Berichtsvorlage - M/17/5016
Grunddaten
- Betreff:
-
Kenntnisnahme der inhaltlichen Neuausrichtung der Personalstelle „Projektkoordination Haus der Familie“ im Kontext der Konzeptempfehlung zur Einrichtung eines „Haus der Familie“ als zentrale Anlaufstelle für Familien in Oberhausen.
- Status:
- öffentlich
- Vorlageart:
- Berichtsvorlage
- Federführung:
- Kinder, Jugend und Familie
- Bearbeitung:
- Sabine Lauterbach
- Beteiligt:
- Chancengleichheit
- Verantwortung:
- Hartmut Nebel, Jürgen Schmidt
- Konsequenzen:
- Drucksache hat keine finanziellen Konsequenzen; Drucksache hat keine klimatischen Konsequenzen
Beratungsfolge
| Status | Datum | Gremium | Beschluss | NA |
|---|---|---|---|---|
|
●
Geplant
|
|
Jugendhilfeausschuss
|
Kenntnisnahme
|
|
|
|
18.04.2024
|
Bezug
- Drucksache B/17/1054-02, Förderprogramm des Ministeriums für Kinder, Familie, Flüchtlinge und Integration ‚kinderstark – NRW schafft Chancen‘, hier: Kenntnisnahme der Konzeptempfehlung des Vereins Familiengerechte Kommune zur Einrichtung eines „Haus der Familie“ als zentrale Anlaufstelle für Familien in Oberhausen und Beauftragung der Verwaltung zur weiteren Vorgehensweise.
- Drucksache B/17/1445-01, Kenntnisnahme der Konzeptempfehlung des Vereins Familiengerechte Kommune zur Einrichtung eines „Haus der Familie“ und Beauftragung der Verwaltung zur weiteren Vorgehensweise.
Sachverhalt
Bisherige Verwaltungsentscheidungen:
Über einen Förderbaustein der Landesförderung ‚kinderstark – NRW schafft Chancen!‘ des Jahres 2020 konnte die Konzepterstellung für ein kommunales Familienbüro in Oberhausen gefördert werden. Im selbigen Jahr wurde eine Machbarkeitsstudie zur Errichtung eines Familienbüros in Oberhausen erstellt. Der projektleitende Bereich 0-4/Chancengleichheit wurde bei diesem Prozess durch den Verein Familiengerechte Kommune e.V. unterstützt. Ergebnis der Untersuchung ist eine mit den kommunalen Akteuren abgestimmte Konzeptempfehlung zur Einrichtung eines zentralen Familienbüros, genannt `Haus der Familie´, für Oberhausen.
Mit Ratsbeschluss vom 13.12.2021 beauftragte der Rat die Verwaltung, auf Grundlage der Rahmenempfehlungen des Konzeptes `Haus der Familie´, einen Umsetzungsvorschlag zu erarbeiten. Die Leitung der Prüfung und Umsetzung der Konzeptempfehlung `Haus der Familie‘ wurde aufgrund der inhaltlichen Aufgabenschwerpunkte dem Bereich 3-1/Kinder, Jugend und Familie zugeordnet.
Zur zielorientierte Steuerung des Planungsprozesses wurde im Bereich 3-1/Kinder, Jugend und Familie eine Vollzeitstelle als Projektleitung eingerichtet. Die Tätigkeitsschwerpunkte des Stellenprofils Projektleitung (1,0 VzÄ, S 17 TVöD SuE) umfassten:
- Erstellung eines konkreten Konzeptes zur Umsetzung des Projektes,
- Planung und Entwicklung einer bedarfsorientierten, fachlich fundierten und interdisziplinären Angebotspalette im `Haus der Familie´,
- Kooperation mit planungsrelevanten Bereichen der Verwaltung und externen Akteuren (systemübergreifend),
- Bedarfsermittlung von Schwerpunktthemen im Bereich der Familie/ Beteiligungsorientierung,
- Akquise von Fördermitteln/Sponsoring.
Zur Begleitung der Umsetzung eines `Haus der Familie´ wurde neben der Projektleitung eine Steuerungsgruppe bestehend aus den Akteuren, Bereich 0-4 Chancengleichheit, Bereich 3-1 Kinder, Jugend und Familie, Bereich 4-1-10 Organisation, 9-2-00 Personalrat, Beigeordneter Dezernat 3 eingerichtet.
