der bisherigen Vorzugstrasse Konflikte mit andern Nutzungs- und Schutzansprüchen, die es gilt im weiteren Verfahren deutlich herauszuarbeiten und nach Möglichkeit durch Planungsoptimierungen zu vermeiden bzw. zu mindern.

 

Ein Vertreter der Fernwärmeschiene Rhein-Ruhr GmbH wird die Vorplanung im Rahmen der Umweltausschusssitzung an Hand einer Präsentation vorstellen.

 

 

Beschreibung des Vorhabens

 

Die Fernwärmeschiene wird aus zwei Leitungen mit einem Aussendruchmesser von jeweils 1,2 m bestehen und auf einer Gesamtlänge von 22,6 km verlaufen. Das Stadtgebiet von Oberhausen wird mit der Leitung überwiegend entlang der Emscher und der Kleinen Emscher auf einer Länge von rd. 10 km gequert. Der genaue Trassenverlauf befindet sich zurzeit in der Vorplanungsphase.

 

 

Erfordernisse der Raumordnung

 

Der Regionale Flächennutzungsplan (RFNP), der sowohl regionalplanerische als auch bauleitplanerische Ebene in einem einheitlichen Planwerk darstellt, enthält Ziele und Grundsätze der Raumordnung.


Im Hinblick auf das Neubauvorhaben der Fernwärmeleitung sind insbesondere folgende Ziele und Ausweisungen von Bedeutung:

 

  • Der RFNP legt fest, dass die großen unzerschnittenen Freiraumbereiche vor weiterer Zerschneidung und Fragmentierung zu bewahren sind. Die projektierte Trasse durchläuft in Oberhausen den Emscher Landschaftspark und darin auch den Bereich der so genannten „Emscherinsel“, die in enger Zusammenarbeit mit der Emschergenossen-schaft gerade als ein zusammenhängender Freiraumbereich gesichert und entwickelt wird. Die Emscherinsel ist hierbei ein zentrales Element des Masterplans Emscher-Zukunft. Sie soll nach Abschluss der Planungen einen neuen, bisher weitgehend unerschlossenen Freiraumbereich von Dortmund bis Oberhausen bilden.

 

  • Der gesamte Trassenabschnitt zwischen der A 42 (Emscherknick) und der Stadtgrenze Oberhausen/Bottrop ist im RFNP als Regionaler Grünzug festgelegt und stellt somit ein strikt beachtliches Ziel der Raumordnung dar. Darüber hinaus legt der RFNP weitere Festlegungen bezüglich der Sicherung, Vernetzung, Verbesserung und Entwicklung von Regionalen Grünzügen fest.

 

  • Ein Trassenabschnitt durchläuft auf einer Länge von rd. 2 km den Bereich, der im RFNP als Bereich zum Schutz der Natur (BSN) ausgewiesen ist und somit als Vorranggebiet ebenfalls ein Ziel der Raumordnung darstellt. Es handelt sich um das bisher als LSG festgesetzte Gelände der ehemaligen „Zeche Vondern“.

 

  • Weite Teile der projektierten Trasse verlaufen darüber hinaus in Gebieten, die im RFNP als Bereiche zum Schutz der Landschaft und landschaftsorientierten Erholung (BSLE) dargestellt und somit als Vorbehaltsgebiet in besonderer Weise abwägungsrelevant sind.
     

 

Emscher-Landschaftspark

 

Die geplante Trasse verläuft im Stadtgebiet von Oberhausen ausschließlich über Flächen, die innerhalb des Emscher Landschaftsparks liegen. Das betrifft insbesondere den Grünzug entlang der renaturierten Kleinen Emscher, die sogenannte Emscherinsel zwischen Emscher und Rhein-Herne-Kanal, Randflächen der ehemaligen Oberhausener Landesgartenschau (OLGA 1999) sowie den Ost-West-Grünzug, der sich über die Brache Vondern bis zur Stadtgrenze Bottrop erstreckt.

 

Das Ruhrgebiet hat in den letzten Jahren / Jahrzehnten mit Unterstützung des Landes NRW erhebliche Anstrengungen unternommen, um die Attraktivität des Emscher Landschaftsparkes als Teil des Strukturwandels der Region zu steigern. Ziel ist es, dieses Gebiet ökologisch, aber auch im Hinblick auf die Erholungsfunktion deutlich aufzuwerten, so dass sich die Bevölkerung – wieder – mit diesem in der Vergangenheit eher unzugänglichen und unattraktiven Bereich identifizieren und ihn nutzen kann. Die Beeinträchtigung dieses Landschaftsraumes muss möglichst gering bleiben. Insbesondere die mit einer Höhe von 6 bis 7 m geplanten Kompensationsbögen stellen bei einer Überflurverlegung eine erhebliche Beeinträchtigung des Landschaftsbildes dar.

