02.02.2021 - 5 Bericht zur "Örtlichen Planung nach § 7 Alten- ...
Grunddaten
- TOP:
- Ö 5
- Gremium:
- Integrationsrat
- Datum:
- Di., 02.02.2021
- Status:
- gemischt
- Uhrzeit:
- 17:00
- Anlass:
- Sitzung
- Beratung:
- öffentlich
- Vorlageart:
- Berichtsvorlage
- Federführung:
- Soziales
- Bearbeitung:
- Dorothea Albrecht
- Beschluss:
- zur Kenntnis genommen
Beratung
Diese Vorlage war ebenfalls für den 08.12.2020 zur Vorlage im Integrationsrat vorgesehen. Aufgrund der erfolgten Abstimmung wurde die Vorlage auf heute verschoben.
Vors. Erdas begrüßt Herrn Bohnes, Leiter des Bereichs 3-2/Soziales, zur Einführung in den TOP. Herr Kegelmann, der eigentlich zum TOP berichten sollte, kann aufgrund der aktuellen Situation nicht an der Sitzung teilnehmen.
Herr Bohnes stellt sich und den Bereich 3-2/Soziales zunächst vor. Der Bereich ist hauptsächlich für die Administration von Transferleistungen in verschiedenen Lebensbereichen zuständig, bspw. für Grundsicherung, Eingliederungshilfen, Leistungen zur Pflege oder Leistungen nach AsylbLG.
Der vorliegende Bericht zur Örtlichen Planung gem. § 7 APG NRW 2020 - 2024 wird alle zwei Jahre fortgeschrieben und prüft, ob die Infrastruktur an Alten- und Pflegeangeboten die voraussichtlichen Bedarfe der kommenden Jahre decken können. Anhand dieser Analyse bzw. Überprüfung werden Handlungsempfehlungen ausgesprochen, um den kommenden Bedarfen gerecht zu werden. Vor dem Hintergrund, dass sich sowohl der Anteil als auch die Anzahl der pflegebedürftigen Senior*innen mit Migrationshintergrund in Oberhausen in den kommenden Jahren erhöhen wird, gelte es auch, interkulturelle Aspekte stärker zu berücksichtigen. In Oberhausen könne man die demografischen Herausforderungen der kommenden Jahre bewältigen, da auf eine solide Infrastruktur aufgebaut werden kann.
Vors. Erdas bedankt sich bei Herr Bohnes und erteilt Herrn Telli das Wort.
Dieser verweist zunächst darauf, dass der Integrationsrat strukturell in die Alten- und Pflegeplanung eingebunden ist. Unter Beteiligung des Integrationsrates konnten Entwicklungen angestoßen werden, um auf die von Herr Bohnes genannten steigenden Bedarfe zu reagieren. Auch in der Konferenz für Vielfalt und Integration 2019, an der Oberbürgermeister Schranz sowie die Beig. Tsalastras, Schmidt und Jehn ebenfalls teilgenommen haben, sei die interkulturelle Pflege als ein zentrales Ziel im Rahmen der Interkulturellen Öffnung festgelegt worden. Konsens war es ebenfalls, die Voraussetzungen für ein Tagespflegezentrum in Oberhausen Osterfeld zu schaffen. Es gehe darum, den riesigen Bedarf an Tagespflege zu decken. Herr Telli zufolge bedingen sich die steigenden Bedarfe nicht nur durch die steigende Anzahl und den steigenden Anteil der älteren Migrant*innen. Auch hänge dies damit zusammen, dass Kinder der Migrantengesellschaft sich - ohne das zu werten - angleichen und traditionelle Familienstrukturen sich mehr und mehr auflösen. Vor allem Frauen seien unter den Pflegebedürftigen, da die damaligen Gastarbeiter aufgrund schwerer Arbeit oftmals früh gestorben seien und diese Frauen nun in einem Alter seien, in dem die Wahrscheinlichkeit auf Pflegebedürftigkeit stark zunimmt. Nun gelte es, danke zu sagen für die Lebensleistung der Migrant*innen. Auch die neue Geschäftsführerin der Alteneinrichtungen der Stadt Oberhausen (ASO) sei gewillt, an der interkulturellen Ausrichtung der Angebote im Bereich Alter und Pflege mitzuwirken und diese voranzubringen.