Auf der Grundlage eines ganzheitlichen Projektstrukturplanes, für den sukzessiven Umsetzungsprozess der zentralen Anlaufstelle für Familien in Oberhausen, konnten die wesentlichen Bausteine der Projektumsetzung erarbeitet werden. Die Maßnahmenumsetzung muss aufgrund bestehender Herausforderungen bis zum heutigen Datum ruhen:
- Trotz intensiver und langer Suche durch Mitglieder der Steuerungsgruppe, konnte aufgrund der erschwerten Situation auf dem Immobilienmarkt in Alt-Oberhausen keine geeignete Lösung für die räumliche Umsetzung des `Haus der Familie´ gefunden werden.
- Im Oktober 2023 wechselte zudem die Stelleninhaberin in ein anderes Aufgabengebiet.
- Die Konzeption des `Haus der Familie´, als wirkungsvolles Angebot, ist sowohl mit einer angemessenen räumlichen Gestaltung als auch Ausstattung mit entsprechend qualifiziertem Personal verbunden. Mit Blick auf die prekäre Haushaltslage stellen diese Kosten eine besondere Herausforderung dar.
Zum jetzigen Zeitpunkt muss konstatiert werden, dass voraussichtlich erst mittelfristig Veränderungen der Rahmenbedingungen zu erwarten sind.
Das weitere Vorgehen:
Vor diesem Hintergrund und unter Betrachtung der aktuellen Ergebnisse des Sozialberichtes 2022[1] und des Familienberichtes 2022[2], hat sich die Verwaltung für eine vorgeschaltete sozialraumorientierte Vorgehensweise entschieden.
„Im Oberhausener Stadtgebiet findet sich eine vielfältige unterstützende Institutionenlandschaft“ (Sozialbericht 2022 S. 76), die von Familien mit Unterstützungsbedarf nur unzureichend wahrgenommen wird. In diesem Zusammenhang weisen sowohl die quantitative Einwohnerbefragung als auch die Ergebnisse der Expertendialoge auf den Bedarf intensiverer Koordination und Zusammenarbeit der lokalen Akteure hin, ferner auf den Bedarf von Datenbanken wie den Familien- oder Sozialnavigator, um einen transparenten Überblick der Angebotslandschaft sicher zu stellen (vgl. Oberhausener Familienbericht 2022/ Sozialbericht 2022).
In diesem Kontext soll eine gesamtstädtische, sozialraumorientierte Koordination und Bündelung bereits bestehender niedrigschwelliger Beratungsangebote und Lotsenstellen für Familien mit Kindern bis zum 6 Lebensjahr erfolgen.
Es soll sichergestellt werden, dass Schwangere und Familien mit insbesondere kleinen Kindern in ihrem Sozialraum niedrigschwellig
- Fragen zu familienrelevanten Themen beantwortet bekommen,
- bei Bedarf weitergelotst oder/ und
- an längerfristige begleitende Maßnahmen angebunden werden.
Ziel des sozialräumlichen Ansatzes ist es, bereits heute bestehende oder bereits geplante Angebote des Bereiches 3-1/ Kinder, Jugend und Familie (z.B. 42 Familienzentren, 27 Brückenprojekte, 12 Lotsenstandorte von Wir im Revier[3]) zu bündeln, auf bereits bestehenden Strukturen aufzubauen, erforderliche Schnittstellen sicherzustellen und die Beratungsangebote bedarfsgerecht (Doppelstrukturen vermeiden) weiterzuentwickeln.
Familien sollen erreicht werden, indem der Zugang zu Informationen und Unterstützungsangeboten den Familien niederschwellig, in Wohnortnähe, als personales Lotsenangebot zur Verfügung steht. Somit soll dem Anliegen von Familien nach einfacher, transparenter Information Rechnung getragen werden. In den entsprechenden Lotsensprechstunden Es soll ein Überblick über bestehende Leistungen und Angebote im Sozialraum als auch stadtweit vermittelt werden. Durch gezielte Koordination der sozialräumlichen, u. a. aufsuchende Herangehensweise soll die Chance auf gelingendes Aufwachsen sowie die Ausschöpfung der Möglichkeiten gesellschaftlicher Teilhabe, insbesondere benachteiligter Kinder und ihrer Familien, erhöht werden.