 


 

Belange von Natur, Landschaft und Erholungsnutzung

 

Die ursprünglich projektierte Leitungstrasse ist mit erheblichen Eingriffen in Natur und Landschaft verbunden, die es zu vermeiden bzw. zu minimieren gilt. Die Trassenlänge in Oberhausen beträgt rd. 10 km. Bei Arbeitsstreifenbreiten von 12,10 m (Überflurverlegung) bzw. 23,70 m (Unterflurverlegung) und dauerhaft baum- und strauchfreien Schutzzonen von 6,10 m bzw. 8 m Breite ergibt sich eine erhebliche Flächeninanspruchnahme in Grünzügen, die für die Naherholung von zentraler Bedeutung sind. Insbesondere bei der Überflurverlegung wird darüber hinaus das Landschaftsbild beeinträchtigt.

 

 

Artenschutz

 

Für die im Rahmen der Umweltverträglichkeitsprüfung erforderliche Artenschutzprüfung wird ein faunistisches Artenspektrum von Brutvögeln, über Fledermäuse bis Amphibien, Reptilien und Insekten erfasst und bewertet werden. Die der Unteren Landschaftsbehörde sowie der Biologischen Station Westliches Ruhrgebiet bekannten Fundortdaten im Trassenbereich werden standardgemäß in den Artenschutzbeitrag einfließen.

 

 

Anmerkungen zu den beiden Schwerpunkten im Trassenverlauf an denen Umweltbelange besonders betroffen sind 

 

Im Folgenden werden für die beiden Schwerpunkte im Trassenverlauf die besonderen Betroffenheit der Umweltbelange beschrieben und Hinweise gegeben, die in der weiteren Planung berücksichtigt werden sollten. Eine detailliertere Prüfung ist zum jetzigen Planungsstand nicht möglich.

 

Kleine Emscher (Stadtgrenze Duisburg bis km 10,6)

Die Kleine Emscher in Duisburg und Oberhausen wurde Anfang des 20.Jahrhunderts als neue Mündungsstrecke der Emscher hergestellt, weil im damaligen Hauptlauf Bergsenkungen die Vorflut störten. Die Bergsenkungen, die mit dem nach Norden schreitenden Bergbau verbunden waren, führten im weiteren dazu, dass die Emschermündungsstrecke in den 1940er Jahren ein zweites Mal nach Norden verlegt wurde, die Kleine Emscher zurückgebaut und als örtliche Entwässerung auf insgesamt 8 km Lauflänge, davon rd. 1 km Länge auf Oberhausener Stadtgebiet weitergenutzt wurde.

 

Die ökologische Umgestaltung der Kleinen Emscher, von einem oberirdischen Abwasserkanal zu einem Gewässer, hat dazu geführt, dass die Kleine Emscher wieder ein gliederndes und strukturierendes Element in der bestehenden Freiraumstruktur des Regionalen Grünzuges A darstellt. Die Maßnahme wurde 2012 abgeschlossen und hat sich seither sehr positiv entwickelt.

 

Die Auswirkungen der geplanten Fernwärmeleitung bestehen in diesem Abschnitt in erster Linie in ihrer Wirkung auf das Landschaftsbild. Nach Ende der Bauarbeiten verbleibt ein Baum- und strauchfreier Streifen von 6,1 m Breite, der besonders beeinträchtigend wirkt, da die Leitung wegen der beengten Platzverhältnisse nicht durch Gehölzstreifen abgepflanzt werden kann. Daher unterstützt der Bereich Umweltschutz die Vorüberlegungen des Vorhabenträgers, die Fernwärmeleitung auf benachbarte, private Gewerbeflächen zu verlegen oder eine unterirdische Verlegung der Leitung innerhalb der Radwegstrecke vorzunehmen. Der Leitungsverlauf entlang des “Pantoffelparks“ in Buschhausen ist bereits als Unterflurverlegung geplant.

 


Brache Vondern (zwischen 14,7km bis km 16,7)

Auf der Brache Vondern hat sich eine artenreiche Flora und Fauna entwickelt. Nahezu 450 Pflanzenarten wachsen heute auf der Brache, darunter zahlreiche Rote Liste-Arten. Ein "Industriewald" aus Birken, Weiden und anderen Laubgehölzen wächst über den wenigen verbliebenen Trümmern der alten Zeche Vondern. Die Dorngrasmücke ist hier häufig vertreten, ebenso Gelbspötter, Zilpzalp und andere Singvogelarten. Auf den Offenlandbereichen und Magergrasflächen haben verschiedene Heuschreckenarten sowie die Kreuzkröte einen Lebensraum gefunden. Die kleinen Wasserflächen, die sich auf dem zum Teil stark verdichteten Boden durch Niederschlag gebildet haben, werden von feuchtigkeitsliebenden Tier- und Pflanzenarten besiedelt.

