Berichtsvorlage - M/16/0990-01

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Beratungsfolge

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Sachverhalt

Sachdarstellung

 

Zusammenleben findet konkret in den Quartieren statt, so dass Interventionsmaßnahmen, Integrations- und Partizipationsangebote auch dort ansetzen müssen. Die Quartiersentwicklung fördert eine lebendige Demokratie dort, wo Menschen betroffen sind von Entwicklung, Maßnahmen und Entscheidungen, die in ihren Alltag eingreifen. Kooperationen auf Quartiersebene erhöhen die Effektivität der Arbeit aller Beteiligten.

 

 

Die Stadt Oberhausen verfolgt das Ziel, ein sozialraumorientiertes, bedarfsgerechtes und wohnortnahes Angebot für ältere Bewohnerinnen und Bewohner zu schaffen. Auf dem Weg dahin hat die Verwaltung 2006 die Studie “Wohn- und Versorgungsangebote für ältere Menschen in Oberhausen” in Auftrag gegeben. Diese Analyse betrachtete die stationären und teilstationären Angebote für ältere Menschen sowie die Altenwohnungen auf der Ebene der Gesamtstadt und der Stadtteile Alt-Oberhausen, Sterkrade und Osterfeld. Es erfolgte eine Bewertung der zukünftigen Bedarfe in diesen drei Stadtteilen. Wesentliche Ergebnisse der dieser gesamtstädtischen Studie lauteten:

  • Das Angebot an stationären Pflegeplätzen für ältere pflegebedürftige Menschen ist quantitativ     betrachtet bis zum Jahr 2020 ausreichend.

 

  • Die Lebenslagen und Bedürfnisse älterer Menschen sind bereits heute differenziert und vielschichtig. Dieser Entwicklung entsprechen die bisherigen Angebote in dem Bereich Wohnen und Versorgtsein in Oberhausen qualitativ bislang noch nicht.
  •    Die für die Zukunft absehbaren Einschränkungen der individuellen und kommunalen Haushaltssituation und die sich wandelnden Bedürfnisse älterer Menschen machen es erforderlich, ein kleinräumiges Wohn-, Service- und Versorgungsangebot aufzubauen.

 

Quartiersbezogene und bedarfsgerechte Wohn- und Versorgungsangebote sind eine Antwort auf den Wunsch älterer Menschen, so lange wie möglich in der eigenen Wohnung, dort wo sie sich auskennen und sich sicher fühlen, leben zu können und den Verbleib in einer vertrauten Nachbarschaft zu ermöglichen. Die Ausrichtung auf das Quartier ist auch eine notwendige Antwort auf die Entwicklung des Pflegesystems. Fachleute und Politik propagieren seit Jahren, ambulanten Pflegesystemen in Zukunft deutlich den Vorrang vor stationären Einrichtungen zu geben. Nur wenn eine Verlagerung der Pflege in die Wohngebiete gelingt, kann eine zukünftige Pflege überhaupt leistbar und finanzierbar bleiben.

 

Altengerechtes Wohnen und Leben im Quartier bezieht sich nicht nur auf die Bereitstellung eines vielfältigen Wohn- und Pflegeangebotes, sondern umfasst die Integration des Wohnumfeldes und die Vernetzung von altengerechten Nahversorgungs-, Dienstleistungs- und Pflegeangeboten im Quartier, die im Zusammenspiel den Erhalt der Selbständigkeit im Alter unterstützen. Für eine Quartiers-entwicklung gilt der Grundsatz "ambulant vor stationär" - nicht nur im Rahmen der Leitthesen der Pflegewissenschaft sondern vor allem auch hinsichtlich dem Wunsch älterer Menschen nach einem selbstbestimmten Wohnen und Versorgtsein im Alter in ihrer Wohnung bzw. in ihrem Quartier.

 

Derzeit bestehen in Oberhausen vorwiegend zentrale Anlaufstellen für ältere Menschen als Beratungsorte. Optimal wäre ein Netzwerk an Beratungsleistungen, die vor Ort in den Quartieren präsent sind. Erstrebenswert ist der Aufbau von Dienstleistungszentren mit den Angeboten:

  • Beratung für Pflegebedürftige und Angehörige
  • Wohnberatung
  • Begegnungsstätte
  • Nachbarschaftshilfe und bürgerschaftliches Engagement
  • Mobile, Soziale Dienste und Sozialstation und evtl. in Kombination mit Tages- und Kurzzeitpflege sowie Wohnangeboten (Wohnen mit Service/Betreutes Wohnen und betreute Pflegewohngruppe). Neben der Bereitstellung von altengerechten Wohnungen erhält eine ausreichende und bedarfsgerechte Infrastruktur sowie ein barrierefreies Wohnumfeld eine wichtige Bedeutung für ein altengerechtes Quartier.
  • Einkaufs- und Versorgungsangebote für den täglichen Bedarf sowie soziale und kommunikative Angebote in einer fußläufigen Erreichbarkeit gehören zur Daseinsvorsorge für die älteren Bürgerinnen und Bürger im Quartier. Eine ausreichende Infrastruktur bedeutet für alle Quartiersbewohnerinnen und -bewohner auch: Versorgung, Teilnahme am öffentlichen Leben, soziale Kontakte, Anregungen, Sicherheit, Wohlbefinden, Gesundheit und Prävention.

 

Die Stadt Oberhausen, das Büro für Chancengleichheit, hat einen Antrag zum Förderprogramm „Entwicklung altengerechter Quartiere NRW“ gestellt. Vierzehn gemeinnützige Träger aus Oberhausen wurden zur Teilnahme an einem Interessenbekundungsverfahren aufgerufen. Drei Träger mit insgesamt vier Quartiervorschlägen haben sich beworben. Zwei Quartiere, Königshardt/Schmachtendorf/Walsumermark und Sterkrade-Mitte, haben sich für das Programm qualifiziert. Der Förderantrag hat ein Volumen von 188.279,00 Euro. Das Land fördert 104.690,70 Euro. Die Träger übernehmen den restlichen   Anteil von 83.588,30 Euro. Die Träger Arbeiterwohlfahrt Oberhausen und Gute Hoffnung Leben in Sterkrade werden per Weiterleitungsvertrag mit der Umsetzung der Quartierskonzepte beauftragt.

Konzept der AWO für Königshardt/Schmachtendorf/Walsumermark:

„Nachbarschaft mit Anspruch und Verantwortung füreinander“

Das Projektgebiet um die Wohnanlage der AWO, des Hermann- und –Luise Albertz-Wohndorfes am Julius-Brecht-Anger und Umgebung wird in den nächsten Jahren eine attraktive Weiterentwicklung erfahren. Sie soll weit mehr als eine klassische Wohneinrichtung werden. Neben den Modernisierungsmaßnahmen des Wohnungsbestandes bezügliche Barrierefreiheit und energetische Maßnahmen sollen die   Bewohner stark einbezogen werden. Auf der Grundlage eines intensiven gemeinsamen  Wohnens von Menschen mit unterschiedlichen Lebenslagen und Lebensorientierungen soll eine Entwicklung gefördert werden, die es den Menschen möglich macht, weitestgehend selbstbestimmt in einer „Nachbarschaft mit Anspruch und Verantwortung füreinander„ zu leben.

Künftig sollen noch mehr Aktivitäten stattfinden und auch für die Nachbarn außerhalb des Wohndorfes geöffnet werden. Deshalb soll die Vernetzung der Wohnanlage mit Vereinen und Organisationen forciert werden. Es  soll zu einem Dialog über das Zusammenleben einer solidarischen Gesellschaft kommen. Im Wohndorf soll ein lebendiges Miteinander und Füreinander initiiert werden. Gleichzeitig soll auch der Aufbau von wohnungs- und quartiersbezogenen Dienstleistungsangeboten intensiv vorangetrieben werden.

Durch die Initiierung von verschiedenen Angeboten und Aktivitäten sollen die Beziehungen der BewohnerInnen im Quartier untereinander gestärkt werden und zur gegenseitigen,  unentgeltlichen Unterstützung führen. Trotzdem soll die Individualität der Einzelnen in der Gemeinschaft gewahrt werden.

Im Wohndorf soll die Initiierung und Begleitung von unterschiedlichen Hausgemeinschaften im Vordergrund stehen. Da hier die Philosophie ein selbstbestimmtes Leben in vertrauter Umgebung auch bei Unterstützungs- und Pflegebedürftigkeit verfolgt werden soll, können soziale Folgekosten durch wohnortnahe Prävention und Stärkung der haushaltsnahen Versorgung vermindern werden. Deshalb soll der Aufbau von wohnungs-/quartiersbezogenen Dienstleistungen forciert werden. Dazu soll die Vernetzung mit relevanten Einrichtungen, Vereinen und Organisationen ausgebaut und eine nachhaltige Zusammenarbeit strukturiert werden.