Mit dem sozialräumlichen Fokus ist eine Neuausrichtung der Personalstelle „Projektkoordination Haus der Familie“ im Bereich 3-1/Kinder, Jugend und Familie verbunden. Neue Aufgabenschwerpunkte der Personalstelle „Koordination niedrigschwelliger Angebote der Kinder- und Jugendhilfe für Familien (-9 bis 6 Jahre)“ (1,0 VzÄ) sind:
- Bündelung niedrigschwelliger Angebote und Anlaufstellen für Schwangere und Familien (Kinder im Alter von 0 bis 6 Jahren) im Sozialraum u.a. Familienzentren (42), Brückenprojekte (25), Wir im Revier Standorte/ Lotsensprechstunden (12)
- Koordination Familienzentren
- Geschäftsführung, Moderation und methodische Vorbereitung des Arbeitskreises Familienzentren
- Geschäftsführung, Moderation und methodische Vorbereitung des Arbeitskreises Kinderbetreuung in besonderen Fällen (Brückenprojekte)
- Koordination der Sonderförderung Kinderbetreuung in besonderen Fällen
- Impulsgebende und Synergien schaffende Steuerung und Koordination der Vernetzung der lokalen Akteure
- Sicherstellung der Schnittstellen zum Familiennavigator und zum Sozialnavigator
- Erfassung von Lebens- und Problemlagen sowie bedarfs- und wirkungsorientierte Weiterentwicklung der Angebotslandschaft in Kooperation mit der Jugendhilfeplanung und Koordination der kommunalen Präventionskette
- Sicherstellung der Schnittstellen zu bestehenden lokalen Netzwerken und weiteren Beratungsangeboten für Familien im Quartier (z.B. Familiengrundschulzentren, offene Türen der Kinder- und Jugendarbeit, Migrationsberatung etc.)
Mit der operativen Bündelung bestehender niedrigschwelliger Angebote der Kinder- und Jugendhilfe sollen analog der Vorgaben des Kinder- und Jugendstärkungsgesetz zunächst sozialräumliche Strukturen für die oben genannte Zielgruppe gestärkt werden, die anschließend an ein zentrales `Haus der Familie´ angebunden werden können. Die vorgeschaltete Vorgehenswese impliziert folgende Inhalte:
Sozialräumliche Ausrichtung (die Situation der Familien ist in den verschiedenen Stadtteilen unterschiedlich):
- Konkrete Angebote im Stadtteil bündeln und darüber informieren
- Passgenauere, zielführendere Angebote ermöglichen
- Begegnungsort für Familien im Stadtteil sein
- Vernetzung mit Akteuren im Stadtteil fördern
- Partizipation ermöglichen
- Räumlichkeiten der Familienzentren für Kooperationspartner im Stadtteil anbieten
Inhaltliche Ausrichtung:
- Niedrigschwellige Anlaufstelle für Familien zur Information und Inanspruchnahme von Unterstützungsleistungen (u.a. Familienzentren im Sozialraum)
- Vermittlung von Angeboten unabhängig von Rechtskreisen und Zuständigkeiten
- Informationsvermittlung (Informationsdatenbanken)
- Partizipatorische Angebotsgestaltung
- Sicherstellung der operativen Schnittstellen zu bestehenden Netzwerken und weiteren Beratungsangeboten/Akteuren vor Ort
Ziele:
- Ausbau präventiver Strukturen
- niedrigschwelliger Zugang für alle Familien mit Kindern bis zum 6. Lebensjahr
- Abbau von Schwellenängsten
- optimierte Kooperation und Vernetzung vor Ort
- Effektiver Mitteleinsatz durch bedarfsgerechte Unterstützungsangebote für Familien
- Stärkung bestehender Strukturen (u.a. Familienzentren als Anlaufstelle im Sozialraum)
- Identifizierung von Angebotslücken und strategische Kooperation mit der Koordination der kommunalen Präventionskette
Zielgruppe:
- Fokusgruppe – Schwangere und Familien mit Kindern bis zum 6 Lebensjahr
Ausblick:
Durch die Koordination bestehender Lotsen-/Beratungsangebote der Kinder- und Jugendhilfe, sollen zunächst niedrigschwellige Zugänge für die Zielgruppe Schwangere und Familien mit Kinder, bis zum 6. Lebensjahr sichergestellt werden.
Bei sich verändernden Rahmenbedingungen sollen die Umsetzungsarbeiten der Anlaufstelle `Haus der Familie´ schnellst möglich wieder aufgenommen werden, um das Ziel einer familienfreundlichen, zentralen Bearbeitung von familienorientierten Beratungs- und Dienstleistungen für die gesamte Zielgruppe der Jugendhilfe (Schwangere, Kinder, Jugendliche und junge Volljährige bis zum 27. Lebensjahr) in Oberhausen sicher stellen zu können.
Quellen:
Oberhausener Familienbericht 2022_Beiträge zur Stadtentwicklung Nr. 114
Sozialbericht 2022 _Zweite Aktualisierung des Sozialindex für die Oberhausener Sozialquartiere
Wir im Revier – Oberhausen Projektkonzeption_ 2024
[1] Sozialbericht 2022 _Zweite Aktualisierung des Sozialindex für die Oberhausener Sozialquartiere
[2] 4. Oberhausener Familienbericht 2022_Beiträge zur Stadtentwicklung Nr. 114
[3] Wir im Revier – Oberhausen Projektkonzeption_ 2024