 

Seit den 80er Jahren ist die Brache ein Exkursionsziel für ehrenamtlich und wissenschaftlich tätige Botaniker und Faunisten. Eine besondere Kooperation besteht zwischen dem ehrenamtlichen Naturschutz und der Biologischen Station Westliches Ruhrgebiet, die u.a. praktische Naturschutzarbeiten auf der Fläche ausführen und eine Pflege- und Entwicklungskonzeptes im Rahmen der Plangenehmigung des Emscherkanals erarbeitet haben.

 

Neben der Bedeutung der Fläche für den Naturschutz hat die Fläche auch noch eine hohe Bedeutung für den Landschaftsschutz und die Erholungsnutzung. Trotz der Nähe der Autobahn ist die Fläche ein Anziehungspunkt für Naturinteressierte und Naturnutzer sowohl aus der näheren Umgebung als auch aus dem gesamten Ruhrgebiet. Dabei geht der Erholungswert der Brache Vondern von ihren Attributen einer Industriebrache aus. Mit ihren weiten Blickbeziehungen, ihrer Vielfalt und als identitätsstiftende Freifläche hebt sie sich ab von den klassisch ausgestatteten Stadteilparks mit Rasenflächen und Bänken.

 

Der derzeitige Zustand der Brache Vondern ist von massiven Störungen durch die Emscher-Abwasserkanalbaustelle geprägt. Hinzu kommen noch weitere Störeinflüsse, die von der geplanten Errichtung einer Regenwasserbehandlungsanlage ausgehen wird, deren abschließende konstruktive Planung und Genehmigung noch aussteht. Nach Ende der Bautätigkeiten sollen nur noch wenige unverzichtbare Wirtschaftswege auf der Brache verbleiben. Alle anderen temporären Eingriffe des Abwasserkanals werden zurückgebaut, dauerhafte Verluste werden ausgeglichen und ein mit der Biologischen Station Westliches Ruhrgebiet und der Unteren Landschaftsbehörde abgestimmtes Pflege- und Entwicklungskonzept von der Emschergenossenschaft umgesetzt werden.

 

Die Auswirkungen durch die geplante oberirdische Verlegung der Fernwärmeleitung auf diesen Landschaftsraum bestehen in dem Verlust von bestehenden Biotopstrukturen und Lebensräumen von Tieren auf einer Fläche von rd. 12.000 m². Diese Flächeninanspruchnahme hätte zwar keine dauerhafte Versiegelung zur Folge, allerdings stellt der lineare Verlauf eine Fernwärmeleitung, unter der sich dauerhaft eine Krautflur einstellen würde, die mehrfach gemäht werden müsste und an die sich ein Betriebsweg aus Schotterrasen anschließt, eine erhebliche Minderung der Qualität von Biotopstrukturen dar. Hier wird ein ökologisch besonders wertvoller Landschaftsraum beeinträchtigt, der eines der wenigen Vorranggebiete zum Schutz der Natur in Oberhausen darstellt.

 


 

Weiteres Vorgehen

 

Als nächsten Schritt plant die Fernwärmeschiene Rhein-Ruhr GmbH, ein Planfeststellungsverfahren zu beantragen. Dazu muss eine Umweltverträglichkeitsprüfung nachvollziehbar darlegen, warum die Vorzugstrasse ausgewählt wurde, welche Alternativen geprüft wurden, und warum gegebenenfalls Varianten mit geringeren Umweltauswirkungen nicht realisierbar sind. Bestandteil der Umweltverträglichkeitsprüfung werden ein Landschaftspflegerische Begleitplan mit einer Eingriffs-Ausgleichsbilanzierung sein sowie eine Artenschutzprüfung der Stufe II.

 

 

Kurzfassung

 

Die Stadt Oberhausen begrüßt grundsätzlich das Projekt, die Fernwärmeschienen Niederrhein und Ruhr unter Einbeziehung der GMVA in Oberhausen zu verbinden und durch die großräumige Nutzung von Abwärme einen wesentlichen Beitrag zur CO2-Einsparung bei der Wärmeversorgung zu leisten.

 

Die geplante Fernwärmeschiene wird aus zwei Leitungen mit einem Außendurchmesser von jeweils 1,2 m bestehen und auf einer Länge rd. 10 km das Stadtgebiet von Oberhausen überwiegend entlang der Emscher und der Kleinen Emscher queren. Der genaue Trassenverlauf befindet sich zurzeit in der Vorplanungsphase.

 

Zu den beiden Schwerpunkten im Trassenverlauf, die besondere Betroffenheit der Umweltbelange hervorrufen, gehört der Bereich der Kleinen Emscher und die als Landschaftsschutzgebiet ausgewiesene Brache Vondern.

 

Im weiteren Verfahren gilt es, die Trasse zu optimieren, den Eingriff möglichst gering zu halten und geeignete Kompensationsmaßnahmen festzusetzen.

 

Der Landschaftsbeirat wird gebeten, seine Bedenken und Anregungen zu der geplanten Fernwärmeleitung zu äußern.

 

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