Darüber hinaus informiert Herr Telli über die vom Integrationsrat in Kooperation mit verschiedenen Migrantenselbstorganisationen (MSOs), Moscheevereinen und dem Quartiersbüro Osterfeld ins Leben gerufene „Impfpatenschaften“. Die Überlegung hinter diesen Patenschaften war es, ältere Migrant*innen die Hürden zu nehmen, die bis zur Corona-Schutzimpfung bestehen. Die Stadt Oberhausen hatte allen über 80-jährigen Oberhausener*innen Briefe zukommen lassen, um sie über die Möglichkeit zu informieren, sich impfen zu lassen. Dass dies jedoch nicht ausreiche, um eine Impfung zu gewährleisten, verdeutlicht Herr Telli an einem Beispiel. Zunächst müssten die älteren Senior*innen den Brief richtig verstehen, was schon aufgrund sprachlicher Hürden nicht bei allen älteren Migrant*innen angenommen oder vorausgesetzt werden kann. Wenn ein*e Senior*in dann noch alleine lebt oder keine Angehörigen hat, die sich um die Terminfindung kümmern, erschwert dies eine Impfung zusätzlich. Auch Oberhausener*innen ohne Migrationshintergrund hätten mit der Terminfindung Schwierigkeiten gehabt. Mehrmalige Telefonversuche, ein nicht ganz simples Terminfindungssystem im Internet und die Anfahrt zum Impfzentrum seien alles Punkte, an denen das Vorhaben „Impfung“ misslingen könne.
An dieser Sollbruchstelle setzen die Impfpatenschaften an. Die MSOs, Moscheevereine und weitere Initiativen sammeln die Kontaktdaten der ihnen bekannten über 80- und über 70-jährigen Senior*innen mit Migrationshintergrund. Die Informationen werden bei der Geschäftsstelle des Integrationsrates gebündelt und (auf datenschutzkonforme Weise) an das Quartiersbüro Osterfeld weitergeleitet. Gleiches Vorgehen erfolgt für die hilfsbereiten Menschen, die sich als Pat*innen zur Verfügung stellen. Das Quartiersbüro Osterfeld kümmert sich dann darum, dass den Senior*innen Pat*innen an die Hand gegeben werden. Diese stehen den Senior*innen bei der Terminfindung, bei der Anfahrt und Begleitung bei der Impfung zur Seite. Motivation hinter den Impfpatenschaften war es, möglichst viele Menschen zur Impfung zu bringen, damit möglichst keine dieser Personen durch Netz fallen und eine möglichst breite Impfung der gesamten Stadtgesellschaft erreicht werden kann. Im Quartiersbüro Osterfeld wird das Projekt zudem von Frau Derin, ebenfalls Integrationsratsmitglied, und Frau Bulut, welche in der 25. Sitzung des Integrationsrates am 09.04.2019 die Ergebnisse ihrer Bachelorarbeit zum Thema „Interkulturelle Seniorenarbeit im Quartier Oberhausen Osterfeld“ vorstellte, begleitet. Bislang kamen 300 Patenschaften zustande. Hier sehe man den Mehrwert für die Stadt Oberhausen und dies sei ein gutes Beispiel dafür, dass Integration nicht immer negativ besetzt werden sollte.
Frau Pollara-Gennaro äußert die Idee, Telefonnummern des Integrationsrates oder der MSOs auf die Briefe der Stadt zu schreiben, damit sich die älteren Senior*innen auch direkt an die jeweiligen Kooperationspartner*innen der Impfpatenschaften wenden können. Vors. Erdas erwidert, dass vorerst keine weiteren Schreiben geplant seien. Jedoch nimmt sie die Anregung mit. Herr Schmidt ergänzt in Bezug auf die technische Umsetzbarkeit, dass die rund 15.000 Schreiben pauschal an alle über 80-jährigen Oberhausener*innen verschickt wurden und die Filterung nach Oberhausener*innen mit Migrationshintergrund und somit eine individuelle bzw. differenzierte Anpassung der Briefe erschwert und voraussichtlich recht problematisch sei. Jedoch nimmt auch er die Anregung mit. Weiterhin äußert er, dass die Impfpatenschaften eine hervorragende Idee seien und alle Bemühungen, um möglichst viele Menschen zur Impfung zu bringen, wertgeschätzt werden.
Anlagen zur Vorlage
| Nr. | Name | Original | Status | Größe | |
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1
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(wie Dokument)
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64,4 MB
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