Konzept der Guten Hoffnung Leben  für Sterkrade-Mitte:

LEO- Lebenswert Wohnen in Oberhausen

Das Projekt leistet über die Verzahnung von Politik, Sozial- und Gesundheitswesen einen wesentlichen Beitrag zur Optimierung einer sozialgerechten und gesundheitsförderlichen Infrastruktur, zur Aufrechterhalten eines Generationenmixes und damit zur nachhaltigen Existenzsicherung politisch gewünschter Kommunal- und Gemeindestrukturen. Für die Bürgerinnen stellt das Konzept eine im Geh- und Komm-Modus agierende, personenzentrierte und lebensbegleitende Unterstützung vor Ort, die konkrete Bedarfe erfasst, die individuell notwendige Beratung und Unterstützung koordiniert, aktives Fallmanagement betreibt und den Zugang zu innovativen Servicetechnologien niedrigschwellig gestaltet, dar.

Das Projekt basiert auf dem Aufbau eines nachhaltigen  wirksamen Versorgungsnetzes für Menschen mit Hilfebedarfen unter besonderer Einbeziehung von ambulanten und stationären medizinischen, pflegerischen und sozialen Leistungen zur Verbesserung der Versorgungsqualität. Therapie- und Hilfeangeboten der versorgenden Akteure sollen koordiniert werden. Dazu ist es erforderlich die Bedarfe im Quartier Sterkrade-Mitte konkret und unter Beteiligung der Menschen gemeinsam zu definieren. Entsprechend der Ergebnisse der Beteiligungsaktionen mit den relevanten Zielgruppen soll die soziale Infrastruktur vor Ort ausgebaut werden. Wohnortnahe Beratungs- und Begleitungsangebote sowie Stärkung vorhandener und Entwicklung von primärpräventiven Angeboten und Ressourcen sollen intensiviert werden. Es soll ein Kompetenzkatalog zur Nutzung von Lösungen und Dienstleistungen zur Kooperation und Koordination gestaltet werden. So können auf Grundlage dieses Kompetenzkataloges z.B. wohnungsnahe Entlastungs- und Unterstützungsangebote für pflegende Angehörige, Engagementmöglichkeiten für BürgerInnen im Quartier und Nachbarschaftshilfen und – initiativen entwickelt und gestärkt werden. Bedarfen von Menschen mit Integrationsbarrieren im Quartier sollen durch Inklusionsangebote auf „Augenhöhe“ begegnet werden.

Die Entwicklung einer kommunalen sozialräumlichen Zielvision zur Lebensqualität bei Demenz sowie die Unterstützung eines bedarfsgerechten Wohnangebotes im Quartier sind ebenfalls Bestandteile des Konzeptes für das Quartier Sterkrade-Mitte.

Die Realisierung der Konzepte erfolgt über QuartiersmanagerInnen, die vor Ort eingesetzt sind. Regelmäßige Treffen mit dem Quartiersmanagement und dem Büro für Chancengleichheit/Leben im Alter sollen zum Erfahrungsaustausch, Abstimmung von Angeboten und Maßnahmen dienen.

Die Fördermaßnahme endet im Februar 2018.

Zusammenfassung

Die Verwaltung beantragt eine Förderung im Rahmen des Programms „Entwicklung altengerechter Quartiere NRW“. Ziel der Förderung ist:

-          eine partizipative Sozialraumplanung,

-          der Aufbau von Versorgungsnetzwerken,

-          die Initiierung altengerechter Bau- und Wohnprojekte,

-          der Aufbau und die Stärkung von Nachbarschaftshilfen und -initiativen,

-          die Initiierung wohnungsnaher Entlastungs- und Unterstützungsangebote für pflegende  Angehörige

-          eine ganzheitliche Ausrichtung der sozialen wie pflegerischen Infrastruktur

-          die Schaffung zielgruppen-spezifischer Zugänge zu Unterstützungs- und Hilfsangeboten

-          die Initiierung von Engagementmöglichkeiten sowie

-          die Initiierung von teilhabeorientierten und gesundheitsfördernden Maßnahmen.

 

Die Verwaltung wird das Programm in Kooperation mit gemeinnützigen Trägern umsetzen, die einen Eigenanteil von 83.588,30 Euro tragen. Das Programm wird mit insgesamt 104.690,70 Euro gefördert.

Die Verwaltung hat sich entschieden, zwei Quartiere, Königshardt/Schmachtendorf/Walsumermark und Sterkrade-Mitte, in den Förderantrag aufzunehmen. Die Fördermittel werden hälftig auf die zwei Quartiere aufgeteilt.

 

Die Förderung endet im Februar 2018.

 

 

 

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